{"id":16561,"date":"2026-10-05T17:06:13","date_gmt":"2026-10-05T15:06:13","guid":{"rendered":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16561"},"modified":"2026-10-05T17:06:14","modified_gmt":"2026-10-05T15:06:14","slug":"revolte-an-frankreichs-schulen-eine-gelbwesten-bewegung-der-jugend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=16561","title":{"rendered":"Revolte an Frankreichs Schulen: Eine \u201eGelbwesten\u201c-Bewegung der Jugend?"},"content":{"rendered":"<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Juan Chingo. <\/em><strong>Die Proteste der Sch\u00fcler:innen in Frankreich beginnen die Unzufriedenheit einer ganzen Generation zu b\u00fcndeln. Die Wirkung ihrer Bewegung wird davon abh\u00e4ngen, ob sie sich organisieren und Verb\u00fcndete finden kann \u2013 in der Studierenden- und besonders in der Arbeiter:innenbewegung.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Momente, in denen scheinbar grundlegende Forderungen eine explosive Kraft entwickeln, weil sie ein breites Spektrum an Erfahrungen b\u00fcndeln. Forderungen nach Lehrkr\u00e4ften, Klassenzimmern in gutem Zustand, ausreichend Personal und ertr\u00e4glichen Stundenpl\u00e4nen h\u00e4tten der Ausgangspunkt f\u00fcr einen begrenzten Konflikt in den Schulen sein k\u00f6nnen. Doch die Forderungen breiten sich von einer Schule zur n\u00e4chsten aus. Diejenigen, die sie aufstellen, erkennen sich in der Emp\u00f6rung junger Menschen wieder, die ihnen bisher unbekannt waren. Der Staat antwortet mit brutaler Repression. So wirft der Protest eine tiefer gehende Frage auf: Wie lange kann eine Generation hinnehmen, dass sich ihre Lebensbedingungen und ihre Zukunftsaussichten verschlechtern?<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die sich auf ganz Frankreich ausbreitende Revolte an den Oberschulen (Lyc\u00e9es) l\u00e4sst uns die M\u00f6glichkeit in Betracht ziehen, dass der Protest eine ganze Generation erfassen k\u00f6nnte. Es w\u00e4re verfr\u00fcht, ihr ein ausgereiftes Programm zuzuschreiben oder ihren Ausgang vorherzusagen. Doch ihre anf\u00e4ngliche Dynamik vereint unmittelbare Forderungen, die Erfahrung von Ungleichheit und vereinzelt auch die Infragestellung der bestehenden Ordnung. In dieser Verbindung liegt ihre politische Kraft. Der Vergleich mit den Gelbwesten hilft, diese Konstellation zu beleuchten. Nicht etwa, weil es um dasselbe soziale Thema ginge oder weil sich die Dynamik von 2018 wiederholen w\u00fcrde. Sondern weil sich ein \u00e4hnlicher Mechanismus beobachten l\u00e4sst, wie sich die Bewegung ausweitet: ein Protest, der von unten ausgeht, der sich um konkrete materielle Probleme dreht und in dem sich eine Unzufriedenheit \u00e4u\u00dfert, die bisher keine Organisation aufgreifen konnte.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn die R\u00e4nder die Initiative ergreifen<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Ursprung der Proteste in den Oberschulen der Pariser Banlieues erweist sich als entscheidend. Der Politikwissenschaftler Ulysse Rabat\u00e9 von der Universit\u00e4t Paris 8 im Vorort Saint-Denis, hat darauf hingewiesen, dass der Protest eine \u201ebesondere Erfahrung von Ungleichheiten\u201c sichtbar werden l\u00e4sst, die an den Schulen in Seine-Saint-Denis und Val-de-Marne herrschen, wo die Bewegung ihren Ausgang genommen hat. Normalerweise gelten diese von staatlichem Rassismus betroffenen Jugendlichen als Probleme, mit denen es umzugehen gilt. Nun sind sie als Protagonist:innen in einem Kampf um ihre Bildung hervortreten. Die politische Initiative geht von Milieus aus, denen die F\u00e4higkeit zum eigenst\u00e4ndigen Handeln allgemein abgesprochen wird.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Zentrum der Wut steht das Versprechen der \u201eGleichheit\u201c, das an der Realit\u00e4t der materiellen Bedingungen scheitert. Was bedeutet es, von allen Jugendlichen denselben schulischen Einsatz zu verlangen, wenn Lehrkr\u00e4fte fehlen, die Geb\u00e4ude verfallen und die Ressourcen zur Betreuung der Sch\u00fcler:innen in einem Teil der Schulen unzureichend sind? Wie kann das Versagen dem individuellen Verhalten zugeschrieben werden, wenn die Lernbedingungen so ungleich sind?&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Problem geht \u00fcber die Mauern einer einzelnen Schule hinaus. Die Schule ist einer der Orte, an denen Kinder aus Arbeiter:innenfamilien den Widerspruch erleben zwischen dem Versprechen eines sozialen Aufstiegs und den H\u00fcrden, auf die sie sto\u00dfen, wenn sie diesen verwirklichen wollen. Wenn dieser Widerspruch nicht mehr als privates Problem erlebt wird, sondern sich kollektiv ausdr\u00fcckt, erscheint ein pers\u00f6nliches Versagen als geteilte Ungerechtigkeit.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch das Auftreten der Jugendlichen ist gleicherma\u00dfen bedeutsam, wie Ulysse Rabat\u00e9 erkl\u00e4rt: \u201eDie Codes der Stadtviertel machen die \u00c4sthetik dieses Protestes aus, sowohl in der Art zu sprechen als auch in der Kleidung.\u201c Kulturelle Codes, Ausdrucksweisen und die sozialen Medien werden zu Ressourcen der Bewegung. Das starke Gef\u00fchl der Zugeh\u00f6rigkeit zum eigenen Viertel ist ein Bindemittel, das es ihnen erm\u00f6glicht, sich Geh\u00f6r zu verschaffen.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In diesem Zusammenhang kommt der Ausweitung der Bewegung auf Schulen in den Innenst\u00e4dten \u2013 sei es am 29. September in Bordeaux, am 30. September in Rennes oder am vergangenen Donnerstag in Paris \u2013 eine besondere Bedeutung zu. Anf\u00e4ngliche Beobachtungen aus der Bewegung deuten darauf hin, dass die Solidarit\u00e4t mit den Jugendlichen aus den Arbeiter:innenvierteln gegen die Repression die sozialen Unterschiede zwischen den Schulen \u00fcberschreitet. Sollte sich dieser Trend best\u00e4tigen, wird er ein klassisches Man\u00f6ver erschweren: die Proteste und ihre Methoden auf die Jugend der Arbeiter:innenviertel zu beschr\u00e4nken und sie gegen\u00fcber dem Rest der Gesellschaft als etwas Fremdes darzustellen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ein Unbehagen, das \u00fcber schulische Forderungen hinausgeht<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Fehlen einer einzelnen Reform, gegen die man sich stellt, unterscheidet diese Bewegung von anderen gro\u00dfen K\u00e4mpfen der Jugend. Es gibt zwar geteilte Forderungen wie die breite Ablehnung eines Stundenplans \u201evon 8 bis 18 Uhr\u201c oder die Frage der Lernbedingungen. Doch ihre Kombination variiert von Schule zu Schule. Diese Vielfalt kann die Vereinigung erschweren, gleichzeitig erm\u00f6glicht sie vielen Jugendlichen, sich mit ihren eigenen Gr\u00fcnden der Bewegung anzuschlie\u00dfen. Das ist ein Merkmal, das an die Erfahrung der Gelbwesten erinnert. Die Vielzahl ihrer Forderungen war ein Ausdruck davon, dass sich Missst\u00e4nde angesammelt hatten, die auf den \u00fcblichen Wegen nicht mehr beantwortet werden konnten.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den vergangenen Tagen haben sich die verschiedenen Bildungseinrichtungen den Protesten jeweils mit ihren eigenen Problemen angeschlossen. Das Ausma\u00df der Blockaden zeigt jedoch, dass es durchaus eine gemeinsame Grundlage gibt. Der Lehrer:innenmangel verweist auf die Vernachl\u00e4ssigung des \u00f6ffentlichen Dienstes, w\u00e4hrend die Stundenpl\u00e4ne und die Disziplin auf die Unm\u00f6glichkeit verweisen, \u00fcber das eigene Leben zu entscheiden,die akademische Selektion auf die Unsicherheit, was die Zukunft bringt. Wie 2018 beginnt der Protest, zusammenzubringen, was bisher getrennt war. Die konkreten Forderungen er\u00f6ffnen die M\u00f6glichkeit, die Lebensbedingungen grunds\u00e4tzlicher infrage zu stellen.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In Erfahrungsberichten, die <em>Le Monde <\/em>am vergangenen Donnerstag gesammelt hat, dr\u00fcckt sich aus, wie sich der Horizont weitet. Die Tageszeitung schreibt etwa:&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Am Lyc\u00e9e Faidherbe in Lille beobachtet diese Sch\u00fclerin der elften Klasse, wie die gro\u00dfen M\u00fclltonnen mitten auf der Stra\u00dfe brennen, die an ihrer Schule entlangf\u00fchrt. \u201aNat\u00fcrlich sind da die verschlechterten Arbeitsbedingungen, die \u00fcberf\u00fcllten Klassen und die renovierungsbed\u00fcrftigen Geb\u00e4ude\u2018, doch sehr schnell geht es um ein anderes Problem. Die fast 17-j\u00e4hrige Fanny z\u00e4hlt die Sorgen auf, die ihren Alltag belasten: \u201aDie Klimakatastrophen, die KI, die alle Arbeitspl\u00e4tze verschlingen wird, die Gefahr, dass der Rassemblement National die Wahlen gewinnt \u2026\u2018 Sie selbst h\u00e4lt sich f\u00fcr \u201aeher privilegiert mit zwei Eltern, die arbeiten und gut verdienen, aber das \u00e4ndert nichts an der Zukunft, die uns erwartet. Es ist kein Wunder, dass manche ausrasten.\u2018<\/em><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In vielen der Blockaden dr\u00fcckt sich auch die Solidarit\u00e4t mit Pal\u00e4stina kraftvoll aus. Am 25. September war auf einem hochgehaltenen Plakat zu lesen: \u201eSie bewaffnen das Land und entwaffnen unsere Zukunft.\u201c Zuletzt kursierte in den sozialen Medien der 17. Oktober als Datum, um gegen die Kraftstoffpreise zu protestieren. Dahinter standen vor allem junge Arbeiter:innen aus den Stadtvierteln, nun beziehen sich auch viele Obersch\u00fcler:innen darauf. Diese Beispiele zeigen, dass die schulischen Forderungen zwar eindeutig ein Motor f\u00fcr die Wut der Sch\u00fcler:innen sind, sie dort jedoch nicht endet. Ein tiefgreifendes Unbehagen durchzieht die unterschiedlichen Sektoren der Jugend.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Besondere dieser Revolte k\u00f6nnte in dieser Spannung liegen: Die Jugend fordert, in W\u00fcrde lernen zu k\u00f6nnen, doch sie stellt auch die Idee infrage, dass die, die lernen und sich bem\u00fchen, ein besseres Leben erwartet. In der Oberstufe konzentriert sich dieser Widerspruch, denn dort entscheidet sich ein Teil der Zukunft f\u00fcr die Jugendlichen. Macrons Versprechen eines Fortschritts durch individuelle Anstrengung sind in Frankreich zutiefst diskreditiert. Der Neoliberalismus hat sich in den vergangenen Jahren als autorit\u00e4r und repressiv gezeigt, besonders gegen\u00fcber den Jugendlichen aus den Arbeiter:innenvierteln.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">All diese Faktoren erkl\u00e4ren die Intensit\u00e4t der Bewegung, auch wenn wir ihre Radikalit\u00e4t nicht als gegeben voraussetzen k\u00f6nnen. Die Emp\u00f6rung kann mit Erwartungen an die Institutionen, lokal beschr\u00e4nkten Forderungen und widerspr\u00fcchlichen Ideen koexistieren. Wie sie sich entwickelt, wird von der Reaktion der M\u00e4chtigen abh\u00e4ngen, aber auch von den Verbindungen, die der Protest mit anderen ausgebeuteten und unterdr\u00fcckten Bev\u00f6lkerungsgruppen kn\u00fcpft, sowie den kollektiven Erfahrungen, die sie macht.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Repression versch\u00e4rft den Konflikt<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die massive und gewaltsame Polizeirepression&nbsp; \u2013 allein an diesem Donnerstag gab es 1.949 Festnahmen \u2013 f\u00fchrt zu einer neuen gemeinsamen Erfahrung. Zur Ungleichheit im Bildungswesen kommt die Erfahrung staatlicher Gewalt gegen diejenigen, die versuchen, sich zu wehren, hinzu. Die Polizeieins\u00e4tze vor Schulen, die zahlreichen Festnahmen und Verletzungen ber\u00fchren nicht nur das Bewusstsein der Mobilisierten, sondern haben weitreichende Folgen. Die Verteidigung des Demonstrationsrechts steht daher in den letzten Tagen im Mittelpunkt. Das unmittelbare Ziel der Repressionen besteht darin, die Bewegung zu zerstreuen, Sch\u00fcler:innen einzusch\u00fcchtern und von der Teilnahme an den Protesten abzuschrecken. Zudem erf\u00fcllt sie die politische Funktion, die \u00f6ffentliche Debatte auf das Verhalten der Protestierenden zu lenken. Anstatt Rechenschaft \u00fcber den Verfall des Bildungssystems abzulegen, verlangt die Regierung von den Jugendlichen, Rechenschaft \u00fcber ihre Methoden abzulegen und bedient sich dabei rassistischer Vorurteile. Selbst vor der Verbreitung von Fake News schreckt sie nicht zur\u00fcck: Premierminister Lecornu behauptete f\u00e4lschlicherweise, Sch\u00fcler:innen h\u00e4tten S\u00e4ureangriffe durchgef\u00fchrt.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Vorw\u00fcrfe der Manipulation durch La France Insoumise (LFI) oder die \u201eUltra-Linke\u201c sind Teil derselben Strategie. Sie unterstellen, dass den Jugendlichen die F\u00e4higkeit fehle, sich selbst\u00e4ndig f\u00fcr Mobilisierungen zu entscheiden, obwohl sie eindeutig in der Lage sind, zu beschreiben, was an ihren Schulen vor sich geht. Dieses Argument dient dazu, ihre Aussagen zu diskreditieren und den sozialen Konflikt als Streit zwischen der Regierung und ihren politischen Konkurrenten darzustellen. Doch auch wenn Einsch\u00fcchterungen wirken und Repressionen eine Bewegung zerm\u00fcrben k\u00f6nnen \u2013 vor allem, wenn die Teilnehmer:innen isoliert werden \u2013, kann der Kampf gegen Repression auch die Solidarit\u00e4t st\u00e4rken und schulbezogene Forderungen in eine Auseinandersetzung um demokratische Rechte verwandeln.&nbsp;<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es muss verhindert werden, dass eine Spaltung zwischen \u201elegitimen\u201c Teilen der Sch\u00fcler:innenproteste und \u201eRandalieren\u201c aus den prek\u00e4ren Vierteln etabliert wird, gegen die man ohne Konsequenzen vorgehen kann. Die Verteidigung der mobilisierten Sch\u00fcler:innen muss auf alle Schulen ausgeweitet und \u00fcber die Demonstrationen hinaus organisiert werden: durch die Begleitung der Familien, durch Angebote rechtlicher Unterst\u00fctzung und die \u00f6ffentliche und kollektive Skandalisierung der Repressionen. Das Schicksal der Mobilisierung entscheidet sich auch dann, wenn die Kameras verschwinden. Gleichzeitig stellt die Schlie\u00dfung von hunderten Schulen, um die Mobilisierung zu unterbinden, eine weitere Form der Repression dar, der es zu begegnen gilt. Lehrkr\u00e4fte k\u00f6nnen dabei eine Schl\u00fcsselrolle spielen, indem sie sich weigern, Fernunterricht zu geben, wie es an Lyc\u00e9e Ren\u00e9 Cassin in Gonesse geschehen ist.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Studierendenbewegung muss sich einbringen<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotz der Gemeinsamkeiten gibt es einen wichtigen Unterschied zur Gelbwestenbewegung. Der autonome Charakter der Sch\u00fcler:innenbewegung bedeutet nicht, dass sie jeder parteipolitischen Intervention feindlich gegen\u00fcbersteht. Ulysse Rabat\u00e9 stellt fest, dass bestimmte Politiker:innen als Unterst\u00fctzer:innen willkommen gehei\u00dfen werden. Das gilt beispielsweise f\u00fcr die LFI, etwa den Abgeordneten Louis Boyard oder den B\u00fcrgermeister von Saint-Denis, Bally Bagayoko. Aber auch Mitglieder von R\u00e9volution Permanente, wie Anasse Kazib, Elsa Marcel oder Christian Porta in Saint-Avold wurden herzlich empfangen. Diese Offenheit kann Ausdruck eines Willens sein, Verb\u00fcndete zu finden, wie auch die Sympathie zeigt, die die Unterst\u00fctzung durch ihre Lehrkr\u00e4fte bei den Sch\u00fcler:innen hervorruft.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Solidarit\u00e4t muss nun durch das aktive Engagement der Studierenden ausgeweitet werden. Der Jubel beim Treffen zwischen den Sch\u00fcler:innen des Lyc\u00e9e Paul \u00c9luard und den Studierenden der Universit\u00e4t Paris 8 in den Stra\u00dfen von Saint-Denis stellen einen ersten Schritt dar, ebenso wie die ersten Anzeichen einer studentischen Mobilisierung mit einem Aufruf der Universit\u00e4t Rennes 2, die Universit\u00e4t zu blockieren und sich den Sch\u00fcler:innen anzuschlie\u00dfen, sowie \u00e4hnliche Aktionen an der Universit\u00e4t Paris Cit\u00e9 oder auf dem Campus La Chapelle der Universit\u00e4t Paris 1. Die Einbeziehung der Studierenden kann zudem Erfahrung einbringen, Orte f\u00fcr Zusammenk\u00fcnfte bieten und den Aufbau organisatorischer Instrumente gemeinsam mit den Sch\u00fcler:innen erm\u00f6glichen \u2013 durch Versammlungen und demokratische Koordinierungsgremien. Politische Organisationen und Studierendengewerkschaften sollten dazu beitragen, diese Instrumente zu st\u00e4rken und entsprechende Vorschl\u00e4ge zu unterbreiten, wie es von Le Poing Lev\u00e9 bereits umgesetzt wird.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die strategische Notwendigkeit des Zusammenschlusses mit der Arbeiterbewegung<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine weitere Aufgabe liegt bei der Arbeiter:innenbewegung. Am Donnerstag bildeten Arbeiter:innen verschiedener Unternehmen aus Le Havre vor der Oberschule \u201eFran\u00e7ois Ier\u201c eine Menschenkette, um die Jugendlichen vor der Polizei zu sch\u00fctzen. Dieses Ereignis bildet ein Beispiel f\u00fcr eine Art von B\u00fcndnis, die das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis ver\u00e4ndern k\u00f6nnte. So er\u00f6ffnet diese Geste \u00fcber ihre lokale Bedeutung hinaus eine strategische Perspektive. Die Jugend ist nicht mehr auf sich allein gestellt, wenn organisierte Gruppen von Arbeiter:innen ihre Verteidigung als ihre eigene Aufgabe betrachten.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Solidarit\u00e4t hat eine materielle Grundlage. Die Lernbedingungen der Kinder von Arbeiter:innen und die Arbeitsbedingungen des Bildungspersonals h\u00e4ngen von gemeinsamen Ressourcen, Personalbest\u00e4nden und Haushaltsentscheidungen ab. Lehrkr\u00e4fte und p\u00e4dagogische Hilfskr\u00e4fte, die diese Praxis der Menschenketten an der Paul-Eluard-Schule ins Leben gerufen haben, sind selbst von den Missst\u00e4nden, die die Sch\u00fcler:innen anprangern, betroffen. Die Eltern leiden unter den Folgen des Verfalls des Schulsystems, parallel zu den Problemen bei Arbeit, Wohnen und \u00f6ffentlichen Dienstleistungen. Doch ein gemeinsames Interesse f\u00fchrt nicht automatisch zu einem gemeinsamen Kampf.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit Solidarit\u00e4t etwas bewirkt, muss sie sich in Pr\u00e4senz vor den Schulen, gemeinsamen Versammlungen, Verbindungen zu Gewerkschaften anderer Sektoren und gemeinsam durchgef\u00fchrten Aktionen niederschlagen. Der Schutz vor der Polizei sollte der Beginn einer dauerhaften Beziehung sein. Der Aufruf von Le Poing Lev\u00e9 zu einer Aktionswoche ab dem 5. Oktober und die Bereitschaft mehrerer Jugendorganisationen, am 6. Oktober eine gemeinsame Demonstration der Sch\u00fcler:innen und Studierenden zu organisieren, k\u00f6nnten durch Delegationen von Arbeiter:innen verst\u00e4rkt werden. Die Mobilisierung gegen den CPE (Contrat Premi\u00e8re Embauche, ein geplantes Gesetz, das Unternehmen erm\u00f6glichen sollte, junge Arbeiter:innen in einem Zeitraum von zwei Jahren ohne Angabe von Gr\u00fcnden zu entlassen, Anm. d. \u00dc.), deren zwanzigj\u00e4hriges Jubil\u00e4um wir in diesem Jahr feiern, bietet einen wichtigen Pr\u00e4zedenzfall. Damals hatten die Organisierung der Sch\u00fcler:innen und Studierenden, die Versammlungen und die studentische Koordination \u2013 verbunden mit der Beteiligung der Arbeiter:innen an den Streik- und Demonstrationstagen \u2013 die Regierung Villepin dazu gezwungen, die Ma\u00dfnahme zur\u00fcckzuziehen. Diese Erfahrung zeigt, was sich \u00e4ndern kann, wenn die Revolte der Jugend ein aktives Echo innerhalb der Arbeiter:innenbewegung findet.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor den Toren des Lyc\u00e9e Faidherbe in Lille war an diesem Donnerstag auf einem Transparent zu lesen: \u201eDu willst uns verarschen? Dann geben wir dir Mai \u201968.\u201c Dieser Spruch er\u00f6ffnet eine Perspektive, an deren Gestaltung wir mitwirken m\u00fcssen: daf\u00fcr zu sorgen, dass die Revolte der Jugend mit der Kraft der Arbeiter:bewegung zusammenfindet. Umso mehr, als die Initiative der Jugendlichen denjenigen Teilen neues Selbstvertrauen geben k\u00f6nnte, die in den letzten Jahren Niederlagen erlitten haben oder deren Mobilisierungen selten die erhofften Ergebnisse gebracht haben.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Hin zur Organisation der Gegenoffensive<\/strong><\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bewegung verf\u00fcgt \u00fcber eine offensichtliche anf\u00e4ngliche St\u00e4rke: Sie breitet sich spontan auf nationaler Ebene aus, sogar bis nach Belgien! Diese Eigenschaft macht es schwierig, sie einzud\u00e4mmen, stellt aber auch ein Problem dar. Die Verbindungen zwischen den Sch\u00fcler:innen, die es erm\u00f6glichen, eine Blockade zu starten, reichen nicht aus, um Hunderte von Schulen zu koordinieren, gemeinsame Forderungen auszuarbeiten oder einen Plan f\u00fcr den \u00dcbergang zur Offensive vorzubereiten. Soziale Netzwerke beschleunigen den Austausch von Erfahrungen. Aber nur durch Organisation l\u00e4sst sich diskutieren und entscheiden, was zu tun ist. In diesem Sinne k\u00f6nnte eine auf Versammlungen basierende Koordination die gemeinsamen Forderungen b\u00fcndeln \u2013 beispielsweise in Bezug auf Bildungsmittel, die Abschaffung von Parcoursup (Online-Portal f\u00fcr die Vergabe von Hochschulpl\u00e4tzen, Anm. d. \u00dc.) oder den Kampf gegen Repression \u2013, ohne dabei die spezifischen Forderungen der einzelnen Schulen zu verw\u00e4ssern.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die revolution\u00e4ren Aktivist:innen von R\u00e9volution Permanente und Le Poing Lev\u00e9 sowie all ihre Sympathisant:innen tragen, ausgehend von konkreten St\u00fctzpunkten zu dieser Perspektive bei. \u00dcberall dort, wo Verbindungen zwischen den Sch\u00fcler:innen, dem Lehrpersonal und den Arbeiter:innen anderer Sektoren bestehen, m\u00fcssen Initiativen gef\u00f6rdert werden, die als Vorbild dienen und sich ausbreiten k\u00f6nnen. Die entscheidende Frage ist, ob sich die Emp\u00f6rung, die sich heute an den Oberschulen ausbreitet, in Organisation und dauerhafte Solidarit\u00e4t verwandeln und neue Schichten der Ausgebeuteten und Unterdr\u00fcckten ergreifen kann. Die Menschenketten vor den Toren der Schulen bergen eine strategische Perspektive in sich: dass sich die Verteidigung der Jugend in einen gemeinsamen Kampf gegen die Politik verwandelt, die ihre Ausbildung, die Arbeitsbedingungen ihrer Eltern und die Zukunft aller verschlechtert. Die Herausforderung besteht daher darin, diese anf\u00e4ngliche Solidarit\u00e4t in eine organisierte Kraft zu verwandeln, die in der Lage ist, in die Gegenoffensive \u00fcberzugehen.<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Quelle: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/revolte-an-frankreichs-schulen-eine-gelbwesten-bewegung-der-jugend\/\">klassegegenklasse.org&#8230;<\/a> vom 5. Oktober 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Juan Chingo. 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