{"id":15984,"date":"2025-12-11T19:03:43","date_gmt":"2025-12-11T17:03:43","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15984"},"modified":"2025-12-11T19:03:43","modified_gmt":"2025-12-11T17:03:43","slug":"trumps-nationale-sicherheitsstrategie-vertieft-spaltung-der-nato","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=15984","title":{"rendered":"Trumps Nationale Sicherheitsstrategie vertieft Spaltung der NATO"},"content":{"rendered":"<p><em>Peter Schwarz. <\/em><strong>Die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA zeigt, dass das transatlantische B\u00fcndnis nicht nur oberfl\u00e4chliche Schrammen hat, sondern tief gespalten ist. Was Pr\u00e4sident Donald Trump bisher in einzelnen X-Botschaften und Vizepr\u00e4sident JD Vance in einer Rede auf der M\u00fcnchener Sicherheitskonferenz verk\u00fcndet haben, ist nun offizielle US-Au\u00dfenpolitik.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Das Strategiedokument, das in der Regel w\u00e4hrend jeder Pr\u00e4sidentschaft einmal \u00fcberarbeitet wird, \u00fcbersetzt Trumps Slogan \u201eMake America Great Again\u201c in die Sprache der Au\u00dfenpolitik. Seit Pr\u00e4sident Woodrow Wilson am Ende des Ersten Weltkriegs seine \u201e14 Punkte\u201c ver\u00f6ffentlichte, hatten die USA ihr Streben nach Weltherrschaft stets mit Phrasen \u00fcber \u201eFreiheit\u201c, \u201eDemokratie\u201c und \u201eRechtsstaatlichkeit\u201c verschleiert. Selbst in Trumps erster Nationaler Sicherheitsstrategie von 2017 war dies noch der Fall. Das gilt nun nicht mehr.<\/p>\n<p>Die neue Strategie spricht ihre raubgierigen Ziele offen aus. \u201eDer Zweck der Au\u00dfenpolitik ist der Schutz der zentralen nationalen Interessen; dies ist der einzige Schwerpunkt dieser Strategie,\u201d hei\u00dft es in dem Dokument. Die Strategie soll sicherstellen, \u201edass Amerika auch in den kommenden Jahrzehnten das st\u00e4rkste, reichste, m\u00e4chtigste und erfolgreichste Land der Welt bleiben wird\u201d.<\/p>\n<p>Zu diesem Zweck wollen die USA \u201edie m\u00e4chtigsten, t\u00f6dlichsten und technologisch fortschrittlichsten Streitkr\u00e4fte der Welt rekrutieren, ausbilden, ausr\u00fcsten und einsetzen\u201c, \u201edie weltweit robusteste, glaubw\u00fcrdigste und modernste nukleare Abschreckung\u201c aufbauen und \u201edie st\u00e4rkste, dynamischste, innovativste und fortschrittlichste Wirtschaft der Welt\u201c besitzen.<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche Beziehungen zu allen anderen L\u00e4ndern werden diesen Zielen untergeordnet.<\/p>\n<p>Lateinamerika soll durch einen \u201eTrump-Zusatz\u201c zur Monroe Doktrin von 1823 wieder zum Hinterhof der USA werden:<\/p>\n<p><em>Nach Jahren der Vernachl\u00e4ssigung werden die Vereinigten Staaten die Monroe-Doktrin wieder geltend machen und durchsetzen, um die Vorrangstellung Amerikas in der westlichen Hemisph\u00e4re wiederherzustellen und unser Heimatland sowie unseren Zugang zu wichtigen geografischen Gebieten in der gesamten Region zu sch\u00fctzen. Wir werden Wettbewerbern au\u00dferhalb der Hemisph\u00e4re die M\u00f6glichkeit verweigern, Streitkr\u00e4fte oder andere bedrohliche Kapazit\u00e4ten in unserer Hemisph\u00e4re zu stationieren oder strategisch wichtige Verm\u00f6genswerte zu besitzen oder zu kontrollieren.<\/em><\/p>\n<p>Der Indo-Pazifik \u201eist bereits heute und wird auch weiterhin zu den wichtigsten wirtschaftlichen und geopolitischen Schaupl\u00e4tzen des n\u00e4chsten Jahrhunderts geh\u00f6ren.\u201c<\/p>\n<p>Am abruptesten ist der Kurswechsel gegen\u00fcber Europa. Die USA wollen sich in die inneren Angelegenheiten ihrer NATO-Partner einmischen, die Europ\u00e4ische Union sprengen, faschistische Parteien st\u00e4rken und einer rassistischen Remigrationspolitik zum Durchbruch verhelfen. Sonst sei es \u201emehr als plausibel, dass sp\u00e4testens innerhalb weniger Jahrzehnte bestimmte NATO-Mitglieder mehrheitlich nicht-europ\u00e4isch sein werden,\u201c hei\u00dft es in ungeschminkt rassistischer Sprache.<\/p>\n<p>Russland wird nicht mehr als Gegner bezeichnet, stattdessen soll Europa \u201egeholfen\u201c werden, \u201estrategische Stabilit\u00e4t mit Russland\u201c zu erreichen. \u201eDie Trump-Regierung steht im Widerspruch zu europ\u00e4ischen Politikern, die unrealistische Erwartungen an den Krieg haben,\u201c wird angemerkt.<\/p>\n<p>Der \u00f6konomische Niedergang Europas werde \u201edurch die reale und noch d\u00fcsterere Aussicht auf die Ausl\u00f6schung der Zivilisation\u201c \u00fcbertroffen, hei\u00dft es in dem Dokument. Es wirft der Europ\u00e4ischen Union vor, politische Freiheit und Souver\u00e4nit\u00e4t zu untergraben. Die europ\u00e4ische Migrationspolitik spalte den Kontinent und stifte Unfrieden, die Redefreiheit werde zensiert und politische Opposition unterdr\u00fcckt, nationale Identit\u00e4t und Selbstvertrauen gingen verloren. \u201eSollten sich die aktuellen Trends fortsetzen, wird der Kontinent in 20 Jahren oder weniger nicht mehr wiederzuerkennen sein.\u201c<\/p>\n<p>Das Strategiedokument verspricht, \u201eWiderstand gegen den aktuellen Kurs Europas innerhalb der europ\u00e4ischen Nationen zu f\u00f6rdern\u201c, und bezeichnet \u201eden wachsenden Einfluss patriotischer europ\u00e4ischer Parteien\u201c als \u201eGrund f\u00fcr gro\u00dfen Optimismus\u201c. Gemeint sind rechtsextreme und faschistische Parteien wie die deutsche AfD, die spanische Vox und die italienischen Fratelli d\u2019Italia.<\/p>\n<p>Man wolle Europa bef\u00e4higen, \u201eauf eigenen Beinen zu stehen und als Gruppe gleichgesinnter souver\u00e4ner Nationen zu agieren\u201c, hei\u00dft es weiter. \u201eEuropa der Souver\u00e4nen Nationen\u201c ist der Name der rechtextremen Fraktion im EU-Parlament, der die AfD angeh\u00f6rt. Weiter sollen \u201edie gesunden Nationen Mittel-, Ost- und S\u00fcdeuropas durch Handelsbeziehungen, Waffenverk\u00e4ufe, politische Zusammenarbeit sowie kulturellen und bildungspolitischen Austausch\u201c von den USA gest\u00e4rkt werden. Gemeint sind hier Staaten wie Ungarn mit extrem rechten Regierungen.<\/p>\n<p>Die Ausdehnung der NATO soll beendet, europ\u00e4ische M\u00e4rkte sollen f\u00fcr US-G\u00fcter und -Dienstleistungen ge\u00f6ffnet sowie die faire Behandlung von US-Arbeitern und -Unternehmen sichergestellt werden.<\/p>\n<p>In der europ\u00e4ischen Presse hat das Strategiedokument einen Sturm der Entr\u00fcstung ausgel\u00f6st. Die franz\u00f6sische Zeitung <em>Le Monde<\/em> schreibt:<\/p>\n<p><em>Die Trennung ist endg\u00fcltig, die Aufteilung der Verm\u00f6genswerte steht noch aus. So erscheint die Ver\u00f6ffentlichung der nationalen Sicherheitsstrategie durch das Wei\u00dfe Haus am Freitag, dem 5. Dezember, aus transatlantischer Perspektive. \u2026 [Sie] markiert einen historischen Bruch. Nie zuvor hat ein offizielles Dokument dieser Art eine solche Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber den Gegnern Amerikas und eine solche Missachtung seiner traditionellen Verb\u00fcndeten, insbesondere in Europa, an den Tag gelegt.<\/em><\/p>\n<p>Die deutsche Wochenzeitung <em>Die Zeit<\/em> bezeichnet das Dokument als \u201eAnti-Europa-Doktrin\u201c und als \u201ebrutalen Weckruf f\u00fcr alle Transatlantiker, die an der Idee eines wertegebundenen Westens festhalten wollten\u201c, die <em>Frankfurter Allgemeine<\/em> als \u201ePapier, in dem die USA mit Europa abrechnen\u201c.<\/p>\n<p>Vertreter der europ\u00e4ischen Regierungen und der Europ\u00e4ischen Union reagierten zur\u00fcckhaltender, weil sie Trump angesichts der angespannten Ukraineverhandlungen nicht zus\u00e4tzlich reizen wollen. Sie \u00fcberlie\u00dfen die Antwort Politikern aus der zweiten Reihe, die keine direkte Regierungsverantwortung tragen, wie dem stellvertretenden Vorsitzenden der Unionsfraktion im Bundestag, Norbert R\u00f6ttgen.<\/p>\n<p>Dieser bezeichnete das US-Strategiedokument als \u201ezweite Zeitenwende f\u00fcr Europa\u201c. Es handle sich um eine grundlegend neue geopolitische Positionierung der Vereinigten Staaten im Verh\u00e4ltnis zu Europa, China und Russland. R\u00f6ttgen kritisierte auch die gezielte Kooperation mit den rechtsextremen Parteien.<\/p>\n<p>Der CDU-Politiker, der in der Vergangenheit jedes Kriegsverbrechen der USA gerechtfertigt hat und bedingungslos hinter dem Gaza-Genozid steht, warf Washington vor, die \u201eumfassende Dominanz in der westlichen Hemisph\u00e4re\u201c anzustreben. Er dr\u00e4ngte darauf, die eingefrorenen russischen Staatsgelder zu nutzen, um die Ukraine im Krieg gegen Russland auch gegen den Willen der USA zu unterst\u00fctzen. \u201eWenn das nicht gelingt, werden die Folgen verheerend sein,\u201c so R\u00f6ttgen.<\/p>\n<p>Die europ\u00e4ischen M\u00e4chte haben auf den wachsenden Konflikt mit den USA keine andere Antwort als Krieg und Klassenkrieg. Die USA hatten dem diskreditierten westeurop\u00e4ischen Kapitalismus nach dem Zweiten Weltkrieg das \u00dcberleben erm\u00f6glicht und der Kalte Krieg gegen die Sowjetunion hatte die imperialistischen M\u00e4chte zusammengeschwei\u00dft. Das bildete die Grundlage f\u00fcr den wirtschaftlichen Aufschwung und die sozialen Kompromisse der Nachkriegszeit.<\/p>\n<p>Doch nun sprengen, wie wir bereits in einem fr\u00fcheren <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/12\/03\/ukra-d03.html\">Artikel<\/a> schrieben, \u201edie globale Krise des Kapitalismus und der damit einhergehende erbitterte Kampf um Rohstoffe, M\u00e4rkte und Profite das B\u00fcndnis zwischen den beiden gr\u00f6\u00dften imperialistischen Machtbl\u00f6cken, die zusammen f\u00fcr 45 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung aufkommen.\u201c Trump ist nicht die Ursache, sondern lediglich der subjektive Ausdruck dieser Entwicklung.<\/p>\n<p>Deutschland und die anderen europ\u00e4ischen M\u00e4chte bem\u00fchen sich seit Jahren, sich von der US-Vorherrschaft zu befreien und wieder eine eigenst\u00e4ndige Gro\u00dfmachtrolle zu spielen. Nun beschleunigen sie diese Bem\u00fchungen, stecken hundert Milliarden in die Aufr\u00fcstung, setzen den Krieg gegen Russland fort und kompensieren die gewaltigen Kosten durch Sozialabbau und Massenentlassungen. Sie bauen, wie Trump, einen Polizeistaat auf und haben die brutale Migrationspolitik der Rechtsextremen l\u00e4ngst \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Die Arbeiterklasse darf in dem eskalierenden transatlantischen Konflikt weder die eine noch die andere Seite unterst\u00fctzen. Sie muss sich international zusammenschlie\u00dfen und auf beiden Seiten des Atlantiks f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus und den Aufbau einer sozialistischen Gesellschaft k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2025\/12\/08\/euus-d08.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 11. Dezember 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schwarz. 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