{"id":1725,"date":"2016-12-10T16:30:18","date_gmt":"2016-12-10T14:30:18","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1725"},"modified":"2016-12-10T16:30:18","modified_gmt":"2016-12-10T14:30:18","slug":"sanders-wie-trump-machen-auf-unternehmenspatriotismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1725","title":{"rendered":"Sanders wie Trump machen auf Unternehmenspatriotismus"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u201e<\/strong><strong>Wir brauchen wieder einen Unternehemspatriotismus<\/strong><strong>\u201c<\/strong><strong>. Auch wenn das wie eine Aussage von Donald Trump klingt, stammt sie von Bernie Sanders.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>\u00dcberall wird derzeit \u00fcber den vor kurzem abgeschlossenen Deal zwischen Donald Trump und United Technologies, dem Mutterkonzern des Klima-Anlagen-Herstellers Carrier, geredet. Berichten zufolge plante Carrier, 2.100 Arbeitspl\u00e4tze nach Mexiko auszulagern. Doch nach Verhandlung mit dem gew\u00e4hlten US-Pr\u00e4sidenten Donald Trump hat das Unternehmen beschlossen, 1.000 Arbeitspl\u00e4tze in den USA zu belassen. Nach einem Monat schlechter Presse nach seiner Wahl benutzt Donald Trump diese Meldung als Beweis daf\u00fcr, dass er sein Wahlversprechen \u2013 Arbeitspl\u00e4tze zur\u00fcckzubringen \u2013 einzul\u00f6sen wird. Trump verkauft dies als Sieg f\u00fcr die Arbeiter*innenklasse, obwohl weiterhin tausend Arbeiter*innen ihren Arbeitsplatz verlieren werden. Das ist kein Sieg, vor allem da durch Steuererleichterungen f\u00fcr United Technologies auch weiterhin der wirtschaftliche Niedergang auf den Schultern der Arbeiter*innen lastet.<\/p>\n<p>Am 1. Dezember ver\u00f6ffentlichte Bernie Sanders eine skandal\u00f6se Antwort auf diese Meldung, mit der \u00dcberschrift \u201eCarrier zeigt Unternehmen, wie sie Donald Trump schlagen k\u00f6nnen\u201c, als ob beide jemals in Opposition zueinander gestanden h\u00e4tten. Sanders argumentiert, dass Carrier Trump zu Steuererleichterung zwang, nachdem sie 2.100 Arbeitspl\u00e4tze zur Disposition stellte. Diesem Beispiel w\u00fcrden nun andere Unternehmen folgen. Er sagte: <em>\u201eCarrier nahm Trump als Geisel und gewann, dies sollte eine Welle der Entr\u00fcstung bei allen Arbeiter*innen in den USA ausl\u00f6sen.\u201c<\/em> Auch hier behauptet Sanders wieder, Trump und Unternehmen seinen verfeindete Fraktionen, so sehr, dass sie Trump als Geisel nehmen mussten, um Steuererleichterungen zu erzwingen. Laut dieser Analyse standen Trump und die Unternehmen nicht immer auf derselben Seite, geeint gegen die Arbeiter*innenklasse. Eine Welle der Angst nach dem Wahlsieg von Trump durchzog bereits die meisten Arbeiter*innen in den USA, die nicht f\u00fcr ihn gestimmt hatten (viele von ihnen durften oder wollten nicht w\u00e4hlen).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend seiner Wahlkampagne schwor Trump, den Sumpf der Wall-Street und des politischen Establishments in Washington auszutrocknen. Zweifellos standen alle gro\u00dfen Unternehmen der USA hinter Hillary Clinton und Trumps Vorhaben k\u00f6nnten tats\u00e4chlichen einigen Unternehmen schaden. Die gro\u00dfen Kapitalist*innen auf der Suche nach billigen Arbeitskr\u00e4ften werden Trumps Pl\u00e4ne \u2013 wie Freihandelsabkommen abzuschaffen und chinesische Produkte h\u00f6her zu besteuern \u2013 nicht unterst\u00fctzen. Dar\u00fcber hinaus versprach Trump den Arbeiter*innen im Wahlkampf die Re-Industrialisierung der USA und die Wiederherstellung ihrer Arbeitspl\u00e4tze. Doch jede progressive Person sieht: Trump, der Milliard\u00e4r, wird im Sinne der herrschenden Klasse regieren. Trump und die anderen Kapitalist*innen k\u00f6nnen verschiedene Meinungen haben, aber sie sind sich einig, dass ihre Gewinne auf Kosten der Arbeiter*innenklasse gesch\u00fctzt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Welche L\u00f6sung bietet Sanders f\u00fcr Trumps Deal mit Carrier an? Er sagt: <em>\u201cWir brauchen wieder einen Unternehmenspatriotismus\u201c<\/em>. Es klingt wie etwas, was von Donald Trump kommen k\u00f6nnte, aber es war der angebliche Sozialist Bernie Sanders, der es sagte. Sanders rief die Arbeiter*innen dazu auf, eine laute und klare Ansage an die Unternehmen zu senden \u2013 k\u00e4mpferische Worte. Diese laute und klare Ansage hat aber nichts mit der marxistischen Losung <em>\u201eProletarier*innen aller L\u00e4nder, vereinigt Euch\u201c<\/em> zu tun, sondern ist ein Aufruf an die Unternehmen, patriotischer zu sein, also die us-amerikanische Arbeiter*innenklasse gegen die globale Arbeiter*innenklasse auszuspielen. Es scheint, als w\u00e4re Sanders nicht klar, wer der wahre Feind sei, wenn er von patriotischen Unternehmen schw\u00e4rmt, anstatt f\u00fcr die internationale Solidarit\u00e4t der Arbeiter*innenklasse. In Sanders\u2018 Antwort auf den Deal von Trump mit Carrier wiederholt er sein urspr\u00fcngliches Versprechen, Trump zu unterst\u00fctzen, wenn er im Sinne der Arbeiter*innen handelt. So setzt er Hoffnungen in Trump \u2013 im selben Moment, in dem Menschen \u00fcberall in den USA gegen Trump auf die Stra\u00dfe gehen. Anstatt Trump als Feind der Arbeiter*innenklasse zu entlarven, gibt ihm das vermeintlich progressive Symbol des Anti-Establishments eine Chance. Nach einer monatelangen Kampagne f\u00fcr Clinton sagt das alles \u00fcber Sanders aus, doch es sagt nicht, dass Trump die Apokalypse bringt. Sanders sagt: <em>\u201cWenn Trump nicht f\u00fcr die Arbeiter*innen k\u00e4mpft, m\u00fcssen wir es\u201c<\/em>, als ob es je einen Zweifel daran gegeben h\u00e4tte, dass Trump nicht im Sinne der Reichen regieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Aussage von Samders gibt nicht den Charakter von Trump wieder und impliziert, dass er die Interessen der Arbeiter*innen vertreten k\u00f6nnte. Das sollte jede Illusionen darim zerst\u00f6ren, dass Sanders ein Sozialist sei und f\u00fcr die Arbeiter*innenklasse k\u00e4mpfen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Die Arbeiter*innen selbst brauchen radikale Alternativen zur Rettung von Arbeitspl\u00e4tzen durch Steuererleichterung f\u00fcr Unternehmen, zu Lasten der Arbeiter*innen. In den USA und in anderen L\u00e4ndern haben Arbeiter*innen Fabriken \u00fcbernommen und f\u00fchren die Produktion unter ihrer eigenen Kontrolle weiter. In den USA ist die Fabrik Republic Windows and Doors ein ber\u00fchmtes Beispiel daf\u00fcr. In Argentinien befindet sich die <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/zanon-die-fabrik-ohne-chefs\/\"><strong>Keramikfabrik Zanon<\/strong><\/a> bereits seit 15 Jahren unter Arbeiter*innenkontrolle. In Europa produziert seit fast vier Jahren <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/fabriken-ohne-chefs\/\"><strong>Vio.me in Griechenland<\/strong><\/a> unter Kontrolle der Arbeiter*innen. Die Zukunft sind nicht Steuererleichterungen f\u00fcr Wohlhabende oder ein Unternehmenspatriotismus. Die Zukunft sind die radikalen Antworten der Arbeiter*innen auf die fortw\u00e4hrende Krise.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/sanders-fordert-unternehmenspatriotismus\/\">klassegegenklasse.org&#8230;<\/a> vom 10. Dezember 2016<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWir brauchen wieder einen Unternehemspatriotismus\u201c. 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