{"id":15568,"date":"2025-06-27T15:38:55","date_gmt":"2025-06-27T13:38:55","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15568"},"modified":"2025-06-27T15:38:57","modified_gmt":"2025-06-27T13:38:57","slug":"ein-jahr-nach-dem-gen-z-aufstand-in-kenia-das-regime-schlaegt-wieder-zu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15568","title":{"rendered":"Ein Jahr nach dem Gen-Z-Aufstand in Kenia: Das Regime schl\u00e4gt wieder zu"},"content":{"rendered":"<p><em>Kipchumba Ochieng. <\/em>Am 25. Juni 2024, vor genau einem Jahr, ersch\u00fctterte in Kenia der Aufstand der \u201eGeneration Z\u201c (Gen-Z) das politische Establishment und seine imperialistischen Hinterm\u00e4nner. Es war zu erwarten, dass zu diesem Jahrestag erneut Hunderttausende auf die Stra\u00dfen str\u00f6men, um den R\u00fccktritt von Pr\u00e4sident William Ruto zu fordern und der Opfer gedenken, die w\u00e4hrend<!--more--> der brutalen Unterdr\u00fcckung der Proteste im letzten Jahr get\u00f6tet wurden.<\/p>\n<p>Die diesj\u00e4hrigen Proteste ereignen sich vor dem Hintergrund wachsender globaler Unruhen. In den USA hatten vor kaum zwei Wochen bis zu elf Millionen Menschen im ganzen Land unter der Parole \u201eNo Kings\u201c gegen Donald Trumps Kurs auf Diktatur protestiert. In ganz Europa demonstrieren weiterhin Hunderttausende gegen den von den USA unterst\u00fctzten V\u00f6lkermord Israels im Gazastreifen. Milliarden Menschen auf der ganzen Welt verfolgen ersch\u00fcttert, wie der amerikanisch-israelische Angriff auf den Iran, ein historisch unterdr\u00fccktes Land, zu einem regionalen und potenziell globalen Krieg eskaliert.<\/p>\n<p>Die Demonstrationen in Kenia sind erneut ein Akt des Widerstands. Ein Jahr nach den ersten Protesten hat sich nichts gebessert. Die Ungleichheit versch\u00e4rft sich, die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei 67 Prozent, die L\u00f6hne sind weiterhin niedrig. Die Umwandlung des National Health Insurance Fund in den Social Health Insurance Fund hat die Belastung des ohnehin schon unterfinanzierten Gesundheitssystems versch\u00e4rft. Die Preise f\u00fcr Nahrungsmittel und Treibstoff sind weiterhin untragbar hoch und werden weiter steigen, wenn der imperialistische Krieg gegen den Iran eskaliert. Steuern, die im letzten Jahr abgeschafft wurden, sind unter neuen Namen wieder eingef\u00fchrt worden.<\/p>\n<p>Das einzige klare politische Ergebnis war die Einbindung der b\u00fcrgerlichen Opposition unter der F\u00fchrung des Milliard\u00e4rs Raila Odinga in Rutos Regierung, die faktisch durch Polizeiterror, Entf\u00fchrungen und staatlich organisierte Gewalt als eine parlamentarische Diktatur regiert.<\/p>\n<p>Das Ruto-Regime hat Tausende von Polizisten mobilisiert, darunter die ber\u00fcchtigte General Service Unit und die Rapid Deployment Unit. Die Hauptstadt ist voll mit gepanzerten Fahrzeugen, Wasserwerfern und Hundestaffeln. In Nairobi herrscht faktisch Belagerungszustand; auf der Parliamentary Road, der State House Road und vor den umliegenden Regierungsgeb\u00e4uden wurde ein riesiges Aufgebot an Sicherheitskr\u00e4ften stationiert. Wichtige Stra\u00dfen wurden abgeriegelt. Regierungssprecher Isaac Mwaura erkl\u00e4rte: \u201eEs wird keine Proteste geben. Wer einen Jahrestag begehen oder protestieren will, kann das bei sich zu Hause machen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Millionen lehnen die Ruto-Regierung ab<\/strong><\/p>\n<p>Der Ausbruch von Massenprotesten in ganz Kenia Mitte 2024, die haupts\u00e4chlich von Jugendlichen angef\u00fchrt wurden, stellten einen Wendepunkt im politischen und sozialen Leben des Landes dar, dessen Auswirkungen in ganz Afrika zu sp\u00fcren waren. Der Widerstand gegen das Finanzgesetz Financial Bill 2024, das Ruto im Auftrag des Internationalen W\u00e4hrungsfonds eingef\u00fchrt hatte, entwickelte sich schnell zu einem Aufstand gegen die ganze kapitalistische Ordnung, die nach der Unabh\u00e4ngigkeit des Landes entstanden war, und legte die tiefe Krise des kenianischen und globalen Kapitalismus offen.<\/p>\n<p>Das Finanzgesetz sah umfassende Steuererh\u00f6hungen f\u00fcr lebenswichtige G\u00fcter wie Treibstoff, Brot und Speise\u00f6l sowie neue Abgaben f\u00fcr digitale Dienstleistungen und mobile Transaktionen vor, von denen Millionen Menschen abh\u00e4ngig sind.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Ruto stellte das Gesetz als \u201enotwendige\u201c Ma\u00dfnahme zur Verringerung von Kenias rasant steigender Verschuldung dar, die mittlerweile \u00fcber 70 Prozent des BIP betr\u00e4gt. Tats\u00e4chlich beg\u00fcnstigte das Gesetz die Auspl\u00fcnderung des Landes im Auftrag des internationalen Finanzkapitals. Der IWF, der als Erf\u00fcllungsgehilfe des US- und des europ\u00e4ischen Imperialismus agiert, forderte diese Ma\u00dfnahmen, um die Schuldenr\u00fcckzahlungen an ausl\u00e4ndische Gl\u00e4ubiger und spekulative Investoren zu gew\u00e4hrleisten. Die Massen sollten die Kosten f\u00fcr eine Krise bezahlen, die durch jahrzehntelange imperialistische Pl\u00fcnderung, Korruption und die Unterordnung der kenianischen Wirtschaft unter die Profitforderungen des globalen Kapitals ausgel\u00f6st wurde.<\/p>\n<p>Daraufhin nahmen Millionen von Jugendlichen im ganzen Land an Protesten teil. Sie hatten keine formelle organisatorische Struktur und setzten sich \u00fcber die ethnischen Spaltungen hinweg, welche die herrschende Klasse seit langem kultiviert, um die Arbeiterklasse zu spalten. Mit Hilfe von Social Media-Plattformen, Memes, KI-Werkzeugen und \u00fcbersetzten Versionen des Finanzgesetzes entlarvten sie, was die Mainstreammedien und die politische Elite zu verbergen versucht hatten. Die Bewegung, deren wichtigste Parole \u201eRuto muss weg\u201c lautete, gewann rasch an Masse und Militanz; ihr H\u00f6hepunkt waren die Massendemonstrationen am 25. Juni 2024, als Demonstranten das Parlament st\u00fcrmten.<\/p>\n<p>Der kapitalistische Staat reagierte darauf mit hemmungsloser Gewalt. Allein am 25. Juni 2024 wurden in Nairobi und anderen St\u00e4dten mindestens 22 Menschen von den Sicherheitskr\u00e4ften get\u00f6tet, die Beamten sollen \u201ekuua, kuua\u201c (Swahili f\u00fcr \u201et\u00f6ten, t\u00f6ten&#8216;) gerufen habe. Unz\u00e4hlige Menschen wurden entf\u00fchrt, zahllose weitere gefoltert. Proteste wurden verboten, und staatlich finanzierte Schl\u00e4ger auf die Demonstranten gehetzt.<\/p>\n<p>Ruto ordnete erstmals den Einsatz des kenianischen Milit\u00e4rs im Inland an, um die unbewaffneten Proteste niederzuschlagen. Bis Ende des Jahres wurden mindestens 65 Teilnehmer der Proteste get\u00f6tet, mehr als 1.500 rechtswidrig verhaftet und 89 entf\u00fchrt, viele von ihnen sind noch immer nicht wieder aufgetaucht. Die Gewalt entlarvte den wahren Charakter des kenianischen Staates: einer b\u00fcrgerlichen Diktatur, die vom Imperialismus gest\u00fctzt und mit Kugeln und Kn\u00fcppeln aufrechterhalten wird.<\/p>\n<p>Es kam auf dem gesamten Kontinent zu Solidarit\u00e4tsprotesten, u.a. in Uganda, wo Pr\u00e4sident Yoweri Museveni seit vier Jahrzehnten regiert, in Nigeria und in Ghana. Auf Social-Media-Plattformen fanden heftige Diskussionen statt. Bilder der Demonstrationen in Nairobi, der Erst\u00fcrmung des Parlaments und der Polizeibrutalit\u00e4t wurden millionenfach geteilt. Der Aufstand erregte die Aufmerksamkeit der internationalen Jugend, die darin ein Spiegelbild ihrer eigenen sich verschlechternden sozialen Verh\u00e4ltnisse und ein Symbol des Widerstands sah..<\/p>\n<p><strong>Die Krise der revolution\u00e4ren F\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Doch diese Ereignisse zeigten auch sehr deutlich die zentrale politische Krise, mit der die Arbeiterklasse in Kenia und \u00fcberall auf der Welt konfrontiert ist, weil ihr eine revolution\u00e4re F\u00fchrung fehlt.<\/p>\n<p>Diejenigen, die sich als Alternativen zum Regime darstellten, erwiesen sich als Betr\u00fcger. Die b\u00fcrgerliche Oppositionskoalition Azimio la Umoja unter F\u00fchrung des Orange Democratic Movement (ODM) und dessen langj\u00e4hrigem Vorsitzenden, dem Milliard\u00e4r Raila Odinga, stellten sich an die Seite des Regimes. Nur ein Jahr zuvor hatte sich Odinga als Anf\u00fchrer von Demonstrationen gegen die K\u00fcrzungspolitik inszeniert. Doch als er die Kontrolle \u00fcber die Gen-Z-Proteste verlor, schloss er sich dem Ruto-Regime an, da er das revolution\u00e4re Potenzial der Bewegung f\u00fcrchtete. Er ging schnell dazu \u00fcber, die selbst ernannten Gen-Z-\u201eF\u00fchrer&#8216; an sich zu binden.<\/p>\n<p>Er erkl\u00e4rte: \u201eWir erreichen nichts, wenn wir das Land niederbrennen. Dialog ist der einzige Ausweg, und ich habe die Gelegenheit genutzt, um mich f\u00fcr Reformen einzusetzen. Wer das als Verrat bezeichnet, missversteht das Gesamtbild.\u201c<\/p>\n<p>Odinga folgte dabei einem bekannten Muster. In den 1990ern hatte er Proteste gegen die brutale, vom Westen unterst\u00fctzte Diktatur von Daniel arap Moi angef\u00fchrt, sp\u00e4ter schloss sich seine Partei mit Mois Partei KANU zusammen, er selbst wurde Energieminister. Nach der gestohlenen Wahl im Jahr 2007 beendete er den Widerstand und trat in eine Regierungskoalition mit Mwai Kibaki ein, obwohl 1.200 seiner Anh\u00e4nger durch staatliche Gewalt ums Leben gekommen und weitere 500.000 vertrieben worden waren. Dies wiederholte er 2018 nach einer weiteren umstrittenen Wahl mit einer Vereinbarung, an der Uhuru Kenyatta beteiligt war. Im Jahr 2023 mobilisierte er kurzzeitig Proteste gegen Rutos Finanzgesetz, um sie dann abzubrechen, als sie eine breitere, auf der Arbeiterklasse basierende Bewegung auszul\u00f6sen drohten.<\/p>\n<p>Odinga hat immer die Aufgabe erf\u00fcllt, den Massenwiderstand im engen Rahmen der kenianischen Stammespolitik und der verfassungsgem\u00e4\u00dfen Reformen zu halten. Dass er sich an Rutos Seite stellt, hat gezeigt, dass seine wahre Loyalit\u00e4t dem Erhalt der imperialistischen Ordnung gilt, von der sein unrechtm\u00e4\u00dfig erworbener Reichtum abh\u00e4ngt.<\/p>\n<p>Auch die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie hat aktiv daran mitgewirkt, den Aufstand abzuw\u00fcrgen. Die Central Organisation of Trade Unions (COTU), die 36 Gewerkschaften und 1,5 Millionen Arbeiter repr\u00e4sentiert und seit langem von dem B\u00fcrokraten Francis Atwoli angef\u00fchrt wird, stellte sich offen hinter das Ruto-Regime und verurteilte die Proteste. Atwoli erkl\u00e4rte: \u201eKenia ist ein Knotenpunkt wirtschaftlicher Aktivit\u00e4ten in dieser Region, den wir um jeden Preis sch\u00fctzen m\u00fcssen.\u201c Ruto m\u00fcsse unterst\u00fctzt werden, um \u201esicherzustellen, dass es in diesem Land friedlich bleibt.\u201c<\/p>\n<p>Die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie versuchte in jedem Stadium der Aktionen, die Arbeiter von den von der Jugend angef\u00fchrten Protesten zu isolieren und die Entstehung einer vereinten Massenbewegung zu verhindern. Dies begann mit den Massendemonstrationen und ging \u00fcber den Aufstand am 25. Juni bis hin zur landesweiten Streikwelle, an der sich u.a. Lehrkr\u00e4fte, Besch\u00e4ftigte des Gesundheitswesens, Flughafenpersonal, \u00f6ffentlich Bedienstete und Universit\u00e4tsdozenten beteiligten.<\/p>\n<p><strong>Der Stalinismus und die Pseudolinke<\/strong><\/p>\n<p>Die Verr\u00e4tereien von Odinga und der Gewerkschaftsb\u00fcrokratie waren nur m\u00f6glich durch die Unterst\u00fctzung der stalinistischen Communist Party of Kenya, die sich mittlerweile in Communist Party Marxist &#8211; Kenya (CPM-K) umbenannt hat, und der pseudolinken Revolutionary Socialist League (RSL). Diese Organisationen fungieren als politische Brandmauern des Regimes, die radikalisierte Teile der Jugend und Arbeiterklasse desorientieren. Sie inszenierten sich als Gegner von K\u00fcrzungspolitik und Unterdr\u00fcckung, doch ihre wirkliche Aufgabe war es, den Massenwiderstand in sicheren nationalistischen und pro-kapitalistischen Bahnen zu halten und die Entwicklung einer unabh\u00e4ngigen revolution\u00e4ren Bewegung der Arbeiterklasse zu verhindern.<\/p>\n<p>Die Communist Party Marxist &#8211; Kenya (CPM-K), die von maoistisch-stalinistischen Traditionen gepr\u00e4gt ist, intervenierte auf der Grundlage der Perspektive der \u201e<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2025\/03\/06\/wgqk-m06.html\">Nationalen Demokratischen Revolution\u201c,<\/a> einer betr\u00fcgerischen Zwei-Stufen-Theorie, die zuerst die Errichtung einer b\u00fcrgerlichen Demokratie vorsieht und den Sozialismus auf eine unbestimmte Zukunft vertagt. W\u00e4hrend der Gen-Z-Proteste bedeutete dies ein <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2025\/03\/05\/ruto-m05.html\">Schwanken<\/a> zwischen sch\u00fcchternen Appellen an Ruto, seine K\u00fcrzungsma\u00dfnahmen zur\u00fcckzunehmen, und Forderungen nach seinem R\u00fccktritt zu Gunsten einer kaum definierten \u201earmenfreundlichen\u201c Regierung oder \u201eVolksdemokratie\u201c.<\/p>\n<p>Im Mittelpunkt dieser Perspektive steht die Verherrlichung der Verfassung von 2010, an deren Ausarbeitung sie beteiligt waren und die sie als \u201eOrt des Klassenkampfs\u201c darstellen. Sie argumentieren, dass die Unf\u00e4higkeit der Bourgeoisie, die Vorgaben der Verfassung umzusetzen, das wichtigste Hindernis f\u00fcr Fortschritt sei. Sollte die Verfassung jedoch umgesetzt werden, f\u00fchre das \u201eunweigerlich\u201c zum Sozialismus. In Wirklichkeit h\u00e4lt dieses Programm die Arbeiter in den Grenzen der Reform des Nationalstaats gefangen, indem ein angeblich progressiver Fl\u00fcgel der herrschenden Klasse unter Druck gesetzt wird.<\/p>\n<p>Nach au\u00dfen vertritt die CPM-K eine Perspektive f\u00fcr die kenianische Bourgeoisie, die sich an China als angeblichem Weg zur nationalen Entwicklung orientiert. Die Partei macht sich den weit verbreiteten Hass auf den US-amerikanischen und europ\u00e4ischen Imperialismus zunutze und stellt Peking als wohlwollendere Alternative dar, indem sie Illusionen in die Multipolarit\u00e4t sch\u00fcrt \u2013 die Vorstellung, dass ein B\u00fcndnis mit rivalisierenden kapitalistischen Staaten wie China oder Russland eine fortschrittliche Alternative zur derzeitigen Weltordnung bieten k\u00f6nne, selbst wenn der Weltimperialismus in einen globalen Fl\u00e4chenbrand abgleitet.<\/p>\n<p>Die pseudolinke Revolutionary Socialist League (RSL) ging aus einer Abspaltung von der CPM-K hervor, die auf einer v\u00f6llig prinzipienlosen Grundlage erfolgte. Der zentrale Streitpunkt war nicht die stalinistische politische Grundlage der CPM-K, sondern deren Orientierung auf China. Daraufhin stellte sich die RSL an die Seite der angeblich trotzkistischen morenistischen International Socialist League (ISL), die ber\u00fcchtigt ist f\u00fcr ihre Unterst\u00fctzung des <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2022\/06\/28\/uzbv-j28.html\">Nato-Kriegs gegen Russland in der Ukraine<\/a> und ihre Besch\u00f6nigung des ukrainischen Faschismus. Die RSL verbreitet eine wirre Mischung aus Panafrikanismus, Identit\u00e4tspolitik und radikaler Phrasendrescherei.<\/p>\n<p>Trotz ihrer angeblichen Ablehnung gegen den Stalinismus arbeitet die RSL im National Provisional Coordination Committee of People\u2019s Assemblies mit der CPM-K zusammen, obwohl die kenianischen Stalinisten den Trotzkismus <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2025\/03\/28\/ytnn-m28.html\">verurteilen<\/a>, Stalins Ermordung der alten Bolschewiki in den 1930er Jahren verherrlichen und ank\u00fcndigen, \u201etrotzkistische Abweichungen\u201c mit \u201eeiserner Disziplin\u201c zu unterdr\u00fccken.<\/p>\n<p>Der einzige \u201eBeitrag\u201c der RSL zum Kampf der Gen-Z war ihr Beharren darauf, dass er ohne F\u00fchrung oder Organisation ablaufen m\u00fcsse. Ezra Otieno, ein f\u00fchrendes Mitglied der RSL, verherrlichte den spontanen Charakter der Bewegung und ihre fehlende Perspektive und erkl\u00e4rte, es sei \u201eeine gute Taktik, dass jetzt noch keine F\u00fchrung entstanden ist, weil die Regierung aktiv nach Anf\u00fchrern sucht. Als RSL gehen wir mit einem Ziel dorthin, denn wir m\u00fcssen mit den Massen solidarisch sein \u2013 wir stimmen mit dem, was sie sagen, v\u00f6llig \u00fcberein. Also gehen wir auf die Stra\u00dfe und versuchen, unsere Leute zu organisieren. Wenn wir mitmachen, tragen wir keine Transparente, denn die Leute gehen einfach ohne etwas, um sich zu bewegen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Theorie der permanenten Revolution<\/strong><\/p>\n<p>Der Gen Z-Aufstand hat vor allem deutlich gemacht, dass das Fehlen einer revolution\u00e4ren F\u00fchrung das entscheidende Hindernis f\u00fcr die Arbeiterklasse ist \u2013 nicht nur in Kenia, sondern in ganz Afrika und \u00fcberall auf der Welt. Der spontane Mut und die Militanz der Jugend sind kein Ersatz f\u00fcr ein klares politisches Programm und eine bewusste Strategie. Diese Strategie liefert nur die Theorie der permanenten Revolution, die von Leo Trotzki entwickelt und heute nur noch vom Internationalen Komitee der Vierten Internationale (IKVI) vertreten wird.<\/p>\n<p>Die permanente Revolution beginnt mit der Erkenntnis, dass die Kapitalistenklasse in L\u00e4ndern mit versp\u00e4teter kapitalistischer Entwicklung, wie in Kenia, die K\u00e4mpfe f\u00fcr Demokratie nicht mehr anf\u00fchren kann, wie sie es in den b\u00fcrgerlichen Revolutionen des 18. Jahrhunderts, wie in den USA und Frankreich, getan hat. In ehemaligen Koloniall\u00e4ndern wie Kenia sind die Kapitalisten vom ausl\u00e4ndischen Imperialismus abh\u00e4ngig und f\u00fcrchten das Proletariat, weswegen sie eine demokratische Herrschaft ablehnen. Demokratie ist nur m\u00f6glich, wenn die Arbeiterklasse die Staatsmacht ergreift und alle Ressourcen der Wirtschaft der Kontrolle der Arbeiter und unterdr\u00fcckten Massen unterstellt.<\/p>\n<p>Dieser Kampf kann nicht innerhalb nationaler Grenzen beschr\u00e4nkt bleiben. Die Arbeiterklasse ist eine revolution\u00e4re und internationale Klasse, die kein Interesse am Erhalt des Privateigentums an den Produktionsmitteln hat, das die Grundlage ihrer eigenen Ausbeutung bildet. Ebenso wenig empfindet sie Loyalit\u00e4t zu dem Nationalstaat, der die kapitalistische Ordnung und die b\u00fcrgerliche Herrschaft aufrechterh\u00e4lt und verteidigt. Sie ist objektiv vereint durch ihre Position im globalen System der kapitalistischen Ausbeutung und konfrontiert mit gemeinsamen Feinden in Form der transnationalen Konzerne, Banken und imperialistischen M\u00e4chte und ihren eigenen kapitalistischen Unterdr\u00fcckern.<\/p>\n<p>Die kenianische Arbeiterklasse muss ihren Kampf mit dem der Arbeiter auf dem gesamten afrikanischen Kontinent und in den imperialistischen Zentren verbinden, vor allem in den USA und Europa. Nur durch die internationale Einheit der Arbeiterklasse kann ein Kampf gegen K\u00fcrzungspolitik, Diktatur und imperialistischen Krieg erfolgreich sein. Das IKVI k\u00e4mpft gegen alle Verr\u00e4ter am Trotzkismus und f\u00fcr den Aufbau revolution\u00e4rer Parteien in allen L\u00e4ndern auf der Grundlage der internationalen Einheit der Arbeiterklasse und der Strategie der sozialistischen Weltrevolution.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Demonstrierende blockieren die vielbefahrene Autobahn zwischen Nairobi und Mombasa im Stadtteil Mlolongo, Nairobi (Kenia), 2. Juli 2024 [AP Photo\/Brian Inganga]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/06\/26\/yvsc-j26.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 27. Juni 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kipchumba Ochieng. Am 25. Juni 2024, vor genau einem Jahr, ersch\u00fctterte in Kenia der Aufstand der \u201eGeneration Z\u201c (Gen-Z) das politische Establishment und seine imperialistischen Hinterm\u00e4nner. 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