{"id":1547,"date":"2016-10-13T09:14:39","date_gmt":"2016-10-13T07:14:39","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1547"},"modified":"2016-10-13T09:14:39","modified_gmt":"2016-10-13T07:14:39","slug":"hatay-wiege-der-zivilisation-an-der-grenze-zum-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1547","title":{"rendered":"Hatay: Wiege der Zivilisation an der Grenze zum Krieg"},"content":{"rendered":"<p><em>Alp Kayserilio\u011flu.<\/em> Hethiter, \u00c4gypter, Assyrer, Perser, R\u00f6mer, sp\u00e4ter dann Araber, die Byzantiner, die Kreuzfahrer, das Osmanische Reich, eine megakurze Periode der \u201eunabh\u00e4ngigen Republik\u201c und dann die T\u00fcrkei \u2013<!--more--> so in etwa alle altert\u00fcmlichen und neuzeitlichen V\u00f6lker und Zivilisationen der Region im weiteren Sinne haben sich in Hatay niedergelassen. Deshalb weist die Stadt und Region ein Erbe auf, was man zeitgen\u00f6ssisch \u201emultikulti\u201c nennen k\u00f6nnte. Die laut dem Vatikan \u00e4lteste christliche Kirche der Welt, die St.-Petrus-Grotte ist hier etwa zu finden, in der sich die verfolgten Fr\u00fchchrist*innen heimlich trafen. Auch viele andere christliche Kirchen (griechisch-orthodox, syrisch-orthodox, evangelisch, r\u00f6misch-katholisch) befinden sich hier, insbesondere in der Provinzhauptstadt Antakya, auch bekannt als Antioch. Das letzte armenische Dorf in der T\u00fcrkei, Vak\u0131fl\u0131, liegt ebenfalls in der Region Hatay und es leben sehr viele Araber*innen hier \u2013 alawitischer aber auch christlicher Konfession. Kulturell wie auch wirtschaftlich war insbesondere die Hauptstadt Antakya lange Zeit an Aleppo in Syrien gebunden. Das spiegelte sich eine Zeit lang im 19. Jh. auch politisch dahingehend wider, dass Hatay Teil der Provinz Aleppo war. Die ehemalige Provinz ist nun auf zwei L\u00e4nder verteilt, aber viele Familien haben nach wie vor Angeh\u00f6rige sowohl im syrischen als auch im t\u00fcrkischen Teil.<\/p>\n<p>Viele Menschen, insbesondere die Araber*innen und Christ*innen in Hatay, betrachten noch heute die T\u00fcrkei und Syrien nicht wirklich als einzelne L\u00e4nder, sondern gewisserma\u00dfen als unterschiedliche Regionen ein und desselben Landes. Bis vor Ausbruch des Krieges gingen die Menschen Antakyas teils mit Eintagesvisen regelm\u00e4\u00dfig nach Syrien ihre Familien besuchen oder Handel treiben. Hatay war die Region, die am unmittelbarsten von der t\u00fcrkisch-syrischen Ann\u00e4herung unter der AKP und den zahlreichen Handelsabkommen profitierte, die unter Erdo\u011fan geschlossen wurden. Der Handel intensivierte sich so stark, dass eine Schnellstra\u00dfe zwischen Hatay und Latakia gebaut wurde. Alles schien wie am Schn\u00fcrchen zu laufen \u2013 doch dann kamen der Krieg und die Jihadisten.<\/p>\n<p><strong>Zentrum des Schmuggels, Koordinationszentrum der Milit<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>roperationen<\/strong><\/p>\n<p>Der Handel, vor allem nach Syrien, brach ein. Andere wirtschaftliche Bereiche erhielten Zuwachs: Wie \u00fcberall in der T\u00fcrkei kamen die als billige Arbeitskr\u00e4fte genutzten syrischen Fl\u00fcchtlinge insbesondere der Landwirtschaft zugute. Auch andere Wirtschafts\u201esektoren\u201c bl\u00fchten auf, wie zum Beispiel der Schmuggel: Das Dorf Hac\u0131pa\u015fa in der Provinz Hatay ist wohl zum ber\u00fchmtesten Schmugglerdorf der T\u00fcrkei geworden. Laut Einsch\u00e4tzungen der lokalen Bev\u00f6lkerung beteiligten sich 70 bis 80 Prozent der Bev\u00f6lkerung des Dorfes am \u00d6lschmuggel. Plastikrohre wurden, offen f\u00fcr jeden ersichtlich, \u00fcber die Grenze verlegt, in allen H\u00e4usern wurde das \u00d6l in den Kellern gelagert und weiterverkauft. D\u00f6rfer im Umkreis beschwerten sich bei der Gendarmerie, dass ihnen der \u00d6lschmuggel verboten wurde, w\u00e4hrend er in Hac\u0131pa\u015fa florierte. Als dann die Gendarmerie nach Jahren doch einschritt, waren die Menschen in Hac\u0131pa\u015fa ganz sch\u00f6n w\u00fctend: Bis heute taten wir das vor euren Augen und ihr hattet nichts dagegen, jetzt soll es pl\u00f6tzlich illegal sein? Auch andere \u201eGesch\u00e4fte\u201c wurden get\u00e4tigt und haben aktuell Hochkonjunktur. So ist die \u201eVermittlung\u201c von syrischen Frauen an t\u00fcrkische M\u00e4nner zum letzten Schrei geworden: 700 bis 1000 Euro n\u00e4hme, so konnten wir herausfinden, einer der \u201ebekanntesten Vermittler\u201c in Reyhanl\u0131 f\u00fcr eine Vermittlung \u2013 \u201eje nachdem, wie sch\u00f6n sie ist.\u201c Der Kurs f\u00fcr Menschenschmuggel hingegen stehe seit geraumer Zeit eher schlecht, so bei 100 Dollar pro Person, wie Schmuggler berichten.<\/p>\n<p>Es war bei G\u00fcve\u00e7ci in der Provinz Hatay, wo am 29. April 2011 die ersten syrischen Fl\u00fcchtlinge in die T\u00fcrkei kamen. Millionen sollten ihnen folgen. Die Menschen flohen vor Krieg, Tod, Zerst\u00f6rung, Massakern, Armut \u2013 einige kamen aber auch, um ihre milit\u00e4rischen Operationen \u00fcber die T\u00fcrkei zu koordinieren: die FSA und die Jihadisten. Die FSA erkl\u00e4rte auf ihrer Homepage Hatay zu ihrem milit\u00e4rischen Zentrum und gab eine t\u00fcrkische Nummer als Kontakt an. Im Jahr 2012 bekam sie dann das Fl\u00fcchtlingslager Apayd\u0131n \u201egeschenkt\u201c: Hier kamen hochrangige Gener\u00e4le unter und koordinierten den Krieg in Syrien.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> Zu dieser Zeit liefen die Militanten offen mit Tarnhosen, FSA-Abzeichen und typischer jihadistischer Bartpflege (kein Schnurrbart, langer Bart) im Stadtzentrum von Antakya herum; Man konnte \u00fcberall Fahnen der FSA und sp\u00e4ter auch von IS- und al-Nusra-Fahnen wehen sehen, vor allem im Grenzdorf Reyhanl\u0131. Das \u00e4nderte sich erst, als es zu massivem Widerstand in der Bev\u00f6lkerung kam. Dazu gleich mehr.<\/p>\n<p>Insbesondere in der Provinz Hatay (und in Adana) sind seitdem noch so viele andere Geschichten \u00f6ffentlich geworden, dass einem regelrecht die Kinnlade herunterklappt, wenn man dennoch irgendwo liest oder h\u00f6rt, dass es ja \u201ekeine Beweise\u201c f\u00fcr die Zusammenarbeit der T\u00fcrkei mit den Jihadisten g\u00e4be. Ich liste hier noch einmal nur die aller krassesten Beweise auf.<\/p>\n<p>Fangen wir an mit den \u201eLKW-Hilfskonvois\u201c. Die verkehren noch heute \u00fcberall an der Grenze. Wir selbst z\u00e4hlen am Grenz\u00fcbergang bei Cilveg\u00f6z\u00fc dutzende wei\u00dfer LKWs, die darauf warten, nach Syrien hin\u00fcbergelassen zu werden. Die andere Seite wird laut \u00fcbereinstimmenden Medien- und Augenzeugenberichten von al-Nusra und al-Sham dominiert. Auch dazu gleich mehr.<\/p>\n<p>Die t\u00fcrkische Regierung redet von \u201ehumanit\u00e4ren Hilfslieferungen\u201c. Die Realit\u00e4t ist offensichtlich eine andere. Am 7. November 2013 wird bei Adana ein LKW-Konvoi mit M\u00f6rsergranaten und Raketen aufgehalten.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> Er befindet sich auf dem Weg nach Syrien, die Munition wurde in Konya und Adana hergestellt. Erdo\u011fan spricht darauffolgend davon, dass die Unterbindung dieses Transports die Sensibilit\u00e4t der T\u00fcrkei f\u00fcr die Thematik bezeuge. Erdo\u011fans Sensibilit\u00e4t konnte man bei allen folgenden Waffenlieferungen, die aufgeflogen sind, bewundern. Aber auch, was diesen Transport angeht, stellt sich aufgrund der Aussagen der LKW-Fahrer und Munitionshersteller heraus: Dies ist keine einmalige Lieferung, sondern hat System. So w\u00fcrden die Konvois normalerweise von Autos begleitet, die bei jedem Gendarmerie-Kontrollpunkt daf\u00fcr sorgen, dass die LKWs nicht untersucht werden. Einer der Munitionshersteller gibt an, dass sie die Auftr\u00e4ge von einem gewissen Heysem Topalca erhalten. Nicht nur hei\u00dft es im betreffenden Gerichtsbeschluss zur Angelegenheit, dass ein Untersuchungsbericht der Sicherheitsbeh\u00f6rden vorl\u00e4ge, aus dem hervorgeht, dass die Munition in al-Qaida Lager direkt auf der syrischen Seite verfrachtet worden sei. Auch der besagte Heysem Topalca ist den Beh\u00f6rden kein Unbekannter. In einem Bericht der Generalkommandatur der Gendarmerie vom 9. Juni 2014 hei\u00dft es, dass Topalca andauernd historische Gegenst\u00e4nde aus Syrien in der T\u00fcrkei verkaufe, Waffen und Munition an al-Nusra und al-Qaida in Syrien \u00fcbergebe und auch derjenige gewesen sei, der das Tatfahrzeug f\u00fcr den Selbstmordanschlag von Reyhanl\u0131<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> organisiert h\u00e4tte. In einem anderen Bericht des Pr\u00e4sidiums der Anti-Terror-Abteilung des Polizeigeneraldirektorats wird aufgelistet, dass Topalca zwischen 2011 und 2014 873 mal von Syrien in die T\u00fcrkei ein- und wieder ausreiste.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a><\/p>\n<p>Am 1. Januar 2014 dann flogen LKW-Lieferungen in der Provinz Hatay auf, die unmittelbar dem Geheimdienst unterstanden. Wie das ersichtlich war? Sie wurden von Geheimdienstmitarbeitern begleitet! Der zust\u00e4ndige Staatsanwalt in K\u0131r\u0131khan, Ya\u015far Kavalc\u0131o\u011flu, wurde bei der Untersuchung behindert, unter anderem vom Provinzgouverneur Selahattin Lekesiz.<\/p>\n<p>Am 19. Januar 2016 wurde endg\u00fcltig klar, was sich alles so in Geheimdienst-LKWs r\u00fcber nach Syrien bewegte: Flugabwehrkanonen des Typs Dotchka, Raketen und M\u00f6rsergranaten.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a> Bilder und Videos der Untersuchung und der Waffen wurden sp\u00e4ter in der Zeitung <em>Cumhuriyet<\/em> ver\u00f6ffentlicht, was dazu f\u00fchrte, dass der Chefredakteur Can D\u00fcndar und der Ankara-B\u00fcroleiter Erdem G\u00fcl unter dem Vorwurf der Spionage und des Verrats von Staatsgeheimnissen angeklagt wurden. Der zust\u00e4ndige Generalstaatsanwalt der Provinz Adana, \u00d6zcan \u015ei\u015fman, blieb jedoch hartn\u00e4ckig. Er konnte in diesem Fall eine teilweise Untersuchung der Ladungen forcieren, bevor er und die ihm unterstehenden Gendarmen von Geheimdienstmitarbeitern, dem Provinzgouverneur von Adana, dem Abteilungsleiter des Geheimdienstes in Adana und dem Provinzkommandanten der Gendarmerie von weiteren Untersuchungen abgehalten wurden. Die hohe Politik polterte f\u00fcrchterlich, Erdo\u011fan h\u00f6chstpers\u00f6nlich schaltete sich ein und sprach im Befehlston: \u201eDas waren Lastwagen des Geheimdienstes, die darfst Du nicht untersuchen, Du hast kein Recht dazu.\u201c Alle an der Untersuchung involvierten Beamten (der Staatsanwalt, seine Mitarbeiter und die Gendarmen) wurden angeklagt und unter anderem wegen Verrat von Staatsgeheimnissen inhaftiert.<\/p>\n<p>Auch wissen wir von milit\u00e4rischer und logistischer Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Jihadisten seitens der T\u00fcrkei. Im M\u00e4rz 2014 st\u00fcrmte die sogenannte \u201eBay\u0131rbucak Turkmenen Brigade\u201c gemeinsam mit der al-Nusra und der Islamischen Front das gr\u00f6\u00dftenteils armenische Dorf Kesab in Syrien direkt gegen\u00fcber von Yaylada\u011f\u0131 in der T\u00fcrkei. Sie massakrierten Alawit*innen, vertrieben die Armenier*innen, rissen das Kreuz der Kirche herunter und pl\u00fcnderten die H\u00e4user. In einem Gerichtsverfahren bez\u00fcglich eines Angriffs von IS-Militanten auf t\u00fcrkische Sicherheitskr\u00e4fte wurden abgeh\u00f6rte Gespr\u00e4che als Beweismaterial aufgenommen, die B\u00e4nde sprechen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> Einer der wichtigsten Kommandanten der turkmenischen Brigade, Adil Orli, und der t\u00fcrkische MHP-Militante Ya\u015far Benli kommunizieren hier von der syrischen Seite aus mit dem Bruder von Adil Orli, Ayhan Orli, mit dem AKP-Abgeordneten Mehmet Tokta\u015f und mit dem damaligen Gouverneur des Distrikts Yaylada\u011f\u0131, Turan Y\u0131lmaz, alle drei auf der t\u00fcrkischen Seite. In den Gespr\u00e4chen geben Adil Orli und Benli die Koordinaten der syrischen Armee durch, die kurz daraufhin von t\u00fcrkischer schwerer Artillerie unter Beschuss genommen wird. Gleichzeitig erbitten sie um Hilfe beim Grenz\u00fcbertritt von Militanten. In einem anderen Gespr\u00e4ch fragt Tokta\u015f bei Ayhan Orli nach, ob sie immer noch nicht \u201evon Ankara\u201c kontaktiert worden seien bez\u00fcglich Munition, was Orli verneint. Tokta\u015f entgegnet w\u00f6rtlich mit \u201eDiese Hurens\u00f6hne. Ich ficke ihre M\u00fctter\u201c und k\u00fcndigt an, nochmal \u201emit Ankara\u201c bez\u00fcglich den Munitionslieferungen zu sprechen, weil sonst \u201ealles umsonst\u201c sei.<\/p>\n<p><strong>Die Spitze des Eisbergs und der Rest<\/strong><\/p>\n<p>Das sind nur einige der gr\u00f6\u00dferen Skandale, die allein in Hatay und Adana \u00f6ffentlich wurden. Es ist wahrscheinlich, dass innerstaatliche Spaltungen daf\u00fcr sorgten, dass die Spitze des Eisbergs f\u00fcr einige kurze Momente f\u00fcr alle klar ersichtlich war. Wer sonst im Land au\u00dfer staatlichen Stellen kann solche Geschichten so derma\u00dfen auffliegen lassen? Und wer wei\u00df, was es noch an gr\u00f6\u00dferen Kooperationen so gab und gibt? Millionen kleinerer Geschichten jedenfalls sind von der lokalen Bev\u00f6lkerung, lokalen oppositionellen Politiker*innen und Journalist*innen erw\u00e4hnt, aufgedeckt und skandalisiert worden. Solche \u201enormalen\u201c Leute haben dann nat\u00fcrlich nicht die betreffenden Mittel und zu gro\u00dfe Furcht vor Verfolgung und Repression, um das an die gro\u00dfe Glocke zu h\u00e4ngen oder das Nachhaken zu forcieren.<\/p>\n<p>Geschichten von Fremden, die im Restaurant oder im Minibus mit \u201ewir sind G\u00e4ste von Erdo\u011fan\u201c die Rechnung nicht zahlen, h\u00f6rt man oft. Oder die von zumeist alawitischen \u00c4rzt*innen in den staatlichen Krankenh\u00e4usern, die davon berichten, wie verletzte Jihadisten sich weigerten, von Alawit*innen behandelt zu werden. Die verletzten Jihadisten kamen anfangs in voller Kampfmontur ins Krankenhaus, was zu gro\u00dfer Furcht beim Krankenhauspersonal f\u00fchrte. Die Gewerkschafterin Merve Nur Varhan berichtet davon, dass die Jihadisten auch Handgranaten mit ins Krankenhaus brachten. Am 18. Februar 2015 etwa rollt einem Jihadisten w\u00e4hrend der Aufnahme in die Notfallabteilung eine Handgranate aus der Tasche. Sie geht zum Gl\u00fcck nicht hoch. Am n\u00e4chsten Tag gibt es Proteste des Krankenhauspersonals wegen mangelnder Sicherheitsvorkehrungen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a> Bei Nacht ging, vor allem in den Hochphasen der K\u00e4mpfe auf der anderen Seite, in t\u00fcrkischen Grenzst\u00e4dten pl\u00f6tzlich der Strom aus, die Funknetze wurden abgeschaltet und zahlreiche abgedunkelte Busse fuhren \u00fcber die t\u00fcrkisch-syrische Grenze. Immer wieder sieht man, auch w\u00e4hrend unseres Aufenthaltes, Krankenwagen in beide Richtungen der Grenze hin- und her flitzen, die verwundete K\u00e4mpfer in t\u00fcrkische Krankenh\u00e4user transportieren.<\/p>\n<p>Der Hatay-Abgeordnete der CHP, Mehmet Ali Edipo\u011flu, hatte viele solcher Einzelf\u00e4lle gesammelt und ins Parlament getragen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a> Nichts ist dabei rausgekommen. Dabei dokumentierte er sogar bis ins Detail, in welchen Hotels die nach Hatay angeflogenen Militanten unterkommen und ihre Treffen abhalten (z.B. mitten im Zentrum von Antakya folgende Hotels: Ottoman Hotel, B\u00fcy\u00fck Antakya Oteli, Narin Otel). Am Flughafen hielt er mehrmals fest, wie gleichzeitig mehrere hundert arabisch sprechende Personen bei Nacht landeten und noch beim Ausstieg aus dem Flugzeug von Minibussen mit abgedunkelten Fenstern abgeholt und sofort Richtung Grenze transportiert wurden. Die Verantwortlichen am Flughafen antworteten Edipo\u011flu, der sie nach den Vorf\u00e4llen fragt, mit: \u201eTut uns leid, Instruktionen vom Au\u00dfenministerium und dem Pr\u00e4sidialamt.\u201c \u00c4hnlich abweisend antworteten ihm die Verantwortlichen des Milit\u00e4rpostens im Dorf B\u00fck\u00fclmez, die den dortigen Grenz\u00fcbergang kontrollieren. Auch hier hat Edipo\u011flu mehrere Aufnahmen von Minibussen gemacht, die Personen hin\u00fcberbringen. Die Milit\u00e4rs antworten ihm: \u201eStellen Sie uns keine Fragen, richten Sie sich an den Gouverneur.\u201c Der lehnte nat\u00fcrlich alles ab.<\/p>\n<p>Dabei wusste der damalige Gouverneur, Celalettin Lekesiz, bis ins letzte Detail von diesen Unternehmungen, wie ein geheimer Bericht von ihm ans Innenministerium aus dem M\u00e4rz 2014 bezeugt<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a>: Er berichtet dem Innenministerium, dass IS Militante \u00fcber Istanbul legal in die T\u00fcrkei einreisen, um dort nach \u015eanl\u0131urfa, Kilis, Gaziantep oder Kilis weiterzureisen. Dort tr\u00e4fen sie sich mit lokalen Kollaborateuren und Schleusern, die sie dann wiederum in Dreier bis F\u00fcnfer-Gr\u00fcppchen nach Syrien bringen w\u00fcrden. Er nennt dieselben D\u00f6rfer und Grenztore, welche die Jihadisten zum \u00dcberqueren der Grenze nutzen, wie alle anderen auch (G\u00fcve\u00e7ci, B\u00fck\u00fclmez, usw.) und wei\u00df von einem wichtigen Treffen, das 150 ISler, die zuvor illegal die Grenze \u00fcberquerten, im Kent Hotel in Reyhanl\u0131 abhielten. Geholfen hat dieser Bericht scheinbar nicht.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt sprechen auch die Rebellen selbst \u00fcber die f\u00fcr Jihadisten \u00e4u\u00dferst durchl\u00e4ssigen Grenzen. Wie zum Beispiel einer der wichtigsten Schmuggler der Gegend, Abdurrahman el Helak, der davon erz\u00e4hlt, dass der CIA Waffen \u00fcber Antakya nach Syrien bringt \u2013 und auch, welche Waffen dies sind.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a><\/p>\n<p><strong>Grenzgebiete des Menschlichen<\/strong><\/p>\n<p>Die t\u00fcrkische-syrische Grenze in der Provinz Hatay, das ist die H\u00f6lle, das Grenzgebiet des Menschlichen. Auf der einen Seite die Jihadisten, Kollaborateure, Menschenschmuggler und Geheimdienstler, die alles tun, um den Krieg weiter zu befeuern; auf der anderen Seite das unendliche Elend, der Hohn auf alles Gelaber von der Menschlichkeit: die Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<p>Ende November 2015, als Russland vehementer in den Krieg intervenierte, und dann wieder ab dem 3. Februar 2016, als die Hauptverbindungslinie zwischen Gaziantep und Aleppo seitens der syrischen Armee gekappt wurde, nahm, laut zwei Berichten der Volksr\u00e4te in Hatay, die Massenflucht vor allem \u00fcber den Grenz\u00fcbergang G\u00fcve\u00e7ci bei Yaylada\u011f\u0131 zu.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a> Dabei, so Quellen aus der lokalen Bev\u00f6lkerung, seien die meisten gar keine Turkmen*innen gewesen, wie es die t\u00fcrkische Regierung behauptete. Unter den damals in die T\u00fcrkei geflohenen sei ein signifikanter Anteil K\u00e4mpfer gewesen. Kurze Zeit sp\u00e4ter sei es in der Region gesch\u00e4ftig zugegangen: pl\u00f6tzlich fuhren gepanzerte zivile und milit\u00e4rische Fahrzeuge in der Gegend, die wei\u00dfen LKWs waren wieder \u00fcberall.<\/p>\n<p>Die lokale Bev\u00f6lkerung, aber auch Fl\u00fcchtlinge, geben an, dass zum Beispiel das Atme-Lager direkt gegen\u00fcber von B\u00fck\u00fclmez von der jihadistischen al-Nusra und Ahrar al-Sham dominiert wird. Fl\u00fcchtlinge berichten zus\u00e4tzlich davon, dass sie in dieses Lager abgeschoben wurden, auch wenn sie an ganz anderer Stelle versucht haben, in die T\u00fcrkei zu kommen. Allerdings l\u00e4uft auch unter den Jihadisten nicht alles glatt: kurz nachdem am Abend des 14. August 2016 mal wieder ein mutma\u00dflicher Geheimdienstkonvoi die Grenze nach Syrien \u00fcberquert hat und in das Lager von Atme hineinf\u00e4hrt, sprengt sich ein Selbstmordattent\u00e4ter des IS dort in die Luft. Mindestens 35 Menschen sterben. Schaut man sich an, welche jihadistischen Brigaden sich zu dieser Zeit zwecks Vorbereitung und Abl\u00f6sung im Lager befanden, wird deutlich, dass es gr\u00f6\u00dftenteils genau diejenigen Brigaden sind, die derzeit mit der T\u00fcrkei in Nordsyrien einmarschieren: Sultan Murat Brigade, Nurettin Zengi Brigade, Liva el-Hamza usw.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a> Auf die Bombenexplosion angesprochen, schaut der D\u00f6nerladenbesitzer in Reyhanl\u0131, mit dem wir sprechen, kurz verdutzt und meint dann: \u201eAchso das. Na, das ist hier ja mittlerweile Normalit\u00e4t geworden.\u201c So normal, dass sich die exakt selbe Geschichte erst k\u00fcrzlich Anfang Oktober nochmal wiederholte, diesmal mit mindestens 20 Toten.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn13\" name=\"_ednref13\">[xiii]<\/a><\/p>\n<p>Wir treffen uns mit einem t\u00fcrkisch-arabischen Arbeiter, der an unterschiedlichen Orten beim Bau der t\u00fcrkischen Grenzmauer besch\u00e4ftigt war. Er m\u00f6chte nat\u00fcrlich anonym bleiben. Er hatte viel Kontakt zu den Gefl\u00fcchteten. Sie liefen bis an die sich im Bau befindliche Grenzmauer heran und er konnte solange mit ihnen reden, bis die Soldaten sie vertrieben. \u201eEs ist nichts weniger als eine Menschheitstrag\u00f6die, was diese Menschen durchmachen m\u00fcssen\u201c, so sein Kommentar. Die Gefl\u00fcchteten erz\u00e4hlen davon, dass der Gro\u00dfteil der humanit\u00e4ren Hilfen f\u00fcr die Lager an die jihadistischen Militanten geht. Die wiederum w\u00fcrden sie erpressen: Entweder kauft ihr uns das Zeug ab oder geht f\u00fcr uns k\u00e4mpfen, sonst gibt\u2019s nichts f\u00fcr euch. Aufgrund von Wassermangel w\u00fcrden sie ihre Sachen im Kanalisationswasser waschen. Teils h\u00e4tten Hunderte von Gefl\u00fcchteten t\u00e4glich versucht die Grenze zu \u00fcberqueren. Die syrische Seite der Grenze sei voll gewesen mit den letzten Sachen, die die Fliehenden noch besa\u00dfen und die sie im letzten Augenblick wegwarfen, um noch schnell genug \u00fcber die Grenze zu kommen. Daf\u00fcr h\u00e4tten sie sich durch Sumpf, Schlamm und Stacheldraht k\u00e4mpfen m\u00fcssen und h\u00e4tten sich infolgedessen in f\u00fcrchterlicher Verfassung befunden. Nur um dann auf t\u00fcrkischer Seite von der Gendarmerie festgehalten und am n\u00e4chsten Tag einfach wieder scharenweise in dasselbe Lager zur\u00fcckgeschickt zu werden \u2013 zu den Jihadisten, vor denen sie geflohen waren.<\/p>\n<p>Auch die Jihadisten h\u00f6rt er oft genug. Als weitgereister Mensch kennt er viele arabische Akzente und Dialekte weltweit. Seine Einsch\u00e4tzung deckt sich mit anderen: An den Akzenten meint er K\u00e4mpfer aus Bangladesch, Indien, Pakistan, Afghanistan und vielen anderen L\u00e4ndern erkannt zu haben.<\/p>\n<p><strong>Von Indifferenz zu Widerstand und <\/strong><strong>\u201e<\/strong><strong>es lebe Assad!<\/strong><strong>\u201c<\/strong> <strong>\u2013<\/strong><strong> die alawitische Gemeinde<\/strong><\/p>\n<p>Am meisten besorgt, aber zugleich auch am k\u00e4mpferischsten ist sicherlich die alawitische Gemeinde in Hatay. Die Region geh\u00f6rt zum alawitischen Kernland, die Gemeinde ist stark. Traditionell geh\u00f6ren Alevit*innen und Alawit*innen in der T\u00fcrkei zu den aufst\u00e4ndischsten und kommunalsten Elementen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn14\" name=\"_ednref14\">[xiv]<\/a> Ihre Religion ist nicht anerkannt, sie werden entweder einfach als (nat\u00fcrlich sunnitische) \u201eMoslems\u201c bezeichnet \u2013 oder gleich direkt als Ketzer*innen an den Pranger gestellt. Bei zahlreichen Massakern in der Republiksgeschichte, die Alevit*innen zum Ziel hatten, wurde demjenigen oder derjenigen, der\/die sie t\u00f6tete, das Paradies versprochen. Nicht per Zufall bildeten und bilden Alevit*innen und Alawit*innen nach wie vor eine der Hauptquellen der t\u00fcrkischen revolution\u00e4ren Linken. Es ist ebenfalls kein Zufall, dass die heftigsten Aufst\u00e4nde w\u00e4hrend der Gezi-Revolte 2013 in Antakya stattfanden \u2013 und dass alle sieben Toten der Gezi-Revolte Aleviten waren.<\/p>\n<p>Der Syrienkrieg hatte auch sofort unmittelbare Auswirkungen auf die alawitische Gemeinde in Hatay \u2013 es werden verst\u00e4rkte \u00dcbergriffe und Verfolgung bef\u00fcrchtet. Islamistische Banden auf syrischer Seite machten von Anfang an deutlich, dass sie unter anderem eine Vernichtung der Alawit*innen (oft auch absch\u00e4tzig Nusairier genannt) anstreben. Schon 2011 rief Mamoun al-Homsi, eine wichtige F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit der Muslimbr\u00fcder in Syrien, die Alawit*innen dazu auf, sich von al-Assad zu distanzieren, ansonsten w\u00fcrde Syrien zu einem \u201ealawitischen Grab\u201c werden.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn15\" name=\"_ednref15\">[xv]<\/a> Danach wurde der Slogan \u201eAlawiten ins Grab, Christen nach Beirut\u201c popul\u00e4r. Al-Homsi hingegen durfte sich als \u201eFl\u00fcchtling\u201c in der T\u00fcrkei aufhalten.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn16\" name=\"_ednref16\">[xvi]<\/a> Im M\u00e4rz 2013 l\u00e4sst der FSA-Kommandant Abu Sakkar ein Video von sich aufnehmen, wie er das Herz eines get\u00f6teten Soldaten isst und ruft dabei: \u201eSchlachtet die Alawiten und esst ihre Herzen!\u201c Der al-Nusra F\u00fchrer al-Julani rief im Oktober 2015 dazu auf, \u201eden Krieg zu eskalieren\u201c und alawitische D\u00f6rfer und St\u00e4dte gezielt anzugreifen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn17\" name=\"_ednref17\">[xvii]<\/a> Den Hassreden folgen Taten: die Massaker von Jisr al-Shughur (Juni 2011), von Aqrab (Dezember 2012), von Hatla (Juni 2013) und viele, viele mehr. Einige dieser Massaker wurden offen als \u201eAusl\u00f6schung der Alawiten\u201c gefeiert, die Videos davon hochgeladen. Milit\u00e4rische aber auch verbale Unterst\u00fctzung erhielten sie von Katar und Saudi Arabien: Schon 2012 riefen eine Reihe an saudischen Klerikern dazu auf, \u201eal-Assad und seine schiitischen Verb\u00fcndeten abzuschlachten\u201c <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn18\" name=\"_ednref18\">[xviii]<\/a>, 2015 wurden diese Kleriker vom Emir von Katar, al-Thani, feierlich empfangen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn19\" name=\"_ednref19\">[xix]<\/a> Die t\u00fcrkische Revolverpresse machte mit. Zeitungen wie <em>Yeni Akit<\/em> und <em>Ayd\u0131nl\u0131k<\/em> oder den Islamisten nahestehende Internetportale wie <em>islahhaber.com<\/em> berichteten etwa dar\u00fcber, dass die \u201eNusairer\u201c Sunnit*innen in der T\u00fcrkei (!) t\u00f6ten (!) w\u00fcrden und keine Moslems seien usw. Auch der gemeinschaftliche Pr\u00e4sidentschaftskandidat der CHP und MHP, der Islamist Ekmeleddin Ihsano\u011flu, grenzte 2014 die t\u00fcrkischen Alevit*innen von den \u201eNusairiern\u201c ab, die nach seiner Meinung etwas \u201eganz Anderes\u201c seien.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn20\" name=\"_ednref20\">[xx]<\/a><\/p>\n<p>Da verwundert es wenig, dass die alawitische Gemeinde fuchsteufelswild dar\u00fcber war, dass die ganze Zeit Jihadisten in der Provinz Hatay verkehrten und offensichtlich Unterst\u00fctzung von der T\u00fcrkei erhielten. Am 1. September 2012, dem Weltfriedenstag, trug sich trotz Demonstrationsverbot in Antakya die Wut auf die Stra\u00dfe. Tausende von Menschen, zumeist Alawit*innen, f\u00fcllten die gesamte Saraystra\u00dfe, die Haupteinkaufsmeile im Zentrum. Sie demonstrierten gegen die Jihadisten, die damals ja noch recht offen im Stadtgebiet rumliefen. In den t\u00fcrkischen Mainstreammedien wurde die Demonstration als \u201epro-Assad Manifestation\u201c verunglimpft. Dabei beschr\u00e4nkte sich der Unmut gar nicht allein auf Alawit*innen und schon gar nicht auf Assad-Anh\u00e4nger*innen. Auch sunnitische Bezirksvorsteher beschwerten sich \u00fcber die starke jihadistische Pr\u00e4senz und sprachen \u00f6ffentlich davon, dass sie sich nicht mehr sicher genug f\u00fchlten um aus ihren H\u00e4usern zu gehen.<\/p>\n<p>In derselben Nacht noch wurden Tausende Menschen vom Stadtzentrum in entlegenere Fl\u00fcchtlingslager gebracht und im Stadtzentrum sah man keine Milit\u00e4runiformen und M\u00e4nner mit jihadistischer Bartpflege mehr. Seitdem achtet der Staat auch darauf, dass insbesondere die jihadistischen Elemente nicht mehr in oder in der N\u00e4he von alawitischen Siedlungsgebieten untergebracht werden, damit die jihadistische Pr\u00e4senz nicht mehr so auff\u00e4llt.<\/p>\n<p>Dass die Gefahr durch die Taktik, die Jihadisten einfach nur \u201eunsichtbar zu machen\u201c, nicht zur\u00fcckgegangen ist, zeigen die Entwicklungen der letzten Jahre. W\u00e4hrend der sogenannten \u201eDemokratiewachen\u201c im Juli 2016 versuchten Aggressoren das linke, alawitische Viertel Armutlu von Antakya zu st\u00fcrmen. Die Slogans waren <em>tekbir<\/em> und das aus dem Syrienkrieg ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigte \u201eAlawiten ins Grab, Christen nach Beirut\u201c. Die Polizei intervenierte anfangs nicht. Die Alawit*innen verteidigten sich selbst, indem sie Barrikaden bauten und die Angreifer zur\u00fcckschlugen.<\/p>\n<p>Dann flog erst neulich auf, dass ein leerstehendes Geb\u00e4ude in der N\u00e4he des Zentrums als Abschiebezentrum genutzt wurde. Diese werden vom t\u00fcrkischen Staat dazu verwendet, ausl\u00e4ndische Jihadist*innen ohne gro\u00dfe Verfahren einfach wieder in (zumeist europ\u00e4ische) Drittl\u00e4nder abzuschieben, wie z.B. Ibrahim al-Bakraoui, einen der Selbstmordattent\u00e4ter von Br\u00fcssel. Am 25. Juni 2016 brachen \u00fcber 10 mutma\u00dflich hochrangige ISler aus dem Abschiebezentrum in Hatay aus.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn21\" name=\"_ednref21\">[xxi]<\/a> Augenzeug*innen berichten davon, dass das Gebiet weitfl\u00e4chig von Polizei und Gendarmerie abgesperrt wurde. Die Nacht hindurch wurde geschossen. Am n\u00e4chsten Tag hie\u00df es, dass sechs ISler gefangen worden seien, der Rest aber noch fl\u00fcchtig sei. An Ladenbesitzer in der Umgebung wurden Bilder der Fl\u00fcchtigen verteilt.<\/p>\n<p>Dabei bef\u00fcrchten die Alawit*innen nicht nur gegen sie gerichtete Massaker und \u00dcbergriffe. Sie f\u00fcrchten sich auch davor, dass der Krieg und die innerjihadistischen Auseinandersetzungen in die T\u00fcrkei hin\u00fcberschwappen k\u00f6nnte. Unbegr\u00fcndet ist diese Furcht nicht: So wurde zum Beispiel der Kommandant der FSA-Brigade <em>Suquor al-Ghab<\/em> (Falken von al-Ghab), Jamal Radoun, von einer Autobombe in Antakya get\u00f6tet. \u00c4hnliche Vorf\u00e4lle fanden davor und danach statt.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn22\" name=\"_ednref22\">[xxii]<\/a><\/p>\n<p>Die permanente Bedrohung hat dazu gef\u00fchrt, dass unter den Alawit*innen eine individuelle Bewaffnung (vor allem mit Pumpguns und Pistolen) stattgefunden hat, auch wenn man sicherlich (noch) nicht von Milizen sprechen kann. Eine Zeit lang gab es auch von der Bev\u00f6lkerung selbst organisierte Kontrollen an Zufahrtswegen und in D\u00f6rfern, wie zum Beispiel in Serinyol oder Samada\u011f. Samada\u011f zum Beispiel besitzt eine eigene Facebook-Gruppe unter den Namen \u201eSamanda\u011f Online Destek\u201c (Samanda\u011f Online Hilfe) mit derzeit \u00fcber 18.000 Mitgliedern. Wird \u00fcber diese Gruppe ein verd\u00e4chtiges Fahrzeug gemeldet, sind sofort 10 bis 20 Autos vor Ort, die das Fahrzeug stellen und kontrollieren. Diese Art von Selbstverteidigungsmechanismen der Alawit*innen breiteten sich so stark aus, dass der Provinzgouverneur einschritt und erkl\u00e4rte, dass es nur dem Staat obliege, die \u00f6ffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten und alles andere strafrechtlich geahndet werde.<\/p>\n<p>Eine st\u00e4rker organisierte und politisierte Form des Widerstandes stellen die <em>halk meclisleri<\/em>, die Volksr\u00e4te von Hatay, dar. Sie sind ein Zusammenhang unterschiedlicher politischer und zivilgesellschaftlicher Organisationen und Individuen, die sich in Form von Bezirks- und Stadtteilr\u00e4ten organisieren, um eine selbstorganisierte Form der Macht der lokalen Bev\u00f6lkerung aufzubauen und den Widerstand gegen die Kriegspolitik auf diese Macht gest\u00fctzt und unabh\u00e4ngig vom Staat zu f\u00fchren. Im Mai letzten Jahres konnten sie erfolgreich die Errichtung eines Ausbildungslagers f\u00fcr FSA-Gruppierungen in der Provinz Hatay verhindern. Dass diese Ausbildung stattdessen wo anders stattfand und dass die ausgebildeten \u201eFSA\u201cler in Wahrheit Jihadisten vom gleichen Schlag wie der IS sind, sehen wir derzeit innerhalb der Milit\u00e4roffensive der T\u00fcrkei in Nordsyrien, wo die Truppen zum Einsatz kommen.<\/p>\n<p>Und was die \u201eAssad-Verehrung\u201c der Alawit*innen in Hatay angeht: Es stimmt, dass <em>mittlerweile<\/em> teils recht starke Sympathien f\u00fcr Assad entstanden sind oder zumindest keine grunds\u00e4tzliche Feindseligkeit gegen\u00fcber Assad mehr unter den Alawit*innen besteht. Das hat allerdings nichts mit der baathistischen Ideologie oder \u00fcberhaupt einer systematisierten Ideologie und Politik zu tun. Bis kurz vor dem Krieg interessierte sich kaum jemand hier f\u00fcr die politischen Verh\u00e4ltnisse, geschweige denn f\u00fcr die baathistische Ideologie und Assad oder \u00e4hnliches. Der Mentalit\u00e4tswandel hat sehr viel mit jenen jihadistischen Banden zu tun, und die mit R\u00fcckendeckung ihrer staatlichen Sponsoren offen Alawit*innen massakrierten oder dazu aufriefen. Bei vielen Alawit*innen f\u00fchrte dies deshalb zu dem Schluss, dass alle diese M\u00e4chte sich gegen Assad stellen, weil er Alawit ist \u2013 und dass auch sie massakriert werden, sobald Assad f\u00e4llt. Ergo fingen auch in der T\u00fcrkei die Alawit*innen an, Assad zu unterst\u00fctzen oder ihm zumindest den Sieg zu w\u00fcnschen, weil ihrer Auffassung nach ihr eigenes \u00dcberleben damit zusammenhing.. Erst seit einiger Zeit findet auch unter den Alawit*innen in der T\u00fcrkei eine langsame Distanzierung statt, unter anderem auch deshalb, weil die Mainstreammedien die Assad-Konterfeis auf Demos dazu nutzten, um den alawitischen Widerstand zu diffamieren.<\/p>\n<p><strong>Die Farben Hatays verbleichen: die christliche und die j<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>dische Gemeinde<\/strong><\/p>\n<p>Diejenigen der christlichen Gemeinde Hatays, die offen reden und sich mit uns treffen wollen, sind von der selbstbewussten und furchtlosen Sorte von Menschen. Zum Beispiel Josef Naseh, Altarch\u00e4ologe und ehemaliger Vertreter der christlich-orthodoxen Gemeinde in Antakya. Wie eigentlich bei allen Christ*innen in Antakya befindet sich auch seine halbe Verwandtschaft (noch) in Syrien, wie fast alle dort betrachtet auch er die T\u00fcrkei und Syrien als ein Land, als seine Heimat. F\u00fcr ihn ist klar: Mit seiner 46.000 Jahre alten Geschichte ist Hatay die Wiege der Zivilisation. Zahlreiche polytheistische und monotheistische Religionen seien hier entstanden oder zusammengekommen. Gekoppelt mit dem Reichtum Hatays mache es dies unm\u00f6glich, dass der Frieden und das Zusammensein der Kulturen und Religionen auseinandergerissen werden k\u00f6nne. Das einzige Problem sei \u201eder Imperialismus\u201c, der aus eigenen Interessen heraus permanent in den Nahen Osten interveniere und versuche, den Frieden zu zerst\u00f6ren. Konflikte, die im Namen von Religionen gef\u00fchrt w\u00fcrden, k\u00f6nnten letzten Endes nur aufgrund \u00f6konomisch ungleicher Verteilung entstehen. Warum sonst sollte ein Gl\u00e4ubiger einen anderen Menschen massakrieren oder dessen Frieden st\u00f6ren wollen? Laut Naseh k\u00f6nnten alle Probleme des Nahen Ostens innerhalb eines Tages gel\u00f6st werden: Alle Staaten und politischen F\u00fchrer der Welt m\u00fcssten sich zusammensetzen und das Land gerecht verteilen. Dann g\u00e4be es auch keine Probleme mehr.<\/p>\n<p>Die bewaffnete Version eines selbstbewussten arabischen Christen ist Onkel F\u0131rat. Er ist Mitbegr\u00fcnder der<em> al-Muqawama as-Suriyya<\/em> (auf Deutsch: Syrischer Widerstand), einer bewaffneten Formation, die bis vor kurzem unter der F\u00fchrung von Mihra\u00e7 Ural stand. Ural wurde im M\u00e4rz von Ahrar al-Sham Milizen get\u00f6tet. Er entstammte der t\u00fcrkischen Linken und organisierte die Formation in der Tradition von Mahir \u00c7ayan, einem der revolution\u00e4ren Studentenf\u00fchrer in der T\u00fcrkei der 1960er Jahre. Die Gruppe sieht im Krieg in Syrien eine Fortsetzung des revolution\u00e4ren Kampfes, den \u00c7ayan in der T\u00fcrkei f\u00fchrte. Ural betonte stets, dass es ihnen um die \u201eRettung des Vaterlandes Syrien\u201c im \u201eantiimperialistischen, antizionistischen und antireaktion\u00e4ren Kampf\u201c gehe. Konsequenterweise ist die <em>Muqawama as-Suriyya<\/em> eng mit dem syrischen Regime verb\u00fcndet. Onkle F\u0131rat wanderte wegen Waffenschmuggel und Unterst\u00fctzung einer Terrororganisation f\u00fcr ein Jahr in den Knast. Obwohl nicht mehr der J\u00fcngste, k\u00e4mpfte er in dieser Formation gegen Jihadisten in Syrien, viele seiner Kameraden starben im Gefecht. Onkel F\u0131rat erz\u00e4hlt: \u201eAuch ich h\u00e4tte im Gefecht sterben k\u00f6nnen. Aber ich bin dennoch hingegangen. Nur damit du verstehst, wie gro\u00df unsere Liebe f\u00fcr Syrien ist.\u201c Auch seine Familie befindet sich zur H\u00e4lfte in Syrien, auch f\u00fcr ihn geh\u00f6ren die T\u00fcrkei und Syrien zusammen. Auf die Frage, ob er denn nicht Furcht habe vor den Jihadisten, die hier ein- und ausgehen, lacht er nur trocken: \u201eIch wohne in Samanda\u011f. Dort sind wir Christen mit den Aleviten verwachsen. Da kommt keiner von denen durch oder vorbei. Das ist wie eine Festung dort. Nicht umsonst nennt man Samanda\u011f auch Kleinmoskau.\u201c Er verabschiedet sich mit einem fetten Bossgrinsen: \u201eZum Gl\u00fcck sind wir keine Sunniten, sondern Christen, <em>elhemd\u00fclillah<\/em>!\u201c<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich l\u00e4sst sich nicht behaupten, dass die beiden die Situation und die Gem\u00fctsstimmung des Gro\u00dfteils der Christ*innen in Antakya repr\u00e4sentieren. Die meisten Christ*innen leben zur\u00fcckgezogen und bevorzugen es, nicht aufzufallen. Furcht und \u00c4ngstlichkeit herrschen vor. Gegen\u00fcber dem t\u00fcrkischen Menschenrechtsverein dr\u00fcckten Christ*innen ihren Zustand in Anlehnung an den letzten Artikel des armenischen Journalisten Hrant Dink vor seiner Ermordung als \u201edie \u00c4ngstlichkeit einer Taube\u201c aus.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn23\" name=\"_ednref23\">[xxiii]<\/a> Die Entwicklung des Syrienkriegs und seine Auswirkungen auf die T\u00fcrkei sind nur die bisherige Spitze einer Geschichte der zunehmenden Entfremdung und der traurigen Emigration aus dem, was f\u00fcr viele arabische und armenische Christ*innen das Heimatland ist \u2013 oder eher: war. Bestand die Bev\u00f6lkerung Hatays 1939 bei der Einverleibung der Stadt in die T\u00fcrkei noch zu knapp einem Viertel aus Christ*innen, so leben heute nur mehr ein paar Tausend von ihnen in Hatay. Seit 2013, nachdem in Syrien der griechisch-orthodoxe Metropolit von Aleppo, Pavlos Yazigi, gemeinsam mit dem syrisch-orthodoxen Erzbischof von Aleppo, Mor Gregorios Johanna Ibrahim, von islamistischen Banden entf\u00fchrt und vermutlich ermordet wurde, hat die griechisch-orthodoxe Kirche in Antakya ihre Tore geschlossen. X-Rays und Polizisten befinden sich am Eingang, die Pfarrer sind sehr reserviert und nicht redelustig. Als am 31. Juli 2016 w\u00e4hrend einer der \u201eDemokratiewachen\u201c im Zuge der Niederk\u00e4mpfung des Putschversuchs eine Gruppe von Jugendlichen mit <em>tekbir<\/em> Slogans zur Kirche zieht, findet dort gerade eine Hochzeit statt. Die christliche Gemeinde tut so, als habe diese Aktion nicht ihnen gegolten, sie m\u00f6chten nicht noch weiter auffallen.<\/p>\n<p>Um die j\u00fcdische Gemeinde ist es noch schlechter gestellt. Die Synagoge hat seit einer gef\u00fchlten Ewigkeit ihre Tore geschlossen und als der j\u00fcdische Friedhof der Stadt am 21. Juni 2016 gesch\u00e4ndet und besch\u00e4digt wird, sorgt dies nicht f\u00fcr einen Aufschrei. Es k\u00fcmmert schlicht kaum jemanden, man l\u00e4sst die j\u00fcdische Gemeinde Antakyas in aller Stille aussterben. Die meisten wissen vermutlich gar nicht mehr, dass Antakya einst auch f\u00fcr viele J\u00fcd*innen eine Heimatstadt war. Hatice Can, Anw\u00e4ltin und Mitglied des Vorstandes des t\u00fcrkischen Menschenrechtsvereins IHD, schaut traurig in die Ferne: \u201eWie eigent\u00fcmlich das ist. In den 1980ern habe ich alle meine Stickereien und M\u00f6bel noch bei j\u00fcdischen und armenischen Handwerkern gekauft. Nun sind sie weg. Die j\u00fcdische Gemeinschaft ist mittlerweile so klein geworden, dass wir mit ihnen nicht mehr \u00fcber Zahlen reden. Sie sind im Grunde nur mehr Ausstellungsst\u00fccke in der Vitrine, die eine Vielfarbigkeit vorgibt, f\u00fcr die Hatay einmal stand.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00dc<\/strong><strong>ber Melancholie und k<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>mpferisch gestimmte Hoffnung<\/strong><\/p>\n<p>Will man ehrlich sein, sprechen die Tatsachen also eher, f\u00fcr die Melancholie: Die T\u00fcrkei beraubt sich vor lauter Gro\u00dfmachtbestreben immer weiter um die Reste seines multikulturellen und -religi\u00f6sen Erbes. Ob das<em> allein<\/em> einer wie auch immer gearteten Machenschaft des westlichen Imperialismus entspringt, ist gr\u00fcndlich zu bezweifeln. Andererseits: Wenn man das Gl\u00fcck hat, die Sch\u00f6nheit und den menschlichen Reichtum Hatays bewundern zu k\u00f6nnen, versteht man auch, warum viele Menschen aus der Region dazu bereit sind \u2013 obzwar teils f\u00fcr recht schr\u00e4ge Ideologien \u2013 f\u00fcr diese Sch\u00f6nheit und diesen Reichtum bis zum letzten Atemzug zu k\u00e4mpfen. Und hieraus wiederum sch\u00f6pft sich eine k\u00e4mpferisch gestimmte Hoffnung.<\/p>\n<p>Quelle: <em><a href=\"http:\/\/lowerclassmag.com\/2016\/10\/hatay-wiege-der-zivilisation-an-der-grenze-zum-krieg\/\">lowerclassmag.com&#8230;<\/a> vom 12. Oktober 2016 <\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> <a href=\"http:\/\/bianet.org\/english\/world\/140509-what-is-going-on-at-the-apaydin-syrian-rebel-camp\">http:\/\/bianet.org\/english\/world\/140509-what-is-going-on-at-the-apaydin-syrian-rebel-camp<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.thenational.ae\/news\/world\/middle-east\/is-turkish-camp-the-syrian-rebels-hq\">http:\/\/www.thenational.ae\/news\/world\/middle-east\/is-turkish-camp-the-syrian-rebels-hq<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.hurriyetdailynews.com\/apaydin-camp-row-heats-up-in-commission-again.aspx?pageID=238&amp;nID=32160&amp;NewsCatID=339\">http:\/\/www.hurriyetdailynews.com\/apaydin-camp-row-heats-up-in-commission-again.aspx?pageID=238&amp;nID=32160&amp;NewsCatID=339<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> F\u00fcr detaillierte Informationen zum Folgenden vgl. Fehim Ta\u015ftekin, <em>Suriye: Y\u0131k\u0131l Git, Diren Kal!<\/em>, Istanbul, 2015, S. 280-82.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Am 11. Mai 2013 detonierten zwei Autobomben in der Grenzstadt Reyhanl\u0131 und t\u00f6teten zwischen 51 und 300 Menschen. Die t\u00fcrkische Regierung sprach von einem \u201elinksextremistischen Anschlag im Auftrag des syrischen Geheimdienstes\u201c, der leak eines Dokuments der Gendarmeriekommandatur der Provinz Hatay seitens der sozialistischen Hackergruppe <em>Redhack<\/em> l\u00e4sst aber darauf schlie\u00dfen, dass es ein Anschlag der al-Nusra-Front war, um die T\u00fcrkei in den Syrienkrieg hineinzuziehen. Aus dem leak geht ebenfalls hervor, dass die Gendarmerie vom bevorstehenden Anschlag wusste. Vgl. <a href=\"http:\/\/www.ntv.com.tr\/turkiye\/reyhanlida-el-nusra-suphesi,SnZs1yrYykmranhcAfjPuA\">http:\/\/www.ntv.com.tr\/turkiye\/reyhanlida-el-nusra-suphesi,SnZs1yrYykmranhcAfjPuA<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.hurriyet.com.tr\/hayalet-komutan-873-kez-girip-cikmis-27711653\">http:\/\/www.hurriyet.com.tr\/hayalet-komutan-873-kez-girip-cikmis-27711653<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Hierf\u00fcr vgl. wieder Ta\u015ftekin, <em>Suriye<\/em>, S. 285-89.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.cumhuriyet.com.tr\/haber\/turkiye\/213011\/Cihatcilara_TSK_dan__topcu__destegi..._iste_o_telefon_konusmalari.html\">http:\/\/www.cumhuriyet.com.tr\/haber\/turkiye\/213011\/Cihatcilara_TSK_dan__topcu__destegi\u2026_iste_o_telefon_konusmalari.html<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a> <a href=\"https:\/\/medium.com\/@communications1907\/the-syrian-refugee-crisis-and-its-effect-on-public-services-in-turkey-2822d0e4f868#.sa9grhn3r\">https:\/\/medium.com\/@communications1907\/the-syrian-refugee-crisis-and-its-effect-on-public-services-in-turkey-2822d0e4f868#.sa9grhn3r<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a> Vgl. Ta\u015ftekin, <em>Suriye<\/em>, S. 277-78.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a> Vgl. ebd., S. 325-26.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a> <a href=\"http:\/\/europe.newsweek.com\/did-cia-betray-syrias-rebels-63267?rm=eu\">http:\/\/europe.newsweek.com\/did-cia-betray-syrias-rebels-63267?rm=eu<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a> Der erste Bericht der Volksr\u00e4te zu den Auswirkunge des Syrienkrieges und der t\u00fcrkischen Syrienpolitik auf die Region Hatay findet sich hier: <a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/tuerkei\/lebensbedingungen-tuerkei\/die-auswirkungen-des-kriegs-in-syrien-und-der-tuerkischen-syrien-politik-auf-die-region-hatay\/\">http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/tuerkei\/lebensbedingungen-tuerkei\/die-auswirkungen-des-kriegs-in-syrien-und-der-tuerkischen-syrien-politik-auf-die-region-hatay\/<\/a>; der zweite hier: <a href=\"http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/tuerkei\/lebensbedingungen-tuerkei\/hatay-nur-fuer-dschihadisten-sicher-die-auswirkungen-des-kriegs-in-syrien-und-der-tuerkischen-syrien-politik-auf-die-region-hatay-2-bericht\/\">http:\/\/www.labournet.de\/internationales\/tuerkei\/lebensbedingungen-tuerkei\/hatay-nur-fuer-dschihadisten-sicher-die-auswirkungen-des-kriegs-in-syrien-und-der-tuerkischen-syrien-politik-auf-die-region-hatay-2-bericht\/<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref12\" name=\"_edn12\">[xii]<\/a> <a href=\"http:\/\/sendika10.org\/2016\/08\/hatay-sinirindaki-atmede-mit-gudumlu-cihatcilara-bombali-saldiri-35-olu\/\">http:\/\/sendika10.org\/2016\/08\/hatay-sinirindaki-atmede-mit-gudumlu-cihatcilara-bombali-saldiri-35-olu\/<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref13\" name=\"_edn13\">[xiii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.birgun.net\/haber-detay\/oso-nun-nobet-degisimi-sirasinda-patlama-20-olu-130491.html\">http:\/\/www.birgun.net\/haber-detay\/oso-nun-nobet-degisimi-sirasinda-patlama-20-olu-130491.html<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref14\" name=\"_edn14\">[xiv]<\/a> Mit Alevit*innen sind zumeist die t\u00fcrkischen, mit Alawit*innen die arabischen Alevit*innen gemeint.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref15\" name=\"_edn15\">[xv]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.memri.org\/report\/en\/0\/0\/0\/0\/0\/0\/5955.htm\">http:\/\/www.memri.org\/report\/en\/0\/0\/0\/0\/0\/0\/5955.htm<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref16\" name=\"_edn16\">[xvi]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.milliyet.com.tr\/chp-li-duzgun-musluman-kardesleri-sordu\/siyaset\/siyasetdetay\/02.02.2012\/1497042\/default.htm\">http:\/\/www.milliyet.com.tr\/chp-li-duzgun-musluman-kardesleri-sordu\/siyaset\/siyasetdetay\/02.02.2012\/1497042\/default.htm<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref17\" name=\"_edn17\">[xvii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/worldnews\/islamic-state\/11927760\/Syrias-Nusra-Front-leader-urges-wider-attacks-on-Assads-Alawite-areas-to-avenge-Russian-bombing.html\">http:\/\/www.telegraph.co.uk\/news\/worldnews\/islamic-state\/11927760\/Syrias-Nusra-Front-leader-urges-wider-attacks-on-Assads-Alawite-areas-to-avenge-Russian-bombing.html<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref18\" name=\"_edn18\">[xviii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.defenddemocracy.org\/media-hit\/saudi-clerics-endorse-jihadists-in-syria\">http:\/\/www.defenddemocracy.org\/media-hit\/saudi-clerics-endorse-jihadists-in-syria<\/a>; <a href=\"http:\/\/www.businessinsider.com\/qatars-rulers-associated-with-hateful-persian-gulf-clerics-2015-7\">http:\/\/www.businessinsider.com\/qatars-rulers-associated-with-hateful-persian-gulf-clerics-2015-7<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref19\" name=\"_edn19\">[xix]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.businessinsider.com\/qatars-rulers-associated-with-hateful-persian-gulf-clerics-2015-7\">http:\/\/www.businessinsider.com\/qatars-rulers-associated-with-hateful-persian-gulf-clerics-2015-7<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref20\" name=\"_edn20\">[xx]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7XZQiZ9Y4wc\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=7XZQiZ9Y4wc<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref21\" name=\"_edn21\">[xxi]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.evrensel.net\/haber\/284078\/hatay-geri-gonderme-merkezinde-neler-oluyor\">https:\/\/www.evrensel.net\/haber\/284078\/hatay-geri-gonderme-merkezinde-neler-oluyor<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref22\" name=\"_edn22\">[xxii]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.wsj.com\/articles\/commander-of-u-s-backed-syrian-rebel-group-killed-in-turkey-car-bomb-1440608341\">http:\/\/www.wsj.com\/articles\/commander-of-u-s-backed-syrian-rebel-group-killed-in-turkey-car-bomb-1440608341<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref23\" name=\"_edn23\">[xxiii]<\/a> Es seien hier nochmal die letzten S\u00e4tze des letzten Artikels von Hrant Dink kurz vor seiner Ermordung in Erinnerung gerufen: \u201eDas Jahr 2007 wird f\u00fcr mich sicher ein schweres Jahr werden. Die Gerichtsprozesse werden fortgesetzt, neue Anklagen hinzukommen. Wer wei\u00df schon, welches neue Unrecht mir widerfahren wird? Aber trotz alledem werde ich eine Sicherheit haben. Ja, ich mag die \u00c4ngstlichkeit einer Taube teilen, aber ich wei\u00df, dass die Menschen in diesem Land einer Taube nichts antun. Die Tauben leben mitten in den St\u00e4dten unter all den Menschenmassen. Etwas scheu zwar aber doch auch genau so frei.\u201c Kurz darauf wurde Dink von dem Faschisten Og\u00fcn Samast auf offener Stra\u00dfe vor dem Redaktionsb\u00fcro der armenischen Zeitung <em>Agos<\/em> in Istanbul erschossen \u2013 wie wir heute wissen: mit tatkr\u00e4ftiger Unterst\u00fctzung des Gendarmerie-Geheimdienstes und der Polizei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alp Kayserilio\u011flu. 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