{"id":15685,"date":"2025-08-29T12:15:46","date_gmt":"2025-08-29T10:15:46","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15685"},"modified":"2025-08-29T12:15:48","modified_gmt":"2025-08-29T10:15:48","slug":"italienische-hafenarbeiter-widerstand-gegen-waffenlieferungen-an-israel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15685","title":{"rendered":"Italienische Hafenarbeiter: Widerstand gegen Waffenlieferungen an Israel"},"content":{"rendered":"<p><em>Marc Wells. <\/em>Im italienischen Genua gehen Hafenarbeiter gegen Waffenlieferungen nach Israel und in den Nahen Osten vor. Zuvor hatten sie am 7. August das Frachtschiff Bahri Yanbu blockiert, das der saudischen Reederei Bahri Logistics geh\u00f6rt und Waffen geladen hatte.<!--more--><\/p>\n<p>Erste Berichte deuteten darauf hin, dass die Waffen, die die Arbeiter gefunden hatten, f\u00fcr Israel bestimmt waren. Daraufhin ver\u00f6ffentlichte Bahri ein aggressives Dementi, in dem es Aktivisten vorwarf, \u201efalsche Anschuldigungen und b\u00f6swillige Ger\u00fcchte\u201c zu verbreiten. Das Collettivo Autonomo Lavoratori Portuali (CALP), eine Organisation von Hafenarbeitern in Genua, reagierte darauf mit einer Erkl\u00e4rung, in der es die Waffenlieferungen von Bahri Logistics und die Militarisierung des Mittelmeers verurteilte.<\/p>\n<p><strong>Bahris Dementi und die Untersuchung in Genua<\/strong><\/p>\n<p>Bahri Logistics, formell als \u201eNational Shipping Company of Saudi Arabia\u201c bekannt, ist ein bedeutender Logistikdienstleister. Im Jahr 2014 zog er internationale Aufmerksamkeit auf sich, als er einen exklusiven F\u00fcnfjahresvertrag \u00fcber den Transport von Waffen und Kriegsger\u00e4t f\u00fcr die Streitkr\u00e4fte Saudi-Arabiens unterzeichnete.<\/p>\n<p>Mehrere NGOs haben Aktionen gegen Bahri Logistics wegen dessen Rolle beim Transport von Waffen ins Leben gerufen. Amnesty International rief die franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden auf, Schiffe von Bahri Logistics daran zu hindern, Waffen nach Saudi-Arabien zu transportieren. Als Grund verwies die Menschenrechtsorganisation auf das hohe Risiko, dass diese Waffen bei Kriegsverbrechen im Jemen zum Einsatz kommen k\u00f6nnten. Im Jahr 2019 versuchten franz\u00f6sische NGOs, durch Klagen und \u00f6ffentliche Aktionen zu verhindern, dass Bahri seine Schiffe in europ\u00e4ischen H\u00e4fen mit Waffen bel\u00e4dt.<\/p>\n<p>Die derzeitige Auseinandersetzung begann, nachdem das CALP und die Union der Basisgewerkschaften (USB, Unione Sindacale di Base) eine Beschwerde eingereicht hatten. Darin erkl\u00e4rten sie, Teil der Ladung des Schiffs sei ein Gesch\u00fctz, das von dem italienischen Unternehmen Oto Melara (Leonardo Group) hergestellt wurde und nach Abu Dhabi geliefert werden soll; au\u00dferdem amphibische Fahrzeuge und milit\u00e4rische Kettenfahrzeuge aus den USA sowie versiegelte Container, die Explosivstoffe, vermutlich Artilleriegeschosse, enthalten. Es handelt sich dabei mutma\u00dflich um einen Versto\u00df gegen italienische Gesetze bez\u00fcglich Waffenlieferungen in Konfliktgebiete.<\/p>\n<p>Das Unternehmen erkl\u00e4rte in einer Stellungnahme: \u201eBahri bestreitet kategorisch die unbegr\u00fcndeten falschen Vorw\u00fcrfe und b\u00f6swilligen Ger\u00fcchte, die in gewissen Medien und sozialen Netzwerken zirkulieren, die Schiffe des Unternehmens w\u00fcrden Lieferungen nach Israel bef\u00f6rdern. Diese Vorw\u00fcrfe sind v\u00f6llig wahrheitswidrig und unbegr\u00fcndet.\u201c<\/p>\n<p>Die Staatsanwaltschaft von Genua hat zwar Ermittlungen wegen m\u00f6glicher Verst\u00f6\u00dfe gegen Gesetze zum Transport von Waffen durch italienische H\u00e4fen aufgenommen, doch Arbeiter d\u00fcrfen solchen Ermittlungen nicht trauen. Die rechtsextreme Regierung von Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni hat dem zionistischen Regime von Benjamin Netanjahu ihre Loyalit\u00e4t versichert und arbeitet mit der Nato und dem US-Imperialismus zusammen. Jede offizielle Untersuchung ist den allgemeinen politischen und strategischen Zielen der herrschenden Klasse Italiens untergeordnet.<\/p>\n<p><strong>Das CALP entlarvt Bahris Mitverantwortung f\u00fcr Kriegsverbrechen und V\u00f6lkermord im Gazastreifen<\/strong><\/p>\n<p>Das CALP wies daraufhin die Erkl\u00e4rung von Bahri zur\u00fcck und auf die Vergangenheit des Unternehmens im Waffenhandel hin: \u201eNach jahrelangem Schweigen seit der ersten Blockade im Jahr 2019 hat Bahri Logistics erstmals eine Erkl\u00e4rung ver\u00f6ffentlicht, um die Zweifel daran auszur\u00e4umen, dass der Empf\u00e4nger die IDF [Israelische Armee] sein k\u00f6nnten.\u201c<\/p>\n<p>Das CALP kritisierte Bahris Versuch, die Bedenken der Hafenarbeiter als unbegr\u00fcndet zur\u00fcckzuweisen und wies auf die seit langem bestehenden Verbindungen des Unternehmens zum Waffentransport hin. Weiter erkl\u00e4rte das CALP, es habe nie behauptet, die Waffen w\u00fcrden \u201enach\u201c Israel geliefert, sondern dass \u201edie Lader\u00e4ume voll mit Waffensystemen sind\u201c. Weiter hie\u00df es:<\/p>\n<p><em>Wir Hafenarbeiter wollen keine R\u00e4der in irgendjemandes Kriegsmaschinerie sein, und wir sind angesichts der Fracht von Bahri um die Sicherheit der Arbeiter und die Sicherheit der ganzen Stadt ernsthaft besorgt. Das Problem ist also nicht, wohin sie gebracht werden, sondern die Tatsache, dass Bahri schon immer Waffen und Sprengstoff bef\u00f6rdert hat&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Diese Waffen hat Bahri in Amerika geladen, Israels wichtigstem Verb\u00fcndeten. Damit ist die Politik des K\u00f6nigreichs [Saudi-Arabien] f\u00fcr uns klar genug. Es ist ein Widerspruch, dass Bahri behauptet, die \u201eSache der Pal\u00e4stinenser zu unterst\u00fctzen\u201c, w\u00e4hrend es gleichzeitig amerikanische Waffen bef\u00f6rdert.<\/em><\/p>\n<p>Das CALP betonte, es lehne <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/06\/14\/xwza-j14.html\">Waffenlieferungen in den Nahen Osten<\/a> ab, ganz gleich ob sie f\u00fcr den V\u00f6lkermord im Gazastreifen oder f\u00fcr Kriegsverbrechen im Jemen genutzt werden: \u201eDer ganze Nahe Osten ist seit Jahren ein Pulverfass. F\u00fcr uns Hafenarbeiter gibt es keine Kriege erster oder zweiter Klasse.\u201c<\/p>\n<p>Es geht nicht nur um den Zielort einer einzelnen Waffenlieferung. Die Arbeiterklasse muss intervenieren, um den eskalierenden Zyklus endloser Kriege im gesamten Nahen Osten aufzuhalten, deren Klassencharakter durch den V\u00f6lkermord im Gazastreifen entlarvt werde. So hei\u00dft es dann auch in der Erkl\u00e4rung des CALP:<\/p>\n<p><em>Ihre Behauptungen, die Sache der Pal\u00e4stinenser zu unterst\u00fctzen sind nutzlos und falsch. Sie arbeiten mit Israels schlimmsten Verb\u00fcndeten zusammen und fahren riesige Profite durch diese Kriege ein&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Wir wissen, wo wir stehen. Wir erwarten Sie bei der n\u00e4chsten Passage in den Docks.<\/em><\/p>\n<p><strong>Wie weiter im Kampf gegen imperialistischen Krieg und V\u00f6lkermord?<\/strong><\/p>\n<p>Mit seiner Weigerung, die Ladungen von Bahri zu bearbeiten, tritt das CALP als eine der wenigen Organisationen in Europa hervor, die prinzipientreu und unabh\u00e4ngig gegen imperialistischen Krieg und V\u00f6lkermord auftreten. Sein Widerstand ist Ausdruck dessen, dass sich die Arbeiterklasse zunehmend dar\u00fcber bewusst wird, dass angesichts der offiziellen Unterst\u00fctzung f\u00fcr das israelische Regime und dessen V\u00f6lkermord im Gazastreifen der Widerstand gegen den Krieg nicht den kapitalistischen Institutionen \u00fcberlassen werden darf. Er muss unabh\u00e4ngig von unten, von den Belegschaften organisiert werden.<\/p>\n<p>Das Vorgehen des CALP hat deutlich gemacht, wie die Waffenlieferungen f\u00fcr die von der Nato unterst\u00fctzten Kriege und f\u00fcr den V\u00f6lkermord in Gaza gestoppt werden k\u00f6nnen. Gleichzeitig wirft es damit wichtige politische Fragen f\u00fcr die Arbeiter auf der ganzen Welt auf.<\/p>\n<p>In erster Linie muss sich die Arbeiterklasse auf internationaler Ebene organisieren. Dies zeigt sich sehr konkret im Kampf f\u00fcr ein Ende des V\u00f6lkermords im Gazastreifen und von Kriegen wie dem von der Nato unterst\u00fctzten Krieg Saudi-Arabiens gegen den Jemen. Um den Strom von Waffenlieferungen in diese Konflikte erfolgreich zu unterbinden, m\u00fcssen die Arbeiter in H\u00e4fen auf der ganzen Welt zu kollektivem Handeln in der Lage sein, um Schiffe mit Waffen zu identifizieren und zu verhindern, dass diese in irgendeinem Hafen oder Land be- und entladen werden.<\/p>\n<p>Der Aufbau einer solchen internationalen Organisation erfordert einen politischen Bruch mit den nationalen Gewerkschaftsb\u00fcrokratien. Gerade in Italien bedeutet das einen Bruch mit den verschiedenen Organisationen, die aus dem italienischen Stalinismus hervorgegangen oder mit ihm verbunden sind. In letzter Konsequenz muss daf\u00fcr eine kritische Masse von Arbeitern und Jugendlichen eine marxistisch-internationalistische, d. h. trotzkistische Opposition gegen die stalinistischen und sonstigen nationalen B\u00fcrokratien aufbauen.<\/p>\n<p>Die mutigen Aktionen der CALP spiegeln die Traditionen wider, die durch die lange Geschichte der Arbeiterbewegung und des antifaschistischen Widerstands in Italien gepr\u00e4gt sind. Die Organisation war im Jahr 2011 von Postbesch\u00e4ftigten gegr\u00fcndet worden, die den stalinistisch dominierten Gewerkschaftsbund CGIL umgehen wollten. Sie gaben ihre Verbindung mit der CGIL auf, nachdem sie im Jahr 2019 Proteste gegen Bahris Waffenlieferungen f\u00fcr den Krieg im Jemen organisiert hatten. Die CGIL-B\u00fcrokratie hatte sich damals geweigert, einen Streik auszurufen und das CALP isoliert, das daraufhin desillusioniert die CGIL verlie\u00df.<\/p>\n<p>Das CALP schloss sich stattdessen der USB an. Doch die USB-B\u00fcrokratie unterscheidet sich nicht grundlegend von der CGIL-B\u00fcrokratie.<\/p>\n<p>Die USB geh\u00f6rt dem Gewerkschaftsbund WFTU an, der eine lange stalinistische Geschichte hat. Im Jahr 2014 unterzeichnete sie ein Abkommen in Italien, das den Unternehmen gr\u00f6\u00dfere Kontrolle dar\u00fcber gibt, welche Gewerkschaften sie anerkennen. Als Gegenleistung daf\u00fcr erhielten diese Gewerkschaften bestimmte Privilegien. Heute verhandelt die USB mit der faschistischen Regierung von Ministerpr\u00e4sidentin Meloni. Vor wenigen Wochen sagte sie eine geplante Sitzblockade in Kalabrien ab, nachdem der Minister f\u00fcr \u00f6ffentliche Verwaltung Paolo Zangrillo einem Treffen zugestimmt hatte, das von dem rechten Abgeordneten Francesco Cannizzaro eingef\u00e4delt worden war.<\/p>\n<p>Die USB applaudierte Zangrillo und Cannizzaro, stellte deren Intervention als \u201epositives Zeichen\u201c dar und \u201ebegr\u00fc\u00dfte mit Befriedigung den Willen und die Verpflichtungen, die eingegangen wurden\u201c. Damit signalisiert sie ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Kr\u00e4ften, die f\u00fcr jahrzehntelange Sparma\u00dfnahmen gegen die Arbeiterklasse im Inland und imperialistische Kriege im Ausland verantwortlich sind.<\/p>\n<p>Die Verb\u00fcndeten der militanten Arbeiter im Kampf gegen V\u00f6lkermord, imperialistischen Krieg und Kapitalismus sind nicht die rechten Parlamentarier ihrer eigenen L\u00e4nder, sondern ihre Klassenbr\u00fcder und -schwestern im Rest der Welt. Das Internationale Komitee der Vierten Internationale hat auf dieser Grundlage zum Aufbau der <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/topics\/site_area\/workers\">Internationalen Arbeiterallianz der Aktionskomitees (IWA-RFC)<\/a> aufgerufen.<\/p>\n<p>In allen H\u00e4fen, Fabriken und Betrieben m\u00fcssen unabh\u00e4ngige Aktionskomitees gegr\u00fcndet werden, die statt von den korrupten nationalen Gewerkschaftsb\u00fcrokratien direkt von den Arbeitern selbst kontrolliert werden, um weltweite Aktionen zu koordinieren, wichtige Informationen auszutauschen und eine echte Blockade der Arbeiter gegen imperialistische Kriege und V\u00f6lkermorde zu organisieren. Die bereits bestehende, sporadische Kommunikation zwischen Hafenarbeitern weltweit ist zwar wichtig, kann jedoch keine dauerhafte und bewusst aufgebaute internationale Organisation ersetzen.<\/p>\n<p>Die immense gesellschaftliche Kraft der Arbeiterklasse kann nur durch eine solche internationale Vereinigung mobilisiert werden, um so Krieg und V\u00f6lkermord ein Ende zu setzen und den Weg zu einer sozialistischen Zukunft zu ebnen.<\/p>\n<p><em>Quelle:\u00a0 <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/08\/28\/kbio-a28.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 29. August 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marc Wells. Im italienischen Genua gehen Hafenarbeiter gegen Waffenlieferungen nach Israel und in den Nahen Osten vor. Zuvor hatten sie am 7. 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