{"id":1542,"date":"2016-10-10T08:40:53","date_gmt":"2016-10-10T06:40:53","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1542"},"modified":"2016-10-10T08:40:53","modified_gmt":"2016-10-10T06:40:53","slug":"fuer-eine-breite-aber-revolutionaere-und-proletarische-partei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1542","title":{"rendered":"F\u00fcr eine breite, aber revolution\u00e4re und proletarische Partei!"},"content":{"rendered":"<p><strong>Im Vorfeld der Gr\u00fcndung des Nouveau parti anticapitaliste (NPA), die vor allen durch die Ligue communiste r\u00e9volutionnaire (LCR) vorangetrieben wurde, kam es in dieser und in derer Umfeld zu einer regen Debatte, die vielleicht unter dem Titel \u00abneue Periode, neue Strategie, neue Partei\u00bb zusammengefasst werden kann;<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> immerhin stammt dieser Titel aus der inneren Debatte der LCR und des Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale in der zweiten H\u00e4lfte der 1990er-Jahre. In deren Zeitschrift \u00abCritique communiste\u00bb sind viele interessante und wegweisende Beitr\u00e4ge zu dieser Debatte abgedruckt. Diese Zeitschrift wurde mit der Gr\u00fcndung des NPA und der Aufl\u00f6sung der LCR mit der Nummer 188 vom Oktober 2008 konsequenterweise eingestellt.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir haben uns <\/strong><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?tag=breite-parteien\"><strong>an dieser Stelle<\/strong><\/a><strong> bereits einige Male <\/strong><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=851\"><strong>kritisch in diese Debatte<\/strong><\/a><strong> gemischt, die andernorts oder sp\u00e4ter in die Aufbaustrategie der sogenannten Breiten Parteien m\u00fcndete. Diese Debatte ist von hoher Aktualit\u00e4t. Erstens steht sie \u00fcberhaupt \u00a0im Zentrum eines revolution\u00e4ren politisch-organisatorischen Aufbauprojektes. Zweitens haben diese zentristischen Strategien in verheerende Niederlagen f\u00fcr die internationale Arbeiterklasse und vor allem f\u00fcr die revolution\u00e4re Linke gef\u00fchrt. Syriza in Griechenland ist nur das neueste und vielleicht tragischste Beispiel. Aber auch die NPA selbst wurde durch diesen Prozess schwer geschw\u00e4cht, wenn man ihren Zustand und Einfluss heute mit dem der LCR von vor zehn Jahren vergleicht. Ein entscheidender Grund f\u00fcr dieses Scheitern liegt unseres Erachtens in der mangelnden Verankerung dieser Strategien in der Arbeiterklasse und der letztendlichen Priorisierung von elektoralen Perspektiven.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir bringen im Folgenden einen Beitrag zur Debatte vor der Gr\u00fcndung des NPA von Huguette Chevireau aus der Fraktion l\u2019Etincelle von Lutte ouvri\u00e8re. Er wurde in Critque communiste 187 vom Juni 2008 unter dem Titel \u00abPour un parti large, r\u00e9volutionnaire et prol\u00e9tarien\u00bb ver\u00f6ffentlicht. Die \u00dcbersetzung ins Deutsche erfolgte \u2013 leicht gek\u00fcrzt &#8211; durch die Redaktion von maulwuerfe.ch<\/strong><\/p>\n<p><strong>&#8212;&#8212;<\/strong><\/p>\n<p>Die Genossinnen und Genossen der LCR haben uns gebeten, an dieser Debatte teilzunehmen. Wir nehmen dieses Angebot gerne an.<\/p>\n<p>Der Aufruf der LCR f\u00fcr die Gr\u00fcndung der neuen antikapitalistischen Partei erfolgt in einer Periode der versch\u00e4rften Klassenverh\u00e4ltnisse auf nationaler und internationaler Ebene. In Frankreich gesellt sich zu dieser Verh\u00e4rtung eine gewisse Radikalisierung der \u00f6ffentlichen Meinung, die sich seit zw\u00f6lf Jahren in einer elektoralen St\u00e4rkung der extremen Linken niederschl\u00e4gt, die zwischen 5 und 10 % erreicht. Und einer Sichtbarkeit von revolution\u00e4ren Aktivistinnen und Aktivisten, wie wir sie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr gekannt haben. Von daher ist die Initiative der LCR legitim.<\/p>\n<p><strong>Die Wahl der Begriffe<\/strong><\/p>\n<p>Aber seltsamerweise liessen sich diejenigen, die Olivier Besancenot (und vorher Arlette Laguiller) w\u00e4hlten durch Begriffe \u00abkommunistisch\u00bb und \u00abrevolution\u00e4r\u00bb nicht sonderlich abschrecken. Und genau in diesem Moment beweist die LCR eine befremdliche Vorsicht, wenn es darum geht, der neuen Partei einen Namen zu geben. Es geht nicht mehr um eine revolution\u00e4re Partei, eine zweifelsohne zu direkte Bezeichnung, sondern um eine \u00abPartei zur revolution\u00e4ren Umgestaltung der Gesellschaft\u00bb. Keine Rede mehr von einem \u00abSturz des Kapitalismus\u00bb, dies w\u00e4re zu klar, sondern von einem \u00abBruch mit dem Kapitalismus\u00bb, von einer \u00abErfindung des Sozialismus des 21. Jahrhunderts\u00bb. Kurzum, es geht um neue Spracherfindungen f\u00fcr versch\u00e4mte Revolution\u00e4rinnen und Revolution\u00e4re, die es vorziehen, eher \u00abdie Linke neu zu erfinden\u00bb als denn eine revolution\u00e4re Partei aufzubauen.<\/p>\n<p>Sicherlich beteuern die Genossinnen und Genossen der LCR, dass die Begriffe \u00abrevolution\u00e4r\u00bb und \u00abRevolution\u00bb \u00fcberhaupt nichts garantieren w\u00fcrden. Dies stimmt. Bis jetzt tauchten sie auch in den programmatischen Texten der Sozialistischen Partei auf. Aber muss die LCR diese Begriffe genau in dem Zeitpunkt ebenfalls entfernen, wo die Sozialistische Partei diese offiziell aus ihrem Programm entfernt? Davon sprechen ist keine Garantie. Aber nicht dar\u00fcber zu sprechen ist eine Botschaft.<\/p>\n<p>Die andere implizite Rechtfertigung all dieser Euphemismen und Umschreibungen besteht darin, niemanden auszuschliessen und alle in die neue Partei aufzunehmen, die von der Linken entt\u00e4uscht sind oder Gewerkschaftsaktivistinnen und -aktivisten, die sich nicht als Revolution\u00e4re betrachten. Das Problem besteht darin, dass dieses zu sch\u00f6ne Kalk\u00fcl nicht den Realit\u00e4ten in den Initiativkomitees entspricht. Wir bekommen oft den Eindruck, dass gerade die Genossinnen und Genossen der LCR einen eher zur\u00fcckhaltenden Diskurs bez\u00fcglich der Erwartungen der Teilnehmenden pflegen.<\/p>\n<p>Das \u00c4rgerliche an dieser terminologischen Zur\u00fcckhaltung, sei sie auch nur taktisch, liegt darin, dass den Begriffen trotz allem eine Bedeutung zukommt, und dass mit Hilfe von Euphemismen das gesamte Programm \u00fcberzuckert wird. Wenn von \u00abrevolution\u00e4rer Umgestaltung der Gesellschaft\u00bb gesprochen wird, so ist weder von sozialer Revolution noch von einem Sturz der politischen Macht der Bourgeoisie die Rede. Alle Welt kann sich in einem solchen Diskurs wiederfinden. Was das betrifft, so ist die effizienteste Macht der \u00abrevolution\u00e4ren Umgestaltung der Gesellschaft\u00bb der Kapitalismus selbst, der \u00fcber die vergangenen Jahrzehnte ohne Zweifel den gr\u00f6ssten Teil des Planeten unterworfen und proletarisiert hat. Innerhalb von vierzig Jahren, seit 1968, haben viele \u00abrevolution\u00e4re Umgestaltungen der Gesellschaft\u00bb stattgefunden\u2026, ausser jedoch die Revolution, die uns interessiert.<\/p>\n<p>Gleiches gilt f\u00fcr die \u00abNeuerfindung der Linken\u00bb. In der Sozialistischen Partei, von der man sich in erster Linie abgrenzen sollte, wollen auch alle \u00abdie Linke neu erfinden\u00bb. Mit dem Unterschied, dass die LCR \u00abnach links \u00e4ndern, nicht die Linke ver\u00e4ndern\u00bb will. Sei\u2019s drum. Aber welche neue Linke? Eine nicht klar und deutlich revolution\u00e4re Linke? Wie die Mehrheit der Linken, die sich in der Geschichte abgel\u00f6st haben? Nein, lassen uns die Genossinnen und Genossen der LCR wissen, denn dieses Mal muss man \u00abden Sozialismus des 21. Jahrhunderts neu erfinden\u00bb. Aber was heisst das denn, was muss neu erfunden werden? Geht es um eine Abgrenzung gegen\u00fcber dem Stalinismus? Dann muss man sich ohne Umschweife offen dem Trotzkismus zuwenden. Oder geht es etwa um Abstriche am revolution\u00e4ren Marxismus?<\/p>\n<p><strong>Reform oder Revolution?<\/strong><\/p>\n<p>Die alte Debatte um Reform oder Revolution wurde durch die Geschichte entschieden. Die weltweite Durchsetzung des Kapitalismus und damit seiner zerst\u00f6rerischen Eigenschaften auf die gesamte Menschheit und den Planeten hat \u2013 welche Feststellung! \u2013 ganz einfach den Hunger wieder auf die Traktandenliste gesetzt. Schon dies allein, sofern das noch n\u00f6tig ist, erfordert nicht nur \u00abeinen Bruch anzustreben\u00bb (viele Leute \u00abstreben einen Bruch an\u00bb, alle in der kleinen Nische ihrer Intervention), sondern hier wie \u00fcberall einen Sturz der herrschenden Kapitalistenklasse und des Staates, der diese verk\u00f6rpert. Das ist der ganze Unterschied zwischen den unterschiedlichen mehr oder weniger subversiven Formen des Widerstandes und der revolution\u00e4ren Orientierung. Das ist der ganze Unterschied zwischen gewerkschaftlichen und anderen sozialen Organisationen einerseits und einer revolution\u00e4ren Partei andererseits. Ja, es besteht die Notwendigkeit, ja, tats\u00e4chlich eine Dringlichkeit einer neuen Partei, die sich klar als revolution\u00e4r versteht.<\/p>\n<p>Schr\u00e4nkt dies etwa die Wirkung und die Reichweite der neuen Partei ein, die wir aufzubauen versuchen? W\u00fcrde dies ihre Dynamik beeintr\u00e4chtigen? Seit den 1980er-Jahren, insbesondere seit diesem \u00abtriumphierenden Kapitalismus\u00bb, der auf den Zusammenbruch der Sowjetunion gefolgt ist, haben die reformistischen Illusionen betr\u00e4chtlich an Boden verloren. Es ist kein Zufall, dass die Wahlergebnisse ein neues breites Interesse an der extremen Linken bekunden, anders gesagt f\u00fcr die revolution\u00e4re Linke. Von daher ist es richtig und notwendig, dass Revolution\u00e4rinnen und Revolution\u00e4re versuchen, neue, breitere Parteien aufzubauen, als die aktuell bestehenden Gruppierungen. Der gr\u00f6sste Fehler jedoch besteht im Glauben, dass durch eine Abschw\u00e4chung des politischen Profils mehr Stimmen angezogen werden k\u00f6nnten, als dies um Olivier Besancenot herum geschehen ist, der eine breite Sympathie und bestimmte Erwartungen geweckt hat.\u00a0 Die Zeit ist weder nach den lauen L\u00fcften wahltaktischer Man\u00f6ver noch nach flauschigen Konturen. Viele Gruppen der extremen Linken in Europa und in Lateinamerika sind aus solchen Versuchen nicht unbeschadet hervorgegangen.<\/p>\n<p>Es ist gut und notwendig, sich als von der institutionellen Linken unabh\u00e4ngig zu erkl\u00e4ren. Dies ist in der Tat die Minimalbedingung. Dies ist jedoch nur glaubw\u00fcrdig, wenn wir von Anbeginn an diejenige politische Terminologie w\u00e4hlen, f\u00fcr die sich diejenigen entscheiden, die heute sichtbar zu einem gewissen politischen Bewusstsein gelangen. F\u00fcrchten wir uns also nicht, f\u00fcr einen Beitritt in eine nicht nur antikapitalistische, sondern in eine revolution\u00e4re Partei aufzurufen. Dies w\u00e4re die erste \u00abstarke Botschaft\u00bb, die den Willen der neuen Partei aufzeigt, mit der \u00abdurch die F\u00fchrungen der Sozialistischen Partei und der Kommunistischen Partei verk\u00fcndeten Orientierung zu brechen\u00bb, wie es in einem Beitrag der LCR heisst.<\/p>\n<p><strong>Eine breite, das heisst eine proletarische Partei<\/strong><\/p>\n<p>In seinen ersten Aufrufen f\u00fcr die neue Partei hat Olivier Besancenot auf der Notwendigkeit bestanden, dass die neue Partei offen sei \u00abf\u00fcr die Namenlosen, die Jungen, die arbeitende Bev\u00f6lkerung\u00bb und dass sie in ihr Leben reinpasse. Wie nun die Genossinnen und Genossen der LCR neun Monate sp\u00e4ter die vorl\u00e4ufige Bilanz aus der Arbeit der Initiativkomitees ziehen, stellen sie eine der Hauptschw\u00e4chen des bisherigen Prozesses fest: die Mehrheit der Komitees ist um geografische Gegebenheiten herum organisiert, w\u00e4hrend die Anzahl der Sektor- oder Branchenkomitees \u00e4usserst marginal bleibt. Wohl verstanden, diese Feststellung enth\u00e4lt keinerlei Vorwurf. Die LCR besteht zu Recht auf der Notwendigkeit des Aufrufs zum Aufbau von Initiativkomitees, die auf Unternehmen und Industriebranchen abzielen und fordert die Aktivistinnen und Aktivisten zu einer entsprechenden volontaristischen Anstrengung auf.<\/p>\n<p>In Wirklichkeit handelt es sich um eine Grundsatzfrage \u00fcber die Natur der neuen Partei und ihre Priorit\u00e4ten. Beruft man sich auf eine proletarische Klassenpartei, sowohl was ihre Verankerung wie ihre Inhalte, ihre Art der Intervention, ihre politischen Ziele angeht? Sicherlich haben die geografisch ausgerichteten Komitees ihre Berechtigung, und sei dies nur, um die geografisch zerstreuten Lohnabh\u00e4ngigen kleiner Unternehmen, oder allgemeiner alle Arten von Proletarisierten, seien sie Handarbeiter oder Kopfarbeiter, mit oder ohne Arbeit, \u00fcber alle Generationen hinweg politisch zu organisieren. Der Klassenkampf wird von der Bourgeoisie auf vielen Terrains gef\u00fchrt und muss vom Proletariat deshalb ebenfalls auf vielen Terrains gef\u00fchrt werden: Wohnung, Bildung, Arbeitslosigkeit, Rechte der Einwanderer, gesellschaftliche und politische Diskriminierung aller Art\u2026 Aber das Terrain, wo sich die Lohnabh\u00e4ngigen den Unternehmern im Betrieb, im Unternehmen entgegenstellen, steht im Zentrum der Dynamik des Klassenkonfliktes. Die neue Partei wird nicht nur Einfluss haben, sondern vermittelt den K\u00e4mpfen in den Unternehmen und an den Arbeitspl\u00e4tzen eine politische, klassenk\u00e4mpferische Ausrichtung.<\/p>\n<p>Eine solche Verankerung ist selbstverst\u00e4ndlich nicht von Anfang gegeben noch kann sie sofort verwirklicht werden; sie erfordert eine voluntaristische Haltung der Aktivistinnen und Aktivisten der zuk\u00fcnftigen neuen Partei. Gerade dieser Voluntarismus ist es jedoch, der eine Dynamik erzeugt und viele Arbeiterinnen und Arbeitern motiviert, sich ihr anzuschliessen.<\/p>\n<p><strong>Eine demokratische und autonome Partei der Klasse<\/strong><\/p>\n<p>Die LCR empfiehlt in einem ihrer neuen Texte \u00abeine Partei, die die Unabh\u00e4ngigkeit der Gewerkschaftsgruppen und der sozialen Bewegungen respektiert\u00bb. Kurz vorher verurteilt sie die Anpassung der Gewerkschaftsf\u00fchrungen an \u00abden neuen Kapitalismus\u00bb. Was bedeutet denn nun der Anspruch der neuen Partei, die Politik der Gewerkschaftsapparate zu bek\u00e4mpfen, wenn dies notwendig ist? Wenn m\u00f6chte man da beruhigen? Die Gewerkschaftsaktivisten?\u00a0 Schliessen sich die Leute nicht gerade deshalb der neuen Partei an, weil sie sich von den Gewerkschaftsb\u00fcrokratien emanzipieren wollen? Und sofern sie sich dar\u00fcber nicht im Klaren sein sollten, muss man sie nicht gerade deshalb fortan davon \u00fcberzeugen? Eher als in diesem Punkt Abstriche zu machen, mit dem Risiko, dadurch die politische Zukunft der neuen Partei zu gef\u00e4hrden?<\/p>\n<p>Lasst uns nun \u00fcber Arbeiterdemokratie sprechen! Genauer \u00fcber die Demokratie w\u00e4hrend den K\u00e4mpfen, was f\u00fcr die neue Partei tats\u00e4chlich eine zentrale Frage sein wird.<\/p>\n<p>Der oben erw\u00e4hnte Text der LCR spricht vom \u00abKampf gegen die B\u00fcrokratie, die in der Arbeiterbewegung einen grossen Schaden angerichtet\u00bb habe. Um ihr das interne Regime der Partei entgegenzustellen? Das innere Regime der neuen Partei wird durchwegs demokratisch und nicht sektiererisch sein m\u00fcssen, da sind wir uns einig. Das Ziel der neuen Partei, ein grosser Teil ihres Programmes wird darin bestehen m\u00fcssen, die Instrumente zu schaffen, um gegen diese b\u00fcrokratischen Apparate vorzugehen, die der Arbeiterbewegung weiterhin grossen Schaden zuf\u00fcgen und zugef\u00fcgt haben, indem sie die Klassenk\u00e4mpfe immer wieder ersticken. Dies bedeutet, dass eine der wichtigsten Aufgaben der neuen Partei sein wird, ihre Aktivistinnen und Aktivisten bei ihren Interventionen anzuleiten, die Arbeiterinnen und Arbeiter in ihren K\u00e4mpfen demokratisch zu organisieren, so dass sie sich eigene Organe schaffen (Streikkomitees, Koordinationsstrukturen, zentrales Streikkomitee, regionale und nationale und sogar dar\u00fcberhinausgehende Koordinationsstrukturen, \u2026). Nur dies erm\u00f6glicht ihnen, die konservativen reformistischen Apparate hinter sich zu lassen. Genau darin liegt die revolution\u00e4re Strategie der Machteroberung durch die Arbeiterklasse, indem sie zuerst die F\u00fchrung ihrer eigenen K\u00e4mpfe in die Hand nimmt. Und die neue Partei spielt dabei eine \u00fcberragende Rolle.<\/p>\n<p>Dies ist ja genau die Rolle der Gewerkschaftsb\u00fcrokratien. Die K\u00e4mpfe einzud\u00e4mmen, abzulenken oder gar zu verraten. Deshalb liegt die Aufgabe einer Partei der Arbeiterklasse gerade darin, jedem Kampf dabei zu helfen, sei er lokal oder national, bis an die Grenze seiner M\u00f6glichkeiten zu gehen und sich dabei auf die demokratische Organisation der k\u00e4mpfenden Arbeiterinnen und Arbeiter zu st\u00fctzen. Wir ben\u00f6tigen also keine Unabh\u00e4ngigkeit von den Gewerkschaften und den Verb\u00e4nden (die jedenfalls durch die Existenz einer antikapitalistischen Partei in keiner Weise beeintr\u00e4chtigt w\u00fcrde), sondern gerade diejenige der Partei und ihrer Politik, einschliesslich dann, wenn es ihnen gegen\u00fcber um die Entwicklung einer Politik der Einheitsfront geht.<\/p>\n<p><strong>Die Partei der Zusammenf\u00fchrung und Verallgemeinerung der K\u00e4mpfe<\/strong><\/p>\n<p>Die aktuelle Schw\u00e4che der Arbeiterklasse ist nicht so sehr einer Abwesenheit ihres Kampwillens als vielmehr einer Verzettelung ihrer Reaktionen, die von den Gewerkschaftsf\u00fchrungen bewusst aufrechterhalten wird, w\u00e4hrend sie bez\u00fcglich des Inhalts der \u00abSarkozy-Reformen\u00bb genau gleich wie die Sozialistische Partei die Gem\u00fcter beruhigen will. Der aktuelle Stolperstein zwischen einer revolution\u00e4ren Politik und derjenigen der Gewerkschaftsapparate besteht gerade in der Verweigerung der Zentralisierung der lokalen und sektoriellen K\u00e4mpfe, diesem Eifer, die K\u00e4mpfe der Arbeiterinnen und Arbeiter und der Jugend zu zerst\u00fcckeln und zu spalten. Dies w\u00e4re auch der ganze Unterschied zwischen einer wirklich revolution\u00e4ren Partei und einer simplen \u00abantikapitalistischen\u00bb Formation, die auf nette Art verschiedene Formen des lokalen Widerstandes kontrolliert, ohne sich zentral denjenigen Kr\u00e4ften entgegenzustellen, die die Verallgemeinerung der K\u00e4mpfe behindert.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Arbeiterklasse geht es um die Schaffung eines politischen Instrumentes, um im nationalen Rahmen eine authentische Politik der Einheitsfront einzuleiten, damit die K\u00e4mpfe und die Mobilisierungen zusammengef\u00fchrt werden k\u00f6nnen und die Gewerkschaftsapparate wirklich herausgefordert werden k\u00f6nnen, falls sie sich von den Interessen der Arbeiterklasse abwenden. Es bleibt zuzusehen, ob die neue antikapitalistische Partei sich dieses Ziel setzt. Es ist jedenfalls das unsere.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Vorfeld der Gr\u00fcndung des Nouveau parti anticapitaliste (NPA), die vor allen durch die Ligue communiste r\u00e9volutionnaire (LCR) vorangetrieben wurde, kam es in dieser und in derer Umfeld zu einer regen Debatte, die vielleicht unter &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,6,7],"tags":[25,10,61,4],"class_list":["post-1542","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-arbeiterbewegung","tag-breite-parteien","tag-frankreich","tag-strategie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1542"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1542\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1543,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1542\/revisions\/1543"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}