{"id":16140,"date":"2026-03-09T17:21:48","date_gmt":"2026-03-09T15:21:48","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16140"},"modified":"2026-03-09T17:21:50","modified_gmt":"2026-03-09T15:21:50","slug":"iran-und-der-imperialismus-schluss-mit-dem-weder-noch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16140","title":{"rendered":"Iran und der Imperialismus: Schluss mit dem Weder-noch"},"content":{"rendered":"<p><em>Bruno Guigue.<\/em> <strong>Ich weiss, das wird f\u00fcr viele unangenehm sein, aber ich glaube, es muss gesagt und wiederholt werden: In der aktuellen Situation ist es [aus antiimperialistischer Sicht] schlichtweg politischer Unsinn, das \u00abMullah-Regime\u00bb mit dem V\u00f6lkermord begehenden Duo <em>Trump\u2013Netanjahu<\/em> gleichzusetzen. <\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Haben wir vergessen, dass der iranische Staat selbst, seine Integrit\u00e4t und Souver\u00e4nit\u00e4t, das Angriffsziel des Imperialismus ist? Sympathien f\u00fcr die eine oder andere politische Kraft, beispielsweise die Tudeh-Partei, \u00e4ndern nichts: Konsequenter Antiimperialismus, insbesondere wenn er marxistisch ist, und mindestens ebenso sehr, wenn er es nicht ist, muss seine Solidarit\u00e4t mit der Islamischen Republik Iran und ihrer legitimen Regierung bekr\u00e4ftigen \u2013 Punkt.<\/p>\n<p>Die Karte der selektiven Emp\u00f6rung auszuspielen, indem man [absurd] gef\u00e4lschte Opferzahlen pr\u00e4sentiert, verschweigt, dass die regierungsfeindlichen Unruhen gr\u00f6sstenteils vom Mossad orchestriert (und von <em>Mike Pompeo<\/em> begl\u00fcckw\u00fcnscht) wurden, die Menschen vor Ort mutig zum Kampf gegen die \u00abreligi\u00f6se Diktatur\u00bb aufruft, \u00fcber die Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Iran im Namen eines zum Exportprodukt gewordenen S\u00e4kularismus feilscht und das Schicksal der Frauen von Teheran beschw\u00f6rt, w\u00e4hrend der Schl\u00e4chter von Tel Aviv Schulm\u00e4dchen massakriert \u2013 all diese Scharaden haben einen Namen: Es ist die Weder-noch-Haltung, der Opportunismus der Gleichg\u00fcltigkeit, der heuchlerische Anti-Campismus, mit dem Zweck, zwei Eisen im Feuer zu haben.<\/p>\n<p>Offenbar erlaubt dieser Balanceakt, das eigene Gewissen zu beruhigen: Da man gegen beide Seiten ist und beide angeblich b\u00f6se sind, steht man zwangsl\u00e4ufig auf der Seite des Guten! Nur existieren in der realen Welt ausschliesslich diese beiden Seiten, und sie beide abzulehnen, bedeutet, sich in Fantasiewelten zu fl\u00fcchten und die B\u00fchne der Geschichte zu verlassen. Wer dies nicht erkennt und sie alle in einen Topf wirft, ohne das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zu ber\u00fccksichtigen, ohne geopolitische \u00dcberlegungen anzustellen, ohne die zerst\u00f6rerische Strategie Washingtons und Tel Avivs zu analysieren, unterst\u00fctzt damit den Aggressor.<\/p>\n<p>Mit himmelschreiender Heuchelei will uns der Imperialismus weismachen, die Zerst\u00f6rung der iranischen zivilen und milit\u00e4rischen Infrastruktur diene den \u00abdemokratischen Kr\u00e4ften\u00bb des Landes. Doch um Himmels Willen, wir sind nicht verpflichtet, das zu glauben und uns dieser Politik anzuschliessen! Das \u00abMullah-Regime\u00bb im drohenden Ton westlicher Moralapostel zu verurteilen, wie es die Verfechter der [linken] \u00abWeder-noch\u00bb-Haltung tun, bedeutet nicht nur, die Rechte des iranischen Volkes selbst zu missachten, das durchaus in der Lage ist, seine politische Richtung selbst zu w\u00e4hlen, sondern vor allem, sich der ausl\u00e4ndischen Aggression anzuschliessen.<\/p>\n<p>F\u00fcr all jene, die das Leid des iranischen Volkes ernst nehmen \u2013 und viele tun dies aufrichtig, auch jene, die eine neutrale Position vertreten \u2013, wird es notwendig sein, einige schlechte Gewohnheiten abzulegen und ihre Wahrnehmung der Welt, wie sie ist, oder besser gesagt, wie sie von dem genozidalen Duo geformt wird, neu zu bewerten. Wir m\u00fcssen uns ein f\u00fcr alle Mal von dieser irref\u00fchrenden Tendenz befreien, innerhalb des politischen Spektrums des vom Imperialismus angegriffenen Landes zwischen Guten und B\u00f6sen zu unterscheiden. Mit welchem \u200b\u200bRecht sollten wir diese Unterscheidung treffen? Sind die betroffenen Menschen unf\u00e4hig, sich ein eigenes Urteil zu bilden? Subjektive Pr\u00e4ferenzen sind v\u00f6llig nat\u00fcrlich, doch diese m\u00fcssen der Pflicht zur Solidarit\u00e4t mit den angegriffenen Nationen weichen.<\/p>\n<p>Ist es wirklich so schwierig? Linke Kr\u00e4fte in Frankreich [und anderswo] hegen eine besondere Vorliebe f\u00fcr die Tudeh, eine iranische Linksorganisation: Das ist ihr gutes Recht und verst\u00e4ndlich. Doch vergessen wir nicht: Erstens ruft die Tudeh selbst zu internationaler Unterst\u00fctzung gegen die Aggression gegen ihr Land auf, und zweitens ist es nicht die Tudeh, die feindliche Raketen empf\u00e4ngt und legitim mit Gegenraketen auf die Angreifer reagiert. Kurz gesagt: Heute schreibt nicht die Tudeh Geschichte; sie steht nicht an vorderster Front und k\u00e4mpft nicht gegen die Angreifer. Wahrer Antiimperialismus hingegen bedeutet, sich bedingungslos und ohne Vorbehalte mit denen zu solidarisieren, die Geschichte schreiben, indem sie den imperialistischen Feind bek\u00e4mpfen \u2013 ungeachtet ihrer politischen oder ideologischen Ausrichtung.<\/p>\n<p>Aus progressiver Sicht ist es daher besonders l\u00e4cherlich und kontraproduktiv, zu sagen, dass man je nach Kontext sowohl die amerikanisch-israelische Aggression als auch die Diktatur der Mullahs verurteilt (in Frankreich z.&nbsp;B. tun das sowohl die eurokommunistische FKP als auch ihre Konkurrenten von M\u00e9lenchons Insoumis) oder, schlimmer noch, dass man die imperialistische Aggression <em>und<\/em> die iranische Gegenreaktion verdammt (Version PS, offensichtlich die groteskeste und opportunistischste). Es sei \u00fcbrigens angemerkt, dass diese politischen Stellungnahmen ihre Verfasser weit hinter die Positionen souver\u00e4ner Staaten wie China, Russland oder Spanien zur\u00fcckfallen lassen, die die Aggression Washingtons und Tel Avivs kategorisch verurteilen \u2013 ohne Wenn und Aber.<\/p>\n<p>Und wenn dem so ist, dann deshalb, weil ihre Regierungen die Tragweite der Situation l\u00e4ngst erkannt und entsprechend gehandelt haben. Sie wahren das Recht der Nationen, \u00fcber ihre eigene Zukunft zu bestimmen, und mischen sich nicht in deren innere Angelegenheiten ein. Sie beurteilen das aussenpolitische Handeln von Staaten im Lichte des V\u00f6lkerrechts und verurteilen es, wenn es das internationale Leben in ein Schlachtfeld verwandelt, auf dem bestimmte M\u00e4chte das Recht des St\u00e4rkeren aus\u00fcben. Dies steht im Gegensatz zu jenen im Westen, die glauben, dass die von den brutalsten Imperialisten angef\u00fchrten edlen Prinzipien mehr als nur ein Vorwand sind, und die, unf\u00e4hig, den Lauf der Dinge zu beeinflussen, Zuflucht in abstraktem Moralismus, einem oberfl\u00e4chlichen Humanismus und einer flexiblen Auslegung der Menschenrechte suchen.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/kommunisten.ch\/index.php?article_id=2797\"><em>kommunisten.ch&#8230;<\/em><\/a><em> vom 9. M\u00e4r 2026<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bruno Guigue. 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