{"id":1751,"date":"2016-12-16T15:59:11","date_gmt":"2016-12-16T13:59:11","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1751"},"modified":"2016-12-16T15:59:11","modified_gmt":"2016-12-16T13:59:11","slug":"aleppo-stimmen-aus-der-terrorisierten-stadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1751","title":{"rendered":"Aleppo \u2013 Stimmen aus der terrorisierten Stadt"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>\u00a0\u00ab<\/em><\/strong><strong><em>Ich m<\/em><\/strong><strong><em>\u00f6<\/em><\/strong><strong><em>chte frei und in W<\/em><\/strong><strong><em>\u00fc<\/em><\/strong><strong><em>rde leben und das Regime von Bachar al-Assad sieht es als Verbrechen.<\/em><\/strong><strong><em>\u00bb<\/em><\/strong> <strong>Dies ist eine der Stimmen, welche gerade in hiesigen Medien nur selten zu Wort kommen. Trotz der angek\u00fcndigten R\u00e4umung<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><strong> leidet die Bev\u00f6lkerung von Ost-Aleppo weiterhin unter den Folgen der brutalen, viermonatigen Belagerung durch Assads Truppen sowie den regimetreuen Milizen unter iranischer Kontrolle. Mit der R\u00fcckeroberung der letzten Rebellenviertel scheinen die K\u00e4mpfe am Donnerstagnachmittag, 15. Dezember 2016, aufgeh\u00f6rt zu haben. Nachdem die barbarische Bombenkampagne der russischen Luftwaffe den Zivilisten alles weggenommen und zerst\u00f6rt hat, fehlt es der verbliebenen oder fliehenden Bev\u00f6lkerung an allem, was ein minimales \u00dcberleben erm\u00f6glichen w\u00fcrde: Spit\u00e4ler, B\u00e4ckereien, Zivilschutz und R\u00fcckzugorte. Nach Berichten von mehreren Referenzmedien haben Busse und verschiedene Fahrzeuge am Donnerstag begonnen, Zivilisten sowie Rebellen aus Aleppo entlang eines Korridors aus der Stadt zu bringen. Da die Vereinten Nationen (UNO) die als \u201eR\u00e4umung\u201c bezeichnete Aktion anscheinend nicht, oder nicht umf\u00e4nglich, kontrollieren und den notwendigen Schutz der Zivilisten nicht gew\u00e4hrleisten kann, ist zu bef\u00fcrchten, dass Untaten gegen die \u201eevakuierten\u201c Menschen begangen werden. Angesichts des grausamen Terrors, dem die Menschen von Ost-Aleppo ausgeliefert sind, und weil diese dramatische Situation vielfach auf Indifferenz und Teilnahmslosigkeit st\u00f6sst, ver\u00f6ffentlichen wir einen Beitrag, der Menschen aus Aleppo zu Wort kommen l\u00e4sst. (Red. BfS)<\/strong><\/p>\n<p><em>Redaktion <a href=\"http:\/\/alencontre.org\/moyenorient\/syrie\/alep-je-veux-vivre-libre-et-dignement-et-ca-cest-un-crime-pour-le-regime-de-bachar.html\">Alencontre.org<\/a>.<\/em> Am Montag und am Dienstag, dem 13. Dezember 2016 bzw. 12. Dezember, haben Milizen, die direkt unter der Kontrolle des iranischen Regimes stehen (Revolutionsgarde, die Hisbollah, Milizen aus dem Irak), zusammen mit Spezialeinheiten der Diktatur von Bachar al-Assad einen Bezirk von Ost-Aleppo nach dem anderen zur\u00fcckerobert. Bei der fast kompletten R\u00fcck\u00fcbernahme des Stadtgebietes hatten sie die Unterst\u00fctzung der russischen Luftwaffe und konnten sich w\u00e4hrend ihres Vorr\u00fcckens auf Sperrfeuer st\u00fctzen, das kontinuierlich zunahm. Es ist nachgewiesen, dass Bombenangriffe mit Phosphor, das heisst Brandbomben, zivile Opfer verursacht haben, die auf offener Strasse verbrannt sind. Junge Rebellen haben sich geweigert, in die Gebiete abzuziehen, die unter Kontrolle der Spezialeinheiten der Armee und der Polizei des diktatorischen Regimes sind. In den sozialen Netzwerken sagen sie, dass sie bef\u00fcrchten, gefangen genommen, gefoltert und erschossen zu werden. \u00dcbereinstimmende Informationen \u00fcber solche Untaten werden jetzt best\u00e4tigt. Journalisten, die im westlichen Teil von Aleppo pr\u00e4sent sind, haben zudem \u00fcber die Zwangsrekrutierung von jungen M\u00e4nnern berichtet, die aus Ost-Aleppo geflohen waren und dann zusammen mit regimetreuen Brigaden in die vorderste Linie geschickt wurden, um die letzten R\u00fcckzugsgebiete der Rebellen zu bek\u00e4mpfen. Diejenigen, die sich weigern, werden den Geheimdiensten des Regimes \u00fcbermittelt, den Mukhabarat, der seit Anfang 2011 etwa 40\u2018000 Menschen ermordet haben soll.<\/p>\n<p>Omar Ouahmane, der als Korrespondent f\u00fcr den franz\u00f6sischen TV-Sender France Culture arbeitet, hat verschiedene Zeugenberichte gesammelt, die am 13. Dezember mit den Nachrichten von 7h gesendet wurden: \u00abMondher hat die f\u00fcnf letzten Jahre seines Lebens damit verbracht, zun\u00e4chst \u00fcber die Repression durch das Regime von Bachar al-Assad, und dann \u00fcber die Gr\u00e4uel des B\u00fcrgerkrieges Zeugnis abzulegen. Dieser junge Familienvater w\u00fcrde lieber sterben, als in die Gebiete unter Kontrolle der regimetreuen Kr\u00e4fte zu gehen. Er erkl\u00e4rt: \u201e<em>Ich kann nicht in die Gebiete gehen, die das Regime kontrolliert. Zahlreiche Menschen werden dort gefoltert und erschossen. Es ist dieses Regime, das hunderttausende Menschen umgebracht hat. Es wird keine Gnade zeigen.<\/em><em>\u201c<\/em> In den rebellischen Stadtvierteln von Aleppo ausharren, unabh\u00e4ngig von den Folgen, war auch die Entscheidung von Mohamed, der seine Freiheit um keinen Preis verlieren will: \u201e<em>Warum ich nicht in die Gebiete unter der Kontrolle des Regimes gehe? Weil ich dort verhaftet werde. Ich m\u00f6chte frei und in W\u00fcrde leben und das Regime von Bachar al-Assad sieht dies als Verbrechen an. Hunderte von Menschen, die entschieden hatten, in die Gebiete unter der Kontrolle des Regimes zu gehen, sind heute als verschwunden gemeldet, und dies h\u00e4tte auch bei mir der Fall sein k\u00f6nnen. Manche wurden in die Armee des Regimes zwangsrekrutiert. Manch andere sind im Gef\u00e4ngnis gelandet.\u201c <\/em>Das einzige Verbrechen, das diesen Aktivisten vorgeworfen wird, ist, dass sie Zeugen von den Untaten des syrischen Regimes waren.\u00bb<\/p>\n<p>Rapha\u00ebl Pitti ist ein ehemaliger Milit\u00e4rarzt aus Frankreich, der unter anderem in Aleppo f\u00fcr die Ausbildung des medizinischen Personals (im Auftrag der <a href=\"http:\/\/www.uossm.fr\/\">Union des organisations de secours et soins m\u00e9dicaux<\/a>) zust\u00e4ndig war, und immer noch im Kontakt mit Angeh\u00f6rigen des medizinischen Personals im \u00fcbriggeblieben Gebiet unter Rebellen-Kontrolle ist. Rapha\u00ebl Pitti hat am 13. Dezember dem Journalisten Eric Biegala \u00fcber die regimetreuen Kr\u00e4fte folgendes berichtet: \u201e<em>Sie haben Familien in ihren H\u00e4usern verbrannt. Sie haben etwa dreissig Kinder summarisch erschossen, in der N\u00e4he des Friedhofes. Im Krankenhaus Al-Hayat haben sie das ganze medizinische Personal get\u00f6tet, sowie die Kranken, die in diesem Spital waren. Die Leute sind terrorisiert.<\/em>\u201c<\/p>\n<p><strong>Die <\/strong><strong>\u201e<\/strong><strong>Red Berets<\/strong><strong>\u201c<\/strong><strong>, eine Spezialeinheit aus Tschetschenien, oder: von Grosny nach Aleppo<\/strong><\/p>\n<p>Zum selben Zeitpunkt, als die Bombenangriffe durch die Luftwaffe von Wladimir Putin auf die nordsyrische Grossstadt zunahmen, berichtete die Journalistin Isabelle Mandraud von der franz\u00f6sischen Tageszeitung Le Monde (Ausgabe vom 10. Dezember 2016): \u201e<em>Tschetschenische Spezialeinheiten wurden nach Syrien entsandt, um dort einen <\/em>,<em>Milit\u00e4rpolizei<\/em>\u2032<em>-Einsatz zu absolvieren und den russischen Luftwaffenst\u00fctzpunkt von Hmeimim, in der Provinz Latakia, zu sichern. Am 6. Dezember wurde ein Video ver\u00f6ffentlicht, worin dutzende Soldaten aus Tschetschenien auf einem Milit\u00e4rst\u00fctzpunkt darauf warten, ins Flugzeug einzusteigen. Zwei Tage sp\u00e4ter wurde dasselbe Video durch eine dem russischen Verteidigungsministerium nahstehende Internetseite sowie mehreren russischen Medien verbreitet.\u201d<\/em><\/p>\n<p>Das Experiment von Grosny wird neu aufgelegt. [Das Massaker in der tschetschenischen Stadt Grosny im Jahr 2000] bedeutete die Zerst\u00f6rung der Stadt und die Repression der \u201erebellischen\u201c Bev\u00f6lkerung nach Methoden, die heute in Syrien und in Aleppo zur Anwendung kommen. Isabelle Mandraud erkl\u00e4rt es so: \u201e<em>Die Anwesenheit von tschetschenischen Milit<\/em><em>\u00e4<\/em><em>rangeh<\/em><em>\u00f6<\/em><em>rigen in Syrien muss als Symbol gesehen werden, das schon im Oktober 2016 in einer Twitter-Meldung der russischen Botschaft in den Vereinigten Staaten angedeutet wurde. Zusammen mit j\u00fcngeren Fotos von Grosny nach dessen Zerst\u00f6rung durch russische Bomben am Anfang der 2000er Jahren und nach dessen anschliessendem Wiederaufbau, wollte die Twitter-Meldung betonen, dass diese Stadt seitdem <\/em>,ruhig, modern und florierend\u2032<em> geworden ist. Unter dem Stichwort Aleppo stand anschliessend folgende Frage: <\/em>\u2032W\u00e4re es nicht die L\u00f6sung, die wir suchen? John Kerry? Boris Johnson?\u2032<em>.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Nach der Zerst\u00f6rung von Ost-Aleppo werden die russischen Suchoi-Kampfflugzeuge, die unter anderem an Bord des Flugzeugtr\u00e4gers Admiral-Kusnezow stationiert sind, die Provinz Idlib und damit den letzten R\u00fcckzugsort der Zivilbev\u00f6lkerung von Aleppo in ihrer Flucht vor dem Massaker, mit Bomben angreifen.<\/p>\n<p>Die grausame Erfahrung von Grosny bekommt in Aleppo eine neue Dimension. 2007 dienten die so genannten \u201eFl\u00fcchtlingslager\u201c [in Tschetschenien und im Nordkaukasus], unter anderem das Lager von Tschernokosovo, dazu, die Widerstandk\u00e4mpfer \u201eauszufiltern\u201c, das heisst sie zu foltern, zu erschiessen oder enorme Summen als Gegenleistung f\u00fcr ihre Befreiung zu verlangen. Die \u201eRed Berets\u201c aus Tschetschenien, unter der formellen Befehlshoheit von Ramzan Kadyrow, sowie dem syrischen Geheimdienst (Mukhabarat) werden somit ihre Praktiken vereinigen, was stark bef\u00fcrchten l\u00e4sst, dass neue Verbrechen unter dem Mantel der \u201eTerrorismusbek\u00e4mpfung\u201c begangen werden.<\/p>\n<p>Die Zerst\u00f6rung von Ost-Aleppo und seiner Bev\u00f6lkerung geschehen nicht nur aus dem Grund, dass der Diktator al-Assad um jeden Preis \u201edie Wirtschaftsmetropole Syriens zur\u00fcckerobern will\u201c, wie die meisten Medien analysieren. F\u00fcr das diktatorische Regime von Bachar al-Assad und die regionalen M\u00e4chte, die ihn politisch und milit\u00e4risch unterst\u00fctzen (v.a. Russland und Iran) geht es darum, einen Teil der \u201esyrischen Revolution\u201c auf brutalste Weise zu ersticken. Wie der Pr\u00e4sident des lokalen Rates von Ost-Aleppo, Brita Hagi Hasan, es anl\u00e4sslich von zwei Konferenzen in der Westschweiz Anfang Dezember 2016 (am 11. Dezember in Lausanne und Genf) betonte, war es f\u00fcr das Regime die h\u00f6chste Priorit\u00e4t alle Formen des lokalen Widerstandes zu zerst\u00f6ren, gerade weil dieser Widerstand seit 2012 aufgrund seiner lokalen Strukturen die M\u00f6glichkeit einer Selbstorganisation und einer Befreiung ausdr\u00fcckte. Es war dieser Horizont des M\u00f6glichen, der seit der massiven Intervention der russischen Luftwaffe im Oktober 2016 mehr und mehr verschwand, bis es nur noch um den schwierigen Kampf ums \u00dcberleben ging.<\/p>\n<p><em>\u00dc<\/em><em>bersetzung BFS Z<\/em><em>\u00fc<\/em><em>rich.<\/em><\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/sozialismus.ch\/artikel\/2016\/syrien-aleppo-stimmen-aus-der-terrorisierten-stadt\/\">sozialismus.ch&#8230;<\/a> vom 16. Dezember 2016<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u00abIch m\u00f6chte frei und in W\u00fcrde leben und das Regime von Bachar al-Assad sieht es als Verbrechen.\u00bb Dies ist eine der Stimmen, welche gerade in hiesigen Medien nur selten zu Wort kommen. 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