{"id":1566,"date":"2016-10-18T10:12:24","date_gmt":"2016-10-18T08:12:24","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1566"},"modified":"2016-10-18T10:12:24","modified_gmt":"2016-10-18T08:12:24","slug":"vio-me-immer-neue-gerichtstermine-aber-keine-gerechtigkeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1566","title":{"rendered":"VIO.ME &#8211; immer neue Gerichtstermine, aber keine Gerechtigkeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ein aktueller Kurzbericht \u00fcber die Situation der inzwischen legend\u00e4ren selbstverwalteten Fabrik in Thessaloniki. <\/strong><strong>Eine vors\u00e4tzliche und demonstrative Demontage der rechtlichen, politischen und sozialen<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> Institutionen des Landes findet seit Jahren statt und verschlimmert sich. Hiobsbotschaften sind ein allt\u00e4gliches Ph\u00e4nomen.<\/strong><\/p>\n<p>Ein brutaler Raubzug und Ausverkauf des staatlichen und des privaten Verm\u00f6gens vollzieht sich vor aller Augen: Rentner gehen auf die Strasse und werden mit brachialer Gewalt von der Polizei daran gehindert; allw\u00f6chentlich werden Privatwohnungen (Erstwohnsitze) versteigert \u2013 jedes Mal versuchen verzweifelte Menschen die Gerichtstermine zu blockieren und verhindern.<\/p>\n<p>Immer mehr Menschen warten monatelang auf die Auszahlung ihrer L\u00f6hne. Noch nie hat es so viel Schwarzarbeit, Prekarisierung und vollkommen ungesch\u00fctzte Arbeitsverh\u00e4ltnisse gegeben und die Folgen der Scheinselbst\u00e4ndigkeit sind nicht abzusehen. Fast 400.000 Menschen haben in den letzten Jahren das Land verlassen und versuchen im Ausland ein Auskommen zu finden.<\/p>\n<p>Doch das Schlimmste ist die Tatsache, dass diese desastr\u00f6se Memorandumspolitik ausgerechnet von einer \u201elinken\u201c Regierung umgesetzt wird. Doch trotz Resignation und Frustration gibt es immer noch Menschen, die nicht aufgeben, sondern k\u00e4mpfen. Eines der Beispiele f\u00fcr diese Kampfbereitschaft ist Vio.me.<\/p>\n<p>Nach einer vorl\u00e4ufigen Abwendung der Zwangsversteigerung von PHILKERAM (Muttergesellschaft) hatte die Solidarit\u00e4tsbewegung um Vio.Me (Karawane des Kampfes und der Solidarit\u00e4t) Ende Juni\/Anfang Juli einen dritten Marsch nach Athen organisiert. Dort hatten die KollegInnen von VIO.ME ein Treffen mit der Administration des Arbeitsministeriums gehabt, wo ihnen wieder einmal zugesichert wurde, dass die Regierung Tsipras ihre existentiellen Interessen ber\u00fccksichtigen w\u00fcrde. Nach Ende des Treffens wurde die Solidarit\u00e4tsdemonstration von Sondereinheiten der Bereitschaftspolizei kaltbl\u00fctig ohne jegliche Vorwarnung angegriffen. Zwei VIO.ME-Kollegen mussten in einem Krankenhaus \u00e4rztlich behandelt werden. Doch der Angriff der Polizei blieb erfolglos. Es kam zu spontanen, massiven Solidarit\u00e4tsbekundungen. Drei Tage lang haben viele Menschen die verschiedenen politischen Info- und Protestveranstaltungen besucht.<\/p>\n<p>Doch die Rache der Institutionen lie\u00df nicht lange auf sich warten. Zurzeit l\u00e4uft eine beh\u00f6rdliche Voruntersuchung gegen die VIO.ME-KollegInnen, weil sie angeblich <em>mehrere <\/em>Polizeibeamte w\u00e4hrend des bereits erw\u00e4hnten Einsatzes t\u00e4tlich angegriffen und verletzt h\u00e4tten. Die Absurdit\u00e4t dieser Unterstellung wird deutlich, wenn mensch die martialischen Kampfmonturen der Sondereinheiten betrachtet!<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug: Auch die Staatsanwaltschaft in Thessaloniki hat ein neues Ermittlungsverfahren gegen VIO.ME eingeleitet. Den KollegenInnen wird vorgeworfen, dass sie im Mai 2015 dem Konkursverwalter der fr\u00fcheren Firmeneigent\u00fcmerin den Zutritt zum Fabrikgel\u00e4nde verweigert h\u00e4tten. Das Ermittlungsverfahren wird von Amts wegen gegen die Basisgewerkschaft von VIO.ME wegen des Verdachts der \u201erechtswidrigen Gewaltanwendung\u201c durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>Kurz zu der Vorgeschichte <\/strong><\/p>\n<p>Seit Mai 2011 hatten die Kollegen von VIO.ME (damals 72 Personen) keinen Lohn mehr erhalten. Im Sommer des selben Jahres hatte die Eigent\u00fcmerin die Fabrik verlassen ohne den ArbeitnehmerInnen zu k\u00fcndigen ohne auch nur die ausstehenden Geh\u00e4lter auszuzahlen. Seit dieser Zeit halten die KollegInnen den Betrieb besetzt. Seitdem hat es mehrere unendliche Prozesse gegeben.<\/p>\n<p>Im Sommer 2014 stellte ein Gl\u00e4ubiger (AGET Herkules \u2013 eine Tochtergesellschaft des franz\u00f6sischen Unternehmens LAFARGE) den Antrag auf Zerschlagung der Mutterfirma PHILKERAM AG wegen einer ausstehenden Schuld von ca. 130,000 EUR. Das ist eine l\u00e4cherliche Summe verglichen mit den Gesamtschulden, die bei weitem die 20-Millionen-Grenze (Steuern, Sozialversicherungsbetr\u00e4ge, L\u00f6hne und Geh\u00e4lter, Banken und andere Gl\u00e4ubiger) \u00fcbersteigen.<\/p>\n<p>Das Urteil \u00fcber die Liquidierung der Mutter PHILKERAM wurde in erster Instanz gef\u00e4llt. Die Rechtsanw\u00e4lte von VIO.ME hatten daraufhin frist- und termingerecht Berufung eingelegt. Als der eingesetzte Konkursverwalter das Fabrikgel\u00e4nde betreten wollte, war das Berufungsverfahren noch anh\u00e4ngig. Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft ist noch nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p>Die unendliche Geschichte geht aber weiter: Die Justiz hat f\u00fcr den 20.10.2016 einen neuen Zwangsversteigerungstermin angesetzt. Angeblich ist dieser Termin der letzte der ersten Runde, der aus irgendwelchen Gr\u00fcnden bisher nicht zustande kommen konnte.<\/p>\n<p><strong>Seit Wochen mobilisiert VIO.ME zu neuem Widerstand<\/strong><\/p>\n<p>Verschiede Solidarit\u00e4tsstrukturen, Selbsthilfeprojekte, soziale Netzwerke, Basisgewerkschaften und linke politischen B\u00fcndnisse sollen in die Kampagne eingebunden werden. F\u00fcr Vio.Me ist dies kein juristischer, sondern ein politscher Fall.<\/p>\n<p>Es stellt sich die Frage: wer wendet hier eigentlich Gewalt an? Sind die 23 KollegInnen von VIO.ME die gewaltt\u00e4tigen T\u00e4ter und nicht etwa: Die fr\u00fchere Eigent\u00fcmerin, die 350 Menschen in die Arbeitslosigkeit und Armut geschickt hat?<\/p>\n<p>Die Familie Filippou, die dem gesamten Unternehmenskomplex massiv Liquidit\u00e4t entzogen hat und Schulden in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von mindestens 20 Mio verursacht hat? Dieselbe Familie, die hohe Summen an Sozialversicherungsbetr\u00e4gen und Steuern noch immer schuldet?<\/p>\n<p>Frau Filippou, die zu einer Haftsstrafe verurteilt wurde, zu der sie aber nicht antreten musste? Oder die Spekulanten, die darauf warten, die Produktionsst\u00e4tten mit einem Potenzial von ca. 300 Arbeitspl\u00e4tzen f\u00fcr ein Linsengericht zu zerschlagen.<\/p>\n<p>Der Justiz geht es vor allem um die Kriminalisierung eines selbstverwalteten Betriebes. Damit wollen sie den unabh\u00e4ngigen sozialen Widerstand im Keim ersticken. Vio.Me soll der Pr\u00e4zedenzfall daf\u00fcr werden.<\/p>\n<p>Trotz all dieser Widerst\u00e4nde machen die KollegInnen weiter: sie haben ihre Pallette von biologischen Reinigungsmitteln erweitert und sind dabei ein bisher umweltunfreundliches Produkt aus der alten Produktion (Kleber f\u00fcr die Bauwirtschaft) wieder zu produzieren, diesmal jedoch \u00f6kologisch.<\/p>\n<p>Vio:Me ist nicht nur eine besetzte Fabrik sondern hat auch Bedeutung f\u00fcr politisches und soziales Engagement.<\/p>\n<p>Auf ihrem Betriebsgel\u00e4nde befindet sich eine Zweigstelle der sozialen Solidatit\u00e4tsklinik von Thessaloniki (kiathess). Ferner unterhalten sie ein Depot zur Verteilung von Hilfsg\u00fctern an Fl\u00fcchtlinge.<\/p>\n<p>Zurzeit organisieren sie das zweite euro-mediterrane Treffen besetzter\/r\u00fcckeroberter\/selbstverwalteter Betriebe. Das Treffen findet vom 28. bis zum 30.10 2016 in Thessaloniki auf dem Vio.Me-Gel\u00e4nde statt.<\/p>\n<p>Das erste Treffen in Europa wurde bei fralib (Frankreich) abgehalten. N\u00e4hre Infos unter: <a href=\"http:\/\/euromedworkerseconomy.net\/\">http:\/\/euromedworkerseconomy.net<\/a><\/p>\n<p>K.K.<\/p>\n<p>GSKK &#8211; webseite: <a href=\"http:\/\/gskk.eu\/\">http:\/\/gskk.eu\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0<br \/>\nEin aktueller Kurzbericht \u00fcber die Situation der inzwischen legend\u00e4ren selbstverwalteten Fabrik in Thessaloniki. 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