{"id":1644,"date":"2016-11-16T12:59:58","date_gmt":"2016-11-16T10:59:58","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1644"},"modified":"2016-11-16T12:59:58","modified_gmt":"2016-11-16T10:59:58","slug":"atomenergie-nordkorea-vor-unserer-haustuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1644","title":{"rendered":"Atomenergie\u00a0: Nordkorea vor unserer Haust\u00fcr"},"content":{"rendered":"<p><em>Jos\u00e9 Sanchez. <\/em><strong>Zuk\u00fcnftige Generationen werden an dem Erbe der radioaktiven Abf\u00e4lle schwerer zu tragen haben, als an allen \u00f6ffentlichen Schulden der Welt. Eine Bedrohung, die eine sofortige Abschaltung aller Atomkraftwerke bei weitem rechtfertigt.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Die durch die Atomkatastrophe von Tschernobyl 1986 hervorgerufene grosse Angst scheint in weite Ferne ger\u00fcckt. Die durch die in Fukushima im Jahre 2011 hervorgerufene Beunruhigung schw\u00e4cht sich ebenfalls ab. Wir m\u00f6chten einfach daran erinnern, dass sich in der Schweiz 14 Kantone in der Hochrisikozone, das heisst im Bereich von 50 Kilometer um eines der f\u00fcnf Atomkraftwerke befinden. Die Wolken der radioaktiven Verseuchung spotten \u00fcber den F\u00f6deralismus, \u00fcber die Kantonsgrenzen und \u00fcber den R\u00f6stigraben.<\/p>\n<p>Diese zwei Katastrophen der Atomindustrie erinnern uns an die grosse Gefahr, die von dieser Art der Stromproduktion ausgeht. Diese Gefahr ist der Natur der radioaktiven Strahlung geschuldet. Deren Energie muss kontrolliert und in sehr ausgefeilten H\u00fcllen eingekapselt werden.<\/p>\n<p><strong>\u00abAbf\u00e4lle\u00bb wie andere auch?<\/strong><\/p>\n<p>Die totale Opposition gegen die Beibehaltung und Weiterentwicklung der Atomenergie ist auch aus einem anderen Grund gerechtfertigt. Es handelt sich um das Entstehen von \u00abAbf\u00e4llen\u00bb, die aus dem Brennstoff der Reaktoren und den unmittelbar daran angrenzenden Zonen entstehen. Sie haben sehr hohe Radioaktivit\u00e4t, die bis zu Hunderten von Jahrmillionen anhalten kann.<\/p>\n<p>Selbst wenn gewisse Industrien im Verlaufe ihrer Produktionsprozesse mehr oder weniger grosse Mengen von Abf\u00e4llen produzieren, so beherrscht man deren Einschliessung und ihre Lagerung weitgehend. Im Kapitalismus jedoch z\u00e4hlt nur die Herstellung von Waren.\u00a0 Die Kosten ihrer Zerst\u00f6rung oder ihrer Wiederaufbereitung am Ende des Lebenszyklus oder nach dem Verfall ihres Gebrauchswertes interessiert die Hersteller nicht. Deshalb die illegalen Deponien, die verschmutzten Industriestandorte und die unkontrollierte Ausfuhr zu l\u00e4cherlichen Preisen in arme L\u00e4nder.<\/p>\n<p>Der \u00abAtomm\u00fcll\u00bb stellt ein Problem ganz anderer Gr\u00f6ssenordnung dar. Seine hohe Radioaktivit\u00e4t setzt der Handhabung und der wilden Deponierung Grenzen, wie auch sein grosser Umfang. Mit seiner hohen Strahlungsdichte ist dieser Atomm\u00fcll noch nach Hunderten, ja nach Hundertausenden von Jahren immer noch so stark radioaktiv, dass Teile davon f\u00fcr alle Lebewesen eine t\u00f6dliche Gefahr darstellen. Es gibt keine M\u00f6glichkeit, die Radioaktivit\u00e4t zu neutralisieren oder zu reduzieren. Die Strahlung geht weiter, und nur auf diesem Wege geht ihre Intensit\u00e4t zur\u00fcck, aber zum Preis, dass sie ihre unmittelbare Umgebung vergiftet hat.<\/p>\n<p><strong>Wer k\u00fcmmert sich um die Lagerung?<\/strong><\/p>\n<p>In den 1950er- bis in die 1970er-Jahre wurde eine wahnwitzige L\u00f6sung angewandt: Die hoch radioaktiven Abf\u00e4lle wurden im Meer versenkt. So kam es, dass momentan an die 100&#8217;000 Tonnen radioaktive Materialien auf dem Meeresgrund lagern. Die wiederholten Protestbewegungen in den entwickelten kapitalistischen L\u00e4ndern haben zur Einstellung dieser Praktiken gef\u00fchrt. Sie werden demgegen\u00fcber beispielsweise von Russland weiterhin angewandt.<\/p>\n<p>Die heute empfohlenen L\u00f6sungen gehen in Richtung unterirdischer Endlager in stillgelegten, hergerichteten Minen oder in riesigen, tief in die Erde gebohrten Silos.<\/p>\n<p>Ein erstes Problem stellt die Gegnerschaft gegen solche Lagerst\u00e4tten seitens der angrenzenden Bev\u00f6lkerung dar. In der Tat, wer kann die vollst\u00e4ndige Abdichtung gegen die hoch radioaktiven Stoffe, und zwar \u00fcber eine sehr lange Zeitdauer, garantieren? Niemand kennt die Materialeigenschaften der Beh\u00e4lter angesichts der Wirkung der Radioaktivit\u00e4t und der intensiven Strahlung dieses Atomm\u00fclls.<\/p>\n<p><strong>Und wer kommt f\u00fcr die Lagerung auf?<\/strong><\/p>\n<p>Das zweite Problem ist die Finanzierung des R\u00fcckbaus der Atomkraftwerke und der Lagerung der radioaktiven Materialien (Brennstoff, Reaktorkern, radioaktiver M\u00fcll w\u00e4hrend des Betriebes) dar. Diese Kosten wurden bis jetzt stark untersch\u00e4tzt, um die Profite der Betreiber zu sch\u00fctzen und die Bev\u00f6lkerung nicht aufzuschrecken.<\/p>\n<p>Die Sozialdemokratische Partei der Schweiz hat 2011 diese schlechte Sch\u00e4tzung im Falle der Schweiz verurteilt. Momentan belaufen sich die Sch\u00e4tzungen f\u00fcr die notwendigen Aufgaben des R\u00fcckbaus der Atomanlagen und der Beseitigung des Atomm\u00fclls auf 11,5 Milliarden Franken. Der durch die Betreiber finanzierte Fonds bel\u00e4uft sich hingegen lediglich auf 4,3 Milliarden. Dies stellt ein Finanzierungsloch von 7 Milliarden dar! 2015 war diese Sch\u00e4tzung auf etwa 20,6 Milliarden gestiegen, das heisst fast das Doppelte in nur vier Jahren.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a> Wie wird diese Finanzierungsl\u00fccke gestopft? Vollst\u00e4ndiges Schweigen, sowohl seitens der Betreiber wie auch seitens der politischen Instanzen. Es sei denn, die Verl\u00e4ngerung der Betriebsdauer sei der einzige Ausweg\u2026<\/p>\n<p>\u00abDie Finanzierung des nuklearen Erbes lautet auf einen ungedeckten Wechsel\u00bb, so Nationalrat Roger Nordmann.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> Er bef\u00fcrchtet zudem, dass die Buchhaltungstricks der Betreibergesellschaften von G\u00f6sgen und Leibstadt pleite gemacht haben: \u00abDie Gefahr ist gross, dass die Steuerzahler zur Kasse gebeten werden\u00bb. Wie bei den Banken werden die Profite privatisiert, f\u00fcr die Verluste jedoch muss die \u00d6ffentlichkeit aufkommen!<\/p>\n<p>F\u00fcr die Betreiber bedeutet die Betriebsverl\u00e4ngerung nat\u00fcrlich eine Erh\u00f6hung der Rentabilit\u00e4t der Anfangsinvestition. Das ist ein gutes Gesch\u00e4ft; von daher der Druck, die Betriebsdauer auf 50 Jahre oder gar mehr zu verl\u00e4ngern; diese war urspr\u00fcnglich auf 30 Jahre angesetzt. Angesichts der mit \u00ab\u00f6kologischen\u00bb Argumenten forcierten Elektroautos mit derem gigantischen und eintr\u00e4glichen Markt ein Bombengesch\u00e4ft.<\/p>\n<p>Wenn man die Betriebsdauer von Atomkraftwerken erh\u00f6ht, erh\u00f6ht man auch das Unfallrisiko, vor allem aber die Menge an hochradioaktivem Atomm\u00fcll, der nachher entsorgt werden muss. In diesem Sinne stellt die Initiative der Gr\u00fcnen einen gef\u00e4hrlichen Kompromiss dar, da die AKWs G\u00f6sgen und Leibstadt weiterhin je bis 2024 und 2029 laufen und entsprechend Atomm\u00fcll produzieren werden.<\/p>\n<p><strong>Den Verbrauch einschr\u00e4nken \u2013 eine Tr\u00e4umerei?<\/strong><\/p>\n<p>Die Einschr\u00e4nkung des Verbrauchs von elektrischer Energie wird zum Gebot der Stunde. Ist dies eine Unm\u00f6glichkeit? Der Kanton Genf hat mit seinem Plan ECO21 allein im Jahr 2015 den Energieverbrauch um 4% gesenkt.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a> Laut Staatsrat Antonio Hodgers \u00abging der Verbrauch von elektrischer Energie zwischen 2010 und 2015 um 3,5% zur\u00fcck, trotz eines gleichzeitigen Bev\u00f6lkerungswachstums von 5,7%\u00bb. Damit wird klar, dass es durchaus M\u00f6glichkeiten der Einsparungen gibt; solche Massnahmen m\u00fcssten sofort landesweit umgesetzt werden. Gegenw\u00e4rtig sind zwei Atomkraftwerke stillgelegt, ohne dass die von den Bef\u00fcrwortern der Atomenergie angedrohte Katastrophe eingetreten w\u00e4re.<\/p>\n<p>Mit dem bekannten Zynismus sehen die Chefs der Atomenergie vollst\u00e4ndig \u00fcber die Probleme des Atomm\u00fclls und des R\u00fcckbaus der AKWs hinweg, denn ihr Interesse gilt ausschliesslich der maximalen Rentabilit\u00e4t. Die Erpressung seitens der AXPO, der Betreiberin von Beznau I und II und von Leibstadt, die im Falle einer Annahme der Initiative am 27. November eine Entsch\u00e4digung von 4 Milliarden Franken fordert, spricht B\u00e4nde!<\/p>\n<p>Wenn denn dieses Argument der Entsch\u00e4digung greifen sollte, dann ebenfalls f\u00fcr Firmen, die aufgrund der kapitalistischen Konkurrenz pleitegehen. Es ist dies eine zurechtgestutzte Argumentation, die vor allem die Strategie der Erpressung seitens der Atomlobby aufzeigt.<\/p>\n<p>Diese grossen Menschenfreunde denken wohl, dass sie diesen Atomm\u00fcll in Zukunft in gen\u00fcgend armen Gegenden vergraben k\u00f6nnen, wo sich die Bev\u00f6lkerung durch Versprechungen von neuen Arbeitspl\u00e4tzen und g\u00fcnstigen wirtschaftlichen Auswirkungen k\u00f6dern lassen. Machen wir dem Anwachsen des Berges von Atomm\u00fcll ein Ende, indem wir uns f\u00fcr ein sofortiges Abschalten dieser todbringenden Technologie engagieren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> <em>L\u2019Impartial, 22 octobre 2016<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> <em>Le Courrier<\/em>, 24 octobre 2016<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> <em>Le Courrier<\/em>, 14 octobre 2016<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jos\u00e9 Sanchez. Zuk\u00fcnftige Generationen werden an dem Erbe der radioaktiven Abf\u00e4lle schwerer zu tragen haben, als an allen \u00f6ffentlichen Schulden der Welt. 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