{"id":15371,"date":"2025-04-06T12:11:32","date_gmt":"2025-04-06T10:11:32","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15371"},"modified":"2025-04-06T12:11:33","modified_gmt":"2025-04-06T10:11:33","slug":"entstehung-des-schweizer-kapitalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15371","title":{"rendered":"Entstehung des Schweizer Kapitalismus"},"content":{"rendered":"<p><em>Willi Eberle.<\/em> <strong>Das Funktionieren des heutigen Schweizer Kapitalismus kann nur durch seine Geschichte verst\u00e4ndlich gemacht werden. Der Kapitalismus muss von seiner Entstehung her als ein Weltsystem begriffen werden, in dem es Zentren der Akkumulation und eine ausgebeutete Peripherie gibt, wie die Kontinente Afrika, welches die Sklav:innen, und Zentral- und Lateinamerika, welche<\/strong> <!--more--><strong>Gold, andere Edelmetalle und Rohstoffe \u2013 insbesondere Baumwolle f\u00fcr die Textilindustrie \u2013 lieferten. Die Entwicklung des Schweizer Kapitalismus kann daher nur in seiner Einbettung in dieses Weltsystem verstanden werden. Zudem gibt es kein geschichtliches Verst\u00e4ndnis, ohne dass die Entwicklungen im Zusammenhang der Klassenkonflikte interpretiert werden. <\/strong><\/p>\n<p>Die Herausbildung des Kapitalismus ist kein idyllischer geschichtlicher Prozess<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>. Er ist vielmehr von einer meistens r\u00fccksichtslosen Durchsetzung der privaten Verf\u00fcgungsrechte \u00fcber den gesellschaftlichen Reichtum gepr\u00e4gt. Dies gilt auch f\u00fcr das Gebiet, das ab der Mitte des 19. Jahrhunderts den Nationalstaat der Schweizer Eidgenossenschaft ausmachen sollte. Diese Geschichte kann insbesondere f\u00fcr die Schweiz nur im Zusammenhang der europ\u00e4ischen polit-\u00f6konomischen Dynamik begriffen werden. Ab dem 16. Jahrhundert greift die kapitalistische Mehrproduktaneignung und die Enteignung durch die erstarkende europ\u00e4ische Bourgeoisie mit dem Kolonialismus auf alle Kontinente aus. Die Schweiz findet darin eine ganz spezifische Rolle, ohne Kolonien, ohne milit\u00e4risch untermauerte Gro\u00dfmachtpolitik<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\"><sup>[2]<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Wie kam es zur Scheidung von Produzent:innen und den Eigent\u00fcmer:innen der Produktionsmittel? Wie kam es zur kapitalistischen Klassentrennung zwischen Lohnabh\u00e4ngigen und Kapitalist:innen? Wie kam es zur Bildung des helvetischen Zentralstaates? Bei der Beantwortung dieser Fragen sollten auch die Spezifika des helvetischen Kapitalismus in ihrer geschichtlichen Entwicklung hervortreten: eine au\u00dfergew\u00f6hnlich erspriessliche Einbettung seit seinen Urspr\u00fcngen in die Entwicklungslinien und Konjunkturen des weltweiten Kapitalismus und, ab dem sp\u00e4teren 19. Jahrhundert, des Imperialismus, durch eine hohe Absch\u00f6pfung des international erarbeiteten Mehrwerts und einen hohen Grad an D\u00e4mpfung der einheimischen sozialen Konflikte. Diese beiden Faktoren waren entscheidend f\u00fcr die Tatsache, dass heute in der Schweiz die Bourgeoisie mit einer b\u00fcrgerlichen direkten Referendumsdemokratie ihre Interessen gewaltlos durchsetzen kann, wie sonst nirgends auf der Welt. Dabei wird auch ersichtlich, dass die Herausbildung einer zentralisierten staatlichen Struktur weniger aus dem politischen Willen der herrschenden Eliten, sondern aus deren Verfolgung \u00f6konomischer Interessen und des \u00e4usseren und inneren Drucks erfolgte: das \u00d6konomische geht dem Politischen vor. Dieser Wirtschaftsliberalismus bleibt bis heute eine Grundeigenschaft des Schweizer politischen Systems.<\/p>\n<p><strong>Handel und Alpen<\/strong><\/p>\n<p>Mit dem Aufbl\u00fchen des Handels auf dem europ\u00e4ischen Kontinent und im Mittelmeerraum ab dem Hochmittelalter wurde auch das seit jeher als Durchgangsraum dienende Gebiet zwischen den Alpen, dem Rhein und Bodensee, dem Jura und dem Genfersee in eine neue Dynamik gezogen. Dies geschah zuerst durch eine Belebung der Alpenp\u00e4sse und der Wasserstra\u00dfen, dann durch die Entstehung neuer, oft kleiner St\u00e4dte. Um 1300 gab es etwa 80 St\u00e4dte, neben Genf mit vielleicht 5 000 waren diese oft nach heutigen Begriffen mit einigen Hundert Einwohnern sehr klein. Dies ist ein Ausdruck der einsetzenden Trennung von Land und Stadt, von Handel, Handwerk und Geld auf der einen Seite, und von der \u00fcberw\u00e4ltigenden Mehrheit der Bauern und B\u00e4uerinnen, die weiterhin das Land bearbeiteten auf der anderen Seite. Ab dem 13. Jahrhundert nahm der alpenquerende Verkehr vor allem \u00fcber die Gotthardroute stark zu und in Europa entstanden neue Handelspl\u00e4tze. Genf wurde f\u00fcr etwa zwei Jahrhunderte zu einem zentralen europ\u00e4ischen Marktort.<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><sup>[3]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Ab dem 16. Jahrhundert traten in Europa neue Gebiete \u2013 S\u00fcddeutschland, B\u00f6hmen, die Niederlande, Norddeutschland, Spanien, Portugal an die Stelle von Norditalien als Zentren fr\u00fchkapitalistischer Akkumulation. Gleichzeitig traten in der Schweiz zunehmend Basel, Z\u00fcrich, St. Gallen und andere St\u00e4dte anstelle von Genf in den Vordergrund. Die damit verbundenen Berufe \u2013 Kaufleute, Geldwechsler:innen, Handwerker:innen, S\u00e4umer:innen, Gastwirt:innen, Zollbeamt:innen, Geleitschutz und viele andere \u2013 gediehen. Es wurden vor allem \u00fcber die Bankiers und die Kaufleute Beziehungsnetze innerhalb dieses Gebietes gekn\u00fcpft und immer mehr auch weit dar\u00fcber hinaus<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\"><sup>[4]<\/sup><\/a>. Die Schweizer Handelsbourgeoisie wurde auch fr\u00fch ein aktives Element der Kolonialpolitik der europ\u00e4ischen Kolonialm\u00e4chte<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\"><sup>[5]<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Mit der gro\u00dfen Krise um die Wende des 15. zum 16. Jahrhundert, die sich neben anderem auch durch den grossen Deutschen Bauernkrieg, die Erhebungen der Bauern und B\u00e4uerinnen in B\u00f6hmen und in Frankreich ausdr\u00fcckte \u2013 die die materielle soziale Basis der Reformation ausmachten \u2013 treten wir in eine neue geschichtliche Epoche: den Fr\u00fchkapitalismus. Hier begann in groben Z\u00fcgen das, was als urspr\u00fcngliche kapitalistische Akkumulation bezeichnet wird: die Trennung einer breiten Bev\u00f6lkerung von den naturgegebenen, auf d\u00f6rflicher Gemeinschaft basierenden Produktionsmethoden und der langsame Vormarsch des Geldes, sp\u00e4ter der Lohnabh\u00e4ngigkeit, in alle Lebensbereiche.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\"><sup>[6]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die wachsende Krise ab dem Sp\u00e4tmittelalter f\u00fchrte auch zu immer gr\u00f6\u00dferen Konflikten um die Vorherrschaft auf dem europ\u00e4ischen Kontinent und in England. Diese Konflikte f\u00fchrten oft in weitl\u00e4ufige Kriege in Europa und auch in innere Konflikte und soziale Ver\u00e4nderungen auf dem Gebiet der k\u00fcnftigen Schweiz. Dabei verstanden es die Eliten immer wieder, sich durch gegenseitige Schutz- und Beistandspakte und Landfriedensabkommen gegen die Bedrohungen von innen und von au\u00dfen zu wappnen.<\/p>\n<p><strong>Soldwesen und Fr\u00fchkapitalismus<\/strong><\/p>\n<p>Die Schweiz hat seit der vernichtenden Niederlage bei Marignano um 1515 kaum mehr Kriege im europ\u00e4ischen Rahmen gef\u00fchrt. Daf\u00fcr fehlten schlichtweg die Voraussetzungen: Es gab keine politische Zentralisierung \u00fcber den Rahmen der \u201eOrte\u02ba (in etwa der heutigen Kantone) hinaus, kein stehendes Heer, keine finanziellen Mittel, um gegen die immer st\u00e4rker ins Gewicht fallende Artillerie der europ\u00e4ischen Armeen anzukommen.<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\"><sup>[7]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die grossen europ\u00e4ischen Kriege ab dem 15. Jahrhundert waren f\u00fcr die Eliten ein eintr\u00e4gliches Gesch\u00e4ft, nicht zuletzt \u00fcber das Soldwesen, mit dem \u00fcber die folgenden ca. drei Jahrhunderte gegen eine Million junger M\u00e4nner und vielleicht auch Frauen in fremden Diensten umkamen; \u00fcber l\u00e4ngere Perioden waren auf eine Bev\u00f6lkerung von gegen einer Million gleichzeitig 50 000 bis 70 000 Schweizer S\u00f6ldner:innen in fremden Diensten. Eine direkte Beteiligung an diesen gro\u00dfen Kriegen h\u00e4tte dazu gef\u00fchrt, dass auf der gegnerischen Front ebenfalls Schweizer:innen gek\u00e4mpft h\u00e4tten, was gegen innen schwer zu rechtfertigen gewesen w\u00e4re.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> Zudem w\u00e4re es f\u00fcr die Eliten bei einer aktiven Grossmachtpolitik kaum m\u00f6glich gewesen, den feindlichen M\u00e4chten Solddienste zu verkaufen \u2013 wie auch der internationale Handel schwieriger gewesen w\u00e4re. Die Schweizer Eliten verzichteten von daher fortan auf eine milit\u00e4rische Gro\u00dfmachtpolitik.\u00a0 Dies kann als Ursprung der Neutralit\u00e4tspolitik bezeichnet werden.<\/p>\n<p>Das Soldwesen und die damit verbundenen Vertr\u00e4ge und Zahlungen durch die fremden Kriegsherren waren ein wesentlicher Faktor der Korrumpiertheit der eidgen\u00f6ssischen Eliten. Die wichtigsten Quellen des Reichtums der Schweizer Eliten waren \u00fcber Jahrhunderte im Ausland das Soldwesen und der Handel und im Inland die Heimindustrie und die Abgaben auf b\u00e4uerlicher Arbeit. Mit der Beteiligung am kolonialen Handel und dem Sklav:innenenhandel erhielt der kolonialistische Reichtumstransfer eine immer gr\u00f6ssere Bedeutung. Da die Schweiz keinen Meeranstoss und keine Kolonien hatte, wirkten die H\u00e4ndler:innen, Financiers und einzelne Abenteurer:innen entsprechend aktiv mit bei der \u00f6konomischen Unterwerfung der kolonialisierten \u00dcberseegebiete.<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Soziale Unrast, europ\u00e4ische Gro\u00dfmachtkonflikte und Zentralisierung<\/strong><\/p>\n<p>Der wachsende Bev\u00f6lkerungsdruck stellte ab dem 15. Jahrhundert eine Quelle von sozialer Unrast dar: Die wachsende Bev\u00f6lkerung stand einer begrenzten landwirtschaftlich nutzbaren Fl\u00e4che gegen\u00fcber. Gleichzeitig erh\u00f6hten die Eliten die Abgabenlast. \u00dcberhaupt war die Schweiz bis Mitte des 19. Jahrhunderts st\u00e4ndig \u00fcberbev\u00f6lkert und arm. Das wachsende Potential an sozialer Unrast \u00e4u\u00dferte sich auch darin, dass die grosse deutsche Bauernerhebung auf den Boden der Schweiz \u00fcberschwappte, beispielsweise dem Rorschacher Klosterbruch mit den St. Gallerkriegen um 1489, dem Ittinger Klostersturm um 1524 und anderen.<\/p>\n<p>Die sozialen Konflikte, vor allem die Revolten der B\u00e4uer:innen, nahmen im Gebiet der Schweiz aber kaum je die scharfe Form an wie etwa in Deutschland und in Frankreich, vielleicht mit Ausnahme der b\u00e4uerlichen Erhebung von 1653<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\"><sup>[10]<\/sup><\/a>; diese erstreckte sich als einzige \u00fcber das Gebiet mehrerer Kantone und wurde von den Obrigkeiten vereint blutig niedergeschlagen. Die \u201eRegelungen\u02ba von fr\u00fchneuzeitlichen Erhebungen waren in der Schweiz immer vom gemeinsamen Vorgehen der Obrigkeiten mehrerer \u201e Orte\u02ba gepr\u00e4gt. Bei diesem gemeinsamen Vorgehen wurden die Interessen der beteiligten Obrigkeiten \u2013 mehr oder weniger auf Kosten der Untertanen \u2013 weitgehend gewahrt. Dies war auch der Fall bei den Abkommen zwischen den \u201eOrten\u02ba f\u00fcr die Durchsetzung gemeinsamer Interessen gegen aussen, ab dem 17. Jahrhundert vor allem gegen die Dynastien der Habsburger, der Valois und sp\u00e4ter der Bourbonen.<\/p>\n<p>Aufgrund erstens der schw\u00e4cheren Auspr\u00e4gung der b\u00e4uerlichen Erhebungen und zweitens der Ermangelung einer zentralisierten Entscheidungsstruktur und eines stehenden Heeres zur Niederschlagung dieser Erhebungen mussten die Eliten gegen die Aufst\u00e4ndischen eine gewisse Kompromissbereitschaft walten lassen. Dies machte gro\u00dfen Eindruck vor allem auf die sich erhebenden deutschen Bauern und B\u00e4uerinnen, die gnadenlos von ihren vereinten Herren niedergemacht wurden; letztere wurden durch die Hasspredigten des Reformators Martin Luther \u2013 siehe etwa dessen Flugschrift \u201eWider die mordischen und reubischen Rotten der Pawren\u201c von 1525 \u2013 zum Vornhinein von aller Schuld freigesprochen. Die Reformation fl\u00f6\u00dfte den deutschen und etwas fr\u00fcher den b\u00f6hmischen Bauern und B\u00e4uerinnen im Hinblick auf ein besseres Leben grosse Hoffnungen ein. Als sie diese Hoffnung jedoch einl\u00f6sen wollten, sahen sie sich einer tollw\u00fctigen Schar von M\u00f6rder:innen gegen\u00fcber.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\"><sup>[11]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>In der Schweiz verlief dieser Konflikt milder. Der Reformator Zwingli entstammte selbst dem gehobenen b\u00e4uerlichen Milieu im Toggenburg; sein Vater war Bauer und Importeur von Weinen aus dem Veltlin. Auch hier erhofften sich die Bauern und B\u00e4uerinnen von der Reformation ein besseres Leben. Zwingli wies ihre Erwartungen bez\u00fcglich einer Milderung der Abgaben auf eingezogenen Kirchen- und Klosterg\u00fctern erst im weiteren Verlauf der Reformation klar zur\u00fcck. Haupts\u00e4chlich aber war die Reformation in der Schweiz eher einem Konflikt zwischen den Eliten eingeschrieben, die vom Handel einerseits oder andererseits von dem Soldwesen lebten. Der Konflikt entbrannte insbesondere um die gemeinsam verwalteten Untertanengebiete und um das Soldwesen, gegen das sich Zwingli und mit ihm die Handelsstadt Z\u00fcrich vehement wandte; in den Untertanengebieten ging es unter anderem darum, ob und wer Aushebungen f\u00fcr das Soldwesen machen durfte und um die Aufhebung der Kl\u00f6ster. Fortan sollten Konflikte um die Konfession bis in das zwanzigste Jahrhundert hinein in der Geschichte der Schweiz eine wichtige Rolle spielen.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\"><sup>[12]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Fr\u00fchkapitalismus in Stadt und Land <\/strong><\/p>\n<p>In Europa ist das Verlagssystem schon im Mittelalter bezeugt. Die Verbreitung des Verlagssystems ging mit zwei sozialen Ver\u00e4nderungen einher: Erstens musste in den St\u00e4dten der Widerstand der Z\u00fcnfte gebrochen werden, zweitens beg\u00fcnstigte das System die Abh\u00e4ngigkeit der Produzent:innen von den Verleger:innen mit einer Vorform der Lohnabh\u00e4ngigkeit.<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\"><sup>[13]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Fr\u00fchindustrialisierung entwickelte sich einerseits im Umfeld von St\u00e4dten wie Genf, St. Gallen, Basel und Z\u00fcrich, insbesondere als Verlagssystem und Heimindustrie. Diese St\u00e4dte waren weniger am Soldgesch\u00e4ft beteiligt. Vielmehr suchte die reich gewordene Handelsbourgeoisie neue lukrative Bet\u00e4tigungsfelder. Der Verschuldung der Kleinb\u00e4uer:innen\u00a0 gegen\u00fcber dieser H\u00e4ndler:innenschicht in Form des Warenkredits kam dabei eine grosse Bedeutung zu: Die Kaufleute konnten der stets drohenden Zahlungsunf\u00e4higkeit ihrer Klientel abhelfen, indem sie diese mit gewerblicher Arbeit versahen und ihre Anspr\u00fcche \u00fcber Lohnabz\u00fcge einforderten. Mit dieser Praxis konnte die Kaufmannsschicht und die aus dieser sp\u00e4ter hervorgehende Finanzbourgeoisie die Regeln der Z\u00fcnfte in den St\u00e4dten umgehen. Dadurch wurde reines Handelskapital, vermittelt \u00fcber die Verarmung weiter Bev\u00f6lkerungskreise, quasi zwangsweise in fr\u00fchindustrielles Kapital verwandelt. Die Heimindustrie war als Textilindustrie und gelegentlich als Uhrenindustrie beinahe ausschlie\u00dflich auf den Export ausgerichtet. Diese Exportorientiertheit gewichtiger Bereiche der Schweizer Wirtschaft gilt bis heute.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\"><sup>[14]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Gewerbliche T\u00e4tigkeiten wurden in den Landgebieten bis ins 20. Jahrhundert hinein, wenn auch in unterschiedlichem Ausma\u00df, mit landwirtschaftlicher Arbeit kombiniert. Die Heimindustrie konnte sich deshalb vor allem in Gebieten ausdehnen, die entweder ein arbeitsextensives, das heisst mit weniger Arbeit verbundenes, agrarisches Nutzungssystem aufwiesen oder die durch eine gro\u00dfe soziale Ungleichheit mit einem hohen Anteil landarmer oder landloser Haushalte gekennzeichnet waren. Die erste Situation trifft besonders f\u00fcr das voralpine H\u00fcgelland, wie z.B. Appenzell Ausserrhoden zu, wo schwerpunktm\u00e4\u00dfig vom 15. bis ins 17. Jahrhundert mit dem Vormarsch der \u00fcberregionalen Agrarm\u00e4rkte eine Verlagerung zu einer arbeitsextensiven Viehwirtschaft erfolgte. Die zweite Situation fand sich dagegen auch in Mittellandgebieten, wo sich eine intensive Landwirtschaft mit Ackerbau durchsetzte. In den Weinbaugebieten des Z\u00fcrichsees etwa war die Koexistenz von arbeitsintensiver Landwirtschaft mit Seidenweberei in der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung begr\u00fcndet: Frauen arbeiteten im Seidengewerbe, w\u00e4hrend sich M\u00e4nner aus der Unterschicht und dem Kleinbauerntum als Tagl\u00f6hner oder Knechte in den Bauernbetrieben verdingten.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\"><sup>[15]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Dank Einhegungen konnten die Heimarbeiter:innen eine auf ihre Konsumbed\u00fcrfnisse (Milch, Kartoffeln) ausgerichtete Nebenerwerbslandwirtschaft betreiben; sie orientierten sich auf Geldeinkommen\u00a0 aus der Heimarbeit, die Landwirtschaft diente vor allem der Selbstversorgung. Vielerorts l\u00f6sten Einhegungen und damit die Beseitigung althergebrachter Allmendrechte wegen der Frage des Weidegangs Konflikte aus zwischen den Einheger:innen, die meist reichere Vollb\u00e4uer:innen oder eben Heimarbeiter:innen waren, und landarmen B\u00e4uer:innen, f\u00fcr die der uneingeschr\u00e4nkte Weidegang eine wichtige Existenzbasis bildete. In der Schweiz hatten die Heimarbeiter:innen, meistens Kleinbauern und -b\u00e4uerinnen, ein Interesse an einer Bewirtschaftungsform, die ihnen mehr Bewegungsfreiheit versprach als die an kollektive Absprachen gebundene kollektive Bewirtschaftung der Allmende. Diese Bewegung der Einhegungen, der Beseitigung von Allmenden, des \u00dcbergangs des Bodens von Gemein- in Privateigentum, ging in der Schweiz somit bei weitem nicht so dramatisch und gewaltt\u00e4tig vor sich wie beispielsweise in England, wo die Bauernschaft teils gewaltsam von ihrem Land vertrieben wurde und \u00fcber eine Reihe von brutalen Zwangsmassnahmen zur Arbeit gezwungen wurde. Auch diesbez\u00fcglich war die Schweiz ein Sonderfall.<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\"><sup>[16]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Bis etwa zur Mitte des 17. Jahrhunderts trugen die im Umfeld von Solddienstabkommen mit Nachbarstaaten geschlossenen Wirtschaftsabkommen \u00fcber die Senkung der Z\u00f6lle und der Transportkosten des schweizerischen Aussenhandels viel zur Konkurrenzf\u00e4higkeit des exportorientierten Gewerbes bei. Zwischen der zweiten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts und der Mitte des 18. Jahrhunderts waren dagegen innerhalb der einzelnen Orte die zahlreichen Gewerbegesetze mit daf\u00fcr verantwortlich, dass die Z\u00f6lle und Transportkosten einer zwar komplexer werdenden, aber immer noch dezentralen Produktion tief gehalten werden konnten. Vor allem aber spielte die Tatsache, dass die industrielle Produktion fast ausschlie\u00dflich in Heimarbeit geleistet wurde, eine zentrale Rolle. Dadurch war sie nach unten enorm flexibel, ohne w\u00e4hrend \u00f6konomischen Einbr\u00fcchen grosse soziale Konflikte hervorzurufen; denn in der Heimarbeit traten die Lohnabh\u00e4ngigen den \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Verlagsunternehmer:innen als Einzelpersonen gegen\u00fcber, ohne kollektive Interessenvertretung. Zudem ben\u00f6tigte die Heimarbeit einen vergleichsweise tiefen Fixkostenaufwand. Durch die Heimindustrie, mit dem Solddienst und der Reislauferei konnten die durch den andauernden Bev\u00f6lkerungsdruck entstehenden sozialen Spannungen etwas abgemildert werden. Und die Eliten konnten sich, zusammen mit den Handelsgewinnen, enorme Summen an Profiten aneignen. Dieser wurde oft in Finanzanlagen im Ausland oder bei den Privatbanken in Genf und St. Gallen, sp\u00e4ter auch in Z\u00fcrich und Basel angelegt und leistete dort dem Geld von reichen Fl\u00fcchtlingen aus Frankreich und Italien und ausl\u00e4ndischen Reichen Gesellschaft.<\/p>\n<p>Zudem war die Herrschaft dieser Eliten, wie in Unruhen immer wieder deutlich wurde, viel labiler als jene des feudalen Adels, der im Sp\u00e4tmittelalter ausgestorben war. Sie mussten stets mit dem Misstrauen rechtlich gleichgestellter Geschlechter, der B\u00fcrgerschaft oder der Landleute, aber auch der Untertanen rechnen. Ohne stehendes Heer fehlte ihnen die M\u00f6glichkeit, den Gehorsam mittels Gewalt zu erzwingen. Wie in den St\u00e4dten und in den L\u00e4nderorten entwickelten sich auch in den untert\u00e4nigen Kleinst\u00e4dten und auf dem Land Eliten, die sich aus Angeh\u00f6rigen reicher Bauerngeschlechter und Gewerbetreibenden (Wirt:innen, M\u00fcller:innen) zusammensetzten, die die wichtigen Gemeinde\u00e4mter an sich zogen und sich im Lebensstil von den anderen Bauersleuten immer st\u00e4rker abhoben.<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\"><sup>[17]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Franz\u00f6sische Revolution und Sturz des Ancien R\u00e9gime<\/strong><\/p>\n<p>Im Ancien R\u00e9gime wuchs zwar die innere Koh\u00e4renz auch zwischen den Kantonen durch ein immer dichter werdendes Netz von Abkommen und Landfriedensb\u00fcndnissen. Diese B\u00fcndnisse konnten durchaus auch \u00e4u\u00dfere M\u00e4chte \u2013 Habsburg, Frankreich, Mailand, Savoyen, den deutschen Kaiser, den Papst \u2013 einschlie\u00dfen. Die gemeinsamen Regeln und Aktionen wurden in der seit dem Sp\u00e4tmittelalter bestehenden Tagsatzung beschlossen. Die Tagsatzung entstand einerseits aus \u00e4lteren Wurzeln, vor allem aber aus der Notwendigkeit der Verwaltung der gemeinsamen Untertanengebiete, der gemeinsamen Kriegsf\u00fchrung gegen fremde M\u00e4chte und der Bek\u00e4mpfung innerer Konflikte. Aber sonst gab es keine Bem\u00fchungen, das schweizerische Territorium nach einheitlichen Regeln und Verfahren zu organisieren, wie dies im franz\u00f6sischen Absolutismus seit langem am deutlichsten zu sehen war. Zwar bauten die alten und die neuen Eliten in den \u201eOrten\u02ba ihre Autorit\u00e4t ebenfalls aus, str\u00e4ubten sich jedoch gegen jede zentrale Organisation des Territoriums der Eidgenossenschaft.<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\"><sup>[18]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Franz\u00f6sische Revolution kam f\u00fcr die Eliten des Ancien R\u00e9gimes, in der Schweiz wie anderswo, sehr ungelegen; zu bedrohlich waren die Massenbewegungen und deren Forderung nach \u201eFreiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit\u02ba und eine zentralisierte republikanische Ordnung mit einer universalistischen Grundausrichtung. Der Schweizer Bankenplatz bot den bedrohten Verm\u00f6gen des franz\u00f6sischen Adels und der Gro\u00dfbourgeoisie hingegen gro\u00dfz\u00fcgigen Schutz; Schweizer S\u00f6ldner verteidigten in Paris die alte Ordnung mit ihrem Blut. Vor allem Genfer Bankiers halfen der franz\u00f6sischen Finanzbourgeoisie in der Revolution beim Verschieben ihres Geldes in die Schweiz. Es gab auch findige Bankiers, die wie der Z\u00fcrcher Bankier Jean-Gaspar Schweizer mit \u00fcberteuerten Lieferungen an die neu geschaffene franz\u00f6sische Armee ein Riesenverm\u00f6gen zusammenraffen konnten.<a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><sup>[19]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>In der Schweiz gingen wie in anderen L\u00e4ndern der b\u00fcrgerlichen Revolution gr\u00f6\u00dfere Aufst\u00e4nde voraus. Sie reichten jedoch nicht aus, um eine \u00c4nderung der Machtverh\u00e4ltnisse herbeizuf\u00fchren. Demgegen\u00fcber stand die franz\u00f6sische Bourgeoisie in einem jahrzehntelangen Kampf, um die in Bewegung geratenen Massen \u2013 auch gewaltsam \u2013 niederzuhalten. Die Machtergreifung durch Napoleon Bonaparte mit dem Staatsstreich vom 18. Brumaire (9. November) 1799 war die letzte Waffe, die die Finanz- und Handelsbourgeoisie im B\u00fcndnis mit den Eliten des Ancien R\u00e9gimes zur Verf\u00fcgung hatte. Soweit brauchte die helvetische Bourgeoisie nicht zu gehen, um sich die Macht zu sichern.<\/p>\n<p>Erst die Eroberung des Territoriums der Schweiz durch napoleonische Truppen 1798 erlaubte durch die Helvetik die Errichtung eines einigerma\u00dfen modernen Staates mit zentralen Strukturen. Die Helvetik endete allerdings mit der Niederlage der franz\u00f6sischen Truppen bei Waterloo. Beim Wienerkongress (1815), als die reaktion\u00e4ren M\u00e4chte Europas die revolution\u00e4ren Errungenschaften wieder zur\u00fcckrollten, haben sie aus Eigeninteresse die Jahrhunderte alte faktische Neutralit\u00e4t der Schweiz in einem internationalen Vertrag festgeschrieben<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\"><sup>[20]<\/sup><\/a>. Diese stand ja durchaus auch im Interesse der Schweizer Handels-, Sold- und Finanzbourgeoisie, die damit viel Geld verdient hatte \u2013 nicht zuletzt auch durch den mit dem kolonialen Handel eng verflochtenen Sklav:innenhandel. Die Eliten der eher konservativen Orte, die ihr Geld haupts\u00e4chlich mit den Soldvertr\u00e4gen gemacht hatten (Solothurn, Bern, Innerschweiz, Luzern, Basel-Stadt), hatten bislang ihr Geld auch dank dieser Neutralit\u00e4t verdient, aber sie mussten nun aufgrund des Niedergangs der Solddienste auf \u201emodernere\u02ba Formen der Geldmacherei umsteigen.<\/p>\n<p><strong>Liberalismus und industrielle Revolution<\/strong><\/p>\n<p>Die liberale Bewegung entstand w\u00e4hrend der Aufkl\u00e4rung in einem Teil der patrizischen Schichten und des Bildungsb\u00fcrgertums; diese sympathisierten mit der franz\u00f6sischen Revolution. Im Industrialisierungsprozess entstand zudem auf dem Land aus Gewerbekreisen ein industrielles B\u00fcrgertum. Auch die Bauernschaft barg ein revolution\u00e4res und radikales Potential, mindestens solange, bis sie im Besitz des Landes war und die ehemaligen Untertanengebiete befreit waren.<\/p>\n<p>In der \u00f6konomischen Krise nach der Franz\u00f6sischen Revolution wuchs die Maschinen- und Schwerindustrie. Vorerst entwickelte sich diese Dynamik um den Bau von Textilmaschinen. Die technischen Neuerungen, gerade in der Baumwollverarbeitung in England und Frankreich, dr\u00e4ngte die Schweizer Textilindustrie aus dem Markt. Die verh\u00e4ngte Kontinentalsperre erh\u00f6hte zudem die Dringlichkeit einer Umorientierung der Wirtschaft. Die Schweizer Textilindustrie wurde durch eine enge Zusammenarbeit mit englischen Ingenieuren auf modernste Standards umgestellt. Die daf\u00fcr n\u00f6tigen finanziellen Mittel wurden oft von gr\u00f6\u00dferen Gewerbebetrieben oder von den Industriellen selbst aufgebracht, ohne die Privatbanken; Investitionsbanken und Regionalbanken existierten damals noch nicht, wie es auch keine Aktienm\u00e4rkte gab. Durch die Mechanisierung der Baumwollindustrie, dem weitaus wichtigsten Industriezweig im Ancien R\u00e9gime, verlor die Heimindustrie weitgehend ihre Grundlage.<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\"><sup>[21]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die aufkl\u00e4rerischen Stossrichtungen der Helvetik hatten in der Schweizer Bourgeoisie jedoch ihre Spuren hinterlassen. Die Liberalen spalteten sich 1814 in Liberale und Radikale. Letztere strebten die Schaffung eines zentralisierten Nationalstaates mit weitestgehender Wirtschaftsfreiheit und garantierten kapitalistischen Eigentumsrechten an, w\u00e4hrend die Liberalen den einheitlichen Zentralstaat ablehnten. Sie trafen sich dabei in vielerlei Hinsicht mit den konservativen Eliten des Ancien R\u00e9gime; diese hielten aus sehr weltlichen Gr\u00fcnden (Soldwesen, internationale B\u00fcndnisse) am Katholizismus fest, w\u00e4hrend die Radikalen eher in den reformierten Kantonen, allen voran in Z\u00fcrich, die Macht innehatten. Bei alldem spielten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts konfessionelle Spaltungen eine sehr wichtige Rolle, was im Rahmen der Konflikte um die Bildung eines Nationalstaates 1847 in den Sonderbundskrieg f\u00fchrte. Dieser wurde durch die Konservativen kurz und relativ schmerzlos verloren.<\/p>\n<p>1848 wurde die Schweizerische Eidgenossenschaft unter F\u00fchrung der Radikalen als Nationalstaat gegr\u00fcndet. Die Bev\u00f6lkerung, insbesondere die Bauern und B\u00e4uerinnen der ehemaligen Untertanengebiete, standen auf der Seite der Radikalen. Sie erhofften sich dadurch eine Gleichstellung. Dies erwies sich als eine vergebliche Hoffnung, da die einheimischen Eliten nicht entmachtet wurden, die Bauernschaft weiterhin arm blieb und der Vormarsch des Kapitalismus ihnen einfach neue Unterdr\u00fcckungsformen, insbesondere weitere Verschuldung oder die Lohnarbeit brachten. Dies galt gerade auch f\u00fcr die grosse Zahl nun arbeitsloser Heimarbeiter:innen, die zu elenden Bedingungen in die neu entstehenden Fabriken gedr\u00e4ngt wurden.<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\"><sup>[22]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Vom klassischen Liberalismus \u2026<\/strong><\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung des Bundesstaates war das Werk der Radikalen. Sie brachte eine Zentralisierung von Recht, Milit\u00e4r, der W\u00e4hrung, der Masse und der Z\u00f6lle, sowie den Freihandel und das allgemeine m\u00e4nnliche Wahlrecht. Die M\u00e4chte des Ancien R\u00e9gime konnten nach dem heftigen Konflikt des Sonderbundkrieges durch Zugest\u00e4ndnisse, wie den ausgepr\u00e4gten F\u00f6deralismus, eingebunden wurden. Mit der Schaffung eines einheitlichen Wirtschaftsraums mit absolut geltenden kapitalistischen Eigentumsrechten begann in der Schweiz die Phase der Hochindustrialisierung, wo neben der Textilindustrie unter anderem im Zusammenhang mit dem Eisenbahnbau eine selbst\u00e4ndige und international orientierte Maschinenindustrie, eine Chemieindustrie, eine Versicherungsindustrie und Investitionsbanken entstanden.<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\"><sup>[23]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>In der Schweiz gab es seit der fr\u00fchen Neuzeit Privatbanken, die Geld europaweit von reichen Kaufleuten und vor allem von Soldunternehmer:innen in der Schweiz verwalteten. Diese Privatbanken waren bis weit ins 19. Jahrhundert hinein sehr zur\u00fcckhaltend, ihr verwaltetes Verm\u00f6gen in die aufkommende Industrie zu stecken. Ebenso die im fr\u00fchen 19. Jahrhundert gegr\u00fcndeten Regional- und Kantonalbanken, die das Geld eher an Handwerker:innen oder an den Staat verliehen. Die grossen Investitionen, die f\u00fcr die industriellen Umw\u00e4lzungen und den Eisenbahnbau aber erforderlich waren, ben\u00f6tigten ein Bankensystem, das diese erforderlichen Summen schnell aufbringen konnte. In diesem Zusammenhang wurden ab den 1850er Jahren grosse Investitionsbanken gegr\u00fcndet und grosse Aktiengesellschaften entstanden.<a href=\"#_ftn24\" name=\"_ftnref24\"><sup>[24]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Radikalen differenzierten sich nach der Jahrhundertmitte recht schnell weiter aus. Einerseits die klassischen Manchesterliberalen wie Alfred Escher, die ihre Basis bei den Unternehmer:innen und den wohlhabenden, freiberuflichen Mittelschichten wie Anw\u00e4lt:innen und \u00c4rzt:innen hatten. Andererseits wuchs eine neue Mittelschicht heran, die nicht wohlhabend, aber gebildet war und die radikalere, demokratische Zielsetzungen verfolgte. Sie formierte sich politisch in der sogenannten Demokratischen Bewegung. Diese setzte sich in einigen Kantonen wie auch auf Bundesebene mit der Verfassungsreform von 1873\/74 durch.<a href=\"#_ftn25\" name=\"_ftnref25\"><sup>[25]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Industrie war in der Schweiz nie auf gro\u00dfe st\u00e4dtische Zentren konzentriert. Fr\u00fcher war die l\u00e4ndliche Heimindustrie dominierend. Mit dem Aufkommen der Nutzung der reichlich vorhandenen und \u00fcber das ganze Land leicht zug\u00e4nglichen Wasserkraft entstanden kleinere Betriebe mit jeweils einer kleinen Zahl von Arbeiter:innen. Gro\u00dfe Industriebetriebe entstanden erst mit der Nutzung der Kohle und dann der Elektrizit\u00e4t als Energiequellen.<a href=\"#_ftn26\" name=\"_ftnref26\"><sup>[26]<\/sup><\/a> Entsprechend entwickelte sich die Industriearbeiterschaft. Insbesondere gab es kaum proletarische Ballungszentren wie in England, Frankreich, Deutschland, den USA und sp\u00e4ter in Russland. Die Industriearbeiterschaft in der Schweiz war am Ende des 19. Jahrhunderts bei einer Bev\u00f6lkerung von etwa 3,3 Millionen etwa gleich gross wie die Besch\u00e4ftigten im Gewerbe, der traditionelle Mittelstand und die lohnabh\u00e4ngigen Mittelschichten (je ca. 280 000). Alle drei Segmente, wie auch die Bauernschaft, waren in der aktiven Politik kaum vertreten. Ihre Anliegen wurden durch die demokratische Bewegung wahrgenommen. Ab den 1870er Jahren nahm mit der Entstehung von industriellen Gro\u00dfbetrieben, der staatlichen Verwaltung und der Gro\u00dfbanken auch die gebildete, lohnabh\u00e4ngige Mittelschicht zu. Bedeutende Teile davon wurden fortan zu wichtigen Faktoren der politischen Konsensbildung bei der Einordnung der Schweiz in das imperialistische System.<a href=\"#_ftn27\" name=\"_ftnref27\"><sup>[27]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>\u2026 zum Imperialismus<\/strong><\/p>\n<p>Die Herausbildung des \u201eklassischen\u201c Imperialismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts war eng mit der Grossen Depression von 1865 bis etwa 1885 und mit deren L\u00f6sung verkn\u00fcpft: Die Produktionsverh\u00e4ltnisse mussten angesichts der weltweiten strukturellen Krise den ver\u00e4nderten Produktivkr\u00e4ften angepasst werden. Dies erforderte hohe Kapitalsummen in der Industrie, was zu einer weiteren Verschmelzung von Industriekapital und Bankkapital f\u00fchrte, gerade auch in der Schweiz. Dies war auch die Zeit der Entstehung von grossen Aktiengesellschaften. Um das Kapital vor gr\u00f6sseren Verlusten zu sch\u00fctzen, intervenierte der Staat zunehmend in die Wirtschaft zum Beispiel mit Schutzz\u00f6llen. In der Schweiz wurde der international aufkommende Protektionismus jedoch eher als Ursache der wirtschaftlichen Kalamit\u00e4ten gesehen, denn die Schweizer Industrie war traditionell ausserordentlich stark auf den Import und den Export ausgerichtet. Insbesondere die bis anhin dominierende Textilindustrie, aber auch die Uhrenindustrie gerieten aufgrund der weltweiten Depression und des weltweiten Protektionismus und der starken Konkurrenz vor allem aus den USA unter schweren Druck. F\u00fcr die breite internationale Verankerung der Schweizer Industrie und der Banken spielte die jahrhundertalte Tradition der Handelsgesellschaften und die im Soldwesen aufgebauten internationalen Beziehungen eine wichtige und n\u00fctzliche Rolle.<a href=\"#_ftn28\" name=\"_ftnref28\"><sup>[28]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Politisch schlossen die Liberalen, die in den meisten europ\u00e4ischen L\u00e4ndern nach 1860 eine f\u00fchrende Rolle spielten und zusammen mit der sich herausbildenden politischen Arbeiter:innenbewegung gegen die konservativen Kr\u00e4fte gek\u00e4mpft hatten, zunehmend ein B\u00fcndnis mit den Konservativen gegen die st\u00e4rker werdende Arbeiter:innenbewegung. Der Liberalismus wandelte sich in dieser Zeit von einer fortschrittlichen zu einer zunehmend reaktion\u00e4ren Kraft.<a href=\"#_ftn29\" name=\"_ftnref29\"><sup>[29]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die Landwirtschaft erlebte wie beinahe \u00fcberall in Europa aufgrund der Getreideimporte aus \u00dcbersee eine grosse Krise. Die Agrarkrise beschleunigte den Wandel der Bauernschaft von einem politisch radikalen zu einem eher konservativen Potential; sie war seit Urzeiten letztendlich auf sich alleine gestellt und in traditionellen Erwerbs- und Wertesystemen verankert. Die Bauern und B\u00e4uerinnen sahen sich bedroht durch die tiefgreifenden \u00c4nderungen ihres traditionellen Lebenszusammenhangs. Die Gr\u00fcndung ihrer Interessenorganisation, des Bauernverbandes, war in erster Linie darauf ausgerichtet, den egalit\u00e4ren und kollektivistischen Tendenzen der Arbeiterbewegung eine politische Gegenkraft gegen\u00fcberzustellen. Die Arbeiter:innen und Angestellten der grossen Industrie wuchsen an Zahl und es kam zu einer Zentralisierung der Organisationen der Arbeiter:innenbewegung in der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (SPS) und dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB). Die Liberalen und die Radikalen orientierten sich zusehends am Deutschland Bismarcks, welches die virulente soziale Frage paternalistisch-autorit\u00e4r l\u00f6ste. Es war eine Zeit heftiger K\u00e4mpfe mit schwachen politischen Vermittlungs- und Konsensstrukturen. Gegen Ende des Jahrhunderts kam es zur organisatorischen Vereinheitlichung der wichtigsten liberalen Str\u00f6mungen unter der F\u00fchrung der Radikalen in der FdP.<a href=\"#_ftn30\" name=\"_ftnref30\"><sup>[30]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>In den 1870er Jahren wuchs die St\u00e4rke der Arbeiter:innenbewegung auch in der Schweiz stark an. Dies war eine Folge des Wachstums der Industrie und des organisierten Erstarkens der internationalen Arbeiter:innenbewegung. Die Pariser Kommune vom Fr\u00fchjahr 1871 jagte der Bourgeoisie in ganz Europa eine enorme Angst ein. Die Verfassungsreform von 1874 muss auch in diesem Zusammenhang gesehen werden: Die Einf\u00fchrung des Referendumrechts war auch eine Massnahme, um die Arbeiter:innen und andere oppositionelle Kr\u00e4fte ins politische System zu integrieren. Abgesehen davon wurde damit im Sinne der konservativen Kantone und der Liberalen die Zentralgewalt geschw\u00e4cht. Obwohl der Organisationsgrad in den Gewerkschaften stets gering war, so kam es trotzdem zu ebenso heftigen Arbeiter:innenk\u00e4mpfen, wie in den anderen industrialisierten L\u00e4ndern Europas; dies galt zumindest bis zum Generalstreik 1918.<\/p>\n<p><strong>Politische Konturen im Zeitalter des Imperialismus<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber Jahrhunderte wuchs heran, was dem Schweizer Kapitalismus eine spezielle Stellung im Imperialismus, dem \u201everfaulenden Kapitalismus\u02ba<a href=\"#_ftn31\" name=\"_ftnref31\"><sup>[31]<\/sup><\/a>, verlieh. Seine \u201eSt\u00e4rken\u02ba sind seine au\u00dferordentlich gute Verankerung in globalen Zusammenh\u00e4ngen der Mehrwertproduktion und vor allem der Mehrwertabsch\u00f6pfung und seine geografische Lage im Herzen Europas, dem damaligen Zentrum des sich durchsetzenden imperialistischen Regimes. Und dies ohne Kolonien, ohne Massierung einer industriellen Basis, ohne aktive Teilnahme an Kriegen. Der Schweizer Imperialismus kann gen\u00fcgend Mehrwert vor allem aus den L\u00e4ndern der Peripherie absaugen, um eine gute Infrastruktur, politische Stabilit\u00e4t und f\u00fcr breite Bev\u00f6lkerungsschichten ein vergleichsweise ertr\u00e4gliches Leben zu erm\u00f6glichen.<a href=\"#_ftn32\" name=\"_ftnref32\"><sup>[32]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Was das polit-\u00f6konomische System der Schweiz als imperialistisch auszeichnet, ist die typisch hohe Verschmelzung von Bankkapital \u00a0und Industriekapital zum Finanzkapital, welche beide vorz\u00fcglich in den weltweiten Zusammenh\u00e4ngen der Kapitalakkumulation verankert sind<a href=\"#_ftn33\" name=\"_ftnref33\"><sup>[33]<\/sup><\/a>. Dazu geh\u00f6rt ein nationalstaatlicher Rahmen, der das \u201eeinheimische\u02ba Kapital im globalen Konkurrenzkampf unterst\u00fctzen kann.\u00a0 In der Krisenperiode der 1870er und 1880er Jahre wurden die politischen Organisationen geschaffen, die fortan die wichtigen politischen und sozialen Konflikte so regeln konnten, dass die heftigen Krisen, die den Kapitalismus bis heute ersch\u00fctterten, die politische Stabilit\u00e4t und die Herrschaft der imperialistischen Bourgeoisie eher festigen, als denn ins Wanken bringen konnten. Dabei half auch, dass die Schweiz von den tiefen Krisen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts oft relativ milde getroffen wurde; insbesondere wurde das Gebiet nie durch Kriege verw\u00fcstet.<\/p>\n<p>Der Erste Weltkrieg und der darauffolgende Generalstreik waren eine erste, wenn auch nicht die letzte, Pr\u00fcfung f\u00fcr dieses Modell. W\u00e4hrend im Ersten Weltkrieg Vorst\u00f6sse von Teilen der Schweizer Bourgeoisie \u2013 vor allem aus dem Industriesektor \u2013 an der Seite des Deutschen Kaiserreichs in den Krieg zu treten, insbesondere von f\u00fchrenden Pers\u00f6nlichkeiten des Finanzsektors erfolgreich abgewehrt werden konnten<a href=\"#_ftn34\" name=\"_ftnref34\"><sup>[34]<\/sup><\/a>, so fand sich die gesamte Bourgeoisie einhellig zusammen, um dem Aufstand der Arbeiter:innenklasse im Generalstreik vom November 1918 entschlossen und gewaltsam entgegenzutreten. Da die Armee am Ende des Krieges noch nicht demobilisiert war, musste sie nicht erneut ausgehoben werden. Dies h\u00e4tte vermutlich gr\u00f6\u00dfere Probleme bereitet. Gleichwohl wurden f\u00fcr diesen Einsatz vorsichtshalber eher b\u00e4uerliche Einheiten herangezogen. Die Bauernschaft war damals gleichsam \u2013 trotz der hohen Verschuldung gegen\u00fcber den Banken \u2013 noch die Pr\u00e4torianergarde der Schweizer Bourgeoisie.<\/p>\n<p>Diese Radikalisierung der Arbeiter:innenklasse war eine Folge der Kriegslasten, die diese im Rahmen einer Burgfriedenspolitik der Gewerkschaften \u2013 neben der Bauernschaft \u2013 beinahe alleine zu tragen hatte. Die Radikalisierung entwickelte sich weitgehend au\u00dferhalb der F\u00fchrungen der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften. Vielmehr stellten sich diese eher gegen diese Radikalisierung. Dies aus nackter Angst einerseits vor einer revolution\u00e4ren Dynamik, wie sie ein Jahr zuvor in die Russische Revolution gef\u00fchrt hatte und, andererseits, vor der aufflammenden Radikalisierung der europ\u00e4ischen Arbeiter:innenklasse bei Kriegsende. Die da und dort entstehenden unabh\u00e4ngigen Koordinationsorgane der k\u00e4mpfenden Arbeiter:innen waren noch zu schwach, um dem vers\u00f6hnlerischen Druck der Sozialdemokratie und der Gewerkschaftsf\u00fchrungen etwas entgegensetzen zu k\u00f6nnen. Diese hatten denn auch gen\u00fcgend Autorit\u00e4t, um angesichts der Gewaltandrohung durch die Armee den Streik f\u00fcr beendet zu erkl\u00e4ren. Und dies, ohne dass kaum eine der materiellen Forderungen der k\u00e4mpfenden Arbeiter:innen unmittelbar erf\u00fcllt worden w\u00e4re.<a href=\"#_ftn35\" name=\"_ftnref35\"><sup>[35]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Dies war ein Ausdruck der Klassenzusammenarbeit, wie sie als Sozialpartnerschaft in den wichtigen Bereichen der Industrie, des \u00f6ffentlichen Sektors und des Finanzsektors seit der Mitte des 19. Jahrhunderts allm\u00e4hlich Fuss fasste und in einzelnen Gemeinden und dann in den Kantonen in der politischen Konkordanz in den Regierungen ab den 1890er Jahren institutionalisiert wurde<a href=\"#_ftn36\" name=\"_ftnref36\"><sup>[36]<\/sup><\/a>. Dieses System wurde fortan ausgebaut und verfeinert, bis im Zweiten Weltkrieg aufgrund ihres Wohlverhaltens die Sozialdemokratie auf Konkordanz-Basis in der Landesregierung Einsitz nehmen durfte.<a href=\"#_ftn37\" name=\"_ftnref37\"><sup>[37]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p><em>Die hier aufgef\u00fchrten Arbeiten waren bei der Entwicklung meines Argumentes alle wichtig. Insbesondere hilfreich waren Bergier, Maissen und Grimm; die marxistischen Klassiker Marx und Lenin gaben den gedanklichen Orientierungsrahmen ab.\u00a0 <\/em><\/p>\n<p>Arbeitsgruppe f\u00fcr Geschichte der Arbeiterbewegung Z\u00fcrich, 1975: Schweizerische Arbeiterbewegung. Dokumente zu Lage, Organisation und K\u00e4mpfen der Arbeiter von der Fr\u00fchindustrialisierung bis zur Gegenwart. Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Bairoch, Paul, 1997: Victoires et d\u00e9boires. Histoire \u00e9conomique et sociale du monde du XVI<sup>e<\/sup> si\u00e8cle \u00e0 nos jours. 3 B\u00e4nde. Paris<\/p>\n<p>Behrendt, Richard, 1932: Der Schweizer Imperialismus. Die Volkswirtschaft des hochkapitalistischen Kleinstaates im Zeitalter des politischen und \u00f6konomischen Imperialismus. Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Bergier, Jean-Fran\u00e7ois, 1984: Histoire \u00e9conomique de la Suisse. Lausanne<\/p>\n<p>Degen, Bernard, 1993: Sozialdemokratie: Gegenmacht? Opposition? Bundesratspartei? Die Geschichte der Regierungsbeteiligung der schweizerischen Sozialdemokraten. Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Van D\u00fclmen, Richard, 1977: Reformation als Revolution. Soziale Bewegung und religi\u00f6ser Radikalismus in der deutschen Reformation. M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Eberle, Willi und Sch\u00e4ppi, Hans, 2007: Eine Skizze zur polit-\u00f6konomischen Analyse der Schweiz. Denknetz Jahrbuch 2007. Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Eberle, Willi: Schweizer Imperialismus, 2021: Eine marxistische Interpretation. Online: <a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9060\">https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=9060<\/a>; siehe auch: antikap 13, Zeitschrift der Bewegung f\u00fcr den Sozialismus<\/p>\n<p>Engels, Friedrich, 1847: Der Schweizer B\u00fcrgerkrieg. Marx Engels Werke, Band 4<\/p>\n<p>F\u00e4ssler, Hans, 2005: Reise in Schwarz-Weiss. Schweizer Ortstermine in Sachen Sklaverei. Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Grimm, Robert, 1976: Die Geschichte der Schweiz in ihren Klassenk\u00e4mpfen. Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Gruner, Erich, 1968: Die Arbeiter in der Schweiz im 19. Jahrhundert. Soziale Lage, Organisation, Verh\u00e4ltnis zu Arbeitgeber und Staat. Bern<\/p>\n<p>Historisches Lexikon der Schweiz (HLS). Verschiedene Beitr\u00e4ge zu Bauernunruhen, Heimarbeit, Agrarwirtschaft und Soldwesen. <a href=\"https:\/\/hls-dhs-dss.ch\/\">https:\/\/hls-dhs-dss.ch\/<\/a><\/p>\n<p>Lenin, Vladimir, 1976 (1917): Der Imperialismus als h\u00f6chstes Stadium des Kapitalismus. Berlin<\/p>\n<p>Luciri, Pierre, 1976: Le prix de la neutralit\u00e9. La diplomatie secr\u00e8te de la Suisse en 1914 \u2013 1915 avec des documents d\u2019archives in\u00e9dits. Gen\u00e8ve<\/p>\n<p>Maissen, Thomas, 2009: Geschichte der Schweiz. Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Marx, Karl, 1988 (1867): Das Kapital. Kritik der politischen \u00d6konomie. Erster Band. Der Produktionsprozess des Kapitals. Karl Marx Friedrich Engels Werke. Band 23. Berlin<\/p>\n<p>Masnata-Rubattel, Claire et Fran\u00e7ois, 1978: Le pouvoir suisse. S\u00e9duction d\u00e9mocratique et r\u00e9pression suave. Paris<\/p>\n<p>M\u00fchlestein, Hans, 1942: Der grosse Schweizerische Bauernkrieg. 1653. Celerina<\/p>\n<p>Pernoud, R\u00e9gine, 1981: Histoire de la bourgeoisie en France, Band 2\u00a0: Les temps modernes. Paris<\/p>\n<p>Pollux (d.i. Georges Baehler), 1944: Trusts in der Schweiz? Die schweizerische Politik im Schlepptau der Hochfinanz. Z\u00fcrich<\/p>\n<p>Schulze, Winfried (Hg.), 1982: Europ\u00e4ische Revolten der fr\u00fchen Neuzeit. Frankfurt am Main<\/p>\n<p>Stone, Norman, 1983: Europe Transformed 1878 \u2013 1919. Oxford<\/p>\n<p>Waas, Adolf, 1964: Der Bauernkrieg. Die Bauern im Kampf um Gerechtigkeit. 1300 bis 1525. Wiesbaden<\/p>\n<p>Widmer, Thomas, 1992: Die Schweiz in der Wachstumskrise der 1880er Jahre. Z\u00fcrich<\/p>\n<p>&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;&#8212;<\/p>\n<p>Diese Arbeit ist erschienen im Buch <a href=\"https:\/\/www.mandelbaum.at\/buecher\/arman-speth-dominic-iten-lukas-bruegger\/schweizer-kapitalismus\/autorin\/\">Der Schweizer Kapitalismus<\/a> (2025), herausgegeben von Armen Sp\u00e9th, Dominic Iten und Lukas Br\u00fcgger.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Marx, vor allem Kapitel 24: Die urspr\u00fcngliche Akkumulation<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Pollux<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Bergier<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Bergier<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Masnata-Rubatel<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Bairoch, Band 1<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Maissen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Maissen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Bergier; Grimm; Maissen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> M\u00fchlestein<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Waas; Van D\u00fclmen; Schulze<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Grimm<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> HLS, Verlagssystem<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a> Bergier<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> HLS, Heimarbeit<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a> HLS, Einschlagsbewegung<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Maissen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Maissen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a> Pernoud, vor allem Kapitel 9: L\u2019av\u00e8nement au pouvoir<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Siehe Beitrag von Dominic Iten in diesem Buch<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Bergier<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Arbeitsgruppe f\u00fcr Geschichte der Arbeiterbewegung<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a> Bergier<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a> Bergier; Maissen<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref25\" name=\"_ftn25\">[25]<\/a> Eberle und Sch\u00e4ppi<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref26\" name=\"_ftn26\">[26]<\/a> Siehe dazu den Beitrag von Juri Auderset in diesem Buch<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref27\" name=\"_ftn27\">[27]<\/a> Gruner<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref28\" name=\"_ftn28\">[28]<\/a> Widmer<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref29\" name=\"_ftn29\">[29]<\/a> Stone<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref30\" name=\"_ftn30\">[30]<\/a> Eberle und Sch\u00e4ppi<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref31\" name=\"_ftn31\">[31]<\/a> Lenin<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref32\" name=\"_ftn32\">[32]<\/a> Behrendt; Eberle<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref33\" name=\"_ftn33\">[33]<\/a> Behrendt<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref34\" name=\"_ftn34\">[34]<\/a> Luciri<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref35\" name=\"_ftn35\">[35]<\/a> Arbeitsgruppe f\u00fcr Geschichte der Arbeiterbewegung<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref36\" name=\"_ftn36\">[36]<\/a> Gruner<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref37\" name=\"_ftn37\">[37]<\/a> Degen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Willi Eberle. Das Funktionieren des heutigen Schweizer Kapitalismus kann nur durch seine Geschichte verst\u00e4ndlich gemacht werden. Der Kapitalismus muss von seiner Entstehung her als ein Weltsystem begriffen werden, in dem es Zentren der Akkumulation und &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15372,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,3],"tags":[25,29,87,23,31,41,26,18,22,42,4,17],"class_list":["post-15371","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-schweiz","tag-arbeiterbewegung","tag-arbeitskaempfe","tag-arbeitswelt","tag-buecher","tag-erster-weltkrieg","tag-europa","tag-gewerkschaften","tag-imperialismus","tag-politische-oekonomie","tag-sozialdemokratie","tag-strategie","tag-widerstand"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15371","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15371"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15371\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15373,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15371\/revisions\/15373"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15372"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15371"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15371"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15371"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}