{"id":15900,"date":"2025-11-10T11:47:07","date_gmt":"2025-11-10T09:47:07","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15900"},"modified":"2025-11-10T11:47:56","modified_gmt":"2025-11-10T09:47:56","slug":"die-moskauer-prozesse-und-ihre-verteidiger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15900","title":{"rendered":"Die Moskauer Prozesse und ihre\u00a0Verteidiger"},"content":{"rendered":"<p><em>Nathaniel Flakin. <\/em>Wer verteidigt heute noch die Gro\u00dfen S\u00e4uberungen \u2013 und warum? Wir haben mit dem unabh\u00e4ngigen marxistischen Historiker Doug Greene sein neues Buch \u00fcber die Moskauer Prozesse besprochen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Die Moskauer Prozesse, die 1936 begannen, basierten auf au\u00dferordentlichen Behauptungen: Staatsanwalt Andrei Wyschinski beschuldigte viele hochrangige Bolschewiki, sich mit Nazi-Deutschland und dem imperialistischen Japan verschworen zu haben, um die Sowjetunion zu zerst\u00f6ren \u2013 genau den Arbeiter:innenstaat, an dessen Gr\u00fcndung die Angeklagten mitgewirkt hatten. W\u00e4hrend der Gro\u00dfen S\u00e4uberungen wurden etwa 700.000 Menschen hingerichtet. Kannst du uns einen kurzen \u00dcberblick geben?<\/strong><\/p>\n<p>Bevor wir zu den Moskauer Prozessen kommen, ist es wichtig, den Hintergrund der Gro\u00dfen S\u00e4uberungen zu verstehen. In den Jahren vor 1936 hatten Stalin und die B\u00fcrokratie ihre Macht gefestigt, indem sie verschiedene oppositionelle Str\u00f6mungen innerhalb der KPdSU besiegten. Selbst nachdem Stalin zum obersten F\u00fchrer der UdSSR geworden war, war seine Macht jedoch nicht unangefochten. Seine Politik der Industrialisierung und Zwangskollektivierung hatte zwar zu einigen echten Fortschritten gef\u00fchrt, aber auch zu gro\u00dfen Umw\u00e4lzungen und sozialer Unzufriedenheit in der UdSSR. Infolgedessen stellten Mitglieder der KPdSU Stalins Linie in Frage, einige forderten sogar seine Absetzung. Dar\u00fcber hinaus bedeutete der Aufstieg Hitlers und des Nationalsozialismus in Deutschland nach 1933, dass die Sowjetunion mit der sehr realen M\u00f6glichkeit eines Krieges in naher Zukunft konfrontiert war. All diese innen- und au\u00dfenpolitischen Entwicklungen legten den Grundstein f\u00fcr die Gro\u00dfen S\u00e4uberungen.<\/p>\n<p>Ausl\u00f6ser f\u00fcr die S\u00e4uberungen war die Ermordung des Leningrader Parteif\u00fchrers Sergei Kirow im Dezember 1934. W\u00e4hrend der Attent\u00e4ter schnell verhaftet wurde, glaubte Stalin, dass dieser in eine gro\u00df angelegte Verschw\u00f6rung ehemaliger Oppositioneller zum Sturz der Regierung verwickelt war. In den folgenden Jahren versuchten die sowjetischen Sicherheitskr\u00e4fte, all diese \u201eFeinde des Volkes\u201c auszurotten. Bis 1937 hatten die S\u00e4uberungen alle Bereiche der sowjetischen Gesellschaft, der Partei und des Staates heimgesucht, und es herrschte die Atmosph\u00e4re einer Hexenjagd. In ihrem Eifer f\u00fchrte die sowjetische Polizei Massenverhaftungen unschuldiger Menschen durch, und Folter wurde routinem\u00e4\u00dfig praktiziert.<\/p>\n<p>In drei Schauprozessen, die zwischen 1936 und 1938 in Moskau stattfanden, gestanden ehemalige Anf\u00fchrer der KPdSU wie Sinowjew, Kamenew und Bucharin fantastische Verbrechen, darunter die Zusammenarbeit mit Trotzki und faschistischen M\u00e4chten, um die Wirtschaft zu ruinieren, Spionage zu betreiben und Terrorakte zu ver\u00fcben, mit dem Ziel, Stalin zu st\u00fcrzen und den Kapitalismus in der UdSSR wiederherzustellen. Alle wurden f\u00fcr schuldig befunden und die meisten von ihnen kurzerhand erschossen. Trotzki selbst lebte im mexikanischen Exil, wurde jedoch im August 1940 von einem NKWD-Agenten ermordet.<\/p>\n<p>Am Ende der S\u00e4uberungen waren so gut wie alle Quellen der Opposition gegen Stalin, ob real oder imagin\u00e4r, in der Sowjetunion ausgetrocknet. Nun konnte die b\u00fcrokratische Kaste um Stalin ihre Macht konsolidieren. Die B\u00fcrokratie bekundete zwar ihre Loyalit\u00e4t gegen\u00fcber den Zielen und dem Programm des Kommunismus, tat dies jedoch, indem sie die Anf\u00fchrer:innen der Oktoberrevolution ermordete. In vielerlei Hinsicht trugen die S\u00e4uberungen dazu bei, das revolution\u00e4re Bewusstsein in der sowjetischen und internationalen Arbeiter:innenklasse zu ersticken. Auch wenn die Restauration des Kapitalismus erst Jahrzehnte sp\u00e4ter einsetzte, w\u00fcrde ich argumentieren, dass ihre Wurzeln auf die Konsolidierung des Stalinismus und die Gro\u00dfen S\u00e4uberungen zur\u00fcckzuf\u00fchren sind.<\/p>\n<p><strong>Damals wie heute wirken diese Anschuldigungen wenig glaubhaft. Aber viele Kommunist:innen unterdr\u00fcckten ihre Zweifel und sagten: Es muss viele konterrevolution\u00e4re Verschw\u00f6rungen gegeben haben, und Stalin hat h\u00f6chstens auf reale Bedrohungen \u00fcberreagiert. Was war die materielle Grundlage f\u00fcr die S\u00e4uberungen?<\/strong><\/p>\n<p>Wie du sagst, akzeptierten die Mitglieder der Kommunistischen Parteien weltweit weitgehend die Erz\u00e4hlung einer \u201etrotzkistisch-faschistischen\u201c Verschw\u00f6rung, die w\u00e4hrend der Moskauer Prozesse verbreitet wurde. Sie glaubten, dass Stalin die historische Notwendigkeit des Kommunismus verk\u00f6rperte. Dies in Frage zu stellen, h\u00e4tte m\u00f6glicherweise dazu gef\u00fchrt, die revolution\u00e4re Sache selbst anzuzweifeln. Wenn \u00fcberhaupt, wurden Zweifel unter den Parteimitgliedern nur privat ge\u00e4u\u00dfert. Erst nach 1956 und Chruschtschows Geheimrede begannen Parteimitglieder, das stalinistische Dogma in Frage zu stellen. In meinem Buch beschreibe ich ausf\u00fchrlich, wie verheerend diese Rede f\u00fcr langj\u00e4hrige Mitglieder war.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite sahen Antikommunist:innen in den S\u00e4uberungen den Beweis daf\u00fcr, dass Revolutionen wie der r\u00f6mische Gott Saturn sind, indem sie ihre eigenen Kinder verschlingen. In ihren Augen zeigten sie, dass eine proletarische Revolution zwangsl\u00e4ufig in Totalitarismus, Terror und Gulag enden m\u00fcsse. Ein echtes Verst\u00e4ndnis der S\u00e4uberungen bedeutet, diese beiden Narrative abzulehnen.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde argumentieren, dass den S\u00e4uberungen vier sich \u00fcberschneidende materielle Prozesse zugrunde lagen. Erstens wollten Stalin und die Regierung in Moskau eine zentralisierte Kontrolle \u00fcber die entferntere Peripherie aus\u00fcben. Entgegen der landl\u00e4ufigen Meinung \u00fcbte Stalin keine totale Kontrolle \u00fcber das Land aus, sondern sah sich einem gro\u00dfen passiven Widerstand seitens regionaler B\u00fcrokrat:innen gegen\u00fcber. Die Beseitigung dieser Schichten und ihre Ersetzung durch gef\u00fcgigeres Personal w\u00fcrde es Stalin erm\u00f6glichen, Richtlinien f\u00fcr das ganze Land leichter umzusetzen. Es sei darauf hingewiesen, dass diese Seite der S\u00e4uberungen weitgehend auf loyale Stalinist:innen abzielte. Wer mehr \u00fcber diesen Aspekt der S\u00e4uberungen erfahren m\u00f6chte, dem empfehle ich die Werke des verstorbenen Historikers J. Arch Getty.<\/p>\n<p>Das zweite Element der S\u00e4uberungen betraf die Ausrichtung der sowjetischen Au\u00dfenpolitik, \u00fcber die es nach 1933 einen bedeutenden Streit gab. Der ehemalige rechte Oppositionelle Nikolai Bucharin und der Marschall der Roten Armee Michail Tuchatschewski geh\u00f6rten zu denen, die eine kollektive Sicherheit mit Gro\u00dfbritannien und Frankreich wollten, um Deutschland in Schach zu halten. Auf der anderen Seite waren andere in der sowjetischen Regierung einer Einigung mit Nazi-Deutschland gegen\u00fcber aufgeschlossener. Die prominentesten Pers\u00f6nlichkeiten in diesem Lager waren Stalin und Molotow. Es ist wahrscheinlich, dass die Meinungsverschiedenheiten in der Au\u00dfenpolitik zur S\u00e4uberung von Bucharin und Teilen der Spitze der Roten Armee f\u00fchrten.<\/p>\n<p>Eine dritte Ursache f\u00fcr die S\u00e4uberungen waren die langj\u00e4hrigen K\u00e4mpfe zwischen Stalin und verschiedenen Oppositionsgruppen. In den 1930er Jahren hatte Stalin \u00fcber diese Gruppen triumphiert, aber das Wachstum der B\u00fcrokratie und ihrer Privilegien war eine Verh\u00f6hnung des Egalitarismus der Oktoberrevolution. Nun wollte Stalin seine Kontrolle festigen, indem er im Wesentlichen \u201eaufr\u00e4umte\u201c und die kommunistische Opposition gegen seine Herrschaft beseitigte. Dies geschah in Form einer von dem Historiker Wadim Rogowin als \u201epr\u00e4ventiven B\u00fcrgerkrieg\u201c bezeichneten Aktion Stalins, um die reale und potenzielle kommunistische Opposition zu diskreditieren und zu vernichten. Leo Trotzki war die bekannteste oppositionelle Pers\u00f6nlichkeit mit einem klaren Alternativprogramm zu Stalin. Deshalb war er die zentrale Figur, die w\u00e4hrend aller Prozesse erw\u00e4hnt und als Strippenzieher dargestellt wurde. F\u00fcr Stalin war es unerl\u00e4sslich, Trotzki als faschistischen Verbrecher zu zeichnen, um die von ihm verk\u00f6rperte Alternative zum Stalinismus zu diskreditieren.<\/p>\n<p>Das letzte Element der S\u00e4uberungen war eine gro\u00dfangelegte Jagd auf \u201eTrotzkist:innen\u201c mit Spionage, Hysterie und weit um sich greifender Denunziation. Bis 1937 uferte dies aus, da die S\u00e4uberungen alle Ebenen der Sowjetunion betrafen und zu gro\u00dfangelegten Razzien und Massenverhaftungen durch den NKWD f\u00fchrten. Stalin leitete dies nicht, und es diente keinem vern\u00fcnftigen Zweck. Es handelte sich also um einen Prozess, der v\u00f6llig au\u00dfer Kontrolle geraten war.<\/p>\n<p><strong>Verteidiger Stalins w\u00fcrden sagen: Wo gehobelt wird, da fallen Sp\u00e4ne \u2013 und diese Gewaltanwendung war notwendig, um die Revolution zu retten. Haben die Moskauer Prozesse tats\u00e4chlich zum Schutz der Sowjetunion beigetragen?<\/strong><\/p>\n<p>Laut den Neostalinisten, die ich in meinem Buch diskutiere \u2013 Domenico Losurdo, Ludo Martens, Grover Furr und Bill Bland \u2013 haben die S\u00e4uberungen die Sowjetunion gesch\u00fctzt, indem sie eine gef\u00e4hrliche pro-faschistische f\u00fcnfte Kolonne ausl\u00f6schten. Dies war auch die Linie, die von den Mitgliedern der Kommunistischen Parteien in den 1930er und 40er Jahren vertreten wurde.<\/p>\n<p>Einfach ausgedr\u00fcckt: Sie liegen v\u00f6llig falsch. 1937 erreichte die S\u00e4uberung die Rote Armee und dezimierte die h\u00f6chsten Kommandoebenen. Dies hatte verheerende Auswirkungen, als der Zweite Weltkrieg begann. Laut dem Historiker Moshe Lewin hatten die meisten Frontkommandeure wenig Erfahrung, als die Deutschen einmarschierten. Die S\u00e4uberungen in der Armee trugen zweifellos zu den hohen Verlusten und anf\u00e4nglichen Niederlagen bei, die die Rote Armee in den ersten Tagen des Krieges erlitt. Zwar gewann die UdSSR den Krieg, doch die S\u00e4uberungen im Milit\u00e4r waren eine selbstverschuldete Wunde Stalins, die dazu beitrug, dass der Sieg einen h\u00f6heren Preis hatte, als er n\u00f6tig gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Zu den Ges\u00e4uberten geh\u00f6rte Michail Tuchatschewski, der nicht nur ein \u00fcberzeugter Kommunist und Antifaschist war, sondern auch ein brillanter Milit\u00e4rstratege, der neue Strategien f\u00fcr den Kampf gegen die Deutschen entwickelte. Obwohl seine Theorien verurteilt wurden, wurden viele seiner strategischen Ideen sp\u00e4ter von der Roten Armee w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs \u00fcbernommen, wodurch sie die entscheidenden Schlachten von Stalingrad und Kursk gewinnen konnten. Ich w\u00fcrde mir ehrlich gesagt w\u00fcnschen, dass mir jemand erkl\u00e4rt, wie die S\u00e4uberung eines engagierten kommunistischen Milit\u00e4rf\u00fchrers der Sowjetunion geholfen habe.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4hrend f\u00fcr die meisten Menschen heute offensichtlich ist, dass die Moskauer Prozesse ein riesiges Komplott waren, hast du ein ganzes Buch geschrieben, in dem Sie sich mit den Werken von vier Stalin-Apologeten befassen. H\u00e4ltst du ihre Ideen heute f\u00fcr relevant?<\/strong><\/p>\n<p>Es stimmt, dass die meisten Menschen die Moskauer Prozesse (zu Recht) als Komplott betrachten. Warum also \u00fcber offensichtliche Apologeten der Moskauer Prozesse schreiben, wenn doch jeder die Wahrheit kennt?<\/p>\n<p>Trotz des Zusammenbruchs der UdSSR bleibt der Stalinismus in seinen verschiedenen Formen ein wichtiger Anziehungspunkt f\u00fcr die breitere Linke. Bei der Ablehnung der antikommunistischen Propaganda \u00fcber die Sowjetunion kommt es oft zu der voreiligen Schlussfolgerung, \u201eStalin hat nichts falsch gemacht\u201c. Es ist wichtig, diesen dogmatischen und irrationalen Ansichten \u00fcber Stalin entgegenzuwirken, indem man einen n\u00fcchternen und rationalen marxistischen Ansatz f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Radikalisierte Menschen, die nach Alternativen zu den Sackgassen der Sozialdemokratie und des Liberalismus suchen, finden den \u201eMarxismus-Leninismus\u201c sehr attraktiv. Wir sollten nicht vergessen, dass es f\u00fcnf L\u00e4nder gibt, die sich zu seinem Erbe bekennen, darunter China, Kuba und Vietnam. Ich m\u00f6chte hinzuf\u00fcgen, dass Kommunistische Parteien in vielen L\u00e4ndern wie Indien, Griechenland und anderen nach wie vor wichtige Kr\u00e4fte auf der Linken sind. In den USA hat die Kommunistische Partei in den letzten Jahren ein Wachstum erlebt, und ihr Verlag hat die \u201eGeschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki) \u2013 Kurzer Lehrgang\u201c neu aufgelegt. Dieser Text wurde urspr\u00fcnglich 1938 ver\u00f6ffentlicht und diente als sowjetische Bibel, die die Darstellung der Prozesse rechtfertigte. Der Neostalinismus bleibt also ein Konkurrent in der zeitgen\u00f6ssischen Politik, und es ist notwendig, seine Ideen zu bek\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><strong>Der seri\u00f6seste unter ihnen ist der italienische Philosoph Domenico Losurdo. Wie versucht er, die Prozesse zu rechtfertigen?<\/strong><\/p>\n<p>Bevor ich darauf antworte, m\u00f6chte ich nur sagen, dass Losurdo nicht einfach als Stalin-Apologet abgetan werden kann. Losurdos Schriften zu Themen wie Hegel, Nietzsche, Liberalismus und Bonapartismus sind bedeutende Werke, die ernsthafte Beachtung verdienen. Bei einer kritischen Bilanzierung von Losurdo oder anderen pro-sowjetischen Intellektuellen wie Georg Luk\u00e1cs, Albert Soboul, Eric Hobsbawm oder W. E. B. Du Bois m\u00fcssen wir bedenken, dass sie wichtige Beitr\u00e4ge geleistet haben, obwohl sie oft abwegige Dinge \u00fcber Stalin und die UdSSR glaubten.<\/p>\n<p>Losurdo ist unter den von mir behandelten Pers\u00f6nlichkeiten insofern einzigartig, als er sich nicht in erster Linie auf die Gest\u00e4ndnisse und Urteile der Moskauer Prozesse st\u00fctzt, um seine These zu untermauern, aber seine Schlussfolgerungen sind ziemlich \u00e4hnlich. Der Kern von Losurdos Argumentation basiert jedoch auf seinem Verst\u00e4ndnis des revolution\u00e4ren Prozesses im Allgemeinen. Er glaubt, dass alle Revolutionen, ob in Frankreich, Russland oder China, notwendigerweise von einer utopischen Phase zu einer konservativeren Phase \u00fcbergehen m\u00fcssen, wenn sie \u00fcberleben wollen. Laut Losurdo verk\u00f6rperte Trotzki die egalit\u00e4ren, utopischen und messianischen Hoffnungen von 1917. Um die Revolution zu bewahren, war es notwendig, die neue Ordnung durch eine \u201erealistischere\u201c Politik zu festigen. Genau das tat Stalin, indem er den Sozialismus in einem Land, die B\u00fcrokratie, materielle Anreize, Ungleichheit usw. f\u00f6rderte.<\/p>\n<p>Losurdo argumentiert, dass Trotzki diese historische Notwendigkeit nicht verstehen konnte und Stalin deshalb des Verrats an der Revolution bezichtigte. Dies wiederum f\u00fchrte zu einem \u201ebolschewistischen B\u00fcrgerkrieg\u201c zwischen Trotzki und Stalin, der in der bruderm\u00f6rderischen Gewalt der S\u00e4uberungen gipfelte. So tragisch und schrecklich die S\u00e4uberungen auch waren, behauptet Losurdo, dass Trotzkis Niederlage notwendig war, damit die Sowjetunion \u00fcberleben konnte. Dar\u00fcber hinaus glaubt er, dass Trotzkis Opposition gegen Stalin bedeutete, dass er sich objektiv \u2013 wenn nicht sogar subjektiv \u2013 mit Adolf Hitler und dem Faschismus verb\u00fcndete.<\/p>\n<p>Was Losurdos Verteidigung Stalins einzigartig macht, ist, dass er sich nicht auf die G\u00fcltigkeit der Gest\u00e4ndnisse in den Moskauer Prozessen st\u00fctzt. Vielmehr ist seine Argumentation eher offen politisch. Es spielt keine Rolle, ob die Gest\u00e4ndnisse absurd waren. F\u00fcr Losurdo z\u00e4hlt, dass Stalins Programm eine historische Notwendigkeit darstellte, Trotzkis Ideen hingegen nicht. Daher stellt er sich ungeachtet dessen auf die Seite Stalins. Interessanterweise \u00e4hnelt Losurdos Position der des franz\u00f6sischen Philosophen Maurice Merleau-Ponty, der dieselbe Idee in <em>Humanismus und Terror<\/em> (1947) zum Ausdruck brachte, der gelehrtesten philosophischen Verteidigung des Stalinismus, die je geschrieben wurde. Doch Losurdos Methode f\u00fchrt dazu, dass er nicht in der Lage ist, den konterrevolution\u00e4ren Charakter des Stalinismus zu erkennen. Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich hinzuf\u00fcgen, dass ich Losurdo im Einzelnen und den Stalinismus im Allgemeinen ausf\u00fchrlich in meinem Buch <a href=\"https:\/\/www.bloomsbury.com\/us\/stalinism-and-the-dialectics-of-saturn-9781666930894\/?__cf_chl_tk=FDEOcQQzyfkypq2GsYrPPPkn8eeVnCE.NiqTfxlOfhA-1761764426-1.0.1.1-SDqAg_lr_dq2mSpgoU6SmVpNjJD8.AZhMDCeYVDYSRw\"><em>Stalinism and the Dialectics of Saturn: Anticommunism, Marxism, and the Fate of the Soviet Union<\/em><\/a> (Stalinismus und die Dialektik des Saturn: Antikommunismus, Marxismus und das Schicksal der Sowjetunion) behandele.<\/p>\n<p><strong>Der albernste Verteidiger Stalins ist sicherlich Grover Furr. Du geh\u00f6rst wahrscheinlich zu den wenigen Menschen, die Furrs zahlreiche B\u00fccher voller Verschw\u00f6rungstheorien gelesen haben. Kannst du uns einen Einblick in seine \u00dcberzeugungen geben?<\/strong><\/p>\n<p>Furr ist wahrscheinlich der produktivste lebende Verteidiger Stalins. Wenn man seinen eigenen Angaben Glauben schenkt, begann er sich in den 1960er Jahren f\u00fcr Stalin und die sowjetische Geschichte zu interessieren. Seit den 1980er Jahren hat Furr eine kleine Bibliothek mit B\u00fcchern und Artikeln \u00fcber die sowjetische Geschichte w\u00e4hrend der Stalin-\u00c4ra geschrieben. Angesichts seiner Professur f\u00fcr mittelalterliche Literatur ist seine Verteidigung der stalinistischen Inquisition als Nebenhobby ziemlich ironisch. Obwohl ich pers\u00f6nlich glaube, dass Furr in seinen Ansichten absolut aufrichtig ist.<\/p>\n<p>Sein (ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigtes) Buch hei\u00dft <em>Khrushchev Lied: The Evidence that Every \u201eRevelation\u201c of Stalin\u2019s (And Beria\u2019s) \u201eCrimes\u201c in Nikita Khrushchev\u2019s Infamous \u201eSecret Speech\u201c to the 20th Party Congress of the Communist Party of the Soviet Union on February 25, 1956, is Probably False<\/em> (Chruschtschow hat gelogen: Der Beweis, dass jede \u201eEnth\u00fcllung\u201c der \u201eVerbrechen\u201c Stalins (und Berias) in Nikita Chruschtschows ber\u00fcchtigter \u201eGeheimrede\u201c vor dem 20. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion am 25. Februar 1956 wahrscheinlich falsch ist). Wie man dem \u00fcberlangen Titel entnehmen kann, ist er der Meinung, dass Chruschtschow von Anfang bis Ende gelogen und Stalin keine Verbrechen begangen hat. Um es ganz offen zu sagen: Er verteidigt die damalige offizielle sowjetische Darstellung zu Stalin und den Moskauer Prozessen.<\/p>\n<p>Um etwas genauer auf Furrs \u00dcberzeugungen einzugehen: Er st\u00fctzt sich in erster Linie auf die Gest\u00e4ndnisse aus den Moskauer Prozessen. Er behauptet, dass diese Gest\u00e4ndnisse wahrheitsgem\u00e4\u00df waren und dass es keine N\u00f6tigung durch die beteiligten sowjetischen Sicherheitskr\u00e4fte gab. In Bezug auf die Blutflecken auf Tuchatschewskis Gest\u00e4ndnis, behauptet er praktisch, dass sie von Nasenbluten und nicht von Schl\u00e4gen stammen. Dar\u00fcber hinaus glaubt er, dass das Fehlen physischer Beweise f\u00fcr eine \u201etrotzkistisch-faschistische\u201c Verschw\u00f6rung keine Rolle spielt. Schlie\u00dflich w\u00fcrden Verschw\u00f6rer:innen versuchen, keine schriftlichen Spuren zu hinterlassen. Nach Furrs Logik ist der beste Beweis f\u00fcr Trotzkis Verschw\u00f6rung, dass es \u00fcberhaupt keine Beweise gibt.<\/p>\n<p>Ein paar weitere Punkte zu Furr sind kurz erw\u00e4hnenswert. Er bedient sich jedes Ger\u00fcchts, jeder Halbwahrheit und jeder Klatschgeschichte, um die Verschw\u00f6rung zu beweisen. Au\u00dferdem neigt er dazu, diese Punkte zu \u00fcbertreiben, w\u00e4hrend er die weit verbreiteten Beweise ignoriert, die seinen Argumenten widersprechen, darunter auch solche aus den sowjetischen Archiven. Furr macht sich au\u00dferdem so ziemlich jedes logischen Fehlschlusses schuldig, den man sich vorstellen kann.<\/p>\n<p>Furr glaubt auch, dass Stalin ein heimlicher Demokrat war, dessen Pl\u00e4ne zur Demokratisierung der Sowjetunion durch den NKWD-Chef Nikolai Jeschow vereitelt wurden. Indem er Jeschow die Schuld gibt, kann Furr Stalin f\u00fcr die schweren Gewalttaten der S\u00e4uberungen entlasten. Tats\u00e4chlich glaubt er, dass sowohl NKWD-Chef Jagoda als auch Jeschow mit Trotzki unter einer Decke steckten. Obwohl zwei \u201eVolksfeinde\u201c w\u00e4hrend der Moskauer Prozesse an der Spitze des NKWD standen, glaubt Furr nicht, dass dies die Urteile in Frage stellt, die auf den sogenannten Beweisen dieser Polizeichefs basieren.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich noch eine Korrektur zu deinem einleitenden Punkt vornehmen. Ich glaube nicht, dass Furr tats\u00e4chlich der l\u00e4cherlichste Verteidiger Stalins ist. Eine andere Person, die ich behandle, ist Bill Bland, ein Anh\u00e4nger von Enver Hoxha. Bland verteidigt Stalin nicht nur, sondern erkl\u00e4rt ihn im Grunde genommen zu einem g\u00f6ttlichen Wesen. Blands Ausf\u00fchrungen kommen der Verwandlung des Stalinismus in eine Religion am n\u00e4chsten. Meines Wissens nach hat Furr das nicht getan. Allerdings m\u00fcsste ich diese Meinung vielleicht revidieren, wenn Furr ein neues Buch ver\u00f6ffentlicht, in dem er enth\u00fcllt, dass Stalin ein geheimer Papst oder Messias ist.<\/p>\n<p><strong>Stalinist:innen glauben, sie h\u00e4tten die gr\u00f6\u00dfte Verschw\u00f6rung der Weltgeschichte aufgedeckt: Hunderttausende Kommunist:innen, die mit einer Reihe imperialistischer M\u00e4chte, ihren Erzfeinden, zusammenarbeiten. Und selbst 80 Jahre sp\u00e4ter hat niemand auch nur einen einzigen Beweis daf\u00fcr gefunden. Das ist erstaunlich, wenn man bedenkt, dass die Archive von Nazi-Deutschland und dem imperialistischen Japan in die H\u00e4nde ihrer Feinde gefallen sind.<\/strong><\/p>\n<p>Du hast Recht, dass es nirgendwo Beweise f\u00fcr die \u201etrotzkistisch-faschistische\u201c Verschw\u00f6rung gibt. Niemand hat in den Archiven der UdSSR, Polens, Deutschlands oder Japans etwas gefunden. Auch wurden hochrangige Nazis in N\u00fcrnberg nicht wegen irgendetwas im Zusammenhang mit den Moskauer Prozessen angeklagt, obwohl die Sowjetunion dort Richter hatte.<\/p>\n<p>Obwohl es keinen Beweis f\u00fcr eine \u201etrotzkistisch-faschistische\u201c Verschw\u00f6rung gab, glaubten Kommunist:innen auf der ganzen Welt weiterhin daran. Wenn Stalin f\u00fcr Wahrheit und Fortschritt stand, dann stand Trotzki f\u00fcr L\u00fcge und Faschismus. Sie handelten danach, mit tragischen Folgen. In meinem Buch beschreibe ich ausf\u00fchrlich die Rhetorik, mit der militante Mitglieder der Kommunistischen Partei in Frankreich, Jugoslawien, Kanada und den USA Trotzki als Handlanger des Faschismus verurteilten. Ich zeige auch, wie dies zu Blutvergie\u00dfen im Spanischen B\u00fcrgerkrieg, zur Ermordung Trotzkis und zu antisemitischen Schauprozessen in der Tschechoslowakei f\u00fchrte. Wir k\u00f6nnen sehen, welche Gefahren entstehen, wenn Menschen \u2013 selbst vermeintliche Marxist:innen \u2013 die objektive Wahrheit ignorieren und sich entschlie\u00dfen, auf der Grundlage einer Verschw\u00f6rungstheorie zu handeln.<\/p>\n<p><strong>In den letzten Jahren hat der Neostalinismus einen gewissen Zulauf erfahren. Wie erkl\u00e4rst du dir das? War das der Grund, warum du dieses Buch geschrieben hast?<\/strong><\/p>\n<p>Jede:r, die:der schon einmal online war, wei\u00df, dass seltsame Menschen und noch seltsamere Ideen dazu neigen, sich gegenseitig zu finden. Man sieht das an der bizarrsten Version des Online-Neostalinismus, n\u00e4mlich dem \u201eMAGA-Kommunismus\u201c und der sogenannten American Communist Party. Allerdings w\u00fcrde ich argumentieren, dass die ACP eine Degeneration des Stalinismus hin zu offen faschistischen Positionen ist.<\/p>\n<p>Sicherlich war das Fortbestehen und Wachstum marxistisch-leninistischer Parteien eine Motivation f\u00fcr mich. Doch meine eigentliche Motivation, dieses Buch zu schreiben, war der Wunsch, die Apologetik von Furr und anderen zu bek\u00e4mpfen. Die meisten Menschen werden Furr und andere ignorieren, so wie wir es mit Holocaustleugnern wie David Irving tun. Dennoch ist es notwendig, dass jemand die schmutzige Arbeit \u00fcbernimmt, ihre L\u00fcgen aufzudecken. Niemand hat sich systematisch mit Furr befasst, und das war eine notwendige Aufgabe. Ich gebe zu, dass der schwierigste Teil dieses Projekts darin bestand, Furrs gesamtes Werk zu lesen.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gibt es meiner Meinung nach einen umfassenderen Grund, neostalinistische Ideen als Teil eines allgemeinen Kampfes gegen Irrationalismus herauszufordern. In den letzten Jahren hat es insbesondere in den USA einen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Anstieg von Verschw\u00f6rungstheorien und \u201ealternativen Fakten\u201c gegeben. Wir haben ein Wiederaufleben des Neonazismus und der Alt-Right-Gruppen erlebt, die alle verschiedene antisemitische Verschw\u00f6rungstheorien verbreitet haben. F\u00fcr viele Menschen sind Verschw\u00f6rungstheorien die Grundlage ihres Weltverst\u00e4ndnisses. Die Methodik des Verschw\u00f6rungsdenkens erlaubt es uns jedoch nicht, die Realit\u00e4t tats\u00e4chlich zu erkennen, da sie dem religi\u00f6sen Fundamentalismus \u00e4hnelt.<\/p>\n<p>Der neostalinistische Verschw\u00f6rungsglaube ist eine \u00e4hnliche Art von Verschw\u00f6rungsglauben in der Linken. Und ich glaube, dass wir uns als Marxist:innen in Vernunft und Wissenschaft schulen sollten \u2013 schlie\u00dflich sind wir die wahren Erben der radikalen Aufkl\u00e4rung. Daher ist die Aufdeckung des Verschw\u00f6rungsdenkens von Losurdo, Martens, Bland und Furr eine n\u00fctzliche \u00dcbung zur F\u00f6rderung des kritischen Denkens, der materialistischen Dialektik und der historischen Analyse. Verschw\u00f6rungstheorien sind immer und \u00fcberall Hindernisse f\u00fcr Vernunft und Fortschritt. Wenn wir die Welt wirklich verstehen wollen, d\u00fcrfen wir uns nicht auf verschw\u00f6rungstheoretischen Unsinn st\u00fctzen. Vielmehr k\u00f6nnen Vernunft und historische Wahrheit uns helfen, die Welt im umfassenderen Kampf f\u00fcr den Kommunismus wirklich zu verstehen und zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p><em>Douglas Greene: In Stalin\u2019s Shadow. Leon Trotsky and the Legacy of the Moscow Trials, Resistance Books, London 2025, 272 Seiten, 18 Pfund.<\/em><\/p>\n<p><em>#Titelbild: Einst Weggef\u00e4hrte, sp\u00e4ter Opfer Stalins: Grigori Sinowjew nach der Verhaftung. Foto: Public Domain, commons.wikimedia.org<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/nasenbluten-auf-dem-gestaendnis-die-moskauer-prozesse-und-ihre-verteidiger\/\"><em>klassegegenklasse.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 10. 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