{"id":15229,"date":"2025-02-14T10:33:23","date_gmt":"2025-02-14T08:33:23","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15229"},"modified":"2025-02-14T10:33:24","modified_gmt":"2025-02-14T08:33:24","slug":"landraub-in-der-ukraine-die-westlichen-agrarriesen-beherrschen-das-terrain","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15229","title":{"rendered":"Landraub in der Ukraine \u2013 Die westlichen Agrarriesen beherrschen das Terrain"},"content":{"rendered":"<p><em>Hannes Hofbauer.<\/em><strong> Nach der Demokratischen Republik Kongo, Indonesien und Kamerun nimmt die Ukraine Platz vier im Ranking jener L\u00e4nder ein, die den zweifelhaften Ruhm f\u00fcr sich in Anspruch nehmen, das meiste Agrarland in ausl\u00e4ndische H\u00e4nde gegeben zu haben. 1 Nirgendwo sonst in Europa ist der Landraub \u00e4hnlich weit fortgeschritten. Die Top 10 unter<\/strong><!--more--> <strong>den Investoren sitzen in Luxemburg, den USA, Zypern, den Niederlanden und Saudi-Arabien. 2 <\/strong><\/p>\n<p>Die \u201eKornkammer Europas\u201c verf\u00fcgt \u00fcber 33 Millionen Hektar Ackerland, das entspricht einem Drittel der gesamten landwirtschaftlichen Fl\u00e4che der Europ\u00e4ischen Union beziehungsweise der Gr\u00f6\u00dfe Deutschlands. Der \u00fcberwiegende Teil davon ist fruchtbarster Schwarzerde-Boden. F\u00fcr deren Eroberung zog einst bereits die Wehrmacht in den Osten. In strukturschwachen Gegenden des \u201eDritten Reichs\u201c wurden in den Jahren 1940\/41 Kleinbauern dazu ausgebildet, dereinst als Gutsverwalter in der Ukraine slawische \u201eUntermenschen\u201c auf die Getreidefelder zu treiben. Daf\u00fcr fuhren ganze G\u00fcterz\u00fcge beladen mit ukrainischer Schwarzerde in deutsche Lande, um die Fruchtbarkeit des humusreichen Ackerlandes am Original testen zu k\u00f6nnen. 85 Jahre sp\u00e4ter sind es international agierende Konzerne, die sich die ukrainische Erde \u2013 diesmal ohne Rassentheorie \u2013 untertan machen.<\/p>\n<p><strong>Vom \u201eLandgesetz\u201c zur IWF-Liberalisierung<\/strong><\/p>\n<p>Es war Leonid Krawtschuk in seiner Rolle als erster Pr\u00e4sident der eben erst f\u00fcr unabh\u00e4ngig erkl\u00e4rten Ukraine, der bereits im Januar 1992 ein \u201eLandgesetz\u201c ratifizierte, das privates Eigentum an Grund und Boden erm\u00f6glichte \u2013 in Sowjetzeiten hatte es das nicht gegeben. Die dabei ins Leben gerufenen \u201eKollektiven Landwirtschaftsunternehmen\u201c blieben nicht lange in der Hand von \u00f6rtlichen Bauern. Nach entsprechendem Druck des Internationalen W\u00e4hrungsfonds (IWF), die \u201eKollektive\u201c f\u00fcr Investoren zu \u00f6ffnen, bildete sich rasch eine heimische<\/p>\n<p>Oligarchenklasse.<\/p>\n<p>Der schnelle Ausverkauf von Grund und Boden rief laute Proteste hervor und veranlasste Krawtschuks Nachfolger Leonid Kutschma zu einer Kurskorrektur. Mit dem \u201eBodenkodex 2768-III\u201c erlie\u00df die Werchowna Rada \u2013 das ukrainische Parlament \u2013 zum 1. Januar 2002 einen Privatisierungsstopp. Dieser sollte urspr\u00fcnglich nur eine Legislaturperiode gelten, wurde aber in der Folge immer wieder verl\u00e4ngert;<\/p>\n<p><em>bis Wolodymyr Selenskyj im Jahr 2020 das Moratorium zum Verkaufsverbot aufhob und sich ausl\u00e4ndisches Kapital ungehindert Bahn brechen konnte.<\/em><\/p>\n<p>Wesentliche Vorarbeit f\u00fcr die Liberalisierung des ukrainischen Bodenmarktes leistete das EU-Assoziierungsabkommen. Dieses h\u00e4tte bereits im November 2013 vom damaligen ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wiktor Janukowitsch auf dem EU-Gipfel in Vilnius unterzeichnet werden sollen. Das Ziel des Vorhabens, die Ukraine wirtschaftlich (und milit\u00e4risch) an Br\u00fcssel anzubinden und ihre M\u00e4rkte f\u00fcr westliche Investoren zu \u00f6ffnen, scheiterte vorerst am \u00bbNjet\u00ab des Pr\u00e4sidenten. Der darauffolgende Protest am Kiewer Majdan beziehungsweise seine Instrumentalisierung durch lokale Rechtsradikale und westliche Politiker f\u00fchrte zum verfassungswidrigen Regimewechsel im Februar 2014 und in der Folge zum Auseinanderbrechen des Staates. Erst drei Jahre sp\u00e4ter, Anfang September 2017, unterwarf der neue Machthaber, Pr\u00e4sident Petro Poroschenko, die Ukraine den Vorgaben aus Br\u00fcssel. Der wegen seiner S\u00fc\u00dfwarenfabriken als \u201eSchokoladenk\u00f6nig\u201c bekannte Poroschenko war zugleich Eigent\u00fcmer eines Mischkonzerns, der neben Schiffbau- und R\u00fcstungsunternehmen auch landwirtschaftliche G\u00fcter betrieb.<\/p>\n<p>Als Abgeordnete der deutschen Partei Die Linke am 23. November 2023 eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung richteten, ob das EU-Assoziierungsabkommen die Liberalisierung und Privatisierung des ukrainischen Bodenmarktes erzwungen habe, lautete die Antwort lapidar: \u201eDas Assoziierungsabkommen zwischen der Europ\u00e4ischen Union und ihren Mitgliedstaaten einerseits und der Ukraine andererseits vom 27. Juni 2014 3 verpflichtet die Vertragsparteien in den Artikeln 403 ff. zur Zusammenarbeit bei der F\u00f6rderung der Entwicklung der Landwirtschaft und des l\u00e4ndlichen Raums.\u201c 4 Damit war auch klargestellt, was sich Br\u00fcssel (und Berlin) unter \u201eEntwicklung der Landwirtschaft\u201c vorstellt.<\/p>\n<p>Am 1. Januar 2024 trat die zweite Phase der Liberalisierung des Agrarsektors in Kraft. Nun d\u00fcrfen ukrainische B\u00fcrger oder Unternehmen bis zu 10.000 Hektar privat bewirtschaften. Zum Vergleich: Der durchschnittliche landwirtschaftliche Betrieb in Deutschland ist gerade einmal 65 Hektar gro\u00df. Formal ist Ausl\u00e4ndern der Erwerb von Grund und Boden in der Ukraine nach wie vor nicht gestattet. Neben anf\u00e4nglicher komplizierter Strohm\u00e4nner-Konstruktionen zur Umgehung des Gesetzes ist man mittlerweile dazu \u00fcbergegangen, im gro\u00dfen Stil Pachtvertr\u00e4ge abzuschlie\u00dfen. Die meisten von ihnen haben eine Laufzeit von 49 Jahren, ein Zeitraum, der sich f\u00fcr Investitionen lohnt. Daneben fungieren US-amerikanische Pensionsfonds, europ\u00e4ische Kapitalgesellschaften und Banken als Kreditgeber f\u00fcr ukrainische Unternehmen, die im Agro-Business t\u00e4tig sind.<\/p>\n<p><em>Die ukrainischen Schwarzerde-B\u00f6den sind billig zu haben. Die Preisdifferenz zu fruchtbarem Ackerland beispielsweise in Deutschland oder \u00d6sterreich ist extrem.<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend ein Hektar zwischen Mecklenburg und Bayern je nach Gunstlage f\u00fcr 30.000 bis 70.000 Euro zu haben ist, kann man eine mindestens so ertragreiche Fl\u00e4che in der Ukraine f\u00fcr 2000 bis 3000 Euro kaufen, also um das 10- bis 20-fache billiger. 5<\/p>\n<p><strong>Die gro\u00dfen Player<\/strong><\/p>\n<p>An der Spitze der Agrargiganten steht <em>UkrLandFarming<\/em> mit seinem gesch\u00e4ftsf\u00fchrenden Vorstandsvorsitzenden Oleg Bakhmatyuk. Das Unternehmen hat 670.000 Hektar Ackerland unter dem Pflug. Registriert in Zypern, ist es auf der \u201eIrish Stock Exchange\u201c, der gr\u00f6\u00dften Wertpapierb\u00f6rse Irlands, gelistet. Der 50-j\u00e4hrige Bakhmatyuk ging eine Kapital-Allianz mit <em>Cargill<\/em> ein, einem der weltweit f\u00fchrenden Nahrungs- und Futtermittelkonzerne. Mit der <em>Agroholding Avangard<\/em>, einer Tochter von <em>UkrLandFarming<\/em>, verf\u00fcgt der Oligarch zudem \u00fcber Europas gr\u00f6\u00dften Eierproduzenten mit knapp 20 Millionen Legehennen.<\/p>\n<p>Hinter <em>UkrLandFarming<\/em> rangiert die <em>Kernel Holding<\/em> auf Platz zwei der ukrainischen Agrarriesen. Aus 530.000 Hektar Land werden im Jahr zwischen 3,1 und 3,3 Millionen Tonnen Getreide und \u00d6lsaaten herausgepresst. CEO Andrej Verenskji ist Mehrheitseigent\u00fcmer des Konzerns und z\u00e4hlt zu den zehn reichsten M\u00e4nnern der Ukraine. Die Kernel Holding ist in Luxemburg registriert und gilt als weltgr\u00f6\u00dfter Erzeuger von Sonnenblumen\u00f6l. Zur \u00dcberwachung und Absicherung seiner Produktionsfl\u00e4chen ist der Konzern eine Partnerschaft mit \u201eNASA Harvest\u201c eingegangen, einer Abteilung der US-Raumfahrtbeh\u00f6rde, die damit ihr Satellitenprogramm in der Ukraine zum Einsatz bringen kann.<\/p>\n<p><em>UkrLandFarming<\/em> und <em>Kernel<\/em> weisen ukrainische Oligarchen als Mehrheitseigent\u00fcmer aus. Hinter ihnen stehen westliche Kapitalgesellschaften oder Branchenkonzerne, die mittels Kreditvertr\u00e4gen eine bestimmende Position innehaben. So war beispielsweise die Deutsche Bank schon zu Beginn der Privatisierung (damals noch zusammen mit der russischen <em>Sber Bank<\/em>) mit einem dreistelligen US-Dollar-Kredit zur Stelle, um dem Oligarchen Bakhmatyuk unter die Arme zu greifen. 6<\/p>\n<p><em>Den ukrainischen Agrarsektor als Goldgrube haben auch die Vanguard Group, die Banque Nationale de Paris, Goldman Sachs, der norwegische Staatsfonds Norges Bank und eine Reihe anderer Finanzdienstleister und Banken erkannt und beteiligen sich eifrig.<\/em><\/p>\n<p>Immer mehr westliche Kapitalgruppen kommen ohne den Schutz ukrainischer Oligarchen aus, die allesamt zudem mit der Politik gut vernetzt sind und oft nebenher als Abgeordnete im Parlament sitzen. <em>NCH Capital<\/em> mit Sitz in New York ist daf\u00fcr ein herausragendes Beispiel. Die milliardenschwere Private-Equity-Gruppe verwaltet unter anderem gro\u00dfe Pensionsfonds in den USA wie jenen des R\u00fcstungsbetriebs <em>Lockheed<\/em> oder des Chemiekonzerns <em>Dow Chemical<\/em>, aber auch von Universit\u00e4ten in Harvard und Michigan. Dieses Geld investiert NCH <em>Capital<\/em> vornehmlich ins Agrobusiness. Mit dem Spruch \u201eFeeding the World\u201c begr\u00fc\u00dft einen die firmeneigene Homepage und weist in der Folge stolz darauf hin, dass sie mit bei den Ersten war, die Osteuropa nach der politischen Wende \u00f6konomisch eroberten: \u201e<em>NCH Capital<\/em> geh\u00f6rte in den 1990er Jahren zu den ersten westlichen Investoren in Osteuropa und machte seine ersten Investitionen im Agrarsektor vor \u00fcber 20 Jahren. Heute verwalten wir nicht nur andere Sachwerte und Private-Equity-Portfolios, sondern sind auch einer der weltweit gr\u00f6\u00dften Investoren und Betreiber von Agrarunternehmen.\u201c 7<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich spielte <em>NCH Capital<\/em> eine Schl\u00fcsselrolle bei der ukrainischen Landreform. Ihr Gr\u00fcnder George Rohr, auf Wikipedia als \u201eAmerican businessman and philanthropist\u201c angef\u00fchrt, war nach dem Maidan im Jahr 2015 zusammen mit US-Handelsministerin Penny Pritzker bei Pr\u00e4sident Poroschenko zu Gespr\u00e4chen, die \u00fcber das angebotene Zuckerbrot eines Milliardenkredits des IWF zur Liberalisierung des Bodenmarktes f\u00fchrten. 8 Die 300.000 Hektar bestes ukrainisches Ackerland hat <em>NHC Capital<\/em> \u00fcber Pachtvertr\u00e4ge zusammengesammelt und agiert damit \u00e4hnlich wie der <em>Public Investment Fund (PIF)<\/em> aus Saudi-Arabien, der mit einem Verm\u00f6gen von 900 Milliarden US-Dollar die Liste der Staatsfonds in der Welt anf\u00fchrt. <em>PIF<\/em> l\u00e4sst Jahr f\u00fcr Jahr ebenfalls fast 300.000 Hektar Schwarzerde-B\u00f6den abernten.<\/p>\n<p><strong>Die Politik<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWir m\u00fcssen viel schneller handeln als vor dem Krieg. Die Wirtschaft l\u00e4sst sich nicht von Gef\u00fchlen leiten. Wir brauchen praktizierbare Regeln, nicht schlechter als in L\u00e4ndern, in denen die Menschen bereit sind zu investieren. Unsere Gesetzgebung und unsere Agrarwirtschaft m\u00fcssen f\u00fcr den maximalen globalen Wettbewerb ger\u00fcstet sein.\u201c 9 Dergestalt dr\u00fcckte der ukrainische Landwirtschaftsminister Mikola Solskji auf die Tube, um schneller und schneller zu werden im Rennen um den h\u00f6chstm\u00f6glichen Ausverkauf der Schwarzerde-B\u00f6den. Die kleinen Bauern m\u00fcssten keine Angst vor den Agrarriesen aus dem Westen haben, erz\u00e4hlte er Anfang Januar 2024 der Tageszeitung <em>Kyiv Independent<\/em>. Das neue Liberalisierungsgesetz diene nur \u201eder Errichtung eines transparenten Mechanismus, um Gesch\u00e4fte und Investitionen besser entwickeln zu k\u00f6nnen\u201c. 10 \u00dcber die Parteiliste von Pr\u00e4sident Selenskyj \u2013 \u201eDiener des Volkes\u201c \u2013 hatte es Solskji im Jahr 2019 ins ukrainische Parlament und von dort auf den Ministersessel geschafft. Als Gr\u00fcnder einer Agrargesellschaft, die \u00fcber 51.000 Hektar Land verf\u00fcgte, schien er der geeignete Mann f\u00fcr diesen Posten.<\/p>\n<p>Im April 2024 fiel Solskji dann die von ihm viel gepriesene Transparenz auf die F\u00fc\u00dfe. Angesichts der ukrainischen Machenschaften im Kampf um Grund und Boden stolperte er \u00fcber eine vergleichsweise Kleinigkeit. Das Antikorruptionsb\u00fcro der Ukraine NABU will ihm nachgewiesen haben, dass er f\u00fcr seine Agrargesellschaft insgesamt 2500 Hektar Staatsland illegal einkassiert hatte, womit er sich um 7,3 Millionen US-Dollar bereichert h\u00e4tte. Kurzem Leugnen folgten sein R\u00fccktritt als Minister und seine Festnahme. Mit schlappen 75 Millionen Griwna (1,9 Millionen US-Dollar) Kautionssumme kam er vorl\u00e4ufig frei. Sein Nachfolger setzt den Kurs im Dienst der st\u00e4rksten Kapitalgruppen unbeirrt fort.<\/p>\n<p><strong>Der Bauer im Feld, der Konzern bei der Ernte<\/strong><\/p>\n<p>\u201eShakeout\u201c lautete in den Nullerjahren der g\u00e4ngige Begriff im neoliberalen Neusprech, wenn es darum ging, die landwirtschaftlich arbeitende Bev\u00f6lkerung im Agrarland Polen von der Scholle zu vertreiben. 2006 wies die von Br\u00fcssel gef\u00fchrte Statistik f\u00fcr Polen noch 27 Prozent aus, die von ihrem Ackerland lebten, das durchschnittlich 5 bis 7 Hektar betrug. \u201eKommerzielle Farmer k\u00f6nnen nur erfolgreich bestehen, wenn die Bauern ausgel\u00f6scht werden\u201c, schrieb bereits 1999 das Wirtschaftsmagazin Business Central Europe. 11 Innerhalb von 15 Jahren sank der Anteil der Bauern an der polnischen Gesamtbev\u00f6lkerung auf heute 8 Prozent.<\/p>\n<p>Das Shakeout in der Ukraine geht schneller und vor allem brutaler vor sich. Acht Millionen kleine und mittelgro\u00dfe Bauernh\u00f6fe existierten dort vor dem Krieg. Neben dem Druck von IWF und Gro\u00dfkonzernen ist es vor allem der Krieg, der der landwirtschaftlich t\u00e4tigen Bev\u00f6lkerung im wahrsten Sinn des Wortes zu Leibe r\u00fcckt. Denn w\u00e4hrend die Bauern als Soldaten im Feld sterben, fahren die Agrarriesen die Ernte ein. \u201eHeute k\u00e4mpfen und sterben Tausende von jungen Bauern im Krieg. Sie haben alles verloren. Gleichzeitig schreitet der Verkauf von Grund und Boden z\u00fcgig voran\u201c 12, schreibt Olena Borodina von der ukrainischen Akademie der Wissenschaften, eine der wenigen kritischen Intellektuellen, die sich gegen den Landraub zu Wort melden. Die Ironie dieser Entwicklung besteht darin, dass Hunderttausende Bauern f\u00fcr ein Land in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben sterben, das in der Folge nicht mehr sie, sondern ausl\u00e4ndische Agrarriesen bewirtschaften werden.<\/p>\n<p>Proteste dagegen k\u00f6nnen wegen des Kriegsrechts nicht stattfinden. Das bedauert der Vorsitzende der Union der ukrainischen Kleinbauern, Wiktor Scheremeta. Gegen\u00fcber der Schweizer Neuen Z\u00fcrcher Zeitung 13 sagte er: \u201eDa bahnt sich eine Katastrophe f\u00fcr die Kleinbauern an\u201c, der \u201eAusverkauf mit fragw\u00fcrdigen Methoden\u201c w\u00fcrde \u201edie Kleinbauern in den Ruin treiben\u201c. Im Jahr 2021 waren einer Umfrage der Nachrichtenagentur Interfax zufolge zwei Drittel der UkrainerInnen strikt gegen die Privatisierung von Grund und Boden. Auf die konkrete Frage \u201eUnterst\u00fctzen Sie die Einf\u00fchrung eines Marktes f\u00fcr den Kauf oder Verkauf von landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen in der Ukraine?\u201c antworteten 64 Prozent mit Nein. 14 Ein damals geplantes Referendum kam nie zustande. Es fiel dem Kriegsrecht zum Opfer.<\/p>\n<p><strong>Fussnoten<\/strong><\/p>\n<p>1 <a href=\"https:\/\/fr.statista.com\/infographie\/19092\/pays-les-plus-touches-par-accaparement-des-terres-superficie-cedee\">https:\/\/fr.statista.com\/infographie\/19092\/pays-les-plus-touches-par-accaparement-des-terres-superficie-cedee<\/a>&#8211; investisseurs-etrangers\/<\/p>\n<p>2 The Oakland Institute, War and Theft. The Takeover of Ukraine\u2019s Agricultural Land, Oakland 2023, S. 8<\/p>\n<p>3 Unterzeichnet wurde es durch Kiew erst im September 2017<\/p>\n<p>4 <a href=\"http:\/\/www.bundestag.de\/presse\/hib\/kurzmeldungen-977442\">www.bundestag.de\/presse\/hib\/kurzmeldungen-977442<\/a><\/p>\n<p>5 <a href=\"http:\/\/www.farmlandgrab.org\/post\/31959-second-phase-of-ukraine-s-land-reform-underway-critics-say-law-will-hurt\">www.farmlandgrab.org\/post\/31959-second-phase-of-ukraine-s-land-reform-underway-critics-say-law-will-hurt<\/a>&#8211;<\/p>\n<p>small-farmers<\/p>\n<p>6 <a href=\"https:\/\/concorde.ua\/en\/ukrlandfarming-restructures-usd-200-mln-loan\/\">https:\/\/concorde.ua\/en\/ukrlandfarming-restructures-usd-200-mln-loan\/<\/a><\/p>\n<p>7 <a href=\"https:\/\/nchcapital.com\/\">https:\/\/nchcapital.com\/<\/a><\/p>\n<p>8 The Oakland Institute, War and Theft. The Takeover of Ukraine\u2019s Agricultural Land, Oakland 2023, S. 9<\/p>\n<p>9 <a href=\"https:\/\/kyivindependent.com\/land-reform-second-stage-of-ukraines-land-reform-underway-sparking-concerns\">https:\/\/kyivindependent.com\/land-reform-second-stage-of-ukraines-land-reform-underway-sparking-concerns<\/a>&#8211;<\/p>\n<p>among-small-scale-farmers\/ 10 ebenda<\/p>\n<p>11 Business Central Europe, Wien, Februar 1999, S. 42<\/p>\n<p>12 The Oakland Institute, War and Theft. The Takeover of Ukraine\u2019s Agricultural Land, Oakland 2023, S. 5 13 <a href=\"http:\/\/www.nzz.ch\/wirtschaft\/ukraine-wem-gehoert-die-schwarze-erde-ld.1779063\">www.nzz.ch\/wirtschaft\/ukraine-wem-gehoert-die-schwarze-erde-ld.1779063<\/a><\/p>\n<p>14 <a href=\"https:\/\/en.interfax.com.ua\/news\/press-conference\/743689.html\">https:\/\/en.interfax.com.ua\/news\/press-conference\/743689.html<\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/soziales\/privatisierung\/landraub-in-der-ukraine-die-westlichen-agrarriesen-beherrschen-das-terrain\/\"><em>intergrund.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 14. Februar 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hannes Hofbauer. 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