{"id":1787,"date":"2016-12-28T09:37:48","date_gmt":"2016-12-28T07:37:48","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1787"},"modified":"2016-12-28T09:37:48","modified_gmt":"2016-12-28T07:37:48","slug":"martin-luther-ein-deutscher-hassprediger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1787","title":{"rendered":"Martin Luther &#8211; ein deutscher Hassprediger"},"content":{"rendered":"<p><em>Marcus Hammerschmitt.<\/em> <strong>Die Deutschen verehren gern, und n<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>chstes Jahr ist wieder mal einer ihrer gr<\/strong><strong>\u00f6\u00df<\/strong><strong>ten und \u00e4ltesten Antisemiten dran.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Dass Martin Luther alles andere als eine Lichtgestalt der deutschen Geschichte war, sollte eigentlich niemanden mehr \u00fcberraschen. Freilich dauern in Deutschland die Kl\u00e4rungen immer etwas l\u00e4nger. Luthers Karriere als Hassprediger hat weder die laufende &#8222;Lutherdekade&#8220; verhindert, noch wird sie das &#8222;Reformationsjubil\u00e4um&#8220; und die speziellen Festspiele zu seinen Ehren im kommenden Jahr beeintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Erstlich, da\u00df man ihre Synagogen oder Schulen mit Feuer anstecke \u2026 da\u00df man ihre H\u00e4user desgleichen zerbreche und zerst\u00f6re \u2026 da\u00df man ihnen alle Betb\u00fcchlein und Talmudisten nehme \u2026 da\u00df man ihren Rabbinen bei Leib und Leben verbiete, hinfort zu lehren \u2026 da\u00df man den Juden das Geleit und Stra\u00dfe ganz und gar aufhebe \u2026 da\u00df man ihnen den Wucher verbiete und ihnen alle Barschaft und Kleinod an Silber und Gold nehme und zur Verwahrung beiseitelege \u2026 da\u00df man den jungen starken Juden und J\u00fcdinnen in die Hand gebe Flegel, Axt, Karst, Spaten, Rocken, Spindel und lasse sie ihr Brot verdienen im Schwei\u00df der Nase. (<a href=\"https:\/\/ia601402.us.archive.org\/26\/items\/VonDenJudenUndIhrenLuegen\/LutherMartin-VonDenJudenUndIhrenLuegen154318S..pdf\">Martin Luther<\/a>)<\/p>\n<p>Diese Empfehlungen Martin Luthers aus der Schrift <a href=\"https:\/\/ia601402.us.archive.org\/26\/items\/VonDenJudenUndIhrenLuegen\/LutherMartin-VonDenJudenUndIhrenLuegen154318S..pdf\">Von den Juden und ihren L\u00fcgen<\/a> (1543) ist gew\u00f6hnlich das eine Zitat, das angef\u00fchrt wird, um seinen Judenhass zu belegen. Das ist kein Wunder, fanden sie doch ihre gr\u00fcndlichste Verwirklichung in den Novemberpogromen vom 9. auf den 10.11.1938, was von den zeitgen\u00f6ssischen Nachfolgern Luthers selbst hervorgehoben wurde. So schrieb zum Beispiel der evangelische Landesbischof von Th\u00fcringen, Martin Sasse:<\/p>\n<p>Am 10. November 1938, an Luthers Geburtstag, brennen in Deutschland die Synagogen. Vom deutschen Volk wird zur S\u00fchne f\u00fcr die Ermordung des Gesandtschaftsrates vom Rath durch Judenhand die Macht der Juden auf wirtschaftlichem Gebiete im neuen Deutschland endg\u00fcltig gebrochen und damit der gottgesegnete Kampf des F\u00fchrers zu v\u00f6lligen Befreiung unseres Volkes gekr\u00f6nt. (\u2026) In dieser Stunde muss die Stimme des Mannes geh\u00f6rt werden, der als der Deutschen Prophet im 16. Jahrhundert einst als Freund der Juden begann, der, getrieben von seinem Gewissen, getrieben von den Erfahrungen und der Wirklichkeit, der gr\u00f6\u00dfte Antisemit seiner Zeit geworden ist, der Warner seines Volkes wider die Juden. (<a href=\"http:\/\/www.sgipt.org\/sonstig\/metaph\/luther\/sasseE.gif\">Martin Sasse <\/a>)<\/p>\n<p>Das Problem mit der verst\u00e4ndlichen Skandalisierung von Luthers Pogrom-Empfehlungen besteht darin, dass sie nicht nur die unfassbare B\u00f6sartigkeit der ganzen Schrift, aus der sie stammen, in den Hintergrund r\u00fcckt. Auch die Tatsache, dass diese Schrift beileibe nicht die einzige ist, in der sich Luther gegen die Juden austobt, wird gern vergessen, und zu guter Letzt geschieht es mit sch\u00f6ner Regelm\u00e4\u00dfigkeit, dass die vielf\u00e4ltigen anderen Spielarten von m\u00f6rderischem Hass, die dieser deutsche Held predigte, durch das eine Zitat unsichtbar gemacht werden. Dabei lohnt es sich durchaus, n\u00e4her hinzusehen.<\/p>\n<p><strong>Hexenwahn und m<\/strong><strong>\u00f6<\/strong><strong>rderische Destruktivit<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>t<\/strong><\/p>\n<p>So sch\u00fcrte Luther zum Beispiel mit gro\u00dfer Nachhaltigkeit den sp\u00e4tmittelalterlichen Hexenwahn. Es sind \u00fcber 30 Hexenpredigten von ihm erhalten, die in von einer barbarischen Verfolgungslust sprechen und Musterbeispiele des erotisierten, abergl\u00e4ubischen Irrsinns darstellen, der im ausgehenden Mittelalter und in der fr\u00fchen Neuzeit Zehntausende von Opfern forderte. In seinen Auslassungen wimmelt es nur so von <a href=\"http:\/\/www.anton-praetorius.de\/downloads\/Luthers%20Hexenreden.pdf\">Teufelshuren, Buhlteufeln, Wechselb\u00e4lgern und Teufelskindern<\/a>.<\/p>\n<p>Mit dem Hexenwahn ging logischerweise bei Luther eine gesteigerte Frauenfeindlichkeit einher, waren ihm doch die phantasierten Hexen ein Beleg daf\u00fcr, dass die Frauen dem phantasierten Teufel <a href=\"http:\/\/www.anton-praetorius.de\/downloads\/Lesebuch%20zu%20Predigten%20Martin%20Luther%20nach%20Jahren%20geordnet%2030.8.16.pdf\">von Natur aus n\u00e4her st\u00fcnden<\/a>.<\/p>\n<p>Vor allem nach Luthers Tod gab es sehr wohl Geistliche, die versuchten, die Raserei einzud\u00e4mmen, aber Luthers Reden von Tod und Teufel hatten ihre spezifische Wirkung bereits getan. Ein sch\u00f6nes Beispiel daf\u00fcr ist Heinrich Julius (1564 &#8211; 1613), Herzog zu Braunschweig und L\u00fcneburg und F\u00fcrst von Braunschweig-Wolfenb\u00fcttel. Inspiriert von Luther dirigierte er eine Verfolgungswelle, die noch \u00fcber seinen Tod hinaus anhielt und bei 114 Prozessen wegen Zauberei zu <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Heinrich_Julius_(Braunschweig-Wolfenb%C3%BCttel)#Hexenverfolgung\">50 vollstreckten Todesurteilen f\u00fchrte<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Bauernm\u00f6rder<\/strong><\/p>\n<p>Die Bauern, die Luthers fr\u00fche Schriften als Rechtfertigung f\u00fcr ihre Revolte missverstanden hatten, wurden von ihm verraten, als absehbar war, dass sie ihren Kampf um soziale Gerechtigkeit verlieren w\u00fcrden. Analog zu seinem Vorgehen gegen die &#8222;Hexen&#8220; und die Juden verwendete er seine demagogischen F\u00e4higkeiten dazu, die Aufst\u00e4ndischen der obrigkeitlichen Verfolgung preiszugeben und ihre Niedermetzelung theologisch zu rechtfertigen.<\/p>\n<p>In seiner Schrift &#8222;Ob Kriegsleute in seligem Stande sein k\u00f6nnen&#8220; von 1526 <a href=\"http:\/\/www.glaubensstimme.de\/doku.php?id=autoren:l:luther:o:ob_kriegsleute_in_seligem_stande_sein_koennen\">schrieb<\/a> er folgerichtig:<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich fast r\u00fchmen, dass seit der Zeit der Apostel das weltliche Schwert und die Obrigkeit noch nie so deutlich beschrieben und ger\u00fchmt worden ist wie durch mich.<\/p>\n<p>Wer wissen will, wie man das Christentum auf m\u00f6rderische Destruktivit\u00e4t trimmen kann &#8211; und das im Namen des Friedens &#8211; der kommt um diese Schrift nicht herum. Luthers Hassreden gegen Behinderte und gegen T\u00fcrken k\u00f6nnen hier nur beil\u00e4ufig erw\u00e4hnt werden; die Existenz k\u00f6rperlicher und geistiger Behinderung und der expansive Erfolg des Islam waren f\u00fcr ihn selbstverst\u00e4ndlich das Ergebnis von Teufelswerk.<\/p>\n<p><strong>Keine Verirrungen<\/strong><\/p>\n<p>Wie reagieren nun Lutherfans, wenn sie mit diesen Belegen f\u00fcr den Wahncharakter und die B\u00f6sartigkeit von Luthers \u00dcberzeugungen konfrontiert werden? Die Abwehrmechanismen sind vielf\u00e4ltig. In Bezug auf Luthers Antisemitismus wird gerne behauptet, Luther sei urspr\u00fcnglich ein Freund der Juden gewesen und habe sich erst sp\u00e4ter gegen sie gewandt.<\/p>\n<p>Dazu ist zu sagen, dass seine Ablehnung der Juden anfangs tats\u00e4chlich milder ausfiel, und zwar vor allem aus dem Grund, dass er zun\u00e4chst glaubte, sie noch f\u00fcr sein Reformationsprojekt gewinnen zu k\u00f6nnen. Mit dem Fehlschlagen dieses Missionierungsprojekts schlug der Bekehrungseifer in offenen Hass um.<\/p>\n<p>Dass die Juden belehrt und bekehrt werden mussten, stand f\u00fcr Luther nie in Frage. Der Kirchenhistoriker Klaus Wengst <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/martin-luthers-judenschriften-die-dunkle-seite-der.1079.de.html?dram%3Aarticle_id=341916\">sagt<\/a> dazu:<\/p>\n<p>Die judenfeindlichen \u00c4u\u00dferungen Luthers, wie sie sich etwa in seiner Schrift &#8222;Von den Juden und ihren L\u00fcgen&#8220; finden, sind nicht etwa bedauerliche Verirrungen eines entt\u00e4uschten und altgewordenen Mannes, sondern geradezu zwanghafte Folgerungen aus seinem theologischen Zentrum. Danach sind die Juden, solange sie Juden bleiben, Gottesleugner. Ihre Gottesl\u00e4sterung besteht darin, dass sie Jesus nicht akzeptieren &#8211; also schlicht in ihrer Existenz als Juden. (<a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/martin-luthers-judenschriften-die-dunkle-seite-der.1079.de.html?dram%3Aarticle_id=341916\">Klaus Wengst<\/a>)<\/p>\n<p>Seine Aufforderung, die Synagogen niederzubrennen, h\u00e4lt der Kirchengeschichtler Thomas Kaufmann selbst im judenfeindlichen Gesamtklima von Luthers Zeit f\u00fcr <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/rezension-luthers-hass-auf-juden.1278.de.html?dram:article_id=301309\">einzigartig<\/a>:<\/p>\n<p>Was ich ansonsten nicht gefunden hab, ist Luthers wahnwitzige Vorstellung, Synagogen zu verbrennen. Was unter den sozusagen feuertechnischen Bedingungen des 16. Jahrhunderts ein nicht durchf\u00fchrbarer Vorschlag ist. Man h\u00e4tte damit das Verbrennen mindestens der halben Stadt billigend in Kauf genommen. (<a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/rezension-luthers-hass-auf-juden.1278.de.html?dram:article_id=301309\">Thomas Kaufmann<\/a>)<\/p>\n<p>Wie tief Luthers Judenhass mit pers\u00f6nlichen Mythologien verwoben war, l\u00e4sst sich an der Tatsache ablesen, dass er den Juden selbst noch seinen eigenen Tod anlasten wollte. Dass sie ihm nach dem Leben trachteten, glaubte er \u00fcber Jahrzehnte. Im Winter 1546 erlitt er einen Herzinfarkt &#8211; so interpretiert die moderne Medizin die Beschreibung der Symptome.<\/p>\n<p>Bevor er drei Wochen sp\u00e4ter an den Folgen starb, konnte er seine Frau noch brieflich dar\u00fcber informieren, dass die Juden <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/rezension-luthers-hass-auf-juden.1278.de.html?dram:article_id=301309\">an seiner Erkrankung schuld seien<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Lange Nachwirkungen <\/strong><\/p>\n<p>Die Lutherbegeisterten, die das nicht leugnen, m\u00f6chten sich oft in die Behauptung retten, die antisemitische Hetze Luthers sei bald nach seinem Tod vergessen worden und habe historisch kaum noch eine Rolle gespielt. Das ist erwiesenerma\u00dfen falsch, wie nicht nur die Bezugnahme Martin Sasses auf Luther im Zusammenhang mit den Novemberpogromen von 1938 belegt.<\/p>\n<p>Christian Pfeiffer f\u00fchrt in einem <a href=\"http:\/\/cicero.de\/berliner-republik\/luther-judenfeind-die-dunkle-seite-des-reformators\/57603\">Artikel<\/a> von 2014 den evangelischen Theologen Hermann Steinlein an, der schon 1932 die bruchlose Wirkungsgeschichte des Lutherschen Antisemitismus belegt hatte:<\/p>\n<p>Steinlein konnte aufzeigen, dass s\u00e4mtliche bis dahin erschienenen Gesamtausgaben Luthers dessen zweite Judenschrift enthielten und dass es ferner vier gesonderte Nachdrucke gab, mit denen das Werk im 16. bis 19.\u2009Jahrhundert vollst\u00e4ndig oder in Ausz\u00fcgen erneut publiziert worden war. (\u2026) Steinlein f\u00fchrte erg\u00e4nzend eindrucksvolle Beispiele f\u00fcr volkst\u00fcmliche Schriften an, in denen mit scharf antisemitisch orientierter Grundhaltung Luthers Thesen verbreitet wurden. (<a href=\"http:\/\/cicero.de\/berliner-republik\/luther-judenfeind-die-dunkle-seite-des-reformators\/57603\">Cicero<\/a>)<\/p>\n<p>Pfeiffers eigenes Fazit:<\/p>\n<p>Luthers sp\u00e4te Schriften erfuhren, gerade weil ihr Autor der gro\u00dfe Reformator war, immer wieder starke Beachtung. Sie konnten so \u00fcber Jahrhunderte hinweg bei der Begr\u00fcndung und Fortentwicklung judenfeindlicher Einstellungen und Verhaltensweisen eine wichtige Rolle spielen.<\/p>\n<p>Auch was den Hexenwahn anging, versch\u00e4rfte Luther die handels\u00fcbliche Rhetorik auf eigene Rechnung. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hartmut_Hegeler\">Hartmut Hegeler <\/a><a href=\"http:\/\/www.anton-praetorius.de\/downloads\/Luthers%20Hexenreden.pdf\">schreibt<\/a> unter Bezugnahme auf den Religionswissenschaftler <a href=\"http:\/\/www.uni-saarland.de\/fileadmin\/user_upload\/Fachrichtungen\/fr32_EvTheologie\/Geschichte\/haustein.pdf\">J\u00f6rg Haustein<\/a>:<\/p>\n<p>Luther forderte nicht nur die T\u00f6tung der Hexen, sondern auch mehrfach deren Folter und Feuertod, und das nicht nur f\u00fcr Schadenszauber, sondern auch, weil sie Umgang mit dem Teufel haben, ohne jeglichen Schaden anzurichten. Haustein erw\u00e4hnt &#8222;die enorme Vergr\u00f6\u00dferung des Kreises der potentiellen Angeklagten durch die Kriminalisierung des Aberglaubens&#8220;, was &#8222;ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu den epidemischen Hexenverfolgungen der kommenden Jahrzehnte&#8220; sei.<\/p>\n<p>Luther war eben nicht nur &#8222;Kind seiner Zeit&#8220;, sondern pr\u00e4gte seine Zeit ganz entscheidend ideologisch mit, und zwar in einer Weise, die in verschiedenen Kontexten auf Massenmord hinauslief. Selbst wenn aber seine Hassreden nur zeittypische Ph\u00e4nomene gewesen w\u00e4ren, fragt sich doch, warum man ihn und sein Gedankengut heute noch feiern sollte.<\/p>\n<p><strong>Der Aufkl<\/strong><strong>\u00e4<\/strong><strong>rer Luther?<\/strong><\/p>\n<p>Die Antwort der unverbesserlichen Lutherfans auf diese Frage lautet oft, er sei doch immerhin so etwas wie ein Aufkl\u00e4rer gewesen. Habe doch seine \u00dcbersetzung der Bibel ins Deutsche daf\u00fcr gesorgt, dass die Gl\u00e4ubigen ab da immerhin gewusst h\u00e4tten, was ihr heiliges Buch \u00fcberhaupt enthielt.<\/p>\n<p>Dazu ist zu sagen, dass der Unsinn, der in der Bibel steht, in allen Sprachen gleich unsinnig ist, und dass das Bedenkenswerte, was sie enth\u00e4lt, noch nie vom Missbrauch durch Kirchen gleich welcher Art profitiert hat. (Vielleicht sollte am Rand erw\u00e4hnt werden, dass Luther die Bibel <a href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article159129129\/Schon-vor-Luther-gab-es-18-deutsche-Bibeldrucke.html\">keineswegs als Erster<\/a> ins Deutsche \u00fcbersetzt hat.)<\/p>\n<p>Schon gar nicht aufkl\u00e4rerisch kann eine Strategie genannt werden, die die \u00dcbersetzungarbeit an einer religi\u00f6sen Schrift mit einer Hetzkampagne gegen Minderheiten und einer unkritischen Verherrlichung staatlicher Macht flankiert. Das ist das genaue Gegenteil von Aufkl\u00e4rung. Versteht man Aufkl\u00e4rung enger, n\u00e4mlich nur als die F\u00f6rderung wissenschaftlichen Denkens, dann sollte man sich einmal Luthers Haltung zu einem Zeitgenossen vor Augen halten, der wirklich um Aufkl\u00e4rung bem\u00fcht war: Nikolaus Kopernikus.<\/p>\n<p>Von Martin Luther ist eine kritische \u00c4u\u00dferung \u00fcber die zentrale These des Kopernikus \u00fcberliefert: &#8222;Der Narr will mir die ganze Kunst Astronomia umkehren! Aber wie die Heilige Schrift zeigt, hie\u00df Josua die Sonne stillstehen und nicht die Erde!&#8220; (M. Luther) unter Berufung auf Jos 10,12-13 LUT, die aus Luthers w\u00f6rtlichem Verst\u00e4ndnis des Bibeltextes resultiert. Nach dieser Bibelstelle lie\u00df Gott die Sonne f\u00fcr einen Tag stillstehen, woraus Luther folgerte, dass sie normalerweise in Bewegung sein m\u00fcsse. (Aus dem <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Nikolaus_Kopernikus\">Wikipedia-Eintrag<\/a> zu Kopernikus)<\/p>\n<p><strong>Zwei gro<\/strong><strong>\u00df<\/strong><strong>e Talente<\/strong><\/p>\n<p>Luther benutzte seine reformierte Religion und ihre zentrale religi\u00f6se Schrift in militanter Weise als Zuchtrute gegen andere. Grunds\u00e4tzlich favorisierte er eine w\u00f6rtliche Auslegung der Bibel, aber wenn es gerade opportun war, fabulierte er ganz nach eigenem Gusto hinzu, oft im Sinne einer Steigerung der eifernden Aggression.<\/p>\n<p>Laut Thomas Kaufmann <a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/rezension-luthers-hass-auf-juden.1278.de.html?dram:article_id=301309\">speist<\/a> sich Luthers Judenbild &#8222;aus antij\u00fcdischen christlichen Traditionen, die bereits im Neuen Testament zu finden seien &#8211; aber eben nicht nur. Luther unterstellt Juden auch &#8218;verdorbenes Blut'&#8220;. F\u00fcr Kaufmann ist das eine Fr\u00fchform des Antisemitismus:<\/p>\n<p>Die Vorstellung, dass Juden ein eigener Menschentypus sind, dem nicht zu trauen ist, der verschlagen ist, der alles darauf anlegt, Christen zu \u00fcbervorteilen oder noch Schlimmeres. Das sind Vorstellungen, die auch bei Luther immer wieder anzutreffen sind und die ich nicht ohne weiteres auf eine biblische Grundlage zur\u00fcckf\u00fchren kann. (<a href=\"http:\/\/www.deutschlandradiokultur.de\/rezension-luthers-hass-auf-juden.1278.de.html?dram:article_id=301309\">Thomas Kaufmann<\/a>)<\/p>\n<p>Genau darum ist es v\u00f6llig korrekt, Martin Luthers Reformation als den Islamismus des Christentums zu bezeichnen, wie Arno Widmann das <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/kultur\/martin-luthers-reformation-der-islamismus-des-christentums,1472786,34895178.html\">j\u00fcngst getan hat<\/a>.<\/p>\n<p>Luther hatte zwei wesentliche Talente: ein taktisches und ein demagogisches. Mithilfe des taktischen sorgte daf\u00fcr, dass er sich durch geschickte politische Allianzen und herrschaftlichen R\u00fcckenwind in der Auseinandersetzung mit einem b\u00f6sartigen und m\u00e4chtigen Gegner durchsetzen konnte, der nichts weniger wollte, als sich &#8222;reformieren&#8220; zu lassen: die katholische Kirche.<\/p>\n<p>Sein demagogisches Talent benutzte Luther, um der Reformation in seinem Namen eine militante Massenbasis zu verschaffen und zu erhalten. Genau durch die Wechselwirkung seiner Pers\u00f6nlichkeit und seiner beiden Haupttalente mit der historischen Situation entstand die Wucht, die die Reformation auszeichnete.<\/p>\n<p>Am Ende hatte er ein althergebrachtes, teilweise morsch gewordenes Unterdr\u00fcckungssystem durch ein ideologisch modernisiertes Modell erg\u00e4nzt, welches es im Verlauf seiner Geschichte mit allem aufnehmen konnte, was sein parallel fortexistierendes Vorbild an Schrecken zu bieten hatte.<\/p>\n<p>Aber die Deutschen verehren gern. Deutsche Verehrung und deutscher Hass wirken lange. Martin Luther, als Objekt der spezifisch ihm geltenden Verehrung und als Subjekt des spezifisch von ihm ausgehenden Hasses ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr.<\/p>\n<p><em>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/tp\/features\/Ein-deutscher-Held-3581627.html?seite=2\">heise.de&#8230;<\/a> vom 28. Dezember 2016<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>&gt; <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Marcus Hammerschmitt. 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