{"id":15726,"date":"2025-09-10T11:50:46","date_gmt":"2025-09-10T09:50:46","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15726"},"modified":"2025-09-10T11:50:47","modified_gmt":"2025-09-10T09:50:47","slug":"spd-und-union-einigen-sich-auf-sozialabbau-und-aufruestung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15726","title":{"rendered":"SPD und Union einigen sich auf Sozialabbau und Aufr\u00fcstung"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schwarz. <\/em><strong>Zehn Tage nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz erkl\u00e4rt hat, Deutschland k\u00f6nne sich den Sozialstaat nicht mehr leisten, haben sich die Spitzen von Union und SPD auf einen massiven Abbau von Sozialleistungen geeinigt.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nach einem Treffen des Koalitionsausschusses am vergangenen Mittwoch 3. September sagte Merz: \u201eWir haben uns hier wirklich gut verst\u00e4ndigt, auch in der Zielsetzung, den Sozialstaat zu reformieren.\u201c Die Koalition werde noch in diesem Jahr die wichtigsten Eckpunkte f\u00fcr eine solche Reform vereinbaren. Das B\u00fcrgergeld werde durch eine neue Grundsicherung abgel\u00f6st, die \u201ef\u00f6rdern und fordern\u201c und \u201eden Missbrauch unter Kontrolle bringen\u201c werde.<\/p>\n<p>Bereits vorher hatte Merz in mehreren Interviews angek\u00fcndigt, er wolle beim B\u00fcrgergeld zehn Prozent der Kosten einsparen, was einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von f\u00fcnf Milliarden Euro im Jahr entspreche. Dies m\u00fcsse \u201edie Mindestgr\u00f6\u00dfenordnung\u201c sein. Arbeitsministerin B\u00e4rbel Bas (SPD), die Merz Angriff auf den Sozialstaat kurz vorher noch als \u201eBullshit\u201c bezeichnet hatte, stimmte zu. Sie sei mit dem Kanzler einer Meinung, dass der Sozialstaat reformbed\u00fcrftig sei, sagte sie.<\/p>\n<p>Finanzminister Lars Klingbeil, der die SPD gemeinsam mit Bas f\u00fchrt, lobte die ber\u00fcchtigte Agenda 2010 des fr\u00fcheren Bundeskanzlers Gerhard Schr\u00f6der (SPD), der damit vor 22 Jahren eine gigantische soziale Umverteilung zugunsten der Reichen eingeleitet hatte. \u201eSchr\u00f6der hat mutige Reformen angepackt,\u201c sagt Klingbeil der <em>Zeit<\/em>. \u201eAuch heute brauchen wir umfassende Reformen, damit unser Sozialstaat stark, aber auch bezahlbar bleibt und besser funktioniert.\u201c<\/p>\n<p>Schr\u00f6der, der nur noch selten in der \u00d6ffentlichkeit auftritt, reagierte umgehend. \u201eIch finde das mutig von Lars Klingbeil\u201c, sagte er der <em>F.A.Z.<\/em> Die SPD habe hoffentlich gemerkt, dass sich mutige Reformen auszahlten, auch wenn sie zun\u00e4chst unpopul\u00e4r erschienen.<\/p>\n<p>Die Einsparungen beim B\u00fcrgergeld sind der Auftakt zu einem Frontalangriff auf soziale Errungenschaften, die \u00fcber Jahrzehnte erk\u00e4mpft wurden. Als n\u00e4chstes sind die Renten und die Gesundheitsversorgung an der Reihe, bei denen es um viel h\u00f6here Summen geht. Union und SPD hatten bereits im Koalitionsvertrag vereinbart, zu diesem Zweck Expertenkommissionen einzusetzen. Sie sollen nun zeitnah Vorschl\u00e4ge erarbeiten.<\/p>\n<p>Wirtschaftsverb\u00e4nde und wirtschaftsnahe Medien dr\u00e4ngen auf einen radikalen Sozialabbau. Die <em>F.A.Z.<\/em> klagte am 1. September, \u201eangefangen von den Fehlsteuerungen des B\u00fcrgergelds \u00fcber das stets gef\u00f6rderte Anspruchsdenken bis hin zu den hohen Sozialabgaben\u201c erw\u00fcrge der Sozialstaat das Wirtschaftswachstum. Nun hei\u00dfe es, \u201esich in vielem zur\u00fcckzuziehen und Liebgewordenes aufzugeben, damit die Wirtschaft wieder Fahrt aufnehmen kann\u201c.<\/p>\n<p>Der Pr\u00e4sident des Deutschen Instituts f\u00fcr Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, schl\u00e4gt die Einf\u00fchrung eines sozialen Jahres f\u00fcr Rentner vor. Schichtarbeiter, Verk\u00e4uferinnen, Angestellte und andere, die mehr als vier Jahrzehnte lang hart gearbeitet haben, sollen ein Jahr lang Bettpfannen leeren und andere unentgeltliche Arbeiten verrichten, bevor sie den wohlverdienten Ruhestand genie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Vorschlag Fratzschers, der als DIW-Chef und Professor an der Berliner Humboldt-Universit\u00e4t mehrere hunderttausend Euro im Jahr verdienen d\u00fcrfte, ist bizarr. Trotzdem wird er \u00fcber alle Kan\u00e4le verbreitet, um Stimmung gegen alle zu sch\u00fcren, die keinen wirtschaftlichen Profit abwerfen, aber trotzdem Anspruch auf ein anst\u00e4ndiges Leben erheben.<\/p>\n<p><strong>Sozialabbau und Aufr\u00fcstung <\/strong><\/p>\n<p>Hinter dem Frontalangriff auf den Sozialstaat steckt mehr als das \u00fcbliche Geschrei von Wirtschaftsvertretern und neoliberalen \u00d6konomen. Die kapitalistische Gesellschaft steckt in einer Sackgasse, aus der die imperialistischen M\u00e4chte keinen anderen Ausweg kennen als Sozialabbau, Diktatur und Krieg.<\/p>\n<p>In den 1930er Jahren hatte eine Spirale von Rezession, Handelskrieg, Finanzkrise, Faschismus und Aufr\u00fcstung in den Zweiten Weltkrieg gef\u00fchrt. Heute entwickelt sich wieder eine \u00e4hnliche Katastrophe.<\/p>\n<p>Die R\u00fcckkehr Donald Trumps ins Wei\u00dfe Haus hat endg\u00fcltig die Illusion zerst\u00f6rt, es k\u00f6nne so etwas wie einen friedlichen globalen Kapitalismus geben. 1940, nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, hatte die Vierte Internationale an die Aussage Lenins erinnert, dass imperialistische Kriege unvermeidlich seien, solange der Kapitalismus nicht gest\u00fcrzt werde. Sie erkl\u00e4rte:<\/p>\n<p><em>Der jetzige Krieg \u2013 der zweite imperialistische Krieg \u2013 ist kein Zufall, er r\u00fchrt nicht aus dem freien Willen dieses oder jenes Diktators her. Er wurde lange vorausgesagt. Er folgte unerbittlich aus den Widerspr\u00fcchen der internationalen kapitalistischen Interessen.<\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/09\/05\/koal-s05.html#fn1\"><em><sup>[1]<\/sup><\/em><\/a><\/p>\n<p>Diese Warnung best\u00e4tigt sich heute erneut. Trump ist dabei nicht die Ursache, sondern ein Symptom. Er reagiert auf den Niedergang des amerikanischen Kapitalismus, indem er dem Rest der Welt den Krieg erkl\u00e4rt, Rivalen und Verb\u00fcndete mit Strafz\u00f6llen \u00fcberzieht, die US-Milit\u00e4rausgaben auf die schwindelerregende H\u00f6he von einer Billion Dollar treibt und in den USA eine Diktatur errichtet. Darin besteht der wesentliche Inhalt seiner \u201eMake America Great Again\u201c-Politik.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen M\u00e4chte gehen denselben Weg. Unter den demokratischen US-Pr\u00e4sidenten Obama und Biden hatten sie sich in der Hoffnung auf reiche Beute begeistert der Nato-Offensive gegen Russland angeschlossen. Nun sind sie von Trump auf dem falschen Fu\u00df erwischt worden. Er belegt sie mit Strafz\u00f6llen, droht, sich auf ihre Kosten mit Russland zu einigen, und zwingt sie, die gesamte Last des kostspieligen Kriegs in der Ukraine zu tragen. Washington liefert nur noch Waffen nach Kiew, wenn Europa die Rechnung bezahlt.<\/p>\n<p>Doch die europ\u00e4ischen M\u00e4chte sind nicht bereit, ihre eigenen imperialistischen Ambitionen den amerikanischen unterzuordnen. Deshalb r\u00fcsten sie nach Kr\u00e4ften auf. 2024 steigerten die 27 EU-Mitglieder ihre Milit\u00e4rausgaben um 19 Prozent auf 343 Milliarden Euro. In diesem Jahr sollen es 381 Milliarden werden, von denen 130 Milliarden in Investitionen f\u00fcr neue Waffen flie\u00dfen. Das ist bei weitem nicht das Ende. Um die Nato-Ziele zu erreichen, brauche es \u201enoch gr\u00f6\u00dfere Anstrengungen und Ausgaben von insgesamt \u00fcber 630 Milliarden Euro pro Jahr\u201c, sagte der Generalsekret\u00e4r der Europ\u00e4ischen Verteidigungsagentur (EDA), Andr\u00e9 Denk.<\/p>\n<p>Deutschland spielt bei dieser R\u00fcstungsoffensive die Vorreiterrolle. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte bereits 2024 das Ziel ausgegeben, bis 2029 \u201ekriegst\u00fcchtig\u201c zu sein, um einen Krieg gegen Russland f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Noch vor der Wahl der neuen Regierung hob der Bundestag dann die Schuldenbremse auf, um <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/03\/20\/bill-m20.html\">eine Billion Euro<\/a> f\u00fcr Aufr\u00fcstung und kriegsrelevante Infrastruktur bereitzustellen.<\/p>\n<p>Merz rechtfertigte dieses Abr\u00fccken von der Schuldenbremse k\u00fcrzlich mit der Rettung der Nato angesichts des R\u00fcckzugs der USA. \u201eWenn wir das Grundgesetz nicht ge\u00e4ndert h\u00e4tten, dann w\u00e4re diese Nato wahrscheinlich an diesem Tag auseinandergefallen,\u201c sagte er im ZDF-Sommerinterview.<\/p>\n<p>In seiner ersten Regierungserkl\u00e4rung im Bundestag verk\u00fcndete Merz das Ziel, Europa milit\u00e4risch zu dominieren. Er versprach, er werde \u201eder Bundeswehr alle finanziellen Mittel zur Verf\u00fcgung stellen, die sie braucht, um konventionell zur st\u00e4rksten Armee Europas zu werden\u201c. Dies sei \u201edem bev\u00f6lkerungsreichsten und wirtschaftsst\u00e4rksten Land Europas mehr als angemessen\u201c.<\/p>\n<p>Auch der Vorsitzende der konservativen EVP-Fraktion im Europaparlament, Manfred Weber (CSU), machte deutlich, dass es bei der Aufr\u00fcstung nicht um Verteidigung, sondern um imperialistische Interessen \u2013 um Absatzm\u00e4rkte, Rohstoffe und Profite \u2013 geht.<\/p>\n<p>Auf die Frage, weshalb die EU beim Zoll-Abkommen mit den USA nachgegeben habe, antwortete Weber, aufgrund ihrer milit\u00e4rischen Unterlegenheit h\u00e4tten die Europ\u00e4er keine Wahl gehabt: \u201eWeil Europa gegen\u00fcber Trump in Sachen Verteidigung die Abh\u00e4ngigkeiten gesp\u00fcrt hat, konnten wir bei den Handelsvertr\u00e4gen nicht stark genug auftreten und sagen: Wir sind gegen\u00fcber den USA ein gleichwertig starker wirtschaftlicher Player auf der Welt.\u201c<\/p>\n<p>Nach zwei verlorenen Weltkriegen greift der deutsche Militarismus nach der Weltmacht, und er ist daf\u00fcr zu jedem Risiko bereit. Er richtet seine milit\u00e4rischen Expansionspl\u00e4ne erneut Richtung Osten und nimmt bewusst die Gefahr eines russischen Gegenangriffs in Kauf. Dabei w\u00fcrde ein Bruchteil des russischen Nuklearwaffenarsenals, das 4000 bis 6000 Sprengk\u00f6pfe umfasst, ausreichen, um alle urbanen Zentren, Milit\u00e4rstandorte und die industrielle Infrastruktur Deutschlands komplett zu zerst\u00f6ren.<\/p>\n<p><strong>Frontalangriff auf die Arbeiterklasse<\/strong><\/p>\n<p>Das gewaltige Aufr\u00fcstungs- und Kriegsprogramm, das die Merz-Regierung in Gang gesetzt hat, l\u00e4sst sich nur durch die vollst\u00e4ndige Zerschlagung der sozialen Errungenschaften und demokratischen Rechte der Arbeiterklasse verwirklichen. Daran \u00e4ndert auch die Tatsache nichts, dass ein gro\u00dfer Teil der Milit\u00e4rausgaben durch zus\u00e4tzliche Schulden gedeckt wird.<\/p>\n<p>Die Haushaltsplanung von Finanzminister Klingbeil spricht eine deutliche Sprache. Die Verteidigungsausgaben steigen von 86,5 Milliarden Euro im laufenden Jahr auf 168 Milliarden im Jahr 2029, die dann voll aus dem laufenden Haushalt bestritten werden.<\/p>\n<p>Obwohl Klingbeil bis 2029 zus\u00e4tzliche Schulden in H\u00f6he von 847 Milliarden Euro einplant, klafft allein f\u00fcr die Jahre 2027 bis 2029 eine Finanzierungsl\u00fccke von 172 Milliarden Euro, also von fast 60 Milliarden Euro pro Jahr. Da die Ausgaben f\u00fcr Innere Sicherheit und den Schuldendienst ebenfalls steigen und die Bundesregierung Steuererh\u00f6hungen f\u00fcr die Reichen kategorisch ausschlie\u00dft, kann der Fehlbedarf nur durch K\u00fcrzungen der Sozialausgaben gedeckt werden, die derzeit rund 40 Prozent des Gesamthaushalts ausmachen.<\/p>\n<p>\u201eWir werden der Bev\u00f6lkerung vermitteln m\u00fcssen, warum wir trotz der hohen Investitionen in die Verteidigung und in die Infrastruktur erheblichen Konsolidierungsbedarf in den \u00f6ffentlichen Haushalten haben\u201c, kommentierte dies Merz nach dem Koalitionsgipfel.<\/p>\n<p>Die Haushaltskrise wird dabei noch durch weitere Faktoren vertieft. Da die deutsche Wirtschaft seit der Coronakrise im Jahr 2020 stagniert, bleiben die Steuereinnahmen immer weiter hinter den Erwartungen zur\u00fcck. Und die Einfuhrz\u00f6lle von 15 Prozent, die die USA seit dem 7. August auf alle Waren aus der EU erheben, w\u00e4hrend US-Importe in die EU steuerfrei bleiben, haben die Wirtschaftsflaute weiter versch\u00e4rft.<\/p>\n<p>Als EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen den Zoll-Deal mit Trump auf einem schottischen Golfplatz vereinbarte, kochte in deutschen Unternehmerkreisen die Emp\u00f6rung hoch. Von \u201eUnterwerfung\u201c und \u201eAppeasement\u201c war die Rede. Ex-VW-Chef Herbert Diess bezeichnete den Deal als \u201eArmutszeugnis\u201c f\u00fcr \u201eeine Garde naiver, nostalgisch verkl\u00e4rter Transatlantiker\u201c.<\/p>\n<p>Von der Leyen rechtfertigte das Abkommen damit, dass trotz erheblicher Nachteile Planungssicherheit und Verl\u00e4sslichkeit bestehe. Doch selbst das erwies sich als Trugschluss. Inzwischen werden Stahl und Aluminium, die in europ\u00e4ischen Autos und Maschinen verbaut sind, extra berechnet und mit dem h\u00f6heren Satz von 50 Prozent verzollt. Der deutsche Maschinenbau, eine der wichtigsten Exportbranchen, verliert dadurch deutlich an Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Die neue Volte aus Washington zeige, \u201edass Vereinbarungen mit Trump das Papier nicht wert sind, auf dem sie geschrieben werden,\u201c wetterte die <em>Wirtschaftswoche<\/em>.<\/p>\n<p>Die deutsche Auto- und Zulieferindustrie befindet sich ohnehin im freien Fall. Hier wurden innerhalb eines Jahres 51.500 Stellen <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/08\/28\/auto-a28.html\">abgebaut<\/a>, und der Kahlschlag geht ungebremst weiter. Alle gro\u00dfen Auto- und Zulieferbetriebe haben den Abbau tausender Arbeitspl\u00e4tze angek\u00fcndigt, und kleinere gehen serienweise pleite. Einer Studie der Beratungsgesellschaft EY zufolge sank die Zahl der Industriearbeitspl\u00e4tze in Deutschland seit 2019 um eine Viertelmillion. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen hat erstmals seit vielen Jahren wieder die 3-Millionen-Grenze \u00fcberschritten. Das Defizit der Sozialkassen erh\u00f6ht sich dadurch weiter.<\/p>\n<p><strong>Politische Krise in Frankreich<\/strong><\/p>\n<p>In anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern ist die Krise noch explosiver. Das gilt insbesondere f\u00fcr Frankreich, das aufgrund der hohen Staatsverschuldung von 114 Prozent kaum mehr Spielraum f\u00fcr weitere Schulden hat, ohne eine Finanzkrise zu riskieren.<\/p>\n<p>Nachdem Pr\u00e4sident Macron die Erh\u00f6hung des Milit\u00e4rhaushalts auf 64 Milliarden Euro von 2030 auf 2027 vorgezogen hat, plant Ministerpr\u00e4sident Bayrou f\u00fcr das kommende Jahr Haushaltsk\u00fcrzungen von 44 Milliarden Euro, die vor allem bei den Sozialausgaben eingespart werden sollen. Dagegen entwickelt sich massiver Widerstand. In den kommenden Tagen sind landesweite Blockaden und Streiks geplant.<\/p>\n<p>Da Bayrou im Parlament \u00fcber keine Mehrheit verf\u00fcgt, hat er die Verabschiedung des Sparhaushalts mit der Vertrauensfrage verbunden \u2013 die er aller Voraussicht nach verlieren wird. Frankreich steht dann inmitten heftiger sozialer Konflikte ohne Regierung da.<\/p>\n<p>Berlin und Paris arbeiten eng zusammen, um die Kriegspolitik und die damit verbundenen Angriffe auf die Arbeiterklasse durchzusetzen. F\u00fcr den letzten deutsch-franz\u00f6sischen Ministerrat, der im August in Toulon tagte, hatten die beiden Regierungen f\u00fchrende \u00d6konomen beauftragt, Reformvorschl\u00e4ge zu erarbeiten. Sie legten einen Katalog sozialer Grausamkeiten vor.<\/p>\n<p>Auch wenn sich gegenw\u00e4rtig weder die Parteien der Neuen Volksfront (NFP) noch das rechtsextreme Rassemblement National (RN) in der Lage sehen, Bayrous verhasstem Sparhaushalt zur Mehrheit zu verhelfen, arbeiten alle \u2013 einschlie\u00dflich der Gewerkschaften \u2013 daran, die Bewegung zu sabotieren oder in die Irre zu f\u00fchren. Wenn die Regierung Bayrou nicht zu halten ist, soll wenigstens das \u00dcberleben der kapitalistischen Herrschaft gesichert werden. Das gilt auch f\u00fcr La France insoumise von Jean-Luc M\u00e9lenchon, der zwar die Proteste wortradikal unterst\u00fctzt, aber eine sozialistische Perspektive zum Sturz des Kapitalismus ablehnt.<\/p>\n<p>RN-Chef Jordan Bardella hat einen Brief an die Chefs gro\u00dfer Unternehmen geschrieben, in dem er sich als neuer Regierungschef anbietet und Haushaltsk\u00fcrzungen von 100 Milliarden Euro verspricht.<\/p>\n<p>Auch in Deutschland strecken f\u00fchrende Vertreter der CDU \u2013 wie Jens Spahn und Julia Kl\u00f6ckner \u2013 l\u00e4ngst ihre F\u00fchler in Richtung AfD aus, um mit den Rechtextremen zusammenzuarbeiten, falls die Merz-Klingbeil-Regierung unter dem Druck wachsenden Widerstands zusammenbricht. Wie in den USA, wo Trump dabei ist, eine Diktatur zu errichten, lassen sich Aufr\u00fcstung, Krieg, die Bereicherung der Superreichen und die damit verbundenen Angriffe auf die Arbeiterklasse nur mit faschistischen Methoden verwirklichen.<\/p>\n<p>Die K\u00e4mpfe gegen Aufr\u00fcstung, Krieg, Sozialabbau, Ungleichheit und Faschismus sind daher untrennbar miteinander verbunden. Sie erfordern die unabh\u00e4ngige Mobilisierung und die internationale Einheit der Arbeiterklasse im Kampf f\u00fcr ein sozialistisches Programm.<\/p>\n<p>Wir begr\u00fc\u00dfen den Widerstand franz\u00f6sischer Arbeiter und Jugendlicher gegen Bayrou und Macron und rufen Arbeiter in Deutschland auf, sich mit ihnen zu solidarisieren und es ihnen gleichzutun. Aber dieser Widerstand kann nur erfolgreich sein, wenn er sich vom Einfluss der Neuen Volksfront und den Gewerkschaften l\u00f6st, sich auf unabh\u00e4ngige Aktionskomitees st\u00fctzt und f\u00fcr eine Arbeiterregierung und Vereinigte Sozialistische Staaten von Europa k\u00e4mpft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/09\/05\/koal-s05.html#r1\">[1]<\/a> <em>Manifest der Vierten Internationale zum imperialistischen Krieg und zur proletarischen Weltrevolution<\/em>, in Leo Trotzki, <em>Das \u00dcbergangsprogramm<\/em>, Essen 1997, S. 213<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Pr\u00e4sident Macron und Bundeskanzler Merz beim deutsch-franz\u00f6sischen Ministerrat in Toulon [Photo by Bundesregierung\/Steffen Kugler]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/09\/05\/koal-s05.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 10. September 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schwarz. 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