{"id":15806,"date":"2025-10-01T14:36:20","date_gmt":"2025-10-01T12:36:20","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15806"},"modified":"2025-10-01T14:36:21","modified_gmt":"2025-10-01T12:36:21","slug":"wahlen-in-moldau-entscheidungszwang-mit-bitterem-beigeschmack","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15806","title":{"rendered":"Wahlen in Moldau: Entscheidungszwang mit bitterem Beigeschmack"},"content":{"rendered":"<p><em>\u00c9va P\u00e9li. <\/em>In einem Gespr\u00e4ch \u00fcber die Parlamentswahlen am 28. September in Moldau analysierte der ehemalige ungarische Botschafter in Moldau, Gy\u00f6rgy Varga, die Ergebnisse und kritisierte die mediale Berichterstattung scharf. Er kommt zu dem Schluss, dass der als pro-europ\u00e4isch gefeierte Wahlsieg unter ungleichen Bedingungen zustande kam und das Land einem gef\u00e4hrlichen geopolitischen<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Entscheidungszwang aussetzt. Damit werde eine Wiederholung des ukrainischen Szenarios riskiert.<\/p>\n<p>Die westlichen Medien feierten das Ergebnis der Parlamentswahl in Moldau am Sonntag, das der Regierungspartei 54 von 101 Sitzen verschaffte, als klaren Sieg \u00fcber Russland. In einem am Montag ver\u00f6ffentlichten Podcast-Gespr\u00e4ch mit dem Portal <em>Ultrahang<\/em> ging der fr\u00fchere ungarische Botschafter in Moldau, Gy\u00f6rgy Varga, auf das Ergebnis und dessen mediale Darstellung im Westen ein. Die Einleitung des Gespr\u00e4chs, in der eine Reihe von Schlagzeilen zitiert wurde \u2013 von \u201ePutins Plan ist gescheitert\u201c bis hin zu \u201eEurop\u00e4er atmen auf, die prorussischen Kr\u00e4fte sind gefallen\u201c \u2013, diente Varga als perfekter Aufh\u00e4nger f\u00fcr seine Kritik.<\/p>\n<p>\u201eDas ist die beste Einleitung, die es zu diesem Thema geben kann\u201c, erkl\u00e4rte Botschafter Varga. \u201eSie zeigt perfekt die westliche Herangehensweise, nach der die Berichterstattung erfolgt.\u201c Ihm zufolge reduzierten diese Artikel die komplexe Realit\u00e4t der Republik Moldau auf einen rein globalpolitischen Konflikt, in dem die W\u00e4hler gezwungen werden, sich zwischen zwei Lagern zu entscheiden.<\/p>\n<p>Varga betonte, Moldau sei ein Land, dessen Gesellschaft ethnisch, sprachlich und historisch tief gespalten sei. \u201eDie Gesellschaft ist so geteilt, [\u2026] dass dieser Gesellschaft die Neutralit\u00e4t viel besser entsprechen w\u00fcrde, die sie heute noch verfassungsm\u00e4\u00dfig besitzt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Unfaire Wahlbedingungen<\/strong><\/p>\n<p>Der Diplomat und fr\u00fchere OSZE-Missionsleiter an der russisch-ukrainischen Grenze kritisierte massiv die Rahmenbedingungen der Wahl, die seiner Meinung nach die pro-europ\u00e4ischen Kr\u00e4fte aktiv beg\u00fcnstigten und so die demokratische Balance st\u00f6rten. Er wies unter anderem auf das Ungleichgewicht bei der Auslandsstimmabgabe hin.<\/p>\n<p>Moldau sei stark auf seine Diaspora angewiesen, erkl\u00e4rte er. Von den rund drei Millionen Einwohnern arbeitet etwa eine Million im Ausland. Varga zeigte anhand konkreter Zahlen, wie die Stimmenverteilung bewusst verzerrt wurde:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Beispiel Russland: Rund 500.000 Moldauer leben und arbeiten in Russland. Dort wurden seitens der Regierung Moldaus nur zwei Wahllokale er\u00f6ffnet, die insgesamt nur 10.000 Stimmzettel erhielten.<\/li>\n<li>Beispiel Westeuropa: Im Gegensatz dazu wurden in Italien 75 Wahllokale, in Deutschland 36 und in Frankreich 26 er\u00f6ffnet.<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201eIch habe die Homepage der moldauischen Wahlkommission ge\u00f6ffnet und diese Zahlen gesehen\u201c, so Varga. \u201eDa sieht man, dass das Ganze total sinnlos ist. Aber dieses globale Establishment wird es akzeptieren, und jeder, der es kritisiert, wird als \u201aPutins Diener\u2018 bezeichnet.\u201c<\/p>\n<p><strong>Externe Einflussnahme: Die \u201eRum\u00e4nisierung\u201c der politischen Elite<\/strong><\/p>\n<p>Ein weiteres beunruhigendes Beispiel f\u00fcr Varga ist die Identit\u00e4t der derzeitigen politischen F\u00fchrung, die oft rum\u00e4nische Staatsb\u00fcrgerschaft besitzt. Er listete die F\u00fchrungspositionen auf: \u201eDie Pr\u00e4sidentin Moldaus ist rum\u00e4nische Staatsb\u00fcrgerin. Der Premierminister Moldaus ist rum\u00e4nischer Staatsb\u00fcrger. Der Au\u00dfenminister Moldaus ist rum\u00e4nischer Staatsb\u00fcrger. Der Leiter des Geheimdienstes Moldaus ist rum\u00e4nischer Staatsb\u00fcrger.\u201c<\/p>\n<p>Wer dies thematisiere, werde mit dem Vorwurf des \u201eVerbreitens falscher Nachrichten\u201c belegt. Varga fragte provokant: \u201eIst es nicht seltsam, dass ein Staatsb\u00fcrger Rum\u00e4niens, eines NATO-Mitglieds, der zuvor acht Jahre lang f\u00fcr die Soros-Stiftung gearbeitet hat, jetzt als Chef des moldauischen Geheimdienstes den Bericht liefert, aufgrund dessen das Europ\u00e4ische Parlament die russische Einmischung beurteilt?\u201c<\/p>\n<p><strong>Die Gefahr einer \u201eAnti-Russland\u201c-Politik<\/strong><\/p>\n<p>Vargas gr\u00f6\u00dfte Sorge liegt in der langfristigen Konsequenz dieser Schwarz-Wei\u00df-Politik. Ihm zufolge wird Moldau von globalen M\u00e4chten dazu getrieben, ein \u201eAnti-Russland\u201c zu werden.<\/p>\n<p>\u201eDieses Land verdient es nicht, als verfassungsm\u00e4\u00dfig neutrales Land f\u00fcr eine globalistische Idee auseinandergerissen zu werden\u201c, betonte er. Die kompromisslose Haltung \u2013 \u201eWer nicht f\u00fcr die Partei der Maia Sandu stimmt, der stimmt f\u00fcr Putin\u201c \u2013 sei politisches Gift, das die innere Stabilit\u00e4t untergrabe.<\/p>\n<p>Die Weigerung der aktuellen moldauischen F\u00fchrung, mit der separatistischen Region Transnistrien zu verhandeln oder diese zu besuchen, versch\u00e4rfe die Lage. Varga erinnerte daran, dass die Behandlung des separaten Gebiets vor 15 bis 20 Jahren wesentlich korrekter gewesen sei. Heute w\u00fcrden die dort lebenden Menschen, die nach Ruhe suchen, wie Kriminelle behandelt.<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage f\u00fcr die Zukunft Moldaus sei der Ausgang des Ukraine-Krieges. Wenn der Krieg fortgesetzt werde und die russischen Truppen in Richtung Odessa vorr\u00fcckten, w\u00fcrde Moldau unweigerlich in den Konflikt hineingezogen. F\u00fcr Varga ist Russlands Interesse im Kern die Stabilit\u00e4t und Neutralit\u00e4t Moldaus, nicht die Destabilisierung.<\/p>\n<p>Der Experte des postsowjetischen Raumes schloss mit dem Appell, die Komplexit\u00e4t und das Bed\u00fcrfnis nach Neutralit\u00e4t der moldauischen Bev\u00f6lkerung anzuerkennen, anstatt sie in einen geopolitischen Entscheidungskampf zu zwingen. Der vermeintliche Wahlsieg berge daher die Gefahr, dass die Fehler der Ukraine-Politik auf tragische Weise wiederholt werden, was langfristig die Souver\u00e4nit\u00e4t und den Frieden Moldaus bedrohe.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Transnistrien (schraffiert) und die Republik Moldau. Quelle: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Transnistrien-Konflikt#\/media\/Datei:Transnistria.png\">wikipedia.org&#8230;<\/a><\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=139853\"><em>nachdenkseiten.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 1. Oktober 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00c9va P\u00e9li. In einem Gespr\u00e4ch \u00fcber die Parlamentswahlen am 28. September in Moldau analysierte der ehemalige ungarische Botschafter in Moldau, Gy\u00f6rgy Varga, die Ergebnisse und kritisierte die mediale Berichterstattung scharf. 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