{"id":15317,"date":"2025-03-10T11:29:42","date_gmt":"2025-03-10T09:29:42","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15317"},"modified":"2025-03-10T11:29:43","modified_gmt":"2025-03-10T09:29:43","slug":"selling-america-wie-die-weltsicht-der-usa-zum-verkaufserfolg-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15317","title":{"rendered":"&#8222;Selling America&#8220;: Wie die Weltsicht der USA zum Verkaufserfolg wurde"},"content":{"rendered":"<p><em>Helmut Scheben.<\/em><strong> Hollywood hat viele gute Filme gemacht, aber auch viele schlechte. Die Filmindustrie projiziert immer mal wieder das imperative Weltmodell einer hegemonialen US-Elite. Die Strategie, mit Soft Power Herzen und Hirne im alten und neuen Kalten Krieg einzunehmen, hat eine lange Tradition. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Der Vorgang ist einem Tagebucheintrag vom 12. Dezember 1946 zu entnehmen. Da wurden Waisenkinder auf den Philippinen in einem provisorischen Schuppen versammelt, und es wurden ihnen Comic Strips gezeigt: \u201eA lot of Mickey Mouse and Donald Duck Cartoons\u201c, notierte der US-Lieutenant Edward Lansdale. Und weiter:<\/p>\n<p><em>Wie es die Kinder in jedem Land tun w\u00fcrden, verschlangen diese kleinen Filipino-Waisen die Bilder, dr\u00e4ngten sich durch, bis sie nach ganz vorn zum Bildschirm kamen, wo all diese lustigen Figuren zu sehen waren.<\/em><\/p>\n<p>Landsdale kam aus der PR-Branche und war ein fr\u00fcher Spezialist der psychologischen Kriegsf\u00fchrung, als Begriffe wie Soft Power oder Cognitive Warfare noch nicht gebr\u00e4uchlich waren. Der Mann beherrschte die Kunst, armen L\u00e4ndern die Vorz\u00fcge westlichen Wohlstands und westlicher Unterhaltungskultur anzupreisen, um sie von kommunistischen Versuchungen abzubringen. Lansdale \u201everkaufte\u201c ihnen \u201eAmerika\u201c, ganz gleich ob es das Versprechen von K\u00fchlschr\u00e4nken, Waschmaschinen, Sicherheit oder politische F\u00fchrer waren, die Washington f\u00fcr sie ausgesucht hatte.<\/p>\n<p>Er war damals Ende dreissig und formal Offizier der US Air Force, gleichzeitig aber Agent des Office of Strategic Services (OSS), aus dem kurz darauf die Central Intelligence Agency (CIA) hervorging. Lansdales Aufgabe bestand darin, den Vormarsch des Kommunismus in S\u00fcdostasien zu stoppen. Das tat er in den 50er und 60er Jahren mehr oder weniger erfolgreich als \u201eFreund und Verbindungsoffizier\u201c des philippinischen Pr\u00e4sidenten Ramon Magsaysay und des Pr\u00e4sidenten Ngo Dinh Diem in S\u00fcdvietnam.<\/p>\n<p>Edward Lansdale, ein gut aussehender, charismatischer Mundharmonika-Spieler mit jovialem Image, war eine legend\u00e4re Figur im beginnenden Kalten Krieg. F\u00fcr die US-Geheimdienste war er \u201eunser Mann in Saigon\u201c. Zu zweifelhaftem Renomm\u00e9 gelangte er durch den Kriminalroman \u201eDer stille Amerikaner\u201c von Graham Greene (The Quiet American, 1955). Es war kaum zu \u00fcbersehen, dass der Brite Greene, der in den f\u00fcnfziger Jahren als Journalist in Saigon lebte und arbeitete, Lansdale als Vorbild f\u00fcr den Protagonisten seines Romans genommen hatte. Greene bestritt dies \u00f6ffentlich, und er wusste sehr gut warum. Der republikanische Senator Joseph McCarthy f\u00fchrte damals eine Denunziations-Kampagne gegen \u201ekommunistische Unterwanderung\u201c der USA, und Greene war eine willkommene Zielscheibe.<\/p>\n<p><strong>Hollywood wird, wo es n\u00f6tig erscheint, vom CIA korrigiert<\/strong><\/p>\n<p>Greenes Polit-Thriller wurde als \u201eanti-amerikanisch\u201c und als vernichtende Kritik an der Strategie der offenen und verdeckten milit\u00e4rischen <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/CIA_activities_in_Indonesia\">Interventionen<\/a>\u00a0der USA in S\u00fcdostasien angesehen. Als der Roman 1958 verfilmt werden sollte, war es \u2013 wohl kaum zuf\u00e4llig \u2013 Edward Lansdale, der in Hollywood intervenierte, um das Drehbuch zu \u00e4ndern. Der CIA-Mann im Roman musste als Held und Patriot dargestellt werden. Graham Greene war dar\u00fcber emp\u00f6rt und bezeichnete den Film als ein Propaganda-Machwerk. Greene stand daraufhin bis zu seinem Lebensende unter Beobachtung durch FBI und US-Geheimdienste.<\/p>\n<p>Hollywood ist Weltspitze in der Fabrikation von Ideologie. Aus der Dream Factory sind zwar \u00fcberzeugende gesellschaftskritische Filme hervorgegangen, Kassenschlager waren aber noch immer die eher einfach gestrickten Plots, die die Welt als einen Ort darstellen, in dem \u201eunsere Jungs\u201c gegen \u201edie B\u00f6sen\u201c k\u00e4mpfen m\u00fcssen, um Freiheit und Demokratie herzustellen.<\/p>\n<p>Letzten Dezember wurde Hollywood-Star Tom Cruise f\u00fcr seine Verdienste um die US-Navy geehrt. Er erhielt den Distinguished Public Service Award des Marine Corps. Cruise habe \u201edas \u00f6ffentliche Bewusstsein und die Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr das hochqualifiziertes Personal und die Opfer, die sie in ihrer Uniform bringen, erh\u00f6ht.\u201c Im Kinohit \u201eTop Gun\u201c (1986) spielt Cruise den tollk\u00fchnen US-Piloten im Kalten Krieg. Der Streifen war dermassen erfolgreich, dass die Navy Rekrutierungs-Tische in den Kinos aufstellte. Es kam zu einem sprunghaften Anstieg der freiwilligen Eintritte in die Armee.<\/p>\n<p><strong>Rambo als Heilmittel im Vietnam-Trauma<\/strong><\/p>\n<p>\u201eRambo\u201c war die Sternstunde einer zweifelhaften Vietnam-Mythologie. Silvester Stallone verk\u00f6rpert den Green-Beret-Mann, eine im Dschungelkampf gest\u00e4hlte Kampfmaschine. Ganze Regimenter von Soldaten und Polizisten haben keine Chance gegen einen einzelnen Mann, der gelernt hat zu t\u00f6ten, und nur auf einen einzigen anderen Mann h\u00f6rt: seinen ehemaligen Vorgesetzten in Vietnam, der ihn ausgebildet und erzogen hat im Krieg gegen den Kommunismus. Zur\u00fcck in den USA leistet Vietnam-Veteran Rambo Widerstand gegen korrupte Polizisten, die ihn als Landstreicher festnehmen und schikanieren. Es geht also wieder einmal um den Kampf eines Supermans f\u00fcr Gerechtigkeit. Und genau da liegt die unterschwellige Botschaft, n\u00e4mlich eine Umdeutung des Vietnamkrieges als eine Geschichte von Action-Rambos, die f\u00fcr die \u201egerechte Sache\u201c k\u00e4mpften. Vietnam ist ein modernes Hollywood-M\u00e4rchen, das bis heute in unseren K\u00f6pfen und Videospielen wirksam ist.<\/p>\n<p>Eigentliche Kampftruppen waren in Wirklichkeit nur zehn Prozent der in Vietnam eingesetzten GI\u2019s, und von diesen wiederum wurde nur ein kleiner Bruchteil abkommandiert zum Durchk\u00e4mmen von Siedlungsgebieten im Dschungel. Die anderen neunzig Prozent des Personals im gigantischen Logistikunternehmen namens \u201eVietnamkrieg\u201c kannten den \u201eShooting War\u201c nur aus weiter Entfernung. (Bernd Greiner: Krieg ohne Fronten. Die USA in Vietnam. S.33 ff.)<\/p>\n<p>Denn der Indochina-Krieg wurde von den USA als Materialschlacht aus der Luft gef\u00fchrt. Allein in den Jahren 1966 bis 1968 klinkten Kampfflugzeuge der USA und ihrer Verb\u00fcndeten fast drei Millionen Tonnen Bomben \u00fcber Vietnam, Laos und Kambodscha aus, das war ein Drittel mehr als die Bombardierungen auf allen Schaupl\u00e4tzen des Zweiten Weltkrieges. Die Piloten warfen ihre Bomben und Napalm-Kanister ab und flogen wieder zu ihrem St\u00fctzpunkt, um eine Dusche und ein Bier zu nehmen.<\/p>\n<p>Doch das ist nicht der Stoff, aus dem die Helden sind. Folglich stellte und stellt Hollywood den Vietnamkrieg mit Vorliebe als spektakul\u00e4re Dschungelgefechte zwischen Individuen dar, als quasi archaischen Kampf Mann gegen Mann. Eine Vorstellung, die von den Ritterk\u00e4mpfen der Feudalzeit bis zu John Wayne und seinen \u201egr\u00fcnen Teufeln\u201c in unseren K\u00f6pfen herumgeistert, wenn wir das Wort \u201eKrieg\u201c denken.<\/p>\n<p>Aber sp\u00e4testens in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben des Ersten Weltkriegs ist aus dem \u201eKriegshandwerk\u201c industrielle Massenvernichtung geworden. Der Philosoph G\u00fcnther Anders besuchte 1958 die Schaupl\u00e4tze der Atombombenabw\u00fcrfe von Hiroshima und Nagasaki. Er bemerkte, dass die Leute der Delegation angesichts der Verw\u00fcstungen schockiert den Blick senkten und es vermieden, sich gegenseitig anzusehen. Anders vermutet, dass sie sich daf\u00fcr sch\u00e4mten, zu der Spezies Mensch zu geh\u00f6ren, sei es doch unfassbar, dass menschliche Wesen einander dergleichen antun k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Brzezi\u0144ski: \u201eDie Russen gingen in die afghanische Falle\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem blutr\u00fcnstigen Kino-Hit \u201eRambo III\u201c lieferte Hollywood dann 1988 \u2013 kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion \u2013 noch einmal einen Aufguss aller Klischees und \u00fcblen Instinkte aus dem Bodensatz des Kalten Krieges. Da l\u00e4sst der notorische \u201eRusse\u201c in seinen Folterkammern in Afghanistan seiner sadistischen Natur freien Lauf, und nur Rambo kann am Ende die Guten befreien und die B\u00f6sen bestrafen. Der Streifen wurde 1990 als brutalster Film in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen.<\/p>\n<p>Der Film endet im Abspann mit einer Widmung an \u201edas tapfere Volk von Afghanistan\u201c. Gemeint sind die aufst\u00e4ndischen Mudschaheddin, radikalislamische Milizen, die mit Rambo gegen die Russen k\u00e4mpfen und siegen. Die Widmung nimmt Bezug auf die reale Politik in der realen Welt, wo Washington ab Ende der siebziger Jahre Widerstandsgruppen verschiedener afghanischer Ethnien finanziert und bewaffnet hatte, die gegen die prosowjetische Regierung in Kabul k\u00e4mpften. Ziel der USA war es, die Sowjetunion in einem Abnutzungskrieg in Afghanistan zu zerm\u00fcrben, was am Ende gelang. Als Moskau nach zehn Jahren Intervention 1989 den R\u00fcckzug seiner Truppen aus Afghanistan beschliesst, knallen im Weissen Haus in Washington und in den Nato-St\u00e4ben die Champagnerkorken. Es war die sp\u00e4te Rache f\u00fcr die schmachvolle Niederlage in Vietnam.<\/p>\n<p>\u201eRambo III\u201c kolportiert eine Geschichtsf\u00e4lschung, von der man in der breiten westlichen \u00d6ffentlichkeit bis heute lieber nichts wissen und h\u00f6ren will. Die bew\u00e4hrte offizielle Legende lautet, die Unterst\u00fctzung der USA f\u00fcr die Islamisten in Afghanistan sei eine Folge des russischen Einmarschs gewesen, der Westen habe dem afghanischen Volk zu Hilfe kommen m\u00fcssen gegen die Sowjetarmee. Tatsache ist aber, dass der bewaffnete Aufstand gegen das kommunistische Regime in Kabul von den USA unterst\u00fctzt und organisiert wurde, bevor die Sowjetarmee einmarschierte.<\/p>\n<p>Der ehemalige CIA-Direktor (und sp\u00e4tere US-Verteidigungsminister) Robert Gates erw\u00e4hnt 1996 in seiner Autobiographie (From the Shadows: The Ultimate Insider\u2019s Story of Five Presidents and How They Won the Cold War) beil\u00e4ufig, dass die US-Geheimdienste schon sechs Monate vor dem Einmarsch der Sowjets begannen, die Mudschaheddin-Gruppen zu bewaffnen. Zbigniew Brzezi\u0144ski, unbestrittene Autorit\u00e4t auf dem Gebiet der US-Aussenpolitik, best\u00e4tigte dies in einem Interview mit dem franz\u00f6sischen Nouvel Observateur am 15. Januar 1998:<\/p>\n<p><em>Diese verdeckte Operation war eine hervorragende Idee. Sie bewirkte, dass die Russen in die afghanische Falle tappten (\u2026) Am Tag, an dem die Russen die Grenze \u00fcberschritten, schrieb ich Pr\u00e4sident Carter: Jetzt haben wir die M\u00f6glichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu liefern.<\/em><\/p>\n<p>Zynismus der manipulativen westlichen Geschichtschreibung: Die \u201eMudschaheddin-Freunde\u201c, die f\u00fcr die Vertreibung der Russen n\u00fctzlich waren, verwandelten sich nach 9\/11 in grosse islamistische Teufel und mussten 20 Jahre lang bombardiert werden, bis auch Washington erfolglos den R\u00fcckzug aus Afghanistan beschloss. Hollywood hat sich aber von solchen Widerspr\u00fcchen nie davon abhalten lassen, die offizielle Afghanistan-Erz\u00e4hlung in immer neuen Varianten zu verbreiten. Und sei es in der Form von Polit-Satiren wie \u201eDer Krieg des Charlie Wilson\u201c (2007). Tom Hanks spielt dort den (historisch realexistierenden) texanischen US-Kongressabgeordneten Wilson, der den Mudschaheddin Raketenwerfer lieferte. Die Darstellung des United States Capitol und seines politischen Betriebs als eine Mischung aus Alkoholismus und Sex im Whirlpool \u00e4ndert nichts an der Tatsache, dass der Streifen das Klischee vom guten Amerikaner, der dem armen, unterdr\u00fcckten Volk von Afghanistan zu Hilfe kommt, bis zur Unertr\u00e4glichkeit auswalzt. Im Unterschied zu \u201eRambo III\u201c soll dabei gelacht werden.<\/p>\n<p><strong>Ein weiterer Rambo hiess \u201eAmerican Sniper\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAmerican Sniper\u201c war in den USA der erfolgreichste Kinofilm des Jahres 2014. Clint Eastwood, der gute Filme gemacht hat \u2013 \u201eThe Bridges of Madison County\u201c ist mir in Erinnerung \u2013 hat mit \u201eAmerican Sniper\u201c (2014) ein Ding gedreht, das eher an eine Auftragsarbeit der National Rifle Association (NRA) erinnert. Der Film st\u00fctzt sich auf eine reale historische Figur, einen Navy-Seal namens Chris Kyle, der laut offiziellen Angaben des US-Verteidigungsministeriums der erfolgreichste Scharfsch\u00fctze aller Zeiten war. Pr\u00e4sident George W. Bush musste kein Propaganda-Video in Auftrag geben, um seinen Irakkrieg historiographisch zu rechtfertigen. Clint Eastwood hat es geliefert.<\/p>\n<p>Der Film ist \u2013 wie ich damals in einer\u00a0<a href=\"https:\/\/www.journal21.ch\/artikel\/american-sniper-krieg-der-ego-shooter\">Rezension<\/a> schrieb \u2013 eine an Autismus grenzende Selbstbespiegelung der wehrhaften Vereinigten Staaten. Breit dargestellt werden die Motive der US-Soldaten im Irakkrieg, die H\u00e4rte ihrer Ausbildung, ihre Tapferkeit und ihre Angst, die seelischen Traumata, das Nachkriegssyndrom, Alkoholismus, Eheprobleme und so weiter. Ihr Leid ist gross. Die irakischen \u201eFeinde\u201c auf der anderen Seite haben indessen keine Probleme. Sie kommen in dem Film nicht als Menschen vor, sondern als Zielscheiben und Attrappen, sie werden abgeschossen wie die Indianer vor der Wagenburg in drittklassigen Western.<\/p>\n<p>Der Film ist im \u00dcbrigen ein Beispiel daf\u00fcr, wie die Realit\u00e4t asymmetrischer Kriege ignoriert und verdr\u00e4ngt wird. Die Aufstandsbek\u00e4mpfung (Counterinsurgency) war im Irak \u2013 wie \u00fcberall \u2013 ein schmutziger Krieg, denn die Besatzungsmacht k\u00e4mpfte gegen einen Feind, der nicht sichtbar war. Der sich \u2013 wie der \u00fcbliche Textbaustein in unseren Medien lautet \u2013 \u201ein der Bev\u00f6lkerung versteckt\u201c. Diese wird zwangsl\u00e4ufig zum Feind schlechthin. Da werden n\u00e4chtens T\u00fcren eingetreten, M\u00e4nner, Frauen und Kinder herausgezerrt und verh\u00f6rt oder bei Gegenwehr erschossen. Die psychische Belastung der US-Soldaten beruht also zum grossen Teil auf der Tatsache, dass sie zwar durch Sprengfallen und Granatfeuer aus dem Hinterhalt get\u00f6tet und verwundet werden, den Feind aber nie oder selten zu Gesicht bekommen und ihn nicht fassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eAmerican Sniper\u201c zeigt zwar diese Aspekte des Krieges. Das Problem wird aber hurtig entlastend abgehandelt und aufgel\u00f6st in ein paar wenigen Dialogen. Der Sniper belehrt seine Kameraden, dass man all diese schlimmen Dinge tun m\u00fcsse, um die Heimat zu verteidigen. Einmal sagt er, er m\u00fcsse seine Frau und seine Kinder sch\u00fctzen, er wolle nicht, \u201edass sie bis nach Los Angeles kommen\u201c. Die B\u00f6sen n\u00e4mlich. Ein Argument, dass von der Bush-Regierung immer wieder vorgebracht wurde, um den Irak-Krieg zu rechtfertigen. Der Irak sei \u2013 wie seinerzeit Vietnam und dann Afghanistan \u2013 als Vorort und Bastion des freien Amerika milit\u00e4risch zu halten.<\/p>\n<p><strong>\u201eGott bewahre uns vor den Guten\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201eAls eine junge Prostituierte von russischen Gangstern bedroht wird, beschliesst ein ehemaliger Undercover-Agent, sich f\u00fcr die Hilflosen einzusetzen\u201c. So wird mir im TV-Programm ein Thriller empfohlen. In der Welt der bewegten bunten Fernsehbilder gibt es keinen Tag im Jahr, ohne dass auf irgendeinem Sender unsere braven Agenten gegen die russische Mafia oder russische B\u00f6sewichte k\u00e4mpfen. Das Klischee vom Russen als Wodka-S\u00e4ufer, Gangster und Killer ist in einem solchen Ausmass Teil der t\u00e4glichen Fabrikation von Unwirklichkeit geworden, dass wir es schon lange nicht mehr bemerken. Da wird die unaufh\u00f6rliche, unterbewusste Gehirnw\u00e4sche mit gigantischen Ums\u00e4tzen auf dem Markt der Kulturprodukte verkauft. Der ehemalige Pr\u00e4sident Joe Biden nannte den Pr\u00e4sidenten Russlands einen \u201eKiller\u201c. Bob Dylan schrieb 1962 \u2013 w\u00e4hrend der Kuba-Krise \u2013 die Verse eines Anti-Kriegsliedes: \u201eI learned to hate Russians all through my whole life. If another war comes, it\u2019s them we must fight (\u2026) And accept it all bravely with God on my side.\u201c<\/p>\n<p>Im Roman \u201eDer stille Amerikaner\u201c lernt der britische Journalist Thomas Fowler 1952 in Saigon einen gerade eingeflogenen, jungen Mann namens Alden Pyle kennen, der angeblich in Entwicklungsprojekten in der US-Botschaft arbeitet, tats\u00e4chlich aber ein CIA-Agent ist: \u201eEr hatte ein paar \u00e4rgerliche Ansichten dar\u00fcber, was die USA Gutes f\u00fcr die Welt taten (\u2026) Er war unschlagbar ger\u00fcstet mit seinen guten Absichten und seiner Ignoranz.\u201c<\/p>\n<p>Fowler findet heraus, dass Pyle in die Sprengstoffanschl\u00e4ge verwickelt ist, die Saigon ersch\u00fcttern und offenbar das Ziel verfolgen, S\u00fcdvietnam zu destabilisieren und ein Eingreifen der USA zu rechtfertigen. Der Opiumraucher und politisch desillusionierte Brite verr\u00e4t den stillen Amerikaner, der ihm seine vietnamesische Geliebte abgenommen hat, an Ho Chi Minhs Widerstandsbewegung Vietminh. Als der ermittelnde franz\u00f6sische Polizeioffizier dem Briten mitteilt, dass die Leiche des Geheimdienstagenten Pyle gefunden wurde, sagt der Brite: \u201eGott bewahre uns vor den Unschuldigen und den Guten.\u201c<\/p>\n<p>Edward Lansdale, ein realer stiller Amerikaner, brachte es bis zum Generalmajor und erhielt 1963 f\u00fcr seine Verdienste eine der h\u00f6chsten Auszeichnungen der US-Luftwaffe. Es ist kaum zu vermuten, dass bei dieser Gelegenheit an die vietnamesischen Kinder erinnert wurde, die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/agent-orange-der-lange-schatten-des-vietnamkriegs\/a-57459748\">zu Hunderttausenden missgebildet zur Welt kamen<\/a>, nachdem die US-Luftwaffe grossr\u00e4umig das TCDD-Dioxin-Gift Agent Orange zur Entlaubung des Dschungels verspr\u00fcht hatte.<\/p>\n<p><strong>(Red.) Siehe zur gleichen Thematik das Buch von Ben Urwand: \u201eDer Pakt: Hollywoods Gesch\u00e4fte mit Hitler\u201c. (Verlag Theiss, ISBN: <\/strong><a href=\"https:\/\/www.booklooker.de\/B%C3%BCcher\/Angebote\/isbn=9783806233711?zid=66ofr5gh9g8jinfvu2kjs42khf\"><strong>9783806233711<\/strong><\/a><strong>)<\/strong><\/p>\n<p>Hollywood schloss einen Pakt mit Hitler. Die gro\u00dfen Studios erkl\u00e4rten sich 1933 bereit, keine Filme zu produzieren, die das Ansehen der Nationalsozialisten besch\u00e4digten oder die Judenverfolgung thematisierten. Der Grund war einfach: In Deutschland lie\u00dfen sich immer noch die besten Gesch\u00e4fte machen. Doch Paramount, MGM und Fox gingen weiter: Sie zensierten Filme ohne Druck, entlie\u00dfen bereitwillig j\u00fcdische Mitarbeiter oder realisierten unerw\u00fcnschte Projekte erst gar nicht. Die Gewinne flossen in die Produktion von Goebbels\u2018 Wochenschau oder in die deutsche R\u00fcstungsindustrie. Auf der einen Seite die m\u00e4chtigen Studiobosse, viele davon Juden, auf der anderen Adolf Hitler, der filmbesessene Diktator. Ben Urwand erz\u00e4hlt die Geschichte dieses Skandals. Es ist die dunkle Seite von Hollywoods \u201aGolden Age\u2018, die Urwand unter R\u00fcckgriff auf bisher unbekanntes Archivmaterial beschreibt \u2013 temporeich und spannend!<\/p>\n<p><em>#Titelbild: US-amerikanischer SoldatFoto: Military Material; Quelle: Pixabay; <\/em><a href=\"https:\/\/pixabay.com\/de\/service\/license-summary\/\"><em>Lizenz<\/em><\/a><em>, <\/em><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/filmfernsehen\/selling-america-wie-die-weltsicht-der-usa-zum-verkaufserfolg-wurde\/attachment\/soldiers-2679099_1920\/\"><em>Mehr Infos<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.hintergrund.de\/feuilleton\/filmfernsehen\/selling-america-wie-die-weltsicht-der-usa-zum-verkaufserfolg-wurde\/\"><em>hintergrund.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 10. M\u00e4rz 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helmut Scheben. Hollywood hat viele gute Filme gemacht, aber auch viele schlechte. 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