{"id":15333,"date":"2025-03-24T16:28:56","date_gmt":"2025-03-24T14:28:56","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15333"},"modified":"2025-03-24T16:28:57","modified_gmt":"2025-03-24T14:28:57","slug":"kongo-m23-und-der-kampf-um-ressourcen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15333","title":{"rendered":"Kongo: M23 und der Kampf um Ressourcen"},"content":{"rendered":"<p><em>Jule Nitsche. <\/em><strong>Die seit drei Jahrzehnten andauernden Konflikte im Kongo forderten bereits mehr als sechs Millionen Tote. Durch die Rebellengruppierung M23 wird die Krise aktuell noch weiter versch\u00e4rft. Gleichzeitig offenbart sich, welche Interessen sich eigentlich hinter den Auseinandersetzungen verbergen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Seit drei Jahrzehnten finden im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DRC) K\u00e4mpfe statt. Der Ursprung\u00a0 der Konflikte im Land liegt im Genozid 1994 an der ethnischen Minorit\u00e4t der Tutsi, durchgef\u00fchrt durch die Hutus. Innerhalb von nur 100 Tagen t\u00f6teten extremistische Hutus in Ruanda um die 800.000 Tutsis. Beendet wurde der Genozid durch Tutsi-Rebllen, welche die Hauptstadt Kigali im Anschluss \u00fcbernahmen. Tausende Hutus flohen infolge dieses Konflikts in die DRC, wobei einige von ihnen jedoch extremistisches Tutsi-feindliches Gedankengut mit in die DRC brachten. Deshalb fiel Ruanda 1998 in die DRC ein, um Hutu-Milizen zu verfolgen, woraufhin das Land im zweiten Kongokrieg versank. Die Abfolge der Kongokriege (1996-97; 1999-2003) werden auch als <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2025\/3\/13\/people-need-a-break-drc-conflict-reignites-dark-memories-of-congo-wars\">\u201cGreat-African-War\u201d<\/a> bezeichnet.<\/p>\n<p>Seither herrscht zwar kein offizieller Krieg mehr, jedoch auch kein Frieden. Mehr als <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2025\/3\/13\/people-need-a-break-drc-conflict-reignites-dark-memories-of-congo-wars\">6 Millionen Menschen<\/a> wurden in den letzten drei Jahrzehnten get\u00f6tet, noch mehr mussten fliehen. W\u00e4hrend bewaffnete Gruppierungen immer weiter zunehmen, zersplittert sich das kongolesische Milit\u00e4r immer weiter, w\u00e4hrend Ruanda und Uganda die DRC weiterhin beeinflussen, obwohl sie dort offiziell keine Truppen mehr stationieren sollten. Vor allem kongolesische Tutsi Milizen haben mittlerweile viel Macht im Land. Eine dieser Gruppen ist die M23 (<em>Mouvement du 23 Mars<\/em>), welche zwar schon seit 2012 existiert, jedoch seit 2021 massiv erstarkt ist und viele Gebiete f\u00fcr sich gewinnen konnte. Auch wenn Ruanda dies abstreitet, ist davon auszugehen, dass die M23 von Ruanda unterst\u00fctzt wird. Laut UN unterst\u00fctzen ca. 3.000 Soldaten aus Ruanda die M23. Die M23 sowie Ruanda geben an, dass sie die ethnische Minorit\u00e4t der Tutsi in der DRC sch\u00fctzen wollen \u2013 eigentlich verbergen sich jedoch andere Interessen hinter dem Konflikt.<\/p>\n<p><strong>Reiche Bodensch\u00e4tze \u2013 arme Bev\u00f6lkerung<\/strong><\/p>\n<p>Die DRC verf\u00fcgt \u00fcber <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/where\/democratic-republic-of-the-congo\/\">wertvolle Bodensch\u00e4tze<\/a>, wie Gold, Kobalt und Coltan. Coltan ist f\u00fcr die Herstellung von technischen Ger\u00e4ten, wie Smartphones und Tablets, essentiell, w\u00e4hrend Kobalt vor allem f\u00fcr Batterien ben\u00f6tigt wird. Der Gro\u00dfteil der weltweiten Vorkommen befindet sich im Ost-Kongo. Trotz \u2013 oder vielleicht gerade wegen \u2013 dieses Rohstoffreichtums leben <a href=\"https:\/\/www.aktiongegendenhunger.de\/afrika\/demokratische-republik-kongo#:~:text=73%20Prozent%20der%20Bev%C3%B6lkerung%20leben,sind%20auf%20sofortige%20Nahrungsmittelhilfe%20angewiesen.\">73% der Kongoles:innen<\/a> in Armut und haben t\u00e4glich weniger als 1,30 Euro zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>2024 konnte die M23 das Minengebiet Rubaya unter ihre Kontrolle stellen, in welchem sich die gr\u00f6\u00dfte Coltan Mine der Region befindet. M23 verdient um die 800.000 USD pro Monat an diesen Minen und verkauft ihren Ertrag ausschlie\u00dflich \u00fcber Ruanda. So wurden im Jahr 2023 Mineralien im Wert von <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2025\/3\/13\/people-need-a-break-drc-conflict-reignites-dark-memories-of-congo-wars\">1.1 Milliarden Dollar<\/a> aus Ruanda exportiert. Der Pr\u00e4sident Kongos, F\u00e9lix Tshisekedi, hat die internationale Gemeinschaft deshalb aufgefordert, den Handel mit Ruanda zu beenden. Da Ruanda ein so wichtiger Exporteur ist, fielen diese Sanktionen zun\u00e4chst aber eher milde aus. Mittlerweile hat Belgien die Entwicklungshilfe f\u00fcr Ruanda eingestellt und die EU hat Strafz\u00f6lle gegen ruandische Staatsangeh\u00f6rige verh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Der Handel mit den wertvollen Bodensch\u00e4tzen erm\u00f6glicht der M23 nicht nur die Finanzierung ihrer Waffen und Soldaten,\u00a0 er wird von einigen Individuen auch als pers\u00f6nliche <a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/sites\/default\/files\/Documents\/Countries\/CD\/FS-5_Natural_Resources_FINAL.pdf\">Quelle der Bereicherung<\/a> missbraucht. W\u00e4hrend sich einige wenige an den nat\u00fcrlichen Ressourcen des Landes bereichern, lebt der Rest der Bev\u00f6lkerung in <a href=\"https:\/\/www.aktiongegendenhunger.de\/afrika\/demokratische-republik-kongo#:~:text=73%20Prozent%20der%20Bev%C3%B6lkerung%20leben,sind%20auf%20sofortige%20Nahrungsmittelhilfe%20angewiesen.\">schlechtesten Bedingungen<\/a>. Aufgrund von Mangelern\u00e4hrung werden viele S\u00e4uglinge nur wenige Monate alt, M\u00fctter sterben bei der Geburt, die Cholera ist endemisch und sexualisierte Gewalt weit verbreitet. Auch die Kriegsparteien \u2013 also die bewaffneten Milizen sowie die kongolesische Armee \u2013 begehen regelm\u00e4\u00dfig sexuelle Verbrechen gegen\u00fcber Gefl\u00fcchteten.<\/p>\n<p>Der Menschenrechtsaktivist Fred Bauma \u00e4u\u00dferte sich gegen\u00fcber <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=-xSSoIOxP3E&amp;t=171s\">Aljazeera<\/a> wie folgt zu der Situation im Kongo: \u201cSchlussendlich leiden seit 30 Jahren Millionen Kongoles:innen, welche nichts mit den Interessen der einen oder anderen Seite zu tun haben und einfach nur in einem friedlichen Land leben wollen.\u201d In der DRC leidet die Bev\u00f6lkerung unter den nat\u00fcrlichen Ressourcen ihres Landes, weil diese die Grundlage f\u00fcr den bewaffneten Konflikt bieten und gleichzeitig ein Potential f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.amnesty.ch\/de\/laender\/afrika\/demokr-rep-kongo\/dok\/2013\/chinesische-bergbauindustrie\">Ausbeutung<\/a> schaffen. Die Arbeiter:innen, zu denen auch Kinder z\u00e4hlen, m\u00fcssen teilweise ohne Werkzeuge nach den Rohstoffen sch\u00fcrfen und Familien werden zwangsger\u00e4umt, um neue Minen zu er\u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.gtai.de\/de\/trade\/kongo-demokratische-republik\/specials\/rohstoffe-1075390#toc-anchor--3\">Weiterverarbeitung<\/a> der Rohstoffe erfolgt ausschlie\u00dflich im Ausland, gr\u00f6\u00dftenteils in China. Hier liegt eine Wurzel der Probleme des Landes, da die DRC sein wirtschaftliches Potential nicht ausweiten kann und vollst\u00e4ndig abh\u00e4ngig von den gro\u00dfen kapitalistischen Staaten bleibt. So werden die durch afrikanische Arbeit gewonnenen Rohstoffe allesamt exportiert, wodurch das Land \u2013 und der gesamte Kontinent \u2013 nicht die Chance erhalten, zu den \u201centwickelten\u201d L\u00e4ndern aufzusteigen. Dies kritisierte Walter Rodney, der aus Guyana stammende Revolution\u00e4r, in seinem Werk \u201cWie Europa Afrika unterentwickelte\u201d: \u201dDie afrikanischen Volkswirtschaften sind in einer Weise in die Struktur der entwickelten kapitalistischen Wirtschaft integriert, die f\u00fcr Afrika ung\u00fcnstig ist und es in die Abh\u00e4ngigkeit von den gro\u00dfen kapitalistischen Staaten zwingt.\u201d<\/p>\n<p><strong>Geplanter Waffenstillstand<\/strong><\/p>\n<p>K\u00fcrzlich trafen sich der Pr\u00e4sident der DRC, F\u00e9lix Tshisekedi, sowie der Pr\u00e4sident Ruandas, Paul Kagame, in Katar, um \u00fcber einen <a href=\"https:\/\/www.bbc.com\/news\/articles\/c1mn21km5rlo\">Waffenstillstand zu verhandeln<\/a>. Laut dem Au\u00dfenministerium Katars appelierten beide Pr\u00e4sidenten f\u00fcr einen kompromisslosen und sofortigen Waffenstillstand, nachdem seit Januar bereits mindestens 7.000 Menschen get\u00f6tet wurden. Unklar ist jedoch,wie dieser Waffenstillstand hergestellt werden soll, da die beiden Pr\u00e4sidenten keine konkreten Ma\u00dfnahmen vorschlagen konnten, um diesen umzusetzen. Bereits im Februar hatten Forderungen nach einer Waffenruhe keine Wirkung gezeigt. Kagame appellierte jedoch an die Regierung der DRC, direkt mit M23 zu sprechen, da die ruandische Regierung nach wie vor abstreitet, bei M23 involviert zu sein. Die Regierung der DRC stimmte diesem Plan nun erstmals zu \u2013 <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/afrika\/ostkongo-friedensgespraeche-abgesagt-100.html\">M23 lehnte ab<\/a>.<\/p>\n<p>Obwohl die Situation in der DRC als eine der gr\u00f6\u00dften humanit\u00e4ren Krisen der Welt z\u00e4hlt, bleibt die internationale Reaktion gr\u00f6\u00dftenteils aus. In M\u00fcnchen wurde sich bei der letzten Anti-Siko Demo jedoch klar \u201cgegen [die] Ignoranz und Komplizenschaft der Bundesregierung gegen\u00fcber dem Leid aller unterdr\u00fcckten V\u00f6lker von Pal\u00e4stina \u00fcber den Sudan, Jemen, den Libanon bis zum Kongo\u201d ausgesprochen und in einigen deutschen St\u00e4dten fanden mittlerweile auch Demonstrationen statt, in welchen die Freiheit Kongos gefordert wurde. Am 15. Februar veranstaltete das <a href=\"https:\/\/freecongo.de\/\">FreeCongo Kollektiv<\/a> zuletzt eine Mahnwache und Kundgebung in K\u00f6ln unter dem Motto \u201cStoppt den Krieg im Kongo!\u201d.<\/p>\n<p>Dringend muss mehr \u00fcber die Situation im Kongo berichtet werden und international gegen die katastrophale humanit\u00e4re Situation auf die Stra\u00dfe gegangen werden. Die Menschen im Kongo, welche ausgebeutet werden und seit Jahrzehnten fliehen m\u00fcssen, Gewalt erfahren und unter katastrophalen Bedingungen leben m\u00fcssen, haben nie von den Rohstoffen ihrer Region profitiert \u2013 im Gegenteil. Sie bieten die Grundlage f\u00fcr die Ausbeutung der Bev\u00f6lkerung und der Konkurrenz der Imperialismen um die wertvollen Ressourcen des Landes.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/kongo-m23-und-der-kampf-um-ressourcen\/\"><em>https:\/\/www.klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a> <em>vom 24. M\u00e4rz 2025 <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jule Nitsche. Die seit drei Jahrzehnten andauernden Konflikte im Kongo forderten bereits mehr als sechs Millionen Tote. Durch die Rebellengruppierung M23 wird die Krise aktuell noch weiter versch\u00e4rft. 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