{"id":16136,"date":"2026-03-09T12:03:47","date_gmt":"2026-03-09T10:03:47","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16136"},"modified":"2026-03-09T12:03:48","modified_gmt":"2026-03-09T10:03:48","slug":"venezuela-ziele-des-imperialismus-vorlaeufig-erreicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16136","title":{"rendered":"Venezuela: Ziele des Imperialismus vorl\u00e4ufig erreicht"},"content":{"rendered":"<p><em>Andrea Lobo. <\/em><strong>Am 5. M\u00e4rz gab das US-Au\u00dfenministerium die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu Venezuela bekannt. Dieser Schritt folgt auf den Milit\u00e4rangriff vom 3. Januar auf Caracas, bei dem \u00fcber 100 Menschen get\u00f6tet wurden. Ziel der Operation war die Entf\u00fchrung von Pr\u00e4sident Nicol\u00e1s Maduro und seiner Frau Cilia Flores. Beide sitzen jetzt im Gef\u00e4ngnis in den USA und sind wegen betr\u00fcgerischer Anschuldigungen des \u201eNarko-Terrorismus\u201c angeklagt, f\u00fcr die ihnen eine lebenslange Haftstrafe droht.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Die diplomatischen Beziehungen waren im Jahr 2019 abgebrochen worden, als die erste Trump-Regierung im Rahmen einer gescheiterten Regimewechsel-Operation die CIA-Marionette Juan Guaid\u00f3 als \u201elegitimen Pr\u00e4sidenten\u201c anerkannte.<\/p>\n<p>Die j\u00fcngste Ank\u00fcndigung folgte auf einen zweit\u00e4gigen Besuch von US-Innenminister Doug Burgum in Caracas. Dort gab Maduros ehemalige Vizepr\u00e4sidentin und jetzige amtierende Pr\u00e4sidentin, Delcy Rodr\u00edguez, mehrere Abkommen bekannt, die beinhalten, dass die Kontrolle \u00fcber das \u00d6l und wichtige Rohstoffe Washington und den multinationalen US-Konzernen \u00fcberlassen wird.<\/p>\n<p>Angesichts steigender \u00d6lpreise aufgrund des amerikanisch-israelischen Angriffskriegs gegen den Iran hat Rodr\u00edguez ein Abkommen mit Shell unterzeichnet; der Vorstand von ExxonMobil plant einen Besuch in Caracas noch im M\u00e4rz, und auch Chevron hat die Ausweitung der Produktion in Venezuela angek\u00fcndigt. Einen Tag vor Burgums Ankunft k\u00fcndigte die staatliche venezolanische \u00d6lgesellschaft PDVSA eine Reihe von neuen Verkaufsvertr\u00e4gen an, ohne Details zu nennen.<\/p>\n<p>Vertreter der US-Regierung haben jedoch darauf hingewiesen, dass das US-Finanzministerium nicht nur die vollst\u00e4ndige Kontrolle dar\u00fcber hat, welche Unternehmen Lizenzen zum Verkauf von venezolanischem \u00d6l erhalten, sondern auch \u00fcber die Aussch\u00fcttung der Ertr\u00e4ge. W\u00e4hrend die ersten 500 Millionen Dollar aus \u00d6lverk\u00e4ufen nach der Entf\u00fchrung Maduros nach Katar geleitet wurden, gehen diese jetzt direkt auf Konten unter der Verwaltung des Finanzministeriums, das nach eigenem Ermessen entscheidet, ob das Geld an die venezolanische Regierung \u00fcberwiesen oder als Kriegsbeute behalten wird.<\/p>\n<p>Beispielhaft f\u00fcr die Priorit\u00e4ten des Regimes in Caracas war dessen Ank\u00fcndigung Mitte Februar, sieben Sozialprogramme und -organisationen einzustellen, darunter die so genannten \u201eMissionen\u201c, die einigen der \u00e4rmsten Bev\u00f6lkerungsschichten Venezuelas begrenzte Sozialhilfe geleistet haben.<\/p>\n<p>Burgum unterzeichnete au\u00dferdem ein Abkommen mit Venezuelas Bergbaukonzern \u00fcber den Kauf von tausend Kilogramm Gold, und Rodr\u00edguez k\u00fcndigte eine Bergbaureform an, um den Sektor f\u00fcr transnationale Konzerne zu \u00f6ffnen. Diese Reform wird sich an dem neuen Kohlenwasserstoffgesetz orientieren, das im Januar verabschiedet wurde und die Privatisierung der \u00d6lindustrie sowie Steuersenkungen vorsieht.<\/p>\n<p>In Venezuela gibt es riesige Vorkommen an seltenen Erden, Niobium und Platingruppenmetallen, vor allem in den \u00f6kologisch empfindlichen Gebieten wie Cerro Impacto im Amazonas-Regenwald. Das Land ist jedoch weitgehend unerforscht.<\/p>\n<p>Einige Tage vor seiner Reise erkl\u00e4rte Burgum: \u201eBei dieser ersten Welle geht es um \u00d6l und Gas und die Beschaffung von Ausr\u00fcstung, oft Ausr\u00fcstung aus amerikanischer Produktion, die wir brauchen, um ihnen zu helfen, ihre Produktion zu erh\u00f6hen. Also geht es sowohl um die Technologie, die Ausr\u00fcstung und die Leute, die notwendig sind, um beim Aufbau zu helfen. Und bei der n\u00e4chsten Welle wird es um kritische Rohstoffe gehen, weil es in Venezuela ein riesiges Potenzial f\u00fcr den Bergbau gibt.\u201c<\/p>\n<p>Innerhalb weniger Wochen hat Rodr\u00edguez die Kontrolle \u00fcber die Wirtschaft abgegeben. Sie hat sich mit CIA-Direktor John Ratcliffe, dem Befehlshaber des SOUTHCOM, General Francis Donovan, US-Energieminister Chris Wright und anderen hochrangigen Vertretern der USA getroffen und ihnen die Hand gesch\u00fcttelt. Einst hatte sie Trumps \u201eperverse faschistische Pl\u00e4ne\u201c verurteilt, aber inzwischen nennt sie den amerikanischen M\u00f6chtegern-\u201eF\u00fchrer\u201c ihren \u201eFreund und Partner\u201c. In den sozialen Medien schrieb Rodr\u00edguez: \u201eIch danke Pr\u00e4sident Donald Trump f\u00fcr seine freundliche Bereitschaft (&#8230;) zur Zusammenarbeit.\u201c<\/p>\n<p>Ein gemeinsamer Pakt mit dem Pentagon und der CIA, der sich vorgeblich gegen Drogenkartelle richtet, verwandelt Caracas in einen Dreh- und Angelpunkt des Imperialismus. Dabei gie\u00dft die Trump-Regierung seit dem Angriff vom 3. Januar, den sie ausdr\u00fccklich mit dem Ziel f\u00fchrte, Venezuela \u201ealles \u00d6l, Land und sonstige Verm\u00f6genswerte\u201c abzunehmen, fast t\u00e4glich noch \u00d6l ins Feuer.<\/p>\n<p>Maduros Anw\u00e4lte haben Washington vorgeworfen, dem Ehepaar den Zugang zu Geld f\u00fcr ihre Verteidigung zu verwehren. Trump prahlte derweil in seiner Rede zur Lage der Nation dar\u00fcber, wie \u201eamerikanische Elitekrieger (&#8230;) in einem kolossalen Sieg jede Verteidigung \u00fcberw\u00e4ltigt haben\u201c.<\/p>\n<p>Wie Reuters unter Berufung auf US-Quellen berichtete, droht Rodr\u00edguez in Miami eine Anklage wegen Korruption. Dies dient als Druckmittel, um ihre Mitarbeit sicherzustellen. Gleichzeitig fordert Washington die Verhaftung und Auslieferung weiterer Verb\u00fcndeter Maduros.<\/p>\n<p>Dies geschieht vor dem Hintergrund extremer US-Sanktionen, die laut dem ehemaligen UN-Berichterstatter Alfred de Zayas \u00fcber 100.000 Mensschen das Leben gekostet und acht Millionen Menschen zur Flucht gezwungen haben. Venezuelas Raffineriebetreiber in den USA, Citgo, soll wegen Schulden an US-amerikanische Finanzgeier versteigert werden. US-Bombenangriffe in der Karibik haben schon mindestens 152 Fischern das Leben gekostet, darunter viele Venezolaner. Tausende zugewanderte venezolanische Arbeiter schmachten derweil in US-Konzentrationslagern.<\/p>\n<p>In diesem Kontext ist die Unterw\u00fcrfigkeit des Regimes der Sozialistischen Partei Venezuelas nur vergleichbar mit halbkolonialen Regimen wie Mexiko unter Porfirio D\u00edaz, Venezuela unter Juan Vicente G\u00f3mez, Nicaragua unter den Somozas oder Chile unter Augusto Pinochet. Was all diese Regime kennzeichnete, waren brutale Unterdr\u00fcckung und Folter, extreme Ungleichheit und Korruption. Die chavistische F\u00fchrung tut alles in ihrer Macht Stehende, um zu zeigen, dass sie die US-Interessen in Venezuela ebenso effektiv durchsetzen kann wie die offen faschistische, von der CIA finanzierte Opposition unter der F\u00fchrung von Maria Corina Machado.<\/p>\n<p>Das Wei\u00dfe Haus hat Venezuela mehrfach als Fallstudie f\u00fcr die \u201eTrump-Variante\u201c der Monroe-Doktrin angef\u00fchrt. Venezuela wird immer offener als hemisph\u00e4rische Ausgangsbasis f\u00fcr einen globalen Krieg dargestellt.<\/p>\n<p>Bei der Konferenz zur Bek\u00e4mpfung der Kartelle in Amerika, die am 5. M\u00e4rz gemeinsam mit Vertretern derjenigen L\u00e4nder Lateinamerikas stattfand, die mit den USA zusammenarbeiten, br\u00fcllte der stellvertretende Stabschef Stephen Miller: \u201eWir werden unseren Feinden und Gegnern KEINEN ZENTIMETER Territorium in dieser Hemisph\u00e4re \u00fcberlassen!\u201c Kriegsminister Pete Hegseth \u00e4u\u00dferte sich \u00e4hnlich und drohte mit einem unilateralen Angriff, um die Vorherrschaft der USA zu sichern: \u201eAmerika ist bereit, sich diesen Bedrohungen zu stellen und notfalls alleine in die Offensive zu gehen.\u201c<\/p>\n<p>Die Globalisierung und Finanzialisierung seit den 1980ern haben dazu gef\u00fchrt, dass die imperialistischen M\u00e4chte ihre Bestrebungen versch\u00e4rfen, durch erneute Kolonialisierung und Krieg die Kontrolle \u00fcber strategische Mineralien, Treibstoff und globale Produktionsnetzwerke zu erlangen. Die Reaktion aller Fraktionen der nationalen herrschenden Eliten auf die Globalisierung bestand darin, alle Erw\u00e4gungen dem Wettkampf um Investitionen unterzuordnen.<\/p>\n<p>Chavez und Maduro bilden keine Ausnahme, sondern sie versuchten nur, durch engere wirtschaftliche und politische Beziehungen mit anderen M\u00e4chten, vor allem China und Russland, bessere Bedingungen mit dem Imperialismus auszuhandeln.<\/p>\n<p>Chavez, der in Folge der gro\u00dfen <em>Caracazo<\/em>-Aufst\u00e4nde der Bev\u00f6lkerung gegen Ungleichheit und Diktatur 1989 an die Macht gekommen war, benutzte die Einnahme\u00fcbersch\u00fcsse durch die boomenden \u00d6lpreise, die vom Wachstum in China angetrieben wurden, um begrenzte Sozialprogramme zu finanzieren. Doch sobald der Rohstoffboom endete, begannen die Chavistas selbst mit umfangreichen K\u00fcrzungen.<\/p>\n<p>Heute wird es b\u00fcrgerlichen Nationalisten zunehmend unm\u00f6glich, die einst durch die Rivalit\u00e4t zwischen Gro\u00dfm\u00e4chten vorhandenen Chancen zu nutzen, da sie dem wachsenden Druck des Imperialismus von oben und dem Widerstand der Arbeiterklasse von unten ausgesetzt sind.<\/p>\n<p>Dass die chavistische F\u00fchrung ihre wirtschaftliche, politische und territoriale Souver\u00e4nit\u00e4t aufgibt und dass nominell \u201elinke\u201c Regierungen in der gesamten Region Trumps Drohungen nachgeben, beweist, dass der b\u00fcrgerliche Nationalismus ausnahmslos ein konterrevolution\u00e4res Werkzeug des Imperialismus ist.<\/p>\n<p>Die Sozialistische Partei Venezuelas gewann betr\u00e4chtlichen Einfluss unter breiten Schichten der Arbeiter und des Kleinb\u00fcrgertums. Jetzt sind die \u201eRosa Flut\u201c, der \u201eSozialismus im 21. Jahrhundert\u201c, und die anderen chavistischen Parolen, die Gleichheit, Souver\u00e4nit\u00e4t und regionale Integration gegen Faschismus und Imperialismus versprachen, als leere Demagogie entlarvt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Stalinisten und pseudolinke Gruppen auf der ganzen Welt auf den fahrenden Zug aufsprangen, Illusionen in diese Regierungen sch\u00fcrten und sich an ihnen beteiligten, attackieren sie jetzt die WSWS mit dem Argument, den Chavistas w\u00fcrde \u201edie Pistole auf die Brust\u201c gesetzt, und was anderes bleibe ihnen gar nicht \u00fcbrig. Dies zeigt das Ausma\u00df der Demoralisierung der kleinb\u00fcrgerlichen Schichten, f\u00fcr die diese Tendenzen sprechen.<\/p>\n<p>Doch die aktuelle Explosion des US-Imperialismus radikalisiert die Arbeiter inmitten eines weltweiten Linksrucks rasant. Es geht nicht um die Frage, wie die chavistische Regierung am besten auf die Bedingungen reagieren kann, die sie selbst mitverursacht hat, sondern vielmehr darum, Arbeiter und Jugendliche zu mobilisieren, um diese nationalistischen Verr\u00e4tereien zu \u00fcberwinden und sie politisch f\u00fcr den Sturz des Kapitalismus zu bewaffnen \u2013 unabh\u00e4ngig von allen nationalistischen und prokapitalistischen politischen Kr\u00e4ften.<\/p>\n<p><em>#Titelbild: US-Innenminister Doug Burgum aus Staatsvisite bei Delcy Rodr\u00edguez, der amtierenden venezolanischen Pr\u00e4sidentin, in Caracas, 4. M\u00e4rz 2025 [Photo: @delcyrodriguezv]<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2026\/03\/08\/regw-m08.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. M\u00e4rz 2026<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Andrea Lobo. Am 5. M\u00e4rz gab das US-Au\u00dfenministerium die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen zu Venezuela bekannt. 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