{"id":15201,"date":"2025-02-07T11:02:11","date_gmt":"2025-02-07T09:02:11","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15201"},"modified":"2025-02-07T11:02:12","modified_gmt":"2025-02-07T09:02:12","slug":"planmaessiger-voelkermord-in-auschwitz-geschichte-und-profiteure-des-lagers","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15201","title":{"rendered":"Planm\u00e4\u00dfiger V\u00f6lkermord in Auschwitz \u2013 Geschichte und Profiteure des Lagers"},"content":{"rendered":"<p><em>Tilo Gr\u00e4ser.<\/em><strong> Der 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 ist Anlass f\u00fcr die Erinnerung und das Gedenken an die dort Ermordeten. Das Entsetzen \u00fcber ihre unfassbare Zahl darf nicht verdecken, wer den planm\u00e4\u00dfigen Massenmord unterst\u00fctzte und daran verdient. Das sagt die Historikerin Susanne Willems. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz wurden etwa 1,1 Millionen Menschen umgebracht. Die gro\u00dfe Mehrzahl von ihnen war j\u00fcdischer Herkunft. Aber es traf ebenso sowjetische Kriegsgefangene sowie Sinti und Roma und zu allen Zeiten ab Mitte 1940 bis zur Befreiung polnische Gefangene. \u201eDas haben Menschen Menschen angetan!\u201c, wird die polnische Schriftstellerin Zofia Na\u0142kowska am Ende des Buches \u201eAuschwitz. Die Geschichte des Vernichtungslagers\u201c zitiert.<\/p>\n<p>Das ist der Grundtenor dessen, was die Autorin und Historikerin Susanne Willems beschreibt. Ihr sei es auch darum gegangen, zu zeigen, wer der SS half und gar erst erm\u00f6glichte, Juden und andere Menschen zu vernichten. Das sagte sie in einem Gespr\u00e4ch. Zu ihrem neu aufgelegten <a href=\"https:\/\/www.eulenspiegel.com\/verlage\/edition-ost\/titel\/auschwitz.html\">Text- und Bildband<\/a> ist jetzt ihr <a href=\"https:\/\/www.eulenspiegel.com\/verlage\/edition-ost\/titel\/auschwitz-2.html\">Taschenbuch<\/a> erschienen: Auschwitz. Terror \u2013 Sklavenarbeit \u2013 V\u00f6lkermord, versehen mit einer thematisch strukturierten Zeittafel. Die Historikerin beschreibt Planung, Ausf\u00fchrung und schlie\u00dflich Entwicklung des Lagers. Sie st\u00fctzt sich dabei auf bislang unver\u00f6ffentlichte Dokumente vor allem in russischen Archiven.<\/p>\n<p><strong>\u201eWas erkl\u00e4rlich ist, muss erkl\u00e4rt werden\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Historikerin hat sich jahrzehntelang mit der Geschichte des KZ besch\u00e4ftigt und ist immer wieder zu Gespr\u00e4chen in die Gedenkst\u00e4tte zur\u00fcckgekehrt. Sie sei als 20-J\u00e4hrige 1980 w\u00e4hrend einer Studienreise erstmals nach Polen und in die Gedenkst\u00e4tte Auschwitz gekommen, berichtet sie.<\/p>\n<p>\u201eDie Geschichte hat mich wegen der Begegnung mit \u00dcberlebenden, den freundlichen, aber auch nachdenklich machenden Begegnungen mit \u00dcberlebenden nicht mehr losgelassen.\u201c Mit den Jahren habe sie den Eindruck gewonnen, die Geschichte dieses gr\u00f6\u00dften deutschen KZ m\u00fcsse so geschrieben werden, dass dessen Entstehung erkl\u00e4rt wird, soweit das m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>\u201eEs bleibt noch genug, was nicht erkl\u00e4rlich ist an dem V\u00f6lkermord, f\u00fcr den Deutsche verantwortlich sind. Aber das, was erkl\u00e4rlich ist, muss erkl\u00e4rt werden.\u201c Ein solches Unterfangen sei immer vermessen, ist ihr klar. Ihre B\u00fccher fassen Forschungsergebnisse aus den Jahrzehnten zusammen, die das Museum Auschwitz aus seiner Forschungsarbeit ver\u00f6ffentlicht hat, erg\u00e4nzt durch Ergebnisse der eigenen Arbeit und der historischen Forschung in BRD und DDR.<\/p>\n<p><strong>Handel zwischen SS und IG Farben<\/strong><\/p>\n<p>Willems verwies darauf, \u201edass Auschwitz zun\u00e4chst als Konzentrationslager konzipiert war, um den polnischen Widerstand gegen die deutsche Besatzung zu unterdr\u00fccken\u201c. Daran ankn\u00fcpfend sei es zum zentralen Deportationsort f\u00fcr die Massendeportationen der europ\u00e4ischen Juden ausgebaut worden. Ihr Buch benenne die Partner der SS genau, \u201eindem es die Funktion des Lagers in diesem in das Deutsche Reich eingegliederten oberschlesischen Industriegebiet und dem dar\u00fcberhinausgehenden Industriegebiet nachzeichnet.\u201c<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfter Partner der SS sei bekannterma\u00dfen die in der IG Farben zusammengeschlossene deutsche Chemieindustrie gewesen. Die habe bei Auschwitz in ein \u201egigantisches Kunststoffwerk\u201c f\u00fcr die Nachkriegszeit investieren wollen. Das Projekt sei genehmigt worden, weil zugleich kriegswichtige Produkte produziert wurden. F\u00fcr diese Produktion habe die KZ-Leitung im Februar 1941 10.000 H\u00e4ftlinge als Arbeitskr\u00e4fte zugesagt. Das sei zu dem Zeitpunkt noch nicht m\u00f6glich gewesen, so Willems, da die meisten KZ-H\u00e4ftlinge im Lager selbst w\u00e4hrend der gesamten Zeit Ausbauarbeiten verrichten mussten.<\/p>\n<p>\u201eDie Zusage an einen der wichtigsten deutschen Konzerne, unterst\u00fctzt vom Reichsf\u00fchrer der SS, Heinrich Himmler, bedeutete, dass das KZ einen Grund hatte, zu expandieren, also immer mehr H\u00e4ftlinge aufzunehmen. Das war schlicht ein Handel mit dem IG Farben-Konzern: Der Konzern stellte der SS f\u00fcr den Ausbau des sp\u00e4ter als Stammlager bekannten KZ-Teil das Baumaterial zur Verf\u00fcgung bzw. trat Kontingente f\u00fcr dieses Material ab, k\u00fcrzte geringf\u00fcgig das eigene Bauprogramm f\u00fcr Werkswohnungen und daf\u00fcr wurden Zehntausende Pl\u00e4tze mehr im KZ geschaffen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Lange Liste der Profiteure<\/strong><\/p>\n<p>Die Zusage von 10.000 Arbeitskr\u00e4ften sei erst ab Sommer 1944 erf\u00fcllt worden. Infolge der Massendeportationen von Juden aus ganz Europa und nach der Errichtung eines firmeneigenen Au\u00dfenlagers in Monowitz sei deren Zahl am Ende auf mehr als 11.000 gestiegen. Viele deutsche Unternehmen seien Partner der SS gewesen, vermittelt \u00fcber das R\u00fcstungsministerium unter Albert Speer ab Februar 1942, hob die Historikerin hervor.<\/p>\n<p>\u201eWahrscheinlich w\u00e4re es leichter, gro\u00dfe Konzerne zu benennen, die keine Produktionsst\u00e4tten im oberschlesischen Industrierevier oder in der Umgebung des KZ Auschwitz hatten.\u201c Auch staatliche Betriebe wie Stromproduzenten seien beteiligt gewesen. \u201eDaf\u00fcr wurde die H\u00e4ftlingszahl erh\u00f6ht und arbeitsf\u00e4hige H\u00e4ftlinge nach Auschwitz deportiert.\u201c<\/p>\n<p>Es gebe eine direkte Verbindung \u201ezwischen der Politik des R\u00fcstungsministeriums unter Albert Speer und der Politik der SS in Auschwitz: Im September 1942 sagte das Ministerium der SS alle Kontingente an Baumaterial f\u00fcr das zweite Lager Birkenau zu, um dieses dauerhaft in einen Ort zu verwandeln, an dem vier station\u00e4re Gaskammern mit angeschlossenen Krematorien im Fr\u00fchjahr 1943 in Betrieb gehen konnten.\u201c<\/p>\n<p>Damit wurde das Lager zum Ziel f\u00fcr die Massendeportationen der europ\u00e4ischen Juden, so Willems. Die h\u00e4tten im M\u00e4rz 1942 begonnen, erst aus der Slowakei und Westeuropa. Und zwar zuerst arbeitsf\u00e4hige Frauen und M\u00e4nner, wegen des Arbeitskr\u00e4ftebedarfs vor allem von IG Farben, betont sie. Und als am 29. April 1942 aus dem 10. Deportationszug aus der Slowakei erstmals auch fast 300 Kinder, Invalide und Greise entladen wurden, selektierte die SS diese nicht zur Arbeit einsetzbaren Menschen \u2013 und erstickte sie in der Gaskammer.<\/p>\n<p><strong>Albert Speer als aktiv Beteiligter<\/strong><\/p>\n<p>Zu den eigenen im Buch dargestellten Erkenntnissen geh\u00f6ren nach ihren Worten vor allem die \u00fcber die Rolle von Albert Speer. Der sei erst als Generalbauinspektor in Berlin an den Massendeportationen der Berliner Juden <a href=\"https:\/\/www.susannewillems.de\/de\/topic\/2.das-buch.html\">beteiligt<\/a> gewesen, durch die von ihm verlangten Wohnungsr\u00e4umungen. Als R\u00fcstungsminister habe er dann auch die Interessen der R\u00fcstungsindustrie umzusetzen gehabt.<\/p>\n<p>Berliner Juden waren laut der Historikerin zu Zehntausenden in der Berliner R\u00fcstungsindustrie zwangsbesch\u00e4ftigt. Die Unternehmen h\u00e4tten auf Ersatz der Juden nach deren Deportation bestanden.<\/p>\n<p>\u201eSpeer wandelte diesen Interessenkonflikt, wo er beide Seiten zu vertreten hatte, in ein noch gr\u00f6\u00dferes Verbrechen, n\u00e4mlich der R\u00fcstungsindustrie zu sagen: Geht Ihr doch mit Eurer Produktion an die Konzentrationslager. So ist Siemens nach Ravensbr\u00fcck gegangen, IG Farben war schon in Auschwitz, aber auch andere Unternehmen haben Produktionen in den KZ im Laufe des Jahres 1942 aufgenommen.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00d6konomische Interessen bestimmend<\/strong><\/p>\n<p>Willems betonte, beim Blick auf ein solches, nicht vorstellbares V\u00f6lkermordverbrechen sei die Versuchung verst\u00e4ndlich, \u201eden Grund f\u00fcr diesen kaum vorstellbaren Massenmord, wo immer Deutsche die Herrschaft hatten, in der rassistischen, ideologischen Verblendung zu suchen\u201c. Die sei \u201eaber allein nicht der Grund f\u00fcr diese Art von b\u00fcrokratisch und arbeitsteilig vom deutschen Staat umgesetztes Verbrechen.\u201c<\/p>\n<p>Deshalb versuche sie mit ihrem Buch die mit der menschenverachtenden rassistischen Ideologie gekoppelten \u00f6konomischen Interessen offenzulegen. Letztere seien \u201ein der Regel die bestimmenden und st\u00e4rkeren\u201c. Angesichts der Ungeheuerlichkeit der Verbrechen sei es n\u00f6tig, darauf hinzuweisen, \u201ewo die Gefahren in einer Gesellschaft weiterhin sind, wenn \u00f6konomische und rassistische Interessen ineinandergreifen.\u201c<\/p>\n<p>Die Berliner Historikerin st\u00fctzt sich unter anderem auf bisher unbekannte Dokumente in Moskauer Archiven, wo Akten der Zentralbauleitung Auschwitz liegen. Diese werden erst in den letzten Jahren nach und nach in die Forschung integriert. \u201eDas Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz k\u00f6nnen wir uns auch vorstellen als eine Baustelle, die immer weiterentwickelt wurde. Folglich gab es eine Bauleitung.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u201eLeben wie in einem Schlachthaus\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Diese Dokumente belegen nach ihren Worten die Verbindung zwischen R\u00fcstungsministerium und der SS, die selbst von einem \u201eSonderprogramm Professor Speer\u201c gesprochen habe. Dazu geh\u00f6rt, verwahrt im Milit\u00e4rarchiv in Prag, der Bauplan f\u00fcr den Ausbau des Lagers vom 6. Oktober 1942, in dem erstmals alle vier Krematorien mit Gaskammern, die Zentrale Sauna, das Lager f\u00fcr das Raubgut, ein zweites Wachgeb\u00e4ude mit Turm, die Baracken im dritten und Erg\u00e4nzungen im zweiten Lagerabschnitt und die neue Kommandantur mit SS-Unter\u00fcnften eingezeichnet sind. Das war das Mitte September 1942 vom R\u00fcstungsminister bewilligte Bauprogramm f\u00fcr Birkenau, das die SS das \u201czus\u00e4tzliche Bauvolumen Reichsminister Prof. Speer\u201d nannte.<\/p>\n<p>Damit zeigt sich laut Willems zudem die ver\u00e4nderte Funktion von Auschwitz: Speer sagte die Kontingentierung von Baumaterial und damit den Einsatz von Maschinen und Facharbeitern zu gegen Zehntausende j\u00fcdische Arbeitssklaven. Zuerst f\u00fcr die oberschlesische Industrieregion im Regierungsbezirk Kattowitz, und ab Sommer 1944, bei der Westverlagerung der Industrie und der Gefangenen, f\u00fcr die R\u00fcstungsbetriebe im Reichsinnern, bei denen die vielen KZ-Au\u00dfenlager entstanden. \u201eIn Auschwitz ist seit September 1941 massenhaft gemordet worden\u201c. Stellte sie im Gespr\u00e4ch klar. \u201eDas Lager wurde nicht erst seit 1942 ein Ort der Massenvernichtung.\u201c \u00dcberlebende haben die Zeit des Winters 1941\/42 im Stammlager als Leben wie in einem Schlachthaus beschrieben.<\/p>\n<p>Die ersten Opfer seien tausende sowjetische Kriegsgefangene gewesen, von der Wehrmacht zu Zehntausenden an die SS \u00fcbergeben, erinnerte sie. Hunderte sowjetische Soldaten seien mit invaliden polnischen Gefangenen als erste mit dem Gas \u201eZyklon B\u201c umgebracht worden, im Keller von Block 11, dem Gef\u00e4ngnis des Stammlagers. \u201eVon denen lebten im M\u00e4rz 1942 keine 1.000 mehr. Sie wurden auch bei Arbeitseins\u00e4tzen brutal erschlagen oder sind verhungert.\u201c<\/p>\n<p><strong>Arbeitskr\u00e4ftelieferant und Vernichtungsmaschine<\/strong><\/p>\n<p>Auschwitz wird als Ort der Judenvernichtung erinnert. Andere Opfer geraten dar\u00fcber im Gedenken oft in Vergessenheit. Das liege auch daran, so die Historikerin, dass Auschwitz in den letzten Kriegsjahren Ziel fast aller Massendeportationen der Juden war. In dem halben Jahr vor der Befreiung am 27. Januar 1945 seien j\u00fcdische Gefangene, die \u00dcberlebenden der Ghettos in Polen und aus Ungarn deportierte Juden, ins Innere des Reiches gebracht worden. Deshalb gebe es aus Auschwitz mehr \u00fcberlebende Juden, in deren Erinnerung sei \u201eAuschwitz der Ort des Mordes an ihren Verwandten\u201c geblieben.<\/p>\n<p>\u201eDie Funktion des Lagers war die eines Arbeitskr\u00e4ftelieferanten. Es wurden alle deportiert, vom S\u00e4ugling bis zum Greis. An der Rampe von Auschwitz-Birkenau wurde selektiert, wer sofort vernichtet wird und wer ins Lager eingewiesen wird.\u201c<\/p>\n<p>In Auschwitz seien mindestens 1,1 Millionen Menschen ermordet worden, davon waren mindestens 900.000 die sofort nach ihrer Ankunft ermordeten Juden. \u201eDas ist gegen\u00fcber den anderen Gruppen der auch einer brutalen Vernichtungspolitik zum Opfer gefallenen Menschen die gr\u00f6\u00dfte Zahl. Und es gibt rund um den Globus die dichteste Erinnerung an gerade diesen Ort.\u201c<\/p>\n<p>Historikerin Willems versucht, im Buch das Unfassbare begreifbar zu beschreiben, indem sie immer wieder die Perspektive wechselt. Neben der n\u00fcchternen Beschreibung der Bedingungen f\u00fcr die Entwicklung des Lagers werden Erinnerungen der \u00dcberlebenden wiedergegeben. Diese erz\u00e4hlen von den Verh\u00e4ltnissen, aber auch vom Widerstand von Gefangenen in Auschwitz-Birkenau gegen die SS-Herrschaft.<\/p>\n<p><strong>\u201eDie \u00dcberlebenden hatten nie eine Wahl\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Mit Blick auf die Gegenwart sagte die Autorin: \u201eBei denen, die das Verbrechen leugnen, kann man nur auf eine gl\u00fcckliche Wendung hoffen, dass sie die Chance haben, das einzusehen. Da hilft Aufkl\u00e4rung am wenigsten.\u201c Mit Menschen hierzulande, die sich einen \u201eSchlussstrich\u201c unter das Gedenken w\u00fcnschen, weil sie genug geh\u00f6rt h\u00e4tten, \u201ew\u00fcrde ich immer gern das Gespr\u00e4ch suchen\u201c.<\/p>\n<p>Sie meint, es k\u00f6nne Ausdruck eines Gef\u00fchls von \u201eetwas wie Ohnmacht und \u00dcberforderung\u201c sein, dass Menschen sagen, sie wollen nichts mehr von der Vergangenheit h\u00f6ren. Es sei ihnen vielleicht nicht m\u00f6glich, \u201edie Ungeheuerlichkeit der Verbrechen in die Gegenwart zu \u00fcbersetzen\u201c, vermutet die Historikerin. Deshalb bed\u00fcrften auch die g\u00e4ngig gewordenen Erinnerungsformeln immer wieder von Neuem der Entschl\u00fcsselung, damit die Konstellation der Interessen derer, die an den V\u00f6lkermordverbrechen beteiligt waren, erkennbar wird.<\/p>\n<p>\u201eEs gibt eine Gruppe von Menschen, die nie die Wahl hatte, zu sagen: Ich habe genug davon und will das nicht mehr h\u00f6ren! Das sind die \u00dcberlebenden, f\u00fcr die die Erinnerung im Lauf der Jahrzehnte im hohen Alter nicht mehr zu verdr\u00e4ngen war, so sehr sie das als junge Menschen nach der Befreiung vielleicht noch konnten.\u201c Sie seien in den 1990er Jahren an das Verbrechen und das Schicksal ihrer Angeh\u00f6rigen schmerzlich erinnert worden, \u201eals die Gewaltt\u00e4tigkeit gegen irgendwie andere Menschen in Deutschland auf der Stra\u00dfe wieder vorkam und zunahm\u201c. Die \u00dcberlebenden seien damals aufgeschreckt worden durch eine aufkeimende Gewalt \u201egegen alles, was anders oder als nicht nur deutsch erscheint\u201c.<\/p>\n<p>Fotos: edition ost im Eulenspiegel Verlag<\/p>\n<p><em>Susanne Willems: \u201e<\/em><a href=\"https:\/\/www.eulenspiegel.com\/verlage\/edition-ost\/titel\/auschwitz.html\"><em>Auschwitz \u2013 Die Geschichte des Vernichtungslagers<\/em><\/a><em>\u201c (mit Fotos von Frank und Fritz Schumann), Text- und Bildband. edition ost im Eulenspiegel Verlag, 3. \u00fcberarbeitete Auflage 2025. 256 Seiten. ISBN 978-3-360-01866-3. 38,00 Euro<\/em><\/p>\n<p><em>Susanne Willems: \u201e<\/em><a href=\"https:\/\/www.eulenspiegel.com\/verlage\/edition-ost\/titel\/auschwitz-2.html\"><em>Auschwitz. Terror \u2013 Sklavenarbeit \u2013 V\u00f6lkermord<\/em><\/a><em>\u201c (mit Personen-, Orts- und Firmenregister und einer ausf\u00fchrlichen Zeittafel), Taschenbuch, edition ost im Eulenspiegel Verlag, Erstauflage 2025. 288 Seiten. ISBN 978-3-360-02823-5. 22,00 Euro<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/zeitfragen\/planmaessiger-voelkermord-in-auschwitz-historikerin-ueber-geschichte-und-profiteure-des-lagers\/\"><em>hintergrund.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 7. Februar 2025<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tilo Gr\u00e4ser. Der 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 ist Anlass f\u00fcr die Erinnerung und das Gedenken an die dort Ermordeten. Das Entsetzen \u00fcber ihre unfassbare Zahl darf &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15202,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[87,39,34,119,22,17],"class_list":["post-15201","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-und-theorie","tag-arbeitswelt","tag-deutschland","tag-faschismus","tag-polen","tag-politische-oekonomie","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15201","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15201"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15201\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15203,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15201\/revisions\/15203"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15202"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15201"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15201"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15201"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}