{"id":1551,"date":"2016-10-13T15:38:39","date_gmt":"2016-10-13T13:38:39","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1551"},"modified":"2016-10-13T15:38:39","modified_gmt":"2016-10-13T13:38:39","slug":"der-tuerkische-plan-fuer-mossul","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1551","title":{"rendered":"Der t\u00fcrkische Plan f\u00fcr Mossul"},"content":{"rendered":"<p><em>Halit Ermis. <\/em>Die Stimmung zwischen Bagdad und Ankara ist \u00e4u\u00dferst gereizt. Grund daf\u00fcr sind folgende Ereignisse aus j\u00fcngster Zeit: Am 1. Oktober hat das t\u00fcrkische Parlament die Befugnis f\u00fcr das t\u00fcrkische Milit\u00e4r, grenz\u00fcbergreifende Operationen durchzuf\u00fchren,<!--more--> f\u00fcr ein Jahr verl\u00e4ngert. Am 4. Oktober hat die irakische Regierung hierauf scharf reagiert und in einer Parlamentssitzung eine Deklaration aus sieben Punkten verabschiedet, die eine m\u00f6gliche Besetzung der Stadt Mossul durch das t\u00fcrkische Milit\u00e4r vorbeugen soll. Die Reaktionen des t\u00fcrkischen Au\u00dfenministers und des t\u00fcrkischen Ministerpr\u00e4sidenten auf diese Deklaration aus Bagdad haben zus\u00e4tzlich \u00d6l ins Feuer gegossen.<\/p>\n<p>Doch was will die T\u00fcrkei im Irak und welche Pl\u00e4ne hat sie f\u00fcr die nordirakische Stadt Mossul, die derzeit vom IS gehalten wird? Um diese Frage kl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, wollen wir zun\u00e4chst einen Blick darauf werfen, mit welcher Begr\u00fcndung die T\u00fcrkei vor rund einem Jahr ihre milit\u00e4rische Pr\u00e4senz im nordirakischen Bashiqa verteidigt hat:<\/p>\n<p><strong>\u201e<\/strong><strong>Der Gouverneur von Mossul hat uns gerufen<\/strong><strong>\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Begr\u00fcndung lautete: \u201eDie kurdischen Peshmerga-Kr\u00e4fte und sunnitische Milizen baten uns darum, sie auszubilden.\u201c Demnach sollen die Regierung der Autonomen Region Kurdistans (S\u00fcdkurdistan) und der ehemalige Gouverneur von Mossul Atheel al-Nujaifi die t\u00fcrkischen Streitkr\u00e4fte um Unterst\u00fctzung gebeten haben. Doch nehmen wir mal an, diese Aufrufe habe es tats\u00e4chlich gegeben. Selbst dann h\u00e4tte die T\u00fcrkei kein Recht, Truppen in ihren Nachbarstaat zu entsenden. Denn die Zentralregierung des Nachbarstaates, n\u00e4mlich die Regierung in Bagdad, spricht sich gegen die Pr\u00e4senz der T\u00fcrkei in Bashiqa aus. Die Tatsache, dass das t\u00fcrkische Milit\u00e4r dennoch seine Pr\u00e4senz in der Region aufrecht erh\u00e4lt, kommt somit einer v\u00f6lkerrechtswidrigen Besetzung des Iraks durch die T\u00fcrkei gleich. Dass dieser Umstand zu keinen direkten Auseinandersetzungen oder gar einem Krieg zwischen Bagdad und Ankara gef\u00fchrt hat, liegt vermutlich nur daran, dass Bagdad weitaus gr\u00f6\u00dfere Kopfschmerzen mit dem IS hat.<\/p>\n<p>Die T\u00fcrkei hingegen hat die Lethargie der irakischen Zentralregierung dazu genutzt, um mit der sunnitisch-arabischen Bev\u00f6lkerung des Nordiraks eine Milizkraft mit dem Namen al-Hashd al-Watani (dt. Nationale Mobilmachung) zu gr\u00fcnden. Der ehemalige Gouverneur von Mossul, der nach dem kampflosen Verlust der Stadt an den IS abgesetzt worden ist, wurde an die Spitze dieser Miliz gesetzt. \u00a0Als die t\u00fcrkische Regierung auch international Kritik f\u00fcr ihre Pr\u00e4senz im Irak erntete, sah sie sich gezwungen, zu erkl\u00e4ren, dass ihre Soldaten sich nur zeitlich begrenzt zu Ausbildungszwecken in der Region aufhalten w\u00fcrden und ein Gro\u00dfteil der Einheiten bereits wieder abgezogen worden seien. Doch die Spekulationen in dieser Frage hielten weiter an. Und was diesen Aussagen aus Ankara folgte, liegt weiterhin im Dunkeln<\/p>\n<p><strong>Sunnitische Milizen gegen schiitische Milizen<\/strong><\/p>\n<p>Um etwas mehr Klarheit zu verschaffen, sollte an dieser Stelle folgende Information nachgeliefert werden: Die Milizen der al-Hashd al-Watani wurden mit Unterst\u00fctzung der T\u00fcrkei, der lokalen sunnitisch-arabischen Bev\u00f6lkerung und der KDP (Demokratische Partei Kurdistans) gegr\u00fcndet und setzen sich aus Mitgliedern verschiedener sunnitischer St\u00e4mme zusammen. Gleichzeitig existiert im Irak aber auch eine Miliz, die sich aus Mitgliedern verschiedener schiitischer Organisationen zusammensetzt und den Namen al-Haschd asch-Scha\u02bfb\u012b (dt. Volksmobilmachung) tr\u00e4gt. Auch wenn diese Miliz offiziell der irakischen Regierung untersteht, so ist doch bekannt, dass in ihren Reihen zahlreiche durch den Iran unterst\u00fctzte Gruppierungen aktiv sind. Diese Miliz hat bereits an vielen Fronten Kampferfahrungen gegen den IS gesammelt. Diese vornehmlich schiitische Miliz beherbergt auch die Mitglieder einiger weniger sunnitischen Clans in ihren Reihen. Die t\u00fcrkische Regierung und Teile des sunnitischen Blocks sahen es hingegen als ihr Recht an, gegen die Miliz der al-Haschd asch-Scha\u02bfb\u012b eine eigene Miliz auf die Beine zu stellen, um in einer Post-IS-\u00c4ra im Irak nicht v\u00f6llig die Macht gegen\u00fcber dem schiitischen Block im Land zu verlieren.<\/p>\n<p><strong>Der t<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>rkische Plan gewinnt an Kontur: Die Kontrolle von Mossul bis nach Shengal im Blick<\/strong><\/p>\n<p>Die Debatte um die Pr\u00e4senz des t\u00fcrkischen Milit\u00e4rs im Nordirak wurde mit der Frage, welche Kr\u00e4fte an einer Operation auf die Stadt Mossul zur Befreiung vom IS teilnehmen sollen, von Neuem angeheizt. Inmitten dieser Debatte tauchten dann allerdings hinter den Kulissen Behauptungen auf, wonach die T\u00fcrkei, die sunnitische Miliz und die KDP den Erd\u00f6lhandel mit dem IS, der diesen aus Mossul f\u00f6rdert, deutlich ausgeweitet h\u00e4tten. Diese Behauptung k\u00e4me dem regen wirtschaftlichen (und vermutlich auch politischen) Austausch zweier Parteien gleich, die sich wohlm\u00f6glich in naher Zukunft auf dem Kampffeld gegen\u00fcberstehen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Vielleicht aber auch nicht\u2026Denn einige Experten sprechen aufgrund des vermuteten Erd\u00f6lhandels bereits von Verhandlungen und m\u00f6glichen Deals der \u201eWirtschaftspartner\u201c, die dazu f\u00fchren k\u00f6nnten, dass der IS die Stadt Mossul letztlich \u00e4hnlich kampflos an al-Nujaifi und seine Miliz \u00fcbergibt, wie sie es bereits im nordsyrischen Dscharablus beim Einmarsch der T\u00fcrkei und den von ihr unterst\u00fctzten FSA-Gruppen gemacht hat.<\/p>\n<p>Denn Spekulationen der Experten zufolge, ist der Plan, dass der t\u00fcrkische Staat, die sunnitischen Milizen und die KDP eine wichtige Rolle bei der Mossul-Operation spielen werden. Wenn der Plan verwirklicht werden kann, soll die Stadt den Milizen der al-Hashd al-Watani \u00fcbergeben werden, wobei die meisten IS-K\u00e4mpfer zu den sunnitischen Milizen \u00fcberlaufen werden. Klappt dieser Schritt, werden der t\u00fcrkische Staat und die sunnitischen Milizen ihre Kr\u00e4fte konsolidieren und von Mossul aus den Vorsto\u00df in westliche Richtung nach Tal Afar wagen. Auch diese vornehmlich turkmenische Stadt ist derzeit unter der Kontrolle des IS. Gelingt dort die Kontroll\u00fcbernahme, wird ohne Zweifel das n\u00e4chste Angriffsziel Shengal hei\u00dfen, das derzeit von den ezidischen Selbstverteidigungseinheiten der YB\u015e und den Volksverteidigungskr\u00e4ften der HPG kontrolliert wird. Auf diesem Wege soll das gesamte Gebiet von Mossul bis an die Grenze Rojavas unter die Kontrolle der T\u00fcrkei, der sunnitischen Milizen und der KDP gebracht werden.<\/p>\n<p>Mit diesem Plan m\u00f6chte die T\u00fcrkei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Im Norden des Iraks m\u00f6chte sie zum Einen \u00fcber die Turkmenen und die sunnitischen Araber ein Einflussgebiet errichten, das sich von Mossul bis Tal Afar erstreckt. Zum Anderen will sie durch die Hand der KDP dem Einfluss der PKK in der Region einen schweren Schlag versetzen, um aus gest\u00e4rkter Position heraus den Vernichtungskampf gegen den Widerstand von Nordkurdistan und Rojava fortsetzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die KDP ihrerseits erhofft sich durch diesen Plan, den Aufstieg der PKK in S\u00fcdkurdistan bremsen zu k\u00f6nnen und in einem zweiten Schritt ihren eigenen Einfluss in allen Teilen Kurdistans zu vergr\u00f6\u00dfern. Gleichzeitig will sie auf diesem Wege auch ihre Position gegen\u00fcber der irakischen Zentralregierung st\u00e4rken. Klappt das wie gew\u00fcnscht, wird die KDP gleichzeitig auch in den politischen Auseinandersetzungen innerhalb der Autonomen Region Kurdistans die \u00dcberhand gewinnen und so die \u00fcbrigen s\u00fcdkurdischen Parteien, denen sie ohnehin die politische Teilhabe im kurdischen Autonomiegebiet verwehrt, weiter au\u00dfenvordr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/civaka-azad.org\/der-tuerkische-plan-fuer-mossul\/\">civaka-azad.org&#8230;<\/a> vom 13. Oktober 2016<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Halit Ermis. Die Stimmung zwischen Bagdad und Ankara ist \u00e4u\u00dferst gereizt. Grund daf\u00fcr sind folgende Ereignisse aus j\u00fcngster Zeit: Am 1. 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