{"id":15663,"date":"2025-08-06T18:35:56","date_gmt":"2025-08-06T16:35:56","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15663"},"modified":"2025-08-06T18:35:57","modified_gmt":"2025-08-06T16:35:57","slug":"die-dunkle-wolke-oder-hiroshima-ist-ueberall","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15663","title":{"rendered":"Die dunkle Wolke \u2013 oder: Hiroshima ist \u00fcberall!"},"content":{"rendered":"<p><em>Leo Ensel. <\/em><strong>Der 6. August 1945 war der Tag Null der Weltgeschichte. Der Tag, an dem bewiesen wurde, dass Menschen f\u00e4hig sind, die Menschheit als Gattung auszurotten und den Planeten komplett zu verw\u00fcsten. Der Kampf gegen diese Gefahr wird in alle Zukunft weitergehen m\u00fcssen. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Vor 80 Jahren, am 6. August 1945, einem Montag, um 8:16 Uhr Ortszeit wurde erstmals eine Atombombe \u00fcber belebtem Gebiet gez\u00fcndet \u2013 sie explodierte mit einer Hitzeentwicklung von fast 4.000 Grad Celsius 580 Meter \u00fcber dem Shima-Krankenhaus der japanischen Stadt Hiroshima, in der am Katastrophentag um die 400.000 Menschen lebten und die bis zu diesem Zeitpunkt von Bombardierungen verschont geblieben war. Ausgeklinkt wurde sie in einer H\u00f6he von fast zehn Kilometern aus dem amerikanischen B-29-Bomber \u201eEnola Gay\u201c, nachdem eine Dreiviertelstunde zuvor bereits ein anderer Bomber die Stadt \u00fcberflogen hatte, um die Wetterbedingungen zu pr\u00fcfen. Es war ein sch\u00f6ner sonniger Tag, ganz klarer Himmel. Die Bombe, in ihrer Sprengkraft vergleichbar mit einer heutigen \u201ataktischen\u2018 Atomwaffe, hatten die US-Milit\u00e4rs auf den Namen \u201eLittle Boy\u201c getauft.<\/p>\n<p><strong>Hunderttausende von \u201eTestopfern\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Mehr als 70.000 Menschen waren sofort tot. Die Bombe t\u00f6tete 90 Prozent der Bev\u00f6lkerung in einem Radius von 500 Metern um den Ground Zero. Die meisten Menschen verdampften oder vergl\u00fchten. Innerhalb einer Sekunde zerst\u00f6rte die Druckwelle 80 Prozent der Innenstadt. Ein Feuersturm vernichtete elf Quadratkilometer der Gro\u00dfstadt und trieb den f\u00fcr Atombomben charakteristischen Atompilz bis in 13 Kilometer H\u00f6he, der zwanzig Minuten sp\u00e4ter als hochkontaminierter radioaktiver Fallout auf die Umgebung niederging.<\/p>\n<p>Tote: 282.000. Davon 50 Prozent am Tag des Bombenabwurfes, 35 Prozent in den folgenden drei Monaten, 15 Prozent seit November 1945. (Die Zahlen variieren. Aber auch wenn die niedrigste Variante, 170.000 Opfer, unterstellt wird, bleibt sich im Prinzip alles gleich.) Krankheiten der \u00dcberlebenden (u.a.): Blutkrankheiten (Pernizi\u00f6se An\u00e4mie, Leuk\u00e4mie), durch Verbrennungen verursachte Hautwucherungen (Keloide), Lebererkrankungen, Katarakte, Posttraumatische Belastungsst\u00f6rungen. Bis heute sterben Menschen an durch den Bombenabwurf verursachten Krebserkrankungen.<\/p>\n<p>Drei Tage sp\u00e4ter, am 9. August um 11:02 Uhr, z\u00fcndeten die USA eine weitere Atombombe \u2013 sie trug den Namen \u201eFat Man\u201c \u2013 \u00fcber der im S\u00fcdwesten Japans gelegenen Hafenstadt Nagasaki. Tote: zwischen 60.000 und 80.000. Verletzte: um die 75.000.<\/p>\n<p>Monate sp\u00e4ter schickte das U.S. Strategic Bombing Survey \u00c4rzte in die weitgehend zerst\u00f6rten und verstrahlten St\u00e4dte. Ihre Aufgabe war es jedoch nicht, den zahllosen verletzten, hochtraumatisierten Menschen medizinische Hilfestellung zu leisten. Ihr Job war es, die Auswirkungen der radioaktiven Strahlung auf den menschlichen Organismus wissenschaftlich zu erforschen. Bei den Hunderttausenden von Toten und Verletzten der beiden japanischen St\u00e4dte hatte es sich aus US-amerikanischer Sicht \u2013 die \u201aFeder\u2018 str\u00e4ubt sich, dies niederzuschreiben, aber der Zynismus der Fakten muss ad\u00e4quat auf den Begriff gebracht werden \u2013 um \u201eTestopfer\u201c, um \u201emenschliche Versuchskaninchen\u201c gehandelt. Die sp\u00e4ter verbreitete Behauptung, die Atombomben seien auf Hiroshima und Nagasaki abgeworfen worden, um Japan zur Kapitulation zu zwingen, war eine Propagandal\u00fcge.<\/p>\n<p><strong>Endzeit und Zeitenende<\/strong><\/p>\n<p>Der 6. August 1945 war nicht ein Tag irgendeiner schrecklichen Katastrophe. Schlie\u00dflich wimmelt die menschliche Geschichte von Untaten und grausigen Verbrechen. Was dieses Datum zu einer Z\u00e4sur \u2013 und nicht nur der Menschheitsgeschichte, sondern auch der des gesamten Planeten \u2013 macht, ist die Tatsache, dass seit diesem Tage Menschen in der Lage sind, sich selbst als Gattung, m\u00f6glicherweise gar s\u00e4mtliches Leben auf diesem Globus zu vernichten.<\/p>\n<p>Der Philosoph G\u00fcnther Anders (1902 \u2013 1992), der sich als einer der Allerersten die Aufgabe gestellt hat, f\u00fcr diese pr\u00e4zedenzlose \u2013 von keinem Philosophen, selbst keinem Theologen jemals vorhergesehene \u2013 M\u00f6glichkeit der <em>menschgemachten Apokalypse<\/em> eine angemessene Sprache zu finden (denn was man nicht benennen kann, kann man auch nicht verstehen, nein: nicht vorstellen, nein: noch nicht einmal richtig wahrnehmen), hat diesen unerh\u00f6rten Umstand Ende der F\u00fcnfzigerjahre auf klassische Formulierungen gebracht.<\/p>\n<p><em>\u201eHiroshima als Weltzustand. Mit dem 6. August 1945, dem Hiroshimatage, hat ein neues Zeitalter begonnen. Das Zeitalter, in dem wir in jedem Augenblick jeden Ort, nein unsere Erde als ganze in ein Hiroshima verwandeln k\u00f6nnen. Seit diesem Tage sind wir modo negativo allm\u00e4chtig geworden; aber da wir in jedem Augenblick zugleich ausgel\u00f6scht werden k\u00f6nnen, bedeutet das zugleich: Seit diesem Tage sind wir total ohnm\u00e4chtig. Gleich wie lange, gleich ob es ewig w\u00e4hren wird, dieses Zeitalter ist das letzte: Denn sein Charakteristikum, die M\u00f6glichkeit unserer Selbstausl\u00f6schung, kann niemals enden \u2013 es sei denn durch das Ende selbst.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die Konsequenz: Das menschliche Dasein definiert sich nach Anders seitdem als \u201eFrist\u201c. Wir leben als \u201eGerade-noch-nicht-Nichtseiende\u201c. Durch diese Tatsache hat sich die moralische Grundfrage ver\u00e4ndert: Der klassischen Frage \u201eWie wollen wir leben?\u201c hat sich die Frage \u201eWerden wir leben?\u201c untergeschoben. Anders:<\/p>\n<p>\u201e<em>Auf die \u201aWie-Frage\u2018 gibt es f\u00fcr uns, die wir in unserer Frist gerade noch leben, nur die eine Antwort: \u201aWir haben daf\u00fcr zu sorgen, dass die Endzeit, obwohl sie jederzeit in Zeitenende umschlagen k\u00f6nnte, endlos werde; also dass der Umschlag niemals eintrete.\u2018\u201c <\/em><\/p>\n<p><strong>Zeitweiliger Widerstand<\/strong><\/p>\n<p>Die scharfsinnigen Analysen von Menschen wie G\u00fcnther Anders und Albert Einstein \u2013 <em>\u201eDie entfesselte Kraft des Atoms hat alles ver\u00e4ndert \u2013 nur nicht unsere Art zu denken, und so treiben wir auf eine Katastrophe ohnegleichen zu. Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.\u201c<\/em> \u2013 blieben nicht v\u00f6llig wirkungslos.<\/p>\n<p>Im Juli 1955 rief der Philosoph Bertrand Russell zur \u00c4chtung eines k\u00fcnftigen Weltkrieges auf, der unweigerlich mit Massenvernichtungsmitteln ausgetragen werden w\u00fcrde. Sein Aufruf wurde unter anderem von den Physiknobelpreistr\u00e4gern Max Born und Albert Einstein unterzeichnet. Ende der F\u00fcnfzigerjahre entstanden in der alten Bundesrepublik als Reaktion auf die zeitweise geplante Ausr\u00fcstung der Bundeswehr mit taktischen Atombomben die Bewegung \u201eKampf dem Atomtod\u201c und die \u201eOstermarschbewegung\u201c. Gegen eine \u2013 vom damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer als \u201eWeiterentwicklung der Artillerie\u201c \u2013 verharmloste atomare Bewaffnung der Bundeswehr wandten sich im April 1957 auch 18 hoch angesehene Atomphysiker der Bundesrepublik Deutschland (unter ihnen die Nobelpreistr\u00e4ger Otto Hahn, Max Born und Werner Heisenberg) in ihrem gemeinsamen \u201eG\u00f6ttinger Manifest\u201c und verbanden dies mit einem unzweideutigen Akt zivilen Ungehorsams:<\/p>\n<p>\u201e<em>Jedenfalls w\u00e4re keiner der Unterzeichnenden bereit, sich an der Herstellung, der Erprobung oder dem Einsatz von Atomwaffen in irgendeiner Weise zu beteiligen.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die Ostermarschbewegung starb in den Sechzigerjahren zeitweise ab \u2013 die SPD hatte ihr auf amerikanischen Druck den Finanzhahn zugedreht \u2013, erlebte aber in der ersten H\u00e4lfte der Achtzigerjahre im Zuge des sogenannten NATO-Nachr\u00fcstungsbeschlusses zusammen mit der Neuen Friedensbewegung eine Renaissance. Nie gab es, was die Gefahr einer m\u00f6glichen atomaren Vernichtung betrifft, so viele sensible (und aktionsbereite) Bev\u00f6lkerungsgruppen wie in den Achtzigerjahren in Westeuropa, den USA und \u2013 unter sehr anderen Bedingungen \u2013 auch in einigen Staaten des Warschauer Paktes.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen kurzen, wundersch\u00f6nen Moment erreichte in Gestalt von Michail Gorbatschows Politik des \u201eNeuen Denkens\u201c Einsteins Postulat aus dem Jahre 1946 sogar die H\u00f6hen der Weltpolitik. Und keinesfalls vergebens: Vor allem dank der Entschlossenheit der damaligen Sowjetadministration wurden sage und schreibe 80 Prozent aller Atomsprengk\u00f6pfe weltweit verschrottet!<\/p>\n<p><strong>Zweitausendf\u00fcnfhundertmal ein Zweiter Weltkrieg<\/strong><\/p>\n<p>Seitdem haben die Zeiten allerdings geh\u00f6rig gewechselt. In den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten wurden \u2013 ausschlie\u00dflich auf Initiative der USA \u2013 fast s\u00e4mtliche Abr\u00fcstungs- und R\u00fcstungskontrollvertr\u00e4ge geschleift, unter anderem der bedeutendste Abr\u00fcstungsvertrag der Weltgeschichte, der Ende 1987 von Michail Gorbatschow und Ronald Reagan unterzeichnete INF-Vertrag.<\/p>\n<p>Nicht erst seit Russlands Krieg gegen die Ukraine bekommen die Kalten Krieger wieder Oberwasser: Atombomben sind l\u00e4ngst wieder salonf\u00e4hig, eine neue, noch gef\u00e4hrlichere nukleare Aufr\u00fcstungsspirale ist bereits im Gange, Szenarien f\u00fcr einen m\u00f6glichen Ersteinsatz und einen angeblich begrenz- und gewinnbaren Atomkrieg liegen \u2013 sowohl in den USA als auch in der Russischen F\u00f6deration \u2013 in den Schubladen, deutsche Politiker und Politikerinnen, nicht zuletzt einer ehemals pazifistischen Partei, faseln von \u201enuklearer Teilhabe\u201c, und im kommenden Jahr sollen in Deutschland \u2013 und nur hier! \u2013 wieder Marschflugk\u00f6rper und Hyperschallraketen stationiert werden, die weit hinter den Ural zielen. Namhafte russische Experten <a href=\"https:\/\/globalbridge.ch\/welche-rolle-spielen-atomwaffen-in-den-heutigen-internationalen-beziehungen\/\">raunen omin\u00f6s<\/a> vom \u201e\u00dcbergang von einer passiven zu einer zunehmend aktiven nuklearen Abschreckung\u201c. Und Donald Trump beweist Sinn f\u00fcr \u00c4sthetik, indem er ausgerechnet im Umfeld der achtzigsten Jahrestage von Hiroshima und Nagasaki zwei Atom-U-Boote gegen Russland \u201ein die geeigneten Regionen\u201c <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/amerika\/trump-russland-atom-u-boote-100.html\">verlegen<\/a> l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Einer <a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/ueber-40-prozent-der-europaeer-und-amerikaner-halten-einen-weltkrieg-in-5-10-jahren-fuer-wahrscheinlich\/\">YouGov-Umfrage<\/a> in Gro\u00dfbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien, aber auch in den USA zufolge gehen mittlerweile zwischen 41 und 55 Prozent der Befragten davon aus, dass ein Dritter Weltkrieg in den n\u00e4chsten f\u00fcnf bis zehn Jahren wahrscheinlich ist, und mehr als zwei Drittel der Befragten (68 bis 76 Prozent) glauben, dass dies ein Atomkrieg sein wird.<\/p>\n<p>Sogenannte Fachleute geben als Datum bereits das Jahr 2030 an oder erkl\u00e4ren gleich forsch diesen Sommer zum <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/politik\/experte-warnt-koennte-unser-letzter-sommer-im-frieden-sein-93645840.html\">letzten Friedenssommer<\/a> \u2026 Haben sie eigentlich alle vergessen, dass die neun Atomm\u00e4chte laut <a href=\"https:\/\/assets.nationbuilder.com\/ican\/pages\/8225\/attachments\/original\/1749755704\/ICAN_Spending_Report_Hidden_Costs_final_spreads.pdf?1749755704\">ICAN<\/a> f\u00fcr Atombomben 274 Millionen US-Dollar pro Tag (rund 190.000 US-Dollar pro Minute) ausgeben? Dass allein die gegenw\u00e4rtig weltweit gelagerten <a href=\"https:\/\/www.telepolis.de\/features\/Atomkrieg-fuehrbar-Der-gefaehrliche-Irrglaube-der-Supermaechte-10483095.html\">\u00fcber 12.000 Atombomben<\/a> \u2013 9.500 von ihnen einsatzbereit und davon 2.000 in hoher Alarmbereitschaft \u2013 zusammen schon \u00fcber eine Sprengkraft von <a href=\"https:\/\/www.infosperber.ch\/politik\/der-atomwaffen-irrsinn-in-zahlen\/\">146.000 Hiroshima-Bomben<\/a> bzw. von rund zweitausendf\u00fcnfhundert Zweiten Weltkriegen verf\u00fcgen?<\/p>\n<p>Und die \u00fcberwiegende Mehrheit der Zeitgenossen verharrt nach wie vor in <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=131741\">Apathie und Schockstarre<\/a> und l\u00e4sst all dies v\u00f6llig kritik- und klaglos \u00fcber sich ergehen! Der Widerstand gegen diese Entwicklung regt sich, wenn \u00fcberhaupt, erst \u00e4u\u00dferst zaghaft.<\/p>\n<p><strong>Die dunkle Wolke<\/strong><\/p>\n<p>Dabei ist die Aufgabe, die vor uns liegt, nichts weniger als gigantisch: Das Ziel muss nicht nur mit beispielloser <em>Hartn\u00e4ckigkeit<\/em> verfolgt werden, sondern auch <em>illusionslos<\/em> und \u2013 <em>endlos<\/em>!<\/p>\n<p>Auch dies hat G\u00fcnther Anders bereits Ende der F\u00fcnfzigerjahre meisterhaft auf den Begriff gebracht:<\/p>\n<p>\u201e<em>So gewaltig der Mensch sein mag \u2013 eines kann er nicht: Sein eigenes K\u00f6nnen kann er nicht widerrufen! Und so gro\u00dfartig die F\u00e4higkeit seines Lernens sein mag, eines kann er nicht lernen; n\u00e4mlich dasjenige, was er kann, zu verlernen. Die Atomwaffen, die er gerade hat, die kann er zwar abschaffen; aber seine Kenntnis der Herstellung, die kann er nicht wieder loswerden.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Das hei\u00dft: Selbst wenn es keinen einzigen Atomsprengkopf mehr g\u00e4be, keine Versuchsexplosion, keinen Testflug, keine Abschussrampe und kein Land, das an der Herstellung dieser Waffen arbeiten w\u00fcrde \u2013 eliminiert w\u00e4re damit die Gefahr nicht! Da durch die momentane Abschaffung der bedrohenden Ger\u00e4te die F\u00e4higkeit, diese Ger\u00e4te herzustellen, nicht mitabgeschafft w\u00e4re, w\u00fcrden wir uns noch immer, und zwar f\u00fcr alle Zukunft, in der apokalyptischen Situation befinden, also in der Situation, in der sich die Menschheit durch sich selbst zugrunde richten k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Der notwendige Kampf f\u00fcr eine <em>physische Vernichtung<\/em> aller existierenden Massenvernichtungsmittel \u2013 f\u00fcr die sich auch <a href=\"https:\/\/www.gorby.ru\/presscenter\/news\/show_30157\/\">Michail Gorbatschow<\/a> bis zu seinem Lebensende immer wieder ausgesprochen hat \u2013 muss daher nach G\u00fcnther Anders durch Ma\u00dfnahmen einer anderen Kategorie erg\u00e4nzt werden, durch Ma\u00dfnahmen, die uns davon <em>abhalten<\/em>,<em> dasjenige zu tun, was wir tun k\u00f6nnen<\/em>, sprich: diejenigen Ger\u00e4te herzustellen, deren Herstellungsart zu vergessen wir unf\u00e4hig sind.<\/p>\n<p>\u201e<em>Das hei\u00dft aber: Die Verwandlung des Menschen wird eine Verwandlung seiner Moral sein m\u00fcssen. Das Bewusstsein, dass es sich hier um ein absolutes Tabu handelt, wird in jedem von uns Milliarden Menschen so tiefe Wurzeln schlagen und wird so allgemein werden m\u00fcssen, dass, wer auch immer in Betracht z\u00f6ge, sich zur Durchsetzung seiner politischen Ziele dieser Mittel zu bedienen, sich der \u00c4chtung der gesamten Menschheit gegen\u00fcbers\u00e4he.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Kurz und ohne Illusionen: Der Kampf gegen die Gefahr der atomaren Selbstvernichtung der Menschheit wird ein <em>niemals mehr endender Kampf<\/em> sein m\u00fcssen. Denn jeder der noch kommenden Generationen \u2013 sofern es sie geben wird \u2013 wird diese Gefahr als <em>M\u00f6glichkeit<\/em> wie eine dunkle Wolke vorausziehen. \u2013 Lassen wir dem gro\u00dfen Philosophen des Atomzeitalters das letzte Wort:<\/p>\n<p>\u201e<em>Jeder gewonnene Tag wird zwar ein gewonnener Tag sein. Aber kein gewonnener Tag wird eine Garantie f\u00fcr die Gewinnung des morgigen Tages darstellen. Ankommen werden wir niemals. Was vor uns steht, ist also die Endlosigkeit der Unsicherheit. Und unsere nicht endende Aufgabe wird sein, dass mindestens diese Unsicherheit kein Ende nehme.\u201c <\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=137018\"><em>nachdenkseiten.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 6. August 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leo Ensel. Der 6. August 1945 war der Tag Null der Weltgeschichte. Der Tag, an dem bewiesen wurde, dass Menschen f\u00e4hig sind, die Menschheit als Gattung auszurotten und den Planeten komplett zu verw\u00fcsten. 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