{"id":15951,"date":"2025-11-27T13:32:53","date_gmt":"2025-11-27T11:32:53","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15951"},"modified":"2025-11-27T13:32:54","modified_gmt":"2025-11-27T11:32:54","slug":"die-japanischen-rechten-und-rechtsradikalen-hetzen-gegen-china","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15951","title":{"rendered":"Die japanischen Rechten und Rechtsradikalen hetzen gegen China"},"content":{"rendered":"<p><em>Robert Fitzthum. <\/em><strong>Die neue japanische Premierministerin Takaichi schl\u00e4gt hohe Wellen. Sie sagte Anfang November den Mitgliedern der Diet, dem japanischen Parlament, dass ein milit\u00e4rischer Konflikt um Taiwan als Bedrohung f\u00fcr die Existenz Japans angesehen werden k\u00f6nnte, was\u00a0 \u201ekollektive Selbstverteidigung\u201c erm\u00f6glichen w\u00fcrde. Damit k\u00f6nnte sich Tokio an der Seite von US-Streitkr\u00e4ften an milit\u00e4rischen Aktionen gegen China beteiligen.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Da Japan sich seit 1972 dazu bekannt hat, Taiwan als Teil Chinas zu sehen, bedeutet Takaichis Aussage eine bewusste Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas. So hei\u00dft es im \u201eJoint Communique of the Government of Japan and the Government of the People\u2019s Republic of China\u201c&nbsp;(1972):<\/p>\n<p><em>\u201eDie Regierung der Volksrepublik China bekr\u00e4ftigt, dass Taiwan ein unver\u00e4u\u00dferlicher Teil des Territoriums der VR China ist. Die japanische Regierung versteht und respektiert diese Position der chinesischen Regierung voll und ganz und bekr\u00e4ftigt ihre Verpflichtung, die in Artikel 8 der Potsdamer Erkl\u00e4rung dargelegte Position zu respektieren.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Es ist aber auch eine Missachtung der Kairoer Erkl\u00e4rung und der Potsdamer Proklamation der Alliierten des Zweiten Weltkriegs sowie anderer internationaler Rechtsdokumente, die sich aus dem Zweiten Weltkrieg ergeben, und bedeutet eine Revision der Ergebnisse.<\/p>\n<p><strong>Der Hintergrund auf chinesischer Seite<\/strong><\/p>\n<p>Die Aussage Takaichis im Namen der japanischen Regierung ist nicht die Aussage eines beliebigen Staates, es ist kein einfacher diplomatischer Konflikt. Japan ist eine der ehemaligen Kolonialm\u00e4chte Chinas, die sich als ersten Schritt im ungleichen Vertrag von Shimonoseki Teile Nordostchinas (Mandschurei)&nbsp; und auch Taiwan unter den Nagel gerissen hatte und 50 Jahre, bis zur Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg 1945, Taiwan kontrollierte. W\u00e4hrend dieser Zeit versuchte Japan, die Insel zu \u201ejapanisieren\u201c. Es f\u00fchrte eine Reihe von Ma\u00dfnahmen zur politischen Kontrolle und Unterdr\u00fcckung durch, bek\u00e4mpfte in milit\u00e4rischen Aktionen lokale chinesische und indigene Widerstandsbewegungen, verfolgte und ermordete Widerstandsk\u00e4mpfer und patriotische Intellektuelle. Nach offiziellen Angaben sollen 600.000 Menschen ums Leben gekommen sein. Japan zwang den Menschen eine Modernisierung der Gesellschaft auf, f\u00fchrte das japanische Bildungssystem ein, zwang die Menschen, japanische Sprache und Kultur zu verwenden, und verfolgte und unterdr\u00fcckte die lokale Kultur und Tradition. Lokale Ressourcen und Arbeitskr\u00e4fte wurden brutal ausgebeutet.<\/p>\n<p>Ab 1931 erweiterte Japan die blutige Besetzung Festlandchinas, mehr als 35 Millionen chinesischer Soldaten und Zivilisten wurden get\u00f6tet oder verwundet.<\/p>\n<p>Vor diesem Hintergrund muss man die harsche Antwort der chinesischen Regierung verstehen, die heute \u2013 im Gegensatz zur Vergangenheit \u2013 eine Einmischung Japans in die inneren Angelegenheiten Chinas nicht mehr hinnehmen muss, sondern sich dagegen zur Wehr setzen kann. Die Wiedervereinigung Taiwans mit Festlandchina ist ein Herzst\u00fcck chinesischer Intentionen der endg\u00fcltigen \u00dcberwindung der Kolonialzeit und wird auch von der Bev\u00f6lkerung breit unterst\u00fctzt. Takaichis Aussagen bedeuten eine Ermutigung der separatistischen Kr\u00e4fte in Taiwan, die \u00fcbrigens im Parlament keine Mehrheit haben und deren sogenannter Pr\u00e4sident Lai Ching-te mit weniger als 50 Prozent der Stimmen der Bev\u00f6lkerung gew\u00e4hlt wurde. Dazu kommt noch, dass Takaichi zur Zeit der APEC-Tagung auf <em>X<\/em> getwittert hat, dass sie den Seniorberater von Taiwans \u201eOffice of the President\u201c getroffen hat \u2013 also die Anerkennung eines Pr\u00e4sidenten von Taiwan, was der Vereinbarung, dass Taiwan ein Teil Chinas ist, widerspricht. Hier gibt es offensichtlich absichtliche Provokationen, ohne die Folgen zu \u00fcberlegen.<\/p>\n<p>Beijing forderte Tokyo auf, Takaichis Aussagen zur\u00fcckzunehmen, und sprach eine Reisewarnung f\u00fcr Reisen chinesischer Touristen nach Japan aus. Darauf stornierten Chinesen und Chinesinnen schon mehr als 500.000 Japanreisen, die japanischen Aktien der Reiseveranstalter fielen erheblich. Diese Entwicklung kann die japanische Tourismusindustrie&nbsp;2026 nach Sch\u00e4tzungen einen Einnahmenausfall von ca. zehn Milliarden US-Dollar kosten. China ist gr\u00f6\u00dfter Exportmarkt Japans, ein Schl\u00fcsselmarkt f\u00fcr japanische Exporte im Bereich Maschinen, Halbleiter, Automobile und chemische Produkte. Japan ist von China betreffend der Lieferung Seltener Erden abh\u00e4ngig, eine absolute Notwendigkeit f\u00fcr die Auto- und Hochtechnologieindustrie in Japan. Die Aussage Takaichis kann zu schweren Sch\u00e4den f\u00fcr Japans Wirtschaft f\u00fchren, wenn sie sie nicht zur\u00fcckzieht, was derzeit nicht so aussieht. Der japanische Au\u00dfenminister Motegi formulierte, dass die Bemerkung nicht gegen das V\u00f6lkerrecht versto\u00dfe und es keine Notwendigkeit gibt, sie zur\u00fcckzuziehen.<\/p>\n<p><strong>Der Hintergrund auf japanischer Seite<\/strong><\/p>\n<p>Was ist der Hintergrund auf japanischer Seite, der Takaichi veranlasst, im Namen der japanischen Regierung als erste Premierministerin solche Aussagen zu machen?<\/p>\n<p>In den letzten Jahren hat Japan seine Sicherheitspolitik drastisch ver\u00e4ndert, erh\u00f6hte sein Verteidigungsbudget deutlich, lockerte Beschr\u00e4nkungen f\u00fcr Waffenexporte und versuchte, offensive Waffen zu entwickeln sowie den Weg zu einer Militarisierung zu beschleunigen. Takaichis Regierung ist nicht eindeutig in ihrer Haltung zu Japans \u201eDrei Nicht-Atom-Prinzipien\u201c, wonach das Land weder Atomwaffen besitzt noch stationiert oder einf\u00fchrt. Sie schlug sogar die M\u00f6glichkeit vor, sie aufzugeben.<\/p>\n<p>Durch die neue Koalition mit der rechten \u201eIshin Nippon\u201c-Partei hat die Liberal-Demokratische Partei LDP unter Takaichi die M\u00f6glichkeit, aktiv eine \u00c4nderung des Friedensartikels 9 der japanischen Verfassung voranzutreiben, der Japan den Besitz von offensivem Kriegspotenzial verbietet. Wenn es gelingt, im Parlament die Zweidrittelmehrheit daf\u00fcr zu bekommen, steht der japanischen Aufr\u00fcstung und einer aktiven Kriegspolitik nichts mehr im Wege \u2013 eine m\u00f6gliche Bedrohung f\u00fcr Ost- und S\u00fcdostasien.<\/p>\n<p>Indem China als Gefahr und ein Eingreifen Chinas in Taiwan als Bedrohung f\u00fcr Japan dargestellt werden, versuchen die rechten und rechtsextremen Kr\u00e4fte, die Stimmung im Land f\u00fcr Militarisierung und eine \u00c4nderung der Verfassung zu drehen. Sie verwenden das Taiwan-Thema, um die alte Macht Japans wiederherzustellen.<\/p>\n<p>Takaichis politischer Aufstieg erfolgte im Umfeld des Revisionismus der Ergebnisse des Zweiten Weltkriegs und der Besch\u00f6nigung der Verbrechen des japanischen Faschismus. Sie besuchte auch immer wieder den ber\u00fcchtigten Yasukuni-Schrein, auf dem unter anderem 1.000 japanischen Kriegsverbrechern gedacht wird, darunter zw\u00f6lf der Kategorie A, also die \u00e4rgsten Kriegsverbrecher und Kriegstreiber. Sie wurde als rechte Vergangenheitsleugnerin schon 1995 bekannt, als sie die offizielle Entschuldigung des japanischen Premierministers Murayama f\u00fcr die Angriffskriege und die Kolonialherrschaft kritisierte. Von der Infragestellung der Murayama-Erkl\u00e4rung, die als H\u00f6hepunkt der Entschuldigung Japans f\u00fcr sein Fehlverhalten vor und w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs gilt, \u00fcber die Leugnung des Massakers von Nanjing 1937 und die Leugnung der vielen von der japanischen Armee zwangsrekrutierten Prostituierten in China und Korea bis hin zur Verherrlichung militaristischer Symbole hat sie sich mit Fraktionen verb\u00fcndet, die sich weigern, mit Japans fr\u00fcherer Aggression abzurechnen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend in Deutschland und \u00d6sterreich die Zeit des Faschismus und der Kriegspolitik aufgearbeitet wurde und ein Einvernehmen \u00fcber die Ablehnung der faschistischen Vergangenheit besteht, ist das in Japan keineswegs der Fall.<\/p>\n<p><strong>Was kann man erwarten?<\/strong><\/p>\n<p>Es ist nicht zu erwarten, dass China von seiner Forderung, Takaichi solle ihre Aussagen zur\u00fccknehmen, abr\u00fcckt. Im Gegenteil wird es weitere Ma\u00dfnahmen zur Verringerung der chinesisch-japanischen Kooperation geben. In Japan gibt es auch viel Widerstand gegen die Politik der jetzigen Regierung, hier vor allem in Okinawa, das aufgrund der vielen US-Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte bef\u00fcrchtet, wieder in einen Krieg hineingezogen zu werden. Ich denke, Takaichi wird sich nicht entschuldigen. Aber es wurde schon so manche au\u00dfenpolitische Krise in Japan durch Abl\u00f6sung des Premierministers gel\u00f6st \u2026<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Japanische Soldaten in der Mandschurei, 1933. Japan hatte sich den Nordosten Chinas wegen der vermuteten grossen Rohstoffvorkommen in einem mit \u00e4usserst brutalen Krieg 1931an sich gerissen.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=142625\"><em>nachdenkseiten.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 27. November 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Robert Fitzthum. 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