{"id":15148,"date":"2024-12-27T12:28:18","date_gmt":"2024-12-27T10:28:18","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15148"},"modified":"2024-12-27T12:28:19","modified_gmt":"2024-12-27T10:28:19","slug":"ende-der-sowjetunion-mythen-und-fakten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15148","title":{"rendered":"Ende der Sowjetunion: Mythen und Fakten"},"content":{"rendered":"<p><em>Andreas von Westphalen<\/em>. <strong>Am 26. Dezember 1991 l\u00f6ste sich die Sowjetunion auf. Der Vorgang gilt heute als logische Konsequenz mehrerer Entwicklungen. Was wirklich zum Ende der UdSSR f\u00fchrte, \u00fcberrascht.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Der sich abzeichnende Zerfall der Sowjetunion wurde am 8. Dezember 1991 konkret, als in einem aus heutiger Sicht \u00fcberraschenden B\u00fcndnis die Pr\u00e4sidenten von Russland, der Ukraine und Belarus gemeinsam vereinbarten, dass die Sowjetunion als <a href=\"https:\/\/www.prlib.ru\/en\/history\/619792\">v\u00f6lkerrechtliches Subjekt nicht mehr existieren<\/a> w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Am 21. Dezember beschlossen dann Staatsoberh\u00e4upter von elf Sowjetrepubliken, dass die Existenz der Sowjetunion beendet sei, und gr\u00fcndeten am selben Tag die Gemeinschaft Unabh\u00e4ngiger Staaten (GUS). Vier Tage sp\u00e4ter, am 25. Dezember, erkl\u00e4rte dann der Staatspr\u00e4sident der Sowjetunion Michail Gorbatschow seinen R\u00fccktritt.<\/p>\n<p>Am Abend wurde in Moskau \u00fcber dem Kreml symboltr\u00e4chtig die sowjetische Fahne eingeholt und durch die russische Flagge ersetzt. Am folgenden Tag beschloss der Oberste Sowjet schlie\u00dflich die Aufl\u00f6sung der Sowjetunion.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcnde und Hintergr\u00fcnde<\/strong><\/p>\n<p>Oftmals wird heute im Westen vom &#8222;Zusammenbruch der Sowjetunion&#8220; gesprochen, der allgemein als logisch, zwangsl\u00e4ufig und unvermeidlich angesehen wird, als etwas zu Selbstverst\u00e4ndliches, das <a href=\"https:\/\/www.cambridge.org\/core\/journals\/slavic-review\/article\/abs\/was-the-soviet-system-reformable\/DB255A7752C8E7224ABBD1C5F4A9F87E\">keiner weiteren Untersuchung bedarf<\/a>.<\/p>\n<p>Hatte nicht der Kampf des ehemaligen US-Pr\u00e4sidenten Ronald Reagan gegen das &#8222;Reich des B\u00f6sen&#8220;, das Wettr\u00fcsten und der Nato-Doppelbeschluss den Feind des Kalten Krieges in die Knie gezwungen?<\/p>\n<p>Belegte nicht der Kollaps der Wirtschaft und die Aufl\u00f6sung der UdSSR das Scheitern des Kommunismus, den Sieg des Kapitalismus, der USA? Und nicht zuletzt: Hatten nicht die zahlreichen nationalen Unabh\u00e4ngigkeitsbewegungen zur Implosion des 120-Ethnien-Staates gef\u00fchrt?<\/p>\n<p><strong>Geschichte im R\u00fcckspiegel<\/strong><\/p>\n<p>Vorab f\u00e4llt bei all den genannten und bekannten Erkl\u00e4rungen auf, das sie ein wunderbares Beispiel f\u00fcr das immer wieder anzutreffende Motiv sind, bedeutende historische Ereignisse als eine logische Folge dieser oder jener Ursache zu interpretieren.<\/p>\n<p>Obwohl kaum jemand auch nur wenige Monate vor dem Ende der UdSSR eben dieses vorausgesagt hatte, standen nach dem Eintreten des Ereignisses zahllose Experten Schlange, die eloquent eine mehr oder minder zwingende Kausalkette aufzeigten, die zur Aufl\u00f6sung des Landes am 26. Dezember 1991 gef\u00fchrt haben soll.<\/p>\n<p>Vladislav Zubok, der seit Jahren als Professor f\u00fcr Internationale Geschichte an der London School of Economics lehrt, sch\u00f6pft in seinem aktuellen Buch &#8222;Collapse&#8220;, das leider bisher nicht ins Deutsche \u00fcbersetzt ist, aus dem reichen Fundus einer extrem umfangreichen 30 Jahre dauernden Recherche und dekonstruiert zahlreiche Mythen \u00fcber das Ende der Sowjetunion.<\/p>\n<p>Damit der Umfang dieses Artikels nicht gesprengt wird, werden im Folgenden jeweils die entscheidenden Schlussfolgerungen Zuboks als Diskussionsanregung pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p><strong>Wettr\u00fcsten<\/strong><\/p>\n<p>Das \u00f6fter zu h\u00f6rende Argument, das Wettr\u00fcsten zwischen USA und UdSSR, das Ronald Reagan vehement vorangetrieben hatte, habe Schritt f\u00fcr Schritt die Sowjetunion wirtschaftlich entkr\u00e4ftet und sei somit das entscheidende Mittel im Kampf des Kalten Krieges gewesen, um Frieden zu schaffen, h\u00e4lt Zubok zufolge einer detaillierten \u00dcberpr\u00fcfung nicht stand:<\/p>\n<p><em>Entgegen der alten Darstellung haben die Offensive von Ronald Reagan, der Druck des Kalten Krieges und die unbezahlbaren Kosten der Verteidigungsausgaben die sowjetische F\u00fchrung nicht zu Reformen gedr\u00e4ngt; die Einsicht in deren Notwendigkeit datiert aus den fr\u00fchen 1960er Jahren. Die westliche Macht wuchs entsprechend mit den Phasen der sowjetischen Krise und des Untergangs. <\/em><\/p>\n<p><em>Als die Reformen zu scheitern begannen und das Parteiregime zerfiel, wuchs diese Macht enorm. Ende 1988 kn\u00fcpften Gorbatschow, Schewardnadse und ihre Entourage wieder an die alte russische Tradition an, den Westen als Partner in einem grandiosen Projekt zu sehen \u2013 diesmal der Modernisierung der Sowjetunion. <\/em><\/p>\n<p><em>Die innenpolitischen Probleme der Sowjetunion und der pl\u00f6tzliche Zusammenbruch der kommunistischen Regime Osteuropas f\u00fchrten 1989 dazu, dass Gorbatschow seine Rolle als Architekt einer neuen internationalen Ordnung mit der Notwendigkeit verband, um ausl\u00e4ndische Kredite und Hilfe zu bitten. <\/em><\/p>\n<p><em>Gleichzeitig wurde der Westen f\u00fcr viele in der russischen Opposition zu einem Modell der &#8222;Normalit\u00e4t&#8220;, in dessen Namen sie das sowjetische System und den Staat zerschlagen wollten. Und Ende 1990 begannen selbst die konservativsten und geheimnisumwitterten Teile der sowjetischen Eliten, den Westen um Hilfe f\u00fcr ihre Reformen und ihr \u00dcberleben zu bitten. Im Sommer 1991 wurde die Erwartung eines neuen Marshallplans unter den sowjetischen Eliten fast allgemein.<\/em><\/p>\n<p><strong>Scheitern der kommunistischen Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Auch die weitverbreitete These, der Kapitalismus habe sich schlicht als das \u00fcberlegene Wirtschaftssystem erwiesen, sodass logischerweise das kommunistische Pendant die wei\u00dfe Fahne hissen musste, findet sich durch Zuboks Untersuchung nicht best\u00e4tigt.<\/p>\n<p>Es waren vielmehr gerade die Art der Wirtschaftsreformen in der UdSSR, die zum Ende f\u00fchrten: &#8222;In den 1980er-Jahren leitete die sowjetische F\u00fchrung unter Michail Gorbatschow nach f\u00fcnfzehn Jahren des Widerstands gegen jegliche Reformen wirtschaftliche und politische Ver\u00e4nderungen von gro\u00dfem Ausma\u00df ein.<\/p>\n<p>Die Ideen und Entw\u00fcrfe, die diesen Reformen zugrunde lagen, waren jedoch verh\u00e4ngnisvollerweise veraltet, wirtschaftlich fehlerhaft und f\u00fchrten zur Zerst\u00f6rung der bestehenden Wirtschaft und des Gemeinwesens von innen heraus.<\/p>\n<p>Die Architekten der Reformen, allen voran Michail Gorbatschow, waren nicht in der Lage, ihr Scheitern zu erkennen und ihren Kurs zu \u00e4ndern. Gleichzeitig erm\u00f6glichten sie es neuen Akteuren, aus den Tr\u00fcmmern des alten Systems hervorzugehen, die das Chaos erben sollten.&#8220;<\/p>\n<p><strong>Gorbatschow<\/strong><\/p>\n<p>Der letzte Generalsekret\u00e4r der KPdSU und erste Staatspr\u00e4sident der Sowjetunion ist im Westen \u2013 und nat\u00fcrlich gerade in Deutschland \u2013 aufgrund seiner historischen Leistung ein Held, vermutlich sogar die entscheidende Person bei der Erm\u00f6glichung der Deutschen Wiedervereinigung und der friedlichen Beilegung des Kalten Krieges, die in Moskau und nicht in Washington eingeleitet wurde (man erinnert sich vielleicht noch, dass anfangs im Westen Gorbatschows Abr\u00fcstungsvorschl\u00e4ge mit Misstrauen begegnet wurde und Helmut Kohl 1986 dessen Reformanstrengungen gar mit der Nazi-Propaganda von Goebbels verglich.)<\/p>\n<p>Zuboks Recherche f\u00fchrt ihn zum Ergebnis, dass Gorbatschow geradezu eine tragische Pers\u00f6nlichkeit ist:<\/p>\n<p><em>Gorbatschows F\u00fchrung, sein Charakter und seine \u00dcberzeugungen trugen wesentlich zur Selbstzerst\u00f6rung der Sowjetunion bei. Er verband ideologischen Reformeifer mit politischer Zaghaftigkeit, schematischen Messianismus mit praktischer Abgehobenheit, vision\u00e4re und atemberaubende Au\u00dfenpolitik mit der Unf\u00e4higkeit, entscheidende innenpolitische Reformen zu f\u00f6rdern. Diese Eigenschaften machten ihn einzigartig in der sowjetischen Geschichte. Seine Abneigung gegen Zwang und Gewalt war jedoch typisch f\u00fcr seine Generation und wurde von vielen, selbst von Konservativen, geteilt.<\/em><\/p>\n<p><strong>Nationalit\u00e4tsfrage<\/strong><\/p>\n<p>Eine weitere weitverbreitete \u00dcberzeugung der Erkl\u00e4rung des Endes der Sowjetunion besteht darin, dass die Reformpolitik Gorbatschows den Unabh\u00e4ngigkeitsbestrebungen der 120 Ethnien Raum und Luft zum Atmen gegeben habe, die dann Schritt f\u00fcr Schritt zu zahlreichen Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rungen ehemaliger Sowjetrepubliken und damit zum Ende der UdSSR f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Zubok kommt zu einem anderen Schluss:<\/p>\n<p><em>Es war jedoch die Schw\u00e4che der Kremlf\u00fchrung, nicht die St\u00e4rke der &#8222;russischen Opposition&#8220;, die der Hauptfaktor der Systemkrise war, die das Land auseinander riss. Im M\u00e4rz 1991 waren etwa 20 Prozent der Menschen in den Kernrepubliken der Union der Meinung, dass es besser w\u00e4re, in getrennten Republiken als in einem gemeinsamen Staat zu leben. <\/em><\/p>\n<p><em>Diese Minderheit wurde im August zur Mehrheit, am deutlichsten in der Ukraine, aber auch in der Russischen F\u00f6deration. Dies war in erster Linie nicht das Ergebnis eines pl\u00f6tzlichen nationalen Erwachens. Vielmehr war es eine Entscheidung f\u00fcr Recht und Ordnung, eine Distanzierung von der grotesken Unf\u00e4higkeit der zentralen Beh\u00f6rden und dem Vakuum der Zentralmacht. <\/em><\/p>\n<p><em>Wie ein junger Wissenschaftler es ausdr\u00fcckte, war nach dem August 1991 &#8222;der Zusammenbruch der Hierarchie nicht die Folge eines umfassenderen &#8222;Zusammenbruchs&#8220; des sowjetischen Systems, sondern stellte vielmehr den systemischen Zusammenbruch selbst dar.<\/em><\/p>\n<p>In einfachen Worten ausgedr\u00fcckt, wurde das sowjetische System weitgehend durch das interne Tauziehen demontiert und zerst\u00fcckelt.<\/p>\n<p><strong>Blick nach Westen<\/strong><\/p>\n<p>Ein f\u00fcr Zubok wichtiger Aspekt findet bei der retroperspektiven Erkl\u00e4rung des nahezu friedlichen Zusammenbruchs einer Weltmacht meist keine Ber\u00fccksichtigung:<\/p>\n<p><em>Mit atemberaubender Naivit\u00e4t, so unglaublich es vielen damals und sp\u00e4ter auch erschien, wollten die russischen F\u00fchrer vom Westen anerkannt, legitimiert, angenommen und integriert werden. Ohne solche Erwartungen, die einer ideologischen Revolution gleichkamen, kann man die Geschichte der Implosion der Sowjetunion von innen heraus nicht verstehen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Sieg des Westens<\/strong><\/p>\n<p>Der damalige US-Pr\u00e4sident George W. Bush hatte sich lange \u2013 was heute h\u00e4ufig \u00fcbersehen wird \u2013 geweigert, an Diskussionen \u00fcber einen Sieg des Westens \u00fcber den ehemaligen Feind zu beteiligen. Im Wahljahr 1992 sprach er aber aus, was die felsenfeste \u00dcberzeugung der meisten Menschen im Westen war, und <a href=\"https:\/\/bush41library.tamu.edu\/archives\/public-papers\/3886\">verk\u00fcndete<\/a>:<\/p>\n<p><em>Das gr\u00f6\u00dfte Ereignis, das in meinem Leben, in unserem Leben, in der Welt geschehen ist, ist dies: Durch die Gnade Gottes hat Amerika den Kalten Krieg gewonnen.<\/em><\/p>\n<p>Diese Gewissheit war Zubok zufolge hochgradig problematisch. Er schreibt:<\/p>\n<p><em>Im Westen wurde der Zusammenbruch der Sowjetunion mit dem gl\u00fccklichen Ende des Kalten Krieges, dem Sieg \u00fcber den Kommunismus, dem Triumph liberaler Werte und der Erwartung ewigen Friedens und Wohlstands gleichgesetzt. Vor allem herrschte gro\u00dfe Erleichterung dar\u00fcber, dass der geopolitische Rivale und militarisierte Riese verschwunden war. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Aufl\u00f6sung der Sowjetunion, so schrieb der Historiker Odd Arne Westad viele Jahre sp\u00e4ter &#8222;beseitigte das letzte \u00dcberbleibsel des Kalten Krieges als internationales System&#8220;. <\/em><\/p>\n<p><em>So viel zu Gorbatschows Bem\u00fchungen, das Image der Sowjetunion zu ver\u00e4ndern! Unter den westlichen Staats- und Regierungschefs fehlten der politische Wille und die Vorstellungskraft, die beispiellose und historische Chance zur Konsolidierung der Demokratie in Russland zu ergreifen. <\/em><\/p>\n<p><em>Die weit verbreitete Ansicht war, dass der postsowjetische Raum zu gro\u00df und unberechenbar f\u00fcr eine Integration in die westliche Umlaufbahn sei. Es war realistischer und pragmatischer, die niedrig h\u00e4ngenden Fr\u00fcchte des Sieges \u00fcber den Kalten Krieg zu pfl\u00fccken, vor allem in Osteuropa und im Baltikum.<\/em><\/p>\n<p><strong>Verpasste Chance?<\/strong><\/p>\n<p>Hieraus ergibt sich f\u00fcr Zubok eine grundlegende Frage: Inwiefern wurde mit dem Ende des Kalten Krieges eine historisch einmalige Gelegenheit vertan? Oder mit anderen Worten: Warum blieb dieser Frieden nicht von l\u00e4ngerer Dauer? Der Frieden nach dem Ende des Kalten Krieges, der f\u00fcr eine kurze Zeit gar das Ende der Kriege an sich nicht mehr vollkommen utopisch, sondern vielmehr zum Greifen nah erscheinen lie\u00df:<\/p>\n<p><em>H\u00e4tte der von den USA gef\u00fchrte Westen versucht, die Sowjetunion zu &#8222;bewahren&#8220;, h\u00e4tte es eine Chance zum \u00dcberleben gegeben. Aber der Westen investierte nicht in die kollabierende Sowjetunion, und viele in Washington wollten sie aus Sicherheitsgr\u00fcnden aufl\u00f6sen. <\/em><\/p>\n<p><em>Westliche F\u00fchrer, Experten und Meinungsmacher konnten nicht begreifen, wie ihre sowjetischen Gegner pl\u00f6tzlich zu eifrigen Partnern und sogar zu Bittstellern werden konnten. Nach jahrzehntelanger Rivalit\u00e4t im Kalten Krieg betrachteten die Amerikaner das interne sowjetische Tauziehen weiterhin durch eine bin\u00e4re Brille: &#8222;Kommunisten&#8220; gegen &#8222;Demokraten&#8220;, &#8222;Reformer&#8220; gegen &#8222;Hardliner&#8220; und so weiter. Nur wenige Experten hatten das Wissen und die Geduld, die Nuancen zu erkennen. <\/em><\/p>\n<p><em>Der Kongress, Think Tanks und viele Mitglieder der Bush-Administration behandelten die Sowjetunion weiterhin als ein &#8222;b\u00f6ses Imperium&#8220;, das nicht reformiert werden konnte. Die osteurop\u00e4ische und baltische Diaspora, die republikanische Rechte und die liberalen Demokraten mussten ihren Br\u00fcdern und Freunden in der Sowjetunion helfen; sie setzten sich f\u00fcr Antikommunismus und Separatismus ein. <\/em><\/p>\n<p><em>Die Bush-Regierung zog es aufgrund ihrer Unsicherheit vor, sich von der sowjetischen Politik und den Reformen fernzuhalten. Doch innenpolitische Lobbyarbeit, die nationale Sicherheit und die schiere Intensit\u00e4t des revolution\u00e4ren Wandels zwangen die US-Politiker dazu, Partei zu ergreifen. <\/em><\/p>\n<p><em>Unabh\u00e4ngig davon, ob Bush und seine Leute daran teilnehmen wollten oder nicht, blickten alle Akteure des sowjetischen Dramas, von den baltischen Nationalisten bis zu den Mitgliedern der Junta, auf &#8222;Amerika&#8220; als entscheidenden Faktor, der ihr Verhalten und ihre Entscheidungen beeinflusste.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Folgen verzerrter \u00dcberzeugungen<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Zubok ist die heutige Situation, die Lage in Russland, der Ukraine-Krieg, nicht ohne eine vorurteilsfreie Untersuchung des Endes der UdSSR, wirklich verst\u00e4ndlich:<\/p>\n<p><em>Putins Russland wurde im Westen als eine untergehende, aber revisionistische und gef\u00e4hrliche Macht abgetan. Westliche Kommentatoren begannen zunehmend, \u00fcber ein &#8222;ewiges Russland&#8220; zu schreiben. Ein oberfl\u00e4chliches Bild eines Landes, das nie europ\u00e4isch war oder eine &#8222;wahre&#8220; Demokratie erlebt hat, das f\u00fcr immer im Despotismus verhaftet blieb und seinen Nachbarn gegen\u00fcber immer feindlich eingestellt war. <\/em><\/p>\n<p><em>Ich hoffe, dieses Buch zeigt, dass diese Sichtweise falsch ist. Es ist nicht die Schuld vieler Russen, dass der \u00dcbergang vom Kommunismus zum Kapitalismus in ihnen die Sehnsucht nach einer stabilen, starken Staatlichkeit geweckt hat und sie den Slogans von Freiheit und liberaler Demokratie eher skeptisch gegen\u00fcberstehen. <\/em><\/p>\n<p><em>Die wirtschaftliche Katastrophe und die sozialen Traumata des Zusammenbruchs der Sowjetunion erkl\u00e4ren nicht, geschweige denn rechtfertigen, was viele Jahre sp\u00e4ter geschah. Sie weisen jedoch auf die M\u00f6glichkeit gro\u00dfer Umschw\u00fcnge und historischer \u00dcberraschungen zehn oder zwanzig Jahre sp\u00e4ter hin.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Ende-der-Sowjetunion-Mythen-und-Fakten-10219444.html\"><em>telepolis.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 27. Dezember 2024<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andreas von Westphalen. Am 26. Dezember 1991 l\u00f6ste sich die Sowjetunion auf. Der Vorgang gilt heute als logische Konsequenz mehrerer Entwicklungen. 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