{"id":16506,"date":"2026-08-30T10:09:04","date_gmt":"2026-08-30T08:09:04","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16506"},"modified":"2026-08-30T10:09:05","modified_gmt":"2026-08-30T08:09:05","slug":"deutsche-autoindustrie-steigt-in-die-ruestungsproduktion-ein-wie-unter-den-nazis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16506","title":{"rendered":"Deutsche Autoindustrie steigt in die R\u00fcstungsproduktion ein \u2013 wie unter den Nazis"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ludwig Weller. <\/em><strong>Die deutsche Automobilindustrie hat seit 2018, als die Branche 834.000 Menschen besch\u00e4ftigte, 142.500 Arbeitspl\u00e4tze abgebaut. Allein im ersten Halbjahr 2026 waren es 42.300. Nun sollen Teile der Auto- und Zulieferindustrie in lukrative R\u00fcstungsbetriebe umgewandelt werden.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die R\u00fcstungsindustrie ben\u00f6tigt neue Kapazit\u00e4ten, um die florierende R\u00fcstungsproduktion schnell hochzufahren und Deutschland \u201ekriegst\u00fcchtig\u201c zu machen. Allein Rheinmetall plant, seine Belegschaft in den n\u00e4chsten drei Jahren von 30.000 auf 40.000 aufzustocken, der Umsatz soll sich bis 2030 teilweise verf\u00fcnffachen. Deshalb bem\u00fcht sich der Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie (BDSV) unter dem Slogan \u201eAuto2Defence\u201c um freie Arbeitskr\u00e4fte, Fabriken und technisches Wissen aus der kriselnden Automobilindustrie.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bundesregierung stellt gewaltige finanzielle Mittel f\u00fcr die Aufr\u00fcstung zur Verf\u00fcgung. Im Bundeshaushalt sind f\u00fcr 2026 108 Milliarden Euro f\u00fcr Milit\u00e4rausgaben vorgesehen, 2029 sollen es 152 Milliarden Euro sein. Das weckt die Begierden der Konzerne. Nach j\u00fcngsten Umfragen verspricht sich jedes dritte Industrieunternehmen neue Gesch\u00e4ftsfelder bei einem Einstieg in die Verteidigungsindustrie.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Transformationsprozess in der Auto- und anderen Industrien, der sich durch KI enorm beschleunigt hat, wird auch bei der Neuausrichtung auf R\u00fcstungsprodukte gnadenlos ausgenutzt. Arbeiter werden vor die Wahl gestellt, entweder ihren Arbeitsplatz zu verlieren oder Kriegsg\u00fcter zu produzieren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die IG Metall, die fr\u00fcher Sonntagsreden \u00fcber Frieden und Abr\u00fcstung hielt, hat sich dem Kriegs- und Aufr\u00fcstungskurs der Bundesregierung angeschlossen. F\u00fcr J\u00fcrgen Kerner, Vize-Chef der IG Metall, lautet die Frage nicht, ob die Gewerkschaft der Umwandlung auf Kriegsproduktion zustimmt oder nicht, sondern wie sie diese am besten unterst\u00fctzen kann:<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wichtig ist, dass Betriebsrat und IG Metall von Anfang an eingebunden sind, dass der \u00dcbergang verl\u00e4sslich und fair im Sinne der Besch\u00e4ftigten gestaltet wird und der Arbeitgeber die Besch\u00e4ftigten f\u00fcr die neue Aufgabe gr\u00fcndlich und umfassend qualifiziert.<\/em><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Parallelen zu Hitlers Aufr\u00fcstung<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die gegenw\u00e4rtige Expansion der R\u00fcstungsindustrie weist starke Parallelen zur Aufr\u00fcstung unter den Nazis auf. Selbst die beteiligten Konzerne und Eigent\u00fcmerfamilien sind vielfach dieselben.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Errichtung eines faschistischen Regimes war in den 1930er Jahren die Grundvoraussetzung, um die gigantische Aufr\u00fcstungs- und Kriegsmaschinerie f\u00fcr den Zweiten Weltkrieg in Gang zu setzen. Die deutsche Arbeiterklasse, die \u00fcberwiegend sozialistisch gesinnt und in zwei Massenparteien, der SPD und der KPD, organisiert war, musste politisch zerschlagen und atomisiert werden. Deshalb finanzierten f\u00fchrende Industrielle wie Thyssen und Krupp Hitler und seine faschistischen Banden. Gro\u00dfe Teile der deutschen Bourgeoisie sahen in ihm den letzten Ausweg vor einer drohenden sozialistischen Revolution.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einmal an der Macht, brachten die Nazis eine gigantische Kriegswirtschaft ins Rollen. Sie diente zum einen dazu, die Eroberung Europas und den Krieg gegen die Sowjetunion vorzubereiten. Zum anderen garantierte sie deutschen Gro\u00dfkonzernen \u2013 Krupp, Thyssen, IG Farben, Siemens, usw. \u2013 nach der Weltwirtschaftskrise wieder hohe Profite auf Staatskosten. Die Arbeiterklasse wurde durch die Zerschlagung ihrer Organisationen, Lohnstopp, Zwangsarbeit und schlie\u00dflich die Mobilisierung an die Front diszipliniert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1934 betrugen die Milit\u00e4rausgaben noch 3,4 Prozent vom Bruttosozialprodukt (BSP), 1936 waren es bereits 7,6 Prozent und 1938, ein Jahr vor Kriegsausbruch, 18,1 Prozent. Im ersten Kriegsjahr 1939\/40 stiegen sie weiter auf 26,4 Prozent und im zweiten Kriegsjahr 1940\/41 auf 42,3 Prozent.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Zahlen und neuere Forschungen \u00fcber die Militarisierung der NS-Wirtschaft belegen, wie systematisch und umfangreich das Naziregime bereits f\u00fcnf Jahre vor dem \u00dcberfall auf Polen den Vernichtungskrieg plante. Es ist mittlerweile auch gut dokumentiert, dass die gro\u00dfen Industriekonzerne wie Krupp, IG Farben, Siemens, Rheinmetall usw. aktiv an der Kriegsplanung beteiligt waren. Der NS-Staat setzte auf ein System, das Industriemanager direkt in die milit\u00e4rische Planung einbezog.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die neuere Forschung zeichnet ein Bild kooperativer Verzahnung statt reiner Befehlswirtschaft. Der Staat schuf finanzielle Anreize (Mefo-Wechsel, Preisgarantien, Autarkie-Subventionen) und Organisationsstrukturen (Vierjahresplan, Wehrwirtschaftsf\u00fchrer, R\u00fcstungsinspektionen), w\u00e4hrend die Konzerne selbst aktiv mitplanten, eigene Kriegswirtschaftsabteilungen aufbauten und ab 1939\/40 zunehmend Zwangsarbeiter und KZ-H\u00e4ftlinge einsetzten, um die Produktion zu steigern \u00ad\u2013 ein Zusammenspiel, das laut den beiden Wirtschaftshistorikern Adam Tooze und Jonas Scherner die deutsche Industrie schon deutlich vor 1939 tief in die Kriegsvorbereitung verstrickte.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht nur R\u00fcstungsbetriebe wie Thyssen, Krupp und Rheinmetall machten satte Gewinne. Nahezu alle gro\u00dfen Auto- und Metallbetriebe stiegen in die lukrative Produktion von Kriegsg\u00fctern ein. Einige von ihnen hatten bereits im Ersten Weltkrieg das deutsche kaiserliche Heer mit Milit\u00e4rfahrzeugen, Flugzeugen, Waffen und Munition best\u00fcckt. Eine \u00e4hnliche Entwicklung zeichnet sich auch heute wieder ab \u2013 und viele der damaligen Autokonzerne sind auch heute wieder dabei.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der B\u00f6rsenwert von Rheinmetall, der Nr. 1 unter den deutschen R\u00fcstungskonzernen, ist seit Beginn des Ukrainekriegs vor viereinhalb Jahren von knapp 4 auf 54 Milliarden Euro gestiegen. Andere klassische R\u00fcstungskonzerne, wie KNDS (Kampfpanzer), Airbus Defence (Flugzeuge), MBDA (Lenkflugk\u00f6rper), Hensoldt (Elektronik und Radarsysteme), Thyssenkrupp Marine Systems (Kriegsschiffe und U-Boote) und Diehl Defence&nbsp;(Lenkflugk\u00f6rper und Munition) weisen ebenfalls hohe Steigerungsraten auf.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt in Deutschland mehrere hundert klassische R\u00fcstungsunternehmen. Der BDSV&nbsp;z\u00e4hlt inzwischen 550 Mitgliedsunternehmen. Seit Beginn des Ukrainekriegs hat sich die Zahl mehr als verdoppelt.&nbsp;Laut Bundeswirtschaftsministerium sind rund&nbsp;105.000 Menschen in der Verteidigungsindustrie&nbsp;besch\u00e4ftigt. Nach etwas breiter gefassten Kriterien sind es sogar 387.000.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei dieser Bonanza will die Autoindustrie nicht abseitsstehen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mercedes-Benz<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Mai 2026 erkl\u00e4rte CEO Ola K\u00e4llenius, Mercedes-Benz sei bereit, in die R\u00fcstungsproduktion einzusteigen,&nbsp;wenn es wirtschaftlich sinnvoll sei. Konkrete \u00dcberlegungen gibt es zum Mercedes-Werk in Ludwigsfelde s\u00fcdlich von Berlin, wo derzeit etwa 2000 Besch\u00e4ftigte Sprinter-Transporter und den E-Sprinter bauen. Mercedes hat angek\u00fcndigt, die Sprinter-Fertigung schrittweise auslaufen zu lassen und sie sp\u00e4testens 2030 komplett ins polnische Werk Jawor zu verlagern.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut Medienberichten steht unter anderem ein \u00dcbergangsmodell zur Debatte. Der R\u00fcstungskonzern KNDS w\u00fcrde zun\u00e4chst einen Teil der Werkshalle anmieten, in dem dann Sprinter-Vans und Boxer-Radpanzer parallel produziert werden, bis Mercedes den kompletten Umzug nach Polen bis 2030 abgeschlossen hat. Ein Gro\u00dfteil der Besch\u00e4ftigten soll dann zu KNDS wechseln.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gegenw\u00e4rtig finden Gespr\u00e4che zwischen Firmenleitung und IGM-Betriebsr\u00e4ten statt, die die Belegschaft weder informieren noch mitreden lassen. Der schrittweise Umbau des Werks in Ludwigsfelde in einen R\u00fcstungsbetrieb w\u00fcrde als Testfall f\u00fcr \u00e4hnliche Umwandlungen in der Autoindustrie dienen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Geschichte von Daimler-Benz ist die Geschichte der innigen Verflechtung eines deutschen Gro\u00dfkonzerns mit Faschismus, Kriegsverbrechen und der blutigen Unterdr\u00fcckung der Arbeiterklasse \u2014 und zugleich die Geschichte einer weitgehend bruchlosen Nachkriegskarriere.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend der NS-Zeit war Daimler-Benz eine zentrale S\u00e4ule der Kriegswirtschaft. Das Unternehmen produzierte in gro\u00dfem Umfang R\u00fcstungsg\u00fcter \u2013 Panzer, Flugzeugmotoren und Milit\u00e4rfahrzeuge \u2013 und profitierte massiv von der nationalsozialistischen Aufr\u00fcstung und Kriegsf\u00fchrung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie die gesamte deutsche Gro\u00dfindustrie st\u00fctzte sich Daimler-Benz dabei auf ein System der&nbsp;Zwangsarbeit. Millionen von Menschen aus den besetzten Gebieten wurden deportiert und unter brutalsten Bedingungen zur Arbeit in der deutschen R\u00fcstungsproduktion gezwungen, darunter auch KZ-H\u00e4ftlinge. Daimler-Benz geh\u00f6rte zu den Konzernen, die dieses System der Versklavung aktiv nutzten, um ihre Profite zu maximieren.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-20.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-20-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16508\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-20-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-20-300x169.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-20-768x432.jpg 768w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-20.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Daimler-Benz-Flugmotorenwerk Genshagen [Photo by Stadtarchiv Ludwigsfelde]<\/em><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Werk in Ludwigsfelde spielte dabei eine zentrale Rolle. Das Werk wurde 1936 von Daimler-Benz als&nbsp;Flugzeugmotorenwerk Genshagen&nbsp;als zentraler Bestandteil der nationalsozialistischen Kriegsr\u00fcstung errichtet.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf dem weitl\u00e4ufigen Gel\u00e4nde wurden die DB-601- und DB-605-Flugzeugmotoren produziert, die unter anderem die Jagdflugzeuge Messerschmitt Bf 109 und Bf 110 antrieben. Das Werk war eine hochmoderne R\u00fcstungsschmiede, die in den Kriegsjahren in gro\u00dfem Umfang Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-H\u00e4ftlinge einsetzte. Tausende verschleppte Menschen aus den besetzten Gebieten Europas schufteten hier unter brutalsten Bedingungen f\u00fcr die Kriegsmaschinerie des deutschen Imperialismus.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 1945 ereilte Daimler-Benz dasselbe \u201eSchicksal\u201c wie die gesamte deutsche Wirtschaftselite: Statt enteignet und entmachtet zu werden, setzten die Konzernlenker ihre Karrieren nahtlos fort.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Besonders bezeichnend ist der Fall von&nbsp;Hanns Martin Schleyer. Der SS-Offizier war in der NS-Zeit u.a. f\u00fcr die Arisierung der tschechischen Wirtschaft und die Beschaffung von Zwangsarbeitern zust\u00e4ndig und machte nach dem Krieg eine steile Karriere bei Daimler-Benz. Als Chef des Arbeitgeberverbands von Baden-W\u00fcrttemberg war er 1963 f\u00fcr die Aussperrung von 250.000 Metallarbeitern verantwortlich.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach 1945 wurde das Werk in Ludwigsfelde von der sowjetischen Besatzungsmacht demontiert. Nach der Gr\u00fcndung der DDR entstand an selber Stelle das VEB IFA-Kombinat Nutzfahrzeuge, in dem sp\u00e4ter der IFA W50, der meistgebaute Lkw der DDR, vom Band lief. Nach dem Anschluss der DDR an die Bundesrepublik \u00fcbernahm die&nbsp;Treuhandanstalt&nbsp;das Werk und verkaufte es 1991 zu einem Spottpreis an Daimler-Benz.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Daimler Truck<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daimler Truck entstand 2021 durch die Abspaltung der Lkw- und Bus-Sparte von der damaligen Daimler AG. Die Mercedes-Benz Group (Pkw\/Vans) mit rund 164.000 Besch\u00e4ftigten und Daimler Truck (Lkw\/Busse) mit 108.000 Besch\u00e4ftigten sind heute zwei eigenst\u00e4ndige, separat b\u00f6rsennotierte Unternehmen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daimler Truck ist bereits jetzt in betr\u00e4chtlichem Ma\u00dfe im Bereich R\u00fcstungs- und Milit\u00e4rg\u00fcter t\u00e4tig. Es produziert den f\u00fcr den schweren Gel\u00e4ndeeinsatz geeigneten Lkw Zetros, der von vielen NATO-Staaten f\u00fcr Versorgungs- und Logistik-Zwecke genutzt wird, die Schwerlastzugmaschine Arocs, geeignet f\u00fcr Panzertransporte, und den Kleinlaster Unimog, der weltweit als Mannschaftstransporter und Sanit\u00e4tsfahrzeug eingesetzt wird.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-21-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16509\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-21-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-21-300x169.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-21-768x432.jpg 768w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-21.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Mercedes-Benz Zetros-Gel\u00e4ndelastwagen der Bundeswehr mit gepanzertem Fahrerhaus [Photo by Marseille77 \/ wikimedia \/ <\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/\"><em>CC BY-SA 4.0<\/em><\/a><em>]<\/em><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter der neuen Dachmarke \u201eDaimler Truck Defence\u201c will der Konzern seine weltweiten Verteidigungsaktivit\u00e4ten b\u00fcndeln. Umsatz- und Investitionsziele werden deutlich angehoben. Der R\u00fcstungsumsatz soll bereits ab 2028 1 Milliarde Euro im Jahr betragen.&nbsp;Dreistellige Millionenbetr\u00e4ge sollen in K\u00fcrze in Entwicklung, Produktion und Kapazit\u00e4tsausbau investiert werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Hersteller von Plattformen oder Fahrgestellen arbeitet Daimler Truck bereits jetzt mit anderen R\u00fcstungsfirmen zusammen. So dienen Fahrzeuge wie der&nbsp;Zetros&nbsp; in Kooperation mit R\u00fcstungsfirmen wie Hensoldt, Quantum Systems und Helsing als Startplattformen f\u00fcr Drohnen und Luftabwehr-Systeme. Durch Partnerschaften (u. a. mit dem R\u00fcstungs-Startup&nbsp;ARX Robotics) entwickelt Daimler Truck unbemannte Logistiksysteme und Roboterfahrzeuge zur Unterst\u00fctzung von Streitkr\u00e4ften im Einsatzraum.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zivile und milit\u00e4rische Produktion werden eng verkn\u00fcpft. Auf der Website von Daimler Truck hei\u00dft es:<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Die Produktionswerke von Daimler Truck erm\u00f6glichen eine enge Verzahnung von ziviler Serienproduktion und Defence-spezifischem Know-how. Die Standorte W\u00f6rth am Rhein und Molsheim (Frankreich) bilden dabei in Europa das R\u00fcckgrat der Defence-Produktion und erlauben die Integration milit\u00e4rischer Varianten in die bestehenden Produktionslinien.<\/em><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber hinaus bietet der Konzern seinen Kunden auch die lokale Montage von Mercedes-Benz Lkw mit milit\u00e4rischer Ausstattung in ihren jeweiligen L\u00e4ndern an.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Integration milit\u00e4rischer Varianten in die bestehenden, zivilen Produktionslinien hat f\u00fcr den Konzern mehrere Vorteile: Er muss keine teure neue Fabriken ausschlie\u00dflich f\u00fcr das Milit\u00e4r bauen. Und tritt ein R\u00fcstungsboom ein oder erh\u00e4lt der Konzern Gro\u00dfauftr\u00e4ge von Streitkr\u00e4ften, kann die St\u00fcckzahl milit\u00e4rischer Fahrzeuge schnell gesteigert werden, indem auf der bestehenden Produktionslinie einfach mehr milit\u00e4rische Einheiten eingeplant werden. Geht die Nachfrage nach zivilen Lkw zur\u00fcck, kann Daimler Truck die B\u00e4nder so mit R\u00fcstungsauftr\u00e4gen auslasten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>BMW<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bayerischen Motoren Werke (BMW) waren einer der bedeutendsten R\u00fcstungskonzerne im Dritten Reich. Bereits bei Kriegsbeginn war BMW der gr\u00f6\u00dfte Produzent von Flugmotoren und ab 1942 produzierte es ausschlie\u00dflich R\u00fcstungsg\u00fcter. Bis Kriegsende wurden \u00fcber 30.000 Flugmotoren und mehr als 500 neuartige Strahltriebwerke vom Typ BMW 003 hergestellt. F\u00fcr die Wehrmacht baute BMW au\u00dferdem die Kradsch\u00fctzengespanne (Beiwagen-Motorr\u00e4der).<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ende 1944 waren rund 29.000 Zwangsarbeiter bei BMW besch\u00e4ftigt, mehr als die H\u00e4lfte der gesamten Belegschaft. Mehr als 1000 starben. BMW gilt in der historischen Forschung als Vorreiter beim Einsatz von KZ-H\u00e4ftlingen in der R\u00fcstungsindustrie: Die Unternehmensleitung schlug bereits 1941 dem Reichsluftfahrtministerium vor, KZ-H\u00e4ftlinge aus Dachau als Arbeitskr\u00e4fte einzusetzen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Familie Quandt, die BMW 1960 \u00fcbernahm und bis heute knapp die H\u00e4lfte der Anteile besitzt, geh\u00f6rte zu den wichtigsten R\u00fcstungsproduzenten im Dritten Reich. G\u00fcnther Quandt wurde sogar zum \u201eWehrwirtschaftsf\u00fchrer\u201c ernannt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Quandts waren damals noch nicht Gro\u00dfaktion\u00e4re bei BMW, sondern beuteten \u00fcber ihre Akkumulatoren-Fabrik AFA, die sp\u00e4tere VARTA, und die Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken DWM zehntausende Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-H\u00e4ftlinge unter teils unmenschlichen Bedingungen aus. Sie standen in engem Kontakt zur NS-Elite. G\u00fcnther Quandts Ehefrau Magda heiratete nach der Scheidung 1931 den sp\u00e4teren NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. G\u00fcnther Quandts Sohn und sp\u00e4tere Erbe, Harald Quandt, wuchs teilweise im Haushalt von Goebbels auf.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis heute wurde kein Familienmitglied f\u00fcr die Verbrechen in den firmeneigenen Lagern strafrechtlich angeklagt, und die Familie selbst hat nie direkte Entsch\u00e4digungszahlungen an \u00dcberlebende geleistet. Die Einsch\u00e4tzung von Benjamin Ferencz, einem der Ankl\u00e4ger bei den N\u00fcrnberger Prozessen ist eindeutig: Seiner Meinung nach w\u00e4ren Herbert und G\u00fcnther Quandt \u2013 ebenso wie Alfried Krupp, Friedrich Flick und die Verantwortlichen von IG Farben \u2013 als Hauptkriegsverbrecher angeklagt worden, h\u00e4tten den damaligen Ankl\u00e4gern die heute zug\u00e4nglichen Dokumente vorgelegen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bis 2007 schwieg die Familie \u00f6ffentlich \u00fcber dieses dunkle Kapitel. Erst nach einer ARD-Dokumentation \u201e<a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2008\/11\/quan-n22.html\">Das Schweigen der Quandts<\/a>\u201d (2007) sah sie sich gezwungen, einen Historiker mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung zu betrauen, der daf\u00fcr erstmals Zugang zum Firmenarchiv erhielt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bisher h\u00e4lt sich BMW mit R\u00fcstungsinvestitionen noch offiziell zur\u00fcck, auch wenn hinter den Kulissen bereits Gespr\u00e4che \u00fcber R\u00fcstungsauftr\u00e4ge laufen. Laut <em>Handelsblatt<\/em> gab es bereits Gespr\u00e4che zwischen BMW, Mercedes und Volkswagen mit R\u00fcstungskonzernen \u00fcber einen m\u00f6glichen Technologietransfer beim automatisierten Fahren \u2013 also klassischem Dual-Use-Terrain. Bereits jetzt werden Autos und Motorr\u00e4der von BMW bei der Bundeswehr als Dienstfahrzeuge eingesetzt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Volkswagen<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Volkswagen AG hat ihre Urspr\u00fcnge unmittelbar im NS-Regime. Das Unternehmen wurde 1937 als \u201eGesellschaft zur Vorbereitung des Deutschen Volkswagens mbH\u201c gegr\u00fcndet, um den von Ferdinand Porsche konstruierten \u201eKdF-Wagen\u201c zu produzieren, lieferte aber nie einen zivilen Wagen an die Bev\u00f6lkerung aus. Mit Kriegsbeginn 1939 stellte das Werk in der eigens errichteten \u201eStadt des KdF-Wagens\u201c (heute Wolfsburg) vollst\u00e4ndig auf R\u00fcstungsproduktion um und fertigte K\u00fcbelwagen, Schwimmwagen, Teile f\u00fcr Flugzeuge und die V1-Rakete.<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-22.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-22-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-16510\" srcset=\"https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-22-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-22-300x169.jpg 300w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-22-768x432.jpg 768w, https:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-content\/uploads\/2026\/08\/Bild-22.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/figure>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ferdinand Porsche zeigt Hitler das Modell des Volkswagens<\/em><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nun setzt ausgerechnet die Porsche\/Pi\u00ebch-Familie, deren Vorfahre Ferdinand Porsche den \u201eVolkswagen\u201c f\u00fcr Hitler konstruierte und die heute die Mehrheit der Stimmrechte besitzt, erneut auf Kriegsprofite.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2024 best\u00e4tigte VW-Chef Oliver Blume, dass der Konzern einen Einstieg ins R\u00fcstungsgesch\u00e4ft \u201esehr gezielt\u201c pr\u00fcfe. Im Zentrum steht das VW-Werk in Osnabr\u00fcck, wo erstmals ein ganzes Autowerk in einen R\u00fcstungsbetrieb umgewandelt werden k\u00f6nnte. Die Vorbereitungen sind bereits weit fortgeschritten. Die Fertigung des T-Roc Cabriolet in Osnabr\u00fcck soll im Sommer 2027 nach 126 Jahren enden, 2000 bis 2300 Arbeitspl\u00e4tze sind betroffen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Seit M\u00e4rz 2026 verhandelt VW mit dem israelischen Staatskonzern Rafael Advanced Defense Systems \u00fcber eine Umwidmung des Werks zur Fertigung von Komponenten f\u00fcr das Iron-Dome-Luftverteidigungssystem. Geplant ist der Bau von Schwerlast-Transportfahrzeugen f\u00fcr den Raketentransport, Startsysteme\/Abschussvorrichtungen, Stromgeneratoren und Motoren f\u00fcr Abfangraketen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei ist VW bereits jetzt milit\u00e4risch aktiv: Die Konzerntochter MAN (Traton) liefert Basisfahrzeuge f\u00fcr schwere Rheinmetall-Milit\u00e4r-Lkw, die auch im Ukraine-Krieg eingesetzt werden. Der Getriebehersteller Renk (bis 2020 ebenfalls eine VW-Tochter), produziert Antriebe f\u00fcr Leopard- und Puma-Panzer. Gemeinsam mit Rheinmetall wird der Amarok M als Milit\u00e4rversion des VW-Pick-ups aufgelegt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Treibende Kraft ist die IG Metall, die bereits im Februar 2024 mit der SPD und der R\u00fcstungsindustrie einen f\u00f6rmlichen Aufr\u00fcstungspakt schloss.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Schaeffler<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Autozulieferer Schaeffler unterzeichnete im Dezember 2025 eine Absichtserkl\u00e4rung mit dem M\u00fcnchner R\u00fcstungstechnologie-Unternehmen Helsing zur gemeinsamen Entwicklung und Skalierung von Drohnenproduktion. Im Juni 2026 folgte eine zweite strategische Kooperation mit dem franz\u00f6sischen Drohnenhersteller Delair: Eine neue Fertigungslinie soll bis November 2026 bis zu 100 Drohnen und Abfangsysteme pro Tag produzieren, in einem Werk von Delair in Frankreich.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">CEO Klaus Rosenfeld macht keinen Hehl aus Schaefflers Absichten: \u201eWir werden ein Unternehmen mit R\u00fcstungsgesch\u00e4ft.\u201c Auf die Frage, ob man das Verteidigungsgesch\u00e4ft binnen f\u00fcnf Jahren auf eine Milliarde Euro Umsatz bringen k\u00f6nne, antwortete Rosenfeld: \u201eJa, das k\u00f6nnte man\u201c \u2013 allerdings gebe es noch kein konkretes Ziel. Schaeffler erzielt mit seiner Verteidigungssparte bereits heute einen Umsatz von 100 Millionen Euro.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaeffler baut eine eigene organisatorische Struktur f\u00fcr \u201eDefence\u201c auf. Als Zulieferer besitzt das Unternehmen au\u00dferdem genau die F\u00e4higkeiten, die f\u00fcr milit\u00e4rische Systeme ben\u00f6tigt werden: Antriebstechnik, Pr\u00e4zisionslager, Mechatronik, Fertigung und Automatisierung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schaefflers Vorgeschichte ist besonders brisant. 1940 \u00fcbernahm Wilhelm Schaeffler in Katscher (Oberschlesien, heute Kietrz\/Polen) ein j\u00fcdisches Textilunternehmen namens Davistan AG. Er entriss zwar die Firma nicht direkt dem j\u00fcdischen Eigent\u00fcmer, sondern erwarb sie f\u00fcr einen Spottpreis von der Dresdner Bank, deren Wirtschaftspr\u00fcfer er damals war.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ernst Frank, der ehemalige Eigent\u00fcmer, musste 1933 vor den aufkommenden Nationalsozialismus fliehen und seine Firma aufgeben, die dann in die H\u00e4nde der Bank fiel. Die Milliard\u00e4rin Maria-Elisabeth Schaeffler, heutige Eigent\u00fcmerin des Schaeffler-Konzerns, beauftragte 2004 den Historiker Gregor Sch\u00f6llgen mit der Aufarbeitung der Firmengeschichte. Er bestreitet eine \u201eArisierung im engeren Sinne\u201d, nicht aber die R\u00fcstungsproduktion und Zwangsarbeit.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die nach der Arisierung in \u201eSchaeffler AG\u201c umbenannte Firma produzierte w\u00e4hrend des Krieges Textilien f\u00fcr die Wehrmacht und sp\u00e4ter Nadellager f\u00fcr die R\u00fcstungsindustrie. Aus einer Publikation des staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau geht hervor, dass die Firma auch an der industriellen Verwertung von Menschenhaar ermordeter Juden beteiligt war.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als 1944 die Rote Armee anr\u00fcckte, flohen die Schaeffler-Br\u00fcder mit Maschinenteilen, Rohstoffen und mehreren hundert Mitarbeitern nach Herzogenaurach, dem heutigen Firmensitz. Ab 1946 begannen sie, zuerst f\u00fcr die Amerikaner und sp\u00e4ter f\u00fcr die deutsche Autoindustrie zu produzieren. Maria-Elisabeth Schaeffler erbte das Unternehmen 1996 nach dem Tod ihres Mannes Georg.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>ZF Friedrichshafen<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch beim Autozulieferer ZF sind R\u00fcstungsproduktion und ein Panzerprogramm bereits im Gange. Zusammen mit Rolls-Royce Power Systems entwickelt ZF das&nbsp;elektrifizierte Lenkschaltgetriebe f\u00fcr den hybriden Antrieb des europ\u00e4ischen&nbsp;Main Ground Combat System (MGCS). Das Projekt wird vom Bundesamt f\u00fcr Ausr\u00fcstung der Bundeswehr beauftragt.&nbsp;Beachtlich ist dabei, dass ZF seine Automotive-Kompetenzen direkt in ein zuk\u00fcnftiges europ\u00e4isches Waffensystem \u00fcbertr\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konzernchef Mathias Miedreich bezeichnete den \u201eVerteidigungsbereich\u201c als \u201eein wichtiger Baustein\u201c, man wolle aber kein R\u00fcstungskonzern werden, \u201edaf\u00fcr ist das R\u00fcstungsgesch\u00e4ft mit einem Anteil von etwa einem Prozent an unserem Gesamtumsatz zu klein\u201c.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">ZF, 1915 als Zahnradfabrik GmbH in Friedrichshafen gegr\u00fcndet, hat sich als Zulieferer f\u00fcr die Luftfahrt- und Automobilindustrie einen Namen gemacht. Bereits im ersten Jahr der Nazi-Herrschaft kooperierten ZF-Ingenieure mit Krupp und entwarfen den ersten deutschen Panzer. Ab 1936 baute ZF Getriebe f\u00fcr die Panzer III und IV. Die relativ kleine Belegschaft stieg bis 1938 auf 5000 Mitarbeiter, der Umsatz versechsfachte sich in sechs Jahren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">1937 er\u00f6ffnete ZF ein weiteres gro\u00dfes Werk in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd. In der eigens zum 100-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um erschienene Unternehmenschronik hei\u00dft es: \u201eZF verdankte dem NS-Regime das gr\u00f6\u00dfte Umsatzwachstum seiner Geschichte.\u201c Am Ende lieferte ZF 92 Prozent der Getriebe in deutschen Panzern, au\u00dferdem Bootswendegetriebe f\u00fcr die Marine und Lenkungen f\u00fcr schwere Milit\u00e4rfahrzeuge.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ab 1941 organisierte das NS-Regime in den eroberten Gebieten eine brutale Zwangsrekrutierung, um die die Kriegswirtschaft zu expandieren. Alleine in Friedrichshafen mit seinen kriegswichtigen Betrieben (ZF, Luftschiffbau Zeppelin, Maybach Motorenbau, Dornier) waren es insgesamt rund 14.000 bis 15.000 ausl\u00e4ndische Arbeitskr\u00e4fte und Kriegsgefangene. 1942 machten Zwangsarbeiter \u00fcber die H\u00e4lfte der rund 26.650 Einwohner der Stadt aus. Dort mussten vor allem Polen, Russen, Franzosen, Niederl\u00e4nder und Angeh\u00f6rige weiterer Nationalit\u00e4ten Zahnr\u00e4der bearbeiten und Getriebe montieren.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Erst in den 2000er Jahren wurde die Firmengeschichte offengelegt. Weitere Einzelheiten wurden bekannt. 1943 hatte ZF unter dem Tarnnamen \u201eWaldwerke GmbH Passau\u201c eine Zweigstelle in Passau gegr\u00fcndet, die Panzergetriebe, Bunkert\u00fcren und technische Kleinteile fertigte. Wegen zunehmenden Arbeitskr\u00e4ftemangels wurde dort Anfang M\u00e4rz 1944 das KZ-Au\u00dfenlager Passau II errichtet.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Continental<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der Reifenhersteller Continental ist kein Neueinsteiger in die R\u00fcstungsindustrie. Das Unternehmen betreibt schon seit Jahren milit\u00e4rische Aktivit\u00e4ten. 2026 wurde auf der Pariser R\u00fcstungsmesse Eurosatory das erweiterte&nbsp;Milit\u00e4rreifen-Portfolio&nbsp;vorgestellt. Continental entwickelt Reifen speziell f\u00fcr Milit\u00e4rfahrzeuge und arbeitet dabei mit Streitkr\u00e4ften und milit\u00e4rischen Fahrzeugherstellern zusammen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch die Continental AG war tief in die Verbrechen des Nationalsozialismus verstrickt. Wie alle deutschen Konzerne, die unter dem Hitler-Faschismus und seinen Vernichtungskriegen ihr Verm\u00f6gen anh\u00e4uften, hat auch Continental erst nach vielen Jahrzehnten seine verbrecherische Geschichte aufarbeiten lassen. Unter dem Titel \u201eZulieferer f\u00fcr Hitlers Krieg. Der Continental-Konzern in der NS-Zeit\u201d hat der Konzern erst 2020, also 75 Jahre danach, eine Studie des M\u00fcnchner Historikers Prof. Dr. Paul Erker ver\u00f6ffentlicht, indem seine Verbrechen aufgelistet werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Continental war laut Erker ein \u201eSt\u00fctzpfeiler\u201c bzw. \u201edas eigentliche R\u00fcckgrat\u201d der nationalsozialistischen R\u00fcstungs- und Kriegswirtschaft. Der Konzern setzte im Zweiten Weltkrieg rund 10.000 Zwangsarbeiter ein \u2014 darunter italienische \u201eJungfaschisten\u201d, belgische und d\u00e4nische Leiharbeiter, franz\u00f6sische und russische Kriegsgefangene, \u201eOstarbeiter\u201d, sowie gegen Kriegsende auch KZ-H\u00e4ftlinge, die unter anderem Gasmasken produzieren oder Gummisohlen unter extremen Belastungen testen mussten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Forvia Hella<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Autozulieferer Hella, ein f\u00fchrender Hersteller von Lichttechnik, wie Scheinwerfer und Heckleuchten, sowie von Autoelektrik, verf\u00fcgt ebenfalls schon \u00fcber eine beachtliche Milit\u00e4rsparte. Insbesondere werden Tarnscheinwerfer, IR-Beleuchtung, Konvoibeleuchtung, milit\u00e4rische Innenbeleuchtung, Elektronik, Sensorik und Beleuchtung f\u00fcr taktische Fahrzeuge produziert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch Hella war Kriegsgewinnler. Im NS-Staat produzierte Hella Kriegsnormscheinwerfer in extrem gro\u00dfen St\u00fcckzahlen f\u00fcr die Milit\u00e4rfahrzeuge der Wehrmacht. Auch Hella, (vormals WMI \u2013 Westf\u00e4lische Metall-Industrie) besch\u00e4ftigte im gro\u00dfem Ausma\u00df Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, ab 1944 wurden sogar 344 j\u00fcdische Frauen aus dem KZ-Buchenwald direkt nach Lippstadt transportiert, um dort in den Hella-Werken ausgebeutet zu werden.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Bosch<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Konzernchef Stefan Hartung sagte im Februar 2026, Bosch sei \u201esehr intensiv an vielen Projekten im Verteidigungsgesch\u00e4ft beteiligt\u201c, es gebe einen \u201eanwachsenden Bedarf\u201c. Bosch positioniert sich nicht als R\u00fcstungsbetrieb, sondern setzt auf sogenannte Dual-Use-G\u00fcter: also Bauteile, die f\u00fcr zivile Fahrzeuge produziert werden, aber auch milit\u00e4risch genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bosch ist sichtlich bem\u00fcht, sein ziviles Image als gemeinn\u00fctzige Robert Bosch Stiftung mit einem selbst auferlegten Code of Conduct, der ethische und rechtliche Standards f\u00fcr alle Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten regelt, nicht zu besch\u00e4digen. Das R\u00fcstungsgesch\u00e4ft solle kein Ersatz f\u00fcr das schw\u00e4chelnde Autogesch\u00e4ft sein und Bosch werde sich \u201enicht in einen Hersteller von Panzern verwandeln\u201c, verk\u00fcndete Hartung.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie tief Bosch bereits in der R\u00fcstungsproduktion steckt, zeigt die Tochtergesellschaft Bosch Rexroth. Sie liefert Antriebs- und Steuerungstechnik sowie komplette Systeml\u00f6sungen f\u00fcr Wehrtechnik, basierend auf bew\u00e4hrten zivilen Serienkomponenten, die f\u00fcr milit\u00e4rische Anforderungen modifiziert werden. Der Standort Lohr am Main ist nach dem NATO-Qualit\u00e4tsstandard AQAP 2110 zertifiziert. Laut Hartung gibt es \u201ekeinen Panzer, der ohne uns f\u00e4hrt\u201c.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie VW, Mercedes und andere Konzerne nutzt Bosch die wachsende R\u00fcstungsbranche um ihren geplanten Stellenabbau von \u00fcber 22.000 Arbeitspl\u00e4tzen \u201esozialvertr\u00e4glich\u201c umzusetzen. \u201eWo wir umstrukturieren m\u00fcssen, unterst\u00fctzen wir Mitarbeiter, die sich f\u00fcr den Wechsel in diese Branche interessieren\u201c, so Hartung. Er kann dabei auf die Unterst\u00fctzung der IG Metall z\u00e4hlen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Mahle<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mahle besitzt zwar noch keinen eigenen \u201eDefence-Bereich\u201c, allerdings wird bei der Diversifizierung des Unternehmens ausdr\u00fccklich \u00fcber neue Anwendungen und auch milit\u00e4rische Komponenten diskutiert.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wikipedia bezeichnet Mahle als \u201eeinen der gr\u00f6\u00dften Zulieferer f\u00fcr Motoren- und Flugzeugbauteile\u201d, der \u201eTeil der R\u00fcstungsproduktion\u201d geworden sei. 1944, auf dem H\u00f6hepunkt der R\u00fcstungsproduktion, hatte Mahle 6200 Arbeiter besch\u00e4ftigt, darunter auch Fremd- und Zwangsarbeitern.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Unternehmer Robert Bosch und Hermann Mahle gelten zwar eher als Gegner des Nationalsozialismus und werden in Verbindung mit dem b\u00fcrgerlichen Widerstand gebracht. Doch beide Unternehmen paktierten mit dem NS-Regime und richteten ihre Werke sehr stark auf R\u00fcstungsproduktion aus.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>#Titelbild: Milit\u00e4r-LKW von Rheinmetall. Die Bundeswehr bestellte davon 2024 6500 St\u00fcck [Photo by Rheinmetall AG \/ <\/em><a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/\"><em>CC BY-SA 4.0<\/em><\/a><em>]<\/em><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Quelle: <\/em><a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2026\/08\/28\/hkyp-a28.html\"><em>wsws.org&#8230;<\/em><\/a><em> vom 29. August 2026<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig Weller. Die deutsche Automobilindustrie hat seit 2018, als die Branche 834.000 Menschen besch\u00e4ftigte, 142.500 Arbeitspl\u00e4tze abgebaut. Allein im ersten Halbjahr 2026 waren es 42.300. 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