{"id":1585,"date":"2016-10-26T10:52:33","date_gmt":"2016-10-26T08:52:33","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1585"},"modified":"2017-04-08T16:36:51","modified_gmt":"2017-04-08T14:36:51","slug":"gramsci-hegemonie-und-revolutionaere-strategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1585","title":{"rendered":"Gramsci, Hegemonie und revolution\u00e4re Strategie"},"content":{"rendered":"<p><em>Chris Bambery.<\/em> Lenin, Leo Trotzki, die junge Sowjetrepublik und die Kommunistische Internationale interpretierten die Oktober Revolution als Auftakt zu einer europ\u00e4ischen Revolution. Sie konzentrierten ihre Aufmerksamkeit dabei in erster Linie<!--more--> auf Deutschland, aber auch auf Italien. Im April sagte der F\u00fchrer der Sozialistischen Partei Italiens(PSI) zum franz\u00f6sischen Revolution\u00e4r Alfred Rosmer:<\/p>\n<p>Wir haben die St\u00e4dte und die l\u00e4ndlichen Gebiete hinter uns; die Arbeiter folgen unseren Aufrufen. Die Bauern stehen dem in nichts nach; in vielen l\u00e4ndlichen Gemeinden haben die B\u00fcrgermeister in den Gemeindes\u00e4len die Portr\u00e4ts des K\u00f6nigs mit Bildern von Lenin ersetzt. Wir verf\u00fcgen \u00fcber die St\u00e4rke; und zwar so unumschr\u00e4nkt, dass niemand, ob Freund oder Feind, daran denkt, uns diese streitig zu machen. Das einzige Problem besteht darin, dass wir nicht wissen, wie wir davon Gebrauch machen sollen. <a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n<p>Die PSI war die einzige sozialdemokratische Partei in Westeuropa, die sich dem Ersten Weltkrieg entgegenstellte und eine Schl\u00fcsselrolle in der Organisierung der Zimmerwald Konferenz vom September 1915 spielte, um die europ\u00e4ische Antikriegs-Linke zu sammeln. Sie war die erste Massenpartei, die sich der Kommunistischen Internationale anschloss, der internationalen Gruppierung von Parteien, die die Oktober Revolution unterst\u00fctzten. Die Auswirkungen der Oktober Revolution waren so gross, dass alle linken Kr\u00e4fte und die Gewerkschaften nicht darum herum kamen, sich irgendwie mit ihr zu identifizieren. Im Sommer 1920 reisten alle nach Moskau, an den zweiten Kongress der Komintern, wie die Kommunistische Internationale genannt wurde.<\/p>\n<p>Die Komintern war nur bereit f\u00fcr eine Aufnahme der PSI, sofern diese ihren reformistischen Fl\u00fcgel ausschliessen w\u00fcrde. Serrati, der F\u00fchrer der st\u00e4rksten Gruppe in der Partei, versuchte jedoch, die Einheit der Partei zu wahren, selbst als diese w\u00e4hrend der Entwicklung der revolution\u00e4ren Krise in Italien auseinanderbrach. Der andere nachdenkliche Anwesende in Moskau war der energische Neapolitaner Amadeo Bordiga. Er wollte eine \u00abreine\u00bb kommunistische Partei aufbauen, frei von jeder Andeutung eines Kompromisses. Eine andere Tendenz war hingegen nicht anwesend in Moskau: die Gruppierung um die Turiner Zeitschrift <em>L\u2019Ordine Nuovo<\/em>, die von Antonio Gramsci herausgegeben wurde. Lenin hielt zum Erstaunen der italienischen Delegation eine Rede, die Serrati darob tadelte, dass er den reformistischen Fl\u00fcgel der Partei nicht aus der Partei hinausgedr\u00e4ngt habe und eine echte kommunistische Partei geschaffen habe:<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen den italienischen Genossen rundheraus sagen, dass es die Linie der Mitglieder von <em>L\u2019Ordine Nuovo<\/em> ist, die der Linie der Kommunistischen Internationale entspricht und nicht diejenige der Mehrheit der sozialistischen Parteif\u00fchrung und deren Gruppe der Parlamentarier.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a><\/p>\n<p>\u00dcber Gramsci und seine Genossen war so wenig bekannt, dass die F\u00fchrer der Komintern sich bei Bordiga nach deren Position erkunden mussten \u2013 worauf er ehrlich antwortete, nachdem er seine Differenzen mit ihnen umrissen hatte. Lenin\u2019s Lob f\u00fcr <em>L\u2019Ordine Nuovo<\/em> gr\u00fcndete auf einem Artikel, in dem die Notwendigkeit einer Partei dargelegt wurde, die der revolution\u00e4ren Krise in Italien gewachsen ist. Gramsci schrieb den Text, nachdem die PSI und die Gewerkschaft CGL sich weigerten, den entscheidenden Generalstreik in Turin aktiv zu unterst\u00fctzen. Dies bedeutete eine f\u00fcrchterliche Warnung f\u00fcr die Zukunft:<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Phase des Klassenkampfes in Italien ist die Phase, die entweder der Eroberung der Macht durch das revolution\u00e4re Proletariat vorhergeht \u2026 oder der schrecklichen Reaktion seitens der besitzenden Klassen.<\/p>\n<p>Er geisselte die PSI wegen ihres Versagens, als revolution\u00e4re nationale Kraft zu handeln, indem er ihr vorwarf, lediglich als \u00abZuschauer\u00bb zu handeln und \u00ab\u2026 weiterhin nur eine parlamentarische Partei blieb und sich so selbst l\u00e4hmte, indem sie in den engen Grenzen der b\u00fcrgerlichen Demokratie verblieb\u00bb. Die L\u00f6sung l\u00e4ge in der Schaffung einer Partei neuen Typs:<\/p>\n<p>Eine geschlossene und sehr disziplinierte kommunistische Partei mit Zellen in den Fabriken, den Gewerkschaften und in den Genossenschaften, die in der Lage ist, in ihrem Zentralkomitee die Gesamtheit der revolution\u00e4ren Aktionen des Proletariats zu koordinieren und zu zentralisieren: dies ist die grundlegende und unverzichtbare Voraussetzung f\u00fcr alle Versuche mit R\u00e4testrukturen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a><\/p>\n<p>Gramsci rief die Vorhut der italienischen Arbeiterklasse, die Delegierten der Fabrikr\u00e4te \u2013 vor allem in Turin \u2013 auf, die Grundlage der F\u00fchrung einer erneuerten PSI zu bilden, oder wenn dies nicht gel\u00e4nge, eine neue kommunistische Partei aufzubauen. Gramsci kam erst sp\u00e4t zu dieser Position \u2013 als der zweite Kongress der Komintern beendet wurde, trat die italienische Arbeiterklasse mit den Fabrikbesetzungen vom September 1920 in ihre entscheidende Konfrontation.<\/p>\n<p>Die grosse St\u00e4rke von <em>L\u2019Ordine Nuovo<\/em> lag darin, dass darin der Aufbau von Fabrikr\u00e4ten als die Grundlage eines neuen Arbeiterstaates angesehen wurde. Trotz all ihrer Differenzen waren sich Serrati und Bordiga einig in der Ablehnung der Fabrikr\u00e4te. Ihrer Auffassung nach legte die Partei die Grundlagen f\u00fcr eine neue Ordnung und nicht die Fabrikr\u00e4te. W\u00e4hrend des ganzen September 1920 hindurch erw\u00e4hnte Bordigas Zeitung <em>Il Soviet<\/em> die Fabrikbesetzungen nie in den Leitartikeln. Im Folgemonat ver\u00f6ffentlichte sie einen Angriff auf Gramsci und andere \u00abheterodoxen\u00bb Kommunisten, die die R\u00e4te hochhielten.<\/p>\n<p>Gramsci gewann die Fabrikr\u00e4te in Turin f\u00fcr die Notwendigkeit der Revolution, in Mailand und anderswo \u00fcberwogen jedoch die PSI und die CGL. Es brauchte eine revolution\u00e4re Partei auf nationaler Ebene. Gramsci begann jedoch erst nachdem der revolution\u00e4re Moment vor\u00fcber war mit den organisatorischen Arbeiten zum Aufbau einer solchen Partei. Gramsci identifizierte sich bereits fr\u00fcher mit Lenin, weil er eine Gemeinsamkeit hinsichtlich der Zentralit\u00e4t der Fabrikr\u00e4te erkannte. Alisdair Davidson hat argumentiert, dass Lenins Theorie der Partei Ende 1920 nicht klar genug war, um Gramsci zu veranlassen, seine Auffassung dahingehend zu revidieren, dass der Hauptbeitrag der Russen eine Theorie der Fabrikr\u00e4te w\u00e4re. Aber \u00abGramscis eigene Aktivit\u00e4ten in diesem Jahr\u00bb f\u00fchrten ihn dazu, \u00abauf eine Erneuerung der PSI zu setzen\u00bb und dann auf \u00abeine Abspaltung von der PSI und den Aufbau einer kommunistischen Partei\u00bb. \u00abEr sah sich erst zu einer Kritik der Gewerkschaften und dann der Partei veranlasst\u00bb, als die F\u00fchrungen der traditionellen Gewerkschaften und der PSI in Turin begannen, ihn anzugreifen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a><\/p>\n<p>Nachtr\u00e4gliche Einsicht ist f\u00fcr Revolution\u00e4re kein Trost. Auf das Ende der Fabrikbesetzungen folgten steigende Arbeitslosigkeit, Schikanierereien und die faschistische Gegenoffensive. Auf Gramsci lastete ein Gef\u00fchl des Versagens. Er schrieb 1924 r\u00fcckblickend:<\/p>\n<p>1919 bis 1920 machten wir \u00e4usserst schwere Fehler, f\u00fcr die wir heute nachtr\u00e4glich bezahlen. Aus Angst, als Empork\u00f6mmlinge und Karrieristen betitelt zu werden, bildeten wir keine Gruppe in der Partei und organisierten wir uns nicht \u00fcber ganz Italien hinweg. Wir waren nicht bereit, f\u00fcr die Fabrikr\u00e4te in Turin ein autonomes F\u00fchrungszentrum zu bilden, das imstande gewesen w\u00e4ren, \u00fcber ganz Italien hinweg einen weitreichenden Einfluss auszu\u00fcben. Wir hatten Angst vor einer Spaltung in den Gewerkschaften und vor einem vorzeitigen Ausschluss aus der Sozialistischen Partei\u2026 Das Problem liegt \u2026 in den Beziehungen zwischen der zentralen F\u00fchrung und der Masse der Partei und zwischen der Partei und den Klassen der arbeitenden Bev\u00f6lkerung.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn5\" name=\"_ednref5\">[v]<\/a><\/p>\n<p>Dieses Thema tauchte fortan immer wieder auf und klingt durch seine <em>Gef\u00e4ngnishefte<\/em> immer wieder an.<\/p>\n<p><strong>Die vermasselte Geburt des italienischen Kommunismus<\/strong><\/p>\n<p>Die Warnung Gramscis vor einer \u00abf\u00fcrchterlichen Reaktion\u00bb, falls der revolution\u00e4re Moment verpasst w\u00fcrde, erf\u00fcllte sich schnell. Ab dem November 1920 ging der Faschismus in die Offensive und griff zu Beginn die Gewerkschaften der Landarbeiter in Nordost- und Mittelitalien an. In den einen Monat vorher abgehaltenen Wahlen gewannen die Sozialisten in 2\u00b4162 von 8\u00b4059 Gemeinden die Mehrheit wie auch in 25 der 69 Provinzen. Sie zerbrachen die von den Grundeigent\u00fcmern ausge\u00fcbte Macht in Mittelitalien, die in ihrer Wut in immer gr\u00f6sserer Zahl zu den Faschisten \u00fcberliefen. Die faschistische Offensive begann in Bologna, wo sie den sozialistischen Stadtrat angriffen und damit eine ganze Serie von solchen Attacken auf sozialistische lokale Beh\u00f6rden einleiteten. Das Fehlen eines koordinierten Widerstandes ermutigte sie dabei. Um das Jahresende von 1921 erreichte die St\u00e4rke der faschistischen Kommandos gegen 300\u2019000. W\u00e4hrend der vorhergehenden 12 Monate hatten sie 59 <em>case del popolo <\/em>[Sozialistische Zentren], 119 <em>camere del lavoro<\/em> [Gewerkschaftsh\u00e4user], 107 Kooperativen, 83 Bauerngewerkschaften und 141 Gemeinschaftszentren zerst\u00f6rt. Sie hinterliessen mehr als 100 Tote und Tausende von Verwundeten, zwangen Stadtr\u00e4te zum R\u00fccktritt und Linke und Gewerkschaftsaktivisten zur Flucht. Die Angriffe wandten sich nicht nur gegen die Linke, sondern selbst gegen die gem\u00e4ssigsten Sozialisten und gegen von Katholiken gef\u00fchrte Bauernkooperativen. S\u00e4mtliche unabh\u00e4ngige Organisationen, die die Herrschaft der grossen Grundeigent\u00fcmer bedrohten, wurden zu einem legitimen Angriffsziel.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen f\u00fchrte der \u00fcberw\u00e4ltigende Erfolg der PSI in den Lokalwahlen dazu, dass sie wichtige lokale Beh\u00f6rden f\u00fchrte, die \u00f6ffentliche Arbeiten kontrollierte und f\u00fcr die Landarbeitergewerkschaften eine <em>closed-shop<\/em>-Politik durchsetzen. Dies st\u00e4rkte die Positon derjenigen, die die Einheit der Partei gegen einen Bruch mit den Reformisten bewahren wollten; Serrati vertraute darauf, sich im bevorstehenden Parteikongress eine Mehrheit zu sichern, obgleich einige in seiner Gruppe der Maximalisten bereit war, die Reformisten auszuschliessen, und sich so f\u00fcr eine Mitgliedschaft in der Komintern bewerben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Im Oktober-November 1920 wurde eine kommunistische Fraktion gegr\u00fcndet, die sich anscheinend zum Ziel gesetzt hatte, all diejenigen zusammenzuf\u00fchren, die gem\u00e4ss den strategischen Empfehlungen der Komintern vorgehen wollten. Die treibende Kraft in der Fraktion waren die Gefolgsleute von Bordiga, die darauf bedacht waren, den linken Fl\u00fcgel der Maximalisten fern zu halten. Demgegen\u00fcber ging Lenins taktische Empfehlung dahin, dass sich die linken Kr\u00e4fte mit der Parteif\u00fchrung vereinen und die Reformisten vom rechten Parteifl\u00fcgel ausschliessen sollten; denn die radikale Linke teilte mit den Maximalisten ein gemeinsames Vertrauen in die Komintern und beide waren gl\u00fchende Unterst\u00fctzer der Russischen Revolution.<\/p>\n<p>Aber die Dinge nahmen im Januar 1921 beim PSI-Kongress in Livorno eine andere Wende. Die radikale Linke verliess den Kongress, um eine neue kommunistische Partei zu gr\u00fcnden, nachdem sie 58\u00b4785 Stimmen gegen\u00fcber 98\u00b4028 f\u00fcr Serrati und 14\u00b4695 f\u00fcr den rechten Fl\u00fcgel erhalten hatten. Die Stimmenzahl vermitteln jedoch ein \u00fcberh\u00f6htes Bild \u00fcber die St\u00e4rke der neuen Partei. Drei Monate sp\u00e4ter sch\u00e4tzte Gramsci die Zahl ihrer Mitglieder auf gerade mal 25\u2019000. Bordiga war der Architekt dieser vermasselten Geburt und Gramsci bezahlte daf\u00fcr mit seiner Isolierung in Turin.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn6\" name=\"_ednref6\">[vi]<\/a> Er trat nicht auf am Kongress, wurde nicht in die F\u00fchrung der Kommunistischen Partei gew\u00e4hlt und wurde von allen Fraktionen geschm\u00e4ht wegen seiner angeblichen Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Eintritt Italiens in den Ersten Weltkrieg (eine Zeitungsente, die auf einem wirren Jugendartikel von Gramsci basiert). Wie Davidson herausstreicht, hat Gramsci \u00abbei der Schaffung einer Art von Partei mitgeholfen, die er nicht wollte\u00bb.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn7\" name=\"_ednref7\">[vii]<\/a> Sie wurde zu sp\u00e4t gebildet, um im entscheidenden revolution\u00e4ren Moment im Herbst 1920 einzugreifen. Sie war zu klein und zu sektiererisch, um der Gefahr zu begegnen, die nun wie ein Lokomotive auf die italienische Arbeiterklasse zuraste: dem Faschismus.<\/p>\n<p>Zur Verwirrung kam noch etwas Anderes. Ein Teil der F\u00fchrung der Komintern, die unabh\u00e4ngig von Lenin und Trotzki (die mit dem in Russland w\u00fctenden B\u00fcrgerkrieg besch\u00e4ftigt waren) agierten, hatten sich der sogenannten \u00abTheorie der Offensive\u00bb zugewandt \u2013 der Auffassung, dass wenn die kommunistischen Parteien in Westeuropa eine anhaltende Aufstandsstrategie anwenden w\u00fcrden, sie die Arbeiterklasse zur Revolution anstacheln k\u00f6nnten.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn8\" name=\"_ednref8\">[viii]<\/a> Zwei Gesandte der Komintern am Livorno-Kongress \u2013 der Ungare M\u00e1ty\u00e1s R\u00e1kosi und der Bulgare Khristo Kabakchiev \u2013 unterst\u00fctzten Bordigas Strategie. Im M\u00e4rz 1921 lancierten die deutschen Kommunisten, beeinflusst von diesen Ideen eine Aufstand. Er endete in einer Katastrophe, wobei 4\u00b4000 Kommunisten im Gef\u00e4ngnis endeten und die Mitgliederzahl der Partei auf 350\u00b4000 halbiert wurde. Lenin und Trotzki griffen am dritten Kongress der Komintern sp\u00e4ter im gleichen Jahr dieses Abenteurertum heftig an, die \u00abTheorie der Offensive\u00bb im Allgemeinen, wie auch die Linkskommunisten.<\/p>\n<p>Inzwischen war klar, dass die italienische Arbeiterklasse und Bauernschaft f\u00fcr das Versagen der italienischen Kommunisten bei der schnellen Schaffung einer Einheitsfront f\u00fcr den Kampf gegen den Faschismus einen hohen Preis zahlen w\u00fcrden \u2013 wie auch Gramsci. Die gesamte Linke und die Arbeiterbewegung waren im R\u00fcckzug begriffen. 1920 z\u00e4hlte die PSI 216\u00b4000 Mitglieder. Ein Jahr sp\u00e4ter betrug die Mitgliedschaft der PSI und der PCI zusammen gerade mal 100\u00b4000.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn9\" name=\"_ednref9\">[ix]<\/a> Die CGL fiel von zwei auf eine Million Mitglieder. Der R\u00fcckzug verwandelte sich angesichts der hochschnellenden Arbeitslosigkeit schnell in eine Niederlage. Im Fr\u00fchjahr 1921 drohte Fiat pl\u00f6tzlich die Entlassung von 1\u00b4500 von 13\u00b4000 Arbeitern an. Als die internen Arbeiterkommissionen sich dieser Massnahme widersetzen wollten, forderte das Unternehmen deren Aufl\u00f6sung, erliess eine Aussperrung und holte schnell Truppen heran, um die Fabrikhallen zu besetzen. Die Arbeiter hielten drei Wochens stand, bevor sie die Bedingungen von Fiat annahmen. Die Fabrikr\u00e4te l\u00f6sten sich auf. Als die Aussperrung endete, brannte eine faschistische Strafexpedition das <em>casa del popolo<\/em> nieder. Dies war deren erstes wichtige Auftreten in Turin.<\/p>\n<p>Keine Gruppe der italiensichen Linken konnte eine praktische Antwort auf den faschistischen Terror bieten. Die Reformisten und die Gewerkschaft CGL verlangten von den Arbeitern, auch die andere Wange hinzuhalten und unterzeichneten sogar eine Waffenstillstandsvereinbarung mit Benito Mussolini, dem F\u00fchrer der Faschisten. Die Vereinbarung blieb toter Buchstabe. Die Maximalisten verst\u00e4rkten ihre Rhetorik \u00fcber Revolution und handelten, als ob eine solche unmittelbar bevorst\u00fcnde. Die Kommunisten zogen sich in die vornehme Isolation zur\u00fcck. Alle drei Organisationen wandten sich internen Angelegenheiten zu und leugneten den bevorstehenden Sieg von Mussolinis Griff nach der Macht. Die junge Kommunistische Partei wies einen weiteren Ratschlag von Lenin von sich, wie sich Gramsci sp\u00e4ter erinnerte:<\/p>\n<p>Er sagte zu Serrati: \u00abTrennt euch von Turati [der f\u00fchrende Reformist), und verb\u00fcndet euch dann mit ihm\u00bb. Diese Formel h\u00e4tte von uns nach der Spaltung \u00fcbernommen werden sollen\u2026 wiewohl wir gleichzeitig den ideologischen und organisatorischen Kampf weitergef\u00fchrt h\u00e4tten\u2026 Wir h\u00e4tten versuchen m\u00fcssen, gegen die Reaktion ein B\u00fcndnis zu schliessen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn10\" name=\"_ednref10\">[x]<\/a><\/p>\n<p><strong>Gramsci verleugnet seinen Instinkt<\/strong><\/p>\n<p>Gramsci war sogar in Turin isoliert, als die Gruppe um <em>L\u2019Ordine Nuovo<\/em> auseinanderfiel. Palmiro Togliatti, der engste Mitarbeiter von Gramsci, stand nun auf der Seite von Bordiga. Gramsci verfiel in eine nerv\u00f6se Ersch\u00f6pfung und dann in einen Zusammenbruch. Was jedoch in Gramscis Schriften von 1921 und 1922 erstaunt, ist, dass er fast immer einen richtigen Instinkt hatte, aber dann schlussendlich immer auf Bordigas Position einschwenkte.<\/p>\n<p>Dies zeigte sich an der Frage der <em>arditi del popolo. <\/em>Diese Gruppen setzten sich aus Sozialisten, Anarchisten, Republikanern, revolution\u00e4ren Syndikalisten und katholischen Aktivisten zusammen, die versuchten, die faschistischen Angriffe abzuwehren. Sie standen in enger Verbindung zu der Arbeiterklasse \u2013 so erhielten sie in Rom beispielsweise Spenden von Bauarbeitern, Eisenbahnarbeitern und Postangestellten. Sie hinderten faschistische Schl\u00e4gertrupps erfolgreich am Angriff auf die Arbeiterquartiere von Livorno, Civitavecchia, Sarzana, Arezzo, Ferrara und Parma. Am 9. November 1921 trafen sich faschistische Banden aus der Emilia-Romagna und der Toskana zu einem nationalen Kongress in Rom, der auf die Durchf\u00fchrung einer weiteren Strafexpidition abzielte. Die <em>arditi del popolo<\/em> organisierten sich, um ihnen entgegenzutreten. Die Schlacht dauerte f\u00fcnf Tage und kostete f\u00fcnf Tote und 200 Verwundete. Die Faschisten wurden zu einem schm\u00e4hlichen R\u00fcckzug aus ihrer nationalen Konferenz gezwungen und brannten das Theater nieder, in dem sie zusammengetreten waren.<\/p>\n<p>Gramscis <em>L\u2019Ordine Nuovo<\/em> brachte ein wohlgesinntes Interview mit Argo Secondari, einer Schl\u00fcsselfigur beim Aufbau der neuen antifaschistischen Formation. Drei Tage danach druckte die Zeitung einen Beitrag von Gramsci selbst, wo er schrieb: \u00abSind die Kommunisten gegen die <em>arditi del popolo<\/em> Bewegung? Ganz im Gegenteil: sie wollen eine Bewaffnung des Proletariats, die Schaffung einer bewaffneten proletarischen Kraft\u00bb.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn11\" name=\"_ednref11\">[xi]<\/a> Gramsci fuhr mit seinem Argument folgendermassen weiter:<\/p>\n<p>In jedem Haus, wo Familien der Arbeiterklasse leben, sollten Gruppen proletarischer Selbstverteidigung gebildet werden, an denen alle geeigneten Arbeiter aus allen Parteien teilnehmen sollten. Jede Gruppe soll ein Element einer Nachbarschaftseinheit werden, indem sie sich mit den Gruppen in der Nachbarschaft verbindet\u2026 Die <em>arditi del popolo <\/em>k\u00f6nnten so die Arbeitertruppen wirksam koordinieren und sie an vorbestimmten Punkten in jeder Nachbarschaft in Gruppen zusammenfassen, um im Bedarfsfall einzugreifen\u2026<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn12\" name=\"_ednref12\">[xii]<\/a><\/p>\n<p>Drei Tage sp\u00e4ter folgte ein Aufruf zur Bildung einer einzigen antifaschistischen Verteidigungseinheit. Die turiner Kommunisten arbeiteten zusammen mit Sozialisten, Anarchisten und einer Reihe von Organisationen der Arbeiterklasse an der Bildung einer vereinten <em>arditi del popolo<\/em> Gruppe. Die F\u00fchrung der Kommunistischen Partei jedoch ver\u00f6ffentlichte einen Zirkularbrief, wo sie die Mitglieder dahingehend instruierte, dass sie nur in einer Verteidigungsstruktur arbeiten d\u00fcrften, die unter der Kontrolle der Partei st\u00fcnde und sie aufrief, die <em>arditi del popolo<\/em> zu verlassen. Sp\u00e4ter ging die F\u00fchrung unter Bordiga noch weiter und verurteilte die <em>arditi del popolo<\/em>. Gramsci war mit dieser Linie einverstanden. Er unterwarf sich nicht nur der Linie der F\u00fchrung, sondern wiederholte obendrein das Geschwafel, dass der Faschismus lediglich eine andere Form b\u00fcrgerlicher Reaktion sei, dessen Zeit an der Regierung kurz sein werde und dass, wenn auch der Faschismus die b\u00fcrgerliche Demokratie zerst\u00f6ren w\u00fcrde, dies doch der Linken zugute k\u00e4me, da dadurch die Illusionen \u00fcber Ver\u00e4nderungen durch das Parlament zerschlagen w\u00fcrden. Er hingegen verstand, dass der Faschismus f\u00fcr die italienische Arbeiterklasse eine t\u00f6dliche Gefahr darstellte. Sp\u00e4ter, 1932, erinnerte sich Trotzki, dass Gramsci der einzige italienische Kommunist war, der die M\u00f6glichkeit eines faschistischen Sieges sah.<\/p>\n<p>Als im Oktober 1921 die faschistische Gewalt zunahm, k\u00fcndete die CGL an, dass sie ein Arbeitsb\u00fcndnis mit den kleineren anarchistischen und syndikalistischen Gewerkschaftsb\u00fcnden schliesse, wie auch mit den Gewerkschaften der Seefahrer und der Eisenbahner, um den Ansturm der Faschisten zu bek\u00e4mpfen. Gramsci begr\u00fcsste dies als einen Schritt vorw\u00e4rts, den die Kommunisten an ihrer Basis entwickeln k\u00f6nnten. Einmal mehr jedoch akzeptierte er die Ablehnung von solchen B\u00fcndnissen seitens der F\u00fchrung. Sp\u00e4ter erkl\u00e4rte Gramsci, dass er keine Spaltung mit Bordiga gew\u00fcnscht habe.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn13\" name=\"_ednref13\">[xiii]<\/a> Von allen italienischen Linken stand Gramsci Lenin theoretisch am n\u00e4chsten; ihm mangelte aber dessen zielstrebige Entschlossenheit und dessen Bereitschaft, eine Minderheitsposition in der Partei einzunehmen, falls dies notwendig war.<\/p>\n<p><strong>Die Komintern und die Debatte \u00fcber die revolution\u00e4re Strategie<\/strong><\/p>\n<p>Gramsci entkam seinem politischen Fegefeuer, als er zum Gesandten der italienischen Partei beim Exekutiv-Komitee der Komintern in Moskau ernannt wurde. Er reiste im Mai 1922 nach Russland. Die Anspannung, als loyales Parteimitglied handeln zu m\u00fcssen, und insgeheim st\u00e4ndig im Widerspruch zu Bordigas F\u00fchrung leben zu m\u00fcssen, hatte ihren Tribut gefordert. Er erlitt in Russland einen Nervenzusammenbruch. Aber seine Erfahrungen in Russland erm\u00f6glichten ihm, als Revolution\u00e4r zu reifen. Die Ereignisse in Italien spielten ebenfalls eine Rolle.<\/p>\n<p>Am 28. Oktober traf Mussolini in einem Nachtzug in Rom ein, wurde zum Palast geleitet und zum Premierminister ernannt. Erst dann wurde den faschistischen Trupps erlaubt, an ihrem F\u00fchrer und am K\u00f6nig vorbeizumarschieren, bevor sie sich beeilten, nach Hause zu gelangen. Dies war der wirkliche \u00abMarsch auf Rom\u00bb. In Wahrheit waren die verschiedenen Fraktionen der herrschenden Klasse Italiens, die F\u00fchrungen der Sicherheitskr\u00e4fte und der K\u00f6nig \u00fcbereingekommen, Mussolini als Premierminister anzuerkennen, um eine stabile Regierung zu gew\u00e4hrleisten. Wie Adolf Hitler elf Jahre sp\u00e4ter, f\u00fchrte Mussolini anfangs eine Koalitionsregierung, in der die Faschistn lediglich eine Minderheit der Kabinette leiteten. Wie ihre deutschen Klassenbr\u00fcder hatte die herrschende Klasse Italiens sich mit Abscheu an den Faschismus gewandt, im Glauben, sie k\u00f6nnten diesen Aufsteiger kooptieren und neutralisieren.<\/p>\n<p>Die italienische Arbeiterklasse war viel schw\u00e4cher als die deutsche Arbeiterklasse \u2013 sie leistete aber dem Faschismus viel spontaneren Widerstand. Ihre Parteien leisteten ihr dabei h\u00f6chst mangelhafte Unterst\u00fctzung. Tage vor Mussolinis Ernennung hatte Bordiga ein Zirkular an die Parteisektionen verfasst, in dem er die M\u00f6glichkeit eines Triumphs der Faschisten zur\u00fcckweist. Palmiro Togliatti, der in der Parteif\u00fchrung mit Bordiga verb\u00fcndet war, gestand sp\u00e4ter ein:<\/p>\n<p>Bis unmittelbar vor dem Marsch auf Rom und sogar w\u00e4hrend diesem verneinte die Kommunistische Partei die M\u00f6glichkeit und die Tatsache des Staatstreiches. Unmittelbar nach dem Marsch auf Rom ver\u00f6ffentlichte die theoretische Zeitschrift der Partei einen Artikel, in dem behauptet wurde, dass Mussolinis Aufstiegs zur Macht die politische Lage im Lande nicht wesentlich ver\u00e4ndern w\u00fcrde.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn14\" name=\"_ednref14\">[xiv]<\/a><\/p>\n<p>Die Wirklichkeit des Faschismus muss den exilierten Gramsci hart getroffen haben, als drei Tage vor Weihnachten 1922 faschistische Banden die Hauptstadt der italienischen Arbeiterbewegung \u2013 Turin \u2013 angriffen. Die B\u00fcros von <em>L\u2019Ordine Nuovo<\/em> wurden gebrandschatzt und 12 Arbeiter wurden get\u00f6tet. Eine faschistische Bombe explodierte in den B\u00fcros der CGL und t\u00f6tete 20 Arbeiter. Gramsci begriff, dass der Faschismus nicht einfach eine andere Form b\u00fcrgerlicher Reaktion war, dass seine Gewaltt\u00e4tigkeit weit \u00fcber das normale Ausmass staatlicher Repression hinausgehen w\u00fcrde, und alle Formen von Organisation der Arbeiterklasse und jedewede Struktur, die vom Staat unabh\u00e4ngig war, zerst\u00f6ren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Trotz seiner Krankheit konnte Gramsci am vierten Kongress der Komintern vom November 1922 teilnehmen, an dem vor allem die Debatte \u00fcber die Notwendigkeit der Gewinnung einer Mehrheit in der westeurop\u00e4ischen Arbeiterklasse mithilfe der Strategie der Einheitsfront fortgef\u00fchrt wurde. Mittlerweile existierten in den westeurop\u00e4ischen L\u00e4ndern starke kommunistische Parteien. Sie erfreuten sich aber in keinem von ihnen der Gefolgschaft einer Mehrheit der Arbeiterklasse. Diese Ehre kam den reformistischen Parteien zu. Nur wenn sie zusammen mit den Reformisten k\u00e4mpften, k\u00f6nnten die Revolution\u00e4re diesen Einfluss brechen. Der Begriff Hegemonie wurde angewandt, um die Herrschaft der Bourgeoisie \u00fcber das Proletariat aufgrund von dessen Hinnahme der Trennung von Wirtschaft und Politik zu erkl\u00e4ren:<\/p>\n<p>Die Bourgeoisie versucht immer, die Wirtschaft von der Politik zu trennen, weil sie sehr gut versteht, dass wenn es gelingt die Arbeiterklasse in einem korporativen Rahmen zu halten, ihrer Hegemonie keine wirkliche Gefahr droht.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn15\" name=\"_ednref15\">[xv]<\/a><\/p>\n<p>Es gab immer eine Opposition von vielen linken Kommunisten, die glaubten, dass die revolution\u00e4re Offensive zu jeder Zeit fortgef\u00fchrt werden soll als Weg, um die Arbeiterklasse aufzuwecken und sie vom Reformismus loszubrechen. Beinahe gleichzeitig stellte sich Trotzki als F\u00fchrer der Roten Armee gegen diejenigen, die behaupteten, dass eine revolution\u00e4re Milit\u00e4rstrategie an eine Theorie der permanenten Offensive gebunden sei \u2013 ein Man\u00f6verkrieg. Trotzki argumentierte, dass jeder Krieg eine Kombination aus Angriff und Verteidigung erfordere \u2013 in anderen Worten, aus Man\u00f6ver und Position bestehe. Gramsci k\u00f6nnte vertraut gewesen sein mit dieser unter den F\u00fchrern der Roten Armee benutzten Argumentation.<\/p>\n<p>Die aufbl\u00fchende Kommunistische Partei war das wichtigste Ziel faschistischer Gewalt und Unterdr\u00fcckung. Im fr\u00fchen 1923 war sie auf etwa 5\u00b4000 Mitglieder gefallen. Die \u00dcbernahme der Strategie der Einheitsfront war nun angesichts der massiven Repression f\u00fcr eine hoffnungslos isolierte Partei eine Frage auf Leben und Tod.<\/p>\n<p><strong>Aufr\u00fcstung der kommunistischen Partei<\/strong><\/p>\n<p>Victor Serge zeichnet ein lebhaftes Portrait von Gramsci aus der Zeit, als beide 1923 in Wien lebten und f\u00fcr die Komintern arbeiteten:<\/p>\n<p>Ein fleissiger und unkonventioneller Exilant, der sp\u00e4t zu Bett geht und sp\u00e4t aufsteht\u2026 Sein Kopf war schwer, seine Brauen hoch und breit, seine Lippen schmal; das ganze wurde von einem schm\u00e4chtigen, schmalbr\u00fcstigen, buckligen K\u00f6rper mit knochigen Schultern getragen. Die Bewegungen seiner feinen, schm\u00e4chtigen H\u00e4nde hatten etwas Anmutiges. Gramsci passte nur schlecht in das m\u00fchselige Einerlei des Alltags: er kam nachts in vertrauten Strassen vom Weg ab, stieg in den falschen Zug, war gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber dem Komfort seiner Unterkunft und der Qualit\u00e4t seiner Mahlzeiten. Intellektuell jedoch war er absolut lebhaft. Intuitiv an Dialektik geschult, schnell im Blossstellen von Unwahrheit und sie mit dem Stachel der Ironie aufzuspiessen, sah er die Welt mit aussergew\u00f6hnlicher Klarheit.<\/p>\n<p>Serge erkl\u00e4rt Gramscis Wunsch, in das faschistische Italien zur\u00fcckzukehren:<\/p>\n<p>Als in Russland die Krise schlimmer wurde, wollte Gramsci nicht an der Entwicklung zerbrechen. Er liess sich deshalb von seiner Partei nach Italien zur\u00fcckbeordern; er, der auf den ersten Blick herausstach wegen seiner Unf\u00f6rmigkeit und seiner grossen Stirn.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn16\" name=\"_ednref16\">[xvi]<\/a><\/p>\n<p>Italiens Faschisten hatten Gramsci sicher nicht vergessen. In einer Rede vom Dezember 1921 hatte Mussolini einen \u00abgewissen sardischen Buckligen und Professor der Wirtschaft und der Philosophie\u00bb angegriffen, der \u00abein zweifelsfrei m\u00e4chtiges Hirn\u00bb habe.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn17\" name=\"_ednref17\">[xvii]<\/a><\/p>\n<p>Von Wien aus begann Gramsci mit den Vorbereitungen, um nach Bordiga die F\u00fchrung der italienischen Kommunistischen Partei zu gewinnen; dieser war verhaftet und eingekerkert worden. In einem ersten Schritt versuchte er die Unterst\u00fctzung seiner ehemaligen Genossen um <em>L\u2019Ordine Nuovo<\/em> zu gewinnen \u2013 Togliatti und Umberto Terracini. Bordiga schmuggelte im April 1923 ein Dokument nach aussen, in dem er die Komintern F\u00fchrung heftig kritisierte und er verlangte, dass andere Mitglieder der Parteif\u00fchrung das Dokument unterzeichneten. Gramsci weigerte sich, obschon Togliatti ihn dazu dr\u00e4ngte. Dies l\u00f6ste unter den ehemaligen Genossen von <em>L\u2019Ordine Nuovo<\/em> eine Debatte aus. Gramsci schrieb an Togliatti und argumentierte f\u00fcr die \u00dcbernahme der Strategie der Einheitsfront:<\/p>\n<p>Nach drei Jahren Erfahrung haben wir nicht nur in Italien gelernt, dass die sozialdemokratischen Traditionen tief sitzen und wie schwierig es ist, die \u00dcberreste der Vergangenheit einfach mit ideologischer Polemik zu zerst\u00f6ren. Eine ungeheure und gleichzeitig m\u00fchsame politische Arbeit ist notwendig, diese Tradition im Alltag niederzureissen, indem man den Organismus niederreisst, durch den sie verk\u00f6rpert wird. Die Taktiken der Internationale sind f\u00fcr diesen Zweck geeignet.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn18\" name=\"_ednref18\">[xviii]<\/a><\/p>\n<p>In einem anderen Brief legte Gramsci dar, dass Bordiga einfach das Spiegelbild der Zweiten Internationale sei, da er die pers\u00f6nliche Initiative verhindere und so die Mitglieder der Partei einfach passiv die Initiative der Parteif\u00fchrung abwarteten. Damit w\u00fcrde der Idee Vorschub geleistet, dass die St\u00e4rke der Partei und selbst schon ihre Existenz die M\u00f6glichkeit der Revolution bestimmen w\u00fcrden: \u00abDie Partei wurde nicht als Ergebnis eines dialektischen Prozess aufgefasst, in welchem die spontane Bewegung der revolution\u00e4ren Massen und der organisierende und f\u00fchrende Wille des Zentrums konvergieren.\u00bb<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn19\" name=\"_ednref19\">[xix]<\/a> Er f\u00e4hrt fort:<\/p>\n<p>In Zentral- und Westeuropa wurde durch die Entwicklung des Kapitalismus nicht nur die Herausbildung einer breiten proletarischen Schicht hervorgerufen, sondern hat auch \u2013 und als Folge \u2013 die h\u00f6here Schicht der Arbeiteraristokratie, mit ihrem Fortsatz in der B\u00fcrokratie der Gewerkschaften und den Gruppen der Sozialdemokratie, geschaffen\u2026 Dies macht das Vorgehen der Massen langsamer und vorsichtiger, was von der revolution\u00e4ren Partei eine l\u00e4ngerfristige und komplexere Strategie und taktische Orientierung erfordert, als diejenige der Bolschewisten in der Zeit zwischen M\u00e4rz und November 1917.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn20\" name=\"_ednref20\">[xx]<\/a><\/p>\n<p>Bis zum M\u00e4rz 1924 waren Togliatti und Terracini auf die Linie von Gramsci umgeschwenkt und die Komintern intervenierte und dr\u00e4ngte die italienische Partei zur Ernennung eines neuen Exekutivkomitees, an dem auch Gramsci teilhatte. Bordiga und sein wichtigster Unterst\u00fctzer traten aus dem Exekutivkomitee zur\u00fcck. Gramsci dr\u00fcckte die Schaffung einer Zellenstruktur durch, mit Fabrikgruppen, die besser f\u00fcr die neue politische Situation ger\u00fcstet waren (und die k\u00fcnftige M\u00f6glichkeit der Herausbildung von Fabrikr\u00e4ten in sich trugen) und, im Februar 1924, die Lancierung einer Tageszeitung, <em>L\u2019Unit\u00e0<\/em>. Gramsci schlug den Titel vor und bestand darauf, dass die von der PSI ausgeschlossenen Anh\u00e4nger der Komintern darin aufgenommen werden. Er selbst gab die neue, nun vierzehnt\u00e4gliche <em>L\u2019Ordine Nuovo <\/em>heraus<em>.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn21\" name=\"_ednref21\"><strong>[xxi]<\/strong><\/a> <\/em>Er legte Wert auf Kontinuit\u00e4t:<\/p>\n<p>Meiner Ansicht nach sollte die Zeitschrift weiterhin insbesondere auf die Fabrik und die Organisationen in der Fabrik abzielen\u2026 Wir sollten mit den uns zur Verf\u00fcgung stehenden Mitteln versuchen, Bedingungen wie diejenigen von 1919 \u2013 20 zu schaffen. Damals wurde keine Initiative ergriffen, ohne sie an der Wirklichkeit zu testen, wenn wir nicht vorerst mit verschiedenen Mitteln die diesbez\u00fcgliche Meinung der Arbeiter gepr\u00fcft hatten.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn22\" name=\"_ednref22\">[xxii]<\/a><\/p>\n<p>Gramsci kehrte im Mai 1924 endlich nach Italien zur\u00fcck, nachdem seine Wahl in die Abgeordnetenkammer ihn mit der parlamentarischen Immunit\u00e4t vor Verhaftung sch\u00fctzte.<\/p>\n<p><strong>Der Versuch mit der Einheitsfront<\/strong><\/p>\n<p>Die Umorientierung der Partei trat gerade dann ein, als das Regime von Mussolini in eine Krise st\u00fcrzte, die die Fortf\u00fchrung seiner Regierung bedrohte. Am 10. Juni 1924 wurde der sozialistische Abgeordnete Giacomo Matteotti von der Strasse weg in der Innenstadt von Rom entf\u00fchrt, nachdem er in einer Parlamentsrede den Wahlbetrug verurteilt hatte; er wurde sp\u00e4ter tot aufgefunden. Die Entf\u00fchrer wurden als faschistischer Schl\u00e4gertrupp identifiziert, der unter dem Kommando von Mussolini handelte. Mussolini war total \u00fcberrascht von der Reaktion auf den Mord: \u00abIn den Strassen kam es zu spontanen Demonstrationen f\u00fcr die Opposition, etwas, das man seit langem nicht mehr gesehen hatte\u00bb.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn23\" name=\"_ednref23\">[xxiii]<\/a> Mussolini versuchte mit seinen faschistischen Trupps die Proteste zusammenzuschlagen. \u00abDer erste Versuch, die nationale Minderheit zu mobilisieren, scheiterte kl\u00e4glich; nur 20 Prozent folgten dem Aufruf. Nur 800 Bewaffnete kreuzten bei den Baracken auf\u00bb.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn24\" name=\"_ednref24\">[xxiv]<\/a> Dieser Fehlschlag bedeute, dass zwischen dem 14. Juni und dem 16. Juni die Antifaschisten reelle Aussichten hatten, die Strassen zu kontrollieren.<\/p>\n<p>Die Liberalen, Republikaner und Sozialisten verliessen unter Protest das Parlament und sammelten sich in einer Alternativen Versammlung auf dem Aventin in Rome. Gramsci und die anderen kommunistischen Abgeordneten schlossen sich ihnen an und sprachen sich f\u00fcr die Ausrufung eines Generalstreiks und die Durchf\u00fchrung von Demonstrationen aus. Ein in Rom lebender Antifaschist erinnerte sich an die Stimmung \u2013 und an die L\u00e4hmung, die die Opposition ergriffen hatte:<\/p>\n<p>Wir besuchten beinahe allabendlich &#8230; mit den F\u00fchrern der Sozialistischen Partei \u2026 ein Restaurant.W\u00e4hrend einer Woche bis zu zehn Tagen gab es auf den Strassen Roms keine Anzeichen von Faschisten. Es war bekannt, dass alle Republikaner bereit waren, mit Schlagst\u00f6cken und Revolvern zu marschieren. Sie warteten nur auf die Befehle von der Opposition auf dem Aventin\u2026 Aber niemand wagte, den Befehl zu geben.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn25\" name=\"_ednref25\">[xxv]<\/a><\/p>\n<p>Die F\u00fchrer auf dem Aventin hofften, den K\u00f6nig anzurufen, so dass dieser Mussolini absetzen w\u00fcrde. Aber als Mussolini auf Zeit spielte, sammelten sich die Schl\u00e4gertrupps um Mussolini und der K\u00f6nig best\u00e4tigte erneut seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr das Regime. Bis Ende 1924 konnte Mussolini seine Schl\u00e4gertrupps erneut losschicken; dieses Mal sollten sie nicht nur gegen die linken sondern auch gegen die liberalen und b\u00fcrgerlichen Gegner des Faschismus vorgehen und so eine weit h\u00e4rtere Diktatur errichten. Gramsci schreibt im Nachhinein:<\/p>\n<p>W\u00e4re die Regierung Mussolini gest\u00fcrzt, h\u00e4tte sich in Italien \u2013 ungeachtet der Ursachen ihres Sturzes \u2013 eine tiefe politische Krise er\u00f6ffnet, deren Verlauf niemand h\u00e4tte vorhersehen oder stoppen k\u00f6nnen. Aber die Kr\u00e4fte der Oppositon wussten dies ebenfalls, und sie schlossen deshalb von Beginn an den \u00abeinzigen\u00bb Weg, den einzig m\u00f6glichen Weg aus, n\u00e4mlich die Mobilisierung und den Kampf der Massen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn26\" name=\"_ednref26\">[xxvi]<\/a><\/p>\n<p>Letztendlich f\u00fchrte Gramsci die kommunistischen Abgeordneten zur\u00fcck in die Abgeordnetenkammer und versuchte, diese als Plattform f\u00fcr ihre Ansichten zu benutzen.<\/p>\n<p>Durch die Bem\u00fchungen um den Aufbau einer antifaschistischen Einheitsfront liess in der Partei einen offenen Kampf mit Bordiga aufbrechen. Gramsci debattierte in Neapel mit Bordiga. Dabei betonte Gramsci die Notwendigkeit f\u00fcr \u00abjedes Mitglied der Partei, \u2026 ein aktives politisches Element, ein F\u00fchrer\u00bb zu sein. Das erforderte von allen \u00ab, jeder in seiner eigenen Umgebung\u00bb, imstande zu sein \u00absich selbst zu orientieren, zu wissen, wie aus der Wirklichkeit die Elemente abgeleitet werden k\u00f6nnen, um eine politische Orientierung zu gewinnen\u00bb, so dass \u00abdie Arbeiterklasse nicht ihren Mut verliert, sondern sp\u00fcrt dass sie \u00fcber F\u00fchrer verf\u00fcgt, und immer noch k\u00e4mpfen kann \u2026 Gerade da die Partei stark zentralisiert ist, ist ein grosser Aufwand an Propaganda und Agitation unter den Mitgliedern erforderlich. Die Partei ben\u00f6tigt eine organisierte Art, ihre Basis zu bilden und deren ideologisches Niveau anzuheben\u00bb.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn27\" name=\"_ednref27\">[xxvii]<\/a><\/p>\n<p>Die Partei erfuhr nun ein sustantielles Wachstum und wuchs bis Ende 1925 auf 27\u00b4000 Mitglieder an. Die faschistische Geheimpolizei berichtete, dass die Kommunisten die Repression besser als alle anderen linken Parteien \u00fcberlebt hatten. Sie h\u00e4tten \u00abdie Verbindungen mit den Massen aufrechterhalten, \u2026 wenn auch halbklandestin, so konnten die wesentlichen Strukturen der Partei doch beibehalten werden\u00bb.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn28\" name=\"_ednref28\">[xxviii]<\/a> Dies war teilweise Gramscis Beharren auf der Zellenstruktur anstelle der geografischen Sektionsstruktur Bordigas geschuldet. F\u00fcr die Fabrikgruppen war es so einfacher, den Zusammenhalt zu bewahren.<\/p>\n<p>Gramsci arbeitete nun an Thesen f\u00fcr den Parteikongress, der aus Sicherheitsgr\u00fcnden im fr\u00fchen 1926 im franz\u00f6sischen Lyon abgehalten werden sollte. Die \u00abThesen von Lyon\u00bb argumentierten, dass die Partei die Fabrikbesetzungen nicht genutzt h\u00e4tte oder interveniert sei, um den Sieg des Faschismus im Oktober 1922 zu verhindern:<\/p>\n<p>Die Niederlage des revolution\u00e4ren Proletariats in dieser entscheidenden Periode war den politischen, organisatorischen, taktischen und strategischen M\u00e4ngeln der Arbeiterpartei geschuldet\u2026 Das Proletariat schaffte es nicht, sich selbst an die Spitze des Aufstandes eines grossen Teils der Bev\u00f6lkerung zu stellen und diese in Richtung der Schaffung eines Arbeiterstaates zu kanalisieren\u2026. Deshalb muss der Sieg des Faschismus nicht als ein Sieg \u00fcber die Revolution gesehen werden, sondern als Folge einer Niederlage der revolution\u00e4ren Kr\u00e4fte aufgrund ihrer eigenen inh\u00e4renten Schw\u00e4che.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn29\" name=\"_ednref29\">[xxix]<\/a><\/p>\n<p>Gramsci unterbreitete seine Vision einer revolution\u00e4ren Partei.<\/p>\n<p>Das Prinzip, dass die Partei die Arbeiterklasse f\u00fchrt, darf nicht auf mechanische Art aufgefasst werden\u2026 Die F\u00e4higkeit, die Klasse zu f\u00fchren, bezieht sich nicht auf die Tatsache, dass sich die Partei sich selbst als revolution\u00e4res Organ \u00abproklamiert\u00bb, sondern auf die Tatsache, dass es ihr \u00abwirklich\u00bb, als Teil der Arbeiterklasse, gelingt, sich mit allen Teilen dieser Klasse zu verbinden und die Massen in eine Bewegung der gew\u00fcnschten Ausrichtung zu f\u00fchren, die durch die objektiven Umst\u00e4nde beg\u00fcnstigt ist. Nur als Ergebnis ihrer Aktivit\u00e4t unter den Massen wird die Partei diese zur Einsicht bringen, dass sie ihre Partei ist, da sie eine Mehrheit erringt; nur wenn diese Bedingung erf\u00fcllt worden ist, kann sie die Arbeiterklasse hinter sich scharen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn30\" name=\"_ednref30\">[xxx]<\/a><\/p>\n<p>F\u00fchren bedeutet f\u00fcr die Partei, an die unmittelbaren oder partiellen K\u00e4mpfe anzukn\u00fcpfen:<\/p>\n<p>Die Kommunistische Partei verbindet jede unmittelbare Forderung mit einem revolution\u00e4ren Ziel; nutzt jeden partiellen Kampf, um die Massen die Notwendigkeit allgemeinen Vorgehens und des Aufstandes gegen die reaktion\u00e4re Herrschaft des Kapitals zu lehren\u2026 in jedem einzelnen Fall nutzt die Partei die Erfahrung der entsprechenden Bewegung und das Ergebnis ihrer Vorschl\u00e4ge, um ihren Einfluss auszubauen, und um die r\u00fcckst\u00e4ndigen Teile der Arbeiterklasse auf fortschrittlichen Positionen weiterzubringen. Sie zeigt anhand von Tatsachen, dass ihr Aktionsprogramm das einzige ist, das den Interessen der Massen und der objektiven Situation entspricht.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn31\" name=\"_ednref31\">[xxxi]<\/a><\/p>\n<p>Der Nachdruck auf der Einheitsfront h\u00e4lt Gramsci nicht davon ab, weiter an der Definition der letzten Ziele der kommunistischen Partei zu arbeiten:<\/p>\n<p>(a) Die Organisierung und Vereinheitlichung des industriellen und des l\u00e4ndlichen Proletariates f\u00fcr die Revolution; um das Proletariat alle f\u00fcr den Sieg der Revolution und die Schaffung des Arbeiterstaates erforderlichen Kr\u00e4fte zu sammeln; (c) dem Proletariat und seinen Verb\u00fcndeten die Aufgabe des Aufstandes gegen den b\u00fcrgerlichen Staat und des Kampfes f\u00fcr die Diktatur des Proletariates nahebringen, und sie politisch und materiell durch eine Reihe von partiellen K\u00e4mpfen zur L\u00f6sung dieser Aufgaben zu f\u00fchren.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn32\" name=\"_ednref32\">[xxxii]<\/a><\/p>\n<p>Wie die Abstimmungen am Lyoner Kongress zeigten, hatten sich die Anstrengungen Gramscis zur Aufr\u00fcstung und f\u00fcr den Wiederaufbau der Partei gelohnt: er vereinte 90.08 Prozent der Stimmen auf seiner Position.<\/p>\n<p><strong>Der Weg in das Martyrium<\/strong><\/p>\n<p>Nach dem Erfolg des Lyoner Kongresses blieb Gramsci nur mehr wenig Zeit in Freiheit. Im Herbst 1926 entzog Mussolini Abgeordneten ihre parlamentarische Immunit\u00e4t. Gramsci wurde am 8. November verhaftet, nachdem er von der faschistischen Polizei gezwungen wurde, ein Treffen mit einem Komintern-Gesandten abzubrechen. Sein durch Mussolini verh\u00e4ngtes Martyrium dauerte von nun an bis zu seinem Tode. Das abgebrochene Gespr\u00e4ch sollte mit Jules Humbert-Droz stattfinden. Dieser war beauftragt, Gramsci zu \u00fcberzeugen, Joseph Stalin und seinen damaligen Verb\u00fcndeten, Nicolai Bucharin, in ihrem Kampf innerhalb der russischen Partei gegen die Vereinte Opposition, angef\u00fchrt durch Trotzki, Gregory Sinowjew und Lew Kamenew zu unterst\u00fctzen. Gramsci war kein Anh\u00e4nger der Vereinten Opposition. Aber im Oktober 1926 hatte er der russischen Parteif\u00fchrung geschrieben, dass diese Fraktionsk\u00e4mpfe zuhause und im Ausland grossen Schaden anrichten w\u00fcrden und sofort eingestellt werden sollten. Togliatti, der in Moskau die italienische Partei repr\u00e4sentierte, weigerte sich, den Brief weiterzuleiten, obwohl er ihn Bucharin vorher vorgelesen hatte. Gramsci erwiderte Togliatti voller Zorn.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn33\" name=\"_ednref33\">[xxxiii]<\/a> Die Bedingungen f\u00fcr einen ernsthaften Bruch mit Togliatti und mit Moskau waren gegeben. 1929 erkl\u00e4rte Stalin, dass die Welt in eine neue, \u00abdritte\u00bb, Periode eingetreten sei und die Zeichen beinahe \u00fcberall auf Aufstand st\u00fcnden; dabei w\u00fcrde die Sozialdemokratie der Bourgeoisie die Wende zum Faschismus erleichtern. Gem\u00e4ss Stalin w\u00fcrde die \u00absozialfaschistische\u00bb Natur der Sozialdemokratie jede Einheitsfront mit ihr ausschliessen. Togliatti, unter Druck gesetzt von einer jungen pro-Stalin-Garde in der Partei, war mit ihnen einig, dass in Italien eine revolution\u00e4re Krise bevorst\u00fcnde. Es wurden Aktivisten \u00fcber die Alpen geschickt, um die Arbeit unter den Massen zu verst\u00e4rken \u2013 sie kamen, um ins Gef\u00e4ngnis und in Mussolinis Kerker gesteckt zu werden.<\/p>\n<p>Gramsci widersetzte sich solchen Spinnereien. Er hatte hart f\u00fcr die Einheitsfront gegen den Faschismus gefochten, eine von Togliatti und Stalin nun verunglimpfte Strategie. Er forderte die Auffassung heraus, dass die Masse der italienischen Arbeiterklasse mit dem Reformismus brechen w\u00fcrde, das Land auf eine revolution\u00e4re Situation zusteuern w\u00fcrde, in der mit dem Faschismus aufger\u00e4umt und eine Diktatur des Proletariats errichtet w\u00fcrde. Stattdessen dr\u00e4ngte er in eine Richtung einer Einheitsfront mit den Sozialisten und anderen Antifaschisten und der Schaffung einer verfassungsgebenden Versammlung. Er dachte, dass wenn als Resultat einer globalen Rezession in der Folge des Wallstreet-Zusammenbruchs von 1929 der Faschismus fallen w\u00fcrde, darauf mit gr\u00f6sster Wahrscheinlichkeit eine Periode mit einer parlamentarischen Regierung folgen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>In seinen Gef\u00e4ngnisheften skizzierte er die Hoffnung, dass dies die M\u00f6glichkeit zur erneuten Schaffung von Fabrikr\u00e4ten er\u00f6ffnen k\u00f6nnte und den Weg f\u00fcr eine folgende Erhebung bereiten k\u00f6nnte. Interessanterweise stand zur fast genau der gleichen Zeit Trotzki mit einigen Sympathisanten von Bordiga in der internationalen Linken Opposition im schriftlichen Austausch \u00fcber deren Versuch, die Forderung nach einer verfassungsgebenden Versammlung mit der Forderung nach Arbeiter- und Bauernkomitees zu kombinieren. Trotzki gab zu bedenken, dass wenn der Faschismus fallen w\u00fcrde, er durchaus von einer Periode demokratischer Regierung statt von einer sozialistischen Reevolution abgel\u00f6st werden k\u00f6nnte, und Revolution\u00e4re demokratische Forderungen erheben und \u00abdiesen einen m\u00f6glichst k\u00fchnen und entschlossenen Charakter verleihen k\u00f6nnten\u00bb.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn34\" name=\"_ednref34\">[xxxiv]<\/a> Gramscis Argumentation f\u00fchrte zu Angriffen von anderen Kommunisten, die ebenfall im Gef\u00e4ngnis sassen und sich weigerten, mit ihm zu sprechen, w\u00e4hrend Togliatti\u00a0 sich weigerte, seine Kritik der neuen Politik einem breiteren Publikum zug\u00e4nglich zu machen.<\/p>\n<p>Gramsci war als standfester Kommunist ins Gef\u00e4ngnis geworfen worden. Seine letzte Rede im Parlament, wo die kleine Gruppe der Kommunisten Mussolini und dem festen Block der Schwarzhemden, die alle Ausgang \u00fcberwachten, gegen\u00fcbersass, war mutig und gradlinig:<\/p>\n<p>Wir sind uns sicher, dass wir die grundlegenden Interessen des italienischen Volkes repr\u00e4sentieren. Proletarische Gewalt ist deshalb fortschrittlich und kann nicht systemisch sein. Eure Gewalt ist systemisch und systematisch willk\u00fchrlich, weil ihr eine Minderheit repr\u00e4sentiert, die dem Untergang geweiht ist.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn35\" name=\"_ednref35\">[xxxv]<\/a><\/p>\n<p>Gramscis Werk als ein reifer Revolution\u00e4r wurde jedoch \u00fcbergangen oder dann verf\u00e4lscht von denjenigen, die darauf bedacht waren, seinen Namen zu benutzen. Dieser Prozess setzte mit der Ver\u00f6ffentlichung seiner <em>Gef\u00e4ngnishefte<\/em> unmittelbar nach dem ZweitenWeltkrieg ein, als Togliatti Gramscis Strategie als Ursprung der Entscheidung der Kommunistischen Partei Italiens darstellte, zusammen mit den Christdemokraten die italienische Republik wieder aufzubauen. Der Versuch, Gramsci als Figur zu beschreiben, der den Aufstand zur\u00fcckwies und eine Alternative zum Leninismus erarbeitet hatte, setzte sich mit dem Eurokommunismus bis in die 1970er- und 1980er-Jahre und dann mit dem heutigen Neo-Gramscianismus bis ins 21. Jahrhundert hinein fort.<\/p>\n<p>Gramscis <em>Gef\u00e4ngnishefte<\/em> k\u00f6nnen nur als Fortsetzung seines politischen Kampfes f\u00fcr eine Erneuerung und Aufr\u00fcstung der Kommunistischen Partei Italiens wirklich verstanden werden.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn36\" name=\"_ednref36\">[xxxvi]<\/a> In all seiner anhaltenden Anstrengung zur Erarbeitung und Verteidigung einer politischen Strategie bezog er sich in diesen Jahren haupts\u00e4chlich auf die Debatten des dritten und des vierten Kongresses der Komintern. Martin Clark betont, dass \u00abGramsci im Gef\u00e4ngnis immerzu \u00fcber die \u201cgescheiterte Revolution\u201d von 1919 \u2013 1920 nachdachte\u00bb, und dass die \u00abAnalyse der Gr\u00fcnde des Scheiterns von Revolutionen das Hauptthema der <em>Gef\u00e4ngnishefte<\/em> sei\u00bb. Diese Frage sei \u00abder Antrieb hinter seinen Auffassungen \u00fcber Hegemonie, politische Organisationen und Parteien und \u00fcber Intellektuelle\u00bb.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn37\" name=\"_ednref37\">[xxxvii]<\/a><\/p>\n<p>Eine Schl\u00fcsselstelle in den <em>Gef\u00e4ngnisheften<\/em> kontrastiert die Revolution in Russland und dem Osten mit der Revolution in den parlamentarischen Demokratien des Westens. Es mindert die Bedeutung der Gef\u00e4ngnishefte in keiner Weise, wenn darauf verweisen wird, dass diese Frage in der Komintern kaum kontrovers war. Lenin stellte fest, dass \u00abes in Westeuropa viel schwieriger sein wird, eine Revolution zu beginnen, aber es viel leichter sein wird, diese fortzusetzen und zu vollenden\u00bb. Bordiga trat beim zweiten Kongress der Komintern f\u00fcr eine Linie der Abstinenz vom Parlament und von Parlamentswahlen ein, denn die Bedingungen f\u00fcr die Durchf\u00fchrung einer Revolution seien im Westen ganz anders: \u00abDort wo die Demokratie seit vielen Jahren funktioniert hat\u2026 wird die revolution\u00e4re Krise einfach in einem direkten \u00dcbergang aus diesem politischen System in die Diktatur des Proletariates bestehen&#8230;\u00bb. Dies \u00aberfordert vorerst ein Ausbrechen aus den Grenzen der b\u00fcrgerlichen Demokratie, indem man den Trug des b\u00fcrgerlichen Anspruchs aufzeigt, wonach jeder politische Kampf sich innerhalb der parlamentarischen Maschinerie abspielen sollte\u00bb.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn38\" name=\"_ednref38\">[xxxviii]<\/a> Entsprechend behauptete Bordiga, dass die Erfahrungen der Bolschewiki in der Duma \u2013 dem unter dem Zar eingerichteten Parlament \u2013 im Westen nicht wiederholbar seien. Lenin entgegnete:<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen den Kampf f\u00fcr die Zerst\u00f6rung des Parlaments im Parlament weiterf\u00fchren\u2026 Ist \u00fcberhaupt eine Institution vorstellbar, an der alle Klassen in so hohem Masse teilnehmen wie im Parlament? So etwas kann nicht k\u00fcnstlich geschaffen werden. Wenn alle Klassen in den parlamentarischen Kampf hineingezogen werden, so weil die Klasseninteressen und -konflikte im Parlament gespiegelt werden. Wenn es m\u00f6glich w\u00e4re, \u00fcberall und unmittelbar einen entscheidenden Generalstreik hervorzurufen, um, so lasst uns annehmen, den Kapitalismus mit einem Schlag zu st\u00fcrzen, so h\u00e4tten wir in vielen L\u00e4ndern eine Revolution gehabt. Wir m\u00fcssen aber mit den Tatsachen umgehen, und das Parlament ist ein Ort des Klassenkampfes.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn39\" name=\"_ednref39\">[xxxix]<\/a><\/p>\n<p>Der Aufsatz von Perry Anderson von 1976 \u00abThe Antinomies of Antonio Gramsci\u00bb, der zu der Zeit geschrieben wurde, als sich Anderson voll und ganz mit Lenin und Trotzki identifizierte, zeigt auf, dass es unm\u00f6glich ist, die Gef\u00e4ngnishefte unabh\u00e4ngig vom Kontext der damaligen Debatten in der fr\u00fchen Komintern zu verstehen:<\/p>\n<p>Die Theorie und die Praxis der Komintern waren durchtr\u00e4nkt mit einer Betonung der historischen Notwendigkeit der Gewalt bei der Zerst\u00f6rung und dem Aufbau von Staaten. Die Diktatur des Proletariats war nach dem Sturz des b\u00fcrgerlichen Staatsapparates der Pr\u00fcfstein\u2026 Gramsci zog diese Grunds\u00e4tze nie in Frage. Im Gegenteil, als er im Gef\u00e4ngnis seine theoretischen Untersuchungen begann, scheint er sie dermassen als unbestritten vorausgesetzt zu haben, dass sie kaum jemals explizit auftauchen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn40\" name=\"_ednref40\">[xl]<\/a><\/p>\n<p>Die Tatsache aber, dass Gramsci diese Grunds\u00e4tze als gegeben nahm, ist keine Entschuldigung f\u00fcr die Behauptung der Neo-Gramscianer, er habe sie zur\u00fcckgewiesen. Der strategische Nachdruck auf der Einheitsfront und auf der Frage des Verh\u00e4ltnisses von Partei und Klasse war das vorherrschende Anliegen Gramscis in seinen Jahren als Mitglied der Kommunistischen Partei. Und sie waren dies w\u00e4hrend seiner Jahre im Gef\u00e4ngnis und hallen nach durch die ganzen <em>Gef\u00e4ngnishefte<\/em>.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/isj.org.uk\/hegemony-and-revolutionary-strategy\/\"><em>International Socialism April 2007&#8230;<\/em><\/a> \u00dcbertragung aus dem Englischen durch die Redaktion maulwuerfe. Die Referenzen verweisen auf englische Texte gem\u00e4ss dem Original.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Alfred Rosmer, <em>Lenin\u2019s Moscow<\/em> (London, 1971), p21.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Lenin, <em>Collected works<\/em> (Moscow, 1982), volume 31, p251. <a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/history\/international\/comintern\/2nd-congress\/ch07.htm\">Online abrufbar.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Antonio Gramsci, <em>Selections from Political Writings 1910-1920<\/em> (London, 1977), pp190\u2011195.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Alastair Davidson, <a href=\"http:\/\/socialistregister.com\/files\/SR_1974_Davidson.pdf\">Gramsci and Lenin 1917-1922<\/a>, in Socialist Register 1974, p125.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref5\" name=\"_edn5\">[v]<\/a> Antonio Gramsci, <em>Selections from Political Writings 1921-1926<\/em> (London, 1978), p268. <a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/archive\/gramsci\/spw2-contents.htm\">Die meisten dieser Schriften sind online verf\u00fcgbar (Englisch).<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref6\" name=\"_edn6\">[vi]<\/a> Gwyn Williams, <em>Proletarian Order<\/em> (London, 1975), p281.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref7\" name=\"_edn7\">[vii]<\/a> Alastair Davidsonsiehe oben, p138.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref8\" name=\"_edn8\">[viii]<\/a> Khristo Kabakchiev hielt zwei Reden, die erste war ein heftiger Angriff auf Serrati, die auf die Gewinnung einiger Freunde ausgerichtet war und eine Schlussrede, in der verk\u00fcndet wurde, dass alle, die nicht mit Bordiga und seinen Verb\u00fcndeten stimmen w\u00fcrden, aus der neuen Internationale ausgeschlossen w\u00fcrden. Rakosi wurde ab 1945 Generalsekret\u00e4rder Ungarischen Kommunistischen Partei und ab 1952 bis zur Ungarischen Revolution von 1956 ebenfalls Premierminister Ungarns. Er bezeichnete sich als \u00abStalins bester Sch\u00fcler\u00bb. Trotzki beschrieb den Bulgaren als leblosen Doktrin\u00e4r.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref9\" name=\"_edn9\">[ix]<\/a> John Cammett, <em>Antonio Gramsci and the Origins of Italian Communism<\/em> (Stanford, 1967), p153.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref10\" name=\"_edn10\">[x]<\/a> Antonio Gramsci, <em>Selections from political writings 1921-1926<\/em>, siehe oben, p381.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref11\" name=\"_edn11\">[xi]<\/a> Siehe oben, p56. <a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/archive\/gramsci\/1921\/07\/arditi_del_popolo.htm\">Online verf\u00fcgbar.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref12\" name=\"_edn12\">[xii]<\/a> Siehe oben, pp151-154.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref13\" name=\"_edn13\">[xiii]<\/a> Zitiert in Alberto Pozzolini, <em>Antonio Gramsci: an Introduction to his Thought<\/em> (London, 1970), p43.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref14\" name=\"_edn14\">[xiv]<\/a> Palmiro Togliatti, \u2018The Hegemony of the Working Class in the Anti-Fascist Struggle\u2019, in David Beetham (ed), <em>Marxists in the Face of Fascism<\/em> (Manchester, 1983), p133.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref15\" name=\"_edn15\">[xv]<\/a> Zitiert von Perry Anderson in \u2018The Antinomies of Antonio Gramsci\u2019, in <em>New Left Review 100<\/em>, November\u2011December 1976, p18.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref16\" name=\"_edn16\">[xvi]<\/a> Victor Serge, <em>Memoirs of a revolutionary<\/em> (Oxford, 1975), p186.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref17\" name=\"_edn17\">[xvii]<\/a> John Cammett, siehe oben, p138.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref18\" name=\"_edn18\">[xviii]<\/a> Antonio Gramsci, <em>Selections from Political Writings 1921-1926<\/em>, siehe oben, p139.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref19\" name=\"_edn19\">[xix]<\/a> Siehe oben, p198.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref20\" name=\"_edn20\">[xx]<\/a> Sie oben, p199.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref21\" name=\"_edn21\">[xxi]<\/a> John Cammett, siehe oben, p166.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref22\" name=\"_edn22\">[xxii]<\/a> Alberto Pozzolini, siehe oben, p42.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref23\" name=\"_edn23\">[xxiii]<\/a> Andrew Lyttelton, <em>The Seizure of Power: Fascism in Italy 1919-1929<\/em> (London, 1983), p241.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref24\" name=\"_edn24\">[xxiv]<\/a> Antonio Gramsci, <em>Selections from Political Writings 1921-1926<\/em>, siehe oben, p259. <a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/archive\/gramsci\/1924\/09\/italian_crisis.htm\">Online verf\u00fcgbar.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref25\" name=\"_edn25\">[xxv]<\/a> Stanislao Pugliese, Carlo Rosselli: Socialist Heretic and Anti\u2011Fascist Exile (Cambridge, MA, 1999), p41.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref26\" name=\"_edn26\">[xxvi]<\/a> Antonio Gramsci, <em>Selections from Political Writings 1921-1926<\/em>, siehe oben, p434.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref27\" name=\"_edn27\">[xxvii]<\/a> Siehe oben, p290. <a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/archive\/gramsci\/1925\/05\/intro_party_school.htm\">Online verf\u00fcgbar.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref28\" name=\"_edn28\">[xxviii]<\/a> John Cammett, as above, p169<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref29\" name=\"_edn29\">[xxix]<\/a> Antonio Gramsci, <em>Selections from Political Writings 1921-1926<\/em>, as above, p349. <a href=\"http:\/\/www.marxists.org\/archive\/gramsci\/1926\/01\/lyon_congress\/lyon_thesis.htm\">Online verf\u00fcgbar.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref30\" name=\"_edn30\">[xxx]<\/a> Siehe oben, p367.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref31\" name=\"_edn31\">[xxxi]<\/a> Siehe oben, p370.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref32\" name=\"_edn32\">[xxxii]<\/a> Siehe oben, p357.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref33\" name=\"_edn33\">[xxxiii]<\/a> Siehe oben, p432.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref34\" name=\"_edn34\">[xxxiv]<\/a> Leon Trotsky, letter, <a href=\"http:\/\/www.marxist.com\/History\/problems_italian_revolution.html\">\u2018Problems of the Italian Revolution\u2019<\/a>, 14 May 1930.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref35\" name=\"_edn35\">[xxxv]<\/a> Zitiert in Alberto Pozzolini, siehe oben, p75.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref36\" name=\"_edn36\">[xxxvi]<\/a>\u00a0 Die Partei trug bis 1944 den Namen <em>Partito Comunista d\u2019Italia (PCd\u2019I)<\/em> oder Kommunistische Partei von Italien. Dann wurde sie umbenannt in <em>Partito Comunista Italiano (PCI)<\/em> italienische kommunistische Partei (Deutsch offiziell: Kommunistische Partei Italiens (KPI))<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref37\" name=\"_edn37\">[xxxvii]<\/a> Martin Clark, <em>Antonio Gramsci and the Revolution that Failed<\/em> (London, 1978), p225.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref38\" name=\"_edn38\">[xxxviii]<\/a> In John Riddell (ed), <em>The Communist International in Lenin\u2019s Time: Proceedings and Documents of the Second Congress, 1920<\/em> , volume 2 (New York, 1992) pp434-438.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref39\" name=\"_edn39\">[xxxix]<\/a> Siehe oben, p459.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref40\" name=\"_edn40\">[xl]<\/a> Perry Anderson, siehe oben, p46.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Chris Bambery. 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