{"id":15730,"date":"2025-09-14T09:47:49","date_gmt":"2025-09-14T07:47:49","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15730"},"modified":"2025-09-14T09:47:51","modified_gmt":"2025-09-14T07:47:51","slug":"die-vereinnahmung-der-eliten-und-die-selbstzerstoerung-europas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15730","title":{"rendered":"Die Vereinnahmung der Eliten und die Selbstzerst\u00f6rung Europas"},"content":{"rendered":"<p><em>Nel Bonilla. <\/em>Von dem Schweigen zur Sabotage der Nord-Stream-Pipelines bis zur wirtschaftlich und politisch ruin\u00f6sen NATO-Aufr\u00fcstung: Viele Menschen in Deutschland fragen sich, warum unsere \u201eEliten\u201c in Medien und Politik so h\u00e4ufig die geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen der USA \u00fcber die der eigenen Bev\u00f6lkerung zu stellen scheinen. <\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir verlinken f\u00fcr Sie an dieser Stelle <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138428\">Teil 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138528\">Teil 2<\/a> zum Nachlesen.<\/p>\n<p><strong>Der deutsche Fall: Die Atlantik-Br\u00fccke als Bindeglied im transatlantischen Machtgef\u00fcge<\/strong><\/p>\n<p>Anne Zetsches <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/book\/10.1007\/978-3-030-63933-4\">Archivstudien<\/a> zur <a href=\"https:\/\/www.atlantik-bruecke.org\/en\/atlantik-brucke\"><strong>Atlantik-Br\u00fccke<\/strong><\/a> und ihrer US-Schwesterorganisation, dem <a href=\"https:\/\/www.acgusa.org\/about-us\/history\"><strong>American Council on Germany<\/strong><\/a> (ACG), zeigen, wie eine scheinbar \u201eprivate\u201c Freundschaftsgesellschaft zu einem Pr\u00e4zisionsinstrument f\u00fcr die Eingliederung der Eliten in die Nachkriegsordnung wurde. \u00c4hnlich wie Denkfabriken ist sie eine Schl\u00fcsselinstitution in der Maschinerie der <strong>Elitenintegration<\/strong> und <strong>-pr\u00e4gung<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcnder &amp; Geflecht<\/strong><\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Eric Warburg<\/strong>, Erbe der Hamburger Bankiersdynastie, nutzte seine Wall-Street-Verbindungen zu John J. McCloy, einem einflussreichen Banker und B\u00fcrokraten, der nach dem Krieg Pr\u00e4sident der Weltbank, <em>US-Hochkommissar f\u00fcr Deutschland<\/em> sowie Vorsitzender der Chase Manhattan Bank wurde, um die deutsche Finanzwelt wieder mit den US-Kapitalm\u00e4rkten zu verkn\u00fcpfen. Warburg-Brinckmann, Wirtz &amp; Co. vermittelten bald darauf den ersten gr\u00f6\u00dferen US-Kredit f\u00fcr Volkswagen.<\/li>\n<li><strong>Marion D\u00f6nhoff<\/strong> wiederum setzte auf Salons und Empf\u00e4nge der Zeitschrift <em>Foreign Affairs<\/em> und auf das Mentoring von George F. Kennan, um deutsche Neutralit\u00e4t als \u201everantwortungslos\u201c umzudeuten.<\/li>\n<li>Ein <em>kosmopolitischer Elitehabitus<\/em>, also eine geteilte Lebensf\u00fchrung, gemeinsame Verhaltensmuster und Weltsicht, verband diese Banker, Herausgeber und Adligen. Ihre Mission bestand darin, Westdeutschland in eine von den <strong>USA gef\u00fchrte<\/strong> \u201eGemeinschaft der Nationen\u201c einzubinden \u2013 bevor entweder Moskau oder das gaullistische Paris Anspruch darauf erheben konnte.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die Vereinnahmung der SPD<\/strong><\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ein neutrales oder frankreichzentriertes Westdeutschland galt als Abweichung von der gew\u00fcnschten atlantischen Ausrichtung: So korrespondierten etwa Emmet Hughes, ein enger Berater Eisenhowers und sp\u00e4terer Journalist, und <strong>Emiss\u00e4re des American Council on Germany<\/strong> (ACG) mit dem Hamburger B\u00fcrgermeister <strong>Max Brauer<\/strong>, um den Antimilitarismus der SPD zwischen 1950 und 1954 abzumildern.<\/li>\n<li>1963 half das Tandem ACG\/Atlantik-Br\u00fccke dabei, den \u00c9lys\u00e9e-Vertrag, eigentlich als Fundament einer eigenst\u00e4ndigeren deutsch-franz\u00f6sischen Kooperation gedacht, mit einem <strong>Pro-NATO<\/strong>-Pr\u00e4ambeltext zu verw\u00e4ssern.<\/li>\n<li>Auch Willy Brandts <strong>Ostpolitik<\/strong> sollte von einem eigenst\u00e4ndigen und nachhaltigen Friedensprojekt in eine NATO-kompatible \u201eEntspannungspolitik\u201c \u00fcberf\u00fchrt werden.<\/li>\n<li>Zudem finanzierten Mittel der <strong>Ford Foundation<\/strong> \u2013 \u00fcber den vom CIA mitbegr\u00fcndeten <strong><em>Congress for Cultural Freedom<\/em><\/strong> (ein internationales Netzwerk von Intellektuellen und Kulturinstitutionen zur ideologischen Einflussnahme im Kalten Krieg) und die <strong>AFL-CIO-Gewerkschaften<\/strong> (der Dachverband der US-Gewerkschaften, der in dieser Zeit eng mit Washingtons Au\u00dfenpolitik verflochten war) \u2013 Jugendseminare, die die Partei von marxistischen Unterstr\u00f6mungen \u201es\u00e4uberten\u201c; ein fr\u00fches Beispiel daf\u00fcr, dass Stiftungsarbeit eine Wirkung entfalten kann, die jener von Geheimdiensten vergleichbar ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die Medien<\/strong><\/p>\n<p>Die j\u00e4hrlichen Atlantik-Br\u00fccke-Dinner mit dem NATO-Oberbefehlshaber in Europa (<em>Supreme Allied Commander Europe<\/em>) fungieren zugleich als redaktionelle R\u00fcckzugsr\u00e4ume:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Josef Joffe (<em>Die Zeit<\/em>), Kai Diekmann (<em>Bild<\/em>) und Stefan Kornelius (<em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>) sind langj\u00e4hrige Mitglieder; der ZDF-Moderator Claus Kleber sa\u00df zeitweise im Kuratorium der Atlantik-Br\u00fccke.<\/li>\n<li>Das Ergebnis ist kein offenes Diktat, sondern eine Form antizipierender Anpassung: Leitmedien stellen die deutsche Aufr\u00fcstung selten als Option dar, sondern vielmehr als den einzig gangbaren Weg und sorgen daf\u00fcr, dass der \u00f6ffentliche Diskurs nicht von den atlantischen Leitplanken abweicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Synergieeffekte in den Vorstandsetagen<\/strong><\/p>\n<p>Das heutige Kuratorium der Atlantik-Br\u00fccke liest sich wie eine Bilanz des atlantischen Kapitalismus: Es umfasst prominente Unternehmen wie die American Chamber of Commerce (die US-Handelskammer in Deutschland, ein Lobbyverband amerikanischer Konzerne), die Deutsche Bank, Goldman Sachs, Pfizer und BASF. Vertreter aus Medien, Anwaltskanzleien und der Pharmaindustrie sitzen dort Seite an Seite mit Schwergewichten von CDU und SPD \u2013 ein Beleg daf\u00fcr, dass die \u201e\u00dcberparteilichkeit\u201c in diesem Kontext vor allem Treue zu einem gemeinsamen transatlantischen Gesch\u00e4ftsmodell und Weltordnung bedeutet.<\/p>\n<p><strong>Konsensbildung in der Praxis<\/strong><\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>2009 wurde <strong>Friedrich Merz<\/strong> (CDU) Vorsitzender der Atlantik-Br\u00fccke und sp\u00e4ter Deutschland-Vorsitzender des Aufsichtsrats des Finanzgiganten BlackRock.<\/li>\n<li>2019 folgte ihm <strong>Sigmar Gabriel<\/strong> (SPD). Kritiker warnten vor einem \u201eProvokateur\u201c, doch die Berufung hatte vor allem den Effekt, auch die letzten Reste sozialdemokratischer Skepsis gegen\u00fcber dem NATO-Zwei-Prozent-Ziel zu neutralisieren \u2013 das heute l\u00e4ngst zu einem F\u00fcnf-Prozent-Ziel ausgeweitet worden ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was sich \u00e4u\u00dferlich als gesellige Salonkultur pr\u00e4sentiert, erf\u00fcllt in Wirklichkeit die Funktion eines <strong>transatlantischen Bindeglieds<\/strong>: US-amerikanische Interessen und Pr\u00e4ferenzen werden so in deutsche Parteiprogramme, Vorstandsetagen und Redaktionen hineingetragen \u2013 ganz ohne eine einzige Direktive aus dem Pentagon.<\/p>\n<p>Nachdem nun gezeigt wurde, wie die <em>Atlantik-Br\u00fccke<\/em> half, die westdeutschen Nachkriegsinstitutionen in die transatlantischen Schaltkreise einzuschwei\u00dfen, wenden wir uns im Folgenden den <strong>Bilderberg<\/strong>-Konferenzen zu \u2013 einem weiteren Kanal der transatlantischen Elitenpr\u00e4gung.<\/p>\n<p><strong>Bilderberg und das Gesch\u00e4ft der Hegemonie<\/strong><\/p>\n<p>Die sogenannte <a href=\"https:\/\/bilderbergmeetings.org\/background\/brief-history\"><strong>Bilderberg-Gruppe<\/strong><\/a> wird oft als Steckenpferd von Verschw\u00f6rungstheoretikern abgetan. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um einen wichtigen Knotenpunkt dessen, was der Soziologe Kantor (<a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/03017605.2016.1268458\"><strong>2017<\/strong><\/a>) in diesem Kontext als \u201e<strong>transnationale Kapitalistenklasse<\/strong>\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Eine Auswertung der Treffen zwischen 2010 und 2015 zeigt:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>67 Prozent der Teilnehmer<\/strong> waren Vorstandsvorsitzende, Banker oder Aufsichtsratsmitglieder gro\u00dfer Konzerne \u2013 darunter die Deutsche Bank, Goldman Sachs und BP.<\/li>\n<li><strong>Kein einziger Gewerkschafter<\/strong> war eingeladen. Dieser \u201eDialog\u201c schlie\u00dft die Arbeitnehmerseite von vornherein aus \u2013 und das ganz bewusst.<\/li>\n<li>Die <strong>Unternehmensfraktion<\/strong> dominiert die sogenannte transnationale Kapitalistenklasse; Politik wird dabei zunehmend zum blo\u00dfen Dienstleister des Kapitals.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Andererseits zeigt eine Analyse von Gijswijt (<a href=\"https:\/\/www.routledge.com\/Informal-Alliance-The-Bilderberg-Group-and-Transatlantic-Relations-during-the-Cold-War-1952-1968\/Gijswijt\/p\/book\/9780367587659?srsltid=AfmBOooN6ioOnG_qBHn8c7ptMShLgxB4z9FaAUXbX9HCtH17GHuZCqkp\">2019<\/a>) die Zusammensetzung der Bilderberg-Treffen in der Zeit nach dem Kalten Krieg beziehungsweise in ihrer fr\u00fchen Etablierungsphase zwischen 1954 und 1968:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Etwa <strong>25 Prozent<\/strong> der Teilnehmer kamen aus den USA, <strong>14 Prozent<\/strong> aus Gro\u00dfbritannien und jeweils <strong>9 Prozent<\/strong> aus Frankreich und Westdeutschland.<\/li>\n<li>30 Prozent waren \u201e<strong>Unternehmer, Banker und Juristen<\/strong>\u201c, 20 Prozent \u201e<strong>Politiker und einige Gewerkschaftsvertreter<\/strong>\u201c, weitere 16 Prozent Diplomaten; der Rest setzte sich aus Wissenschaftlern, Journalisten und hochrangigen Vertretern von NATO, Weltbank, OECD, und IWF zusammen.<\/li>\n<li>Frauen waren dabei \u201e<strong>auffallend abwesend<\/strong>\u201c.<\/li>\n<li>Doppelvertretungen von Kernstaaten und -unternehmen<\/li>\n<li>So entsandte die Deutsche Bank im Jahr 2016 sowohl ihren Vorstandsvorsitzenden als auch ihren Aufsichtsratschef; die Niederlande schickten im selben Jahr sowohl den Premierminister als auch den K\u00f6nig.<\/li>\n<li>Solche Doppelbesetzungen sichern die Agendasetzung und belegen zugleich, dass in der elit\u00e4ren Koordination die Wirtschaft Vorrang vor der Politik hat.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Zahlen zeigen, wie eng der Schwerpunkt der Bilderberg-Treffen mit dem Kern des liberalen Ordnungsmodells im Kalten Krieg verbunden war, also dem westlich-atlantischen System aus Markt\u00f6konomie, Milit\u00e4rb\u00fcndnis und internationalen Institutionen. Sie umfassten die atlantischen Finanz-, Verteidigungs- und Diplomatieeliten und hielten zugleich gen\u00fcgend nationale Repr\u00e4sentation aufrecht, um einen gesamteurop\u00e4isch-westlichen Anspruch geltend machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Rekrutierung durch Anerkennung<\/strong><\/p>\n<p>Die Organisatoren \u201e<strong>waren stets auf der Suche nach neuen Talenten<\/strong>\u201c, die in den Kreis sozialisiert werden konnten (Gijswijt 2019). Eine Teilnahme wurde dabei selbst zum Karrieresprungbrett: Bill Clinton, Tony Blair und Angela Merkel nahmen jeweils teil, noch bevor sie h\u00f6chste politische \u00c4mter erreichten. Von einem Hinterzimmer, in dem K\u00f6nige gemacht w\u00fcrden, konnte keine Rede sein \u2013 der eigentliche Wert lag in der Prestige-Pipeline selbst: ein Eintrag im Lebenslauf, der ideologische Verl\u00e4sslichkeit signalisierte und T\u00fcren \u00f6ffnete von der Wall Street \u00fcber Whitehall bis ins Bundeskanzleramt.<\/p>\n<p><strong>Informelle Diplomatie statt formaler Beschl\u00fcsse<\/strong><\/p>\n<p>Es wurden weder Resolutionen verabschiedet noch Protokolle ver\u00f6ffentlicht. Doch, so Gijswijt (2019): \u201eDie eigentliche Bedeutung der Treffen bestimmte sich daraus, <strong>was die Teilnehmer mit dem symbolischen Kapital anfingen, das sie dort sammelten<\/strong>.\u201c Die Konferenz fungierte als ein Proberaum mit hohem Vertrauensniveau: Ideen konnten erprobt, Karrieren und Reputation \u00fcberpr\u00fcft und gegens\u00e4tzliche Ausgangspositionen aufeinander abgestimmt werden. Dieser latente Konsens tauchte dann sp\u00e4ter wieder auf \u2013 etwa in NATO-Kommuniqu\u00e9s oder in Wei\u00dfb\u00fcchern der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft.<\/p>\n<p><strong>Identit\u00e4tsarbeit und B\u00fcndnispflege<\/strong><\/p>\n<p>Von Beginn an pflegte Bilderberg \u201eein starkes Gef\u00fchl emotionaler Gemeinschaft, gegr\u00fcndet auf den Vorstellungen von <strong>der Freien Welt oder dem Westen<\/strong>\u201c (Gijswijt 2019). Allein die Teilnahme \u2013 insbesondere f\u00fcr prominente US-Vertreter \u2013 \u201e<strong>stimulierte die Akzeptanz der F\u00fchrungsrolle der Vereinigten Staaten innerhalb der NATO<\/strong>\u201c. Das Treffen wirkte wie eine Therapie f\u00fcr transatlantische Nervosit\u00e4t: ein Ort, um einseitige Schocks aufzufangen, Gespr\u00e4chsleitf\u00e4den neu abzustimmen und mit einer gefestigten Hierarchie auseinanderzugehen, in der Washington zwar als <em>primus inter pares<\/em> galt \u2013 also als Erster unter Gleichen.<\/p>\n<p><strong>Netzwerkmultiplikatoren<\/strong><\/p>\n<p>Die Mitgliedschaften \u00fcberschnitten sich mit dem <em>Council on Foreign Relations<\/em> (CFR, der einflussreichste au\u00dfenpolitische Thinktank in den USA), <em>Chatham House<\/em> (das britische Pendant in London), dem franz\u00f6sischen <em>Institut fran\u00e7ais des relations internationales<\/em> (IFRI), der <em>Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik<\/em> (DGAP) und sp\u00e4ter auch mit der Trilateralen Kommission. So entstand \u201e<strong>ein dichtes Netz transnationaler Beziehungen: eine informelle Allianz<\/strong>\u201c (Gijswijt 2019).<\/p>\n<p>Ableger schossen wie Pilze aus dem Boden. So sicherte Denis Healey, damaliger britischer Verteidigungsminister und sp\u00e4ter Schatzkanzler, 1957 in einem Bilderberg-Nebengespr\u00e4ch Mittel der Ford Foundation f\u00fcr das Londoner <a href=\"https:\/\/www.iiss.org\/about-us\/\"><strong>International Institute for Strategic Studies<\/strong><\/a> (IISS). Andere Satelliten griffen das Format auf, um politische Netzwerke auch auf nationaler Ebene zu stabilisieren: darunter die <a href=\"https:\/\/securityconference.org\/en\/about-us\/history\/\"><strong>M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz<\/strong><\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.debrige.de\/en\/2022\/12\/07\/koenigswinter-conferenz\/\"><strong>K\u00f6nigswinter-Konferenz<\/strong><\/a> sowie die im Zweijahresrhythmus stattfindenden <a href=\"https:\/\/germanamericanconference.org\/2025-home\/history\"><strong>Deutsch-Amerikanischen Konferenzen<\/strong><\/a> des ACG\/der Atlantik-Br\u00fccke.<\/p>\n<p><strong>Die Dreht\u00fcr<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiteres Merkmal der Bilderberg-Teilnehmer ist ihre Mehrfachmitgliedschaft in den verschiedenen Bereichen von Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Peter Sutherland<\/strong>, ein regelm\u00e4\u00dfiger Bilderberg-Gast und einer der Gr\u00fcnder der WTO, wechselte zwischen Goldman Sachs, der Welthandelsorganisation (WTO) und der EU-Kommission.<\/li>\n<li><strong>Robert Rubin<\/strong> wechselte vom US-Finanzministerium zu Citigroup und weiter zum <em>Council on Foreign Relations<\/em> (CFR): ein perfektes Beispiel f\u00fcr die enge <strong>Verflechtung elit\u00e4rer Fraktionen<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Thinktank-Stammg\u00e4ste<\/strong><\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>St\u00e4ndige Teilnehmer kamen auch aus Thinktanks wie dem CFR, der Carnegie-Stiftung, dem franz\u00f6sischen IFRI, dem American Enterprise Institute (AEI) und der Zeitschrift <em>The Economist<\/em>.<\/li>\n<li>Das zeigt die <strong>Durchl\u00e4ssigkeit<\/strong> der Fraktionen der transnationalen Kapitalistenklasse \u2013 ob wirtschaftlich, politisch, technisch oder konsumorientiert \u2013 und, wie leicht sich Expertenkommentare mit Macht in den Vorstandsetagen vermischen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Der ideologische Filter<\/strong><\/p>\n<p>Wie der Forscher Luk\u00e1\u0161 Kantor anmerkt:<\/p>\n<p>\u201e<em>Bilderberg behauptet in seinen FAQ, es w\u00fcrden \u2018unterschiedliche Standpunkte\u2019 eingeladen. Doch Noam Chomsky hat niemals eine Einladung erhalten. Der \u2018Dialog\u2019 ist auf jene beschr\u00e4nkt, die ohnehin \u00fcbereinstimmen<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Dies ist <strong><em>Ultraimperialismus<\/em><\/strong> in Aktion \u2013 um Karl Kautskys Begriff zu verwenden: Nationale Eliten arbeiten \u00fcber Grenzen hinweg zusammen, um gemeinsame Klasseninteressen zu sch\u00fctzen, w\u00e4hrend die Bev\u00f6lkerungen die Kosten tragen.<\/p>\n<p><strong>Warum das f\u00fcr Deutschland wichtig ist<\/strong><\/p>\n<p>Der deutsche Anteil bei Bilderberg \u00fcberschritt nie zehn Prozent. Doch die Karrieren, die dort beschleunigt wurden \u2013 etwa von Friedrich Merz, Karl-Theodor zu Guttenberg oder Josef Ackermann \u2013 flossen zur\u00fcck in das bereits skizzierte Netzwerk aus <strong>Atlantik-Br\u00fccke, DGAP und M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz<\/strong>.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Die Atlantik-Br\u00fccke ist der deutsche Zweig, die Bilderberg-Treffen sind die transatlantischen Wurzeln, die den ideologischen Boden best\u00e4ndig d\u00fcngen. Bilderberg fungiert zudem als eine Art <strong>Qualit\u00e4tssicherungslabor des euro-atlantischen Kapitalismus<\/strong>: Hier werden Personalien \u00fcberpr\u00fcft, Gespr\u00e4chsleitf\u00e4den angeglichen und die Vorherrschaft der Unternehmensfraktion innerhalb der gr\u00f6\u00dferen transnationalen Kapitalistenklasse abgesichert.<\/p>\n<p><strong>Die Ford Foundation: Risikokapital des Atlantizismus<\/strong><\/p>\n<p>\u201e<em>Neue Generationen w\u00fcrden in Machtpositionen eintreten, <strong>ohne eine pers\u00f6nliche Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg oder den Marshallplan<\/strong>. Um das B\u00fcndnis am Leben zu erhalten, mussten sie zun\u00e4chst darin sozialisiert werden<\/em>.\u201c \u2013 Zetsche (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1080\/14794012.2014.990737\">2015<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Von Anfang an \u00f6ffentlich-privat<\/strong><\/p>\n<p>In Lehrb\u00fcchern \u00fcber Stiftungswesen wird die Ford Foundation bis heute als neutrale, technokratische Wohlt\u00e4tigkeitsorganisation dargestellt. Archivarbeiten von Anne Zetsche zeigen jedoch das Gegenteil: Die Stiftung stand im Zentrum eines <strong>dichten \u00f6ffentlich-privaten Dreiecks \u2013 bestehend aus dem US-Au\u00dfenministerium, Fortune-500-Konzernen und Elite-Universit\u00e4ten<\/strong> \u2013, das geschaffen wurde, um die <strong>Steuerung der US-Au\u00dfenpolitik <\/strong>abzusichern. Inderjeet Parmar bezeichnet dieses Geflecht als die \u201eweiche Maschinerie\u201c, die Unternehmensverm\u00f6gen in strategisches Wissen und in Personal umwandelt.<\/p>\n<p><strong>Finanzierung des deutschen Ablegers<\/strong><\/p>\n<p>Gelder der Ford Foundation erm\u00f6glichten die fr\u00fchen <strong>Deutsch-Amerikanischen Konferenzen<\/strong> der Atlantik-Br\u00fccke (ab 1959) sowie Stipendienprogramme, die Personal in die DGAP, die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und die parteinahen Stiftungen einspeisten. Als die Mitarbeiter sich sorgten, dass die G\u00e4stelisten zu alt wirkten, erg\u00e4nzte man <strong>Jugendprogramme<\/strong> und \u201eNext-Gen\u201c-Studienstipendien \u2013 um das atlantische Weltbild an Generationen weiterzugeben, die keine eigene Erinnerung mehr an Tr\u00fcmmerzeit oder Antikommunismus hatten.<\/p>\n<p><strong>Strategische Ziele<\/strong><\/p>\n<p>Interne Korrespondenzen aus den fr\u00fchen Jahren der Ford Foundation benannten zwei ideologische <strong>Bedrohungen<\/strong>:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>ein <strong>gaullistisches Europa ohne Amerika<\/strong> \u2013 also ein von Frankreich gef\u00fchrter kontinentaler Block,<\/li>\n<li>und <strong>Willy Brandts fr\u00fche Ostpolitik<\/strong> \u2013 die Aussicht auf eine deutsche Neutralit\u00e4t zwischen den Bl\u00f6cken.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Gegenmittel bestand darin, den F\u00f6rderrahmen f\u00fcr Austauschprogramme, Sommerakademien und Startstipendien gezielt <strong>nur<\/strong> auf Kandidaten auszudehnen, denen man zutraute, stets mit einem Fu\u00df in Washington zu stehen. Bis 1970 besch\u00e4ftigte fast jedes westdeutsche Ministerium Ford-Alumni; bis 1980 galt das auch f\u00fcr die Redaktionen von <em>Der Spiegel<\/em>, <em>Die Zeit<\/em> und der <em>FAZ<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Geld als Lehrplan<\/strong><\/p>\n<p>Im Unterschied zu den Einladungen von Bilderberg waren die Stipendien der Ford Foundation mit einem Lehrplan verkn\u00fcpft: Module zur Atlantikgeschichte, R\u00fcckblicke auf den Marshallplan und vertrauliche Briefings beim <em>Council on Foreign Relations<\/em>. Finanzierung bedeutete hier zugleich politische Orientierung. Das Ergebnis war ein Kader, <strong>der europ\u00e4ische Sicherheit ganz selbstverst\u00e4ndlich mit US-Vorherrschaft gleichsetzte<\/strong> und Alternativen wie Blockfreiheit oder europ\u00e4ische Autonomie als historische Abweichungen betrachtete.<\/p>\n<p>Eine Generation sp\u00e4ter hatte sich der \u201eKlassenraum\u201c verlagert: von den Seminarr\u00e4umen der Elite-Universit\u00e4ten in abgeschirmte Konferenzhotels. Die soziale Logik blieb dieselbe, nur dass die Dozenten inzwischen vier Sterne auf der Schulter tragen, Cloud-Computing-Zentren leiten oder beides zugleich.<\/p>\n<p><strong>Bilderberg 2025: Von der Grand Strategy zur Tech-Kriegs\u00fcbung<\/strong><\/p>\n<p>Die Linie setzt sich fort. Im Juni 2025 verlagerte sich die G\u00e4steliste der Bilderberg-Konferenz noch st\u00e4rker hin zu Gener\u00e4len, KI-Magnaten und Nuklearstrategen; ein Signal daf\u00fcr, dass das heutige \u201einformelle B\u00fcndnis\u201c weniger einem Salon gleicht als vielmehr einem gemeinsamen Kriegsplanungsraum.<\/p>\n<p><strong>Diskussionsthemen 2025:<\/strong> Auf der Agenda standen die transatlantischen Beziehungen, die Ukraine, das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen US-Wirtschaft und Europa, der Nahe Osten, eine \u201eAchse der Autorit\u00e4ren\u201c, Verteidigungsinnovation und -resilienz, K\u00fcnstliche Intelligenz, Abschreckung und nationale Sicherheit, Energie- und Rohstoffgeopolitik, Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang und Migration \u2013 und auff\u00e4llig: Auf der Agenda tauchte \u201e<strong>Proliferation<\/strong>\u201c auf \u2013 nicht, wie sonst \u00fcblich, \u201eNon-Proliferation\u201c (Nichtverbreitung).<\/p>\n<p><strong>Wer gab den Ton an?<\/strong> Ein Querschnitt der Teilnehmer (mit aktuellen Funktionen):<\/p>\n<p><strong>Hard Power:<\/strong> Mark Rutte (NATO-Generalsekret\u00e4r), Jens Stoltenberg (ehemaliger NATO-Generalsekret\u00e4r), General Chris Donahue (US Army Europe-Africa), Admiral Sam Paparo (Oberbefehlshaber des US-Indo-Pacific Command, also des US-Oberkommandos f\u00fcr den Indopazifik).<\/p>\n<p><strong>\u00dcberwachungskapitalismus:<\/strong> Satya Nadella &amp; Mustafa Suleyman (Microsoft AI), Demis Hassabis (Google DeepMind), Alex Karp (Palantir), Eric Schmidt (Ex-Google), Gundbert Scherf (Helsing GmbH), Peter Thiel (Thiel Capital).<\/p>\n<p><strong>Medienchor:<\/strong> Mathias D\u00f6pfner (Axel Springer), Zanny Minton Beddoes (<em>The Economist<\/em>), Anne Applebaum (<em>The Atlantic<\/em>).<\/p>\n<p>Das aufschlussreichste Wort der Agenda: <strong>\u201eProliferation\u201c<\/strong>. Nicht <em>Nichtverbreitung<\/em>, sondern das offene Eingest\u00e4ndnis, dass nukleare Teilhabe \u2013 also die Stationierung und Mitnutzung von US-Atomwaffen durch europ\u00e4ische NATO-Staaten (Polen, Rum\u00e4nien?) \u2013 sich vom Tabu-Thema zum offiziellen Gespr\u00e4chspunkt entwickelt. Nur wenige Tage sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte das <a href=\"https:\/\/www.globsec.org\/sites\/default\/files\/2025-06\/GLOBSEC%20Forum%20Schedule_13.6_EXT%20%284%29.pdf\"><em>GLOBSEC-Forum 2025<\/em><\/a> \u2013 eine sicherheitspolitische Konferenz mit Sitz in Bratislava, oft als osteurop\u00e4isches Pendant zur M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz gesehen und finanziert von vielen derselben Konzerne wie Bilderberg, mit st\u00e4rkerem Fokus auf Technologie und Verteidigung \u2013 ein Strategiepapier, in dem die <a href=\"https:\/\/www.globsec.org\/what-we-do\/publications\/assurance-resilience-adapting-natos-nuclear-deterrence-policy-0\">NATO<\/a> aufgefordert wurde,<\/p>\n<p>\u201e<em>ausdr\u00fccklich alle drei wesentlichen S\u00e4ulen nuklearer Abschreckung zu betonen: F\u00e4higkeiten, Entschlossenheit und Kommunikation. Dieser ganzheitliche Ansatz ist entscheidend, nicht nur um Russland in einem gef\u00e4hrlicheren Sicherheitsumfeld abzuschrecken, sondern auch, um den inneren Zusammenhalt des B\u00fcndnisses zu st\u00e4rken, das \u00f6ffentliche Vertrauen zu sichern und Gegner davon abzuhalten, die roten Linien der NATO zu testen.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Ein Musterbeispiel f\u00fcr diese zusammenwachsende <strong>Tech-Defense-Elite<\/strong> ist <a href=\"https:\/\/forum2024.globsec.org\/speakers\/dr-gundbert-scherf\/\">Dr. Gundbert Scherf<\/a> (Teilnehmer des Bilderberg-Treffens 2025 und der GLOBSEC-Konferenz 2024):<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>2000er-Jahre:<\/strong> Cambridge \/ Sciences Po \/ Freie Universit\u00e4t Berlin (klassische transatlantische Ausbildungsschiene)<\/li>\n<li><strong>2014 \u2013 16:<\/strong> Sonderberater im deutschen Verteidigungsministerium<\/li>\n<li><strong>2017 \u2013 20:<\/strong> McKinsey-Partner f\u00fcr Luft- und Raumfahrt sowie R\u00fcstung<\/li>\n<li><strong>seit 2021:<\/strong> Mitgr\u00fcnder und Co-CEO von <strong>Helsing AI<\/strong>, einem deutschen R\u00fcstungs-Start-up f\u00fcr KI-gest\u00fctzte Gefechtsf\u00fchrung, derzeit das Schlachtfeld-KI-Unternehmen Europas (bereits in NATO-Projekte eingebunden)<\/li>\n<li><strong>2024 \u2013 25:<\/strong> Auftritte bei Bilderberg-nahen Foren sowie Bilderberg selbst (GLOBSEC, M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz \u201eInnovation Track\u201c usw.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Scherf hat sich nie einer Wahl gestellt und bewegt sich dennoch durch dieselben transatlantischen Fellowship-Netzwerke wie amtierende Minister. Das erinnert daran, dass im Jahr 2025 zentrale politische Hebel ebenso bequem in den H\u00e4nden von Cloud-Computing-Start-ups liegen wie in Parlamenten. Wenn Bilderberg ein Thema wie \u201eProliferation\u201c diskutiert, ist Scherfs Algorithmus bereits darauf ausgelegt, Monate sp\u00e4ter als neuer Abschnitt zu Einsatzregeln (<em>Rules of Engagement<\/em>) in einem NATO-Wei\u00dfbuch aufzutauchen.<\/p>\n<p>Betrachten wir diese Kaskade der Politikgestaltung:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Bilderberg-<\/strong><a href=\"https:\/\/www.bilderbergmeetings.org\/meetings\/meeting-2025\/press-release-2025\"><strong>Agenda<\/strong><\/a><strong> 2025:<\/strong> \u201eProliferation\u201c<\/li>\n<li><strong>GLOBSEC-<\/strong><a href=\"https:\/\/www.globsec.org\/sites\/default\/files\/2025-06\/GLOBSEC%20Forum%20Schedule_13.6_EXT%20%284%29.pdf\"><strong>Forum<\/strong><\/a><strong> und <\/strong><a href=\"https:\/\/www.globsec.org\/what-we-do\/publications\/assurance-resilience-adapting-natos-nuclear-deterrence-policy-0\"><strong>Bericht<\/strong><\/a><strong> 2025:<\/strong> \u201eNATOs nukleare Abschreckung und Lastenteilung\u201c<\/li>\n<li><strong>Live-<\/strong><a href=\"https:\/\/x.com\/GLOBSEC\/status\/1938166836601749799\"><strong>Tweet<\/strong><\/a><strong> von GLOBSEC w\u00e4hrend des NATO-Gipfels 2025:<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201e<em>W\u00e4hrend die Alliierten beim #NATOSummit2025 Bilanz ziehen, erl\u00e4utert Jim Stokes, Direktor f\u00fcr Nuklearpolitik bei @NATO, welche Rolle die nukleare Teilhabe der NATO heute inmitten ver\u00e4nderter europ\u00e4ischer Sicherheitsdynamiken und Debatten \u00fcber Lastenteilung spielt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Idee entsteht zun\u00e4chst hinter verschlossenen T\u00fcren in einem vertraulichen Hotelkonferenzraum, taucht dann als Podiumsthema in Bratislava wieder auf und verfestigt sich schlie\u00dflich als operative Direktive in Br\u00fcssel. Diese Netzwerke <em>diskutieren<\/em> nicht l\u00e4nger nur \u00fcber <em>Grand Strategy<\/em>; sie entwickeln Prototypen und verkaufen sie anschlie\u00dfend an die Verteidigungsministerien als den n\u00e4chsten unausweichlichen Schritt. Proliferation, Hyperschallwaffen, KI-Zielauswahl: Jeder Zyklus beginnt mit \u201einformeller\u201c Diplomatie, wandert weiter in ein Hochglanz-Strategiepapier und endet als Haushaltszeile im R\u00fcstungsbudget.<\/p>\n<p><strong>Nationale Pr\u00e4gungen<\/strong> bleiben bestehen: Atlantische Einbindung ist niemals ein Neubeginn ohne Vorgeschichte; jedes Land bringt sein eigenes <strong>historisches Sediment<\/strong> mit. In Deutschland war dieser Prozess untrennbar verkn\u00fcpft mit dem fortwirkenden westdeutschen Antikommunismus und einer nur teilweise vollzogenen Entnazifizierung. Das Ergebnis: eine politische Klasse, die Moskau als \u201eewigen Feind\u201c brandmarken kann (<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132269\">so Bundesau\u00dfenminister Johann Wadephul<\/a>) \u2013 und zugleich Familienkontinuit\u00e4ten fortf\u00fchrt, die einst in Brilon oder Breslau f\u00fcr Gro\u00dfdeutschland marschierten. Die heutige Eskalation ist daher zugleich ein Akt transatlantischer Loyalit\u00e4t <strong>und<\/strong> eine Wiederauflage, wenn auch sublimiert, des westdeutschen Kalte-Kriegs-Nationalismus. Jeder Knoten im Elitennetzwerk tr\u00e4gt sein eigenes lokales Aroma; das Rezept jedoch wird weiterhin in Washington gekocht.<\/p>\n<p>Nachdem wir die Finanzstr\u00f6me nachgezeichnet haben, die dieses F\u00f6rderband antreiben, k\u00f6nnen wir nun beobachten, wie sich diese Gelder in konkrete Lebensl\u00e4ufe \u00fcbersetzen, indem wir in <strong>Teil 4 dieser Reihe <\/strong>einigen deutschen Entscheidungstr\u00e4gern von ihrem ersten Ford-finanzierten Auslandssemester bis hin zum Kabinettsposten folgen.<\/p>\n<p><em>Ende Teil 3<\/em><\/p>\n<p><em>Dieser Artikel wurde zuerst im englischen Original auf <\/em><a href=\"https:\/\/themindness.substack.com\/\"><em>Nel Bonillas Substack<\/em><\/a><em> ver\u00f6ffentlicht und von der Autorin selbst ins Deutsche \u00fcbersetzt.<\/em><\/p>\n<p><em>#Titelbild: US-Botschaft Berlin \/ <\/em><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/usbotschaftberlin\/32022685940\/\"><em>Ambassador Emerson Gives Atlantik Br\u00fccke Farewell Speech<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138782\">nachdenkseiten.de&#8230;<\/a> vom 13. September 2025<\/em><\/p>\n<p><em>Nel Bonilla. <\/em>Von dem Schweigen zur Sabotage der Nord-Stream-Pipelines bis zur wirtschaftlich und politisch ruin\u00f6sen NATO-Aufr\u00fcstung: Viele Menschen in Deutschland fragen sich, warum unsere \u201eEliten\u201c in Medien und Politik so h\u00e4ufig die geopolitischen und wirtschaftlichen Interessen der USA \u00fcber die der eigenen Bev\u00f6lkerung zu stellen scheinen. Wir verlinken f\u00fcr Sie an dieser Stelle <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138428\">Teil 1<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138528\">Teil 2<\/a> zum Nachlesen.<\/p>\n<p><strong>Der deutsche Fall: Die Atlantik-Br\u00fccke als Bindeglied im transatlantischen Machtgef\u00fcge<\/strong><\/p>\n<p>Anne Zetsches <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/book\/10.1007\/978-3-030-63933-4\">Archivstudien<\/a> zur <a href=\"https:\/\/www.atlantik-bruecke.org\/en\/atlantik-brucke\"><strong>Atlantik-Br\u00fccke<\/strong><\/a> und ihrer US-Schwesterorganisation, dem <a href=\"https:\/\/www.acgusa.org\/about-us\/history\"><strong>American Council on Germany<\/strong><\/a> (ACG), zeigen, wie eine scheinbar \u201eprivate\u201c Freundschaftsgesellschaft zu einem Pr\u00e4zisionsinstrument f\u00fcr die Eingliederung der Eliten in die Nachkriegsordnung wurde. \u00c4hnlich wie Denkfabriken ist sie eine Schl\u00fcsselinstitution in der Maschinerie der <strong>Elitenintegration<\/strong> und <strong>-pr\u00e4gung<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>Gr\u00fcnder &amp; Geflecht<\/strong><\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Eric Warburg<\/strong>, Erbe der Hamburger Bankiersdynastie, nutzte seine Wall-Street-Verbindungen zu John J. McCloy, einem einflussreichen Banker und B\u00fcrokraten, der nach dem Krieg Pr\u00e4sident der Weltbank, <em>US-Hochkommissar f\u00fcr Deutschland<\/em> sowie Vorsitzender der Chase Manhattan Bank wurde, um die deutsche Finanzwelt wieder mit den US-Kapitalm\u00e4rkten zu verkn\u00fcpfen. Warburg-Brinckmann, Wirtz &amp; Co. vermittelten bald darauf den ersten gr\u00f6\u00dferen US-Kredit f\u00fcr Volkswagen.<\/li>\n<li><strong>Marion D\u00f6nhoff<\/strong> wiederum setzte auf Salons und Empf\u00e4nge der Zeitschrift <em>Foreign Affairs<\/em> und auf das Mentoring von George F. Kennan, um deutsche Neutralit\u00e4t als \u201everantwortungslos\u201c umzudeuten.<\/li>\n<li>Ein <em>kosmopolitischer Elitehabitus<\/em>, also eine geteilte Lebensf\u00fchrung, gemeinsame Verhaltensmuster und Weltsicht, verband diese Banker, Herausgeber und Adligen. Ihre Mission bestand darin, Westdeutschland in eine von den <strong>USA gef\u00fchrte<\/strong> \u201eGemeinschaft der Nationen\u201c einzubinden \u2013 bevor entweder Moskau oder das gaullistische Paris Anspruch darauf erheben konnte.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die Vereinnahmung der SPD<\/strong><\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ein neutrales oder frankreichzentriertes Westdeutschland galt als Abweichung von der gew\u00fcnschten atlantischen Ausrichtung: So korrespondierten etwa Emmet Hughes, ein enger Berater Eisenhowers und sp\u00e4terer Journalist, und <strong>Emiss\u00e4re des American Council on Germany<\/strong> (ACG) mit dem Hamburger B\u00fcrgermeister <strong>Max Brauer<\/strong>, um den Antimilitarismus der SPD zwischen 1950 und 1954 abzumildern.<\/li>\n<li>1963 half das Tandem ACG\/Atlantik-Br\u00fccke dabei, den \u00c9lys\u00e9e-Vertrag, eigentlich als Fundament einer eigenst\u00e4ndigeren deutsch-franz\u00f6sischen Kooperation gedacht, mit einem <strong>Pro-NATO<\/strong>-Pr\u00e4ambeltext zu verw\u00e4ssern.<\/li>\n<li>Auch Willy Brandts <strong>Ostpolitik<\/strong> sollte von einem eigenst\u00e4ndigen und nachhaltigen Friedensprojekt in eine NATO-kompatible \u201eEntspannungspolitik\u201c \u00fcberf\u00fchrt werden.<\/li>\n<li>Zudem finanzierten Mittel der <strong>Ford Foundation<\/strong> \u2013 \u00fcber den vom CIA mitbegr\u00fcndeten <strong><em>Congress for Cultural Freedom<\/em><\/strong> (ein internationales Netzwerk von Intellektuellen und Kulturinstitutionen zur ideologischen Einflussnahme im Kalten Krieg) und die <strong>AFL-CIO-Gewerkschaften<\/strong> (der Dachverband der US-Gewerkschaften, der in dieser Zeit eng mit Washingtons Au\u00dfenpolitik verflochten war) \u2013 Jugendseminare, die die Partei von marxistischen Unterstr\u00f6mungen \u201es\u00e4uberten\u201c; ein fr\u00fches Beispiel daf\u00fcr, dass Stiftungsarbeit eine Wirkung entfalten kann, die jener von Geheimdiensten vergleichbar ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Die Medien<\/strong><\/p>\n<p>Die j\u00e4hrlichen Atlantik-Br\u00fccke-Dinner mit dem NATO-Oberbefehlshaber in Europa (<em>Supreme Allied Commander Europe<\/em>) fungieren zugleich als redaktionelle R\u00fcckzugsr\u00e4ume:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Josef Joffe (<em>Die Zeit<\/em>), Kai Diekmann (<em>Bild<\/em>) und Stefan Kornelius (<em>S\u00fcddeutsche Zeitung<\/em>) sind langj\u00e4hrige Mitglieder; der ZDF-Moderator Claus Kleber sa\u00df zeitweise im Kuratorium der Atlantik-Br\u00fccke.<\/li>\n<li>Das Ergebnis ist kein offenes Diktat, sondern eine Form antizipierender Anpassung: Leitmedien stellen die deutsche Aufr\u00fcstung selten als Option dar, sondern vielmehr als den einzig gangbaren Weg und sorgen daf\u00fcr, dass der \u00f6ffentliche Diskurs nicht von den atlantischen Leitplanken abweicht.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Synergieeffekte in den Vorstandsetagen<\/strong><\/p>\n<p>Das heutige Kuratorium der Atlantik-Br\u00fccke liest sich wie eine Bilanz des atlantischen Kapitalismus: Es umfasst prominente Unternehmen wie die American Chamber of Commerce (die US-Handelskammer in Deutschland, ein Lobbyverband amerikanischer Konzerne), die Deutsche Bank, Goldman Sachs, Pfizer und BASF. Vertreter aus Medien, Anwaltskanzleien und der Pharmaindustrie sitzen dort Seite an Seite mit Schwergewichten von CDU und SPD \u2013 ein Beleg daf\u00fcr, dass die \u201e\u00dcberparteilichkeit\u201c in diesem Kontext vor allem Treue zu einem gemeinsamen transatlantischen Gesch\u00e4ftsmodell und Weltordnung bedeutet.<\/p>\n<p><strong>Konsensbildung in der Praxis<\/strong><\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>2009 wurde <strong>Friedrich Merz<\/strong> (CDU) Vorsitzender der Atlantik-Br\u00fccke und sp\u00e4ter Deutschland-Vorsitzender des Aufsichtsrats des Finanzgiganten BlackRock.<\/li>\n<li>2019 folgte ihm <strong>Sigmar Gabriel<\/strong> (SPD). Kritiker warnten vor einem \u201eProvokateur\u201c, doch die Berufung hatte vor allem den Effekt, auch die letzten Reste sozialdemokratischer Skepsis gegen\u00fcber dem NATO-Zwei-Prozent-Ziel zu neutralisieren \u2013 das heute l\u00e4ngst zu einem F\u00fcnf-Prozent-Ziel ausgeweitet worden ist.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Was sich \u00e4u\u00dferlich als gesellige Salonkultur pr\u00e4sentiert, erf\u00fcllt in Wirklichkeit die Funktion eines <strong>transatlantischen Bindeglieds<\/strong>: US-amerikanische Interessen und Pr\u00e4ferenzen werden so in deutsche Parteiprogramme, Vorstandsetagen und Redaktionen hineingetragen \u2013 ganz ohne eine einzige Direktive aus dem Pentagon.<\/p>\n<p>Nachdem nun gezeigt wurde, wie die <em>Atlantik-Br\u00fccke<\/em> half, die westdeutschen Nachkriegsinstitutionen in die transatlantischen Schaltkreise einzuschwei\u00dfen, wenden wir uns im Folgenden den <strong>Bilderberg<\/strong>-Konferenzen zu \u2013 einem weiteren Kanal der transatlantischen Elitenpr\u00e4gung.<\/p>\n<p><strong>Bilderberg und das Gesch\u00e4ft der Hegemonie<\/strong><\/p>\n<p>Die sogenannte <a href=\"https:\/\/bilderbergmeetings.org\/background\/brief-history\"><strong>Bilderberg-Gruppe<\/strong><\/a> wird oft als Steckenpferd von Verschw\u00f6rungstheoretikern abgetan. In Wirklichkeit handelt es sich jedoch um einen wichtigen Knotenpunkt dessen, was der Soziologe Kantor (<a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/03017605.2016.1268458\"><strong>2017<\/strong><\/a>) in diesem Kontext als \u201e<strong>transnationale Kapitalistenklasse<\/strong>\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Eine Auswertung der Treffen zwischen 2010 und 2015 zeigt:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>67 Prozent der Teilnehmer<\/strong> waren Vorstandsvorsitzende, Banker oder Aufsichtsratsmitglieder gro\u00dfer Konzerne \u2013 darunter die Deutsche Bank, Goldman Sachs und BP.<\/li>\n<li><strong>Kein einziger Gewerkschafter<\/strong> war eingeladen. Dieser \u201eDialog\u201c schlie\u00dft die Arbeitnehmerseite von vornherein aus \u2013 und das ganz bewusst.<\/li>\n<li>Die <strong>Unternehmensfraktion<\/strong> dominiert die sogenannte transnationale Kapitalistenklasse; Politik wird dabei zunehmend zum blo\u00dfen Dienstleister des Kapitals.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Andererseits zeigt eine Analyse von Gijswijt (<a href=\"https:\/\/www.routledge.com\/Informal-Alliance-The-Bilderberg-Group-and-Transatlantic-Relations-during-the-Cold-War-1952-1968\/Gijswijt\/p\/book\/9780367587659?srsltid=AfmBOooN6ioOnG_qBHn8c7ptMShLgxB4z9FaAUXbX9HCtH17GHuZCqkp\">2019<\/a>) die Zusammensetzung der Bilderberg-Treffen in der Zeit nach dem Kalten Krieg beziehungsweise in ihrer fr\u00fchen Etablierungsphase zwischen 1954 und 1968:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Etwa <strong>25 Prozent<\/strong> der Teilnehmer kamen aus den USA, <strong>14 Prozent<\/strong> aus Gro\u00dfbritannien und jeweils <strong>9 Prozent<\/strong> aus Frankreich und Westdeutschland.<\/li>\n<li>30 Prozent waren \u201e<strong>Unternehmer, Banker und Juristen<\/strong>\u201c, 20 Prozent \u201e<strong>Politiker und einige Gewerkschaftsvertreter<\/strong>\u201c, weitere 16 Prozent Diplomaten; der Rest setzte sich aus Wissenschaftlern, Journalisten und hochrangigen Vertretern von NATO, Weltbank, OECD, und IWF zusammen.<\/li>\n<li>Frauen waren dabei \u201e<strong>auffallend abwesend<\/strong>\u201c.<\/li>\n<li>Doppelvertretungen von Kernstaaten und -unternehmen<\/li>\n<li>So entsandte die Deutsche Bank im Jahr 2016 sowohl ihren Vorstandsvorsitzenden als auch ihren Aufsichtsratschef; die Niederlande schickten im selben Jahr sowohl den Premierminister als auch den K\u00f6nig.<\/li>\n<li>Solche Doppelbesetzungen sichern die Agendasetzung und belegen zugleich, dass in der elit\u00e4ren Koordination die Wirtschaft Vorrang vor der Politik hat.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Zahlen zeigen, wie eng der Schwerpunkt der Bilderberg-Treffen mit dem Kern des liberalen Ordnungsmodells im Kalten Krieg verbunden war, also dem westlich-atlantischen System aus Markt\u00f6konomie, Milit\u00e4rb\u00fcndnis und internationalen Institutionen. Sie umfassten die atlantischen Finanz-, Verteidigungs- und Diplomatieeliten und hielten zugleich gen\u00fcgend nationale Repr\u00e4sentation aufrecht, um einen gesamteurop\u00e4isch-westlichen Anspruch geltend machen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Rekrutierung durch Anerkennung<\/strong><\/p>\n<p>Die Organisatoren \u201e<strong>waren stets auf der Suche nach neuen Talenten<\/strong>\u201c, die in den Kreis sozialisiert werden konnten (Gijswijt 2019). Eine Teilnahme wurde dabei selbst zum Karrieresprungbrett: Bill Clinton, Tony Blair und Angela Merkel nahmen jeweils teil, noch bevor sie h\u00f6chste politische \u00c4mter erreichten. Von einem Hinterzimmer, in dem K\u00f6nige gemacht w\u00fcrden, konnte keine Rede sein \u2013 der eigentliche Wert lag in der Prestige-Pipeline selbst: ein Eintrag im Lebenslauf, der ideologische Verl\u00e4sslichkeit signalisierte und T\u00fcren \u00f6ffnete von der Wall Street \u00fcber Whitehall bis ins Bundeskanzleramt.<\/p>\n<p><strong>Informelle Diplomatie statt formaler Beschl\u00fcsse<\/strong><\/p>\n<p>Es wurden weder Resolutionen verabschiedet noch Protokolle ver\u00f6ffentlicht. Doch, so Gijswijt (2019): \u201eDie eigentliche Bedeutung der Treffen bestimmte sich daraus, <strong>was die Teilnehmer mit dem symbolischen Kapital anfingen, das sie dort sammelten<\/strong>.\u201c Die Konferenz fungierte als ein Proberaum mit hohem Vertrauensniveau: Ideen konnten erprobt, Karrieren und Reputation \u00fcberpr\u00fcft und gegens\u00e4tzliche Ausgangspositionen aufeinander abgestimmt werden. Dieser latente Konsens tauchte dann sp\u00e4ter wieder auf \u2013 etwa in NATO-Kommuniqu\u00e9s oder in Wei\u00dfb\u00fcchern der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft.<\/p>\n<p><strong>Identit\u00e4tsarbeit und B\u00fcndnispflege<\/strong><\/p>\n<p>Von Beginn an pflegte Bilderberg \u201eein starkes Gef\u00fchl emotionaler Gemeinschaft, gegr\u00fcndet auf den Vorstellungen von <strong>der Freien Welt oder dem Westen<\/strong>\u201c (Gijswijt 2019). Allein die Teilnahme \u2013 insbesondere f\u00fcr prominente US-Vertreter \u2013 \u201e<strong>stimulierte die Akzeptanz der F\u00fchrungsrolle der Vereinigten Staaten innerhalb der NATO<\/strong>\u201c. Das Treffen wirkte wie eine Therapie f\u00fcr transatlantische Nervosit\u00e4t: ein Ort, um einseitige Schocks aufzufangen, Gespr\u00e4chsleitf\u00e4den neu abzustimmen und mit einer gefestigten Hierarchie auseinanderzugehen, in der Washington zwar als <em>primus inter pares<\/em> galt \u2013 also als Erster unter Gleichen.<\/p>\n<p><strong>Netzwerkmultiplikatoren<\/strong><\/p>\n<p>Die Mitgliedschaften \u00fcberschnitten sich mit dem <em>Council on Foreign Relations<\/em> (CFR, der einflussreichste au\u00dfenpolitische Thinktank in den USA), <em>Chatham House<\/em> (das britische Pendant in London), dem franz\u00f6sischen <em>Institut fran\u00e7ais des relations internationales<\/em> (IFRI), der <em>Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik<\/em> (DGAP) und sp\u00e4ter auch mit der Trilateralen Kommission. So entstand \u201e<strong>ein dichtes Netz transnationaler Beziehungen: eine informelle Allianz<\/strong>\u201c (Gijswijt 2019).<\/p>\n<p>Ableger schossen wie Pilze aus dem Boden. So sicherte Denis Healey, damaliger britischer Verteidigungsminister und sp\u00e4ter Schatzkanzler, 1957 in einem Bilderberg-Nebengespr\u00e4ch Mittel der Ford Foundation f\u00fcr das Londoner <a href=\"https:\/\/www.iiss.org\/about-us\/\"><strong>International Institute for Strategic Studies<\/strong><\/a> (IISS). Andere Satelliten griffen das Format auf, um politische Netzwerke auch auf nationaler Ebene zu stabilisieren: darunter die <a href=\"https:\/\/securityconference.org\/en\/about-us\/history\/\"><strong>M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz<\/strong><\/a>, die <a href=\"https:\/\/www.debrige.de\/en\/2022\/12\/07\/koenigswinter-conferenz\/\"><strong>K\u00f6nigswinter-Konferenz<\/strong><\/a> sowie die im Zweijahresrhythmus stattfindenden <a href=\"https:\/\/germanamericanconference.org\/2025-home\/history\"><strong>Deutsch-Amerikanischen Konferenzen<\/strong><\/a> des ACG\/der Atlantik-Br\u00fccke.<\/p>\n<p><strong>Die Dreht\u00fcr<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiteres Merkmal der Bilderberg-Teilnehmer ist ihre Mehrfachmitgliedschaft in den verschiedenen Bereichen von Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Peter Sutherland<\/strong>, ein regelm\u00e4\u00dfiger Bilderberg-Gast und einer der Gr\u00fcnder der WTO, wechselte zwischen Goldman Sachs, der Welthandelsorganisation (WTO) und der EU-Kommission.<\/li>\n<li><strong>Robert Rubin<\/strong> wechselte vom US-Finanzministerium zu Citigroup und weiter zum <em>Council on Foreign Relations<\/em> (CFR): ein perfektes Beispiel f\u00fcr die enge <strong>Verflechtung elit\u00e4rer Fraktionen<\/strong>.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Thinktank-Stammg\u00e4ste<\/strong><\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>St\u00e4ndige Teilnehmer kamen auch aus Thinktanks wie dem CFR, der Carnegie-Stiftung, dem franz\u00f6sischen IFRI, dem American Enterprise Institute (AEI) und der Zeitschrift <em>The Economist<\/em>.<\/li>\n<li>Das zeigt die <strong>Durchl\u00e4ssigkeit<\/strong> der Fraktionen der transnationalen Kapitalistenklasse \u2013 ob wirtschaftlich, politisch, technisch oder konsumorientiert \u2013 und, wie leicht sich Expertenkommentare mit Macht in den Vorstandsetagen vermischen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Der ideologische Filter<\/strong><\/p>\n<p>Wie der Forscher Luk\u00e1\u0161 Kantor anmerkt:<\/p>\n<p>\u201e<em>Bilderberg behauptet in seinen FAQ, es w\u00fcrden \u2018unterschiedliche Standpunkte\u2019 eingeladen. Doch Noam Chomsky hat niemals eine Einladung erhalten. Der \u2018Dialog\u2019 ist auf jene beschr\u00e4nkt, die ohnehin \u00fcbereinstimmen<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>Dies ist <strong><em>Ultraimperialismus<\/em><\/strong> in Aktion \u2013 um Karl Kautskys Begriff zu verwenden: Nationale Eliten arbeiten \u00fcber Grenzen hinweg zusammen, um gemeinsame Klasseninteressen zu sch\u00fctzen, w\u00e4hrend die Bev\u00f6lkerungen die Kosten tragen.<\/p>\n<p><strong>Warum das f\u00fcr Deutschland wichtig ist<\/strong><\/p>\n<p>Der deutsche Anteil bei Bilderberg \u00fcberschritt nie zehn Prozent. Doch die Karrieren, die dort beschleunigt wurden \u2013 etwa von Friedrich Merz, Karl-Theodor zu Guttenberg oder Josef Ackermann \u2013 flossen zur\u00fcck in das bereits skizzierte Netzwerk aus <strong>Atlantik-Br\u00fccke, DGAP und M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz<\/strong>.<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Die Atlantik-Br\u00fccke ist der deutsche Zweig, die Bilderberg-Treffen sind die transatlantischen Wurzeln, die den ideologischen Boden best\u00e4ndig d\u00fcngen. Bilderberg fungiert zudem als eine Art <strong>Qualit\u00e4tssicherungslabor des euro-atlantischen Kapitalismus<\/strong>: Hier werden Personalien \u00fcberpr\u00fcft, Gespr\u00e4chsleitf\u00e4den angeglichen und die Vorherrschaft der Unternehmensfraktion innerhalb der gr\u00f6\u00dferen transnationalen Kapitalistenklasse abgesichert.<\/p>\n<p><strong>Die Ford Foundation: Risikokapital des Atlantizismus<\/strong><\/p>\n<p>\u201e<em>Neue Generationen w\u00fcrden in Machtpositionen eintreten, <strong>ohne eine pers\u00f6nliche Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg oder den Marshallplan<\/strong>. Um das B\u00fcndnis am Leben zu erhalten, mussten sie zun\u00e4chst darin sozialisiert werden<\/em>.\u201c \u2013 Zetsche (<a href=\"https:\/\/link.springer.com\/article\/10.1080\/14794012.2014.990737\">2015<\/a>)<\/p>\n<p><strong>Von Anfang an \u00f6ffentlich-privat<\/strong><\/p>\n<p>In Lehrb\u00fcchern \u00fcber Stiftungswesen wird die Ford Foundation bis heute als neutrale, technokratische Wohlt\u00e4tigkeitsorganisation dargestellt. Archivarbeiten von Anne Zetsche zeigen jedoch das Gegenteil: Die Stiftung stand im Zentrum eines <strong>dichten \u00f6ffentlich-privaten Dreiecks \u2013 bestehend aus dem US-Au\u00dfenministerium, Fortune-500-Konzernen und Elite-Universit\u00e4ten<\/strong> \u2013, das geschaffen wurde, um die <strong>Steuerung der US-Au\u00dfenpolitik <\/strong>abzusichern. Inderjeet Parmar bezeichnet dieses Geflecht als die \u201eweiche Maschinerie\u201c, die Unternehmensverm\u00f6gen in strategisches Wissen und in Personal umwandelt.<\/p>\n<p><strong>Finanzierung des deutschen Ablegers<\/strong><\/p>\n<p>Gelder der Ford Foundation erm\u00f6glichten die fr\u00fchen <strong>Deutsch-Amerikanischen Konferenzen<\/strong> der Atlantik-Br\u00fccke (ab 1959) sowie Stipendienprogramme, die Personal in die DGAP, die Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und die parteinahen Stiftungen einspeisten. Als die Mitarbeiter sich sorgten, dass die G\u00e4stelisten zu alt wirkten, erg\u00e4nzte man <strong>Jugendprogramme<\/strong> und \u201eNext-Gen\u201c-Studienstipendien \u2013 um das atlantische Weltbild an Generationen weiterzugeben, die keine eigene Erinnerung mehr an Tr\u00fcmmerzeit oder Antikommunismus hatten.<\/p>\n<p><strong>Strategische Ziele<\/strong><\/p>\n<p>Interne Korrespondenzen aus den fr\u00fchen Jahren der Ford Foundation benannten zwei ideologische <strong>Bedrohungen<\/strong>:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>ein <strong>gaullistisches Europa ohne Amerika<\/strong> \u2013 also ein von Frankreich gef\u00fchrter kontinentaler Block,<\/li>\n<li>und <strong>Willy Brandts fr\u00fche Ostpolitik<\/strong> \u2013 die Aussicht auf eine deutsche Neutralit\u00e4t zwischen den Bl\u00f6cken.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Gegenmittel bestand darin, den F\u00f6rderrahmen f\u00fcr Austauschprogramme, Sommerakademien und Startstipendien gezielt <strong>nur<\/strong> auf Kandidaten auszudehnen, denen man zutraute, stets mit einem Fu\u00df in Washington zu stehen. Bis 1970 besch\u00e4ftigte fast jedes westdeutsche Ministerium Ford-Alumni; bis 1980 galt das auch f\u00fcr die Redaktionen von <em>Der Spiegel<\/em>, <em>Die Zeit<\/em> und der <em>FAZ<\/em>.<\/p>\n<p><strong>Geld als Lehrplan<\/strong><\/p>\n<p>Im Unterschied zu den Einladungen von Bilderberg waren die Stipendien der Ford Foundation mit einem Lehrplan verkn\u00fcpft: Module zur Atlantikgeschichte, R\u00fcckblicke auf den Marshallplan und vertrauliche Briefings beim <em>Council on Foreign Relations<\/em>. Finanzierung bedeutete hier zugleich politische Orientierung. Das Ergebnis war ein Kader, <strong>der europ\u00e4ische Sicherheit ganz selbstverst\u00e4ndlich mit US-Vorherrschaft gleichsetzte<\/strong> und Alternativen wie Blockfreiheit oder europ\u00e4ische Autonomie als historische Abweichungen betrachtete.<\/p>\n<p>Eine Generation sp\u00e4ter hatte sich der \u201eKlassenraum\u201c verlagert: von den Seminarr\u00e4umen der Elite-Universit\u00e4ten in abgeschirmte Konferenzhotels. Die soziale Logik blieb dieselbe, nur dass die Dozenten inzwischen vier Sterne auf der Schulter tragen, Cloud-Computing-Zentren leiten oder beides zugleich.<\/p>\n<p><strong>Bilderberg 2025: Von der Grand Strategy zur Tech-Kriegs\u00fcbung<\/strong><\/p>\n<p>Die Linie setzt sich fort. Im Juni 2025 verlagerte sich die G\u00e4steliste der Bilderberg-Konferenz noch st\u00e4rker hin zu Gener\u00e4len, KI-Magnaten und Nuklearstrategen; ein Signal daf\u00fcr, dass das heutige \u201einformelle B\u00fcndnis\u201c weniger einem Salon gleicht als vielmehr einem gemeinsamen Kriegsplanungsraum.<\/p>\n<p><strong>Diskussionsthemen 2025:<\/strong> Auf der Agenda standen die transatlantischen Beziehungen, die Ukraine, das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zwischen US-Wirtschaft und Europa, der Nahe Osten, eine \u201eAchse der Autorit\u00e4ren\u201c, Verteidigungsinnovation und -resilienz, K\u00fcnstliche Intelligenz, Abschreckung und nationale Sicherheit, Energie- und Rohstoffgeopolitik, Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang und Migration \u2013 und auff\u00e4llig: Auf der Agenda tauchte \u201e<strong>Proliferation<\/strong>\u201c auf \u2013 nicht, wie sonst \u00fcblich, \u201eNon-Proliferation\u201c (Nichtverbreitung).<\/p>\n<p><strong>Wer gab den Ton an?<\/strong> Ein Querschnitt der Teilnehmer (mit aktuellen Funktionen):<\/p>\n<p><strong>Hard Power:<\/strong> Mark Rutte (NATO-Generalsekret\u00e4r), Jens Stoltenberg (ehemaliger NATO-Generalsekret\u00e4r), General Chris Donahue (US Army Europe-Africa), Admiral Sam Paparo (Oberbefehlshaber des US-Indo-Pacific Command, also des US-Oberkommandos f\u00fcr den Indopazifik).<\/p>\n<p><strong>\u00dcberwachungskapitalismus:<\/strong> Satya Nadella &amp; Mustafa Suleyman (Microsoft AI), Demis Hassabis (Google DeepMind), Alex Karp (Palantir), Eric Schmidt (Ex-Google), Gundbert Scherf (Helsing GmbH), Peter Thiel (Thiel Capital).<\/p>\n<p><strong>Medienchor:<\/strong> Mathias D\u00f6pfner (Axel Springer), Zanny Minton Beddoes (<em>The Economist<\/em>), Anne Applebaum (<em>The Atlantic<\/em>).<\/p>\n<p>Das aufschlussreichste Wort der Agenda: <strong>\u201eProliferation\u201c<\/strong>. Nicht <em>Nichtverbreitung<\/em>, sondern das offene Eingest\u00e4ndnis, dass nukleare Teilhabe \u2013 also die Stationierung und Mitnutzung von US-Atomwaffen durch europ\u00e4ische NATO-Staaten (Polen, Rum\u00e4nien?) \u2013 sich vom Tabu-Thema zum offiziellen Gespr\u00e4chspunkt entwickelt. Nur wenige Tage sp\u00e4ter ver\u00f6ffentlichte das <a href=\"https:\/\/www.globsec.org\/sites\/default\/files\/2025-06\/GLOBSEC%20Forum%20Schedule_13.6_EXT%20%284%29.pdf\"><em>GLOBSEC-Forum 2025<\/em><\/a> \u2013 eine sicherheitspolitische Konferenz mit Sitz in Bratislava, oft als osteurop\u00e4isches Pendant zur M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz gesehen und finanziert von vielen derselben Konzerne wie Bilderberg, mit st\u00e4rkerem Fokus auf Technologie und Verteidigung \u2013 ein Strategiepapier, in dem die <a href=\"https:\/\/www.globsec.org\/what-we-do\/publications\/assurance-resilience-adapting-natos-nuclear-deterrence-policy-0\">NATO<\/a> aufgefordert wurde,<\/p>\n<p>\u201e<em>ausdr\u00fccklich alle drei wesentlichen S\u00e4ulen nuklearer Abschreckung zu betonen: F\u00e4higkeiten, Entschlossenheit und Kommunikation. Dieser ganzheitliche Ansatz ist entscheidend, nicht nur um Russland in einem gef\u00e4hrlicheren Sicherheitsumfeld abzuschrecken, sondern auch, um den inneren Zusammenhalt des B\u00fcndnisses zu st\u00e4rken, das \u00f6ffentliche Vertrauen zu sichern und Gegner davon abzuhalten, die roten Linien der NATO zu testen.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Ein Musterbeispiel f\u00fcr diese zusammenwachsende <strong>Tech-Defense-Elite<\/strong> ist <a href=\"https:\/\/forum2024.globsec.org\/speakers\/dr-gundbert-scherf\/\">Dr. Gundbert Scherf<\/a> (Teilnehmer des Bilderberg-Treffens 2025 und der GLOBSEC-Konferenz 2024):<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>2000er-Jahre:<\/strong> Cambridge \/ Sciences Po \/ Freie Universit\u00e4t Berlin (klassische transatlantische Ausbildungsschiene)<\/li>\n<li><strong>2014 \u2013 16:<\/strong> Sonderberater im deutschen Verteidigungsministerium<\/li>\n<li><strong>2017 \u2013 20:<\/strong> McKinsey-Partner f\u00fcr Luft- und Raumfahrt sowie R\u00fcstung<\/li>\n<li><strong>seit 2021:<\/strong> Mitgr\u00fcnder und Co-CEO von <strong>Helsing AI<\/strong>, einem deutschen R\u00fcstungs-Start-up f\u00fcr KI-gest\u00fctzte Gefechtsf\u00fchrung, derzeit das Schlachtfeld-KI-Unternehmen Europas (bereits in NATO-Projekte eingebunden)<\/li>\n<li><strong>2024 \u2013 25:<\/strong> Auftritte bei Bilderberg-nahen Foren sowie Bilderberg selbst (GLOBSEC, M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz \u201eInnovation Track\u201c usw.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>Scherf hat sich nie einer Wahl gestellt und bewegt sich dennoch durch dieselben transatlantischen Fellowship-Netzwerke wie amtierende Minister. Das erinnert daran, dass im Jahr 2025 zentrale politische Hebel ebenso bequem in den H\u00e4nden von Cloud-Computing-Start-ups liegen wie in Parlamenten. Wenn Bilderberg ein Thema wie \u201eProliferation\u201c diskutiert, ist Scherfs Algorithmus bereits darauf ausgelegt, Monate sp\u00e4ter als neuer Abschnitt zu Einsatzregeln (<em>Rules of Engagement<\/em>) in einem NATO-Wei\u00dfbuch aufzutauchen.<\/p>\n<p>Betrachten wir diese Kaskade der Politikgestaltung:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Bilderberg-<\/strong><a href=\"https:\/\/www.bilderbergmeetings.org\/meetings\/meeting-2025\/press-release-2025\"><strong>Agenda<\/strong><\/a><strong> 2025:<\/strong> \u201eProliferation\u201c<\/li>\n<li><strong>GLOBSEC-<\/strong><a href=\"https:\/\/www.globsec.org\/sites\/default\/files\/2025-06\/GLOBSEC%20Forum%20Schedule_13.6_EXT%20%284%29.pdf\"><strong>Forum<\/strong><\/a><strong> und <\/strong><a href=\"https:\/\/www.globsec.org\/what-we-do\/publications\/assurance-resilience-adapting-natos-nuclear-deterrence-policy-0\"><strong>Bericht<\/strong><\/a><strong> 2025:<\/strong> \u201eNATOs nukleare Abschreckung und Lastenteilung\u201c<\/li>\n<li><strong>Live-<\/strong><a href=\"https:\/\/x.com\/GLOBSEC\/status\/1938166836601749799\"><strong>Tweet<\/strong><\/a><strong> von GLOBSEC w\u00e4hrend des NATO-Gipfels 2025:<\/strong><\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201e<em>W\u00e4hrend die Alliierten beim #NATOSummit2025 Bilanz ziehen, erl\u00e4utert Jim Stokes, Direktor f\u00fcr Nuklearpolitik bei @NATO, welche Rolle die nukleare Teilhabe der NATO heute inmitten ver\u00e4nderter europ\u00e4ischer Sicherheitsdynamiken und Debatten \u00fcber Lastenteilung spielt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Idee entsteht zun\u00e4chst hinter verschlossenen T\u00fcren in einem vertraulichen Hotelkonferenzraum, taucht dann als Podiumsthema in Bratislava wieder auf und verfestigt sich schlie\u00dflich als operative Direktive in Br\u00fcssel. Diese Netzwerke <em>diskutieren<\/em> nicht l\u00e4nger nur \u00fcber <em>Grand Strategy<\/em>; sie entwickeln Prototypen und verkaufen sie anschlie\u00dfend an die Verteidigungsministerien als den n\u00e4chsten unausweichlichen Schritt. Proliferation, Hyperschallwaffen, KI-Zielauswahl: Jeder Zyklus beginnt mit \u201einformeller\u201c Diplomatie, wandert weiter in ein Hochglanz-Strategiepapier und endet als Haushaltszeile im R\u00fcstungsbudget.<\/p>\n<p><strong>Nationale Pr\u00e4gungen<\/strong> bleiben bestehen: Atlantische Einbindung ist niemals ein Neubeginn ohne Vorgeschichte; jedes Land bringt sein eigenes <strong>historisches Sediment<\/strong> mit. In Deutschland war dieser Prozess untrennbar verkn\u00fcpft mit dem fortwirkenden westdeutschen Antikommunismus und einer nur teilweise vollzogenen Entnazifizierung. Das Ergebnis: eine politische Klasse, die Moskau als \u201eewigen Feind\u201c brandmarken kann (<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=132269\">so Bundesau\u00dfenminister Johann Wadephul<\/a>) \u2013 und zugleich Familienkontinuit\u00e4ten fortf\u00fchrt, die einst in Brilon oder Breslau f\u00fcr Gro\u00dfdeutschland marschierten. Die heutige Eskalation ist daher zugleich ein Akt transatlantischer Loyalit\u00e4t <strong>und<\/strong> eine Wiederauflage, wenn auch sublimiert, des westdeutschen Kalte-Kriegs-Nationalismus. Jeder Knoten im Elitennetzwerk tr\u00e4gt sein eigenes lokales Aroma; das Rezept jedoch wird weiterhin in Washington gekocht.<\/p>\n<p>Nachdem wir die Finanzstr\u00f6me nachgezeichnet haben, die dieses F\u00f6rderband antreiben, k\u00f6nnen wir nun beobachten, wie sich diese Gelder in konkrete Lebensl\u00e4ufe \u00fcbersetzen, indem wir in <strong>Teil 4 dieser Reihe <\/strong>einigen deutschen Entscheidungstr\u00e4gern von ihrem ersten Ford-finanzierten Auslandssemester bis hin zum Kabinettsposten folgen.<\/p>\n<p><em>Ende Teil 3<\/em><\/p>\n<p><em>Dieser Artikel wurde zuerst im englischen Original auf <\/em><a href=\"https:\/\/themindness.substack.com\/\"><em>Nel Bonillas Substack<\/em><\/a><em> ver\u00f6ffentlicht und von der Autorin selbst ins Deutsche \u00fcbersetzt.<\/em><\/p>\n<p><em>#Titelbild: US-Botschaft Berlin \/ <\/em><a href=\"https:\/\/www.flickr.com\/photos\/usbotschaftberlin\/32022685940\/\"><em>Ambassador Emerson Gives Atlantik Br\u00fccke Farewell Speech<\/em><\/a><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=138782\">nachdenkseiten.de&#8230;<\/a> vom 13. September 2025<\/em><\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nel Bonilla. Von dem Schweigen zur Sabotage der Nord-Stream-Pipelines bis zur wirtschaftlich und politisch ruin\u00f6sen NATO-Aufr\u00fcstung: Viele Menschen in Deutschland fragen sich, warum unsere \u201eEliten\u201c in Medien und Politik so h\u00e4ufig die geopolitischen und wirtschaftlichen &#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15732,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,7],"tags":[39,41,61,56,18,22,27,20,46],"class_list":["post-15730","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-und-theorie","category-international","tag-deutschland","tag-europa","tag-frankreich","tag-grossbritannien","tag-imperialismus","tag-politische-oekonomie","tag-russland","tag-sowjetunion","tag-usa"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15730","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15730"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15730\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15733,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15730\/revisions\/15733"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15732"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15730"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15730"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15730"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}