{"id":1615,"date":"2016-11-08T11:30:16","date_gmt":"2016-11-08T09:30:16","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1615"},"modified":"2016-11-08T11:31:06","modified_gmt":"2016-11-08T09:31:06","slug":"verlogene-sonntagspredigten-zum-fall-roman-burger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1615","title":{"rendered":"Verlogene Sonntagspredigten zum Fall Roman Burger"},"content":{"rendered":"<p>az. <strong>Es ist das Neujahr in K<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>ln im Kleinen. Das Aush<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>ngeschild der UNIA, Roman Burger, hat sich der sexuellen Bel<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>stigung schuldig gemacht und die verlogensten Bl<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>tter der Schweiz schwingen<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> sich zu Besch<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>tzern der <\/strong><strong>\u201e<\/strong><strong>Frau am Arbeitsplatz<\/strong><strong>\u201c<\/strong><strong> auf. Wir wagen zu behaupten, dass sie auf Burger schiessen, aber die ArbeiterInnenbewegung meinen.<\/strong><\/p>\n<p>Die <span lang=\"X-NONE\" style=\"margin: 0px; line-height: 107%; font-family: 'Calibri',sans-serif; font-size: 11pt;\"><a href=\"http:\/\/www.woz.ch\/1637\/krise-bei-der-unia\/und-fuer-einmal-haelt-das-schweigen-nicht\">WoZ<\/a><\/span> hat ausf\u00fchrlich nachgewiesen, dass die UNIA im Fall Burger so ziemlich alles falsch gemacht hat, was sich falsch machen l\u00e4sst. Vom Verschleppen der Vorw\u00fcrfe, \u00fcber das Nicht-Abschirmen der betroffenen Frauen bis hin zur v\u00e4terlichen Protektion des T\u00e4ters durch den Chef.<\/p>\n<p>Das ist alles sehr problematisch, kritikw\u00fcrdig, masslos dumm und der \u00fcbliche patriarchale Umgang mit dem Vorwurf der sexuellen Bel\u00e4stigung \u2013 auch bei der UNIA! Erstaunlich ist es aber nicht. So ist seit Jahren allen \u2013 auch der WoZ \u2013 bekannt, welches hetzerische Arbeitsklima bei der UNIA herrscht und mit welchen selbstherrlichen Mitteln die Gewerkschaftsf\u00fchrung sich gegen ihre Angestellte und unliebsame BasisaktivistInnen durchsetzt. Wieso interessieren derartige SMS also alle so brennend und wieso gerade jetzt?<\/p>\n<p>Burger war eine \u00f6ffentliche Pers\u00f6nlichkeit, weil er f\u00fcr die UNIA am Fernsehen und in anderen Medien auftrat. Insofern stand er symbolhaft f\u00fcr eine k\u00e4mpferische Tradition, beispielsweise der Bauarbeiter, die erfolgreich f\u00fcr einen soliden LMV und die Rente mit 60 einstehen. Die Sonntags-Zeitungen haben am Tag nach der riesigen AHV-Plus-Demonstration, an der beachtliche 20&#8217;000 Personen teilgenommen haben, kein Wort \u00fcber letztere verloren, aber f\u00fcr Burger hatten alle Platz zur Verf\u00fcgung. Das sagt eigentlich schon alles. Was die Mitglieder machen, braucht nicht zu interessieren. Dass ein Funktion\u00e4r im April \u00fcbergriffige SMS versendet hat, scheint vier Monate sp\u00e4ter, zwei Wochen vor dem Abstimmungstermin, sehr viel wichtiger zu sein. Und schon ist jeder politische Inhalt vom Tisch!<\/p>\n<p>Wir kritisieren den Gewerkschaftsapparat und seine Funktion als Co-Manager des Kapitals gerne und immer wieder. Es scheint auch, dass die UNIA dermassen in die sozialpartnerschaftliche Logik verwickelt ist, dass sie nicht realisierte, dass die andere Seite der Feind ist. Dass dieser jedes Fehlverhalten gen\u00fcsslich ausschlachten und nutzen wird. Die UNIA hat durch ihren st\u00fcmperhaften Umgang f\u00fcr diese Schlammschlacht Hand geboten. Es ist auch nicht verbl\u00fcffend, das selbstherrliche Machtmenschen wie Burger im Gewerkschaftsapparat erfolgreich sind. Wir weinen ihm keine Tr\u00e4ne nach. Doch k\u00f6nnen wir nicht in den Chor jener einstimmen, die immer dann das Thema \u201esexuelle Bel\u00e4stigung\u201c entdecken, wenn damit reaktion\u00e4r mobilisiert werden kann. In K\u00f6ln gegen \u201edie Araber\u201c, in Z\u00fcrich gegen die ArbeiterInnenbewegung.<\/p>\n<p>\u00dcber Burger l\u00e4sst sich nun ein orchestriertes Gewerkschafts-Bashing betreiben. Was die ArbeiterInnenbewegung braucht, ist Kritik von links mit dem Ziel der St\u00e4rkung der Kampfkraft. Diese Kritik h\u00e4tte fr\u00fcher beginnen m\u00fcssen bei den unz\u00e4hligen konkreten F\u00e4llen, die in der Gewerkschaftsbewegung bekannt sind, sie h\u00e4tte praktisch organisiert werden m\u00fcssen und sie h\u00e4tte eine konsequente und radikale Orientierung bieten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>So bleibt aus revolution\u00e4rer Perspektive festzuhalten, dass Burger \u2013 neben einem despotischen und makrigen F\u00fchrungsstil \u2013 auch f\u00fcr eine widerspr\u00fcchliche Erneuerung der Gewerkschaftsbewegung steht. Widerspr\u00fcchlich, weil die Politik, f\u00fcr die er einstand sowohl progressive als auch konservierende Momente beinhaltet. Mit Organizing-Konzepten etabliert sich ein Wandel von der Gewerkschaft als reine Rechtsversicherungsorganisation hin zu einer konfliktorientierten Organisation mit realer Verankerung in Betrieb und Gesellschaft. Wer sich an den SMUV erinnert, weiss um den Wert dieser k\u00e4mpferischen Neuorientierung. Aber gleichzeitig steht diese gewerkschaftliche Erneuerung nat\u00fcrlich nicht nur im Dienst der ArbeiterInnen. Sie st\u00fctzt auch die UNIA ganz allgemein als integrative sozialpartnerschaftliche Kraft in der ArbeiterInnenklasse, was sich auch in einer aktiven Politik gegen revolution\u00e4re Kr\u00e4fte \u00e4usserte. Und im speziellen hilft diese Erneuerung auch einer bestimmen Fraktion innerhalb des Gewerkschaftsapparates (hier der Achse Nico Lutz \u2013 Roman Burger) in ihrem pers\u00f6nlichen Machtkampf innerhalb des Apparats. Diese linke Debatte w\u00e4re n\u00f6tig gewesen und ist heute n\u00f6tig. Verlogene Sonntagspredigten der b\u00fcrgerlichen Medien hingegen braucht niemand \u2013 ausser jenen, die nicht \u00fcber eine m\u00f6gliche Verbesserung der AHV sprechen wollen und stattdessen bevorzugen, den Rentenabbau zu forcieren \u2013 beispielsweise.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.aufbau.org\/index.php\/online-zeitung\/2265-verlogene-sonntagspredigten-zum-fall-roman-burger\">Aufbau Online Zeitung<\/a> vom 8. November 2016 mit kleinen \u00c4nderungen durch Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>az. Es ist das Neujahr in K\u00f6ln im Kleinen. 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