{"id":14937,"date":"2024-10-06T10:30:44","date_gmt":"2024-10-06T08:30:44","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14937"},"modified":"2024-10-06T10:30:46","modified_gmt":"2024-10-06T08:30:46","slug":"die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=14937","title":{"rendered":"Die Macht der Faschisten in der Ukraine ist kein Hirngespinst"},"content":{"rendered":"<p><em>Georg Auernheimer. <\/em>Das im Vorjahr erschienene Buch \u201eThe Tragedy of Ukraine\u201c von Nicolai Petro, Professor f\u00fcr Politikwissenschaft an der Universit\u00e4t von Rhode Island, verdient Aufmerksamkeit, zumindest das Kapitel 3 \u201eThe Fatal Attraction of the Far Right\u201c. Die Ausf\u00fchrungen, die Petro auf Basis seiner Analyse von ukrainischen Medien und anderer Dokumente macht, belegen<!--more--> den politischen Einfluss der Faschisten. Sie korrigieren das hierzulande gepflegte offizielle Narrativ \u00fcber den Ukrainekonflikt in diesem Punkt, und zwar noch deutlicher als andere kritische Publikationen zu dem Thema.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a> Die Rolle der Ultra-Nationalisten, genauer Faschisten, deren Einfluss hierzulande herunter gespielt, wenn nicht geleugnet wird,<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a> nimmt in Petros Argumentation einen zentralen Stellenwert ein.<\/p>\n<p>Dass die Rolle der USA in dem Konflikt im Buch unterbelichtet bleibt, steht auf einem anderen Blatt. Die geopolitischen Interessen spricht Petro erst gegen Ende seiner Darstellung an.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a> Er schenkt ihnen weniger Beachtung als dem historisch bedingten Konflikt zwischen der Galician und der Maloross Ukraine (266f.), weil er den Schl\u00fcssel f\u00fcr eine \u201ereconciliation\u201c sucht.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a> Petro interpretiert den Konflikt n\u00e4mlich auf der Folie der griechischen Trag\u00f6die. Und die Trag\u00f6die der Ukraine besteht f\u00fcr ihn darin, dass der in der Westukraine wurzelnde Ultra-Nationalismus ein stabiles demokratisches System verhindert, weil sich die Nationalisten hartn\u00e4ckig der Regionalisierung widersetzen, die f\u00fcr die Ukraine aufgrund ihrer Geschichte geboten sei. Petro f\u00fchrt Autoren an, die von Ukraine im Plural sprechen (36).<\/p>\n<p>Die nationale Identit\u00e4t aber wurde von den meist aus der Westukraine, der \u201eGalician Ukraine\u201c, stammenden Nationalisten definiert, was absolut realit\u00e4tsfremd war und die Zerrei\u00dfprobe bedingte, die zum B\u00fcrgerkrieg f\u00fchrte. Dabei w\u00e4re nach Petro Offenheit f\u00fcr kulturelle Vielfalt gefordert gewesen, die Bereitschaft, die \u201eAndere Ukraine\u201c anzuerkennen, um eine stabile, friedliche Ordnung zu schaffen. Er l\u00e4sst keinen Zweifel daran, dass die Wurzel des Konflikts innerhalb der Ukraine zu suchen sei. In dem Kapitel \u00fcber die K\u00e4mpfe nach dem Staatsstreich weist er die stupide Behauptung, Russland habe diese ma\u00dfgeblich befeuert, zur\u00fcck (211ff.).<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich auf das Kapitel 3 \u201eThe Fatal Attraction of the Far Right\u201c konzentrieren und den \u00fcbrigen Inhalt im Folgenden nur knapp skizzieren.<\/p>\n<p><strong>Unterschiedliche Narrative \u00fcber die Nation<\/strong><\/p>\n<p>Um den Leitgedanken seiner Konfliktdarstellung zu begr\u00fcnden, erl\u00e4utert Petro im ersten Kapitel, was die antike Trag\u00f6die aus seiner Sicht mit dem gegenw\u00e4rtigen Konflikt zu tun hat. Die Trag\u00f6die bestehe darin, dass Individuen oder auch V\u00f6lker ihre Selbstzerst\u00f6rung nicht aufhalten, weil sie sich der Konfliktursache nicht bewusst sind (31). Im zweiten Kapitel \u201eTwo Nations in One State\u201c geht Petro auf die Geschichte und die Geschichtspolitik, auf die gegens\u00e4tzlichen Narrative der Galician und der Maloross Ukraine ein. Beide erz\u00e4hlten unterschiedliche Geschichten \u00fcber dasselbe Land (38). Auch in der Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg seien die Banderisten f\u00fcr die eine Seite Helden, f\u00fcr die andere Seite Verr\u00e4ter und Kriminelle. Die Unterdr\u00fcckungslegende der Nationalisten widerlegt Petro in seinen historischen Ausf\u00fchrungen \u00fcber die ukrainische SSR. Die Entwicklung der Ukraine seit der Unabh\u00e4ngigkeit sieht er zuerst gekennzeichnet durch das Bem\u00fchen der Regierung um eine Balance zwischen Westorientierung und traditioneller Bindung an Russland, sp\u00e4testens ab 2004 unter der Pr\u00e4sidentschaft von Juschtschenko durch eine gesellschaftlich stark umstrittene Zuwendung zum Westen, die ab 2010 unter der Pr\u00e4sidentschaft von Janukowitsch abgeschw\u00e4cht wurde. Westorientierung und Nationalismus werden als in der Galician Ukraine verankert gesehen.<\/p>\n<p>Nach dem Kapitel \u00fcber die Far Right will Petro im vierten Kapitel zeigen, wie der Nationalismus nicht nur politisch l\u00e4hmt, sondern sogar innen- wie au\u00dfenpolitisch eine selbstsch\u00e4digende, f\u00fcr ihn unpatriotische Politik bedingt. \u2013 Petro legt Wert auf die Unterscheidung zwischen Nationalismus und Patriotismus. \u2013 Generell sei die Abkoppelung von der russischen Wirtschaft \u201esuicide economics\u201c gleichgekommen (151). Au\u00dferdem f\u00fchrt er beispielhaft an: Im Kampf gegen das Corona-Virus nahm man h\u00f6here Kosten, Engp\u00e4sse und das Misstrauen der Bev\u00f6lkerung in Kauf, weil man den Impfstoff Sputnik V aus Russland ablehnte. Die Schlie\u00dfung russischer Banken in der Ukraine behinderte die \u00dcberweisung der Remittances der Arbeitsmigranten aus Russland und schm\u00e4lerte die Deviseneinahmen. Weil man Erdgaslieferungen aus Russland ablehnt, zahlt man einen h\u00f6heren Preis f\u00fcr russisches Gas, das \u00fcber die Slowakei, Ungarn und Polen geliefert wird. F\u00fcr besonders selbstdestruktiv h\u00e4lt Petro die nationalistische Kulturpolitik mit dem Sprachgesetz und der Aufl\u00f6sung der orthodoxen-Kirche Moskauer Patriarchats.<\/p>\n<p>Im f\u00fcnften Kapitel \u201eThe Tragedies of Crimea and Donbass\u201c bringt er viele Belege daf\u00fcr, dass die Abtrennung der Krim nur als Sezession interpretiert werden kann, und dass die Bev\u00f6lkerung des Donbass schon sp\u00e4testens ab 2004 der nationalistischen Bewegung in Galizien und in Kiew ablehnend gegen\u00fcberstand. Im sechsten Kapitel erinnert Petro an den bei uns ganz unbekannten Streitschlichtungsversuch aus dem Jahr 2014 in Genua unter Beteiligung Russlands, der USA und der EU, der von Poroschenko damals abgebrochen wurde, und pr\u00fcft aus der Ukraine kommende Vorschl\u00e4ge f\u00fcr die Beilegung des Konflikts, befragt historische F\u00e4lle, wie gespaltene Gesellschaften wieder zusammengef\u00fcgt werden k\u00f6nnen und was f\u00fcr eine Auss\u00f6hnung hilfreich sein k\u00f6nnte (z.B. Wahrheitskommissionen).<\/p>\n<p>Nun zu den Ausf\u00fchrungen \u00fcber die Ideologie und Strategie der extremen Rechten, die den im Westen dominanten Diskurs \u00fcber die Ukraine als Sch\u00f6nf\u00e4rberei entlarven.<\/p>\n<p><strong>Die Rechte in Schl\u00fcsselpositionen<\/strong><\/p>\n<p>Petro greift den verst\u00e4ndlichen und verbreiteten Einwand auf, dass die Far Right bei Wahlen doch nicht sehr gut abgeschnitten habe. Immerhin zehn Prozent der Stimmen holte die Partei Swoboda bei der Parlamentswahl 2012 (96). Aber die St\u00e4rke der Rechten liegt nicht bei parlamentarischen Mehrheiten, wie schon in einer Studie der deutschen Stiftung Wissenschaft und Politik best\u00e4tigt wurde, und wird auch nicht dort gesucht. 2009 entwarf Dmitry Jarosch vom Rechten Sektor in einer Publikation die Strategie zur Vorbereitung der Wahl von 2012. Die darin vorgesehenen Zentren der national-revolution\u00e4ren Indoktrination zur Mobilisierung von B\u00fcrgern und die Initiierung von Demonstrationen (96) dienten nicht nur der Wahlkampagne.<\/p>\n<p>Die Rechten sind zwar auch bestrebt, vor allem im Sicherheitsapparat Schl\u00fcsselpositionen zu besetzen \u2013 das gelang ihnen bereits 2012 \u2013 aber sie konzentrieren ihre politische Arbeit auf den au\u00dferparlamentarischen Bereich und \u00fcben Druck auf die Regierung aus. So erkl\u00e4rt sich der erstaunliche Wandel der Politik von Poroschenko wie Selenski nach ihrem Amtsantritt. Beide waren als Friedensbringer zur Wahl angetreten und mutierten zu Hardlinern. \u201eSince 2014, all Ukrainian governments have kowtowed to Far Right nationalism\u201c (119). Alle Regierungen seit 2014 h\u00e4tten sich dem Nationalismus der extremen Rechten gebeugt.<\/p>\n<p>Als Beispiel f\u00fcr das \u201eMainstreaming the Far Right\u201c f\u00fchrt Petro die Statements von Regierungsvertretern an, die Integration der Donbass-Bev\u00f6lkerung erfordere ein Umerziehungsprogramm, Beschr\u00e4nkung der B\u00fcrgerrechte oder auch Pr\u00e4ventivhaft f\u00fcr Personen mit russischem Pass (111). Die politische Macht der extremen Rechten in der Ukraine sei nicht mit den \u00fcblichen Ma\u00dfst\u00e4ben zu messen. \u201eThe Right Sector, and the Far Right in general, should thus be viewed as a supra-institutional, rather than a institutional aspect of Ukrainian political life\u201c (105). Asow scheint mit der Gr\u00fcndung von Jugendorganisationen etc. relativ erfolgreich bei der Gewinnung kultureller Hegemonie (s. unten). Die extreme Rechte insgesamt nutzt sehr effektiv die Sozialen Medien (100).<\/p>\n<p>Drei Organisationen bestimmen nach Petro das politische Leben in der Ukraine: Swoboda als Partei, der Rechte Sektor und die Asow-Brigade, die weit mehr ist als eine milit\u00e4rische Einheit. Gleich nach der Unabh\u00e4ngigkeit seien mit finanzieller Unterst\u00fctzung von Organisationen der Exil-Ukrainer nationalistische Organisationen geschaffen worden, oft Hand in Hand mit dem Aufbau paramilit\u00e4rischer Strukturen (91), darunter die Sozial-nationale Partei der Ukraine (SNPU), die nach Einsch\u00e4tzung von Petro f\u00fcr eine ukrainische Variante des Nationalsozialismus steht, weil ihre Ideologie auf den \u201eZehn Geboten der ukrainischen Nationalisten\u201c des OUN-Ideologen Stepan Lenkavsky aus den 1920er Jahren basiere (ebd.).<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a> Oleh Tjahnybok, der die Partei nach einem F\u00fchrungsstreit \u00fcbernahm, habe die Partei 2004 in Swoboda (Freiheit) umbenannt, um dem Namen den unangenehmen (unpalatable) Beigeschmack zu nehmen (92).<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a> Nach dem Wahlsieg Juschtschenkos 2004 konnte Swoboda mehrere Vertreter im Regierungsapparat unterbringen. Nach der Wahl von 2012, in der Swoboda 10 Prozent erreichte, h\u00e4tten moderate Oppositionsparteien sie umworben und dann auch 2013 mit ihr zum Aufstand aufgerufen (96f.).<\/p>\n<p>Der Rechte Sektor ist im Zuge der Maidan-Proteste aus dem B\u00fcndnis von vier nationalistischen Organisationen hervorgegangen. Die von Jarosch entworfene Strategie des Rechten Sektors habe ich schon referiert. Die Vereinigung gewann nach Petro Anziehungskraft f\u00fcr Jugendliche (96). Im Lauf der Maidan-Proteste habe sie 10.000 K\u00e4mpfer sammeln k\u00f6nnen. Der Rechte Sektor sieht oder sah f\u00fcr sich nach Petro drei Aufgaben: den Widerstand auf der Krim und im Donbass zu brechen, die Regionen in der Zentralukraine zu befrieden (pacify) und die Regierung unter Kontrolle zu halten und einzusch\u00fcchtern (indimidation) (97). Jarosch habe regelm\u00e4\u00dfig mit dem Marsch seiner Truppe gegen Kiew gedroht, um das Parlament unter Druck zu setzen. Auch Verd\u00e4chtige aus unterschiedlichen Berufsgruppen werden eingesch\u00fcchtert. \u201eThey also routinely intimidated local officials, judges, religious leaders, journalists, teachers, entertainers, and sport figures they suspected of being disloyal to the new order\u201c (104). Die separatistischen Bestrebungen im Donbass wurden anfangs von Freiwilligenbataillonen mit Strafaktionen beantwortet, weil die regul\u00e4re Truppe sich weigerte (111). Diese sei \u201eessentially paralyzed\u201c gewesen (218).<\/p>\n<p><strong>Extreme Rechte keine Reaktion auf Russlands Angriff<\/strong><\/p>\n<p>Swoboda und der Rechte Sektor seien die ma\u00dfgebenden Akteure bei dem Maidan-Aufstand gewesen, wobei Petro von einer Arbeitsteilung ausgeht (94). Die Aktivisten des Rechten Sektors waren gewaltbereiter und gewaltt\u00e4tiger. Aber die Eskalation der Proteste sei von beiden koordiniert worden (96). Die Unterscheidung zwischen Swoboda und Rechtem Sektor in den Medien entsprechend der Abgrenzung der Partei vom Rechten Sektor sei taktischer Natur gewesen, um dem Westen ein Bild moderater Parteinahme auf dem Maidan zu bieten (97).<\/p>\n<p>Asow ist in den 1990er Jahren aus einer Abspaltung der SNPU bzw. aus einem paramilit\u00e4rischen Arm der SNPU hervorgegangen. Ab 2004 hat die Formation ein Netzwerk von rechten Organisationen geschaffen wie das Nationale Corps, das Jugendcorps, die Sonderkommandos (druzhiny), Sportvereine, die Bruderschaft der Veteranen (Veterans Brotherhood) und das Verlagshaus \u201eOrientir\u201c (97). Die Mitglieder sehen sich wie der Rechte Sektor zur Einsch\u00fcchterung von \u201eVerr\u00e4tern\u201c verpflichtet. Petro berichtet, dass 2020 eine Veranstaltung in Mariupol, auf der die Nationale Plattform f\u00fcr Vers\u00f6hnung und Einheit pr\u00e4sentiert werden sollte, nach zwanzig Minuten abgebrochen werden musste, weil 70 junge Leute vom Nationalen Corps von Asow den Saal st\u00fcrmten. Sie riefen \u201eVerr\u00e4ter\u201c und schlugen den Initiator der Plattform nieder (241f.).<\/p>\n<p>Petro weist die Ansicht zur\u00fcck, der extreme Nationalismus sei eine Reaktion auf den Angriff Russlands (118), wie hierzulande manchmal verst\u00e4ndnisvoll ge\u00e4u\u00dfert wird. Russland gelte seit den Anf\u00e4ngen dieser Bewegung als der ewige Feind (\u201ethe Eternal Enemy\u201c). Der Krieg mit Russland musste vielmehr den Nationalisten willkommen sein, weil er den kriegerischen Geist der Nation wecken w\u00fcrde (\u201ebecause it will \u201aarouse the militaristic spirit of the nation\u2018\u201c).<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a> Der ehemalige Innenminister Arsen Awakow erkl\u00e4rte 2014, den Krieg mit Russland brauche man nicht zu f\u00fcrchten, denn er habe eine heilsame, reinigende Wirkung auf die Nation (a salutary and \u201acleansing\u2018 effect an the nation). Einige Politiker h\u00e4tten sich \u00e4hnlich ge\u00e4u\u00dfert, so Petro (176).<\/p>\n<p>Russland ist der ewige Feind, weil Russland eine Bedrohung f\u00fcr den Volksk\u00f6rper darstellt. Um das Nationsverst\u00e4ndnis der Banderisten zu verdeutlichen, f\u00fchrt Petro Aussagen von Wasil Iwanischin, dem Begr\u00fcnder des \u201eDreizacks von Bandera\u201c an. Die Nation sei kein \u201emechanischer\u201c Verband von B\u00fcrgern, sondern \u201eeine bewusste und aktive Einheit\u201c (Zitat Iwanischin, 114). Die Erneuerung der Nation sei der \u201ekategorische Imperativ\u201c. In einem historischen Abschnitt \u00fcber die Entstehung der Organisation ukrainischer Nationalisten (OUN) l\u00e4sst Petro keinen Zweifel an deren v\u00f6lkischem Verst\u00e4ndnis von Nation. Er zitiert Dmytro Dontsow, der mit dem 1926 publizierten Buch \u201eNationalismus\u201c zu einem f\u00fchrenden Ideologen der OUN geworden sei.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a> Dessen Ansichten, die Natur kenne keinen Humanismus, es gelte das Recht des St\u00e4rkeren, das Existenzrecht der Nation stehe h\u00f6her als das Lebensrecht des Individuums, sind faschistisches Gedankengut. Nach Petro dienen die Schriften Dontsows nach wie vor als Inspirationsquelle f\u00fcr ukrainische Nationalisten (60). Manche Gruppen haben auch Gedankengut der White Supremacy aus den USA aufgegriffen (113).<\/p>\n<p>Meine Schlussfolgerung: Der russische Au\u00dfenminister Lawrow hat also doch keine verzerrte Realit\u00e4tswahrnehmung, wenn er \u201eeine nazistische Bedrohung f\u00fcr die Russische F\u00f6deration\u201c sieht.<a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Fu\u00dfnoten<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote1anc\">1<\/a> Nicolai N. Petro: The Tragedy of Ukraine. Walter de Gruyter, Berlin\/Boston 2023. ISBN 978-3-11-135605-1.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote2anc\">2<\/a> Vieles, was Petro \u00fcber die extreme Rechte in der Ukraine, berichtet, findet man auch in Zeitungs- und Zeitschriftenbeitr\u00e4gen von Susan Witt-Stahl (z.B. <a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/politik\/welt\/verblendet-durch-die-schwarze-sonne\/\">hier<\/a>). Aber vielleicht wirken die Analysen eines US-Professors f\u00fcr viele glaubw\u00fcrdiger. Selbst bei Linken sehe ich oft Skepsis, wenn von den ukrainischen Faschisten die Rede ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote3anc\">3<\/a> Einmal verweist er auf die massive Einflussnahme von \u201eUSAID-funded groups\u201c in der Ukraine (81).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote4anc\">4<\/a> Nach meiner Interpretation des Konflikts dient die innerukrainische Zerissenheit den USA als strategisches Mittel, um die Ukraine dem russischen Einfluss zu entziehen, was den wohlwollenden Umgang mit der nationalistischen Bewegung erkl\u00e4rt (Auernheimer: Die strategische Falle, K\u00f6ln 2024). Kleinrussland oder Malorossija war die Bezeichnung f\u00fcr das Gouvernement im S\u00fcdwesten des Zarenreichs.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote5anc\">5<\/a> Lenkavsky starb 1977 in M\u00fcnchen. Er forderte 1941: \u201eIn Bezug auf die Juden m\u00fcssen wir alle Methoden anwenden, die ihrer Vernichtung dienen\u201c (zit. nach Thomas Schmid, <a href=\"https:\/\/schmid.welt.de\/2022\/07\/01\/andrij-melnyk-und-der-ukrainische-nationalismus\/\">https:\/\/schmid.welt.de\/2022\/07\/01\/andrij-melnyk-und-der-ukrainische-nationalismus\/<\/a> abgerufen am 12.09.24<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote6anc\">6<\/a> Tjahnybok spielte sp\u00e4ter eine entscheidende Rolle bei den Maidan-Protesten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote7anc\">7<\/a> Zitat mit mehreren Referenzen in der Fu\u00dfnote 90 auf Seite 114.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote8anc\">8<\/a> Dmytro Dontsow \u00fcbernahm Ideen von Friedrich Nietzsche und Georges Sorel und \u00fcbersetzte die Schriften von Mussolini und Hitler. Den NS-Staat betrachtete er als Vorbild f\u00fcr die k\u00fcnftige Ukraine. Er verstarb 1973 in Montreal, Kanada.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/#sdfootnote9anc\">9<\/a> Am 2. September 24 beim Besuch der Mongolei, zit. auf Nachdenkseiten aus dem Telegram-Kanal von Zarubinreporter, <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121065\">https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=121065<\/a><\/p>\n<p><em>#Titelbild: In Ukraine allgegenw\u00e4rtig: Stepan Bandera. Hier ein Gedenkmarsch in Kiew zum 113. Geburtstag im Jahr 2020. Bandera paktierte mit den Nazis und gilt als Faschist.Foto: A1 \/ Public Domain, <\/em><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/attachment\/%d1%81%d0%bc%d0%be%d0%bb%d0%be%d1%81%d0%ba%d0%b8%d0%bf%d0%bd%d0%b0_%d1%85%d0%be%d0%b4%d0%b0_%d0%b4%d0%be_113-%d1%80%d1%96%d1%87%d1%87%d1%8f_%d1%81%d1%82%d0%b5%d0%bf%d0%b0%d0%bd%d0%b0_%d0%b1%d0%b0\/\"><em>Mehr Infos<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/globales\/kriege\/die-macht-der-faschisten-in-der-ukraine-ist-kein-hirngespinst\/\"><em>hintergrund.de\/&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. Oktober 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Georg Auernheimer. 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