{"id":15830,"date":"2025-10-07T11:43:15","date_gmt":"2025-10-07T09:43:15","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15830"},"modified":"2025-10-07T11:43:16","modified_gmt":"2025-10-07T09:43:16","slug":"jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15830","title":{"rendered":"Jemen: Kriegsschauplatz imperialer Interessen und humanit\u00e4rer Katastrophen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Jemen kommt immer wieder in die Schlagzeilen, wenn die USA oder Israel das Land bombardieren. Maximilian Krippner korrigiert die verengte Berichterstattung der deutschen Medien, die Geschichte und Hintergr\u00fcnde des B\u00fcrgerkriegs im Jemen ausblenden.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Erst k\u00fcrzlich wurde in al-Hudaida wieder einer der wichtigsten H\u00e4fen des Jemen, ein Land, dass sich in einer ungeheuren humanit\u00e4ren Katastrophe befindet, von Israel bombardiert.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Die Begr\u00fcndung hinter den israelischen Bombardements liegt in der Unterst\u00fctzung des pal\u00e4stinensischen Widerstands durch die sogenannten Huthi-Rebellen. Der Hafen in al-Hudaida ist ein wichtiger Umschlagsplatz f\u00fcr Hilfsg\u00fcter, die ohnehin in viel zu geringer Menge in das Land am Roten Meer dringen. Doch die humanit\u00e4re Katastrophe im Jemen ist unseren Medien kaum die Druckerschw\u00e4rze wert. Der Fokus liegt allein auf die Beziehung der Rebellen zum Iran, sowie auf das Intervenieren dieser gegen den V\u00f6lkermord in Gaza. Der Tod von Hunderttausenden, und der Hunger von Millionen, scheint hier von wenig Belang zu sein. Zumindest solange er nicht gegen die Interessen des Westens und dessen Verb\u00fcndeten im Nahen-Osten steht.<\/p>\n<p>Im Jemen herrscht, so das weit verbreitete Narrativ, seit Jahren ein brutaler \u201eB\u00fcrgerkrieg\u201c. Der Begriff B\u00fcrgerkrieg ist hier jedoch mit gro\u00dfer Vorsicht zu genie\u00dfen, da die Interessen und die im Krieg verstrickten Akteure weit \u00fcber den Jemen und seinen inneren Konflikt hinausgehen. Doch wer k\u00e4mpft dort eigentlich gegen wen? Warum bleibt dieser Krieg, der eine der gr\u00f6\u00dften humanit\u00e4ren Katastrophen unserer Zeit ausgel\u00f6st hat, weitgehend unbeachtet? Und was hat Deutschland mit Panzern, Schiffen und Bomben im Jemen zu tun?<\/p>\n<p><strong>Ausgangslage \u2013 Warum spricht man derzeit \u00fcber den Jemen?<\/strong><\/p>\n<p>Die seit Dezember 2023 stattfindenden Angriffe der jemenitischen Ansar-Allah-Bewegung (die Eigenbezeichnung der Huthi-Rebellen, welche die de facto Regierung stellen) auf Schiffe im Roten Meer, als Reaktion auf den V\u00f6lkermord in Gaza, haben diesen \u201evergessenen Krieg\u201c wieder teilweise in die Aufmerksamkeit unserer Medien ger\u00fcckt. Der mediale Fokus ist jedoch absichtlich \u00e4u\u00dferst eng gefasst. F\u00fcr die leidende und sterbende Bev\u00f6lkerung des Jemens war dieser Krieg das letzte Jahrzehnt aber keineswegs auch nur eine Sekunde vergessen.<\/p>\n<p>Die Ansar-Allah-Interventionen im Roten Meer haben daf\u00fcr gesorgt, dass Lieferzeiten, sowie Transportkosten explodierten, und dass u.a. die Produktionsabl\u00e4ufe der hiesigen Automobilindustrie empfindlich gest\u00f6rt wurden.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> Nur das hat die \u00d6ffentlichkeit des Westen wieder auf den Kriegsschauplatz im Jemen aufmerksam gemacht. Die viel gr\u00f6\u00dfere Katastrophe, die auch auf dem westlichen Imperialismus beruht, wird absichtlich klein gehalten. Denn wie sollte man die hochgepriesenen \u201cwestlichen Werte\u201d mit der eigenen Politik vereinbaren, welche den Tod Hunderttausender beg\u00fcnstigt, oder gar verursacht. Um diese Zusammenh\u00e4nge zu verstehen, muss man einen genaueren Blick auf die j\u00fcngere Geschichte des Jemens und der dortigen Akteure werfen.<\/p>\n<p><strong>Geschichtlicher \u00dcberblick \u2013 Sozialismus und Stammes-Autoritarismus<\/strong><\/p>\n<p>Bis zum 22. Mai 1990 war das Gebiet des heutigen Jemen in zwei eigenst\u00e4ndige Staaten geteilt. Im Norden existierte die Jemenitische Arabische Republik unter Pr\u00e4sident Ali Abdullah Salih, die noch stark von traditionellen Stammesstrukturen gepr\u00e4gt war, und politisch sowie finanziell von Saudi-Arabien gest\u00fctzt wurde.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> Im S\u00fcden bestand dagegen seit 1967 die Volksdemokratische Republik Jemen, ein Staat unter der F\u00fchrung der Jemenitischen Sozialistischen Partei, und zuletzt unter Ali Salim al-Beidh. Dieses politische System war stark an die Sowjetunion angelehnt und es wurde versucht sozialpolitisch progressive Ziele wie die Gleichberechtigung von Frauen, die Einschr\u00e4nkung der Polygamie, und das Verbot von Kinderheirat von oben durchzusetzen.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Der S\u00fcden stand wegen seiner langen K\u00fcstenlinie und der Kontrolle des Bab al-Mandab, dem Zugang zum Roten Meer, stets unter dem Druck des westlichen Imperialismus, der ihn bis 1967 direkt kontrolliert hatte. Der Nordjemen blieb vom Imperialismus auf Grund seiner geografischen Lage weitestgehend verschont, so dass sich die Gesellschaften beider L\u00e4nder unterschiedlich entwickelten. Im S\u00fcden entstand eine relativ moderne Arbeiter*innenklasse, die 1967 den britischen Imperialismus aus dem Land warf.<\/p>\n<p>Die beiden Staaten standen sich auf Basis ihres Selbstverst\u00e4ndnisses ideologisch scheinbar unvers\u00f6hnlich gegen\u00fcber. Erst mit dem Beginn der Perestroika und dem gemeinsamen wirtschaftlichen Interesse beider herrschenden Klassen an der Erschlie\u00dfung der jemenitischen Erd\u00f6lvorkommen kam es ab den sp\u00e4ten 1980er Jahren zu einer politischen Ann\u00e4herung.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> Am 22. Mai 1990 wurden Nord- und S\u00fcdjemen zur Republik Jemen vereint. Salih aus dem Nordjemen wurde Pr\u00e4sident w\u00e4hrend al-Beidh aus dem S\u00fcden den Posten des Vizepr\u00e4sidenten \u00fcbernahm.<\/p>\n<p>Doch die politischen und kulturellen Gr\u00e4ben blieben un\u00fcberwindbar. Die neue Republik war zwar als pluralistische Demokratie gedacht, doch faktisch blieb die Macht in den H\u00e4nden der n\u00f6rdlichen Elite. So wuchs die Unzufriedenheit insbesondere im S\u00fcden rasch an. Die Spannungen zwischen den ehemaligen Landesteilen eskalierten 1994 in einem kurzen, aber heftigen B\u00fcrgerkrieg. Der S\u00fcden versuchte, seine Unabh\u00e4ngigkeit zur\u00fcckzuerlangen. Dieser Versuch scheiterte jedoch. Die Armee des Nordens besiegte die s\u00fcdlichen Kr\u00e4fte. Die politischen Strukturen des S\u00fcdens wurden zerschlagen, letzte fortschrittliche Ans\u00e4tze eliminiert und f\u00fchrende Pers\u00f6nlichkeiten ins Exil gedr\u00e4ngt. Salih ging gest\u00e4rkt aus dem Konflikt hervor und baute seine Macht zur Diktatur aus.<\/p>\n<p><strong>Aufstieg des Autoritarismus und neue Widerst\u00e4nde<\/strong><\/p>\n<p>Mit Salih als unangefochtener Staatschef schritt der Prozess der Entdemokratisierung immer weiter voran, was dazu f\u00fchrte, dass sich die autorit\u00e4ren Z\u00fcge seiner Herrschaft zunehmend heraus formten. Dieser Autoritarismus schlug sich in der Bildung diverser Widerstandsgruppen gegen das herrschende Regime nieder.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#5\"><sup>[5]<\/sup><\/a><a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#6\"><sup>[6]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Eine von ihnen war die Bewegung Ansar Allah (\u201eHelfer Gottes\u201c), im Westen meist als Huthi bezeichnet \u2013 benannt nach ihrem Anf\u00fchrer, Husayn al-Huthi. Die Bewegung hat ihre Wurzeln in Gruppen der zaiditischen Minderheit des Nordjemen, die sich gegen religi\u00f6se Diskriminierung, die Marginalisierung ihrer Region um Sa\u02bfda und gegen die neoliberale Ausrichtung des Regimes zur Wehr setzten. Dabei entwickelte sich auch ein klarer Hass gegen\u00fcber dem Westen und dessen regionalen Unterst\u00fctzer*innen.<\/p>\n<p>Die Zaiditen bilden eine eigene Str\u00f6mung des schiitischen Islams. Sie unterscheiden sich in wichtigen Auffassungen der Religions- und Rechtslehre von den schiitischen Imamiten des Irans, und damit nat\u00fcrlich auch klar von sunnitischen Gruppen wie der Muslimbruderschaft und deren Ableger der Hamas in Gaza. Einig ist man sich mit den genannten Gruppen jedoch in der Ansicht, dass sich der Westen aus den Angelegenheiten der arabischen Welt strikt herauszuhalten habe.<\/p>\n<p>Ab dem Jahr 2004 nahm der Widerstand auch organisierte gewaltsame Formen an und f\u00fchrte dann wenige Jahre sp\u00e4ter 2009 zu einem Krieg, welcher das Land destabilisierte, und auch kurzzeitig die Grenze nach Saudi-Arabien \u00fcberschritt. Dies hatte dann unweigerlich die Konsequenz, dass Saudi-Arabien aktiv in den Krieg eingriff, um das dem Westen treue jemenitische Salih-Regime im eigenen Sicherheitsinteresse aufrechtzuerhalten. Ein Systemsturz durch anti-westlich agierende Rebellen war das letzte, was Saudi-Arabien im Land jenseits seiner s\u00fcdlichen Grenze haben wollte. Es war jedoch nicht m\u00f6glich Ansar Allah zu besiegen, was im Fr\u00fchjahr 2010 zu einem fragilen Waffenstillstand f\u00fchrte.<\/p>\n<p><strong>Der Arabische Fr\u00fchling und das Ende der \u00c4ra Salih<\/strong><\/p>\n<p>Als sich 2011 im Zuge des <a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/vom-arabischen-fruehling-uebrig-blieb\/\">Arabischen Fr\u00fchlings<\/a> in fast allen arabischen Staaten die Menschen gegen autorit\u00e4re Regime erhoben, blieb auch der Jemen davon nicht unber\u00fchrt. Die Regierung Salih reagierte mit Repression und offener Gewalt, \u2013 doch das st\u00e4rkte nur die Entschlossenheit der Protestierenden. Teile des Milit\u00e4rs liefen zur Opposition \u00fcber. Am 23. November 2011 trat Salih schlie\u00dflich nach jahrzehntelanger Herrschaft geschlagen zur\u00fcck. Die politische Zukunft des Landes blieb jedoch ungewiss \u2013 und dieses Chaos bereitete den Boden f\u00fcr weitere kriegerische Eskalationen.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#7\"><sup>[7]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Nach dem R\u00fccktritt Salihs \u00fcbernahm zun\u00e4chst Vizepr\u00e4sident Abed Rabbo Mansur Hadi die Amtsgesch\u00e4fte. Eine von den Golfstaaten und westlichen M\u00e4chten unterst\u00fctzte \u00dcbergangsregierung wurde installiert. Doch die grundlegenden sozialen, politischen und \u00f6konomischen Widerspr\u00fcche im Land blieben ungel\u00f6st \u2013 insbesondere die strukturelle Diskriminierung ganzer Regionen, die neoliberale Verarmungspolitik und der v\u00f6llige Ausschluss von Ansar Allah sowie anderer oppositioneller Gruppen, von der politischen Teilhabe.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#8\"><sup>[8]<\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#9\"><sup>[9]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Ansar Allah nutzte die Schw\u00e4che der Regierung, organisierte sich neu und begann 2014 mit dem milit\u00e4rischen Vormarsch auf die Hauptstadt Sanaa. Unterst\u00fctzt wurden sie von weiten Teilen der Bev\u00f6lkerung, die der korrupten \u00dcbergangsregierung misstrauten. Im September 2014 \u00fcbernahm Ansar Allah de facto die Kontrolle \u00fcber die Hauptstadt, Hadi floh zun\u00e4chst nach Aden, dann ins Exil nach Saudi-Arabien.<\/p>\n<p>Dies war der Vorwand f\u00fcr eine bis heute andauernde milit\u00e4rische Intervention unter saudischer F\u00fchrung, die am 26. M\u00e4rz 2015 offiziell begann.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> Eine internationale Koalition aus sunnitisch-arabischen Monarchien, mit logistischer, geheimdienstlicher und waffentechnischer Unterst\u00fctzung der USA, Gro\u00dfbritanniens, Frankreichs und sp\u00e4ter auch Deutschlands, griff in den Krieg ein \u2013 mit dem Ziel, die als \u201eiranisch gesteuert\u201c d\u00e4monisierten Ansar Allah zu vernichten und die gefl\u00fcchtete Hadi-Regierung wieder einzusetzen.<\/p>\n<p><strong>Die imperialistische Logik: \u201eEin Huthi ist ein Iraner\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlung von einem \u201eStellvertreterkrieg zwischen Saudi-Arabien und dem Iran\u201c wurde schnell zum dominanten Narrativ westlicher Medien. Zwar gibt es seit Jahren politische und ideologische N\u00e4he zwischen Teheran und Ansar Allah, doch der Einfluss des Iran ist eher begrenzt und strategisch begr\u00fcndet. Der Krieg im Jemen besitzt seinen Ursprung in erster Linie als jemenitischer Klassen- und Regionalkonflikt, der jedoch von \u00e4u\u00dferen M\u00e4chten zur Durchsetzung geopolitischer Interessen instrumentalisiert und intensiviert wurde und wird.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Saudi-Arabien in Ansar Allah eine Bedrohung seiner s\u00fcdlichen Grenze sieht, und um seine Vormachtstellung auf der Arabischen Halbinsel f\u00fcrchtet, verfolgen die USA und ihre Verb\u00fcndeten, unter anderem auch Deutschland, das strategische Ziel, den Einfluss sogenannter \u201enicht-westlich orientierter Akteure\u201c einzud\u00e4mmen. Selbst wenn das den Preis von hunderttausenden Toten, zerst\u00f6rter Infrastruktur und einer beispiellosen humanit\u00e4ren Katastrophe nach sich zieht.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> <a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#12\"><sup>[12]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die saudisch gef\u00fchrte Koalition setzte auf eine Taktik der vollst\u00e4ndigen Zerst\u00f6rung: Blockaden gegen lebenswichtige Hilfslieferungen, Bombardierung von Krankenh\u00e4usern, Schulen, M\u00e4rkten, Wasserwerken und landwirtschaftlichen Anlagen.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> Sogar Epidemien werden als Waffe gegen die jemenitische Bev\u00f6lkerung eingesetzt.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> Der Krieg forderte bislang laut UN mindestens 377.000 Tote, viele davon indirekt durch Hunger, Krankheiten und zerst\u00f6rte Versorgungssysteme. Mehr als 80\u202f% der Bev\u00f6lkerung sind auf humanit\u00e4re Hilfe angewiesen. Millionen von Kindern sind akut unterern\u00e4hrt.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#15\"><sup>[15]<\/sup><\/a> Und dies sind keine \u201eungewollten Kollateralsch\u00e4den\u201c des Kriegs. Nein, allein in den ersten Kriegsmonaten wurden gezielt wichtige Teile der Infrastruktur zerst\u00f6rt, welche notwendig sind, um die 40 Millionen Einwohner des Jemen zu ern\u00e4hren.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#16\"><sup>[16]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Und dennoch: Ansar Allah \u00fcberstand alle milit\u00e4rischen Offensiven, baute seine Kontrolle im Norden weiter aus und konnte die strategisch wichtige Hauptstadt Sanaa bis heute halten.<\/p>\n<p><strong>Der Krieg im Roten Meer \u2013 Deutsche Waffen im Einsatz<\/strong><\/p>\n<p>Sp\u00e4testens seit Ende 2023 ist der Jemen wieder in den Fokus der \u00f6ffentlichen Weltpolitik ger\u00fcckt.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> Aber nicht wegen der unvorstellbaren Gewalt, die durch die geopolitischen Interessen von au\u00dfen in das Land hineingetragen wurden. Sondern, wie bereits erw\u00e4hnt, in Reaktion auf den israelischen Vernichtungskrieg gegen die Pal\u00e4stinenser*innen, und als Zeichen der Solidarit\u00e4t mit Pal\u00e4stina. Ansar Allah begann deswegen gezielt israelische oder mit Israel verbundene Handelsschiffe im Roten Meer anzugreifen.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#18\"><sup>[18]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Dass sich die Berichterstattung nicht um die humanit\u00e4re Katastrophe im Land dreht ist kein Wunder, haben Deutschland und Co. doch R\u00fcstungsexporte in Milliardenh\u00f6he an die Mitglieder der saudischen Milit\u00e4rkoalition bewilligt. Dabei handelt es sich von einfachen Lastwagen, \u00fcber Munition, bis hin zu Panzern, Flugzeugen, und Schiffen.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#19\"><sup>[19]<\/sup><\/a> Und all das, obwohl Deutschland so gerne darauf beharrt, keine Waffen zu liefern, die in Kriegsgebieten eingesetzt werden. Die Bilder dieser Waffensysteme im Einsatz existieren jedoch, w\u00e4hrend deutsche Politiker*innen dies bestreiten. Deutschland tr\u00e4gt eine Mitverantwortung am Krieg im Jemen. Allein im Jahr 2024 wurden deutsche R\u00fcstungsg\u00fcter im Wert von 132,48 Millionen Euro an Saudi Arabien geliefert. Das deutsche Kapital verdient also flei\u00dfig am Gesch\u00e4ft mit dem Tod mit. Die Behauptung, man liefere \u201enicht direkt\u201c in Kriegsgebiete, ist politisch motivierte Irref\u00fchrung \u2013 faktisch ist deutsche R\u00fcstung Teil der Kriegsf\u00fchrung im Jemen.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#20\"><sup>[20]<\/sup><\/a><\/p>\n<p>Die USA und Gro\u00dfbritannien gingen nach den Angriffen von Ansar Allah gleich einen Schritt weiter und begannen mit massiven Luftschl\u00e4gen gegen jemenitische Ziele \u2013 eine neue Phase der direkten imperialistischen Einmischung.<a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> Der Fokus auf die Sicherung der Handelsrouten war von vornherein klar und wurde auch offen kommuniziert. Zur gleichen Zeit leiteten gro\u00dfe Reedereien ihre Schiffe um das Kap der Guten Hoffnung, um den Angriffen zu entgehen. Dies verl\u00e4ngerte Transportwege um bis zu zwei Wochen, erh\u00f6hte die Treibstoffkosten enorm und lie\u00df Lieferketten ins Wanken geraten. Die Berichterstattung \u00fcber die zu hunderttausenden sterbenden Jemenit*innen war weiterhin kaum bis nicht existent. Doch sobald die Produktionsmittel des Westens stillstehen k\u00f6nnten, oder an Rentabilit\u00e4t verlieren, ist die Emp\u00f6rung gro\u00df, die Maschinerie der Berichterstattung l\u00e4uft an, und die Bomben fliegen.<\/p>\n<p>Was sich im Jemen zeigt, ist die Verflechtung imperialistischer Au\u00dfenpolitik mit der kapitalistischen Produktionsweise, und der Versuch das zu vertuschen. Die Wahrheit, selbst Verantwortung am Leid und Tod zu tragen, darf nicht nicht zu erkennen sein, da dies dazu f\u00fchren k\u00f6nnte, in Erkl\u00e4rungsnot zu geraten.<\/p>\n<p>[1] <a href=\"https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2025\/6\/10\/israel-strikes-yemens-hodeidah-port-threatens-blockade\">https:\/\/www.aljazeera.com\/news\/2025\/6\/10\/israel-strikes-yemens-hodeidah-port-threatens-blockade<\/a><\/p>\n<p>[2] <a href=\"https:\/\/www.logistik-express.com\/huthi-angriffe-beeintraechtigen-globale-lieferketten\/\">https:\/\/www.logistik-express.com\/huthi-angriffe-beeintraechtigen-globale-lieferketten\/<\/a><\/p>\n<p>[3] <a href=\"https:\/\/sanaacenter.org\/the-yemen-review\/jan-mar-2024\/22287\">https:\/\/sanaacenter.org\/the-yemen-review\/jan-mar-2024\/22287<\/a><\/p>\n<p>[4] <a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/302920\/kleine-geschichte-des-jemen\/\">https:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/302920\/kleine-geschichte-des-jemen\/<\/a><\/p>\n<p>[5] <a href=\"https:\/\/merip.org\/1993\/09\/the-economic-dimension-of-yemeni-unity\/\">https:\/\/merip.org\/1993\/09\/the-economic-dimension-of-yemeni-unity\/<\/a><\/p>\n<p>[6] <a href=\"https:\/\/carnegieendowment.org\/posts\/2011\/03\/the-unraveling-of-the-salih-regime-in-yemen\">https:\/\/carnegieendowment.org\/posts\/2011\/03\/the-unraveling-of-the-salih-regime-in-yemen<\/a><\/p>\n<p>[7] <a href=\"https:\/\/sanaacenter.org\/publications\/main-publications\/39\">https:\/\/sanaacenter.org\/publications\/main-publications\/39<\/a><\/p>\n<p>[8] <a href=\"https:\/\/lup.lub.lu.se\/luur\/download?func=downloadFile&amp;recordOId=9098826&amp;fileOId=9098832\">https:\/\/lup.lub.lu.se\/luur\/download?func=downloadFile&amp;recordOId=9098826&amp;fileOId=9098832<\/a><\/p>\n<p>[9] <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-yemen-protests\/tens-of-thousands-of-yemeni-houthis-protest-against-fuel-reform-government-idUSKBN0GI1O420140818\/\">https:\/\/www.reuters.com\/article\/us-yemen-protests\/tens-of-thousands-of-yemeni-houthis-protest-against-fuel-reform-government-idUSKBN0GI1O420140818\/<\/a><\/p>\n<p>[10] <a href=\"https:\/\/acleddata.com\/yemen-conflict-observatory\/actor-profiles\/saudi-led-coalition\/\">https:\/\/acleddata.com\/yemen-conflict-observatory\/actor-profiles\/saudi-led-coalition\/<\/a><\/p>\n<p>[11] <a href=\"https:\/\/www.crisisgroup.org\/middle-east-north-africa\/gulf-and-arabian-peninsula\/yemen\/truce-test-huthis-and-yemens-war\">https:\/\/www.crisisgroup.org\/middle-east-north-africa\/gulf-and-arabian-peninsula\/yemen\/truce-test-huthis-and-yemens-war<\/a><\/p>\n<p>[12] <a href=\"https:\/\/www.undp.org\/publications\/assessing-impact-war-yemen-pathways-recovery\">https:\/\/www.undp.org\/publications\/assessing-impact-war-yemen-pathways-recovery<\/a><\/p>\n<p>[13] <a href=\"https:\/\/www.hrw.org\/news\/2017\/09\/27\/yemen-coalitions-blocking-aid-fuel-endangers-civilians\">https:\/\/www.hrw.org\/news\/2017\/09\/27\/yemen-coalitions-blocking-aid-fuel-endangers-civilians<\/a><\/p>\n<p>[14] <a href=\"https:\/\/jacobin.de\/artikel\/jemen-krieg-houthis-Ansarollah\">https:\/\/jacobin.de\/artikel\/jemen-krieg-houthis-Ansarollah<\/a><\/p>\n<p>[15] <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Famine_in_Yemen_(2016%E2%80%93present)\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Famine_in_Yemen_(2016%E2%80%93present)<\/a><\/p>\n<p>[16] <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/article\/world\/saudi-led-warplanes-hit-yemeni-port-aid-group-sounds-alarm-idUSKCN0QN0HW\/\">https:\/\/www.reuters.com\/article\/world\/saudi-led-warplanes-hit-yemeni-port-aid-group-sounds-alarm-idUSKCN0QN0HW\/<\/a><\/p>\n<p>[17] <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/red-sea-marine-traffic-up-60-after-houthis-narrowed-targets-eu-commander-says-2025-06-05\/\">https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/red-sea-marine-traffic-up-60-after-houthis-narrowed-targets-eu-commander-says-2025-06-05\/<\/a><\/p>\n<p>[18] <a href=\"https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/vessel-attacked-by-missiles-southeast-yemens-aden-ukmto-says-2024-02-22\/\">https:\/\/www.reuters.com\/world\/middle-east\/vessel-attacked-by-missiles-southeast-yemens-aden-ukmto-says-2024-02-22\/<\/a><\/p>\n<p>[19] <a href=\"https:\/\/www.dw.com\/en\/in-yemen-war-coalition-forces-rely-on-german-arms-and-technology\/a-47684609\">https:\/\/www.dw.com\/en\/in-yemen-war-coalition-forces-rely-on-german-arms-and-technology\/a-47684609<\/a><\/p>\n<p>[20] <a href=\"https:\/\/www.defensenews.com\/global\/europe\/2024\/01\/08\/german-leaders-abandon-blockade-of-eurofighter-sale-to-saudi-arabia\/\">https:\/\/www.defensenews.com\/global\/europe\/2024\/01\/08\/german-leaders-abandon-blockade-of-eurofighter-sale-to-saudi-arabia\/<\/a><\/p>\n<p>[21] <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/US%E2%80%93UK_airstrikes_on_Yemen\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/US%E2%80%93UK_airstrikes_on_Yemen<\/a><\/p>\n<p>[*] Bild Von 0ali1 \u2013 Eigenes Werk mittels: Yemen location map.svg by NordNordWest, CC BY-SA 4.0, <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=37916295\">https:\/\/commons.wikimedia.org\/w\/index.php?curid=37916295<\/a><\/p>\n<p><em>Titelbild: Anfangsphase der saudi-arabisch gef\u00fchrten Milit\u00e4rintervention im Jemen seit 2015 (<\/em><a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/#bildautor\"><em>*<\/em><\/a><em>)<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/jemen-kriegsschauplatz-imperialer-interessen-und-humanitaerer-katastrophen\/\"><em>marx21.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 7. Oktober 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Jemen kommt immer wieder in die Schlagzeilen, wenn die USA oder Israel das Land bombardieren. Maximilian Krippner korrigiert die verengte Berichterstattung der deutschen Medien, die Geschichte und Hintergr\u00fcnde des B\u00fcrgerkriegs im Jemen ausblenden.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":15831,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6,7,5],"tags":[39,18,86,144,22,49,149,46,17,33],"class_list":["post-15830","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-geschichte-und-theorie","category-international","category-kampagnen","tag-deutschland","tag-imperialismus","tag-iran","tag-jemen","tag-politische-oekonomie","tag-repression","tag-saudi-arabien","tag-usa","tag-widerstand","tag-zionismus"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15830","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=15830"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15830\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":15832,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/15830\/revisions\/15832"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/15831"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=15830"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=15830"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=15830"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}