{"id":15682,"date":"2025-08-24T15:10:34","date_gmt":"2025-08-24T13:10:34","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15682"},"modified":"2025-08-24T15:10:40","modified_gmt":"2025-08-24T13:10:40","slug":"israels-langer-krieg-gegen-palaestina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15682","title":{"rendered":"Israels langer Krieg gegen Pal\u00e4stina"},"content":{"rendered":"<p><em>Avi Shlaim. <\/em><strong>In diesem Krieg ist Israel \u00fcber Landraub und ethnische S\u00e4uberungen hinausgegangen und hat das Verbrechen aller Verbrechen begangen: V\u00f6lkermord.<\/strong><\/p>\n<p><em>Historiker Avi Shlaim nimmt nun Israels Politik gegen\u00fcber dem Gazastreifen in seinem aktuellen Buch\u00a0<\/em><a href=\"https:\/\/t9da1ea6c.emailsys1a.net\/c\/191\/8534346\/0\/0\/0\/502856\/e36c03839b.html\"><em>\u00bbGenozid in Gaza. Israels langer Krieg gegen Pal\u00e4stina\u00ab<\/em><\/a><em> kompromisslos unter die Lupe. Ein Auszug.<\/em><!--more--><\/p>\n<p>Dieser kurze R\u00fcckblick auf Israels Verhalten im Jahr nach dem Hamas-Anschlag vom 7. Oktober offenbart ein konsistentes Muster der Zur\u00fcckhaltung bei der Diplomatie und des R\u00fcckgriffs auf rohe milit\u00e4rische Gewalt im Umgang mit seinen pal\u00e4stinensischen, arabischen und iranischen Gegnern. Es zeichnet sich das Bild eines Landes ab, das vom Schwert lebt, eines Landes, das s\u00fcchtig nach milit\u00e4rischer Gewalt ist, eines streitlustigen, schie\u00dfw\u00fctigen, ethnonationalistischen, rassistisch-suprematistischen Staates, der das V\u00f6lkerrecht v\u00f6llig ignoriert. Was sind die Ursachen f\u00fcr diese Vorliebe f\u00fcr milit\u00e4rische Gewalt und Zwang, selbst wenn alternative diplomatische Wege zur Verf\u00fcgung stehen? Eine Antwort lautet, dass Israel, wie ein Mann mit einem Hammer in der Hand, jedes Problem als Nagel betrachtet.<\/p>\n<p><strong>Nakba: Ein kontinuierlicher Prozess<\/strong><\/p>\n<p>Eine tiefere Erkl\u00e4rung ist, dass Israel ein Siedlerkolonialisierungsprojekt ist und die Logik des Siedlerkolonialismus die Vertreibung der Einheimischen und die \u00dcbernahme ihres Landes ist. Dieses Ziel kann nicht durch Diplomatie und Verhandlungen erreicht werden. Sie kann nur einseitig und mit milit\u00e4rischer Gewalt erreicht werden. Gewalt, so diese Analyse, liegt Israel als Kolonialmacht im Blut. Israel behauptet, Gewalt sei nicht von ihm initiiert, sondern ihm aufgezwungen worden, alle seine Kriege seien defensiver, nicht offensiver Natur gewesen, keine freiwilligen, sondern unfreiwillige Kriege. Golda Meir verk\u00f6rperte diese selbstgerechte Haltung mit ihrer Aussage: \u201eAlle Kriege gegen uns haben nichts mit uns zu tun.\u201c Diese Sichtweise ignoriert jedoch v\u00f6llig die Rolle, die Israel, insbesondere durch seine Besetzung arabischer und pal\u00e4stinensischer Gebiete, bei der Entstehung arabisch-israelischer Kriege gespielt hat. In allen Kriegen Israels seit Juni 1967 ging es darum, das zionistische Kolonialprojekt \u00fcber die Gr\u00fcne Linie hinaus zu verteidigen und auszuweiten.<\/p>\n<p>Israels einseitiger R\u00fcckzug aus Gaza im Jahr 2005 markierte nicht die Aufgabe des zionistischen Kolonialprojekts, sondern dessen aggressivere Verfolgung im Westjordanland. Die ethnische S\u00e4uberung Pal\u00e4stinas setzte sich nach dem Abzug aus Gaza fort. 1948 flohen drei Viertelmillionen Pal\u00e4stinenser entweder aus ihrer Heimat oder wurden vertrieben. Das war die Nakba, die Katastrophe. Die Nakba ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Nach dem Abzug aus Gaza setzte sich die ethnische S\u00e4uberung im Westjordanland fort. In Gaza blieb Israel v\u00f6lkerrechtlich die Besatzungsmacht, da es den Zugang zu dem Gebiet zu Land, zu Wasser und aus der Luft weiterhin kontrollierte. Israel bot der Bev\u00f6lkerung Gazas keine politische Perspektive, sondern nur Blockaden und den periodischen Einsatz brutaler Milit\u00e4rgewalt. Alle paar Jahre startete Israel eine Milit\u00e4roffensive in einem nie endenden Kreislauf der Gewalt, den israelische Gener\u00e4le k\u00fchl als \u201eRasenm\u00e4hen\u201c bezeichneten.<\/p>\n<p>Der Hamas-Angriff vom 7. Oktober, so brutal und m\u00f6rderisch er auch war, ereignete sich nicht im luftleeren Raum. Er geschah vor diesem d\u00fcsteren Hintergrund. Im wahrsten Sinne des Wortes war er eine Reaktion auf ein halbes Jahrhundert brutaler Besatzung und grausamer Unterdr\u00fcckung. Aber auch die Heftigkeit, das Ausma\u00df und der Erfolg des Angriffs, um den Gazastreifen und die israelischen Siedlungen im S\u00fcden mit Bodentruppen, waren beispiellos. Israels Reaktion auf den \u00dcberraschungsangriff war ebenfalls beispiellos in der Heftigkeit. Meiner Sch\u00e4tzung nach war dies die achte israelische Milit\u00e4roffensive gegen Gaza seit dem Abzug 2005. Ich erwartete daher einige, zwangsl\u00e4ufig brutalere Aktionen, aber immer noch im Sinne des \u201eRasenm\u00e4hens\u201c. Ich erwartete keinen umfassenden Krieg zur Vernichtung der Hamas und zur Zerst\u00f6rung gro\u00dfer Teile Gazas. Ebenso wenig erwartete ich eine ethnische S\u00e4uberung Gazas, doch diese stellte sich als eines der Ziele der Regierung heraus, das bisher nur durch den entschiedenen \u00e4gyptischen Widerstand vereitelt wurde. Noch weniger erwartete ich, dass diese Milit\u00e4roffensive in einem V\u00f6lkermord gipfeln w\u00fcrde.<\/p>\n<p><strong>Der Entmenschlichung jeglicher Menschen widerstehen<\/strong><\/p>\n<p>Im Laufe der Jahre habe ich ausf\u00fchrlich und kritisch \u00fcber Israel und seinen Umgang mit den Pal\u00e4stinensern geschrieben. Eine Reihe von Essays, die 2021 in Irish Pages ver\u00f6ffentlicht wurden, erschien unter der \u00dcberschrift \u201eIsrael und die Aggressivit\u00e4t der Macht\u201c. An anderer Stelle schrieb ich \u00fcber Israels Machtmissbrauch. Ich habe eine lange Litanei von Klagen gegen den Staat Israel zusammengetragen, V\u00f6lkermord war jedoch keine davon. In meiner Autobiografie \u201eDrei Welten, Erinnerungen eines arabischen Juden\u201c aus dem Jahr 2023 schrieb ich:<\/p>\n<p>Der Holocaust wurde von Israels Freunden h\u00e4ufig herangezogen, um Israels Sicherheitsbesessenheit zu erkl\u00e4ren und seinen harten Umgang mit den Pal\u00e4stinensern zu rechtfertigen. Israels extremere Kritiker hingegen haben Israels Umgang mit den Pal\u00e4stinensern gelegentlich als nicht besser angeprangert als den Umgang Nazideutschlands mit den Juden. Solche Vergleiche sind weit hergeholt: Trotz all seiner S\u00fcnden hat Israel keinen V\u00f6lkermord begangen. Es ist jedoch auch nicht gerechtfertigt, den Holocaust als moralisches Erpressungsmittel zu nutzen, um berechtigte Kritik an Israels Behandlung der Pal\u00e4stinenser zum Schweigen zu bringen. Die Entmenschlichung des \u201eAnderen\u201c wird zwangsl\u00e4ufig schreckliche Folgen haben, wer auch immer dieser \u201eAndere\u201c sein mag. Israels systematische Entmenschlichung des pal\u00e4stinensischen Volkes hatte zweifellos verheerende Folgen; sie bereitete den Boden f\u00fcr dessen Unterdr\u00fcckung und Brutalisierung.<\/p>\n<p>Der Holocaust ist der Archetyp eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit. F\u00fcr mich als Jude und Israeli lehrt uns der Holocaust daher, der Entmenschlichung jeglicher Menschen zu widerstehen, einschlie\u00dflich der pal\u00e4stinensischen \u201eOpfer der Opfer\u201c (wie Edward Said sie nannte), denn die Entmenschlichung eines Volkes kann, wie in den 1940er Jahren in Europa, leicht zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit f\u00fchren. (S. 46 \u2013 47).<\/p>\n<p><strong>Fast t\u00e4glich Kriegsverbrechen<\/strong><\/p>\n<p>In Gaza hat Israel als Reaktion auf den Angriff vom 7. Oktober die rote Linie \u00fcberschritten, die allt\u00e4gliche Kriegsverbrechen vom V\u00f6lkermord trennt. Nationen, die V\u00f6lkermord begehen, geben dies selten zu, geschweige denn, dass sie es \u00f6ffentlich kundtun. Sie verbergen ihre v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Handlungen hinter einem dicken Schleier der Geheimhaltung. Israels politische und milit\u00e4rische F\u00fchrung hingegen hat keinen Versuch unternommen, ihre v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Absichten zu verbergen, wie dieses Buch ausf\u00fchrlich dokumentiert. Manche ihrer \u00c4u\u00dferungen sind wahrhaft gruselig. Die V\u00f6lkermord-Rhetorik bestand nicht nur aus leeren Worten; sie wurde durch einen brutalen, sadistischen Angriff auf die Bev\u00f6lkerung von Gaza in die Tat umgesetzt: durch die Abschlachtung unschuldiger Zivilisten im industriellen Ma\u00dfstab, die systematische Zerst\u00f6rung ziviler Infrastruktur, den Einsatz von Hunger als Kriegswaffe, die Bombardierung von Krankenh\u00e4usern und Gesundheitszentren und die Unterwerfung der Bev\u00f6lkerung von Gaza unter Lebensbedingungen, die ihren Tod herbeif\u00fchren sollten. Zum ersten Mal in der Geschichte k\u00f6nnen wir nun t\u00e4glich einen V\u00f6lkermord live auf unseren Fernsehbildschirmen verfolgen.<\/p>\n<p>Die Logik dieser abscheulich grausamen Behandlung \u201eder Anderen\u201c ist eng mit Israels Wesen als kolonialem Siedlerstaat verbunden. Hinter dem Handeln Israels steht eine rassistische, siedlerkolonialistische Ideologie des 19. Jahrhunderts. Francesca Albanese, die UN-Sonderberichterstatterin f\u00fcr die Menschenrechtslage in den pal\u00e4stinensischen Gebieten, hat diesen Zusammenhang mit deutlicher Klarheit dargelegt. In ihrem Bericht vom 25. M\u00e4rz 2024 an den UN-Menschenrechtsrat schrieb sie: \u201eIsraels Handeln wurde von einer v\u00f6lkerm\u00f6rderischen Logik getrieben, die integraler Bestandteil seines siedlerkolonialen Projekts in Pal\u00e4stina ist und eine angek\u00fcndigte Trag\u00f6die signalisiert.\u201c Der Titel des Berichts lautet \u201eAnatomie eines V\u00f6lkermords\u201c.<\/p>\n<p>Im ersten Kriegsjahr beging Israel fast t\u00e4glich Kriegsverbrechen. Es handelte v\u00f6llig ungestraft und unter eklatanter Missachtung des humanit\u00e4ren V\u00f6lkerrechts. Der Reputationsschaden f\u00fcr das Land war enorm. Nach seiner Gr\u00fcndung 1948 genoss Israel aufgrund seiner Demokratie gro\u00dfe internationale Sympathie und Unterst\u00fctzung. Nach 1967 begann diese Sympathie zu schwinden, w\u00e4hrend die Sympathie f\u00fcr die pal\u00e4stinensische Sache stetig zunahm. Der Gaza-Krieg 2023 markierte einen wichtigen Wendepunkt f\u00fcr Israels Abstieg zum internationalen Paria.<\/p>\n<p>Die M\u00fchlen der internationalen Justiz mahlen langsam, aber sie haben sich in Bewegung gesetzt. Der Chefankl\u00e4ger des Internationalen Strafgerichtshofs hat Haftbefehle gegen Netanjahu, seinen Verteidigungsminister und den Stabschef der israelischen Streitkr\u00e4fte wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beantragt. Der Chefankl\u00e4ger beantragte zudem Haftbefehle gegen die drei f\u00fchrenden Politiker der Hamas, die im Westen als terroristische Organisation ge\u00e4chtet ist. Der Internationale Gerichtshof hat die israelische Besetzung pal\u00e4stinensischer Gebiete f\u00fcr illegal erkl\u00e4rt und einen sofortigen R\u00fcckzug und Reparationen gefordert. In einem separaten Urteil vom Januar 2024 stellte das Gericht fest, dass in Gaza ein plausibles Risiko eines V\u00f6lkermords bestehe, und forderte Israel auf, von v\u00f6lkermordgef\u00e4hrdender Rhetorik und v\u00f6lkermordgef\u00e4hrdenden Handlungen abzusehen. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedete am 18. September 2024 mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit eine Resolution, die Israel auffordert, seine unrechtm\u00e4\u00dfige Pr\u00e4senz in den besetzten pal\u00e4stinensischen Gebieten unverz\u00fcglich zu beenden.<\/p>\n<p><strong>Israel: Der unsicherste Ort f\u00fcr Juden<\/strong><\/p>\n<p>Israels Verhalten im jahrelangen Gaza-Krieg schadete nicht nur seinem eigenen Ruf, sondern beschleunigte auch den Niedergang der von den USA gef\u00fchrten liberalen internationalen Ordnung, die nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet worden war. Zentral f\u00fcr diese Ordnung ist die Gleichheit aller Staaten vor dem Gesetz und die Verantwortung f\u00fcr ihre Handlungen. Israel wurde jedoch als Ausnahme behandelt, und das US-Veto im Sicherheitsrat stellte sicher, dass Israel weder f\u00fcr seine demonstrative Ablehnung von UN-Resolutionen noch f\u00fcr seine eklatanten Verst\u00f6\u00dfe gegen das V\u00f6lkerrecht sanktioniert wurde. Westliche Doppelmoral ist nat\u00fcrlich nichts Neues, wurde aber durch den eklatanten Kontrast zwischen der berechtigten Emp\u00f6rung des Westens \u00fcber Russlands Invasion in der Ukraine und seiner uneingeschr\u00e4nkten Unterst\u00fctzung f\u00fcr Israels Invasion in Gaza deutlich. Doppelmoral ist den USA nicht fremd. Der eigentliche Wandel liegt nicht in der Substanz, sondern in der unverfrorenen Dreistigkeit und Unverfrorenheit, mit der sie nun schwerste Verst\u00f6\u00dfe erm\u00f6glichen. Dies zwang den Rest der Welt zu der Erkenntnis, was der globale S\u00fcden schon immer wusste, n\u00e4mlich dass das V\u00f6lkerrecht nur gegen die Schwachen durchgesetzt wird.<\/p>\n<p>Ein weiteres Opfer der israelischen Gesetzlosigkeit ist das Weltjudentum. Israel hat sich stets nicht nur als j\u00fcdischer Staat, sondern auch als Staat aller Juden pr\u00e4sentiert, wo immer sie sich befinden, obwohl es kein demokratisches Mandat hat, sich f\u00fcr Juden au\u00dferhalb seines Territoriums einzusetzen. Eine weitere g\u00e4ngige Behauptung ist, dass Israel verfolgten Juden in anderen Teilen der Welt einen sicheren Hafen bietet. Tats\u00e4chlich wird Israel oft als der einzige sichere Ort der Welt f\u00fcr Juden bezeichnet. Der Krieg im Gazastreifen lieferte einen weiteren Beweis daf\u00fcr, dass Israel tats\u00e4chlich der unsicherste Ort f\u00fcr Juden weltweit ist. Israels Verhalten im Gazastreifen war die direkte Ursache f\u00fcr einen Anstieg antisemitischer Vorf\u00e4lle in Gro\u00dfbritannien und anderswo.<\/p>\n<p>Einst ein Grund zum Stolz, ist Israel zu einer Quelle der Verlegenheit und einer Belastung f\u00fcr liberale und progressive Juden weltweit, insbesondere f\u00fcr die j\u00fcngere Generation, geworden. Immer mehr Juden in der Diaspora distanzieren sich von Israels Vorgehen mit der Erkl\u00e4rung \u201eNicht in unserem Namen\u201c. Ich geh\u00f6re mehreren solcher Gruppen in Gro\u00dfbritannien an, darunter <em>Independent Jewish Voices, Jewish Voice for the Labour, Free Speech on Israel, Jewish for Justice for Palestinians, Israel Academics in the UK <\/em>und das<em> UK Jewish Academic Network.<\/em> Die Werteerkl\u00e4rung des letztgenannten Netzwerks widerlegt die Vorstellung, dass \u201edie Sicherheit der Juden auf der Unterdr\u00fcckung der Pal\u00e4stinenser beruht\u201c. In den USA sind <em>Jewish Voice for Peace<\/em> und <em>If not now<\/em> die f\u00fchrenden Organisationen nichtzionistischer Juden.<\/p>\n<p><strong>Nicht alle Merkmale des klassischen Faschismus \u2013 aber gen\u00fcgend davon<\/strong><\/p>\n<p>Man kann nicht oft genug betonen, dass Zionismus und Judentum zwei verschiedene Dinge sind. Zionismus ist eine s\u00e4kulare politische Ideologie; Judentum ist eine Religion. Zionistische F\u00fchrer versuchten jedoch, das Judentum in ihren Kampf f\u00fcr einen j\u00fcdischen Staat einzubinden. Obwohl die Zionisten nicht an Gott glauben, berufen sie sich auf seine Autorit\u00e4t als Landverwalter und behaupten, er habe ganz Israel dem j\u00fcdischen Volk \u00fcberlassen. Dennoch vertreten die beiden Gruppen grundlegend unterschiedliche Werte. Die Kernwerte des Judentums sind Altruismus, Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden. Die Regierung unter Benjamin Netanjahu, die authentisch das politische Zentrum Israels darstellt, stellt das genaue Gegenteil dieser j\u00fcdischen Kernwerte dar. Gewaltlosigkeit ist das Wesen des Judentums. Netanjahus Regierung ist die aggressivste nationalistische, ethnozentrische, messianischste und gewaltt\u00e4tigste Regierung in der Geschichte Israels. Ihr Ziel ist nicht die friedliche Koexistenz mit den Pal\u00e4stinensern, sondern Hegemonie und Herrschaft.<\/p>\n<p>Benjamin Netanjahu, Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich, die dominierenden Figuren dieser Regierung, glauben fest an die Doktrin, dass Gewalt die Welt nach ihrer rassistischen, j\u00fcdisch-suprematistischen Vision formen kann. Der faschistische Gedanke, dass Macht Recht ist, pr\u00e4gt einen Gro\u00dfteil ihrer Innen- wie Au\u00dfenpolitik. Die Nation \u00fcber den Einzelnen zu stellen, Nichtjuden zu diskriminieren, die Rechtsstaatlichkeit im Inland zu untergraben und im Ausland auf nackte milit\u00e4rische Gewalt zu setzen, sind allesamt faschistische Klischees. Ihre Rhetorik und ihre Politik vor Ort in Gaza entlarven dieses Triumvirat nicht blo\u00df als faschistisch, sondern als v\u00f6lkerm\u00f6rderisch-faschistisch.<\/p>\n<p>So wie ich anfangs vorsichtig mit dem Begriff V\u00f6lkermord umging, so z\u00f6gerte ich auch mit dem Wort faschistisch. Als Wissenschaftler bin ich verpflichtet, Worte sorgf\u00e4ltig abzuw\u00e4gen. Netanjahus Regierung weist zwar nicht alle Merkmale des klassischen Faschismus auf, aber wohl gen\u00fcgend davon, insbesondere Militarismus, um die Bezeichnung \u201efaschistisch\u201c zu rechtfertigen. Zwar wurde diese Regierung demokratisch gew\u00e4hlt. Doch das galt auch f\u00fcr die NSDAP in Deutschland, die faschistische Partei in Italien und in unserer Zeit f\u00fcr Viktor Orb\u00e1ns rechtspopulistische Partei in Ungarn.<\/p>\n<p>Als Jude f\u00fchle ich mich moralisch verpflichtet, aufzustehen und mir Geh\u00f6r zu verschaffen, der Macht die Wahrheit zu sagen, die Netanjahu-Regierung aufs Sch\u00e4rfste zu verurteilen und den Pal\u00e4stinensern in ihrer Stunde der Not beizustehen. Diese Essaysammlung ist mein bescheidener pers\u00f6nlicher Beitrag zum Kampf gegen den zionistischen Faschismus und zum Kampf f\u00fcr Gerechtigkeit f\u00fcr das lange leidende pal\u00e4stinensische Volk. Sie basiert auf der \u00dcberzeugung, dass die einzige demokratische L\u00f6sung des israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikts ein Staat vom Jordan bis zum Mittelmeer mit gleichen Rechten f\u00fcr alle B\u00fcrger ist, unabh\u00e4ngig von Religion oder ethnischer Zugeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n<p><em>Avi Shlaims Buch <\/em><a href=\"https:\/\/t9da1ea6c.emailsys1a.net\/c\/191\/8534346\/0\/0\/0\/502856\/e36c03839b.html\"><em>\u00bbGenozid in Gaza. Israels langer Krieg gegen Pal\u00e4stina\u00ab<\/em><\/a><em> erscheint am 28. August im Melzer Verlag.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle:\u00a0 <\/em><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/buchempfehlungen\/israels-langer-krieg-gegen-palaestina\/#comments\"><em>overton-magazin.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 24. August 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Avi Shlaim. 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