{"id":1646,"date":"2016-11-16T13:55:48","date_gmt":"2016-11-16T11:55:48","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1646"},"modified":"2016-11-16T13:55:48","modified_gmt":"2016-11-16T11:55:48","slug":"donald-trump-letzter-gewaehlter-praesident-der-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1646","title":{"rendered":"Donald Trump &#8211; letzter gew\u00e4hlter Pr\u00e4sident der USA?"},"content":{"rendered":"<p><em>Ernst Wolff. <\/em>Donald Trump hat sich im US-Wahlkampf als Vork\u00e4mpfer f\u00fcr die Interessen des kleinen Mannes ausgegeben. Er hat versprochen, ins Ausland verlegte Arbeitspl\u00e4tze zur\u00fcckzuholen, Millionen gut bezahlte neue Arbeitspl\u00e4tze zu schaffen<!--more--> und den Lebensstandard sowohl der Mittelschicht, als auch der Arbeiterschaft kr\u00e4ftig anzuheben. Er ist sich als \u201eFeind des korrupten Establishments\u201c aufgetreten und hat angek\u00fcndigt, \u201eden Sumpf in Washington\u201c trockenzulegen.<\/p>\n<p>Schon in der Wahlnacht d\u00fcrften seine Anh\u00e4nger sich verwundert die Augen gerieben haben. Nach monatelangen Forderungen, Hillary Clinton ins Gef\u00e4ngnis zu werfen, zollte er ihr in seiner Siegesrede \u201eden h\u00f6chsten Respekt\u201c und lobte sie in blumigen Worten.<\/p>\n<p>Es war nicht die erste \u00dcberraschung, die Trumps W\u00e4hler hinnehmen mussten. Drei Tage zuvor hatte er bereits angedeutet, Steven Mnuchin zu seinem Finanzminister machen zu wollen. Steven Mnuchin ist ein ehemaliger Goldman-Sachs-Banker und ein Intimus eines der ber\u00fcchtigtsten Spekulanten der Welt, des Milliard\u00e4rs George Soros. Soros war in Trump-Wahlvideos als Beispiel f\u00fcr die uners\u00e4ttliche Raffgier der Ultrareichen gezeigt worden.<\/p>\n<p>Inzwischen ist auch bekannt, wer zu Trumps \u201e\u00dcbergangsteam\u201c geh\u00f6rt, das gegenw\u00e4rtig dabei ist, viertausend hochkar\u00e4tigen Jobs in Washington zu besetzen: Es sind u.a. Lobbyisten der Gro\u00dfkonzerne Koch Industries, Walt Disney, Aetna, Verizon und Goldman Sachs. Sie haben ihr Hauptquartier in einer der gr\u00f6\u00dften Anwalts- und Lobbykanzleien Washingtons aufgeschlagen, mitten im Herzen des angeblich zu bek\u00e4mpfenden Sumpfs.<\/p>\n<p>Als aussichtsreiche Kandidaten f\u00fcr Minister\u00e4mter gelten der ehemalige New Yorker B\u00fcrgermeister Rudi Giulliani, der ehemalige Sprecher des Repr\u00e4sentantenhauses, Newt Gingrich, und der Gouverneur von New Jersey, Chris Christie. Alle drei geh\u00f6ren seit Jahrzehnten zu dem von Trump im Wahlkampf heftig angegriffenen republikanischen Establishment.<\/p>\n<p>Die Wall Street hat sich inzwischen auf ihre Weise bei Trump bedankt: Die Kurse an der New Yorker Aktienb\u00f6rse erreichten neue Rekordwerte, offensichtlich angetrieben von Trumps Ank\u00fcndigungen, die Einkommenssteuer f\u00fcr Spitzenverdiener zu senken, die Unternehmenssteuern von 35% auf 15% herabzusetzen, die R\u00fcstungsausgaben zu erh\u00f6hen und die Vorschriften f\u00fcr die Finanzindustrie zu lockern.<\/p>\n<p><strong>Wahlbetrug in den USA hat Tradition <\/strong><\/p>\n<p>All das zeigt: Trump hat seine W\u00e4hler, fast durchgehend Opfer des anhaltenden wirtschaftlichen Niedergangs der USA, hintergangen. Es war nie sein Ziel, dem kleinen Mann unter die Arme zu greifen und seine Lebensbedingungen zu verbessern. Ganz im Gegenteil: Trump hat die Verzweiflung, die Wut und den Bildungsmangel der einfachen Leute benutzt, um ins Wei\u00dfe Haus einzuziehen und von dort aus Ma\u00dfnahmen zu ergreifen, die ausschlie\u00dflich ihm und seinesgleichen n\u00fctzen.<\/p>\n<p>Ein solcher Wahlbetrug ist in den USA nichts Neues. Auch Barack Obama hat die US-Bev\u00f6lkerung hinters Licht gef\u00fchrt: Er hatte vor seiner Wahl versprochen, die Kriege der USA zu beenden, Guantanamo zu schlie\u00dfen, die Staatsfinanzen zu sanieren und f\u00fcr mehr soziale Gerechtigkeit zu sorgen.<\/p>\n<p>Heute wissen wir: Er ist der erste Pr\u00e4sident der USA, unter dem ununterbrochen Krieg gef\u00fchrt wurde, er hat Guantanamo nicht geschlossen und die USA sind mit $ 20 Billionen am Ende seiner Amtszeit h\u00f6her verschuldet denn je. Die Reichsten sind reicher, die Mittelschicht ist \u00e4rmer, die soziale Ungleichheit gr\u00f6\u00dfer als je zuvor.<\/p>\n<p>Obama steht mit seinen L\u00fcgen nicht allein, das Ph\u00e4nomen Wahlbetrug hat in den USA eine lange Tradition: Vor genau einhundert Jahren wurde Woodrow Wilson w\u00e4hrend des Ersten Weltkrieges zum Pr\u00e4sidenten gew\u00e4hlt, weil er seinem Volk versprach, es aus dem Krieg herauszuhalten. Drei Wochen nach seiner Amts\u00fcbernahme im M\u00e4rz 1917 erkl\u00e4rte er Deutschland den Krieg.<\/p>\n<p>Es ist auch nicht ungew\u00f6hnlich, dass die US-Massenmedien sich gegen einen Kandidaten stellen, ihm letztlich aber auf diese Weise zur Macht verhelfen: Als der US-Kongress 1913 \u00fcber die Gr\u00fcndung der US-Zentralbank Federal Reserve abstimmen sollte, f\u00fchrten die bereits damals von der Finanzindustrie gesteuerten Massenmedien zusammen mit den Banken einen vehementen Feldzug gegen diese neue Einrichtung und behaupteten wider besseres Wissen, sie werde die Rechte und Freiheiten der Finanzindustrie beschneiden.<\/p>\n<p>Die US-B\u00fcrger, denen das Geld-Kartell der Wall Street schon damals ein Dorn im Auge war, fielen auf den Betrug herein und forderten von ihren Kongressabgeordneten ein \u201eJa\u201c, weil sie die Fed f\u00fcr eine Kontrollbeh\u00f6rde zur Eind\u00e4mmung der Banken-Macht hielten. Auf diese Weise erm\u00f6glichte das amerikanische Volk der US-Finanzindustrie, ohne es zu wollen, die Gr\u00fcndung der Fed und schuf damit, ohne es zu ahnen, die Grundlage f\u00fcr den mehr als einhundertj\u00e4hrigen Siegeszug der amerikanischen Finanzindustrie.<\/p>\n<p><strong>Dieser Betrug ist anders <\/strong><\/p>\n<p>Trumps Wahlt\u00e4uschung wird dramatischere Folgen haben als die seiner Vorg\u00e4nger, einschlie\u00dflich Barack Obama. Dessen erste Amtszeit begann zwar mit dem Crash von 2008, der das US-Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs brachte, doch es gelang ihm, seine Haut dadurch zu retten, dass er die Banken f\u00fcr \u201etoo big to fail\u201c erkl\u00e4rte und sie durch den Einsatz \u00f6ffentlicher Gelder am Leben erhielt.<\/p>\n<p>Dieser Betrug an den Steuerzahlern wurde kaschiert, indem die Fed umgehend Unmengen an Geld druckte, mit denen die L\u00f6cher im Staatshaushalt gestopft wurden. Inzwischen aber sind acht Jahre vergangen, in denen Billionen von Dollar zu immer niedrigeren Zinsen in die M\u00e4rkte gepumpt wurden, ohne dass es zu der von der Regierung behaupteten \u201eErholung\u201c der Realwirtschaft gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die Ausgangssituation f\u00fcr Donald Trump ist also grundlegend anders als daller seiner Vorg\u00e4nger: Er \u00fcbernimmt ein Land mit einer am Boden liegenden Realwirtschaft, einem \u00fcberhitzten Finanzsektor, in dem sich riesige Blasen an den Aktien-, Anleihe- und Immobilienm\u00e4rkten gebildet haben. Au\u00dferdem findet er eine Zentralbank vor, deren M\u00f6glichkeiten bis auf weiteres Gelddrucken (das zwingend in eine Hyperinflation f\u00fchrt) und eine weitere Absenkung der Zinsen in den Negativbereich (die das klassische Bankengesch\u00e4ft der Kreditvergabe endg\u00fcltig zerst\u00f6rt) ersch\u00f6pft sind.<\/p>\n<p>Unter diesen Vorzeichen werden Trumps Versprechen, Arbeitspl\u00e4tze aus dem Ausland zur\u00fcckzuholen und neue, gut bezahlte Arbeitspl\u00e4tze im ganzen Land zu schaffen, wie Seifenblasen zerplatzen. Trump hat im Wahlkampf aber nicht nur unhaltbare Versprechen abgegeben, er hat sich auch nach Kr\u00e4ften bem\u00fcht, die Wut seiner W\u00e4hler anzufachen. Er hat gegen Ausl\u00e4nder, Immigranten, Behinderte und Homosexuelle gehetzt. Er hat angek\u00fcndigt, Muslimen die Einreise in die USA zu verweigern, das Land gegen\u00fcber Mexiko durch eine Mauer abzuschotten und Schutzz\u00f6lle gegen die \u00dcberflutung des US-Marktes durch ausl\u00e4ndische Waren zu erheben. Anders ausgedr\u00fcckt: Er hat die schlummernden Vorurteile der amerikanischen Unterschicht gegen alles ihr Fremde mobilisiert.<\/p>\n<p><strong>Trump ist kein normaler Wahlsieger <\/strong><\/p>\n<p>Genau damit hat er einen Minenteppich gelegt, der das Gesicht der USA ab Januar pr\u00e4gen und f\u00fcr immer ver\u00e4ndern wird: Die Erwartungen von Trumps Blue-Collar-W\u00e4hlern werden n\u00e4mlich bereits sehr schnell nach seiner Amtseinf\u00fchrung bitter entt\u00e4uscht werden.<\/p>\n<p>Die gebrochenen Wahlversprechen werden zu einer herben Ern\u00fcchterung f\u00fchren, die in Wut umschlagen und sich danach mit Sicherheit gewaltsam entladen wird. Dann aber wird sich zeigen, dass Trump kein normaler Wahlsieger war: Er hat die Wahl n\u00e4mlich nicht nur auf parlamentarischer Ebene gewonnen, sondern als erster Pr\u00e4sidentschaftskandidat in der Geschichte der USA eine au\u00dferparlamentarische Bewegung in Gang gesetzt und diese immer wieder durch das Sch\u00fcren von Hass aufgeheizt.<\/p>\n<p>Genau hierauf k\u00f6nnte sich Trump dann besinnen und seinen schwindenden Einfluss dazu benutzen, die Wut der Menschen gegen Minderheiten zu richten. Er k\u00f6nnte auf all die Vorurteile, die er im Wahlkampf bedient hat, zur\u00fcckgreifen und versuchen, die Spekulanten der Finanzindustrie, also die wahren Schuldigen an der Krise, aus der Schusslinie zu nehmen, indem er den Hass der Menschen auf eine oder mehrere Minderheiten, in erster Linie vermutlich Migranten und Muslime, lenkt.<\/p>\n<p>Genau darauf d\u00fcrfte die eiskalt kalkulierende US-Finanzindustrie angesichts des Niedergangs der US-Wirtschaft und des Dollars zurzeit spekulieren. Im Grunde ist Trump n\u00e4mlich nicht ihr Gegner, sondern die letzte Karte, auf die sie zur Rettung eines seinem Ende unaufhaltsam entgegensiechenden Finanzsystems setzen kann.<\/p>\n<p>Sollte es Trump nicht gelingen, die Lage als Pr\u00e4sident dauerhaft unter Kontrolle zu bringen (was \u00fcberaus wahrscheinlich ist), bleibt dem wahren Herrscher der USA, n\u00e4mlich der allm\u00e4chtigen Finanzindustrie, nur noch eine M\u00f6glichkeit: Das Eingreifen des Milit\u00e4rs und die Errichtung einer Diktatur. In diesem Fall w\u00fcrde Trump eine Rolle zufallen, die ihm endg\u00fcltig einen Platz in den Geschichtsb\u00fcchern sichern d\u00fcrfte \u2013 die des auf lange Sicht letzten durch eine Wahl an die Macht gekommenen US-Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p><strong><em>Ernst Wolff ist freier Journalist und Autor des Buches \u201eWeltmacht IWF \u2013 Chronik eines Raubzugs\u201c, erschienen im Tectum-Verlag, Marburg. <\/em><\/strong><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.scharf-links.de\/44.0.html?&amp;tx_ttnews%5btt_news%5d=58285&amp;tx_ttnews%5bbackPid%5d=48&amp;cHash=7e2a249995\">Scharf links&#8230;<\/a> vom 14. November 2016 <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ernst Wolff. Donald Trump hat sich im US-Wahlkampf als Vork\u00e4mpfer f\u00fcr die Interessen des kleinen Mannes ausgegeben. 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