{"id":16100,"date":"2026-02-17T12:54:44","date_gmt":"2026-02-17T10:54:44","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16100"},"modified":"2026-02-17T12:54:45","modified_gmt":"2026-02-17T10:54:45","slug":"us-handstreich-in-oelsektor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16100","title":{"rendered":"US-Handstreich in \u00d6lsektor"},"content":{"rendered":"<p><em>Volker Hermsdorf. <\/em><strong>Venezuela: Neue Regeln schlie\u00dfen Russland und China aus \u2013 Washington setzt auf totale Kontrolle \u00fcber Ressourcen und M\u00e4rkte.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Nach der Verschleppung von Pr\u00e4sident Nicol\u00e1s Maduro durch US-Truppen haben die USA neue Regeln f\u00fcr die \u2013 nun von ihnen kontrollierte \u2013 \u00d6l- und Gasf\u00f6rderung in Venezuela erlassen, die Transaktionen mit russischen und chinesischen Firmen ausschlie\u00dfen. Washington wolle damit russische Unternehmen mit \u00bbunlauteren Praktiken\u00ab aus dem Land dr\u00e4ngen, klagte Botschafter Sergej Melik-Bagdasarow am Sonnabend. Russland drohen nun erhebliche wirtschaftliche Verluste durch gef\u00e4hrdete \u00d6lprojekte, ausfallende Schuldenr\u00fcckzahlungen und m\u00f6gliche Abschreibungen bei Waffen- und Energiekrediten. Gleichzeitig sehen Analysten aber auch eine Chance: Falls venezolanische \u00d6lexporte nach China reduziert werden, k\u00f6nnte Russland diese L\u00fccke nutzen, um mehr eigenes \u00d6l nach Beijing zu liefern und die energiepolitische Kooperation zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>Seit der US-Milit\u00e4roperation vom 3. Januar erweitert Washington zunehmend seinen Einfluss auf den venezolanischen \u00d6lsektor. Das US-Finanzministerium hat mehrere Generallizenzen erlassen, die US- und andere westliche Energieunternehmen wie Chevron, BP, Shell, Eni oder Repsol erlauben, wieder in Venezuela zu operieren und Investitionsvertr\u00e4ge mit dem staatlichen \u00d6lkonzern PDVSA auszuhandeln \u2013 allerdings mit nicht unerheblichen Auflagen. Die Vorgaben aus Washington verbieten ausdr\u00fccklich, mit Firmen oder Personen aus Russland, China, Iran, Nordkorea oder Kuba Gesch\u00e4fte zu machen oder Joint Ventures einzugehen. Zudem sind auch Lieferungen bestimmter Hilfsstoffe oder alternative Zahlungsformen wie Gold, Kryptow\u00e4hrungen oder Schuldentausch untersagt. Die US-Vorgaben zur Organisation des venezolanischen Energiemarktes werden so zur geopolitischen Kampfansage.<\/p>\n<p>Es handele sich um unlautere wirtschaftliche Beschr\u00e4nkungen und extraterritoriale Sanktionen, die aus russischer Sicht gegen internationales Recht versto\u00dfen, kritisierte der russische Botschafter in Caracas. Auch die Regierung in Moskau zeigte sich alarmiert: Au\u00dfenminister Sergej Lawrow sprach von einer offenen Diskriminierung Russlands und anderer Staaten im venezolanischen \u00d6lgesch\u00e4ft und betonte, dass die neuen US-Regeln darauf abzielten, russische Unternehmen vom Markt zu verdr\u00e4ngen und Raum f\u00fcr Akteure unter US-Kontrolle zu schaffen. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow k\u00fcndigte an, man werde die Kommunikationskan\u00e4le mit Washington nutzen, um diese Entwicklungen zu thematisieren und auf die Interessen russischer Investitionen und langfristiger Projekte in Venezuela hinzuweisen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Russland geht es um betr\u00e4chtliche Werte. Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Reuters beliefen sich Kredite und Investitionen in Venezuela seit 2006 auf rund 17 Milliarden US-Dollar. Der Thinktank-Analyst Stephen Sestanovich vom Council on Foreign Relations malt ein d\u00fcsteres Bild: \u00bbRussische Investitionen in Venezuelas \u00d6lindustrie aus den vergangenen zwanzig Jahren m\u00fcssen nun abgeschrieben werden\u00ab, zitiert ihn das Branchenportal <em>Business Insider<\/em>. Der staatliche \u00d6lkonzern Roszarubezhneft, der Anteile an f\u00fcnf Joint Ventures mit der venezolanischen PDVSA h\u00e4lt, betont zwar, dass alle Verm\u00f6genswerte \u00bbEigentum des russischen Staates\u00ab seien \u2013 ob dieser Besitzstand verteidigt werden kann, ist angesichts der Machtverh\u00e4ltnisse jedoch ungewiss. Kredite f\u00fcr Waffenk\u00e4ufe, darunter drei Milliarden US-Dollar aus einem Darlehen von 2011, sind ebenfalls gef\u00e4hrdet, wenn Caracas die Schulden nicht begleicht \u2013 die R\u00fcckzahlung wurde bereits mehrfach verschoben, zuletzt bis 2027.<\/p>\n<p>Andererseits spielte Venezuela wirtschaftlich f\u00fcr Russland kaum eine Rolle. Der Warenaustausch lag 2024 bei 200 Millionen US-Dollar und damit deutlich niedriger als mit Argentinien und um ein Vielfaches unter dem Handel mit Brasilien. Die britische Analyseplattform Janes weist darauf hin, dass die direkten finanziellen Auswirkungen auf Russland m\u00f6glicherweise begrenzt sind, da das Ziel der russischen Pr\u00e4senz in Venezuela eher politisch als gewinnorientiert war.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: Leonardo Fernandez Viloria\/File Photo\/REUTERS. Idyllische Industriekulisse: \u00d6lplattformen und Pumpenhebel am Maracaibo-See nahe Cabimas, Venezuela (26.1.2026)<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.jungewelt.de\/artikel\/517650.geo-und-energiepolitik-us-handstreich-in-%C3%B6lsektor.html\"><em>jungewelt.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. Februar 2026<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Volker Hermsdorf. 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