{"id":15520,"date":"2025-06-14T13:31:39","date_gmt":"2025-06-14T11:31:39","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15520"},"modified":"2025-06-14T13:31:41","modified_gmt":"2025-06-14T11:31:41","slug":"juedischer-antizionismus-viele-juden-haben-israel-den-ruecken-gekehrt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15520","title":{"rendered":"J\u00fcdischer Antizionismus: \u00bbViele Juden haben Israel den R\u00fccken gekehrt\u00ab"},"content":{"rendered":"<p><em>Henning von Stoltzenberg.<\/em><strong> \u00d6sterreich: Erster Kongress des j\u00fcdischen Antizionismus am Wochenende in Wien. Ein Gespr\u00e4ch mit Iris Hefets<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>F\u00fcr dieses Wochenende ist ein j\u00fcdisch-antizionistischer Kongress in Wien geplant. Was sind aus Ihrer Sicht die zentralen Botschaften des entsprechenden Aufrufs?<\/strong><\/p>\n<p>Der Zionismus als Bewegung hat das Judentum erobert und formte es von einem Volk zu einer Nation um. Vor dem Zweiten Weltkrieg waren 97 Prozent der Juden nicht zionistisch oder sogar antizionistisch. Heute predigen viele Gemeinden zionistische statt j\u00fcdische Kultur und Religion. Aber Zionisten sind heute nicht nur Juden, sondern weitaus mehr Menschen, die auf verschiedene Weise das zionistische Projekt unterst\u00fctzen. <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/500431.html\">Wir wollen aufkl\u00e4ren, was da eigentlich unterst\u00fctzt wird: n\u00e4mlich eine kolonialistische Bewegung.<\/a><\/p>\n<p><strong>Wie kam es zu der Idee, <\/strong><a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/500431.debatte-%C3%BCber-den-zionismus-der-kongress-ist-ein-zeichen-gegen-antisemitismus.html\"><strong>einen solchen Kongress in Wien<\/strong><\/a><strong> abzuhalten?<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem der Pal\u00e4stina-Kongress in Berlin unterdr\u00fcckt wurde, haben Aktivisten in Wien beschlossen, einen solchen Kongress vor Ort zu organisieren. Der war ein Erfolg. Daher sollte ein j\u00fcdischer, antizionistischer Kongress folgen. Dort werden wir unsere eigene unabh\u00e4ngige Stimme erheben, die von Israel und Deutschland sonst vereinnahmt wird. Fr\u00fcher dachten die Vorfahren der heutigen Deutschen, wir seien Tiere, die man ausrotten m\u00fcsse; heute denken sie, wir seien Tiere, die man besch\u00fctzen m\u00fcsse. Beide Vorstellungen entmenschlichen uns \u2013 und wir wehren uns dagegen.<\/p>\n<p><strong>Wie wird die Kongressank\u00fcndigung in der \u00d6ffentlichkeit diskutiert?<\/strong><\/p>\n<p>Die Unterdr\u00fcckung des Kongresses hat bereits begonnen. Aber in \u00d6sterreich gibt es keinen Axel-Springer-Konzern mit so viel Macht und Eigeninteressen, und die propal\u00e4stinensische Bewegung wird nicht so gewaltsam bek\u00e4mpft wie in Deutschland. Doch Israel hat Angst vor solchen Veranstaltungen. Je mehr Ansehen es verliert, desto repressiver wird es. Zum Beispiel \u00fcbt \u00bbAcademic Monitor\u00ab Druck aus, indem es den Kongress und seine Rednerinnen \u00f6ffentlich anprangert. Das Erstellen solcher Listen sch\u00fcrt eine paranoide, totalit\u00e4re Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p><strong>Rechnen Sie mit Repressalien gegen den Kongress?<\/strong><\/p>\n<p>Beim letzten Mal in Wien wurde Druck auf den Inhaber des Veranstaltungsorts ausge\u00fcbt, so dass er kurzfristig abgesagt hat. Dank Plan B konnte fix ausgewichen werden. Pers\u00f6nlich hoffe ich auf Repressionen. Sie politisieren Menschen. So war es bei dem <a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/494289.repression-gegen-pal%C3%A4stina-bewegung-polizei-in-der-jungen-welt.html\">Vortrag von Francesca Albanese, der in die R\u00e4ume der <em>jW<\/em> verlegt wurde<\/a>. H\u00e4tte der Vortrag normal stattgefunden, w\u00e4ren vielleicht ein paar hundert Leute gekommen. Aber Tausende schalteten ein, sahen ihren Vortrag und dass Deutschland immer weiter nach rechts r\u00fcckt. F\u00fcr die Gesellschaft sind solche Repressionen aber schlechte Nachrichten. Was in Wien passieren wird, ist schwer vorherzusagen. Die Organisatoren halten den Veranstaltungsort geheim. Polizei und Politik agieren dort anders, weil Israel in \u00d6sterreich nicht verg\u00f6ttert wird.<\/p>\n<p><strong>Was ist das Ziel des Kongresses?<\/strong><\/p>\n<p>Wir wollen den Antizionismus als eine Bewegung mit langer Tradition im j\u00fcdischen Volk sichtbar machen. Viele, besonders j\u00fcngere Juden weltweit haben Israel inzwischen den R\u00fccken gekehrt. Unsere Aufgabe ist es, ihnen eine Gemeinschaft und Identit\u00e4t anzubieten. Der Zionismus ist eine zerst\u00f6rerische Bewegung ohne Zukunft. Gerade beschleunigt sich das Tempo seines Zusammenbruchs, und es scheint leider, als k\u00f6nne es nicht auf konstruktive Weise aufgel\u00f6st werden. Wir sind dazu verdammt, diese kolossale Zerst\u00f6rung mitanzusehen, aber es ist wichtig, so viele Menschen wie m\u00f6glich davor zu retten und sie an die Alternativen zu erinnern.<\/p>\n<p>Die j\u00fcdische Welt und Geschichte sind reich und vielf\u00e4ltig, und der Zionismus ist nicht mehr als ein winziger Teil davon. Das Ziel dieser Konferenz ist es, antizionistischen Juden, die in westlichen L\u00e4ndern unsichtbar gemacht werden, eine Stimme zu geben. Es geht darum, eine Dekolonisierung vom Zionismus durchzuf\u00fchren und wieder zu Juden zu werden.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Symbolische Mauer: Protestaktion gegen Waffenverk\u00e4ufe an Israel vor dem britischen Parlament (London, 4.6.2025)Foto: Anadolu Rasid Necati Aslim\/IMAGO\/Anadolu Agency<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/501729.j%C3%BCdischer-antizionismus-viele-juden-haben-israel-den-r%C3%BCcken-gekehrt.html?sstr=antizionistisch\"><em>jungewelt.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 14. Juni 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Henning von Stoltzenberg. \u00d6sterreich: Erster Kongress des j\u00fcdischen Antizionismus am Wochenende in Wien. 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