{"id":1678,"date":"2016-11-28T09:46:39","date_gmt":"2016-11-28T07:46:39","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1678"},"modified":"2016-11-28T09:46:39","modified_gmt":"2016-11-28T07:46:39","slug":"gibt-es-einen-sozialistischen-ausweg-in-venezuela","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1678","title":{"rendered":"Gibt es einen sozialistischen Ausweg in Venezuela?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die grosse Masse gew\u00f6hnlicher <a href=\"http:\/\/www.linguee.de\/deutsch-englisch\/uebersetzung\/Venezolaner.html\">Venezolaner<\/a>innen und <a href=\"http:\/\/www.linguee.de\/deutsch-englisch\/uebersetzung\/Venezolaner.html\">Venezolaner<\/a> steht im Spannungsfeld zwischen einer rechtsradikalen Opposition und einem korrumpierten Staat, der ihren Interessen nicht dient, schreibt <\/strong><strong>Eva Mar\u00eda.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>In den letzten paar Monaten sind die etablierten Massenmedien in den USA zu einem ihrer liebsten Themen zur\u00fcckgekehrt: \u201eVenezuela ist eine Diktatur, und es wird an der Zeit, etwas dagegen zu tun.\u201c<\/p>\n<p>Scharf formulierte Schlagzeilen in der <em>New York Times<\/em>, CNN,\u00a0<em>The Economist<\/em>\u00a0und\u00a0<em>Forbes<\/em> behaupten, dass die Absage eines Amtsenthebungsreferendums f\u00fcr die fr\u00fche Absetzung des Pr\u00e4sidenten Nicol\u00e1s Maduros von seinem Amt die dikatorische Natur der venezulanischen Regierung offenbare. Der Ruf nach Freilassung sogenannter politischer H\u00e4ftlinge, die unter der Regierung des Vorg\u00e4ngers von Maduro, Hugo Ch\u00e1vez, inhaftiert worden waren, hat ebenfalls zum Bild eines autorit\u00e4ren Staates beigetragen.<\/p>\n<p>Daher kam es, dass die letzten Kampagnenwerbungen von Hillary Clinton auf der absurden Behauptung aufbauten, dass Donald Trump die USA in Ch\u00e1vez\u2019 Venezuela verwandeln werde, sprich, in eine Diktatur. Aber genau diese verzerrte Sichtweise deckt sich mit der Politik der Obama Administration, welche venezolanischen Staatsvertretern Sanktionen auferlegte, weil sie eine gef\u00e4hrliche Bedrohung f\u00fcr die amerikanische \u201eDemokratie\u201c darstellen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Die Schlagzeilen derselben etablierten Massenmedien beschreiben ein scheiterndes Land. Offizielle Zahlen sch\u00e4tzen, dass die Inflation bis Ende Jahr 700 Prozent erreichen werde. Auf Supermarktregalen scheine es an grundlegenden Nahrungsmitteln wie Milch, Mehl und Zucker zu mangeln; Berichten zufolge w\u00fcrden Gewaltdelikte steigen; und das illegale Schmuggelgesch\u00e4ft durch Kolumbien und den Schwarzmarkt sei auf Expansionskurs.<\/p>\n<p>Von den Konzernmedien interviewte junge Studenten und mittelst\u00e4ndische Familien erkl\u00e4ren, dass sie das Land verliessen, um Maduros Diktatur zu entkommen, w\u00e4hrend die Armen so dargestellt werden, als versuchten sie, verzweifelt eine Krise zu l\u00f6sen, der sie nicht entrinnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrenddessen klammert sich Maduro an seine Sichtweise, dass die Krise nichts mit der Regierung zu tun habe, sondern mit der heimischen und internationalen herrschenden Klasse, die die venezolanische Revolution wegen ihrer sozialistischen Ideale verachte. Der Pr\u00e4sident spottet oft \u00fcber die Opposition und weist jede Kritik an seiner Regierung als scheinheilig zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Er sieht sich als den unbestrittenen Nachfolger des Chavista-Projektes, um das Land in Richtung Sozialismus zu bewegen, welchen er als eine hochdemokratische, breit abgest\u00fctzte und teilnahmebasierte Gesellschaft definiert. Er behauptet, dass es sich bei Problemen wie der von der zur\u00fcckgehenden, landesinternen Lebensmittelproduktion bis hin zu der Entscheidung, einen Teil der Amazonasregion f\u00fcr die Goldsuche freizugeben, alles um \u00dcbel handle, wor\u00fcber er keine Macht habe. Stattdessen seien der globale Kapitalismus und die venezulanische Elite verantwortlich.<\/p>\n<p>Diese, von beiden Seiten pr\u00e4sentierten Bilder gehen nicht auf die Bed\u00fcrfnisse der Bev\u00f6lkerung ein. Der Vorschlag der politischen Rechten, Maduro abzusetzen und politische Gefangene freizulassen, werden nicht dazu beitragen, die wirtschaftliche und soziale Krise zu l\u00f6sen; aber die Behauptung der Regierung, dass die herrschende Klasse und der U.S.-amerikanische Imperialismus an allem schuld seien, wird die Mehrheit der gew\u00f6hnlichen, arbeitenden Menschen auch nicht dazu bringen, sich von der politischen Rechten abzuwenden.<\/p>\n<p>Die Wahrheit ist, dass die Venezolanerinnen und Venezolaner ums \u00dcberleben k\u00e4mpfen. Und sie haben das Vertrauen in politische Vertreter jeder F\u00e4rbung verloren.<\/p>\n<p>&#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211;<\/p>\n<p>In der venezolanischen Politik herrscht eine ungest\u00fcme Zeit. Im Oktober hat das oberste Gericht den Prozess f\u00fcr die Organisation eines Amtsenthebungsreferendums abgebrochen, welcher die einzige durchg\u00e4ngige Kampagne der Opposition im vergangenen Jahr darstellte.<\/p>\n<p>Nach der venezolanischen Verfassung, von der 1999 neugegr\u00fcndeten Nationalversammlung mit Ch\u00e1vez an der Spitze ausgearbeitet und angenommen, darf ein Pr\u00e4sident vor dem Ende seiner Amtszeit kraft eines demokratischen Referendums abgesetzt werden, wenn ein betr\u00e4chtlicher Anteil der Bev\u00f6lkerung dies w\u00fcnscht.<\/p>\n<p>2004 wurde dieses Instrument gegen den damals beliebten Ch\u00e1vez verwendet, der die Amtsenthebungsabstimmung jedoch leicht f\u00fcr sich entscheiden konnte. Dieses Jahr versuchte es die Opposition noch einmal, diesmal gegen Pr\u00e4sident Maduro, in einer Zeit, in der seine Beliebtheit stark gesunken ist.<\/p>\n<p>Maduro, wohlwissend, dass die Umfragen Unzufriedenheit mit seiner Regierung melden, hat diesen Prozess ganz anders gehandhabt, als es Ch\u00e1vez 2004 getan hatte. Damals lag die Strategie der Regierung gegen die politische Rechte noch darin, die Basis der Chavista f\u00fcr die Umfragen zu mobilisieren, um die Weiterf\u00fchrung von Ch\u00e1vez Amt zu verteidigen, was sich als gl\u00e4nzender Erfolg herausstellte. Maduro hat jedoch dieses Mal auf b\u00fcrokratische Mittel zur\u00fcckgegriffen, um die Abstimmung zu stoppen.<\/p>\n<p>Das oberste Gericht hatte das Referendum auf Grundlage von Bezichtigungen der Verwendung von betr\u00fcgerischen Unterschriften aussetzen lassen. Als Antwort rief die venezolanische Opposition zu einem Marsch auf den Pr\u00e4sidentenpalast am 3. November auf unter dem Leitspruch \u201eNehmt Venezuela zur\u00fcck!\u201c. \u201eIn Venezuela bek\u00e4mpfen wir den Satan!\u201c, schrie der konservative Oppositionsf\u00fchrer, Henrique Capriles.<\/p>\n<p>Der oppositionelle Marsch hatte zum Ziel, Maduro gleich an Ort und Stelle abzusetzen, falls die mobilisierte Anzahl dies erlaubte. Jedoch wurde die Konfrontation in letzter Minute abgesagt, weil sich Maduro mit einem, durch den Vatikan vermittelten Friedensdialog einverstanden zeigte.<\/p>\n<p>Derjenige Teil der Opposition, der sich bereiterkl\u00e4rte, an den Gespr\u00e4chen teilzunehmen, tut es in der Hoffnung, vor dem Ende von Maduros Amtszeit, welche 2019 endet, einen anderen Weg an die Macht zu finden, oder vielleicht Gespr\u00e4che f\u00fcr die Bildung einer Art nationalen Einheitsregierung anzubahnen.<\/p>\n<p>Solch eine Regierung w\u00fcrde aufgestellt, um eine kollektive L\u00f6sung von Oben zur Verf\u00fcgung zu stellen, sodass den Interessen sowohl der \u201ebolivianischen Bourgeoisie\u201c, die sich unter Ch\u00e1vez und Maduro gebildet hat, als auch der rechtsradikalen Oppostion (welche die grosse Mehrheit der venezolanischen herrschenden Klasse beherbergt) auf Kosten der Volksklassen gedient ist.<\/p>\n<p>U.S.-Politiker, Mitglieder der UNASUR (die Vereinigung S\u00fcdamerikanischer Nationen), der Vatikan und andere internationale Gr\u00f6ssen haben sich stark f\u00fcr diese Gespr\u00e4che ausgesprochen, welche nach ihnen den einzigen Weg beider Parteien f\u00fcr die Zukunft darstellen w\u00fcrde. Sie hatten versuchsweise sogar lobende Worte f\u00fcr Maduro \u00fcbrig; und haben nach seiner Ann\u00e4herung an Papst Franziskus sogar ihren kritischen Ton bes\u00e4nftigt.<\/p>\n<p>Seitdem die Gespr\u00e4che begannen, haben beide Seiten Schritte unternommen, um ihre Differenzen auszugleichen. Die Opposition sagte den Marsch vom 3. November ab und die Regierung befreite f\u00fcnf Inhaftierte. Im Verlaufe des Dialogs sind weitere Konzessionen angek\u00fcndigt.<\/p>\n<p>&#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend all dies geschieht, sind die gew\u00f6hnlichen Venezolanerinnen und Venezolaner demoralisiert und k\u00e4mpfen gegen die Misere. Ihnen fehlt das Vertrauen in die F\u00e4higkeit ihrer Politiker, etwas gegen die allt\u00e4glichen Probleme zu unternehmen. Sie f\u00fchlen sich von keiner der streitenden M\u00e4chte vertreten.<\/p>\n<p>Warum schafft es Maduro nicht, die Millionen von Menschen zu mobilisieren, auf die Ch\u00e1vez jedes Mal zur\u00fcckgreifen konnte, wenn er es mit einem Angriff von Rechts zu tun bekam? Warum hat die Opposition solche M\u00fche, bei der 75 Prozent der Bev\u00f6lkerung Gefallen zu finden, die neusten Umfragen zufolge nicht mehr an Maduro glaubt.<\/p>\n<p>Im Verlaufe der 15 Machtjahre von Ch\u00e1vez hatten er und seine Verb\u00fcndete einen theoretischen Rahmen entwickelt, der Millionen Menschen mit dem Glauben inspirierte, ein neuer Weg zum Sozialismus stehe offen. Aber heute, in Zeiten der Krise und der Verwirrung, bleibt wenig von diesem Traum bestehen.<\/p>\n<p>Manche auf der politischen Linken bezichtigen Maduro, die Revolution durch Korruption und Verschwendung von Geldern verraten zu haben. Die Kritik ist angebracht, jedoch beginnt die Wurzel des \u00dcbels bereits bei Ch\u00e1vez selbst und seinem Argument, dass der Sozialismus ein staatlich gef\u00fchrtes Unterfangen sein k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Am Weltsozialforum 2005 rief Ch\u00e1vez die Linke dazu auf, den Sozialismus neu zu definieren. Zwei Jahre sp\u00e4ter gab er den Anstoss f\u00fcr die Gr\u00fcndung der Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV), um alle Kr\u00e4fte zu vereinen, die sich dazu bereit erkl\u00e4rten, die bolivarianische Revolution fortzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Sozialisten, die den Pr\u00e4sidenten zwar unterst\u00fctzten, gegen\u00fcber der B\u00fcrokratie, die sich um ihn herum formte, aber kritisch eingestellt blieben, steckten jetzt in der Klemme: Entweder konnten sie einer hierarchischen, aber wirklich popul\u00e4ren Arbeiterpartei beitreten, oder unabh\u00e4ngig bleiben und daf\u00fcr risikieren, an den politischen Rand gedr\u00e4ngt zu werden.<\/p>\n<p>Am Ende entschieden sich die meisten sozialistischen Organisationen f\u00fcr einen Beitritt, <a href=\"https:\/\/socialistworker.org\/2016\/04\/06\/the-lessons-of-chavismo\">einschliesslich Marea Socialista, <\/a>\u00a0welche \u00fcber die Jahre regelm\u00e4ssig Beitr\u00e4ge f\u00fcr SocialistWorker.org verfasst hat. In Windeseile schwollen die R\u00e4nge der PSVU in die Millionenh\u00f6he an. Die Partei verliess sich aber nicht auf die aktive Teilnahme ihrer Mitglieder, egal wie gerne Ch\u00e1vez\u00a0dies erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Stattdessen setzte sich eine b\u00fcrokratische Struktur durch, in der Kritik, offene Debatten und Macht an der Basis immer mehr zur Ausnahme statt die Regel wurden. Die Partei formalisierte die b\u00fcrokratische Schicht von angeblich \u201erevolution\u00e4ren\u201c Chavistas, denen die Macht \u00fcber unterschiedliche Staatbereiche \u00fcbertragen wurde. Die meisten in dieser neuen Schicht benutzten die Privilegien ihres Amtes, um sich zu bereichern, w\u00e4hrend sie sich weiterhin der sozialistischen Rhetorik bedienten.<\/p>\n<p>Zeitgleich funktionierten Ch\u00e1vez Ideen f\u00fcr die Finanzierung und Unterst\u00fctzung der Macht des Volkes in der Praxis nicht, und mit korrupten Beamten wurde undemokratisch verfahren, wobei Ch\u00e1vez\u00a0 selbst sie aus der Regierung verbannte oder in andere \u00c4mter versetzte, um ihr Fehlverhalten zu vertuschen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Maduros Amtszeit scheint diese b\u00fcrokratische Schicht durch Klientelbeziehungen, die genau jene sozialen Programme umfassten, die dazu geschaffen worden waren, eine Heranbildung der Macht von Unten zu erm\u00f6glichen, weiter an Macht gewonnen zu haben. Der Reichtum, der durch die hohen \u00d6lpreise zur Verf\u00fcgung stand, maskierte diesen Prozess, aber der dramatische Einsturz der hohen \u00d6lpreise f\u00f6rderte die Probleme des venezolanischen Projektes schnell zutage.<\/p>\n<p>&#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211;<\/p>\n<p>Der Sozialismus hat die Krise nicht verursacht, egal wie viele Male die Konzernmedien es erz\u00e4hlen m\u00f6gen. Die popul\u00e4ren Massnahmen, die w\u00e4hrend der erfolgreichsten Jahre der Revolution ergriffen wurden, waren niemals sozialistisch, sondern eher Versuche, die schlimmsten Auswirkungen des Kapitalismus abzumildern\u2014extreme Armut und schlechte Gesundheitsversorgung, Behausung und Bildung\u2014w\u00e4hrend eine Konfrontation im grossen Stil mit der herrschenden Klasse gemieden wurde.<\/p>\n<p>Der dual fixierte Wechselkurs der Regierung\u2014der dazu da ist, die Lebensmittelproduktion und Verteilung im Land zu subventionieren\u2014belegt dies. Um Lebensmittel allen zug\u00e4nglich zu machen, entwarf der Wirtschaftsminister einen Plan, zus\u00e4tzliches Geld solchen Konzernen zugute kommen zu lassen, die G\u00fcter der Grundversorgung importierten, um diese dann in den Superm\u00e4rkten zu subventionierten Preisen zu verkaufen.<\/p>\n<p>Schon am Anfang arbeiteten etablierte, lokale Kapitalisten mit der neuen B\u00fcrokratie zusammen, um dieses System f\u00fcr sich zu nutzen. Manche stahlen unverbl\u00fcmt Geld, ohne auch nur die versprochenen G\u00fcter zu importieren. Andere importierten die versprochenen G\u00fcter zwar, schmuggelten diese dann aber nach Kolumbien, um dort einen besseren Preis zu erzielen, oder verkauften sie direkt auf dem Schwarzmarkt, wo die Profite um einiges h\u00f6her lagen.<\/p>\n<p>Nach dieser Logik der Profitsuche operiert jedes kapitalistische System, aber dieser Fall ist besonders entr\u00fcstend, weil manche Beamten, die davon sprachen, den \u201eSozialismus des 21. Jahrhunderts\u201c voranzubringen, selber Wucher betrieben. Diese Art der Korruption, in Kombination mit dem Sturz des \u00d6lpreises und den Taktiken der politisch Rechten, erkl\u00e4rt die Entwicklung einer Krise, die\u2014wie immer\u2014die Armen am h\u00e4rtesten traf.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Opposition ist die L\u00f6sung einfach: Bringe die neoliberale Restrukturierung der Wirtschaft zur\u00fcck, erlege den Arbeiteinnen und Arbeitern Austerit\u00e4t auf und steigere die Profite der Kapitalisten\u2014alles im Interesse der Wenigen. Manche der Oppositionsfiguren verlangen nach ausl\u00e4ndischer Intervention von L\u00e4ndern wie der USA und regionalen Verb\u00fcndeten, um diesen Wandel zu beschleunigen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Maduro sieht die L\u00f6sung um einiges schwieriger aus: Wenn er sich der Korruptionsbek\u00e4mpfung annehmen w\u00fcrde, m\u00fcsste er eine Konfrontation mit der nationalen Bourgeoisie sowie den m\u00e4chtigen Interessen auf der F\u00fchrungsspitze seiner eigenen Partei austragen, die den Staat dazu benutzen, sich selber \u00fcber alle Massen zu bereichern.<\/p>\n<p>&#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211; &#8211;<\/p>\n<p>Sozialisten m\u00fcssen von beiden Kr\u00e4ften unabh\u00e4ngig bleiben, um eine radikale Alternative zu finden.<\/p>\n<p>Manche prominente Figuren auf der internationalen Linken, wie zum Beipsiel die renommierte Venezolanisch-Amerikanerin, Eva Golinger, und manche SchreiberInnen f\u00fcr Venezuelanalysis.org, hatten genau dabei M\u00fche. Sie argumentieren, dass unsere Aufgabe als SozialistInnen darin liege, die Rolle des U.S.-Imperialismus und der venezolanischen Kapitalistenklasse aufzuzeigen. Jetzt sei es noch nicht an der Zeit, sagen sie, eine Regierung zu kritisieren, die ihre Wurzeln in einem volksorientierten und revolution\u00e4ren Prozess habe.<\/p>\n<p>Aber diese Idee von Solidarit\u00e4t mit der venezolanischen Bev\u00f6lkerung ist einseitig. Eine Regierung zu unterst\u00fctzen, die die Wurzeln der bolivianischen Revolution aufgegeben hat, hilft kaum dabei, die Massenbewegung, die Ch\u00e1vez nach links zwang, zu verstehen und zu verteidigen. Sie riskiert auch das Herunterspielen der Sehnsucht der Bev\u00f6lkerung, eine demokratische Alternative zu finden, um ihren Kampf fortzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Sie bedeutet diejenigen Revolution\u00e4re zur\u00fcckzuweisen, die zensiert und aus ihren Machtpositionen entfernt wurden, weil sie sich kritisch \u00fcber die neue Schicht in der Regierung \u00e4usserten. Sie bedeutet die Man\u00f6ver der Regierung gutzuheissen, neu gegr\u00fcndete Organisationen davon abzuhalten, unabh\u00e4ngig von der herrschenden Partei ihre eigenen sozialistischen Kandidaten f\u00fcr die Wahl aufzustellen (So wie es bei Marea Socialista der Fall gewesen ist.).<\/p>\n<p>Sie bedeutet, zu schweigen \u00fcber Maduros Zustimmung zu einem Vertrag mit multinationalen Konzernen, der es diesen erlaubt, in einer der artenvielf\u00e4ltigsten Regionen der Welt Goldgewinnung zu betreiben. Wenig \u00fcberraschend umfasst dieses neue Projekt auch flexible Arbeitsgesetze und tiefe Steuern f\u00fcr die beteiligten Konzerne.<\/p>\n<p>Sie bedeutet, den Dialog zu tolerieren, den Maduro mit einer Opposition vorw\u00e4rtstreibt, die f\u00fcr alles steht\u2014Ausbeutung, Frauenfeindlichkeit, Rassismus, Imperialismus und so weiter\u2014was die Linke zu Recht ablehnt.<\/p>\n<p>Aber am allermeisten bedeutet sie, selbstgef\u00e4llig eine Regierung zu unterst\u00fctzen, die konsequent unter Beweis gestellt hat, dass sie nicht auf der Seite der Menschen und ihres Kampfes f\u00fcr den Sozialismus steht.<\/p>\n<p>Um sozialistischen Prinzipien und unseren strategischen Zielen treu zu bleiben, m\u00fcssen wir weiter blicken als die oberfl\u00e4chliche Analyse, die Maduro als die einzige Option f\u00fcr Linke hinstellt. Die Situation in Venezuela ist kritisch und arbeitende Menschen sind diejenigen, die am meisten leiden. Es gibt keine kurzfristige L\u00f6sung f\u00fcr diese Krise.<\/p>\n<p>Aber die revolution\u00e4re Linke muss anfangen, ein unabh\u00e4ngiges Projekt zu entwerfen, das die aktuelle B\u00fcrokratisierung des bolivianischen Prozesses zur\u00fcckweist. Dieses Projekt muss daf\u00fcr k\u00e4mpfen, neue politische und soziale Kr\u00e4fte zu formieren, die f\u00e4hig und willens sind, neue Organisationen zu gr\u00fcnden, deren Ziele die Demokratisierung, Unabh\u00e4ngigkeit und ein Wachstum des Selbstvertrauens der Arbeiterinnen und Arbeiter, beinhalten.<\/p>\n<p>Dies sollten die Kriterien sein, nach welchen wir Initiativen beurteilen, nicht einfach daran, ob sie f\u00fcr oder gegen Nicol\u00e1s Maduro sind.<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/socialistworker.org\/2016\/11\/17\/the-battle-lines-harden-in-venzuela\">socialistworker.org&#8230;<\/a> vom 17. November 2016\u00a0; \u00dcbersetzung Redaktion maulwuerfe.ch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die grosse Masse gew\u00f6hnlicher Venezolanerinnen und Venezolaner steht im Spannungsfeld zwischen einer rechtsradikalen Opposition und einem korrumpierten Staat, der ihren Interessen nicht dient, schreibt Eva Mar\u00eda.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2,7,5],"tags":[10,18,76,22,36],"class_list":["post-1678","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-debatte","category-international","category-kampagnen","tag-breite-parteien","tag-imperialismus","tag-neue-rechte","tag-politische-oekonomie","tag-venzuela"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1678","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1678"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1678\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1679,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1678\/revisions\/1679"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1678"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1678"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1678"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}