{"id":16354,"date":"2026-06-19T12:23:12","date_gmt":"2026-06-19T10:23:12","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16354"},"modified":"2026-06-19T12:23:14","modified_gmt":"2026-06-19T10:23:14","slug":"trumps-iran-krieg-mittel-zur-dominanz-ueber-rohstoff-transportwege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16354","title":{"rendered":"Trumps Iran-Krieg: Mittel zur Dominanz \u00fcber Rohstoff-Transportwege"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Roland Benedikter.<\/em> Geht es im Iran-Krieg direkt um das \u00d6l des Landes? Wohl nicht vorrangig. Das Augenmerk der Trump-Regierung dreht sich allen Aussagen nach um eine deutlich entscheidendere Schnittstelle. Ihr ultrakonservatives Programm \u00bbMake America Great Again\u00ab ben\u00f6tigt nach innen die Schw\u00e4chung demokratischer Organe zur Konzentration auf die Pr\u00e4sidialmacht. Nach au\u00dfen braucht es die brachiale Erneuerung globaler US-Wirtschaftshegemonie \u2013 weniger mittels der Kontrolle der Ressourcen an sich, sondern vielmehr der Ressourcen-Transportwege. Dieses Motiv ist wichtig, um die wirtschafts- und kriegspolitische Agenda der Trump-Regierung zu verstehen \u2013 und den Bezug zu ihrem Agieren f\u00fcr eine \u00bbFuture Economy\u00ab herzustellen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Welt wundert sich: Warum nehmen die USA mit solch brachialer Gewalt an der Seite Israels am Iran-Krieg teil? Die Ziele Israels unter Ministerpr\u00e4sident Benjamin Netanjahu wurden immer wieder \u00f6ffentlich gemacht und sind erkennbar, auch wenn man sie nicht teilt. Dagegen bleiben die Ziele US-Amerikas unklar. Sie erscheinen angesichts fast t\u00e4glich neuer Programm-\u00ad\u00c4u\u00dferungen der Trump-Regierung zu Vorhaben, Taktik und Ende des Krieges geradezu als organisierte Planlosigkeit. Die Mehrheit der Kommentator*innen meinte zudem, das Vorgehen sei zutiefst widerspr\u00fcchlich. Es k\u00f6nne in Summe ja letztlich nur um das iranische \u00d6l gehen. Denn der Krieg w\u00fcrde den \u00d6lpreis f\u00fcr die USA erh\u00f6hen \u2013 und damit die bereits auf dem Rekordstand von ca. 39 Bio. US$ stehenden Staatsschulden, die mittlerweile ein Drittel des globalen Schuldenstands ausmachen, ebenso weiter anschwellen lassen wie das ca. 1,9 Bio. US$ schwere Haushalts- und Handelsdefizit pro Jahr. Der Krieg selbst koste schlussendlich weit mehr als jene 200 Mrd. US$, die die Regierung bereits nach der zweiten Kriegswoche als Sonderfinanzierung vom Kongress anforderte. Also m\u00fcsse man sich das iranische \u00d6l holen, um die L\u00f6cher zu stopfen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zugleich verneint aber die Trump-Regierung immer wieder ausdr\u00fccklich das Interesse an iranischen Bodensch\u00e4tzen \u2013 mit Verweis darauf, dass die USA unter dem aktuellen Pr\u00e4sidenten selbst zum gr\u00f6\u00dften Energie- und Leicht\u00f6lproduzenten der Welt aufgestiegen seien. Tats\u00e4chlich ist das Land bereits seit Mitte der ersten Pr\u00e4sidentschaft Trumps der gr\u00f6\u00dfte \u00d6lproduzent der Welt vor Saudi-Arabien und Russland.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was also strebt die US-Regierung in ihrem Krieg gegen Iran wirklich an, wenn es nicht direkt ums \u00d6l geht oder gar darum, das iranische Volk zu befreien und Demokratie zu bringen? Auch letztere Ideen haben Donald Trump und sein Kriegsminister Pete Hegseth in allen Stellungnahmen ausdr\u00fccklich abgelehnt, und zwar mit Verweis auf ihre Maxime eines \u00bbharten Realismus\u00ab f\u00fcr ein \u00bbAmerika, das wieder gro\u00df wird\u00ab (\u00bbMake America Great Again\u00ab). Eigene St\u00e4rke soll das Bestehen in der heutigen \u00bbglobalen Systemverschiebung\u00ab der \u00bbReglobalisierung\u00ab sichern (Benedikter 2021).<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Absicht der Trump-Regierung im Iran-Krieg ist vor diesem Hintergrund weniger politisch, als vielmehr wirtschaftlich. Und sie ist weniger kurzfristig \u2013 also auf die Dauer des Krieges \u2013 als vielmehr langfristig angelegt. Es geht Trump in seiner Mission in erster Linie um die Sanierung des amerikanischen Defizits und Schuldenbergs.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Leitmotiv: Amerika sanieren, Ressourcen-Verteilung dominieren<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die st\u00e4ndig weiter anwachsenden Rekordschulden sind selbst f\u00fcr die f\u00fchrende Wirtschaftsmacht der Erde nicht nachhaltig und drohen das Land in die Knie zu zwingen. Trump will das Ruder herumrei\u00dfen, und zwar mit allen Mitteln.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu muss Amerika aus seiner Sicht wieder libert\u00e4r-expansiv agieren: also die dominante Wirtschaftsmacht der Welt sein. Nur so werden aus Trumps Sicht die globalen Kapital- und Wirtschaftsstr\u00f6me wieder st\u00e4rker um die USA kreisen, nicht um aufsteigende Rivalen wie China. Das geht \u00fcber die Kombination verschiedener Bausteine:<\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Erstens eine aggressive KI- und \u00adCyber- Strategie (The White House 2025a, 2026a);<\/li>\n<li>zweitens die massive F\u00f6rderung von Weltraum\u00f6konomie und Langlebigkeits\u00adindustrie (\u00bbaging industry\u00ab) (The White House 2026b);<\/li>\n<li>drittens die Neuverhandlung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen mit China und Europa;<\/li>\n<li>viertens den neuen pan-amerikanischen Verteidigungs-\u00bbSchild der beiden Amerikas\u00ab zum \u00bbZusammenschluss\u00ab der \u00bbwestlichen\u00ab Hemisph\u00e4re (Camino Gonzales 2026), wozu auch Venezuela und bald wohl auch Kuba geh\u00f6ren sollen.<\/li>\n<li>Der Zugriff auf die Kontrolle von System-Schnittstellen erfolgt, f\u00fcnftens, mittels Vereinnahmung der Kryptow\u00e4hrungsindustrie und der gro\u00dfen Algorithmen-Kapitalkonglomerate, die sich Trump seit seiner Inauguration am 20. Januar 2025 demonstrativ angeschlossen haben.<\/li>\n<li>Sie erfolgt, sechstens, im Abbau von so verstandenen \u00bbSystemunterbrechern\u00ab des neo-libert\u00e4ren Kapitalismus wie der Nachhaltigkeitsagenda und der kritischen sozialwissenschaftlichen Universit\u00e4tsbildung \u2013 zugunsten von Forschungsschwerpunkten in naturwissenschaftlichen \u00bbDual-Use\u00ab-Zukunftsbereichen, darunter Quanten- und Fusionstechnologie, Neuronale Netzwerke sowie Kognitive und\u00a0Neurotechnologische Kriegsf\u00fchrung (Gior\u00addano 2026).<\/li>\n<li>Das Bindeglied des Ganzen ist aus Sicht Trumps, siebtens, die Wiedergewinnung der Kontrollvormacht \u00fcber die weltweiten Ressourcenwege. Dabei geht es nicht um die Ressourcen an sich, sondern um die Kontrolle ihrer Schnittstellen. Das Motto ist: Kontrolliere nicht statische Gebiete, sondern dynamische Prozesse und Passagen, also nicht Orte und Gegenst\u00e4nde, sondern Bewegungen und Durchfl\u00fcsse an den Nadel\u00f6hren. Denn damit k\u00f6nnen Ressourcen effizienter kontrolliert werden als durch die Besetzung oder den antizipativen Erwerb von Territorien, wie das China \u00fcber Jahre systematisch in Afrika oder S\u00fcdamerika getan hat.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>St\u00fctzung des US-Dollars<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fcr die Trump-Regierung ist die Kontrolle von Ressourcenwegen weltweit auch deshalb zentral, um an der Basis des \u00bbMake America Great Again\u00ab-Programms die Rolle des US-Dollars als Weltreservew\u00e4hrung zu st\u00fctzen. Damit soll die Kaufkraft der MAGA-W\u00e4hler*innenschaft zuhause gesichert werden, die eher zum unteren Mittelstand und zur Arbeiter*innenschaft geh\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vorbild f\u00fcr diese Sicherungsstrategie der eigenen W\u00e4hrung in volatilen Zeiten ist die machtpolitische Hochphase des US-Dollar von Bretton Woods 1944 \u00fcber das Ende der Goldpreisbindung 1971 bis in die \u00c4ra der \u00bbgl\u00fccklichen Globalisierung\u00ab zwischen der weltpolitischen Wende 1989-1991 und dem offenen Beginn der Deglobalisierungs-Phase Mitte der 2010er Jahre. Seit den 1970er Jahren konnte man als US-Regierung letztlich \u00bbwertloses\u00ab Papiergeld ohne Goldbindung gegen materielle G\u00fcter und konkrete Leistungen in der ganzen Welt eintauschen, und man zog daraus Wohlstand. Das war nur deshalb m\u00f6glich, weil der US-Dollar als Weltreservew\u00e4hrung diente, da \u00d6l nur mit ihm gekauft werden konnte (Paul 2006). Der US-Dollar war deshalb die Weltreservew\u00e4hrung, weil das US-Milit\u00e4r mit seinen Blauwasserflotten als einziges Milit\u00e4r dazu in der Lage war, die weltweiten Verschiffungswege der in dieser Weltphase entscheidenden Schl\u00fcsselressource Erd\u00f6l zu sch\u00fctzen. Das f\u00fchrte zu einem Machtkreislauf, der die USA f\u00fcr Jahrzehnte als die dominante Wirtschafts- und Politikmacht der Erde positionierte: Das US-Milit\u00e4r st\u00fctzte die Rolle des Dollars, der Dollar finanzierte das US-Milit\u00e4r. Dadurch konnten die USA seit 1971 weit mehr Geld ausgeben, als die Inflation vertragen h\u00e4tte, weil alle anderen L\u00e4nder erhebliche Mengen US-Dollar als Devise halten mussten, um im Notfall die kritische Ressource \u00d6l zu kaufen (vgl. Dohmen 2017).<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solange dieser Kreislauf nicht durchbrochen wurde, war die Stellung der USA unantastbar und deren Wohlstand gesichert. Doch seit China damit begonnen hat, neun Blauwasser-Flugzeugtr\u00e4gerflotten bis 2035 zu bauen (beginnend mit der \u00bbShandong\u00ab 2014, vgl. Stahnke 2025) und dar\u00fcber hinaus bis 2050 mindestens 20 Flotten anstrebt, die Amerikas 11 Flotten beim Schutz der weltweiten Ressourcenwege ebenb\u00fcrtig Konkurrenz machen sollen, ist diese \u00bbStabilit\u00e4t\u00ab aus Sicht der USA in Gefahr (vgl. U.S. Department of Defense 2025). Deshalb scheint die Festsetzung an zentralen Ressourcen-Durchgangspunkten wie der von Iran kontrollierten Stra\u00dfe von Hormus umso wichtiger: Die USA wollen weiter als die Schutzmacht fungieren, die an kritischen Nadel\u00f6hren nicht verdr\u00e4ngt werden kann.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hauptrivale China<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Hauptrivale China hat klare strategische Vorteile bezogen auf den direkten Zugriff auf Ressourcen an sich. Das betrifft insbesondere seltene Erden und Metalle, bei denen es bis zu 90 % der heute verf\u00fcgbaren Vorkommen kontrolliert, aber auch die Chip- und Weltraum\u00f6konomie. China hat nicht nur in den letzten Jahrzehnten kontinuierliche Ressourcensicherungs-Strategien zielgerichtet verfolgt, w\u00e4hrend vor allem Europa schlief, sondern nun auch im KI-Bereich umfassende Konkurrenzoffensiven zu den USA lanciert. Heute schickt sich die \u00bbneo-kommunistische\u00ab Weltmacht an, im s\u00fcdchinesischen Meer mittels Zugriffs auf Taiwan und dessen wichtige Schifffahrtswege nicht nur die Halbleiterdominanz auszubauen, sondern eben auch an der Vorherrschaft der USA in der geopolitischen Strategie der Kontrolle der Seewege zu kratzen \u2013 und damit den Dollar zu sch\u00e4digen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor diesem Hintergrund mittelfristiger Verschiebungen im asiatischen W\u00e4hrungs- und Finanzraum wird der Nahe Osten mit dem Nadel\u00f6hr der Hormus-Stra\u00dfe f\u00fcr die perspektivische Sicherung der US-Positionierung wieder wichtiger \u2013 umso mehr, als die US-Hinwendung zum Pazifik (\u00bbPivot to Asia\u00ab) unter Barack Obama und sp\u00e4ter auch unter Joe Biden schon seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten nicht die damit verbundenen Hoffnungen erf\u00fcllt (Blackwill und Fontaine 2024). Weil China bis zum Ausbruch des Iran-Krieges 80 % des iranischen \u00d6ls abnahm (ca. 1\/6 des chinesischen Bedarfs), liegt in diesem Krieg auch ein machtpolitisch willkommener Seiteneffekt verborgen, n\u00e4mlich Chinas F\u00fchrung einen \u2013 wenn auch nur kleinen \u2013 wirtschaftlichen D\u00e4mpfer zu verpassen und sie \u2013 geostrategisch \u2013 auf die Risiken einer Taiwan-Intervention aufmerksam zu machen. Interessanterweise haben sich die Provokationen des chinesischen Milit\u00e4rs im Verteidigungsraum Taiwans seit dem Iran-Krieg deutlich reduziert, wof\u00fcr Analytiker*innen allerdings auch eine Reihe weiterer Gr\u00fcnde anf\u00fchren (Reed et al. 2026).<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Strategie der Verbindungswege<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es geht also im Gesamtbild um die Dominanz \u00fcber funktional unumg\u00e4ngliche \u00bbDrehscheiben\u00ab. Die Dominanz \u00fcber die Schifffahrtswege f\u00fcr das \u00d6l ist dazu ebenso ein strategischer Baustein wie die angestrebte internationale Informationsdominanz durch Algorithmen-Monopole und KI-Chatbot-Plattformen, der Einfluss auf die Mobilit\u00e4tsgrundlagen der Weltraum\u00f6konomie (u.a. SpaceX) und die Langlebigkeitsindustrie bzw. den Trans\u00adhumanismus, die zusammengenommen laut Erwartungen des Trump-Umfeldes zwei der gr\u00f6\u00dften Wachstumsm\u00e4rkte ab den 2040er Jahren sein werden. Die US-Machtstrategie, die sich vor allem in der aktuellen US-Sicherheitsstrategie vom November 2025 niederschl\u00e4gt, ist im Kern der Kontrolle von Ein- und Ausg\u00e4ngen und Verbindungsstellen gewidmet (The White House 2025b). Insgesamt geht es um die Dominanz weniger der einzelnen Elemente, als vielmehr ihrer vernetzten und aktiven Dynamiken. Die Kontrolle der Stra\u00dfe von Hormus bleibt daf\u00fcr noch f\u00fcr Jahrzehnte ein wichtiges Puzzleteil, n\u00e4mlich mindestens f\u00fcr die Zeit des verbleibenden \u00d6ls. Dass Trump in der dritten Kriegswoche den Vorschlag von Frankreichs Pr\u00e4sident Macron akzeptierte, dass die restlichen G7 (sprich: Gro\u00dfbritannien, Kanada, Frankreich, Italien, Deutschland und Japan) nach dem Krieg unter F\u00fchrung der USA gemeinsam f\u00fcr Sicherheit in der Stra\u00dfe von Hormus sorgen sollen, war eine Best\u00e4tigung dieses Prinzips.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ablenkungen, \u00bbGaslighting\u00ab und das Ende aller Zur\u00fcckhaltung<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Von dieser Denkweise ausgehend, geht es der Trump-Regierung im Gro\u00dfen und Ganzen erkennbar um eine neokoloniale Wirtschaftspolitik. Kernziel ist, dass vom US-Vorgehen in der Welt die US-amerikanische Wirtschaft und damit auch der US-amerikanische Dollar den meisten Nutzen zieht. Der ideologische Isolationismus wird also \u00fcber eine neue Form des Au\u00dfenwirtschaftsimperialismus erg\u00e4nzt. Die Aussage Trumps am Ende der zweiten Kriegswoche, dass ein hoher \u00d6lpreis gut f\u00fcr die USA sei, weil man dadurch sehr viel Geld verdiene (Gardner und Heavey 2026), passt ebenfalls dazu. Tats\u00e4chlich hat die US-\u00d6lindustrie von den seit dem Krieg gestiegenen \u00d6lpreisen massiv profitiert und in manchen F\u00e4llen bis zu 40 % mehr Gewinn gemacht (Dang et al. 2026), gemessen am Cashflow sogar bis zu 64 % (Cerullo 2026).<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Eskortierung von Tankern unter Zuhilfenahme von US-Kriegsschiffen durch die Stra\u00dfe von Hormus ab der dritten Kriegswoche war eine symbolische Demonstration der Bedeutung der Schnittstellenstrategie f\u00fcr Trumps Gesamtvision; ebenso wie sein Zornausbruch am Ostersonntag, den 5. April, an dem er \u00fcber sein Social Media Netzwerk \u00bbTruth Social\u00ab die Zerst\u00f6rung ziviler Infrastruktur in gro\u00dfem Stil androhte und den Tabubruch beging, Iran mit der Vernichtung der Zivilisation zu drohen, sollte Iran nicht die Stra\u00dfe von Hormus \u00f6ffnen. Die j\u00fcngste Demonstration war die \u00bbGegenblockade\u00ab der Stra\u00dfe von Hormus ab dem 14. April 2026, um allen Schiffen ein Anlaufen iranischer H\u00e4fen zu untersagen. Der eine V\u00f6lkerrechtsversto\u00df sollte den anderen rechtfertigen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei alledem sollte man sich allerdings nicht von Trumps st\u00e4ndig eingestreuten, notorischen Verwirrungs- und Ablenkungsstrategien irritieren lassen, die er als Gesch\u00e4ftsmann systematisch praktiziert. Seine Aussage, er werde die Sicherung der Stra\u00dfe von Hormus nach dem Krieg den Alliierten der USA \u00fcberlassen, weil die USA sie wegen der eigenen \u00d6l\u00fcbersch\u00fcsse nicht br\u00e4uchten, war typischer Teil seiner Signalisierung \u00bbabsoluter\u00ab \u00dcberlegenheit; andererseits war sie Ausdruck seines st\u00e4ndigen Bluff-Instinkts und seiner Zwielichtigkeit mit Methode (\u00bbgaslighting\u00ab). Seine darauffolgenden Bem\u00fchungen, die Stra\u00dfe von Hormus sogar um den Preis zu sichern, mit der Insel Charg iranisches Territorium zu besetzen, deuteten n\u00e4mlich auf das Gegenteil hin: dass es ein Kernanliegen der USA ist, die Ressourcen-Schifffahrtswege und allen voran die Stra\u00dfe von Hormus von Iran zu \u00bbbefreien\u00ab.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Angriffe auf zivile Infrastruktur zeigen zudem, dass das Streben nach wirtschaftlicher Dominanz mittels hartem milit\u00e4rischem Machteinsatz auch vor offenem V\u00f6lkerrechtsbruch nicht zur\u00fcckschreckt. Es werden mehr oder weniger bewusst Grenzen \u00fcberschritten, um die eigene Entschlossenheit zu zeigen \u2013 und sich damit als exemplarisch in der US-Geschichte zu positionieren. Als zum Beispiel Kriegsminister Hegseth verk\u00fcndete, es w\u00fcrden <em>\u201ekeine Gefangenen gemacht, es gibt keine Gnade f\u00fcr unsere Feinde\u201c (\u201eno quarter, no mercy\u201c)<\/em>, beging er damit laut allen Vorschriften und Regeln des US-Milit\u00e4rs selbst einen kriminellen Akt. Laut US-Recht ist die Erkl\u00e4rung von \u00bbno quarter\u00ab ausdr\u00fccklich verboten und, soweit als Befehl ausgegeben, ein Kriegsverbrechen \u2013 nicht nur ein \u00bbV\u00f6lkerrechtsbruch\u00ab, wie Bundespr\u00e4sident Steinmeier es ausdr\u00fcckte.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ausblick: Achillesfersen und ihre Kompensation<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt aber mindestens eine klare Achillesferse f\u00fcr Trumps Handeln. Trumps Sichtweise ist \u00fcberproportional wirtschaftsabh\u00e4ngig. Die Hochzeit der physisch gebundenen Ressourcenwege-Strategie k\u00f6nnte noch schneller als gedacht der Informationswege-Dominanz auf virtuellem Gebiet weichen, was vieles am Iran-Krieg f\u00fcr \u00fcberholt erscheinen lie\u00dfe. Trump h\u00e4tte dann Milliarden f\u00fcr einen Baustein seiner Strategie verwendet, die er lieber woanders investiert h\u00e4tte. Dar\u00fcber hinaus sind Trumps Visionen, Ans\u00e4tze und Vorgehensweisen viel zu stark von seiner bald 80-j\u00e4hrigen Person abh\u00e4ngig, um mit den weit langfristiger angelegten Macht\u00adentwicklungs-Strategien Chinas (\u00bbDer Berg bewegt sich nicht\u00ab, vgl. Benedikter und Nowotny 2014) oder den in einer Heilsmythologie verankerten Visionen Russlands (\u00bbDer Kampf des Heiligen Georg gegen den Drachen\u00ab, vgl. Benedikter 2023) auf Dauer zu konkurrieren. W\u00fcrde Trump ausfallen, w\u00fcrde sich mit einem Schlag sehr vieles \u00e4ndern (k\u00f6nnen) \u2013 zu viel f\u00fcr ein Land, das nicht nur die wirtschaftlich am st\u00e4rksten globalisierte Nation, sondern auch die demokratische Leitnation der Erde und also auf Kontinuit\u00e4t angewiesen ist.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fazit? Mit dem Ringen um Dominanz entscheidender Welt-Umschlags-Passagen wie der Stra\u00dfe von Hormus dient der Iran-Krieg neben der tempor\u00e4ren Schw\u00e4chung und Abschreckung Chinas dem Wiedergewinn und dem Ausbau des zentralen Paradigmas amerikanischer Vorherrschaft: der Kontrolle der globalen Verbindungsstellen. Dass das Regime in Iran es zur zentralen Voraussetzung f\u00fcr ein Friedensabkommen erkl\u00e4rt hat, dass Iran die Kontrolle \u00fcber die Stra\u00dfe von Hormus nicht nur vollends behalten solle, sondern k\u00fcnftig sogar Maut von durchfahrenden Schiffen erheben d\u00fcrfe, unterstreicht die Plausibilit\u00e4t der Diagnose, dass es nicht um das \u00d6l an sich, sondern um die Stra\u00dfe seiner Verschiffung geht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was bleibt? Trump ersetzt mit seinem Vorgehen politische Rationalit\u00e4t und politische \u00d6konomie durch \u00f6konomische Geopolitik. Das soll f\u00fcr die kommenden Jahre die Standards setzen \u2013 auf allen Gebieten. Es bleibt allerdings fraglich, ob diese Rechnung unter den Bedingungen des 21. Jahrhunderts aufgeht. Ebenso offen bleibt, was das f\u00fcr die EU und Deutschland bedeutet. Beide sind kaum direkt von Importen \u00fcber die Stra\u00dfe von Hormus abh\u00e4ngig, da die EU weniger als 9 % und Deutschland weniger als 1 % der Rohstoffe dar\u00fcber bezieht (Flach und Bodenschatz 2026). Doch \u00fcber steigende Rohstoffpreise im Gefolge des Krieges und Investitionsstaus wegen der damit verbundenen Unsicherheit sind beide ebenso betroffen, wie von der Gef\u00e4hrdung der Weltwirtschaft durch die Kombination von Trumps Zollpolitik mit seinen regionalen Kriegen. Das ist der Grund, warum sich Europa dann auch an der Nachkriegssicherung der Stra\u00dfe von Hormus beteiligen wird \u2013 und sich dazu Mitte April ausdr\u00fccklich ohne die USA intern abgestimmt hat. Auf Dauer werden solche Mischungen aus Gef\u00fcgigkeit und Trotz allerdings nicht ausreichen. Europa ben\u00f6tigt endlich eine eigene, langfristige und multidisziplin\u00e4r integrierte Strategie. Allerdings w\u00e4re sicherzustellen, dass solche langfristigen Strategien (nicht nur der Weltmacht USA, sondern letztlich auch Europas) nicht von einer einzigen Person wie im Fall Trumps abh\u00e4ngen. Dies w\u00e4re ein hohes Risiko, das Demokratien mit ihrer vergleichsweise langsamen, stetigen und im Prinzip auf Kooperation angewiesenen Entwicklungslogik so nicht eingehen sollten. Die Idee der Wirtschaftshegemoniebestrebungen sollte dar\u00fcber hinaus kritisch begrenzt und der Kriegf\u00fchrung aus Kontrollgr\u00fcnden eine deutliche Absage erteilt werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Benedikter, R. (2021): What is Re-Globalization? A key term in the making that characterizes our epoch. New Global Studies 15(1), S. 73-84.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Benedikter, R. (2023): The role of religion in Russia\u2019s Ukraine war. Part 1: A map of the situation. Zeitschrift f\u00fcr Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik 16(1), S. 79-100.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Benedikter, R.; Nowotny, V. (2014): China: Situation und Perspektiven des neuen weltpolitischen Akteurs. Cham: Springer Nature.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Blackwill, R. D.; Fontaine, R. (2024): Lost decade. The U.S. Pivot to Asia and the rise of Chinese power. Oxford: Oxford University Press.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Camino Gonzales, J. (2026): \u2018Shield of the Americas\u2019: Trump launches regional coalition. Deutsche Welle, 7.3.2026.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Cerullo, M. (2026): U.S. oil producers could get $63 billion boost from high crude prices, analysis shows. CBS News, 19.3.2026.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dang, Sh. et al. (2026): Big Oil to reap billions from Iran war windfall after a month of soaring energy prices. Reuters, 26.3.2026.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dohmen, C. (2017): Weltw\u00e4hrung: Die Vorherrschaft des US-Dollars. Deutschlandfunk, 27.11.2017.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Flach, L.; Bodenschatz, Ph. (2026): The role of the Strait of Hormuz for Germany and the EU. EconPol Policy Brief 81, M\u00e4rz 2026.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gardner, T.; Heavey, S. (2026): Trump touts oil price gains, saying \u2018we make a lot of money,\u2019 angering lawmakers. Reuters, 12.3.2026.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Giordano, J. (2026): Cognitive warfare 2026: NATO\u2019s chief scientist report as sentinel call for operational readiness. Institute for National Strategic Studies, 6.1.2026.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paul, R. (2006): The end of dollar hegemony. Speech at the U.S. House of Representatives. Congressional Records of the Congress of the United States of America 152(19), House of Representatives, 15.2.2006.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Reed, N. et al. (2026): All quiet in the Taiwan Strait? Explaining the recent drop in PLA aircraft activity around Taiwan. Taiwan Security Monitor, M\u00e4rz 2026.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stahnke, J. (2025): Zeremonie in China: Peking stellt dritten Flugzeugtr\u00e4ger in Dienst. FAZ, 7.11.2025.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The White House (2025a): Winning the race: America\u2019s AI action plan. Washington DC, Juli 2025.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The White House (2025b): National Security Strategy of the United States of America. Washington DC, November 2025.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The White House (2026a): President Trump\u2019s Cyberstrategy for America. Washington DC,. M\u00e4rz 2026.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">The White House (2026b): Grow the Economy agenda of President Donald J. Trump. 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