{"id":14921,"date":"2024-10-03T15:55:34","date_gmt":"2024-10-03T13:55:34","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14921"},"modified":"2024-10-03T15:55:36","modified_gmt":"2024-10-03T13:55:36","slug":"unterschaetztes-eskalationspotenzial-us-raketen-auf-den-philippinen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14921","title":{"rendered":"Untersch\u00e4tztes Eskalationspotenzial: US-Raketen auf den Philippinen"},"content":{"rendered":"<p><em>Ramon Schack. <\/em><strong>Die USA und die Philippinen kooperieren seit April mit einem US-System f\u00fcr Mittelstreckenraketen auf der Insel Luzon. Peking reagiert darauf scharf und bel\u00e4sst es nicht nur bei verbalen Protesten. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Im Sp\u00e4tsommer 2021, w\u00e4hrend die Welt\u00f6ffentlichkeit gebannt die Flucht der US-Truppen aus Afghanistan verfolgte, tingelte US-Vizepr\u00e4sidentin Kamala Harris durch S\u00fcdostasien, um die von Washington geplante Allianz gegen die Volksrepublik China in ein engeres Korsett zu schn\u00fcren.<\/p>\n<p><strong>Vom Hindukusch ins S\u00fcdchinesische Meer<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend in den Medien Bilder liefen, welche das katastrophale Scheitern der geopolitischen Strategie der USA und des Westens am Hindukusch illustrierten, kritisierte die US-Vizepr\u00e4sidentin in Singapur damals Chinas \u201eaggressives Verhalten\u201c im Randmeer des Pazifischen Ozeans. \u201ePeking \u00fcbt weiterhin Druck aus, sch\u00fcchtert ein und erhebt Anspruch auf einen Gro\u00dfteil des S\u00fcdchinesischen Meeres\u201c, klagte Harris \u2013 so, als sei dieses Meer nicht Teil der chinesischen Hemisph\u00e4re, sondern ein Binnengew\u00e4sser der USA.<\/p>\n<p><strong>Eine neue Priorit\u00e4t der Au\u00dfenpolitik Washingtons<\/strong><\/p>\n<p>Die Region sei f\u00fcr die Sicherheit und den Wohlstand der USA von entscheidender Bedeutung und daher eine Priorit\u00e4t f\u00fcr die Au\u00dfenpolitik Washingtons, verdeutlichte Harris. Unbeantwortet blieb dagegen die Frage, wie denn Washington darauf reagieren w\u00fcrde, wenn China den Golf von Mexiko oder die Karibik als entscheidend f\u00fcr die eigenen Interessen deklarieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Politikerin der Demokratischen Partei beschloss ihren Auftritt mit dem Versprechen, dass die Vereinigten Staaten ihre Verb\u00fcndeten in der Region angesichts der Gefahr nicht im Stich lassen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Traditionell wurden die Anrainerstaaten des Indischen Ozeans \u2013 in diesem Fall die asiatischen Anrainerstaaten, denn dieser Ozean reicht auch an die K\u00fcsten Ostafrikas und West-Australiens \u2013 als S\u00fcdasien betrachtet, getrennt von den s\u00fcdost- und ostasiatischen Pazifikanrainern.<\/p>\n<p>Der langj\u00e4hrige Konflikt um das S\u00fcdchinesische Meer, als integraler Bestandteil der Region \u201eIndopazifik\u201c, wird zwischen mindestens sechs Staaten ausgetragen: China, Brunei, Vietnam, Taiwan (ein international nur bedingt anerkannter Staat), Malaysia und den Philippinen. Diese L\u00e4nder beanspruchen das S\u00fcdchinesische Meer sowie die dort liegenden Inselgruppen \u2013 die Paracel-Inseln (beansprucht von China, Vietnam und Taiwan) und das Spratly-Archipel (beansprucht von China, Brunei, Vietnam, Malaysia, Taiwan und den Philippinen).<\/p>\n<p><strong>Pekings Anspr\u00fcche<\/strong><\/p>\n<p>Peking fordert volle 90 Prozent der umstrittenen Gebiete als Teil des Territoriums der Volksrepublik. Hierbei handelt es sich um eine Fl\u00e4che von mehr als einer Million Quadratmeilen, die sich von Taiwan bis Malaysia erstreckt. Peking st\u00fctzt seinen Anspruch auf eine Nachkriegskarte aus dem Jahr 1947, die auch als \u201eNeun-Punkte-Linie\u201c bekannt ist. Dieser durchaus imperiale Anspruch Pekings wird von den anderen Anrainerstaaten als illegal betrachtet, wobei man sich auf das UN-Seerechts\u00fcbereinkommen und die Bestimmungen \u00fcber die freie Schifffahrt beruft. 2016 entschied ein internationales Gericht unter Vermittlung des St\u00e4ndigen Schiedshofs in Den Haag (das Verfahren war von den Philippinen angestrengt worden), dass die Gebietsanspr\u00fcche Chinas im S\u00fcdchinesischen Meer unbegr\u00fcndet sind. Das Problem hierbei: Die Volksrepublik erkennt die Zust\u00e4ndigkeit des Haager Gerichtshofs nicht an.<\/p>\n<p><strong>Washingtons Einfluss auf Manila<\/strong><\/p>\n<p>Peking warf dabei Manila vor, den Interessen der USA zu dienen. Die Volksrepublik spielt dabei auf die \u201espeziellen Beziehungen\u201c zwischen Manila und Washington an.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg zwischen Spanien und der USA, im Jahr 1900, \u00fcbernahm Washington aus dem zusammenbrechenden Kolonialreich Madrids die Herrschaft \u00fcber Kuba und Puerto Rico in der Karibik sowie \u00fcber Guam und die Philippinen.<\/p>\n<p>Als sich danach die Truppen des damaligen US-Pr\u00e4sidenten Theodore Roosevelt bem\u00fchten, die \u00fcberwiegend hispanisierten katholischen Filipinos oberfl\u00e4chlich zu amerikanisieren, stie\u00df das Expeditionskorps Washingtons auf die muslimischen Ethnien im S\u00fcden des Archipels, welche man als Moros bezeichnet. Die Truppen gingen auf Mindanao mit brutaler H\u00e4rte gegen den Aufstand vor, welcher Z\u00fcge eines Genozids annahm. Nach dem Zweiten Weltkrieg, welcher die Philippinen ebenfalls zum Schlachtfeld machte, und der Kapitulation der Japaner wurde Manila unter den strengen Augen Washingtons als St\u00fctzpunkt der US-Marine in der Region ausgebaut. Bereits 1951 unterzeichneten der Inselstaat und die USA einen Vertrag \u00fcber eine gegenseitige Verteidigung (Mutual Defense Treaty). Er sieht vor, dass im Falle eines Angriffs auf eines der beiden L\u00e4nder das jeweils andere zur Unterst\u00fctzung kommt.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung setzte sich fort und steigerte sich w\u00e4hrend des Vietnam-Krieges, als die Philippinen als einer der bedeutendsten US-St\u00fctzpunkte im Pazifik fungierten. Unter dem Clan der Marcos-Sippe, die heute wieder an der Macht ist, setzte sich diese betr\u00fcbliche Entwicklung fort. Pr\u00e4sident Duterte, bis Juni 2022 im Amt, war darum bem\u00fcht, Washingtons Einfluss zu verkleinern und die Beziehungen zu Peking auszubauen. Dies gelang ihm jedoch nicht.<\/p>\n<p>Aber aufgrund der geografischen N\u00e4he der Philippinen zum Einflussgebiet Pekings stellt die Unterordnung unter Washingtons geopolitische Strategie ein hohes Risiko dar. Drei Jahre sp\u00e4ter ist aus diesen Ansagen konkrete Politik geworden. Peking zeigt sich entr\u00fcstet \u00fcber die Stationierung des MRC-Systems auf den Philippinen und forderte dessen Entfernung.<\/p>\n<p>Dieses bodengest\u00fctzte System kann sowohl die Standard Missile 6 (SM-6) als auch die Tomahawk Land Attack Missile abfeuern. Gem\u00e4\u00df der US-Army bedeutet die Stationierung des MRC-Systems einen \u201ebedeutenden Meilenstein\u201c und zielt darauf ab, die Zusammenarbeit und Verteidigungsf\u00e4higkeit der Philippinen zu verbessern, wie der <em>Business Insider<\/em> berichtet.<\/p>\n<p>Die Volksrepublik belie\u00df es nicht bei markigen Worten. Letzte Woche feuerten die Chinesen gem\u00e4\u00df der <em>New York Times<\/em> eine interkontinentale ballistische Rakete mit einem Dummy-Sprengkopf in den Pazifik, wie das Verteidigungsministerium der Volksrepublik verlautbaren lie\u00df. Hierbei handelte es sich um eine Machtdemonstration bez\u00fcglich der eigenen ballistischen Kompetenz.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=122398\"><em>nachdenkseiten.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 3. Oktober 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ramon Schack. Die USA und die Philippinen kooperieren seit April mit einem US-System f\u00fcr Mittelstreckenraketen auf der Insel Luzon. 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