{"id":1780,"date":"2016-12-24T17:41:12","date_gmt":"2016-12-24T15:41:12","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1780"},"modified":"2016-12-24T17:41:43","modified_gmt":"2016-12-24T15:41:43","slug":"trump-rassismus-und-das-proletariat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1780","title":{"rendered":"Trump, Rassismus und das Proletariat"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00a0<\/strong><em>Juan Cruz Ferre.<\/em> <strong>Rassismus unter Arbeiter*innen darf nicht kaschiert oder verziehen werden. Die Einheit der Arbeiter*innenklasse beginnt damit, die Forderungen der am meisten unterdr<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ckten Sektoren zu unterst<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>tzen.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Der unerwartete Sieg von Trump hat die Diskussion um Rassismus und <em>White Supremacy<\/em> wieder neu entfacht. Manche gelangen zu dem Schluss, die wei\u00dfe Arbeiter*innenklasse h\u00e4tte geschlossen f\u00fcr Trump gestimmt und w\u00e4re f\u00fcr seinen Sieg verantwortlich. Aber die Situation ist nicht so einfach. Diese falsche Interpretation unhinterfragt zu wiederholen, vertieft nur die Spaltung der Arbeiter*innenklasse und erschwert den gemeinsamen Kampf gegen Trump und die Bosse.<\/p>\n<p>Haben wei\u00dfe Arbeiter*innen Trump zum Sieg verholfen? Trump h\u00e4tte ohne die Unterst\u00fctzung von Millionen wei\u00dfen Arbeiter*innen nicht gewinnen k\u00f6nnen. Diese Leute haben einen rassistischen Fanatiker gew\u00e4hlt, der Mexikaner*innen beleidigte, sich st\u00e4ndig sexistisch \u00e4u\u00dferte und andauernd Muslim*innen attackierte. Wir d\u00fcrfen \u00fcber die, die ihn w\u00e4hlten, nicht unschuldig sprechen, auch nicht die Arbeiter*innen unter ihnen.<\/p>\n<p>Es ist jedoch ein Irrtum zu glauben, die Mehrheit der wei\u00dfen Arbeiter*innen h\u00e4tte ihn gew\u00e4hlt. Die Kategorie \u201eWei\u00dfe ohne College-Abschluss\u201c ist nicht gleichzusetzen mit \u201ewei\u00dfe Arbeiter*innen\u201c, ein h\u00e4ufiger Fehler b\u00fcrgerlicher Medien und der W\u00e4hler*innenbefragung. Viele dieser Leute ohne College-Abschluss sind Kleinunternehmer*innen, geh\u00f6ren also zur Mittelklasse. Ein Zeichen des Einflusses der Mittelklasse auf den Sieg von Trump ist, dass Trump-W\u00e4hler*innen im Durchschnitt wohlhabender sind als diejenigen, die f\u00fcr Hillary Clinton gestimmt haben. Trump verlor besonders eindeutig bei Leuten, deren Jahreseinkommen unter 50.000 US-$ liegt. Das trifft auf die H\u00e4lfte der US-Bev\u00f6lkerung zu, auch wenn sich nur 36 Prozent von ihnen \u00fcberhaupt an der Wahl beteiligt haben.<\/p>\n<p>Selbst unter den Wahlberechtigten stimmten lediglich 19,5% f\u00fcr Trump. Unter den wei\u00dfen Wahlberechtigten, die 69 Prozent der Wahlberechtigten ausmachen, stimmten nur 35 Prozent f\u00fcr Donald Trump \u2013 65 Prozent der wei\u00dfen Wahlberechtigten gaben ihre Stimme Hillary Clinton oder einem*einer dritten Kandidat*in oder w\u00e4hlten gar nicht.<\/p>\n<p>Da die meisten Wahlberechtigten aus den unteren Einkommensschichten gar nicht zur Wahl gingen, k\u00f6nnen wir mit Sicherheit sagen, dass die Unterst\u00fctzung f\u00fcr Trump unter wei\u00dfen Arbeiter*innen unter 35% lag.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil der wei\u00dfen Arbeiter*innen hat also nicht f\u00fcr Trump gestimmt. Wir m\u00fcssen diese Tatsache betonen, denn wenn wir davon ausgehen, dass wei\u00dfe Arbeiter*innen mehrheitlich Trump unterst\u00fctzen, dann treffen wir wom\u00f6glich die falschen Entscheidungen. Dabei ist die Nachricht, dass Millionen Arbeiter*innen f\u00fcr Trump gestimmt haben, schlimm genug.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich zeigen W\u00e4hler*innenbefragungen, dass Trumps Sieg in den Staaten der \u00e4ltesten und gr\u00f6\u00dften Industrieregion der USA, dem sogenannten <em>Rust Belt<\/em>, also Ohio, Wisconsin, Michigan, Iowa und Pennsylvania, vor allem auf einem R\u00fcckgang der Wahlbeteiligung demokratischer W\u00e4hler*innen beruht und nicht so sehr auf einer gestiegenen Unterst\u00fctzung f\u00fcr Trump. Die weitl\u00e4ufige Missgunst gegen\u00fcber Hillary Clinton und die tiefe Entt\u00e4uschung gegen\u00fcber Obama veranlasste viele nicht-wei\u00dfe Wahlberechtigte dazu am Wahltag zu Hause bleiben. Dies erh\u00f6hte gleichzeitig die Motivation wei\u00dfer Arbeiter*innen, die zuvor die Demokratische Partei gew\u00e4hlt hatten, nun f\u00fcr Trump zu stimmen.<\/p>\n<p><strong>Motivationen<\/strong><\/p>\n<p>Trotz der Tatsache, dass wei\u00dfe Arbeiter*innen in der Mehrheit nicht hinter Trump stehen, ist es Fakt, dass Millionen Arbeiter*innen Trump w\u00e4hlten. Die gro\u00dfe Frage ist nun: Haben die Unterst\u00fctzer*innen von Trump ihn wegen seiner Anti-Establishment-Rhetorik gew\u00e4hlt oder wie gro\u00df war der Einfluss seiner fremdenfeindlichen Stimmungsmache?<\/p>\n<p>Obwohl es unm\u00f6glich ist, dies mit absoluter Sicherheit zu beantworten, sind einige Anhaltspunkte klar vorhanden. Diejenigen, die Trump w\u00e4hlten, waren entweder mit seinen rassistischen \u00c4u\u00dferungen einverstanden oder haben sie als einen kleinen Makel toleriert \u2013 etwas, das nicht so bedeutend war, als dass es sie von ihrer Unterst\u00fctzung abhalten k\u00f6nnte. Ein Teil hat Trumps rassistische \u00c4u\u00dferungen mehr als blo\u00df toleriert. Wir haben gesehen, dass Rassist*innen und nationalistische Fanatiker*innen an seinen Kundgebungen teilgenommen haben. Der Aufstieg der sogenannten <em>Alt Right<\/em> mit ihrer Pr\u00e4senz in den sozialen Netzen und der Anstieg der Straftaten mit einem fremdenfeindlichen Hintergrund seit der Wahl von Trump sind ein Ausdruck davon.<\/p>\n<p>Es ist falsch zu glauben, alle Unterst\u00fctzer*innen von Trump w\u00e4ren rassistische Fanatiker*innen, die meinen, wei\u00dfe Menschen seien nicht-wei\u00dfen Menschen von Natur aus \u00fcberlegen. Es gibt mit gro\u00dfer Sicherheit einige Schichten verarmter Arbeiter*innen und Kleinb\u00fcrger*innen, die von Trumps Anti-Establishment-Rhetorik angelockt wurden und seinen Rassismus lediglich tolerieren. Es gibt einige Gr\u00fcnde dies zu glauben: Einmal die angebliche W\u00e4hler*innenwanderung von Obama zu Donald Trump, den au\u00dfergew\u00f6hnlichen Wahlerfolg von Trump in Staaten, in denen Bernie Sanders die Vorwahlen gewann, sowie Anekdoten hier und da, die die Vermutung best\u00e4tigen. Unter denen, die sagten, dass sich ihre Lebensbedingungen in den letzten vier Jahren verschlechterten, w\u00e4hlten 78 Prozent Trump und blo\u00df 19 Prozent Hillary Clinton.<\/p>\n<p>Das zeigt, dass es andere Gr\u00fcnde als Rassismus gab, f\u00fcr Trump zu stimmen. Allerdings m\u00fcssen wir uns von den Trump-W\u00e4hler*innen klar abgrenzen, welche Gr\u00fcnde sie auch gehabt haben. Diejenigen, die aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden f\u00fcr Trump gestimmt haben, anstatt auf die Solidarit\u00e4t der Arbeiter*innenklasse zu setzen, w\u00e4hlen die falsche Richtung und stellen ein Hindernis f\u00fcr das Erlangen der Einheit der Arbeiter*innenklasse dar. Aus diesem Grund ist es falsch, sie zu entschuldigen, ihnen Sympathie zu zeigen oder ihre Wahl zu rechtfertigen. Wenn wir einen Widerstand gegen die Regierung und den Aufstieg der Rechten aufbauen wollen, dann brauchen wir dazu die Einheit unserer Klasse und die beginnt mit dem Schulterschluss unabh\u00e4ngig von Sexualit\u00e4t, Geschlecht, Hautfarbe, Kultur oder Ethnie.<\/p>\n<p><strong>Proletariat, Ideologie und Wettbewerb<\/strong><\/p>\n<p>Die Fragmentierung der Arbeiter*innenklasse aufgrund ethnischer oder rassistischer Ma\u00dfst\u00e4be ist eine Trag\u00f6die. Sie untergr\u00e4bt die St\u00e4rke unserer Klasse, schw\u00e4cht die gesamte Arbeiter*innenbewegung und bremst den Kampf gegen den Kapitalismus.<\/p>\n<p>Rassistische Vorurteile unter Arbeiter*innen sind real. Wir k\u00f6nnen nicht die Einheit der Klasse herstellen, wenn wir diesen Umstand leugnen oder ignorieren. Nachdem wir das erkannt haben, besteht die Aufgabe darin, die Kr\u00e4fte, die rassistische Vorurteile befeuern, zu identifizieren und zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Es ist kein Geheimnis, dass in Zeiten wirtschaftlicher Krisen migrantische Arbeiter*innen und andere Minderheiten n\u00fctzliche S\u00fcndenb\u00f6cke sind. Trumps \u00c4u\u00dferungen gegen Latino*as und Muslim*innen sind ein Beispiel wie aus dem Lehrbuch.<\/p>\n<p>Unterzog Trump Millionen Menschen einer Gehirnw\u00e4sche? Die Wahrheit ist, rassistische Vorurteile werden nicht allein von Trump und der herrschenden Klasse im Allgemeinen angetrieben, um zu spalten und zu herrschen. Das falsche Bewusstsein ist als Erkl\u00e4rung v\u00f6llig unzureichend. Mit anderen Worten: Um die Realit\u00e4t zu verstehen, reicht es nicht aus, eine Theorie zu verwenden, in der die Bosse die Einzigen sind, die Kultur und Ideologie pr\u00e4gen und in der die Arbeiter*innen lediglich Marionetten sind, die darauf programmiert werden, nicht-wei\u00dfe Menschen zu hassen.<\/p>\n<p>Leider haben Arbeiter*innen in verschiedenen historischen Situationen den Rassismus bewusst angenommen und konnten in einigen F\u00e4llen von der rassistischen Spaltung profitieren, selbst wenn die Arbeiter*innenbewegung in ihrer Gesamtheit dadurch Schaden nahm und so letztendlich auch wei\u00dfe Arbeiter*innen darunter litten.<\/p>\n<p><strong>Der falsche Gegner, der falsche Verb<\/strong><strong>\u00fc<\/strong><strong>ndete<\/strong><\/p>\n<p>Nach der Wahl von Ronald Reagan 1981 schrieben Johanna und Robert Brenner einen <a href=\"http:\/\/www.docfoc.com\/robert-brenner-johanna-brenner-reagan-the-right-and-the-working-class\"><strong>Artikel<\/strong><\/a>, der heute wieder unglaublich aktuell geworden ist.<\/p>\n<p>Verwirrt vom Wahlerfolg von Ronald Reagan versuchten sich die beiden, einen Reim darauf zu machen, wie er so viel Zuspruch unter den Arbeiter*innen erhalten konnte. Ihren Aufsatz begannen die Brenners damit, den gesellschaftlichen Rechtsruck zu beschreiben, dessen Ausdruck die weitl\u00e4ufige Unterst\u00fctzung f\u00fcr Reagan in der Arbeiter*innenklasse war. Auf der Suche nach einer Erkl\u00e4rung fanden sie eine eindrucksvolle Argumentation: Nach einem R\u00fcckgang der Organisierung und der Handlungsf\u00e4higkeit der Arbeiter*innenklasse und nach Jahren best\u00e4ndiger Niederlagen \u2013 mittlerweile sind es Jahrzehnte \u2013 neigen die Arbeiter*innen zu individuellen L\u00f6sungen ihrer sozialen Probleme, anstatt einen Kampf mit zweifelhaftem Ausgang gegen einen scheinbar \u00fcberm\u00e4chtigen Gegner zu f\u00fchren. Auch wenn Arbeiter*innen ein Kollektiv mit gemeinsamen Interessen darstellen, so sind sie doch gleichzeitig Verk\u00e4ufer*innen ihrer Arbeitskraft, die miteinander konkurrieren.<\/p>\n<p>Das bildet die materielle Grundlage zur Spaltung der Klasse in unterschiedliche Gruppen, Kulturen und Ethnien. Die privilegierten Sektoren der arbeitenden Klasse verteidigen ihre Position auf Kosten der weniger privilegierten Schichten des Proletariats. Dazu verb\u00fcnden sie sich, sei es ausdr\u00fccklich oder unterschwellig, mit der herrschenden Klasse oder mit einem Teil davon.<\/p>\n<p><strong>Die Falle des Wei<\/strong><strong>\u00df<\/strong><strong>seins<\/strong><\/p>\n<p>Noel Ignatiev schrieb in seinem ber\u00fchmten Werk \u201eHow The Irish Became White\u201c am Ende: <em>\u201cDie Tendenz einiger Arbeiter*innen, sich auf Grund ihrer gemeinsamen Hautfarbe mit dem Kapital zu verbinden, war und ist weiterhin das gr\u00f6\u00dfte Hindernis f\u00fcr einen gro\u00dfen antikapitalistischen Diskurs innerhalb der Arbeiter*innenklasse.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Sein Buch baut auf einer gr\u00fcndlichen historischen Analyse der Stellung irischer Migrant*innen in den USA auf. Diese waren zuvor im Vereinigten K\u00f6nigreich von einer starken Trennung von der britischen Arbeiter*innenklasse betroffen. In abgeschw\u00e4chter Form setzte sich diese Trennung in den USA fort. Sie konnten ihre Position allerdings st\u00e4rken, indem sie ihren Kampf strikt vom Kampf der afroamerikanischen Bev\u00f6lkerung trennten. Es war damals nicht eindeutig, ob irische Migrant*innen zur privilegierten Gruppe der Wei\u00dfen z\u00e4hlen oder nicht. Als sie sich entscheiden mussten, gemeinsam mit afroamerikanischen Arbeiter*innen gegen Ausbeutung und Unterdr\u00fcckung zu k\u00e4mpfen oder ihren Kampf alleine zu f\u00fchren, entschieden sie sich f\u00fcr letzteres. Ihr Kampf f\u00fcr volle B\u00fcrger*innenrechte ging einher mit der fortlaufenden Unterdr\u00fcckung nicht-wei\u00dfer Arbeiter*innen. W\u00e4hrend irische Migrant*innen vorher dazu gezwungen waren, die gef\u00e4hrlichsten und dreckigsten Arbeiten zu erledigen, hielten sie nun afroamerikanische Arbeiter*innen aus den Fabrikhallen fern, indem sie Arbeitsniederlegungen organisierten, sobald die Bosse nicht-wei\u00dfe Arbeiter*innen anstellten.<\/p>\n<p>Die irischen Migrant*innen lernten, sich von der afroamerikanischen Bev\u00f6lkerung zu trennen und sie zu verachten, um ihre Anerkennung als Wei\u00dfe zu erreichen.<\/p>\n<p>David Roedinger berichtet, wie italienische Migrant*innen in den USA w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs Afroamerikaner*innen im New Yorker Stadtteil Harlem verpr\u00fcgelten, um ihre Position als Wei\u00dfe zu manifestieren. Eine*r der Italoamerikaner*innen, der*die an solchen Aktion gegen afroamerikanische Menschen teilgenommen hat, sagte sp\u00e4ter: <em>\u201cEs war wunderbar, es war etwas v\u00f6llig Neues. Die Italoamerikaner*innen h\u00f6rten auf italienisch zu sein und waren pl\u00f6tzlich amerikanisch.\u201c<\/em> Generation nach Generation von Migrant*innen fiel auf die L\u00fcge des Wei\u00dfseins herein.<\/p>\n<p>Das brachte ernste Konsequenzen mit sich. James Baldwin brachte es wie folgt auf den Punkt: <em>\u201cWeil sie sich vor allem als Wei\u00dfe identifizierten, konnten sie mit nicht-wei\u00dfen Arbeiter*innen keine gemeinsamen K\u00e4mpfe f\u00fchren, aber so auch st\u00e4rkere Repressionen abwenden. [\u2026] Es ist ein schrecklicher Widerspruch, aber jene, die glaubten definieren zu k\u00f6nnen, wer wei\u00df und wer nicht wei\u00df ist, entzogen sich so selbst die M\u00f6glichkeit zu entscheiden, wer sie sind.\u201c<\/em><\/p>\n<p><strong>Solidarit<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>t zwischen Wei<\/strong><strong>\u00df<\/strong><strong>en und Nicht-Wei<\/strong><strong>\u00df<\/strong><strong>en ist m<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>glich <\/strong><\/p>\n<p>Auf der anderen Seite festigen gemeinsame K\u00e4mpfe von nicht-wei\u00dfen und wei\u00dfen Arbeiter*innen das Band der Solidarit\u00e4t untereinander und st\u00e4rken den Kampf der Arbeiter*innen gegen das Kapital. Ein Beispiel daf\u00fcr findet sich im Buch von Brian Kelly \u201eRace, Class and Power in the Alabama Coalfields; 1908-1921\u201c. Vor dem Hintergrund des nach Hautfarbe getrennten S\u00fcdens der USA, inmitten unz\u00e4hliger Demonstrationen von Rassismus durch wei\u00dfe Arbeiter*innen gegen Nicht-Wei\u00dfe, war der Bergarbeiter*innen-Streik von Birmingham in Alabama ein hervorragendes Beispiel der Solidarit\u00e4t zwischen Arbeiter*innen unterschiedlicher Hautfarbe.<\/p>\n<p>Im Jahre 1920 folgten 13.000 Bergarbeiter*innen einem Streikaufruf der \u00f6rtlichen Bergarbeiter*innengewerkschaft in Birmingham, Alabama. Die Arbeitsniederlegung eskalierte derma\u00dfen, dass es zum bewaffneten Widerstand der Arbeiter*innen kam, der nur durch die Entsendung bewaffneter Einheiten niedergeschlagen werden konnte und der Gewerkschaft eine langanhaltende Niederlage zuf\u00fcgte.<\/p>\n<p>Das Ausma\u00df und der Charakter dieser Zusammenarbeit zwischen Arbeiter*innen unterschiedlicher Hautfarbe wurde unter Historiker*innen der Arbeiter*innenbewegung stets diskutiert und ist als Gutman-Hill\u2013Debatte bekannt. Diese Debatte ist bis heute nicht abgeschlossen.<\/p>\n<p>Der Autor Brian Kelly beschreibt die gro\u00dfe Begrenztheit der Solidarit\u00e4t zwischen den Arbeiter*innen unterschiedlicher Hautfarbe und das Fortbestehen rassistischer Vorurteile unter den wei\u00dfen Bergarbeiter*innen, selbst w\u00e4hrend der Streiks zwischen 1908 und 1920. In seinem Buch werden aber auch die gro\u00dfen Bem\u00fchungen der Minen-Besitzer*innen hervorgehoben, rassische Vorurteile zu sch\u00fcren und die Belegschaft zu spalten.<\/p>\n<p>So wurden Streikbrecher*innen ausschlie\u00dflich aus der nicht-wei\u00dfen Bev\u00f6lkerung rekrutiert. Es wurde eine Zeitung mit rassistischer Propaganda und erfundenen Geschichten, in denen nicht-wei\u00dfe Arbeiter*innen als Feinde und Verr\u00e4ter*innen dargestellt wurden, herausgegeben. Die Minen-Besitzer*innen zwangen die Regierung, weitere rassistische Gesetze zu erlassen und vieles mehr. Weil sie dem Druck des Gouverneurs und dem Vorwurf, einen rassistischen Umsturz zu planen, ausgesetzt war, verweigerte die Gewerkschaftsf\u00fchrung jeden Versuch, f\u00fcr die Angleichung der L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen von wei\u00dfen und nicht-wei\u00dfen Arbeiter*innen zu k\u00e4mpfen. <em>\u201eDie gr\u00f6\u00dften Profiteure der Unterdr\u00fcckung der nicht-wei\u00dfen Bev\u00f6lkerung waren die gro\u00dfen Arbeitgeber*innen in der Stahl-, Eisen- und Kohleindustrie.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Ein anderer \u2013 nicht weniger bedeutsamer \u2013 Aspekt im Buch von Brian Kelly ist, dass es zu einem solidarischen B\u00fcndnis unter Arbeiter*innen unterschiedlicher Hautfarbe kam, auch wenn es klein, begrenzt und zerbrechlich blieb. Trotz der unbestreitbaren rassistischen Vorurteile, des allgegenw\u00e4rtigen Rassismus und der Spaltung aufgrund rassistischer Gesetze k\u00e4mpften die Bergarbeiter*innen gemeinsam und bauten ein gemeinsames solidarisches B\u00fcndnis zwischen Arbeiter*innen unterschiedlicher Hautfarbe.<\/p>\n<p>Die beiden wichtigsten Erkenntnisse aus Brian Kelly\u2019s Buch sind A) dass die herrschende Klasse die Hauptkraft zur Aufrechterhaltung rassistischer Unterdr\u00fcckung ist und den gr\u00f6\u00dften Nutzen daraus zieht, und B) dass das Potential eines gemeinsamen Kampfes von Arbeiter*innen unterschiedlicher Hautfarbe aufgrund gemeinsamer materieller Interessen vorhanden ist.<\/p>\n<p>Aus der Kapitulation der Gewerkschaft, nachdem diese rassistisch angegriffen wurde, m\u00fcssen wir Schl\u00fcsse ziehen. Wenn wir erfolgreich Einheitsfronten der Arbeiter*innen aufbauen wollen, dann muss die gesamte Arbeiter*innenklasse geschlossen die Forderungen der Unterdr\u00fccktesten vorantreiben, ohne Kompromisse.<\/p>\n<p><em>Urspr<\/em><em>\u00fc<\/em><em>nglich bei <\/em><a href=\"http:\/\/www.leftvoice.org\/Trump-Racism-and-the-Working-Class\"><strong><em>Left Voice<\/em><\/strong><\/a><em> erschienen<\/em><\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.klassegegenklasse.org\/trump-rassismus-und-das-proletariat\/\">klassegegenklasse.org&#8230;<\/a> vom 24. Dezember 2016<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Juan Cruz Ferre. Rassismus unter Arbeiter*innen darf nicht kaschiert oder verziehen werden. 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