{"id":16218,"date":"2026-04-16T17:46:24","date_gmt":"2026-04-16T15:46:24","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16218"},"modified":"2026-04-16T17:46:25","modified_gmt":"2026-04-16T15:46:25","slug":"der-militaerisch-industrielle-finanzkomplex","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16218","title":{"rendered":"Der Milit\u00e4risch-Industrielle Finanzkomplex"},"content":{"rendered":"<p><em>Rob Kenius. <\/em>\u00dcberall, wohin man sich wendet, ist die Stimmung trist und unerfreulich. Die Gef\u00fchle der Menschen, die uns begegnen, sind im negativen Bereich, so wie die eigenen. Der Trend geht weiter so und die Hauptgr\u00fcnde daf\u00fcr sind der Krieg, die st\u00e4ndige Kriegstreiberei, ungebremste R\u00fcstung und Angst vor einer Eskalation. Aber es f\u00e4llt uns schwer, zu erkennen, dass Deutschland und Europa, aus eigenster Entscheidung, auf der Seite stehen, von der die Aggression ausgeht.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir sind auf der Seite der USA, ob wir wollen oder nicht, es gen\u00fcgt, dass die Regierenden in Berlin, Br\u00fcssel, London, Rom und Paris sich strikt auf die Seite der USA geschlagen haben. Und die Regierungen haben Macht \u00fcber uns, \u00fcber Gesetze, Finanzen und Medien. Die USA aber werden im Innern von einer schwer erkennbaren, diffusen \u00dcbermacht beherrscht, die voller Expansion und Aggressionen steckt. Es ist der Milit\u00e4risch-Industrielle Finanzkomplex.<\/p>\n<p><strong>Ein Blick in die Geschichte<\/strong><\/p>\n<p>Der \u00fcbliche Ausdruck Milit\u00e4risch-Industrieller Komplex, war die treffende Bezeichnung f\u00fcr ein verflochtenes System, das in den USA aus engen Beziehungen zwischen dem Milit\u00e4r, der R\u00fcstungsindustrie, den beiden gro\u00dfen Parteien und den Geheimdiensten besteht.<\/p>\n<p>Schon 1961 hatte US-Pr\u00e4sident Dwight D. Eisenhower in seiner Abschiedsrede, vor dieser verborgenen Interessengemeinschaft gewarnt. Das tat er, weil er als siegreicher General des zweiten Weltkriegs \u00fcber Nazi-Deutschland selber aus der Milit\u00e4rf\u00fchrung hervor gegangen war. Er wusste genau, wovon er sprach, und er sprach schlie\u00dflich als erfahrener Politiker aus Sorge um die Zukunft der Demokratie.<\/p>\n<p>Die Demokratie der USA wird stranguliert von milit\u00e4rischen und industriellen Interessen, denen sich die gew\u00e4hlten Repr\u00e4sentanten in beiden Parteien mehrheitlich beugen, wobei sie das Wohl der W\u00e4hler und der Allgemeinheit, also ihren demokratischen Auftrag, l\u00e4ngst vergessen und verraten haben.<\/p>\n<p>Genau das, wovor Eisenhower gewarnt hat, ist aber eingetreten, seine Warnung hat die Gefahr nicht beseitigt. Das Gegenteil geschah:<\/p>\n<p>Als Eisenhower seine Abschiedsrede hielt, wusste er schon, dass der junge John F. Kennedy sein Nachfolger sein w\u00fcrde. Und dieser jugendlich-charismatische Pr\u00e4sident wurde bereits im November 1963 ermordet. Hinter dem Mord, der mit Sch\u00fcssen aus mehreren Richtungen vollsteckt wurde, muss logischerweise eine Organisation gestanden haben, deren Struktur und Personenkreis nie \u00f6ffentlich aufgekl\u00e4rt worden sind.<\/p>\n<p>Das Motiv der M\u00f6rder aber ist leicht zu erahnen: Kennedy hatte sich, nachdem er einen \u00dcberblick \u00fcber die Weltlage gewonnen hatte, f\u00fcr friedliche Weltpolitik und eine Koexistenz mit der Sowjetunion entschieden und sich damit gegen die Interessen des Milit\u00e4risch-Industriellen Komplexes in den USA gewendet. Dazu geh\u00f6ren auch Teile der zahlreichen Geheimdienste, die genau wissen, wie man so ein Verbrechen organisiert. [<em>Anmerkung maulwuerfe.ch<\/em>: siehe dazu das Buch <em>David Talbot: The Devil\u2019s Chessboard. <\/em><em>Allen Dulles, the CIA, and the Rise of America\u2019s secret Government<\/em> (2015)]<\/p>\n<p><strong>Der steile Aufstieg der feudalen Finanzmacht<\/strong><\/p>\n<p>Die verborgene Macht der engen Beziehungen zwischen Milit\u00e4r, R\u00fcstungsindustrie und Politikern, in den USA, ist nie unter demokratische Kontrolle gebracht worden, im Gegenteil, sie wurde noch durch eine weitere Komponente gewaltig verst\u00e4rkt. Es handelt sich dabei um die feudale Macht der Finanzwelt.<\/p>\n<p>Im Jahre 1971 hat US-Pr\u00e4sident Nixon die Losl\u00f6sung des Dollars vom Gold und von jeder materiellen Bindung verk\u00fcndet und damit die grenzenlose Expansion der Finanzmacht erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Wie \u00f6ffentliche und private Banken Geld aus dem Nichts erschaffen, wobei sie Geld und Schulden plus Zinsforderungen gleichzeitig erzeugen, sollte bekannt sein. Man nennt es Girale Geldsch\u00f6pfung. In den USA geschieht diese Vermehrung an US-Dollars seit mehr als f\u00fcnf Jahrzehnten unkontrolliert und unbegrenzt.<\/p>\n<p>Inzwischen ist die Geldmenge vier- bis f\u00fcnfmal so gro\u00df wie das Volumen der realen Wirtschaft. Die viel zu gro\u00dfe, super-fl\u00fcssige Geldmenge, in H\u00e4nden von unberechenbaren Akteuren, macht das Finanzsystem \u00e4u\u00dferst instabil.<\/p>\n<p>Reine Finanzgesch\u00e4fte sind zwar lukrativ, aber auf Dauer nicht sicher, man sucht dringend nach mehr Sicherheit und Anlagem\u00f6glichkeiten in der Realit\u00e4t. Da bieten f\u00fcr hemmungslose Investoren die R\u00fcstung und die R\u00fcstungsindustrie enorme Anreize, die \u00fcbersch\u00fcssigen Milliarden und Billionen in R\u00fcstungsg\u00fcter und Aktien der R\u00fcstungsfirmen zu investieren.<\/p>\n<p><strong>Was die Finanzwelt an der R\u00fcstung fasziniert<\/strong><\/p>\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>R\u00fcstungsg\u00fcter werden von Regierungen geordert und von Volkswirtschaften bezahlt.<\/li>\n<li>Wenn dazu Staatskredite aufgenommen werden, ist das ein zus\u00e4tzliches Gesch\u00e4ft f\u00fcr die Finanzwelt, verbunden mit Zinseinnahmen.<\/li>\n<li>Die Qualit\u00e4tskontrolle ist gering. Die Entscheider sind keine technischen Experten. Der Wert von Waffen zeigt sich erst im Ernstfall, bei Kriegseinsatz.<\/li>\n<li>Im Kriegsfall werden Raketen, Panzer, Feuerwaffen und Munition schnell verbraucht und m\u00fcssen st\u00e4ndig nachgeliefert werden.<\/li>\n<li>Die US-amerikanische Industrie braucht dringend Auftr\u00e4ge, sie hat schon lange au\u00dfer R\u00fcstungsg\u00fctern und Digitaltechnik nicht viel zu bieten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Finanzmacht ist \u00fcber die R\u00fcstung in den Milit\u00e4risch-Industriellen Komplex integriert worden und mit ihrer Geldmenge und deren Beweglichkeit dominiert sie dieses verborgene Geschehen hinter den Kulissen der Politik. Sp\u00e4testens seit der Jahrtausendwende ist die Finanzmacht dominant.<\/p>\n<p>Es handelt sich jetzt also um den Milit\u00e4risch-Industriellen Finanzkomplex, dessen St\u00e4rke und Einfluss durch die Finanzmacht auf ein Mehrfaches angestiegen sind.<\/p>\n<p><strong>Waffen und Milit\u00e4r im Herzen der US-Amerikaner<\/strong><\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r der USA ist schon lange so stark, als st\u00fcnde es bereit, die gesamte Welt zu erobern, aber dahinter steht kein Interesse der breiten Bev\u00f6lkerung und auch nicht unbedingt das der Administration in Washington.<\/p>\n<p>Der Drang zur milit\u00e4rischen \u00dcbermacht der USA resultiert aus der Eroberung des nordamerikanischen Kontinents. Dahinter standen aber Millionen von Einwanderern aus teils armen europ\u00e4ischen Regionen, aus England, Irland, Schottland, Italien, welche in die neuen Staaten gestr\u00f6mt sind und dort eine bessere Zukunft finden wollten. Dazu musste man das Land erst einmal, mit Waffengewalt, den einheimischen St\u00e4mmen und V\u00f6lkern wegnehmen, wie es ja auch geschah. Und genau daraus resultiert der Glaube in den USA, an Waffen und an das Milit\u00e4r. [Ein \u00e4hnlicher Zusammenhang herrscht in Israel, das ja auf dem Zionismus basiert, der ein ultrakolonialistisches Projekt ist; <em>Anm. maulwuerfe.ch<\/em>]<\/p>\n<p>Dieser materielle Drang der Siedler, nach dem Land, dem Besitz und dem Gl\u00fcck in der Zukunft, fehlt aber v\u00f6llig bei den jetzigen Kriegen der USA. Nur die Waffen sind stark, aber niemand will in den Irak, nach Libyen, Afghanistan und erst recht nicht in den Iran, der ein uraltes Kulturland ist, mit einem den Amerikanern v\u00f6llig fremden geistigen \u00dcberbau. Es reizt nicht einmal, dann in die Verwaltung der eroberten Gebiete zu gehen, um eine feindlich gesinnte Bev\u00f6lkerung mit anderen Sprachen und Religionen zu dirigieren.<\/p>\n<p><strong>St\u00e4rker als Volk und Pr\u00e4sident<\/strong><\/p>\n<p>Dass die Kriege trotzdem stattfinden, zeigt uns deutlich, dass hinter den Milit\u00e4raktionen nicht das Volk der USA steht, sondern das Interesse des Milit\u00e4risch-Industriellen Finanzkomplexes, der st\u00e4rker ist als das Volk und st\u00e4rker als der vom Volk gew\u00e4hlte Pr\u00e4sident.<\/p>\n<p>Auch Donald Trump mit seinem Super-Ego und seinem t\u00e4glichen Medientheater ist dem nicht gewachsen. Es gen\u00fcgt ihm, sich in den Medien als die Hauptfigur und den m\u00e4chtigsten Mann der Welt darzustellen.<\/p>\n<p>Der Milit\u00e4risch-Industriellen Finanzkomplex hat am laufenden Band die Kriege angezettelt, aber an einem Sieg ist die Finanzmacht gar nicht interessiert und die Bev\u00f6lkerung erst recht nicht. Nur die Regierung erkl\u00e4rt sich am Ende zum Sieger und l\u00e4sst die zerst\u00f6rten L\u00e4nder im Chaos zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Den Investoren gen\u00fcgte es, dass Waffen gekauft werden, die B\u00f6rsenkurse der R\u00fcstungsfirmen steigen und anderes Geld vernichtet wird, aber nicht das Geld, das ihnen geh\u00f6rt, sondern das Geld der USA und anderer Staaten. Die Geldvernichtung an sich ist willkommen, sie stabilisiert das ausgeuferte Finanzsystem.<\/p>\n<p>Das Milit\u00e4r und die R\u00fcstungsindustrie der USA allein gaben sich mit einem sogenannten Kalten Krieg zufrieden, die Gesch\u00e4fte laufen, die Soldaten werden geschont. Aber der feudalen Finanzmacht, die auf einer abgehobenen Perspektive mit Zahlen operiert, gen\u00fcgt das nicht. Es sollen auch R\u00fcstungsg\u00fcter verbraucht, also Bomben geschmissen und Marschflugk\u00f6rper abgeschossen werden.<\/p>\n<p>Der hei\u00dfere Krieg treibt die R\u00fcstung mehr an und da wird auch mehr Geld vernichtet. Dazu sind also echte Kriege erforderlich, am besten gegen weit entfernte Gegner, aber nicht gegen wirklich gef\u00e4hrliche Feinde, nicht gegen Russland und China.<\/p>\n<p>Der Iran ist wohl f\u00fcr so einen Krieg nach der Gesch\u00e4ftsordnung schon eine Nummer zu gro\u00df. Trotz Enthauptungsschlag kontrolliert der Iran jetzt die Passage der \u00d6ltanker aus den Emiraten und schadet auch Teilen der Finanzwelt, w\u00e4hrend der Energiesektor der USA, genau wie der Russlands, davon profitieren.<\/p>\n<p><strong>Deutschland und Europa auf einem historischen Irrweg<\/strong><\/p>\n<p>Das, was die Welt seit dem Jahr 2000 am meisten bewegt und in den \u00fcberall empfundenen Niedergang treibt, ist der Milit\u00e4risch-Industrielle Finanzkomplex der USA. Daraus resultiert die neue Aggressivit\u00e4t und die Skrupellosigkeit der Machtpolitik, wie sie jetzt ganz offen betrieben wird. Die Europ\u00e4er, an erster Stelle Deutschland, Frankreich und GB, hinken hinterher. Sie befolgen \u00fcbereifrig die Agenda der Atlantiker von 2022, die aber f\u00fcr die USA nicht mehr gilt.<\/p>\n<p>Der Fall Ukraine ist f\u00fcr die USA erledigt, dort ist nichts mehr zu holen. Weitere R\u00fcstungsg\u00fcter kann die Regierung in Kiew nicht bezahlen. Erst, wenn das Land nach dem Krieg neu aufgeteilt wird, werden die Investoren zur Stelle sein.<\/p>\n<p>Wer aber, wie die deutsche Regierung von Friedrich Merz, eine hasserf\u00fcllte Feindschaft zu Russland und den traditionellen Revanchismus nach der Niederlage im Zweiten Weltkrieg als Ma\u00dfstab nimmt und die Hochr\u00fcstung nicht aufgeben kann, weil es gegen Russland geht, der geh\u00f6rt zu den endg\u00fcltigen Verlierern.<\/p>\n<p>Je schneller und je weiter wir uns in Denken und Handeln von den USA, der Nato und dem Feindbild Russland entfernen und der Realit\u00e4t in der Welt zuwenden, desto besser.<\/p>\n<p><em>#Titelbild generiert durch DALL E mit dem Prompt: Steigende Aktienwerte der R\u00fcstungskonzerne.<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><em><a href=\"https:\/\/overton-magazin.de\/top-story\/der-militaerisch-industrielle-finanzkomplex\/\">overton-magazin.de&#8230;<\/a><\/em><em> vom 16. April 2026 mit einigen \u00c4nderungen durch die Redaktion maulwuerfe.ch<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Rob Kenius. \u00dcberall, wohin man sich wendet, ist die Stimmung trist und unerfreulich. Die Gef\u00fchle der Menschen, die uns begegnen, sind im negativen Bereich, so wie die eigenen. 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