{"id":1758,"date":"2016-12-18T14:23:04","date_gmt":"2016-12-18T12:23:04","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1758"},"modified":"2016-12-18T14:23:04","modified_gmt":"2016-12-18T12:23:04","slug":"protest-am-zuerichsee-gegen-sparpolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1758","title":{"rendered":"Protest am Z\u00fcrichsee gegen Sparpolitik"},"content":{"rendered":"<p><strong>Gegen die Kantonalz\u00fcrcher Sparpolitik regt sich Widerstand. So protestieren Sch\u00fclerInnen gegen Preisaufschl\u00e4ge beim \u00f6ffentlichen Verkehr und K\u00fcrzungen im Bildungswesen. \u00abSo wie die Arbeiter in den Fabriken \u2026\u00bb, meint ein Sch\u00fcler.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p><em>Meri\u00e8m Strupler. <\/em>Neun Minuten dauert die Schifffahrt von Thalwil bis K\u00fcsnacht\u00a0\u2013 f\u00fcnf Franken kostet der neue Seezuschlag. Zus\u00e4tzlich zur normalen Fahrkarte bezahlt man nun f\u00fcr die Fahrt \u00fcber den Z\u00fcrichsee extra. Deswegen hat die Gruppe \u00abSch\u00fcler*innen gegen Sparmassnahmen\u00bb am Montag eine Protestaktion gegen den Seezuschlag organisiert, schliesslich fahren jeden Tag zahlreiche Sch\u00fclerInnen mit dem Schiff \u00fcber den Z\u00fcrichsee zur Kantonsschule K\u00fcsnacht.<\/p>\n<p>Die angek\u00fcndigte Aktion st\u00f6sst auf Interesse: Kurz nach sieben am Montagmorgen erwarten f\u00fcnf PressevertreterInnen am Schiffssteg in Thalwil die ersten jugendlichen AktivistInnen. Es ist noch dunkel, als die Sch\u00fclerInnen beginnen, ihre Protestschilder auszupacken, die Plakate aufzuh\u00e4ngen und das Kleingeld hervorzukramen. Ihr Plan: Sie bezahlen die f\u00fcnf Franken Zuschlag nur mit F\u00fcnfr\u00e4pplern\u00a0\u2013 \u00abum den reibungslosen Ablauf der Teuerung zu st\u00f6ren\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Pro Schule eine Million<\/strong><\/p>\n<p>Aber letztlich geht es den Sch\u00fclerInnen mit der Aktion nicht nur um den Seezuschlag, sondern generell um die Sparmassnahmen im Kanton Z\u00fcrich. \u00abWir setzen uns dort ein, wo es uns betrifft\u00bb, sagt ein siebzehnj\u00e4hriger Maturand. \u00abSo wie sich die Arbeiter in den Fabriken organisierten, schliessen wir uns gegen die Sparmassnahmen in der Bildung zusammen.\u00bb Eine Sch\u00fclerin erz\u00e4hlt, wie sich die K\u00fcrzungen konkret im Schulalltag zeigen: \u00abSport als Freifach wird gestrichen, der Unterricht in Halbklassen auch, und den Deutschlehrern wird der Lohn gesenkt. Wir wollen das nicht einfach so hinnehmen.\u00bb Deswegen hatte sich die Gruppe schon im Januar am Tag der Bildung und im September am kantonalen Aktionstag gegen Sozialabbau engagiert.<\/p>\n<p>18 von 21 Kantonen in der Deutschschweiz haben seit 2013 Sparmassnahmen im Schulsektor ergriffen oder geplant. Im Kanton Z\u00fcrich sollen nun j\u00e4hrlich 49 Millionen Franken bei der Bildung gespart werden, davon 18\u00a0Millionen pro Jahr bei den Mittelschulen. Pro Schule d\u00fcrfte dies bis zu einer Million sein.<\/p>\n<p>\u00abDie geplanten Massnahmen sind einschneidend\u00bb, sagt Silvio Stucki, Pr\u00e4sident des Mittelschullehrpersonenverbands ZH (MVZ). So wird etwa das Pensum von LehrerInnen, die Deutsch oder moderne Fremdsprachen unterrichten, erh\u00f6ht: Sie m\u00fcssen eine Lektion pro Woche mehr unterrichten\u00a0\u2013 zum gleichen Lohn. \u00abDahinter steckt mehr als eine Stunde Arbeit\u00bb, sagt Stucki, \u00abhinzu kommen die Vorbereitungszeit, das Korrigieren, die Betreuung der Sch\u00fclerInnen \u2026\u00bb Wer das Pensum nicht steigern kann, muss faktisch eine Lohnk\u00fcrzung in Kauf nehmen. Ob diese Massnahmen rechtlich \u00fcberhaupt zul\u00e4ssig sind, ist unklar. Deswegen hat der MVZ im August beim Verwaltungsgericht Klage eingereicht.<\/p>\n<p>Im Januar hatte die Bildungsdirektorin Silvia Steiner (CVP) von \u00abintelligentem Sparen\u00bb gesprochen\u00a0\u2013 \u00abohne Abbau der Qualit\u00e4t\u00bb. Im November ist klar geworden, was Steiner damit meint: Ihre Direktion streicht unter anderem die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Deutsch- und Alphabetisierungskurse. Zahlreiche Kurse stehen damit vor dem Aus, denn die TeilnehmerInnen (vorwiegend MigrantInnen) k\u00f6nnen die Kosten daf\u00fcr kaum selbst bezahlen. Integrationsarbeit sei nicht ihre Aufgabe, heisst es vonseiten der Bildungsdirektion. Aber die L\u00fccken, die Sparmassnahmen wie diese hinterlassen, werden letztlich freiwillige, solidarische Projekte\u00a0\u2013 wie die Autonome Schule Z\u00fcrich oder das Solidarit\u00e4tsnetz\u00a0\u2013 f\u00fcllen m\u00fcssen, weil der Kanton lieber \u00abintelligent spart\u00bb.<\/p>\n<p><strong>Asoziale Abbaupolitik<\/strong><\/p>\n<p>Die K\u00fcrzungen bei der Bildung geh\u00f6ren zum Sparpaket des Z\u00fcrcher Regierungsrats. In den kommenden drei Jahren will der Kanton insgesamt 1,8 Milliarden Franken einsparen. Neben dem Schulsektor ist besonders das Gesundheitswesen davon betroffen. Aber auch bei den \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln wird gek\u00fcrzt. Diese Sparpl\u00e4ne werden noch vor der einschneidenden Unternehmenssteuerreform\u00a0III umgesetzt, \u00fcber die im Februar abgestimmt wird. Sie sieht neue Steuerprivilegien f\u00fcr Unternehmen vor, was wiederum riesige Ausf\u00e4lle in der Staatskasse zur Folge h\u00e4tte. Um diese Defizite zu kompensieren, bliebe dem Staat wiederum nichts Anderes \u00fcbrig, als die Steuern f\u00fcr die nat\u00fcrlichen Personen zu erh\u00f6hen. Oder aber weitere Sparmassnahmen durchzuboxen\u00a0\u2013 in der Bildung, der Kultur, der Gesundheit.<\/p>\n<p>Mit ihrem Widerstand gegen die Z\u00fcrcher Sparpl\u00e4ne sind die Gymisch\u00fclerInnen nicht allein: Ebenfalls am Montagmorgen rief das \u00abB\u00fcndnis gegen Sparpolitik\u00bb zum Protest gegen die \u00abb\u00fcrgerliche Sparideologie\u00bb und die \u00abasoziale und verantwortungslose Abbaupolitik\u00bb auf\u00a0\u2013 rund f\u00fcnfzig Personen versammelten sich vor dem Z\u00fcrcher Kantonsrat und zeigten zu Beginn der Budgetdebatte den PolitikerInnen symbolisch die Rote Karte. Bereits im September waren in Z\u00fcrich \u00fcber tausend DemonstrantInnen gegen die Sparpl\u00e4ne auf die Strasse gegangen.<\/p>\n<p>Als das Schiff in Thalwil ablegt, sind die meisten Fahrg\u00e4ste Sch\u00fclerInnen der Kantonsschule K\u00fcsnacht, die mit ihren F\u00fcnfr\u00e4pplern Schlange stehen. Die Z\u00fcrcher Schifffahrtsgesellschaft hatte sich jedoch ebenfalls auf die Aktion vorbereitet\u00a0\u2013 mit einer M\u00fcnzmaschine und einer beschwichtigenden Geste: Zum Zuschlagsticket bekommen alle einen Schoggitaler. Daf\u00fcr scheint das Budget dann doch zu reichen.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gegen die Kantonalz\u00fcrcher Sparpolitik regt sich Widerstand. 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