{"id":16008,"date":"2025-12-22T11:32:44","date_gmt":"2025-12-22T09:32:44","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16008"},"modified":"2025-12-22T11:32:46","modified_gmt":"2025-12-22T09:32:46","slug":"blick-aus-dem-globalen-sueden-kerala-hat-die-extreme-armut-abgeschafft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16008","title":{"rendered":"Blick aus dem Globalen S\u00fcden: Kerala hat die extreme Armut abgeschafft"},"content":{"rendered":"<p><em>Vijay Prashad<\/em>. <strong>Kerala ist es in den letzten Jahren als einzigem indischen Bundesstaat gelungen, die extreme Armut zu beseitigen. Wie wurde das erreicht? Unter anderem durch eine klare \u00f6ffentliche Politik, dezentrale Planung und eine umfassende Genossenschaftsbewegung.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Liebe Freunde,<\/p>\n<p>herzliche Gr\u00fc\u00dfe vom Schreibtisch des <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/\">Tricontinental: Institute for Social Research<\/a>.<\/p>\n<p>Am 1. November 2025 wurde der s\u00fcdwestindische Bundesstaat Kerala \u2013 in dem 34 Millionen Menschen leben \u2013 von Regierungschef (Chief Minister) Pinarayi Vijayan <a href=\"https:\/\/www.thehindu.com\/news\/national\/kerala\/kerala-declared-free-from-extreme-poverty-first-indian-state-to-do-so\/article70228620.ece\">f\u00fcr frei von extremer Armut erkl\u00e4rt<\/a>. Kerala ist nach <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/studies-1-socialist-construction\/\">China<\/a>, das 2021 verk\u00fcndete, dass es die extreme Armut landesweit beseitigt hat, einer der wenigen Orte weltweit, an dem dies erreicht wurde.<\/p>\n<p>Die Errungenschaft Keralas ist aus zwei Gr\u00fcnden von Bedeutung. Erstens ist Kerala in einem Land, in dem <a href=\"https:\/\/www.undp.org\/sites\/g\/files\/zskgke326\/files\/2024-10\/2024_global_multidimensional_poverty_index.pdf\">Hunderte Millionen Menschen immer noch in Armut leben<\/a>, der einzige der 28 Bundesstaaten und acht Unionsterritorien Indiens, der die extreme Armut \u00fcberwunden hat. Zweitens wird Kerala von der von Kommunisten gef\u00fchrten Linken Demokratischen Front (LDF) regiert, und ihm wird daher regelm\u00e4\u00dfig die Unterst\u00fctzung durch die von der rechtsgerichteten Bharatiya Janata Party (Indische Volkspartei) gef\u00fchrte Zentralregierung verweigert.<\/p>\n<p>Keralas Projekt zur Beseitigung extremer Armut (EPEP) entstand auf der Grundlage jahrzehntelanger K\u00e4mpfe von Arbeitern und Bauern, die starke \u00f6ffentliche Institutionen und Massenorganisationen geschaffen haben, sowie der Arbeit mehrerer linker Regierungen. Das EPEP wurde von Vijayan \u2013 einem F\u00fchrungsmitglied der Kommunistischen Partei Indiens (Marxisten) \u2013 w\u00e4hrend der ersten Kabinettssitzung der von ihm gef\u00fchrten zweiten LDF-Regierung im Mai 2021 auf den Weg gebracht.<\/p>\n<p>Nach einem streng auf Kriterien basierenden Prozess, der sich auf den Zugang der Haushalte zu Besch\u00e4ftigung, Nahrung, Gesundheit und Wohnraum konzentrierte, identifizierte die Regierung 64.006 Familien (oder 103.099 Personen) als extrem arm. Um diese Erhebung durchzuf\u00fchren, st\u00fctzte sich die Regierung auf etwa 400.000 Z\u00e4hler \u2013 darunter Regierungsangestellte, Genossenschaftsmitglieder und Mitglieder der Massenorganisationen linker Parteien \u2013, um die besonderen Probleme zu ermitteln, mit denen arme Familien konfrontiert sind.<\/p>\n<p>Diese Z\u00e4hler erstellten f\u00fcr jede Familie ma\u00dfgeschneiderte Pl\u00e4ne \u2013 von der Sicherung von Anspr\u00fcchen und dem Zugang zu \u00f6ffentlichen Dienstleistungen bis hin zur Beschaffung von Wohnraum, Gesundheitsversorgung und Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Lebensunterhalt \u2013, um ihre St\u00e4rke im Kampf gegen die Armut zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Die Genossenschaftsbewegung spielte in dieser Kampagne eine grundlegende Rolle. Der Planungsprozess zur Armutsbek\u00e4mpfung w\u00e4re ohne die Rolle des lokalen Selbstverwaltungssystems, das Ergebnis der erfolgreichen Dezentralisierung der Macht in Kerala, nicht m\u00f6glich gewesen. Zum Zeitpunkt der Ver\u00f6ffentlichung dieses Newsletters finden in Kerala gerade neue Kommunalwahlen statt.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren hat das Tricontinental: Institute for Social Research eng mit dem Forschungszentrum der Uralungal Labour Contract Cooperative Society (UL) zusammengearbeitet, um Wissen \u00fcber die Genossenschaftsbewegung in Kerala aufzubauen. Wir sind sehr stolz darauf, unsere gemeinsame Studie \u201e<a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/study-kerala-cooperatives\/\">Die Genossenschaftsbewegung in Kerala, Indien<\/a>\u201c einen Monat nach der Erkl\u00e4rung Keralas zur Beseitigung der extremen Armut zu ver\u00f6ffentlichen.<\/p>\n<p>Unsere Studie stellt sechs verschiedene Genossenschaften vor, mit Beitr\u00e4gen, die von Wissenschaftlern recherchiert und verfasst wurden, die eng mit ihnen zusammengearbeitet haben. Einer von ihnen konzentriert sich auf Kudumbashree, eine reine Frauenkooperative mit fast f\u00fcnf Millionen Mitgliedern, die eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des EPEP gespielt hat.<\/p>\n<p>Keralas erste demokratische Regierung, die 1957 ihr Amt antrat, wurde von Kommunisten gef\u00fchrt. Sie begann sofort mit der Durchf\u00fchrung eines Programms zur Agrarreform, einschlie\u00dflich Landumverteilung, und mit dem Ausbau universeller Sozialg\u00fcter wie \u00f6ffentlicher Bildung, Gesundheitsversorgung, Wohnraum und <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/dossier-the-joy-of-reading\/\">Bibliotheken<\/a>.<\/p>\n<p>Diese Demokratisierung des l\u00e4ndlichen Raums in Verbindung mit einer anhaltenden sozialen Mobilisierung beschleunigte den Weg von Millionen Menschen in Kerala zu sozialen Indikatoren, die weltweit Beachtung finden: nahezu vollst\u00e4ndige Alphabetisierung, sehr niedrige S\u00e4uglings- und M\u00fcttersterblichkeit, hohe Lebenserwartung und einige der h\u00f6chsten Werte f\u00fcr die menschliche Entwicklung in Indien. Diese Investitionen, die \u00fcber Jahrzehnte hinweg get\u00e4tigt wurden, schufen die Voraussetzungen f\u00fcr die Beseitigung der Armut, lange bevor die gezielten Programme ins Leben gerufen wurden.<\/p>\n<p>Kommunistisch gef\u00fchrte Koalitionen regierten Kerala von 1957 bis 1959, 1967 bis 1969, 1980 bis 1981, 1987 bis 1991, 1996 bis 2001, 2006 bis 2011 und von 2016 bis heute. Selbst wenn die Linke nicht an der Macht war, stellte die soziale Mobilisierung durch die Linke sicher, dass rechtsgerichtete Regierungen diese Errungenschaften nicht vollst\u00e4ndig r\u00fcckg\u00e4ngig machen konnten.<\/p>\n<p>Mit dem Erstarken des neoliberalen Modells der Schuldenkonsolidierung in den 1990er-Jahren wuchs der Druck auf die LDF-Regierung, einige dieser Projekte r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen und Privatisierungen durchzuf\u00fchren. Die LDF entschied sich jedoch f\u00fcr einen anderen Weg.<\/p>\n<p>Durch die 1996 ins Leben gerufene <a href=\"https:\/\/peoplesdispatch.org\/2021\/09\/19\/bringing-the-state-closer-to-people-25-years-of-keralas-peoples-plan\/\">People\u2019s Plan Campaign<\/a> for Decentralised Planning (Volkskampagne f\u00fcr dezentrale Planung) \u00fcbertrug die Regierung 40 Prozent der Staatsausgaben an lokale Verwaltungen und forderte diese auf, den Bedarf zu ermitteln, Programme zu entwerfen und Budgets f\u00fcr Entwicklungsprojekte zuzuweisen. Anstatt eine einheitliche Agenda f\u00fcr Entwicklung und Armutsbek\u00e4mpfung zu entwickeln, schufen die Menschen in Kerala lokal geplante und kontextspezifische Projekte, die sich auf die Emanzipation ausgebeuteter und marginalisierter Gemeinschaften konzentrierten, darunter Angeh\u00f6rige indigener V\u00f6lker (Adivasis), der untersten sozialen Schichten (Dalits) und K\u00fcstengemeinden. Die Kampagne schuf eine Kultur der demokratisierten Sozialpolitik und bef\u00f6rderte ein dichtes Netzwerk von \u00f6ffentlichen Einrichtungen und Genossenschaften \u2013 allesamt entscheidend f\u00fcr das EPEP.<\/p>\n<p>Als er das Ende der extremen Armut in Kerala verk\u00fcndete, stellte Chief Minister Vijayan das EPEP als Fortsetzung dieses langen Weges vor. Er verwies auf mehrere Initiativen, die den Weg f\u00fcr das Programm geebnet hatten, darunter die Universalisierung des \u00f6ffentlichen Verteilungssystems, das subventionierte Lebensmittel und Kraftstoffe bereitstellt, sowie langfristige Bem\u00fchungen zur Beseitigung von Landlosigkeit und Wohnungslosigkeit, darunter die LIFE-Mission, die weit \u00fcber 400.000 Familien im ganzen Bundesstaat mit Wohnraum versorgt hat.<\/p>\n<p>Zu diesen k\u00f6nnen wir weitere S\u00e4ulen des Modells von Kerala hinzuf\u00fcgen \u2013 staatliche Programme, die die \u00f6ffentliche Gesundheitsversorgung, die Lebensmittelverteilung, die Unterst\u00fctzung im Bildungsbereich und Besch\u00e4ftigungsm\u00f6glichkeiten erweitert haben, und nicht zuletzt die Genossenschaften. Zusammen haben diese Initiativen das soziale Leben in Kerala ver\u00e4ndert und den Charakter seiner linken Bewegung gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Unsere Studie mit dem UL Research Centre bietet einen Einblick in die verschiedenen Genossenschaften, die eine Schl\u00fcsselrolle bei der Demokratisierung der Wirtschaft Keralas gespielt haben. Kudumbashree, was auf Malayalam \u201eWohlstand der Familie\u201d bedeutet, wurde 1998 als Teil der Mission des Bundesstaates zur Beseitigung der Armut gegr\u00fcndet und ist heute das gr\u00f6\u00dfte Netzwerk f\u00fcr gegenseitige Hilfe von Frauen weltweit.<\/p>\n<p>Es baut auf eine transformative Idee auf: Wenn Frauen auf Haushalts- und Gemeindeebene ihr Selbstvertrauen und ihre F\u00e4higkeit zur Bew\u00e4ltigung des Wirtschaftslebens st\u00e4rken, kann sich der Schwerpunkt der Entwicklung von patriarchalischen Institutionen hin zu den Bed\u00fcrfnissen berufst\u00e4tiger Frauen verlagern. Kollektivfarmen, Gemeinschaftsk\u00fcchen, genossenschaftliche Initiativen zur Kompetenzentwicklung und andere Formen gemeinschaftlicher Unternehmungen haben es den Frauen von Kudumbashree erm\u00f6glicht, ihr Einkommen zu steigern und sowohl im \u00f6ffentlichen als auch im privaten Leben Macht aufzubauen.<\/p>\n<p>Kudumbashrees Schwerpunkt auf Solidarit\u00e4t statt Wettbewerb und auf kollektivem statt individuellem Unternehmertum unterscheidet es von marktorientierten Strategien zur Armutsbek\u00e4mpfung. K\u00fcrzlich k\u00fcndigte die Regierung von Kerala ein Soziales Sicherungssystem f\u00fcr Frauen (<a href=\"https:\/\/yojanapopular.com\/kerala-womens-security-scheme\/\">Women\u2019s Security Scheme<\/a>) an, das auf der Notwendigkeit basiert, den Wert unbezahlter Hausarbeit anzuerkennen. Anspruchsberechtigte Frauen zwischen 35 und 60 Jahren erhalten 1.000 Rupien pro Monat. Eine solche Initiative ist Teil der allgemeinen Bem\u00fchungen, die patriarchalischen Eigentumsverh\u00e4ltnisse in Kerala zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>Kudumbashree ist Teil eines gr\u00f6\u00dferen \u00d6kosystems von Genossenschaften, die Keralas Kampf gegen die Armut unterst\u00fctzen. Zusammengenommen sind diese Initiativen eindrucksvolle Beispiele daf\u00fcr, was Marx sagte: \u201eDie Lohnarbeit (ist) nur eine vor\u00fcbergehende und untergeordnete Form, bestimmt, vor der assoziierten Arbeit zu verschwinden, die mit williger Hand, bereitem Geist und freudigem Herzen ihre Arbeit verrichtet.\u201c[<a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143940#foot_1\">1<\/a>]. Sie zeigen, dass Genossenschaften nicht nur Sicherheitsnetze f\u00fcr die Armen sind, sondern auch Vehikel f\u00fcr demokratische Planung, technologischen Fortschritt und soziale W\u00fcrde.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li><strong>Die Uralungal Labour Contract Cooperative Society (UL)<\/strong>: Die UL wurde 1925 im Norden Keralas als Genossenschaft f\u00fcr Bauarbeiter gegr\u00fcndet, die mit Ausgrenzung aufgrund ihrer Kastenzugeh\u00f6rigkeit konfrontiert waren. Sie hat sich zu einer der gr\u00f6\u00dften Arbeiterkooperativen Asiens entwickelt und besch\u00e4ftigt Zehntausende von Menschen in gro\u00dfen Infrastrukturprojekten. Sie zeigt, wie von Arbeitern kontrollierte Unternehmen komplexe \u00f6ffentliche Bauvorhaben durchf\u00fchren und gleichzeitig den sozialen Schutz und das kollektive Wohlergehen ihrer Arbeiter und der umliegenden Gemeinschaften erweitern k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong>Keralas Netzwerk von Kreditgenossenschaften<\/strong>: Mehr als viertausend Kreditgenossenschaften mit mehreren zehn Millionen Mitgliedern vor allem aus der Arbeiterklasse und marginalisierten Bev\u00f6lkerungsgruppen arbeiten als \u201eVolksbanken\u201d, die Bereiche erreichen, die private Finanzinstitute nicht abdecken. Indem sie Kreditnehmer vor Geldverleihern sch\u00fctzen, die Landreform verankern und lokale Ersparnisse mobilisieren \u2013 auch w\u00e4hrend der \u00dcberschwemmungen 2018 und der COVID-19-Pandemie \u2013 sind sie das finanzielle R\u00fcckgrat f\u00fcr die Beseitigung der Armut.<\/li>\n<li><strong>Die Kerala Dinesh Beedi Workers\u2019 Central Cooperative Society<\/strong>: Sie wurde 1969 gegr\u00fcndet, nachdem private Besitzer von Beedi-Fabriken (Beedi sind d\u00fcnne, handgerollte Zigaretten) ihre Betriebe geschlossen hatten, anstatt neue Arbeitsschutzma\u00dfnahmen umzusetzen. Dinesh Beedi wurde schnell zum f\u00fchrenden Beedi-Hersteller in S\u00fcdindien. Die Genossenschaft sicherte ihren Mitgliedern h\u00f6here L\u00f6hne, soziale Sicherheit und ein reichhaltiges kulturelles Leben. Sp\u00e4ter diversifizierte sie weg vom Tabak, um Arbeitspl\u00e4tze in sozial n\u00fctzlicher Produktion zu erhalten.<\/li>\n<li><strong>Die Sahya Tea Cooperative Factory<\/strong>: In der Bergregion von Idukki gr\u00fcndeten kleine Teebauern und Landarbeiter 2017 mithilfe der Thankamany Service Cooperative Bank mit 15.000 Mitgliedern ihre eigene Fabrik und l\u00f6sten sich damit von den \u201eBig Tea\u201c-Monopolen. Mit einer Verarbeitung von 15.000 Kilogramm Bl\u00e4ttern pro Tag und mehr als 150 Besch\u00e4ftigten sichert Sahya rund 3.500 Teebauern bessere Preise und zeigt, wie kleine Produzenten in der Wertsch\u00f6pfungskette vorankommen und menschenw\u00fcrdige Existenzgrundlagen verteidigen k\u00f6nnen.<\/li>\n<li><strong>Die Udayapuram Labour Contract Cooperative Society<\/strong>: In Kodom Belur, einer abgelegenen Dorfgemeinschaft in Kasaragod, gr\u00fcndeten Bewohner, die mit feudalen Grundbesitzverh\u00e4ltnissen, korrupten Beamten und ausbeuterischen Auftragnehmern konfrontiert waren, 1997 eine Arbeitsgenossenschaft. Von etwas mehr als 200 Mitgliedern ist sie auf fast 3.000 angewachsen, darunter viele Adivasis, die nun \u00f6ffentliche Arbeiten zu transparenten, fairen Bedingungen ausf\u00fchren und die Priorit\u00e4ten der lokalen Entwicklung selbst gestalten.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Insgesamt betrachtet zeigen diese Genossenschaften \u2013 ebenso wie Kudumbashree \u2013 was m\u00f6glich wird, wenn staatliche Politik, soziale Reformen und organisierte Arbeiter zusammenkommen. Sie tun mehr, als nur die H\u00e4rten des Marktes abzumildern. Sie organisieren die Produktion nach menschlichen Bed\u00fcrfnissen neu, vertiefen die Demokratie am Arbeitsplatz und im Ort und bieten einen lebendigen Eindruck von assoziierter Arbeit in der Praxis \u2013 von einem m\u00f6glichen Kommunismus \u2013, selbst unter den harten Bedingungen des zeitgen\u00f6ssischen Kapitalismus, die Programme wie das EPEP notwendig machen.<\/p>\n<p>Die Geschichte der Armutsbek\u00e4mpfung in Kerala ist nicht ohne Herausforderungen. Der Bundesstaat geh\u00f6rt nach wie vor zur Indischen Union und ist daher anf\u00e4llig f\u00fcr die Wechself\u00e4lle der Politik der rechtsgerichteten Regierung in Neu-Delhi. Wie in vielen Teilen des Globalen S\u00fcdens sind auch die jungen Menschen in Kerala mit hoher Arbeitslosigkeit konfrontiert und emigrieren oft in die Persische Golfregion und andere Teile der Welt, um Arbeit zu finden. Versuche, neue, <a href=\"https:\/\/thetricontinental.org\/newsletterissue\/newsletterissue-china-socialist-development\/\">hochwertige Produktivkr\u00e4fte<\/a> aufzubauen, die es dem Bundesstaat erm\u00f6glichen k\u00f6nnten, veraltete Industrien zu ersetzen, werden durch den begrenzten Zugang zu den Steuereinnahmen gebremst, die die Zentralregierung vom Bundesstaat einzieht. Dennoch gibt es fortlaufende Bem\u00fchungen, diese Einschr\u00e4nkungen zu \u00fcberwinden und ein robusteres Wachstumsparadigma f\u00fcr Kerala aufzubauen.<\/p>\n<p>Im Februar 2021 gab Pr\u00e4sident Xi Jinping bekannt, dass fast 99 Millionen Chinesen sich aus der extremen Armut befreit h\u00e4tten, die letzten Armen des Landes. Das Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern hat dies ein Jahrzehnt vor dem von den Vereinten Nationen in den Zielen f\u00fcr nachhaltige Entwicklung <a href=\"https:\/\/sdgs.un.org\/goals\">f\u00fcr 2030 festgelegten Termin<\/a> getan.<\/p>\n<p>Kerala hat sein Ziel ein Jahr vor dem erwarteten Termin erreicht.<\/p>\n<p>Vietnam, ein weiteres Land, das diesem Ziel nahe ist, plant, die extreme Armut bis 2030 zu beenden.<\/p>\n<p>Es ist keine \u00dcberraschung, dass alle diese drei Projekte von kommunistischen Parteien geleitet werden, deren Einsatz f\u00fcr die Emanzipation der Menschen sie dazu antreibt, daf\u00fcr zu arbeiten, dass jeder Mensch ein w\u00fcrdiges Leben f\u00fchren kann. Die Beseitigung der Armut ist kein Ziel an sich, sondern Teil des langen Weges zur menschlichen Emanzipation \u2013 sie ist ein lebendiges gesellschaftliches Projekt und keine Liste von Punkten, die abgehakt werden m\u00fcssen. Wie Kwame Nkrumah sagte: \u201eVorw\u00e4rts immer, r\u00fcckw\u00e4rts niemals\u201c.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=143940\"><em>nachdenkseiten.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 22. Dezember 2025<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vijay Prashad. Kerala ist es in den letzten Jahren als einzigem indischen Bundesstaat gelungen, die extreme Armut zu beseitigen. Wie wurde das erreicht? 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