{"id":15492,"date":"2025-05-31T20:23:26","date_gmt":"2025-05-31T18:23:26","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15492"},"modified":"2025-05-31T20:23:27","modified_gmt":"2025-05-31T18:23:27","slug":"bergsturz-in-blatten-ankuendigung-einer-oekologischen-katastrophe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15492","title":{"rendered":"Bergsturz in Blatten \u2013 Ank\u00fcndigung einer \u00f6kologischen Katastrophe"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schwarz. <\/em>Am 28. Mai st\u00fcrzte eine beinahe unvorstellbare Masse an Stein, Eis, Schlamm und Wasser auf das Bergdorf Blatten im Schweizer Kanton Wallis und begrub es unter sich. Nur wenige H\u00e4user blieben stehen, und diese werden nun von einem Stausee \u00fcberflutet, der sich hinter den Ger\u00f6llmassen gebildet hat.<!--more--><\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Katastrophe droht bereits. Experten f\u00fcrchten, dass Schlammlawinen tiefer gelegene Orte unter sich begraben, wenn der Stausee \u00fcberl\u00e4uft und sich das Wasser einen Weg durch die Ger\u00f6llmassen bricht. Zwei kleinere Weiler sind deshalb ger\u00e4umt worden.<\/p>\n<p>Opfer gab es bisher nur eines, da sich die Katastrophe angek\u00fcndigt hatte und Blatten Tage vorher evakuiert worden war. Ein 64-j\u00e4hriger Mann, der vermutlich zur\u00fcckgekehrt ist, um nach verlorenen Schafen zu suchen, wird seither vermisst. Es ist zu bef\u00fcrchten, dass er unauffindbar unter dem Schutt begraben liegt.<\/p>\n<p>Blatten, im oberen Teil des L\u00f6tschentals, eines Seitentals der Rhone, gelegen, war ein lebendiger, moderner Ort mit rund 300 Einwohnern. Viele Menschen, die in der Region aufgewachsen sind und im tiefer gelegenen Rhonetal arbeiten, haben sich mit ihren Familien dort angesiedelt. Auch zwei Hotels befanden sich in dem malerisch gelegenen Dorf. Nun ist es vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>Ausgel\u00f6st wurde das Ungl\u00fcck durch anhaltende Gesteinsabbr\u00fcche am Kleinen Nesthorn, das sich \u00fcber Blatten auf eine H\u00f6he von 3300 Meter erhebt. Im Laufe von zwei Wochen lagerten sich mehrere Millionen Kubikmeter Gestein auf dem darunterliegenden Birchgletscher ab, der unter dem Gewicht des Ger\u00f6lls in Bewegung geriet und schlie\u00dflich vollst\u00e4ndig abbrach. Gestein und Eis st\u00fcrzten in rasendem Tempo gemeinsam in die Tiefe. Die ausgel\u00f6sten Ersch\u00fctterungen waren in der ganzen Schweiz zu sp\u00fcren.<\/p>\n<p>Geologen hatten die Entwicklung beobachtet und sogar mit einem gr\u00f6\u00dferen Felsabsturz vom Kleinen Nesthorn gerechnet, als er dann eintraf. Trotzdem entsprach die Katastrophe ihrem Worst-Case-Szenario. Eine derartige Kombination aus Eis- und Felssturz hatte es bisher noch nie gegeben.<\/p>\n<p>Zu Felsst\u00fcrzen kommt es in den Alpen, deren Landschaft durch 35 Millionen Jahre Erosion geformt wurde, zwar immer wieder. Aber in j\u00fcngster Zeit h\u00e4ufen sich derartige Ereignisse, nehmen gr\u00f6\u00dfere Ausma\u00dfe an und treffen auch dicht besiedelte Gebiete.<\/p>\n<p>So versch\u00fcttete im gegen\u00fcberliegenden Mattertal 1991 ein Bergsturz bei Randa die vielbefahrene Zugstrecke und Stra\u00dfe nach Zermatt, wo sich bis zu 40.000 Touristen am Tag aufhalten. Mit 30 Millionen Kubikmetern war die Ger\u00f6llmenge sogar etwas gr\u00f6\u00dfer als jetzt in Blatten. Nur durch Zufall kam damals niemand ums Leben.<\/p>\n<p>Auch wenn sich die genauen Umst\u00e4nde von Fall zu Fall unterscheiden, ist es unbestreitbar, dass die H\u00e4ufung von Katastrophen in den Alpen auf die wachsende Klimakrise zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Das empfindliche \u00d6kosystem der Alpenregion, die sich \u00fcber mehrere L\u00e4nder erstreckt und Millionen Menschen Erwerb und Erholung bietet, droht durch den Klimawandel zerst\u00f6rt, die Region unbewohnbar zu werden.<\/p>\n<p>Dabei sind die Alpen nur eine Region, die durch den globalen Klimawandel bedroht ist. \u00c4hnliche Entwicklungen finden in anderen Bergmassiven, wie dem Himalaja, statt. In K\u00fcstenregionen gef\u00e4hrdet der Anstieg des Meeresspiegels die Lebensgrundlage von bis zu einer Milliarde Menschen. Trockenheit oder \u00dcberschwemmungen zerst\u00f6ren weltweit Ernten. In L\u00e4ndern wie den USA nehmen Hurrikane und Tornados immer gr\u00f6\u00dfere Ausma\u00dfe an.<\/p>\n<p>Diese Naturkatastrophen sind keine \u00f6rtlichen oder regionalen Ph\u00e4nomene, sondern das Ergebnis einer globalen Entwicklung, der Klimaerw\u00e4rmung. Sie k\u00f6nnen nur im globalen Ma\u00dfstab gel\u00f6st werden.<\/p>\n<p>In den Alpen und anderen Bergregionen spielen mehrere Faktoren eine Rolle:<\/p>\n<ul>\n<li>Die Klimaerw\u00e4rmung f\u00fchrt nicht nur zum raschen Abschmelzen der Gletscher, dem wichtigsten Speicher von Wasser, er bringt auch den Permafrost zum Schmelzen, den dauerhaft gefrorenen Boden, der in gro\u00dfen H\u00f6hen das Gestein zusammenh\u00e4lt. Die Folge sind h\u00e4ufigere Felsst\u00fcrze, Murg\u00e4nge (Schlammlawinen) sowie die Freisetzung von Schadstoffen. Das Auftauen des Permafrostes d\u00fcrfte auch bei den Felsst\u00fcrzen am Kleinen Nesthorn eine Rolle gespielt haben.<\/li>\n<li>Hitze, Trockenheit und Borkenk\u00e4fer schw\u00e4chen und zerst\u00f6ren die Bergw\u00e4lder, die die Berge vor Erosion und Menschen und Infrastrukturen vor Lawinen und Steinschlag sch\u00fctzen.<\/li>\n<li>W\u00e4rmere Luft und Wassertemperaturen haben extreme Unwetter zur Folge, die Bergb\u00e4che in rei\u00dfende Fluten verwandeln, die B\u00e4ume, Stra\u00dfen und H\u00e4user mitrei\u00dfen. Je h\u00f6her die Temperatur, desto mehr Wasser kann die Luft aufnehmen. Die Adria und das Mittelmeer, \u00fcber denen sich Wolken auftanken, bevor sie \u00fcber den Alpen abregnen, erreichten im letzten Sommer Wassertemperaturen von 30 Grad Celsius. In vielen Alpenregionen kam es deshalb zu verheerenden Niederschl\u00e4gen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Faktoren sind ebenso gut bekannt und erforscht wie die Auswirkungen des Klimawandels auf den Meeresspiegel. Die Schweizer Regierung unterh\u00e4lt ein Bundesamt f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsschutz, das sich mit der Bew\u00e4ltigung von Katastrophen und Notlagen besch\u00e4ftigt und detaillierte Risikoanalysen erstellt.<\/p>\n<p>Doch die Umweltverschmutzung und der Klimawandel gehen unvermindert weiter. Die Weltorganisation f\u00fcr Meteorologie (WMO) hat errechnet, dass die globale Durchschnittstemperatur in den n\u00e4chsten f\u00fcnf Jahren voraussichtlich 1,5 Grad Celsius \u00fcber dem vorindustriellen Niveau liegen wird. Damit ist das 2015 von der Pariser Klimakonferenz festgelegte Maximum bereits erreicht \u2013 und die Erw\u00e4rmung geht unvermindert weiter.<\/p>\n<p>In den vergangenen Jahren haben alle Regierungen ihre Klimaziele aufgegeben. Die COP-Klimagipfel haben sich zu Handelsmessen f\u00fcr fossile Energietr\u00e4ger entwickelt. Der letzte fand in Baku, dem Zentrum der aserbaidschanischen \u00d6lindustrie, statt. Im eskalierenden globalen Handelskrieg setzen alle Regierungen auf fossile Brennstoffe, um Kosten zu senken.<\/p>\n<p>In den USA, die mit 4,3 Prozent der Weltbev\u00f6lkerung 13 Prozent der globalen Treibhausgase aussto\u00dfen, befindet sich eine kriminelle Bande von Klimaleugnern an der Macht, die alle gesellschaftlichen Erfordernisse der Bereicherung der superreichen Oligarchen opfert. Die neue Regierung Deutschlands setzt die Europ\u00e4ische Union massiv unter Druck, bereits beschlossene Abgaswerte f\u00fcr Autos wieder zu erh\u00f6hen. Der Umweltschutz weicht \u00fcberall den Profitanspr\u00fcchen der Reichen.<\/p>\n<p>Die Regierung der Schweiz, die einen betr\u00e4chtlichen Teil ihres Reichtums der Verwaltung gro\u00dfer Verm\u00f6gen und den Aktivit\u00e4ten globaler Konzerne wie Nestl\u00e9, Roche, Novartis und Glencore verdankt, wird sich h\u00fcten, der Profitmacherei auf Kosten der Umwelt entgegenzutreten.<\/p>\n<p>Die wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Voraussetzungen zur L\u00f6sung der Klimakrise sind vorhanden, aber sie scheitern an den Profitinteressen der Herrschenden. Die kapitalistische Gesellschaft gleicht einem Wahnsinnigen, der mit geschlossenen Augen dem Abgrund entgegenwankt. Sie hat auf alle gesellschaftlichen Probleme nur noch eine Antwort: Krieg, Diktatur, Sozialabbau und Umweltzerst\u00f6rung. Es ist h\u00f6chste Zeit, ihr ein Ende zu bereiten.<\/p>\n<p>Der Erhalt der Umwelt erfordert \u2013 wie der Kampf gegen Krieg, Faschismus und Armut \u2013 den Aufbau einer sozialistischen Bewegung, die die internationale Arbeiterklasse vereint und f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus k\u00e4mpft.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/05\/30\/blat-m30.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 31. Mai 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schwarz. Am 28. Mai st\u00fcrzte eine beinahe unvorstellbare Masse an Stein, Eis, Schlamm und Wasser auf das Bergdorf Blatten im Schweizer Kanton Wallis und begrub es unter sich. 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