{"id":1632,"date":"2016-11-12T17:40:13","date_gmt":"2016-11-12T15:40:13","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1632"},"modified":"2016-11-12T17:40:13","modified_gmt":"2016-11-12T15:40:13","slug":"haette-sanders-gewinnen-koennen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1632","title":{"rendered":"H\u00e4tte Sanders gewinnen k\u00f6nnen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der sozialdemokratische Senator aus Vermont begeisterte Millionen Menschen mit linken Forderungen. H<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>tte er auch Trump schlagen k<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>nnen? Sanders ist fester Bestandteil der Demokratischen Partei und damit des imperialistischen Regimes der USA. <\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong>Und jetzt ruft er zur Zusammenarbeit mit Pr<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>sident Trump auf.<\/strong><\/p>\n<p><em>Wladek Flakin<\/em>. Am n\u00e4chsten Morgen war die ganze Welt fassungslos. Wie konnte das passieren? Konnte dieser hasserf\u00fcllte Clown wirklich 45,5% der US-W\u00e4hler*innen f\u00fcr sich gewonnen haben? Die Antwort auf die Frage ist unglaublich wichtig. Denn davon h\u00e4ngt ab, wie wir andere \u2013 und noch gef\u00e4hrlichere \u2013 rassistische Demagog*innen aufhalten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Katja Kipping, die Co-Vorsitzende der Linkspartei, hatte eine <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/KatjaKipping\/posts\/1304941816204475\">knappe Erkl\u00e4rung<\/a>:<\/p>\n<p><em>Den Gedanken werde ich nicht los: Die Demokraten h<\/em><em>\u00e4<\/em><em>tten mal den Sozialisten Bernie Sanders aufstellen sollen, um Trump die Stirn zu bieten. Nun haben wir den Salat.<\/em><\/p>\n<p>Ins gleich Horn blasen auch Autor*innen mit revolution\u00e4r-marxistischem Selbstverst\u00e4ndnis:<\/p>\n<p>\u2013 Redaktion, <a href=\"https:\/\/www.marx21.de\/us-wahl-warum-trump-sieg-analyse\/\">Marx21<\/a>: \u201eDass der linke Au\u00dfenseiterkandidat Sanders durch die F\u00fchrung der Demokraten verhindert wurde, ist ein wesentlicher Grund f\u00fcr Trumps Sieg.\u201c<\/p>\n<p>\u2013 Jules Jamal, <a href=\"https:\/\/diefreiheitsliebe.de\/politik\/liberales-versagen-sanders-haette-gesiegt\/\">Die Freiheitsliebe<\/a>: \u201eDie US-Demokraten haben den Sieg verschenkt, weil sie nicht auf den Wandel gesetzt haben.\u201c<\/p>\n<p>\u2013 Lucy Redler, <a href=\"https:\/\/www.sozialismus.info\/2016\/11\/verantwortung-fuer-trumps-wahlerfolg-traegt-die-demokratische-partei\/\">SAV<\/a>: \u201eDas Establishment der Demokraten riskierte lieber einen Wahlsieg Trumps, als Bernie Sanders zum Kandidaten zu ernennen und die Kontrolle \u00fcber ihre Partei zu verlieren.\u201c<\/p>\n<p>Das Establishment hat genau den gleichen Gedanken, so <a href=\"http:\/\/www.independent.co.uk\/news\/people\/presidential-election-donald-trump-would-have-lost-if-bernie-sanders-had-been-the-candidate-a7406346.html\">\u201eThe Independent\u201c<\/a> oder die <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/posteverything\/wp\/2016\/11\/10\/hillary-clinton-lost-bernie-sanders-could-have-won\/\">\u201eWashington Post\u201c<\/a>.<\/p>\n<p>W\u00e4re es aber wirklich so einfach gewesen? In der Tat z\u00e4hlt Hillary Clinton seit ihrer Zeit als \u201eFirst Lady\u201c (Ehegattin des Pr\u00e4sidenten) zu den unpopul\u00e4rsten Politiker*innen der USA. Das h\u00e4ngt teilweise mit ihrer Weigerung zusammen, im Wei\u00dfen Haus \u201etypisch weiblich\u201c aufzutreten. So hat sie sich lange geweigert, den Nachnamen ihres Ehemannes zu \u00fcbernehmen, und mischte sich ins politische Gesch\u00e4ft ein. Genauso hat es mit ihrer engen Verbindungen zum Gro\u00dfkapital und ihrem Einsatz f\u00fcr endlose Kriege zu tun.<\/p>\n<p>Umfragen aus der Zeit der demokratischen Vorwahlen zeigen, dass Sanders ein deutlich besserer Kandidat als Clinton war. Im Mai hie\u00df es etwa, dass Sanders mit 54% zu 39% Trump besiegen k\u00f6nnte. Clinton dagegen h\u00e4tte laut der gleichen Umfrage nur einen winzigen Vorsprung von 46% zu 43% gehabt.<\/p>\n<p>Das Ph\u00e4nomen Sanders hat die gleiche Grundlage wie Trumps Sieg: Die breite Ablehnung der politischen Elite, der Auswirkungen der Globalisierung und die tiefgreifende soziale und politische Polarisierung. Nur so ist zu verstehen, dass Clinton als Vertreterin des Establishments sieben Millionen Stimmen im Vergleich zu den Wahlen 2012 verlor. Dass ein rassistischer Demagoge wie Trump Pr\u00e4sident wurde, zeigt, dass gro\u00dfe Teile der Bev\u00f6lkerung offen f\u00fcr au\u00dfergew\u00f6hnliche L\u00f6sungen f\u00fcr ihre Probleme sind. Sanders vertrat keine solche \u201eau\u00dfergew\u00f6hnliche L\u00f6sung\u201c im Interesse der Arbeiter*innenklasse, weckte jedoch unter Millionen von Jugendlichen die Hoffnung auf Ver\u00e4nderung.<\/p>\n<p>Also h\u00e4tte Sanders gewonnen, oder? Dar\u00fcber, ob die Zahlen von vor einem halben Jahr konstant geblieben w\u00e4ren, k\u00f6nnen wir nur spekulieren. H\u00e4tte der j\u00fcdische Kandidat darunter gelitten, dass Trump mit gar nicht so subtilen antisemitischen Botschaften um sich warf? Und noch wichtiger: W\u00e4re Sanders zum Sprecher des demokratischen Fl\u00fcgels der Bourgeoisie geworden, h\u00e4tte das keine Auswirkungen auf seinem Programm und dadurch auch seine Beliebtheit gehabt?<\/p>\n<p>Wir wissen eben nicht, ob Sanders Trump verhindert h\u00e4tte. Wir wissen nur: Sanders hat nach den Vorwahlen Wahlkampf f\u00fcr Clinton gemacht. Sanders tat genau das, was er seit dem ersten Tag seiner Kampagne versprochen hatte.<\/p>\n<p>Sanders ist ein jahrzehntelanger Demokrat, der nur aus taktischen Gr\u00fcnden als \u201eUnabh\u00e4ngiger\u201c auftritt. Er ist ein Unterst\u00fctzer ziemlich aller milit\u00e4rischen Abenteuer des US-Imperialismus (mit der einzigen Ausnahme des Irak-Kriegs, den Sanders ablehnte). Er ist Unterst\u00fctzer der Waffenindustrie, weil diese angeblich Arbeitspl\u00e4tze schaffe.<\/p>\n<p>Sanders merkt eben, dass die Basis der b\u00fcrgerlichen Herrschaft in den USA allm\u00e4hlich erodiert, und er ruft zu gewissen sozialdemokratischen Reformen auf, um den Kapitalismus zu stabilisieren. Er sprach von einer \u201epolitischen Revolution\u201c \u2013 aber meinte nie etwas anderes als eine Reform der Demokratischen Partei. Immer wieder rief er seine Unterst\u00fctzer*innen auf, bei den Demokrat*innen \u2013 dem \u201eFriedhof der sozialen Bewegungen\u201c \u2013 einzutreten.<\/p>\n<p>Deswegen ist es nur konsequent: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/fuck-trump-zehntausende-protestieren-gegen-den-neuen-us-praesidenten\/\">W\u00e4hrend Zehntausende Menschen auf die Stra\u00dfe gehen<\/a> und \u201eFuck Trump\u201c rufen, macht der \u201eSozialist\u201c Sanders genau das Gegenteil. In einer Stellungnahme sagt er:<\/p>\n<p><em>Wenn Mr. Trump ernsthaft an einer Politik interessiert ist, die die Leben von arbeitenden Familien in diesem Land verbessern kann, bin ich gemeinsam mit anderen Progressiven bereit, mit ihm zusammenzuarbeiten.<\/em><\/p>\n<p>Gut, er sagt auch, dass er gegen Trump sein wird, <em>falls<\/em> dieser rassistische oder sexistische Politik betreibt. Aber Sanders verliert bewusst kein Wort \u00fcber den n\u00f6tigen Widerstand gegen Trump in den Betrieben, in den Schulen und Universit\u00e4ten, auf den Stra\u00dfen. Sanders \u201eRevolution\u201c (unter dem Namen: <a href=\"https:\/\/ourrevolution.com\/press\/our-revolution-statement-election-results\/\">Our Revolution<\/a>) ist ein politischer Apparat, dem man Geld spenden kann. Sanders will keine Revolution \u2013 vielmehr will er den Staat gegen eine Revolution verteidigen.<\/p>\n<p>Diese Hoffnung auf demokratische Politiker*innen (egal ob \u201elinke\u201c wie Sanders oder rechte wie Clinton) f\u00fchrt direkt zu Trump. Widerstand gegen den Trumpismus \u2013 und Trump wird nicht der letzte seiner Art sein! \u2013 wird nur m\u00f6glich sein, wenn wir uns unabh\u00e4ngig von den Parteien des Kapitals organisieren.<\/p>\n<p><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/haette-sanders-gewinnen-koennen\/\">Klasse gegen Klasse<\/a> vom 11. November 2016<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der sozialdemokratische Senator aus Vermont begeisterte Millionen Menschen mit linken Forderungen. H\u00e4tte er auch Trump schlagen k\u00f6nnen? 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