{"id":1539,"date":"2016-10-07T14:27:43","date_gmt":"2016-10-07T12:27:43","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1539"},"modified":"2016-10-07T14:28:20","modified_gmt":"2016-10-07T12:28:20","slug":"karl-marx-rede-ueber-die-frage-des-freihandels","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1539","title":{"rendered":"Karl Marx: Rede \u00fcber die Frage des Freihandels"},"content":{"rendered":"<p>Meine Herren! Die Abschaffung der Korngesetze in England ist der gr\u00f6\u00dfte Triumph, den der Freihandel im neunzehnten Jahrhundert errungen hat. In allen L\u00e4ndern, wo die Fabrikanten von Freihandel sprechen,<!--more--> haben sie vorzugsweise den Freihandel in Getreide oder \u00fcberhaupt in Rohstoffen im Auge. Das ausl\u00e4ndische Korn mit Schutzz\u00f6llen belasten ist infam, hei\u00dft auf den Hunger des Volkes spekulieren.<\/p>\n<p>Billiges Brot, hohe L\u00f6hne, <em>cheap food<\/em>, <em>high wages<\/em>, das ist der alleinige Zweck, f\u00fcr welchen die Freih\u00e4ndler in England Millionen ausgegeben haben, und schon hat ihr Enthusiasmus ihre Br\u00fcder auf dem Festlande angesteckt. \u00dcberhaupt, wenn man den Freihandel will, so will man ihn zur Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen.<\/p>\n<p>Aber, wunderbar! Das Volk, dem man um jeden Preis billiges Brot verschaffen will, ist sehr undankbar. Das wohlfeile Brot ist in England ebenso verrufen wie die wohlfeile Regierung in Frankreich. Das Volk erblickt in den M\u00e4nnern voll Hingebung, in einem Bowring, einem Bright und Konsorten, seine gr\u00f6\u00dften Feinde und die unversch\u00e4mtesten Heuchler.<\/p>\n<p>Jedermann wei\u00df, da\u00df der Kampf zwischen Liberalen und Demokraten in England Kampf zwischen Freih\u00e4ndlern und Chartisten hei\u00dft.<\/p>\n<p>Sehen wir nun zu, auf welche Art die englischen Freih\u00e4ndler dem Volke die edle Gesinnung bewiesen haben, welche sie beseelte.<\/p>\n<p>Sie sagten den Fabrikarbeitern:<\/p>\n<p>Der Getreidezoll ist eine Steuer auf den Lohn; diese Steuer zahlt ihr den Gro\u00dfgrundbesitzern, diesen mittelalterlichen Aristokraten; wenn eure Lage jammervoll ist, so ist dies eine Folge der Kostspieligkeit der unentbehrlichsten Lebensmittel.<\/p>\n<p>Die Arbeiter fragten ihrerseits die Fabrikanten: Wie kommt es, da\u00df im Verlauf der letzten drei\u00dfig Jahre, wo unsere Industrie die gr\u00f6\u00dfte Entwicklung genommen hat, unser Lohn in einem viel rapideren Verh\u00e4ltnis gesunken ist, als der Preis des Getreides gestiegen?<\/p>\n<p>Die Steuer, welche wir, wie ihr behauptet, den Grundbesitzern zahlen, betr\u00e4gt f\u00fcr den Arbeiter ungef\u00e4hr 3 Pence pro Woche; dagegen ist der Lohn des Handwebers von 1815 bis 1843 von 28 Shilling pro Woche auf 5 Shilling gefallen; und der Lohn des Maschinenwebers ist in der Zeit von 1823 bis 1843 von 20 Shilling pro Woche auf 8 Shilling heruntergedr\u00fcckt worden.<\/p>\n<p>Und w\u00e4hrend dieser ganzen Zeit ist der Steuerbetrag, den wir dem Grundbesitzer gezahlt haben, nie h\u00f6her als 3 Pence gewesen. Und dann, als im Jahre 1834 das Brot sehr billig war und das Gesch\u00e4ft sehr flott ging, was sagtet ihr uns damals? Wenn ihr ungl\u00fccklich seid, so kommt dies daher, da\u00df ihr zuviel Kinder macht und da\u00df eure Ehe fruchtbarer ist als euer Gewerbe!<\/p>\n<p>Das sind eure eigenen Worte, die ihr uns damals zurieft, und ihr gingt hin, neue Armengesetze zu fabrizieren und die Arbeitsh\u00e4user zu errichten, diese Bastillen der Proletarier.<\/p>\n<p>Hierauf erwiderten die Fabrikanten:<\/p>\n<p>Ihr habt recht, werte Herren Arbeiter; es ist nicht nur der Preis des Getreides, sondern au\u00dferdem auch die Konkurrenz unter den angebotenen H\u00e4nden, welche den Lohn bestimmt.<\/p>\n<p>Aber denkt an den einen Umstand, da\u00df unser Boden nur aus Felsen und Sandb\u00e4nken besteht. Ihr bildet euch doch nicht ein, da\u00df man Getreide in Blument\u00f6pfen ziehen kann! W\u00fcrden wir aber, anstatt unser Kapital, unsere Arbeit auf einen durchaus unfruchtbaren Boden zu verschwenden, den Ackerbau aufgeben und uns ausschlie\u00dflich der Industrie widmen, dann w\u00fcrde ganz Europa seine Fabriken aufgeben und England eine einzige gro\u00dfe Fabrikstadt bilden, mit dem ganzen \u00fcbrigen Europa als Ackerprovinz.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend er nun so zu seinen eigenen Arbeitern spricht, wird der Fabrikant von dem Kleinh\u00e4ndler interpelliert, der ihm zuruft:<\/p>\n<p>Aber wenn wir die Korngesetze abschaffen, werden wir zwar die Landwirtschaft ruinieren, aber darum noch nicht die anderen L\u00e4nder zwingen, aus unseren Fabriken zu beziehen und die ihrigen aufzugeben.<\/p>\n<p>Was wird die Folge sein? Ich verliere die Kundschaft, die ich jetzt auf dem Lande habe, und der innere Handel verliert seinen Markt.<\/p>\n<p>Der Fabrikant wendet dem Arbeiter den R\u00fccken und antwortet dem Kr\u00e4mer: Was das anbetrifft, so la\u00dft uns nur machen. Einmal der Getreidezoll abgeschafft, werden wir vom Auslande billigeres Getreide bekommen. Dann werden wir den Lohn herabsetzen, der gleichzeitig in den anderen L\u00e4ndern, aus denen wir Getreide beziehen, steigen wird.<\/p>\n<p>So werden wir au\u00dfer den Vorteilen, deren wir uns bereits erfreuen, noch den niedrigerer L\u00f6hne haben, und mit all diesen Vorteilen werden wir den Kontinent schon zwingen, von uns zu kaufen.<\/p>\n<p>Aber jetzt mischen sich der P\u00e4chter und der Landarbeiter in die Diskussion.<\/p>\n<p>Und wir, rufen sie, was wird aus uns werden?<\/p>\n<p>Sollen wir ein Todesurteil f\u00e4llen helfen \u00fcber die Landwirtschaft, von der wir leben? M\u00fcssen wir dulden, da\u00df man uns den Boden unter den F\u00fc\u00dfen wegzieht?<\/p>\n<p>Statt jeder Antwort hat sich die Anti-Corn-Law League damit begn\u00fcgt, Preise auszusetzen auf die drei besten Schriften \u00fcber den heilsamen Einflu\u00df der Abschaffung der Korngesetze auf den englischen Ackerbau.<\/p>\n<p>Diese Preise wurden erworben von den Herren Hope, Morse und Greg, deren Abhandlungen in Tausenden von Exemplaren auf dem Lande verbreitet wurden.<\/p>\n<p>Der eine dieser Preisgekr\u00f6nten verlegt sich darauf, zu beweisen, da\u00df weder der P\u00e4chter noch der Landarbeiter bei der Einfuhr des fremden Getreides verlieren werde, sondern lediglich der Grundbesitzer. Der englische P\u00e4chter, ruft er aus, hat die Abschaffung der Korngesetze nicht zu f\u00fcrchten, weil kein Land so gutes und so billiges Getreide produzieren kann wie England.<\/p>\n<p>So k\u00f6nnte, selbst wenn der Preis des Getreides fiele, euch dies nicht schaden, weil dieses Sinken lediglich die Rente tr\u00e4fe, die fallen w\u00fcrde, und keineswegs den Kapitalgewinn und den Lohn, die sich gleichblieben.<\/p>\n<p>Der zweite Laureat, Herr Morse, behauptet im Gegenteil, da\u00df der Getreidepreis infolge der Abschaffung der Korngesetze steigen w\u00fcrde. Er gibt sich unendliche M\u00fche, nachzuweisen, da\u00df die Schutzz\u00f6lle dem Getreide niemals einen lohnenden Preis haben sichern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Zur Bekr\u00e4ftigung seiner Behauptung f\u00fchrt er die Tatsache an, da\u00df stets, wenn ausl\u00e4ndisches Getreide eingef\u00fchrt wurde, der Getreidepreis in England betr\u00e4chtlich stieg, und da\u00df, wenn man wenig einf\u00fchrte, derselbe au\u00dferordentlich fiel. Der Laureat vergi\u00dft, da\u00df die Einfuhr nicht die Ursache des hohen Preises war, sondern der hohe Preis die Ursache der Einfuhr.<\/p>\n<p>Ganz im Gegensatz zu seinen Mitpreisgekr\u00f6nten behauptet er, da\u00df jedes Steigen im Preise des Korns dem P\u00e4chter und dem Arbeiter zugutekomme und nicht dem Grundbesitzer.<\/p>\n<p>Der dritte Laureat, Herr Greg, der Gro\u00dffabrikant ist und dessen Buch sich an die Klasse der Gro\u00dfp\u00e4chter wendet, durfte sich nicht mit solchen Albernheiten aus der Aff\u00e4re ziehen. Seine Sprache ist wissenschaftlicher.<\/p>\n<p>Er gibt zu, da\u00df die Korngesetze die Rente nur dadurch steigen machen, da\u00df sie den Preis des Getreides erh\u00f6hen, und da\u00df sie den Getreidepreis nur dadurch erh\u00f6hen, da\u00df sie das Kapital zwingen, sich auf Boden niederer Qualit\u00e4t zu werfen, was sich ganz einfach erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>In dem Ma\u00dfe, wie die Bev\u00f6lkerung anw\u00e4chst, ist man eben gezwungen, sobald das fremde Getreide nicht in das Land kann, minder fruchtbare L\u00e4ndereien zu verwerten, deren Kultur mehr Kosten erfordert und deren Produkt infolgedessen teurer ist.<\/p>\n<p>Da das Getreide zwangsl\u00e4ufig abgesetzt wird, wird sich der Preis notwendigerweise nach dem Preis der Produkte des kostspieligsten Bodens richten. Die Differenz zwischen diesem Preis und den Produktionskosten des besseren Bodens bildet eben die Rente.<\/p>\n<p>Wenn somit infolge der Abschaffung der Korngesetze der Preis des Getreides und folglich auch die Rente f\u00e4llt, so r\u00fchrt dies daher, da\u00df der schlechtere Boden nicht mehr bebaut wird. Somit zieht die Herabsetzung der Rente unfehlbar den Ruin eines Teils der P\u00e4chter nach sich.<\/p>\n<p>Diese Bemerkungen waren notwendig, um die Sprache des Herrn Greg zu verstehen.<\/p>\n<p>Die kleinen P\u00e4chter, sagt er, die sich nicht beim Ackerbau halten k\u00f6nnen, werden eine Zuflucht in der Industrie finden. Was die Gro\u00dfp\u00e4chter anbetrifft, so m\u00fcssen sie dabei gewinnen. Entweder werden die Grundbesitzer gezwungen sein, ihnen ihre Grundst\u00fccke sehr billig zu verkaufen, oder die Pachtkontrakte, welche sie mit ihnen machen, werden auf sehr lange Termine abgeschlossen werden. Das wird ihnen gestatten, gr\u00f6\u00dfere Kapitalien in den Boden zu stecken, Maschinen in gr\u00f6\u00dferem Umfange anzuwenden und so Handarbeit zu ersparen, die \u00fcbrigens billiger sein wird dank dem allgemeinen Sinken der L\u00f6hne, der unmittelbaren Folge der Abschaffung der Korngesetze.<\/p>\n<p>Doktor Bowring hat allen diesen Argumenten eine religi\u00f6se Weihe gegeben, indem er in einem \u00f6ffentlichen Meeting ausrief: &#8222;Jesus Christus ist der Freihandel &#8211; der Freihandel ist Jesus Christus!&#8220;<\/p>\n<p>Man begreift, da\u00df die ganze Heuchelei nicht dazu angetan war, den Arbeitern das billige Brot schmackhaft zu machen.<\/p>\n<p>Wie h\u00e4tten \u00fcbrigens die Arbeiter die pl\u00f6tzliche Philanthropie der Fabrikanten begreifen sollen, derselben Leute, die noch in vollem Kampf waren gegen die Zehnstundenbill, mittelst deren man den Arbeitstag des Fabrikarbeiters von zw\u00f6lf auf zehn Stunden reduzieren wollte!<\/p>\n<p>Um Ihnen eine Idee zu geben von der Philanthropie dieser Fabrikanten, erinnere ich Sie, meine Herren, an die in allen Fabriken eingef\u00fchrten Fabrikordnungen.<\/p>\n<p>Jeder Fabrikant hat zu seinem Privatgebrauch ein regelrechtes Strafgesetzbuch, das f\u00fcr alle absichtlichen und unabsichtlichen Vergehen Bu\u00dfen festsetzt; z.B. zahlt der Arbeiter soundso viel, wenn er das Ungl\u00fcck hat, sich auf einen Stuhl zu setzen, wenn er tuschelt, plaudert, lacht, wenn er einige Minuten zu sp\u00e4t kommt, wenn ein Maschinenteil zerbricht, wenn er die Produkte nicht in der verlangten Qualit\u00e4t liefert etc. etc. Die Bu\u00dfen sind stets h\u00f6her als der wirklich vom Arbeiter verursachte Schaden. Um es dem Arbeiter m\u00f6glichst zu erleichtern, sich Strafen zuzuziehen, l\u00e4\u00dft man die Fabrikuhr vorgehen, liefert man schlechten Rohstoff, aus welchem der Arbeiter gutes Produkt anfertigen soll. Man setzt den Werkf\u00fchrer ab, wenn er nicht geschickt genug ist, die F\u00e4lle von \u00dcbertretungen zu vermehren.<\/p>\n<p>Sie sehen, meine Herren, diese Privatgesetzgebung ist eigens geschaffen, Verst\u00f6\u00dfe zu z\u00fcchten, und man z\u00fcchtet Verst\u00f6\u00dfe, um Geld zu machen. So wendet der Fabrikant alle Mittel an, den nominellen Lohn herabzusetzen und sogar die Zuf\u00e4lle auszubeuten, deren der Arbeiter nicht Herr ist.<\/p>\n<p>Und diese Fabrikanten, das sind dieselben Philanthropen, welche den Arbeitern einreden wollten, sie seien f\u00e4hig, enorme Summen auszugeben, einzig und allein, um deren Los zu verbessern.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite beschneiden sie den Lohn des Arbeiters durch Fabrikordnungen in der kleinlichsten Weise, auf der anderen legen sie sich die gr\u00f6\u00dften Opfer auf, um ihn mit Hilfe der Anti-Corn-Law League zu erh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Sie bauen mit gro\u00dfen Unkosten Pal\u00e4ste, in denen die Liga gewisserma\u00dfen ihre Amtswohnung einrichtete, sie entsenden eine ganze Armee von Missionaren nach allen Punkten Englands, um die Religion des Freihandels zu predigen. Sie lassen Tausende von Brosch\u00fcren drucken und unentgeltlich verteilen, um den Arbeiter \u00fcber seine eigenen Interessen aufzukl\u00e4ren. Sie geben enorme Summen aus, um die Presse f\u00fcr ihre Sache g\u00fcnstig zu stimmen. Sie organisieren einen gro\u00dfartigen Verwaltungsapparat, um die freih\u00e4ndlerische Bewegung zu leiten, und entfalten alle Gaben ihrer Beredsamkeit in \u00f6ffentlichen Meetings. Auf einem dieser Meetings war es, wo ein Arbeiter ausrief:<\/p>\n<p>&#8222;Wenn die Grundbesitzer unsere Knochen verkauften, so w\u00fcrdet ihr Fabrikanten die ersten sein, sie zu kaufen, um sie in eine Dampfm\u00fchle zu werfen und Mehl daraus zu machen.&#8220;<\/p>\n<p>Die englischen Arbeiter haben die Bedeutung des Kampfes zwischen den Grundbesitzern und den Kapitalisten sehr gut begriffen. Sie wissen sehr wohl, da\u00df man den Preis des Brotes herunterdr\u00fccken wollte, um den Lohn herabzudr\u00fccken, und da\u00df der Kapitalprofit um soviel steigen w\u00fcrde, wie die Rente fiele.<\/p>\n<p>Ricardo, der Apostel der englischen Freih\u00e4ndler, der ausgezeichnetste \u00d6konom unseres Jahrhunderts, stimmt in bezug auf diesen Punkt vollkommen mit den Arbeitern \u00fcberein.<\/p>\n<p>Er sagt in seinem ber\u00fchmten Werk \u00fcber politische \u00d6konomie:<\/p>\n<p>&#8222;Wenn wir, anstatt bei uns Getreide zu ernten &#8230; einen neuen Markt entdeckten, wo wir es uns zu einem niedrigeren Preis verschaffen k\u00f6nnten, so w\u00fcrden in diesem Falle die L\u00f6hne sinken und die Profite steigen &#8230; Das Fallen des Preises der landwirtschaftlichen Produkte reduziert die L\u00f6hne nicht nur der in der Landwirtschaft besch\u00e4ftigten Arbeiter, sondern auch all derer, die in der Industrie arbeiten oder im Handel besch\u00e4ftigt sind.&#8220;<\/p>\n<p>Und glauben Sie nicht, meine Herren, da\u00df es f\u00fcr den Arbeiter eine ganz gleichg\u00fcltige Sache sei, nicht mehr als vier Francs zu bekommen, weil das Getreide billiger ist, wenn er fr\u00fcher f\u00fcnf Francs bekam.<\/p>\n<p>Ist sein Lohn nicht gefallen im Verh\u00e4ltnis zum Profit? Und ist es nicht klar, da\u00df seine soziale Lage gegen\u00fcber der des Kapitalisten schlechter geworden ist? Au\u00dferdem verliert er auch tats\u00e4chlich.<\/p>\n<p>Solange der Getreidepreis noch h\u00f6her war und der Lohn gleichfalls, gen\u00fcgte eine kleine Ersparnis am Brotverbrauch, um ihm andere Gen\u00fcsse zu verschaffen. Sobald aber das Brot und folglich der Lohn sehr niedrig steht, wird er am Brot fast nichts absparen k\u00f6nnen f\u00fcr den Ankauf anderer Dinge.<\/p>\n<p>Die englischen Arbeiter haben es die englischen Freih\u00e4ndler f\u00fchlen lassen, da\u00df sie sich von ihren Vorspiegelungen und L\u00fcgen nicht hinters Licht f\u00fchren lassen, und wenn sie sich ihnen trotzdem gegen die Grundbesitzer angeschlossen haben, so geschah es, um die letzten Reste des Feudalismus zu zerst\u00f6ren und nur noch mit einem einzigen Feind zu tun zu haben. Die Arbeiter haben sich in ihren Berechnungen nicht get\u00e4uscht; denn die Grundbesitzer, um sich an den Fabrikanten zu r\u00e4chen, machten gemeinsame Sache mit den Arbeitern zur Durchbringung der Zehnstundenbill, die diese letzteren seit drei\u00dfig Jahren vergeblich gefordert hatten und die unmittelbar nach der Abschaffung der Korngesetze durchging.<\/p>\n<p>Wenn auf dem Kongre\u00df der \u00d6konomen Dr. Bowring aus seiner Tasche eine lange Liste zog, um zu zeigen, wieviel St\u00fcck Vieh, Schinken, Speck, H\u00fchner etc. etc. in England eingef\u00fchrt worden sind, um dort, wie er sagt, von den Arbeitern konsumiert zu werden, so hat er leider vergessen zu sagen, da\u00df zur selben Zeit die Arbeiter von Manchester und den anderen Fabrikst\u00e4dten sich durch die beginnende Krisis aufs Pflaster geworfen sahen.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich darf man in der politischen \u00d6konomie niemals Zahlen eines einzelnen Jahres zusammenstellen, um aus ihnen allgemeine Gesetze abzuleiten. Man mu\u00df stets den Durchschnitt von sechs bis sieben Jahren nehmen &#8211; den Zeitabschnitt, w\u00e4hrend dessen die moderne Industrie die verschiedenen Phasen der Prosperit\u00e4t, \u00dcberproduktion &lt;(<em>1885<\/em>, <em>1892<\/em> u. <em>1895<\/em>) fehlt: \u00dcberproduktion&gt;, Stagnation, Krise durchmacht und ihren unvermeidlichen Kreislauf vollendet.<\/p>\n<p>Kein Zweifel, wenn der Preis aller Waren f\u00e4llt, und dies ist die notwendige Konsequenz des Freihandels, so kann ich mir f\u00fcr einen Franc weit mehr Dinge als vorher verschaffen. Und der Franc des Arbeiters gilt ebensoviel wie jeder andere. Somit wird der Freihandel dem Arbeiter sehr vorteilhaft sein. Es ist nur ein kleiner \u00dcbelstand damit verbunden, n\u00e4mlich der, da\u00df der Arbeiter, bevor er seinen Franc gegen andere Ware umtauscht, zun\u00e4chst den Tausch seiner Arbeit gegen das Kapital vollzogen hat. Wenn er bei diesem Tausch stets f\u00fcr dieselbe Arbeit den bewu\u00dften Franc erhielte und der Preis aller anderen Waren fiele, so w\u00fcrde er stets bei diesem Handel gewinnen. Die Schwierigkeit besteht nicht darin, zu beweisen, da\u00df, wenn der Preis aller Waren f\u00e4llt, ich f\u00fcr dasselbe Geld mehr Waren bekomme.<\/p>\n<p>Die \u00d6konomen greifen stets den Preis der Arbeit in dem Moment heraus, wo er sich gegen andere Waren austauscht, aber sie lassen den Moment g\u00e4nzlich beiseite, wo die Arbeit ihren Tausch gegen das Kapital vollzieht.<\/p>\n<p>Wenn weniger Kosten erforderlich sind, um die Maschine in Bewegung zu setzen, welche die Waren anfertigt, so werden die zum Unterhalt dieser Maschine, die sich Arbeiter nennt, notwendigen Dinge gleichfalls weniger kosten. Wenn alle Waren billiger sind, so wird die Arbeit, die auch eine Ware ist, gleichfalls im Preise sinken, und wie wir sp\u00e4ter sehen werden, wird diese Ware Arbeit verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viel mehr sinken als alle anderen Waren. Verl\u00e4\u00dft sich der Arbeiter dann immer noch auf die Argumente der \u00d6konomen, so wird er finden, da\u00df der Franc in seiner Tasche zusammengeschmolzen ist und ihm nur noch f\u00fcnf Sous \u00fcbrigbleiben.<\/p>\n<p>Hierauf werden Ihnen die \u00d6konomen sagen: Nun ja, wir geben zu, da\u00df die Konkurrenz unter den Arbeitern, die unter der Herrschaft des Freihandels sicherlich nicht geringer sein wird, sehr bald die L\u00f6hne in Einklang mit dem niedrigen Preis der Waren bringen wird. Aber anderseits wird der niedrige Preis der Waren den Konsum vermehren; der gr\u00f6\u00dfere Konsum wird eine st\u00e4rkere Produktion erfordern, welche eine st\u00e4rkere Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften nach sich ziehen wird, und dieser st\u00e4rkeren Nachfrage nach Arbeitskr\u00e4ften wird ein Steigen der L\u00f6hne folgen.<\/p>\n<p>Diese ganze Argumentation l\u00e4uft auf folgendes hinaus: Der Freihandel vermehrt die Produktivkr\u00e4fte. Wenn die Industrie im Wachstum begriffen ist, wenn der Reichtum, wenn die Produktivkr\u00e4fte, wenn mit einem Wort das Produktivkapital die Nachfrage nach Arbeit vermehrt, so steigt auch der Preis der Arbeit und folglich der Lohn. Die g\u00fcnstigste Bedingung f\u00fcr den Arbeiter ist das Anwachsen des Kapitals. Und man mu\u00df dies zugeben. Wenn das Kapital station\u00e4r bleibt, wird die Industrie nicht nur station\u00e4r bleiben, sondern zur\u00fcckgehen, und in diesem Falle wird der Arbeiter das erste Opfer sein. Er wird vor dem Kapitalisten zugrunde gehen. Und in dem Falle, wo das Kapital anw\u00e4chst, also in diesem, wie gesagt, besten Falle f\u00fcr den Arbeiter, welches wird da sein Schicksal sein? Er wird gleichfalls zugrunde gehen. Das Anwachsen des Produktivkapitals begreift in sich die Akkumulation und Konzentration der Kapitalien. Die Zentralisation der Kapitalien hat eine gr\u00f6\u00dfere Arbeitsteilung und eine gr\u00f6\u00dfere Anwendung von Maschinen zur Folge. Die gr\u00f6\u00dfere Teilung der Arbeit zerst\u00f6rt die besondere Geschicklichkeit des Arbeiters; und indem sie an die Stelle dieser besonderen Geschicklichkeit eine Arbeit setzt, die jedermann verrichten kann, vermehrt sie die Konkurrenz unter den Arbeitern.<\/p>\n<p>Diese Konkurrenz wird umso st\u00e4rker, als die Arbeitsteilung den Arbeiter in die Lage versetzt, allein die Arbeit von dreien zu verrichten. Die Maschinen bewirken das gleiche Resultat in noch viel gr\u00f6\u00dferem Grade. Das Anwachsen des Produktivkapitals zwingt die industriellen Kapitalisten, mit stets wachsenden Mitteln zu arbeiten, und ruiniert damit die Kleinindustriellen und wirft sie ins Proletariat. Ferner, da der Zinsfu\u00df in dem Ma\u00dfe f\u00e4llt, wie die Kapitalien sich anh\u00e4ufen, werden die kleinen Rentiers, die nicht mehr von ihren Renten leben k\u00f6nnen, gezwungen sein, sich der Industrie zuzuwenden, und somit die Zahl der Proletarier vermehren.<\/p>\n<p>Endlich, je mehr das Produktivkapital w\u00e4chst, desto mehr ist es gezwungen, f\u00fcr einen Markt zu produzieren, dessen Bed\u00fcrfnisse es nicht kennt. Umso mehr geht die Produktion dem Bedarf voraus, umso mehr sucht das Angebot die Nachfrage zu erzwingen und nehmen daher die Krisen an Intensit\u00e4t und Pl\u00f6tzlichkeit zu. Aber jede Krisis ihrerseits beschleunigt die Zentralisation der Kapitalien und vermehrt das Proletariat.<\/p>\n<p>Je mehr das Produktivkapital also anw\u00e4chst, desto mehr steigert sich die Konkurrenz unter den Arbeitern, und zwar in viel st\u00e4rkerem Verh\u00e4ltnis. Die Entlohnung der Arbeit nimmt ab f\u00fcr alle, und die Arbeitslast vermehrt sich f\u00fcr einige.<\/p>\n<p>1829 gab es in Manchester 1.088 Spinner, die in 36 Fabriken besch\u00e4ftigt waren. 1841 gab es nur noch 448, und diese Arbeiter bedienten 53.353 Spindeln mehr als die 1.088 von 1829. Wenn die Handarbeit zugenommen h\u00e4tte in demselben Ma\u00dfe wie die Produktivkraft, so h\u00e4tte die Zahl der Arbeiter auf 1848 steigen m\u00fcssen; die technischen Verbesserungen haben also 1.100 Arbeiter au\u00dfer Arbeit gesetzt.<\/p>\n<p>Wir kennen im Voraus die Antwort der \u00d6konomen. Diese au\u00dfer Arbeit gesetzten Leute, sagen sie, werden eine andere Besch\u00e4ftigung finden. Herr Dr. Bowring hat nicht unterlassen, dieses Argument auf dem \u00d6konomenkongre\u00df wieder vorzubringen. Aber er hat auch nicht unterlassen, sich selbst zu widerlegen.<\/p>\n<p>1835 &lt;(<em>1848<\/em>) irrt\u00fcmlich: 1833; (<em>1885<\/em>, <em>1892<\/em> u. <em>1895<\/em>) irrt\u00fcmlich: 1838&gt; hielt Herr Dr. Bowring im Unterhaus eine Rede \u00fcber die 50.000 Weber Londons, die seit langem am Hungertuch nagen, ohne diese neue Besch\u00e4ftigung finden zu k\u00f6nnen, welche die Freih\u00e4ndler ihnen in Aussicht stellen.<\/p>\n<p>H\u00f6ren wir die markantesten Stellen dieser Rede des Herrn Dr. Bowring:<\/p>\n<p>&#8222;Das Elend der Handweber&#8220;, sagt er, &#8222;ist das unvermeidliche Schicksal jeder Arbeit, die leicht erlernt wird und in jedem Augenblick durch weniger kostspielige Mittel ersetzt werden kann. Da in diesem Falle die Konkurrenz unter den Arbeitern ungemein gro\u00df ist, f\u00fchrt die geringste Verminderung der Nachfrage eine Krise herbei. Die Handweber befinden sich gewisserma\u00dfen an die \u00e4u\u00dferste Grenze der menschlichen Existenz gesetzt. Ein Schritt weiter, und ihre Existenz wird unm\u00f6glich. Die geringste Ersch\u00fctterung gen\u00fcgt, um sie in die Bahn des Verkommens zu schleudern. Der Fortschritt der Technik, der die Handarbeit immer mehr aufhebt, f\u00fchrt unfehlbar w\u00e4hrend der Epoche des \u00dcbergangs viel zeitweiliges Leiden mit sich. Der nationale Wohlstand kann nur um den Preis einiger individueller \u00dcbel erkauft werden. Man schreitet in der Industrie nur auf Kosten der Nachz\u00fcgler vorw\u00e4rts, und von allen Entdeckungen ist der Dampfwebstuhl diejenige, welche am schwersten auf dem Handweber lastet. Bereits ist in vielen Artikeln, welche mit der Hand gearbeitet wurden, der Weber au\u00dfer Kampf gesetzt worden, aber er wird auch weiterhin in vielen Dingen geschlagen werden, die heute noch mit der Hand verfertigt werden.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich habe&#8220;, sagt er an anderer Stelle, &#8222;in der Hand eine Korrespondenz des Generalgouverneurs von Ostindien mit der Ostindischen Kompanie. Diese Korrespondenz betrifft die Weber des Distrikts von Dakka. Der Gouverneur sagt in seinen Briefen: Vor einigen Jahren empfing die Ostindische Kompanie sechs bis acht Millionen St\u00fcck Kattun, die auf den einheimischen Handst\u00fchlen hergestellt waren. Die Nachfrage fiel stetig und ward auf ungef\u00e4hr eine Million St\u00fcck reduziert.<\/p>\n<p>In diesem Augenblick hat sie fast aufgeh\u00f6rt. Noch mehr. Im Jahre 1800 bezog Nordamerika von Indien nahezu 800.000 St\u00fcck Kattun. Im Jahre 1830 bezog es nicht einmal mehr 4.000 St\u00fcck. Endlich verschiffte man im Jahre 1800 eine Million St\u00fcck Kattun nach Portugal. 1830 empfing Portugal nicht mehr als 20.000 St\u00fcck.<\/p>\n<p>Die Berichte \u00fcber die Not der indischen Weber sind schrecklich; und welches war die Ursache dieser Not?<\/p>\n<p>Das Auftreten englischer Produkte auf dem Markte, die Herstellung des Artikels vermittelst des Dampfwebstuhls. Eine sehr gro\u00dfe Anzahl von Webern ist im Elend umgekommen. Der Rest ist zu anderen Besch\u00e4ftigungen, namentlich zu l\u00e4ndlichen, \u00fcbergegangen. Seine Besch\u00e4ftigung nicht wechseln k\u00f6nnen gleicht einem Todesurteil. Und in diesem Augenblick ist der Distrikt von Dakka \u00fcberschwemmt von englischen Garnen und Geweben. Der Musselin von Dakka, in der ganzen Welt wegen seiner Sch\u00f6nheit und der Festigkeit seines Gewebes ber\u00fchmt, ist gleichfalls infolge der Konkurrenz der englischen Maschinen verschwunden. In der ganzen Geschichte des Gewerbes wird man vielleicht M\u00fche haben, \u00e4hnliche Leiden zu finden wie die, welche auf diese Weise ganze Klassen in Ostindien erdulden mu\u00dften.&#8220;<\/p>\n<p>Die Rede des Herrn Dr. Bowring ist umso bemerkenswerter, als die darin erw\u00e4hnten Tatsachen richtig sind und die Phrasen, mit denen er sie zu bem\u00e4nteln sucht, durchaus den Charakter der Heuchelei tragen, welche allen freih\u00e4ndlerischen Reden eigen ist. Er stellt die Arbeiter als Produktionsmittel hin, welche man durch weniger kostspielige Produktionsmittel ersetzen mu\u00df. Er tut so, als s\u00e4he er in der Arbeit, von der er spricht, eine ganz und gar ausnahmsweise Arbeit, und in der Maschine, welche die Weber ausgerottet hat, eine ebenfalls ausnahmsweise Maschine. Er vergi\u00dft, da\u00df es keine Handarbeit gibt, die nicht eines Tages vom Schicksal der Weberei betroffen werden kann.<\/p>\n<p>&#8222;Das best\u00e4ndige Ziel und die Tendenz jeder Vervollkommnung in der Mechanik besteht in der Tat darin, vollst\u00e4ndig die menschliche Arbeit entbehrlich zu machen oder ihren Preis zu vermindern, indem man die Arbeit von Frauen und Kindern an die Stelle der des erwachsenen m\u00e4nnlichen Arbeiters oder den einfachen Handlanger an die Stelle des geschickten Handarbeiters setzt. In der Mehrzahl der Spinnereien von Wassergarn, auf Englisch <em>throstle-mills, <\/em>wird das Spinnen lediglich von M\u00e4dchen von sechzehn Jahren und darunter &lt; Bei Andrew Ure &#8222;The Philosophy of Manufactures &#8230;&#8220;, London 1861, S. 23: upwards [dar\u00fcber]&gt; besorgt. Die Einf\u00fchrung des Selfaktors anstatt der Hand-Mule hat zur Folge die Entlassung der Mehrzahl der Spinner und die Beibehaltung von Kindern und jungen Leuten.&#8220;<\/p>\n<p>Diese Worte des leidenschaftlichsten Freih\u00e4ndlers, des Herrn Dr. Ure, sind geeignet, die Bekenntnisse des Herrn Bowring zu erg\u00e4nzen. Herr Bowring spricht von einigen individuellen Leiden und sagt gleichzeitig, da\u00df diese individuellen Leiden ganze Klassen zugrunde richten; spricht von vor\u00fcbergehenden Leiden in der Zeit des \u00dcberganges, und zu gleicher Zeit verheimlicht er nicht, da\u00df diese Leiden des \u00dcberganges f\u00fcr die Mehrzahl der \u00dcbergang vom Leben zum Tod gewesen sind und f\u00fcr den Rest der \u00dcbergang von einer besseren zu einer schlechteren Lage. Wenn er sp\u00e4ter sagt, da\u00df die Leiden dieser Arbeiter untrennbar sind vom Fortschritt der Industrie und notwendig f\u00fcr den nationalen Wohlstand, so sagt er einfach, da\u00df der Wohlstand der Bourgeoisklasse zur notwendigen Bedingung hat das Leiden der arbeitenden Klasse.<\/p>\n<p>Der ganze Trost, den Herr Bowring den Arbeitern spendet, die da umkommen, und \u00fcberhaupt die ganze Doktrin der Ausgleichung, welche die Freih\u00e4ndler aufstellen, l\u00e4uft auf folgendes hinaus:<\/p>\n<p>Ihr Tausende von Arbeitern, die ihr umkommt, verzagt nicht. Ihr k\u00f6nnt in aller Ruhe sterben. Eure Klasse wird nicht aussterben. Sie wird stets zahlreich genug sein, da\u00df das Kapital sie dezimieren kann, ohne bef\u00fcrchten zu m\u00fcssen, da\u00df es sie vernichtet. \u00dcbrigens, wie soll das Kapital eine n\u00fctzliche Verwendung finden, wenn es nicht Sorge tr\u00fcge, sich das Ausbeutungsmaterial, die Arbeiter, zu erhalten, um sie von neuem ausbeuten zu k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Aber warum ist es denn noch eine erst zu l\u00f6sende Frage, welchen Einflu\u00df die Verwirklichung des Freihandels auf die Lage der arbeitenden Klasse aus\u00fcben wird? Alle Gesetze, welche die \u00d6konomen von Quesnay bis Ricardo formuliert haben, sind auf der Voraussetzung aufgebaut, da\u00df die Schranken nicht mehr existieren, welche die Handelsfreiheit bisher noch beengen. Diese Gesetze bekr\u00e4ftigen sich in dem Ma\u00dfe, wie der Freihandel verwirklicht wird. Das erste dieser Gesetze sagt, da\u00df die Konkurrenz den Preis jeder Ware auf das Minimum ihrer Produktionskosten reduziert. Somit ist das Lohnminimum der nat\u00fcrliche Preis der Arbeit. Und was ist das Lohnminimum? Genau das, was n\u00f6tig ist, um die zum Unterhalt des Arbeiters unerl\u00e4\u00dflichen Gegenst\u00e4nde zu produzieren, um ihn in Stand zu setzen, sich durchzuschlagen und seine Klasse so viel wie n\u00f6tig fortzupflanzen.<\/p>\n<p>Glauben wir deshalb nicht, da\u00df der Arbeiter nur dieses Lohnminimum haben wird, glauben wir noch weniger, da\u00df er dieses Lohnminimum stets haben wird.<\/p>\n<p>Nein, nach diesem Gesetz wird die Arbeiterklasse zeitweilig gl\u00fccklicher sein. Sie wird zuweilen mehr als das Minimum haben, aber dieses Mehr wird nur die Ausgleichung von dem sein, was sie in Zeiten der industriellen Stockung weniger als das Minimum haben wird. Das will sagen: Wenn man in einem gewissen periodisch wiederkehrenden Zeitabschnitt, in jenem Kreislauf, den die Industrie beschreibt, indem sie nacheinander die Phasen von Prosperit\u00e4t, \u00dcberproduktion, Stagnation, Krise durchl\u00e4uft, alles zusammenrechnet, was die Arbeiterklasse \u00fcber und unter dem Notwendigen gehabt hat, so wird man sehen, da\u00df sie im ganzen weder mehr noch weniger als das Minimum gehabt hat: das hei\u00dft, die Arbeiterklasse wird als Klasse erhalten sein, nachdem sie soundso viel Elend, soundso viel Leiden durchgemacht, soundso viel Leichen auf dem Schlachtfeld der Industrie zur\u00fcckgelassen hat. Aber was verschl\u00e4gt das? Die Klasse besteht fort, und mehr als das, sie wird zugenommen haben.<\/p>\n<p>Das ist jedoch nicht alles. Der Fortschritt der Industrie liefert weniger kostspielige Existenzmittel. So hat der Schnaps das Bier, die Baumwolle Wolle und Leinen, die Kartoffel das Brot ersetzt.<\/p>\n<p>Da man stets Mittel findet, die Arbeit mit wohlfeileren und erb\u00e4rmlicheren Gegenst\u00e4nden zu ern\u00e4hren, so ist das Lohnminimum in stetem Sinken begriffen. Wenn dieser Lohn anfangs den Menschen arbeiten lie\u00df, um zu leben, l\u00e4\u00dft er ihn schlie\u00dflich auch noch leben, aber das Leben einer Maschine. Seine Existenz hat keinen anderen Wert als den einer einfachen Produktivkraft, und der Kapitalist behandelt ihn demgem\u00e4\u00df.<\/p>\n<p>Dieses Gesetz der Ware Arbeit, des Lohnminimums, bewahrheitet sich in dem Ma\u00dfe, wie die Voraussetzung der \u00d6konomen, der Freihandel, eine Wahrheit, eine Tatsache wird. So von zwei Dingen eines: Entweder mu\u00df man die ganze, auf die Voraussetzung des Freihandels begr\u00fcndete politische \u00d6konomie leugnen, oder man mu\u00df zugestehen, da\u00df die Arbeiter unter diesem Freihandel von der ganzen H\u00e4rte der \u00f6konomischen Gesetze getroffen werden.<\/p>\n<p>Um zusammenzufassen: Was ist also unter dem heutigen Gesellschaftszustand der Freihandel? Die Freiheit des Kapitals. Habt ihr die paar nationalen Schranken, die noch die freie Entwicklung des Kapitals einengen, eingerissen, so habt ihr lediglich seine T\u00e4tigkeit v\u00f6llig entfesselt. Solange ihr das Verh\u00e4ltnis von Lohnarbeit zu Kapital fortbestehen la\u00dft, mag der Austausch der Waren sich immerhin unter den g\u00fcnstigsten Bedingungen vollziehen, es wird stets eine Klasse geben, die ausbeutet, und eine, die ausgebeutet wird. Es wird einem wirklich schwer, die Anma\u00dfung der Freih\u00e4ndler zu begreifen, die sich einbilden, da\u00df die vorteilhaftere Verwendung des Kapitals den Gegensatz zwischen industriellen Kapitalisten und Lohnarbeitern verschwinden machen wird. Ganz im Gegenteil. Die einzige Folge wird sein, da\u00df der Gegensatz dieser beiden Klassen noch klarer zutage treten wird.<\/p>\n<p>Man nehme einen Augenblick an, da\u00df es keine Korngesetze, keine Gemeinde- und keine Staatsz\u00f6lle mehr g\u00e4be, mit einem Wort, da\u00df alle Nebenumst\u00e4nde, welche der Arbeiter heute noch f\u00fcr die Ursachen seiner elenden Lage halten kann, vollst\u00e4ndig verschwunden w\u00e4ren, und man wird ebenso viele Vorh\u00e4nge zerrissen haben, welche seinen Augen den wahren Feind verh\u00fcllten.<\/p>\n<p>Er wird sehen, da\u00df das frei gewordene Kapital ihn nicht minder zum Sklaven macht als das durch Zollschranken bel\u00e4stigte.<\/p>\n<p>Meine Herren! Lassen Sie sich nicht durch das abstrakte Wort <em>Freiheit <\/em>imponieren. Freiheit wessen? Es bedeutet nicht die Freiheit eines einzelnen Individuums gegen\u00fcber einem anderen Individuum. Es bedeutet die Freiheit, welche das Kapital genie\u00dft, den Arbeiter zu erdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Wozu wollen Sie die freie Konkurrenz noch durch diese Freiheitsidee sanktionieren, da doch diese Freiheitsidee selbst nur das Produkt eines auf der freien Konkurrenz beruhenden Zustandes ist?<\/p>\n<p>Wir haben gezeigt, was die Br\u00fcderlichkeit ist, welche der Freihandel zwischen den verschiedenen Klassen ein und derselben Nation hervorruft. Die Br\u00fcderlichkeit, welche der Freihandel zwischen den verschiedenen Nationen der Erde stiften w\u00fcrde, w\u00e4re schwerlich br\u00fcderlicher; die Ausbeutung in ihrer kosmopolitischen Gestaltung mit dem Namen der allgemeinen Br\u00fcderlichkeit zu bezeichnen ist eine Idee, die nur dem Scho\u00df der Bourgeoisie entspringen konnte. Alle destruktiven Erscheinungen, welche die freie Konkurrenz in dem Innern eines Landes zeitigt, wiederholen sich in noch riesigerem Umfange auf dem Weltmarkt. Wir brauchen uns nicht l\u00e4nger bei den Sophismen aufzuhalten, welche die Freih\u00e4ndler \u00fcber diesen Gegenstand ausspielen und die geradeso viel wert sind wie die Argumente unserer drei Laureaten, der Herren Hope, Morse und Greg.<\/p>\n<p>Man sagt uns zum Beispiel, da\u00df der Freihandel eine internationale Arbeitsteilung ins Leben rufen und damit jedem Lande eine mit seinen nat\u00fcrlichen Vorteilen harmonierende Produktion zuweisen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Sie glauben vielleicht, meine Herren, da\u00df die Produktion von Kaffee und Zucker die nat\u00fcrliche Bestimmung von Westindien sei.<\/p>\n<p>Vor zwei Jahrhunderten hatte die Natur, die sich nicht um den Handel k\u00fcmmert, dort weder Kaffeeb\u00e4ume noch Zuckerrohr gepflanzt.<\/p>\n<p>Und es wird vielleicht kein halbes Jahrhundert dauern, bis Sie dort weder Kaffee noch Zucker mehr finden. denn bereits hat Ostindien durch billigere Produktion gegen diese angeblich nat\u00fcrliche Bestimmung von Westindien den Kampf siegreich aufgenommen. Und dieses Westindien mit seinen nat\u00fcrlichen Reicht\u00fcmern ist bereits eine ebenso schwere Last f\u00fcr die Engl\u00e4nder wie die Weber von Dakka, die auch von Anbeginn der Zeiten bestimmt waren, mit der Hand zu weben.<\/p>\n<p>Noch ein Umstand darf dabei nie aus dem Auge gelassen werden: der n\u00e4mlich, da\u00df, wie alles Monopol geworden ist, es auch heute einige Industriezweige gibt, welche alle anderen beherrschen und den sie vorzugsweise betreibenden V\u00f6lkern die Herrschaft auf dem Weltmarkt sichern. So hat im internationalen Verkehr allein die Baumwolle eine viel gr\u00f6\u00dfere kommerzielle Bedeutung als alle anderen zur Anfertigung von Bekleidungsgegenst\u00e4nden verwendeten Rohstoffe zusammen. Es ist wahrhaft l\u00e4cherlich, wie die Freih\u00e4ndler auf die paar Spezialit\u00e4ten in jedem Industriezweig hinweisen, um sie gegen die Produkte des allt\u00e4glichen Gebrauches in die Waagschale zu werfen, die am billigsten in den L\u00e4ndern produziert werden, wo die Industrie am entwickeltsten ist.<\/p>\n<p>Wenn die Freih\u00e4ndler nicht begreifen k\u00f6nnen, wie ein Land sich auf Kosten des anderen bereichern kann, so brauchen wir uns dar\u00fcber nicht zu wundern, da dieselben Herren noch weniger begreifen wollen, wie innerhalb eines Landes eine Klasse sich auf Kosten einer anderen bereichern kann.<\/p>\n<p>Glauben Sie aber nicht, meine Herren, da\u00df, wenn wir die Handelsfreiheit kritisieren, wir die Absicht haben, das Schutzzollsystem zu verteidigen.<\/p>\n<p>Man kann den Konstitutionalismus bek\u00e4mpfen, ohne deshalb Freund des Absolutismus zu sein.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens ist das Schutzzollsystem nur ein Mittel, in einem Lande die Gro\u00dfindustrie aufzuziehen, das hei\u00dft, es vom Weltmarkt abh\u00e4ngig zu machen; und von dem Augenblick an, wo man vom Weltmarkt abh\u00e4ngt, h\u00e4ngt man schon mehr oder weniger vom Freihandel ab. Au\u00dferdem entwickelt das Schutzzollsystem die freie Konkurrenz im Innern eines Landes. Deshalb sehen wir, da\u00df in den L\u00e4ndern, wo die Bourgeoisie anf\u00e4ngt, sich als Klasse Geltung zu verschaffen, wie zum Beispiel in Deutschland, sie gro\u00dfe Anstrengungen macht, Schutzz\u00f6lle zu bekommen. Dieselben sind f\u00fcr sie Waffen gegen den Feudalismus und die absolute Staatsgewalt, sie sind f\u00fcr sie ein Mittel, ihre Kr\u00e4fte zu konzentrieren und den Freihandel im Innern des Landes selbst zu realisieren.<\/p>\n<p>Aber im Allgemeinen ist heutzutage das Schutzzollsystem konservativ, w\u00e4hrend das Freihandelssystem zerst\u00f6rend wirkt. Es zersetzt die bisherigen Nationalit\u00e4ten und treibt den Gegensatz zwischen Proletariat und Bourgeoisie auf die Spitze. Mit einem Wort, das System der Handelsfreiheit beschleunigt die soziale Revolution. Und nur in diesem revolution\u00e4ren Sinne, meine Herren, stimme ich f\u00fcr den Freihandel.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><em><a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me04\/me04_444.htm\">mlwerke.de&#8230;<\/a><\/em><em>\u00a0; der Text findet sich gedruckt in: Karl Marx &#8211; Friedrich Engels &#8211; Werke, Band 4, S. 444 \u2013 458, Dietz Verlag, Berlin\/DDR 1972<\/em><\/p>\n<p><em>Siehe dazu auch das Vorwort von Friedrich Engels: <\/em><a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me21\/me21_360.htm\">Vorwort von 1888<\/a><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Meine Herren! Die Abschaffung der Korngesetze in England ist der gr\u00f6\u00dfte Triumph, den der Freihandel im neunzehnten Jahrhundert errungen hat. In allen L\u00e4ndern, wo die Fabrikanten von Freihandel sprechen,<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7,5],"tags":[16,13,22,4],"class_list":["post-1539","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","category-kampagnen","tag-freihandel","tag-marx","tag-politische-oekonomie","tag-strategie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1539","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1539"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1539\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1540,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1539\/revisions\/1540"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1539"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1539"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1539"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}