{"id":16154,"date":"2026-03-17T13:05:10","date_gmt":"2026-03-17T11:05:10","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16154"},"modified":"2026-03-17T13:05:12","modified_gmt":"2026-03-17T11:05:12","slug":"operation-unthinkable-marco-rubios-rede-in-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16154","title":{"rendered":"Operation Unthinkable \u2013 Marco Rubios Rede in M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p><em>Sevim Dagdelen. <\/em><strong>Der US-Au\u00dfenminister begreift das Jahr 1945 als Niederlage des Westens und will die Nachkriegsordnung samt antikolonialer Befreiung revidieren. Daf\u00fcr gibt es auf der \u201eSicherheitskonferenz\u201c Standing Ovations, allen voran deutsche Minister.\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der britische Premierminister Winston Churchill hat noch im Mai 1945 die Ausarbeitung der \u201eOperation Unthinkable\u201c in Auftrag gegeben. Der britische Generalstab wurde angehalten, einen Plan f\u00fcr einen Angriff auf die Sowjetunion auszuarbeiten, der gemeinsam mit US-amerikanischen Verb\u00e4nden und 100.000 Soldaten der deutschen Wehrmacht bereits am 1. Juli 1945 h\u00e4tte erfolgen sollen. Wegen zu hoher Risiken, insbesondere aufgrund der Zweifel, ob die britischen Soldaten einem entsprechenden Angriffsbefehl \u00fcberhaupt Folge geleistet h\u00e4tten, wurde das Vorhaben, das erst 1998 ver\u00f6ffentlicht wurde, fallengelassen. Der Plan allerdings war ganz in der Linie eines Winston Churchill f\u00e4lschlicherweise zugeschriebenen Zitats: \u201eWir haben das falsche Schwein geschlachtet.\u201c&nbsp;<\/p>\n<p>Die Rede von US-Au\u00dfenminister Marco Rubio auf der M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz steht nun ganz in einer Traditionslinie mit der \u201eOperation Unthinkable\u201c, allerdings in einem weltpolitischen Ma\u00dfstab. Das Jahr 1945 wird in der M\u00fcnchen-Rede von Rubio als Jahr der Niederlage des Westens begriffen. Dahin will er wieder zur\u00fcck, um die antikolonialistische Niederlage von 1945 aus seiner Sicht wieder auswetzen zu k\u00f6nnen. Das ist auch der wahre Grund, warum die US-Administration die Vereinten Nationen in den Graben schieben will.<\/p>\n<p><strong>Rubios Koloniale Nostalgie<\/strong><\/p>\n<p>\u201eF\u00fcr f\u00fcnf Jahrhunderte vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs war der Westen dabei, sich auszubreiten \u2013 seine Missionare, seine Pilger, seine Soldaten, seine Entdecker str\u00f6mten von seinen K\u00fcsten aus, um Ozeane zu \u00fcberqueren, neue Kontinente zu besiedeln, riesige Imperien zu bauen, die sich \u00fcber den gesamten Globus erstreckten. Aber 1945, zum ersten Mal seit dem Zeitalter des Kolumbus, zog sich der Westen zur\u00fcck\u201c, lautet Rubios historische Lehrstunde. Dann habe der Niedergang eingesetzt, \u201ebeschleunigt durch gottlose kommunistische Revolutionen und antikoloniale Aufst\u00e4nde\u201c.&nbsp;<\/p>\n<p>Das Jahr 1945 wird also als Krise des Kolonialismus des Westens begriffen, als dessen F\u00fchrungsmacht sich die USA sehen, die allerdings auch Verb\u00fcndete braucht. Deshalb bekr\u00e4ftigte der US-amerikanische Au\u00dfenminister: \u201eWir wollen nicht, dass unsere Verb\u00fcndeten schwach sind, denn das macht uns schw\u00e4cher.\u201c<\/p>\n<p>Vielleicht war es dieses Versprechen, gebraucht zu werden, um zur US-amerikanischen St\u00e4rke beitragen zu k\u00f6nnen, das die drei Deutschen als Erste im Saal aufspringen lie\u00df. Es waren mit Au\u00dfenminister Johann Wadephul, Verteidigungsminister Boris Pistorius und dem bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten Markus S\u00f6der alle drei Parteien der Regierungskoalition, die stehend applaudierend kaum noch an sich halten konnten.&nbsp;<\/p>\n<p>Rubios Rede war denn nicht nur ein Einf\u00fchlen in 500 Jahre Kolonialismus, in Massenmord, Sklaverei und Ausbeutung bis zum Tod, sondern gerade auch eine Kampfansage an die M\u00e4chte, die aus Sicht der US-Administration einer Rekolonisierung der Welt zugunsten eines erneuerten US-Imperialismus im Wege stehen: Russland und in erster Linie China.<\/p>\n<p>Vasallentreu schob sich denn auch der deutsche Au\u00dfenminister Wadephul in M\u00fcnchen in die US-Schlachtordnung, indem er erkl\u00e4rte, mit allen BRICS-Staaten gute Beziehungen pflegen zu wollen, nur nicht mit Russland und China.&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Abschied von den UN&nbsp;<\/strong><\/p>\n<p>Die Vereinten Nationen m\u00fcssen aus Sicht der USA deshalb in den Graben geschoben werden, da im UN-Sicherheitsrat Moskau und Peking ein Vetorecht innehaben und in der Generalversammlung eine Mehrheit des Globalen S\u00fcdens regelm\u00e4\u00dfig gegen die US-Rekolonisierungspolitik eines erneuerten Imperialismus stimmt, wie im Fall des V\u00f6lkermords in Gaza und der Blockade gegen Kuba. Die UN \u201espielen keine Rolle mehr\u201c, so Rubio. Im besten Falle seien sie zu reformieren.<\/p>\n<p>Es geht dabei um nichts anderes als die Revision der Niederlage Nazi-Deutschlands und des japanischen Kaiserreichs von 1945. Russland als Fortsetzungsstaat der Sowjetunion und China sollen k\u00fcnftig nicht mehr zu den Siegern geh\u00f6ren, da sie der Quell des Aufbegehrens im Globalen S\u00fcden sind. Rubio wird dabei sehr konkret, wo \u00fcberall der US-Imperialismus sich gegen die UN durchsetzen musste. Es folgt eine Liste der j\u00fcngsten Interventionen. In v\u00f6lliger Geschichtsverdrehung f\u00fchrt der Amerikaner aus: \u201eSie konnten den Krieg in Gaza nicht l\u00f6sen. Stattdessen war es amerikanische F\u00fchrung, die die Geiseln von Barbaren befreite und einen zerbrechlichen Waffenstillstand herbeif\u00fchrte.\u201c Kein Wort zum V\u00f6lkermord Israels an den Pal\u00e4stinensern, unterst\u00fctzt durch US-Administration und Bundesregierung. Kein Wort dazu, dass der V\u00f6lkermord weitergeht.&nbsp;<\/p>\n<p>Dann z\u00e4hlt Rubio die Ukraine, Iran, Venezuela auf. Da die UN nicht in der Lage zu Handeln seien, m\u00fcssten dies die US-Amerikaner tun. Die V\u00f6lkerrechtsbr\u00fcche der USA sollen den Weg zum Handeln zeigen. Dabei will man die Europ\u00e4er mitnehmen. \u201eEs wird uns unseren Platz in der Welt zur\u00fcckgeben\u201c, so Rubios M\u00fcnchner Versprechen. Dieser Platz aber muss erk\u00e4mpft werden gegen alle, die sich den USA entgegenzustellen wagen.<\/p>\n<p><strong>Kriegsrhetorik f\u00fcr einen neuen Weltkrieg<\/strong><\/p>\n<p>Rubios Rede ist eine Kriegsrede. Das Versprechen, einen Weltkrieg f\u00fcr die USA f\u00fchren zu wollen, der dieser Gro\u00dfmacht wieder ihren Platz zur\u00fcckgibt. Die Europ\u00e4er erhalten das Versprechen, mitgenommen zu werden auf diesem Weg, weil man auf sie zur St\u00e4rkung der USA nicht verzichten mag. Die Aushungerung Kubas durch die USA d\u00fcrfte dabei nur ein erster Vorgeschmack sein, was noch folgen wird, um 500 Jahre koloniale gemeinsame Geschichte des Westens zu erf\u00fcllen und das Herrschaftsversprechen erneuern zu k\u00f6nnen. Westliche Zivilisation, der es zum Sieg zu verhelfen gilt, wird von Rubio verstanden sowohl als v\u00f6lkische wie auch Kultur- und Glaubensgemeinschaft. Insofern darf das Bewusstsein, das Jahr 1945 als Niederlage zu sehen, durchaus als verst\u00e4ndlich angenommen werden.<\/p>\n<p>US-Pr\u00e4sident Donald Trump und sein Au\u00dfenminister stehen vor einer undenkbaren Operation im globalen Ma\u00dfstab. Das Risiko eines Weltkriegs scheint zum Kalk\u00fcl dazuzugeh\u00f6ren. Wer wird den US-Imperialismus auf diesem Weg stoppen?<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/kolumnen\/dagdelen-direkt\/operation-unthinkable-marco-rubios-rede-in-muenchen\/\"><em>overton-magazin.de&#8230;<\/em><\/a><em> vom 17. M\u00e4rz 2026<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sevim Dagdelen. Der US-Au\u00dfenminister begreift das Jahr 1945 als Niederlage des Westens und will die Nachkriegsordnung samt antikolonialer Befreiung revidieren. 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