{"id":1575,"date":"2016-10-21T09:42:45","date_gmt":"2016-10-21T07:42:45","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1575"},"modified":"2016-10-21T09:42:45","modified_gmt":"2016-10-21T07:42:45","slug":"schweizerinnen-im-spanischen-buergerkrieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1575","title":{"rendered":"SchweizerInnen im Spanischen B\u00fcrgerkrieg"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Spanische B<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>rgerkrieg brach am 17. Juli 1936 aus. Auch 800 SchweizerInnen k<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>mpften auf der Seite<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><strong>der Republik gegen Franco. Als diese in die Schweiz zur<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ck kehrten,<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> wurden sie gedem<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>tigt und<\/strong><strong>\u00a0<\/strong><strong>verurteilt. Erst 70 Jahre nach dem Ausbruch des Krieges wurden die Spanienfreiwilligen rehabilitiert.<\/strong><\/p>\n<p><em>Helen Krarup.<\/em> Knapp einen Monat nach dem Ausbruch des B\u00fcrgerkrieges erl\u00e4sst die Schweiz einen neuen Paragraphen im\u00a0Milit\u00e4rstrafgesetz, welcher das Verbot an fremden Kriegsdiensten besagt. Dieser Artikel 94 stellt sp\u00e4ter auch die\u00a0rechtliche Grundlage f\u00fcr die Verurteilung der Freiwilligen dar und wird nach den Verurteilungen wieder\u00a0aufgehoben. Sein Ziel, Spanienfreiwillige abzuschrecken, hatte er verfehlt.<\/p>\n<p>In der Schweiz wurde gegen die antifaschistische Solidarit\u00e4tsbewegung Hausdurchsuchungen, Grenzkontrollen,\u00a0Post und Telefon\u00fcberwachungen durchgef\u00fchrt. Trotzdem stellte die Schweiz gemessen an der Bev\u00f6lkerungszahl\u00a0die meisten Internationalen Brigaden.<\/p>\n<p>Noch bevor der B\u00fcrgerkrieg zu Ende war, wurde Franco mit Bankkrediten unterst\u00fctzt, welche im Bundesrat\u00a0abgesegnet wurden. Es war kein Geheimnis, dass einige Bundesr\u00e4te Sympathien f\u00fcr den Faschismus hegten. Die\u00a0Schweiz war auch das Land die ihre Freiwilligen am h\u00e4rtesten bestraften.<\/p>\n<p><strong>Verurteilungen<\/strong><\/p>\n<p>Praktisch alle Freiwillige, die vom Artikel 94 betroffen waren, wurden Verurteilt. Die grosse Mehrheit der\u00a0Freiwilligen bekam ein Strafmass zwischen 1-6 Monaten Gef\u00e4ngniss. Die h\u00f6chste Strafe bel\u00e4uft sich auf mehr\u00a0als 24 Monate Freiheitsentzug. Das Ausmassder Strafe war abh\u00e4ngig vom Zeitpunkt, Kanton oder wie deutlich\u00a0man seine politischen Gesinnung vor Gericht machte. Mit einer der h\u00f6chsten Strafen konnte man rechnen, wenn\u00a0die milit\u00e4rischen Pflichten in der Schweiz verpasst wurden. 2\/3 der Verurteilten sassen ihre Strafe in einer\u00a0gew\u00f6hnlichen Strafanstalt ab. Das restliche Drittel verbrachte die Zeit in der milit\u00e4rischen Dienstpflicht der\u00a0Schweiz.<\/p>\n<p>60% der Freiwilligen bekamen eine Zusatzstrafe, die \u201eAberkennung der b\u00fcrgerlichen Ehrenf\u00e4higkeit\u201c welche ein\u00a0bis f\u00fcnf Jahre dauert. Das heisst, sie d\u00fcrften in dieser Zeit weder abstimmen noch w\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>Beweggr<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>nde<\/strong><\/p>\n<p>Die 1930-er Jahre waren gepr\u00e4gt von der Wirtschaftskrise und dem Aufstieg des Faschismus. In Spanien bot sich\u00a0die Gelegenheit, aktiv gegen den Faschismus zu k\u00e4mpfen und die linken Kr\u00e4fte zu st\u00e4rken. Dies l\u00f6ste eine grosse\u00a0Solidarit\u00e4tsbewegung auf der ganzen Welt aus. Hilfs- und Unterst\u00fctzungskomitees wurden gegr\u00fcndet und\u00a0Tausende Freiwillige aus \u00fcber 50 L\u00e4ndern halfen mit, gegen den Faschismus zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p>Aus den Milit\u00e4rakten von den Schweizer Spanienfreiwilligen ist ersichtlich, dass sie sich einer bestimmten\u00a0Klasse zugeh\u00f6rig f\u00fchlten. In Spanien waren die Interessen der Arbeiterklasse durch den Faschismus bedroht. Die\u00a0internationalen Auswirkungen, welche der B\u00fcrgerkrieg auf die ArbeiterInnenschaft haben wird waren allen\u00a0bewusst.: \u201eWas auch immer sie dort gewinnen oder verlieren, wird auch in der Schweiz gewonnen oder verloren\u00a0sein\u201c. Die schlechten Lebensbedingungen in der Schweiz und die Aussicht auf einen Sieg in Spanien und somit\u00a0auch auf eine Sozialistische Perspektive war die Hauptmotivation f\u00fcr die Beteiligung am B\u00fcrgerkrieg.<\/p>\n<p><strong>Rehabilitierung<\/strong><\/p>\n<p>In den USA mussten die Freiwilligen gar nicht erst vors Milit\u00e4rgericht. In anderen L\u00e4ndern wie D\u00e4nemark,\u00a0Schweden oder Frankreich bekamen die Freiwilligen im Nachhinein einen Straferlass und wurden somit\u00a0entkriminalisiert. In der Schweiz geraten die Freiwilligen Jahrzehnte in Vergessenheit. Erst 1986 wurden sie vom\u00a0Bundesrat Otto Stich und 1994 von Bundesr\u00e4tin Ruth Dreifuss \u00f6ffentlich gew\u00fcrdigt. Zwei Jahre sp\u00e4ter bewertet\u00a0der ganze Bundesrat die Beweggr\u00fcnde der Spanienfreiwilligen als positiv. 2006 \u2013 siebzig Jahre nach dem\u00a0Ausbruch der Revolution \u2013 gelingt, nach dem zweiten Anlauf von Paul Rechsteiner, eine rechtliche\u00a0Rehabilitierung der Schweizer Spanienfreiwilligen, die sich f\u00fcr Freiheit und Demokratie \u2013 und viele auch f\u00fcr die\u00a0sozialistische Revolution \u2013 eingesetzt haben.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.derfunke.ch\/htm\/de\/deutsch\/c27-schweiz\/schweizerinnen-im-spanischen-buergerkrieg\/\">derfunke.ch&#8230;<\/a> vom 21. Oktober 2016<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Spanische B\u00fcrgerkrieg brach am 17. Juli 1936 aus. Auch 800 SchweizerInnen k\u00e4mpften auf der Seite\u00a0der Republik gegen Franco. 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