{"id":15744,"date":"2025-09-16T10:45:47","date_gmt":"2025-09-16T08:45:47","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15744"},"modified":"2025-09-16T10:45:48","modified_gmt":"2025-09-16T08:45:48","slug":"kampf-um-die-wahrheit-an-den-universitaeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15744","title":{"rendered":"Kampf um die Wahrheit an den Universit\u00e4ten"},"content":{"rendered":"<p><em>Dario Dietsche. <\/em>Tausende junge Erwachsene beginnen im Herbst ein Studium. Auf die meisten wartet kein \u00abSchoggi-Leben\u00bb, wie B\u00fcrgerliche gern behaupten. Sondern prek\u00e4re Teilzeitjobs, unbezahlte Praktika und unsichere Berufsaussichten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dazu kommt konstanter Abgabestress f\u00fcr Arbeiten, die niemand braucht \u2013 w\u00e4hrend draussen Krisen, Kriege und Klimakatastrophen zunehmen. Die Generation Z kann es sich nicht leisten, die Welt hinzunehmen, wie sie ist.<\/p>\n<p>Darum folgen immer mehr intuitiv der Devise von Marx: Die Welt verstehen, um sie zu ver\u00e4ndern. Haupts\u00e4chlich dieses Verlangen treibt junge Erwachsene an die Universit\u00e4t.<\/p>\n<p><strong>Uni-Kurse klingen verlockend<\/strong><\/p>\n<p>Die Unis geben vor, dieses Verlangen zu stillen. Die Sozial- und Geisteswissenschaften werben mit Kursen wie \u00abSoziale Ungleichheit und Kapitalismus\u00bb, \u00abRechtspopulistische Diskurse\u00bb oder \u00abQueer Marxism\u00bb.<\/p>\n<p>Sie sind anziehend, weil sie Antworten auf brennende Fragen unserer Zeit versprechen: Was ist Imperialismus? Warum gibt es Unterdr\u00fcckung? Was tun gegen Rechtspopulismus?<\/p>\n<p>Kurzum: Warum produziert der Kapitalismus all diese Probleme und was ist der Ausweg?<\/p>\n<p><strong>Wahr vs. Interessant<\/strong><\/p>\n<p>Das Erste, was du jedoch von deinen Uni-Professoren h\u00f6rst, ist: Bei mir gibt es sicher nicht eine wahre Erkl\u00e4rung, sondern verschiedene interessante Ans\u00e4tze.<\/p>\n<p>Ob im Thema Imperialismus Lenin (prim\u00e4r sind \u00f6konomische Verh\u00e4ltnisse) oder Edward Said (prim\u00e4r sind kulturelle Pr\u00e4gungen) recht hat, kann man nicht beurteilen. Ob im Bereich der Quantenphysik Heisenbergs Interpretation des Doppelspalt-Experiments (die Beobachtung ist bestimmend) oder jene von Einstein (objektive Gesetze sind bestimmend), auch nicht.<\/p>\n<p>Man stelle sich vor, ein Mechaniker w\u00fcrde so verfahren: einem Auto viereckige R\u00e4der montieren, weil das auch mal interessant w\u00e4re. Er w\u00e4re seinen Job sofort los. Denn im realen Leben muss eine Idee helfen, praktische Aufgaben zu l\u00f6sen. Am Kriterium der Wahrheit messen Arbeiter intuitiv und Marxisten bewusst den Wert von Ideen.<\/p>\n<p>Das Kriterium der Interessantheit auf der anderen Seite funktioniert einzig im Elfenbeinturm der oberen Universit\u00e4ts-Etagen. Denn dort werden Professoren daf\u00fcr bezahlt, die Welt verschieden zu interpretieren.<\/p>\n<p><strong>Postmodernismus<\/strong><\/p>\n<p>Heute sind postmoderne Ideen an den Universit\u00e4ten weit verbreitet. Was sie eint, ist ein Fokus auf die Ebene der Wahrnehmung. In etlichen Uni-Kursen geht es heute prim\u00e4r um Sprache, Symbolik und Diskurse.<\/p>\n<p>Marx hat erkl\u00e4rt, dass \u00abradikal sein\u00bb bedeutet, \u00abdie Dinge an der Wurzel zu packen\u00bb.<\/p>\n<p>Das Perfide an postmodernen Ideen wie Intersektionalit\u00e4t oder Postkolonialismus: Sie kommen radikal daher, verunm\u00f6glichen aber radikal zu sein.<\/p>\n<p>Denn die Philosophie des Postmodernismus, der subjektive Idealismus, verwirft die Existenz einer objektiven Realit\u00e4t. Es gibt keine objektiven Ursachen, nur subjektive Empfindungen.<\/p>\n<p>Geschichte, Klassenkampf, Kapitalismus \u2013 sie folgen keinen objektiven Gesetzm\u00e4ssigkeiten. Man kann sie nicht studieren, um in sie einzugreifen. Alles, was du tun kannst: Dich selbst ver\u00e4ndern \u2013 anders reden, f\u00fchlen, denken, etc.<\/p>\n<p>Ein in der Tat sehr interessanter Ansatz \u2013 und zwar f\u00fcr die Profiteure und Verteidiger des Status quo, f\u00fcr die herrschende Klasse!<\/p>\n<p><strong>Ideologische Pfeiler<\/strong><\/p>\n<p>Es ist kein Zufall, dass diese Ideen an der Universit\u00e4t gelehrt werden. Denn Universit\u00e4ten sind keine neutralen Institutionen, sondern ideologische Instrumente der herrschenden Klasse.<\/p>\n<p>Warum verbieten sie Events zur humanit\u00e4ren Lage in Gaza und bieten gleichzeitig Kurse zu \u00abRebuild Ukraine\u00bb an? Weil das den materiellen Interessen der Schweizer Bourgeoisie entspricht. Universit\u00e4ten sind ideologische Pfeiler der b\u00fcrgerlichen Ordnung.<\/p>\n<p>Dass Postmodernismus heute ein weit verbreiteter Ansatz an den Universit\u00e4ten ist, reflektiert den Zustand ihrer Ordnung. Ihre Ablehnung von Einsicht und Fortschritt ist Ausdruck davon, dass der Kapitalismus als System nicht mehr fortschrittlich ist.<\/p>\n<p><strong>In den Fussstapfen der Aufkl\u00e4rer<\/strong><\/p>\n<p>Das war nicht immer so. Zur Zeit der Renaissance waren die Universit\u00e4ten Brutst\u00e4tten der modernen Wissenschaft. Die Ideen der Aufkl\u00e4rer griffen das ideologische Weltbild des Feudalismus im Zentrum, bei Religion und Mystizismus, an. Darum mussten Galilei und Co. ihre Ideen im Kampf gegen die Ideen der Kirche verteidigen.<\/p>\n<p>Wir Kommunisten f\u00fchren den revolution\u00e4ren Kampf der Aufkl\u00e4rer fort. Denn die Wahrheit ist: Vom Standpunkt der menschlichen Entwicklung hat die Bourgeoisie keine Existenzberechtigung mehr. Darum verschleiert sie die Wahrheit mit postmodernen Ideen.<\/p>\n<p>Und darum ist es die Aufgabe von Kommunisten an den Universit\u00e4ten, die wissenschaftlichen Ideen des Marxismus gegen ihre Ideen zu verteidigen und zu verbreiten.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/kommunismus.ch\/deutsch\/theorie\/philosophie\/kampf-um-die-wahrheit-an-den-universitaeten\/\"><em>kommunismus.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 16. September 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dario Dietsche. Tausende junge Erwachsene beginnen im Herbst ein Studium. Auf die meisten wartet kein \u00abSchoggi-Leben\u00bb, wie B\u00fcrgerliche gern behaupten. 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