{"id":15800,"date":"2025-09-30T11:35:08","date_gmt":"2025-09-30T09:35:08","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15800"},"modified":"2025-09-30T11:35:10","modified_gmt":"2025-09-30T09:35:10","slug":"wir-werden-ganz-italien-blockieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15800","title":{"rendered":"\u00abWir werden ganz Italien blockieren\u00bb"},"content":{"rendered":"<p><em>Siro Torresan. <\/em><strong>Die Mobilisierungen in Italien in Solidarit\u00e4t mit dem pal\u00e4stinensischen Volk und der Sumud Global Flotilla nehmen kein Ende. Genau genommen stehen sie erst am Anfang, wie bei allen Aktionen immer wieder betont wird. Der Konflikt mit der Staatsmacht spitzt sich t\u00e4glich zu.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Genua, 27.September, sp\u00e4ter Abend. \u00abWir werden ganz Italien blockieren!\u00bb, skandiert die Menge, klatscht rhythmisch und ruft wieder: \u00abWir werden ganz Italien blockieren!\u00bb \u2013 so zu sehen auf dem Video des gewerkschaftlichen Dachverbands Unione Sindacale di Base (USB). Der Demonstrationszug, der vom Hafen ausgegangen ist, erreicht die Piazza Matteotti. Eine Genossin der Basisgewerkschaft CALP der Hafenarbeiter:innen ergreift das Mikrofon. \u00abHeute Abend haben wir den sofortigen Streik im Hafen beschlossen. W\u00e4hrend der n\u00e4chsten 24 Stunden werden wir keine Schiffe be- oder entladen\u00bb, erkl\u00e4rt sie den Tausenden, die auf der Piazza versammelt sind. Was war geschehen?<\/p>\n<p><strong>Arbeitskampf und Solidarit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Am Nachmittag, gegen 17 Uhr, setzte sich aus der Innenstadt ein Demonstrationszug in Bewegung. Ziel war der Hafen \u2013 aus Solidarit\u00e4t mit den Schiffen der Sumud Global Flotilla, die wenige Stunden zuvor von Kreta aus Richtung Gaza in See gestochen waren.<\/p>\n<p>Genau in diesem Moment erreichte die Genoss:innen der CALP eine Nachricht: Am Kai \u00abSpinelli\u00bb lag der Frachter \u00abZim New Zealand\u00bb der israelischen Reederei ZIM, mit zehn verd\u00e4chtigen Containern an Bord. Angesichts dieser Meldung handelten die Hafenarbeiter:innen schnell und entschlossen: Gemeinsam mit einem Teil der Stadtbev\u00f6lkerung drangen sie in den Hafen ein, um das Beladen des Schiffes zu verhindern. W\u00e4hrenddessen schlossen sich immer mehr Menschen der Demonstration an, die laut und solidarisch Richtung Hafen zog. Der USB rief umgehend zu einem sofortigen 24-st\u00fcndigen Streik auf.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck auf der Piazza Matteotti: Ein Genosse der CALP ergreift das Wort: \u00abSie verlangten von uns, das Schiff, das in Richtung Israel unterwegs ist, zu ent- und beladen. Darunter auch zehn verd\u00e4chtige Container. Was h\u00e4tten wir tun sollen?\u00bb, fragt er in die Menge. \u00abDas ist eine Provokation. Wir konnten gar nicht anders, als die Arbeit niederzulegen. Es war nicht das erste Mal, und wir werden es wieder tun \u2013 zehn Mal, hundert Mal, tausend Mal. Wir sind erst am Anfang des Kampfs. Machen wir gemeinsam und entschlossen weiter.\u00bb<\/p>\n<p>Der Kampf der Hafenarbeiter:innen, getragen von der Solidarit\u00e4t Tausender auf der Strasse, f\u00fchrte zum Erfolg: Wenige Stunden nach Beginn der Aktionen befahl die Hafenleitung dem Schiff, den Kai unverz\u00fcglich zu verlassen. \u00abEin grosser Sieg f\u00fcr die Stadt Genua und die Hafenarbeiter:innen des CALP, die einmal mehr gezeigt haben, welche entscheidende Rolle die Arbeiter:innenklasse im Kampf gegen den Krieg einnehmen kann und muss \u2013 an der Seite des pal\u00e4stinensischen Volkes, gegen den Genozid und gegen die europ\u00e4ische Aufr\u00fcstung\u00bb, erkl\u00e4rte die USB in ihrer Stellungnahme am Tag danach.<\/p>\n<p><strong>Massiver Polizeieinsatz in Turin<\/strong><\/p>\n<p>Turin, Alessandria, Padua, Florenz, Rom, Caserta\u2026 Am Samstag, 27.September, fanden erneut in ganz Italien Solidarit\u00e4tsaktionen f\u00fcr Pal\u00e4stina und die Flotilla statt. In Turin machten sich am Nachmittag Tausende auf den Weg Richtung Flughafen Caselle, um die Verbindungen zwischen dem Luftverkehr und der R\u00fcstungsindustrie anzuprangern. Ihnen stellte sich die Polizei mit einem massiven Aufgebot entgegen. Nach einem eindringlichen Appell der Demonstrant:innen an die Polizei \u2013 \u00abBitte lasst uns durch, wir appellieren an eure Menschlichkeit\u00bb \u2013 eskalierte die Situation. Ein Dutzend Aktivist:innen sowie zwei Polizist:innen wurden verletzt.<\/p>\n<p>In Caserta, in der s\u00fcdlichen Region Kampanien gelegen, wurde \u00fcber Lautsprecher das Heulen von Luftschutzsirenen und Bombeneinschl\u00e4gen verbreitet, um \u2013 wenn auch nur f\u00fcr kurze Zeit \u2013 sp\u00fcrbar zu machen, was es bedeutet, unter Belagerung zu leben, so wie es in Gaza tagt\u00e4glich geschieht. Bei der Demonstration marschierten einige Studentinnen in Schwarz gekleidet im Zeichen der Trauer. Schweigend trugen sie einen kleinen Sarg, der in eine pal\u00e4stinensische Fahne geh\u00fcllt war \u2013 ein Bild, das das Drama der unter den Bombardierungen get\u00f6teten Kinder eindringlich heraufbeschwor.<\/p>\n<p><strong>Der Konflikt spitzt sich zu<\/strong><\/p>\n<p>Ja, ausgehend von den Hafenarbeiter:innen der CALP in Genua und der Sumud Global Flotilla ist in Italien eine Mobilisierung entstanden, die w\u00e4chst, sich verwurzelt und sich in kollektives Bewusstsein verwandelt. Eine Bewegung, die nicht um Erlaubnis bittet und sich selbst organisiert. Sie gewinnt t\u00e4glich an Einfluss und schafft es, die politische Tagesagenda im Land zu bestimmen \u2013 niemand kommt mehr an dieser breiten Bewegung vorbei. Und je n\u00e4her die Flotilla an Gaza kommt, desto h\u00e4rter wird der Konflikt mit der Staatsmacht.<\/p>\n<p>Giorgia Meloni, die italienische Ministerpr\u00e4sidentin, bezeichnete in einer Pressekonferenz w\u00e4hrend der UN-Generalversammlung in New York die Flottilla als \u00abgef\u00e4hrlich und verantwortungslos\u00bb. Sie warf den Aktivist:innen vor, die Situation in Gaza \u00abauszunutzen, um die Regierung zu attackieren\u00bb, und erkl\u00e4rte solche Aktionen f\u00fcr \u00abnicht im Interesse der Bev\u00f6lkerung von Gaza\u00bb. Der italienische Staat unterbreitete der Flotilla daraufhin folgendes Angebot: Die Hilfsg\u00fcter sollten in Zypern ausgeladen werden, die Verteilung w\u00fcrde das Lateinische Patriarchat von Jerusalem \u00fcbernehmen. Italien w\u00fcrde den gesamten logistischen Teil sicherstellen. Selbst Staatspr\u00e4sident Sergio Mattarella schaltete sich ein. Im Gegensatz zu Giorgia Meloni betonte er die Wichtigkeit und den humanit\u00e4ren Aspekt der Flotilla und rief die Besatzungen der Schiffe dazu auf, das Angebot \u00abauch f\u00fcr die eigene Sicherheit\u00bb anzunehmen.<\/p>\n<p><strong>Kein Kurswechsel<\/strong><\/p>\n<p>Die Antwort kam \u00fcber eine Videobotschaft der italienischen Sprecherin der Flotilla, Maria Elena Delia. \u00abWir k\u00f6nnen dieses Angebot nicht annehmen, weil es darauf abzielt, zu verhindern, dass unsere Boote in internationalen Gew\u00e4ssern fahren, da das Risiko besteht, dort angegriffen zu werden\u00bb, erkl\u00e4rte sie. Es sei, als w\u00fcrde die Regierung der Flotilla sagen: \u00abObwohl ein Angriff auf euch ein Verbrechen ist, k\u00f6nnen wir nicht diejenigen bitten, die euch angreifen werden, euch nicht anzugreifen. Wenn ihr euch retten wollt, fordern wir euch vielmehr dazu auf: Weicht zur Seite.\u00bb Der T\u00e4ter wird zum Opfer, das Opfer zum T\u00e4ter.<\/p>\n<p>Delia erinnert daran, dass Israel einen V\u00f6lker-mord begeht, ohne \u00abdass irgendeine unserer Regierungen bisher den Mut gehabt h\u00e4tte, Sanktionen zu verh\u00e4ngen, ein Waffenembargo zu verh\u00e4ngen oder wenigstens einen Teil der Handelsbeziehungen zu schliessen\u00bb. W\u00fcrde eine dieser drei Massnahmen in Betracht gezogen, \u00abw\u00fcrden wir uns dar\u00fcber sehr freuen\u00bb. Die Flotilla sei bereit, \u00abVermittlungsvorschl\u00e4ge zu pr\u00fcfen, aber nicht, indem wir den Kurs \u00e4ndern\u00bb. Den Grund nennt die Sprecherin gleich: \u00abDenn den Kurs zu \u00e4ndern w\u00fcrde bedeuten, zuzugeben, dass man einer Regierung erlaubt, illegal zu handeln, ohne etwas dagegen tun zu k\u00f6nnen.\u00bb<\/p>\n<p>Mit Blick auf die nationale Demonstration vom 4.Oktober in Rom, an der Hunderttausende erwartet werden, sei an dieser Stell an die Worte von Ch\u00e9 Guevara erinnert: \u00abSeid immer f\u00e4hig, jede Ungerechtigkeit, die irgendwo auf der Welt gegen irgendjemanden begangen wird, als eigene pers\u00f6nliche Ungerechtigkeit zu empfinden. Das ist die sch\u00f6nste Eigenschaft eines Revolution\u00e4rs.\u00bb<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.vorwaerts.ch\/international\/wir-werden-ganz-italien-blockieren\/\"><em>vorwaerts.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 30. September 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Siro Torresan. 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