{"id":1842,"date":"2017-01-13T16:54:53","date_gmt":"2017-01-13T14:54:53","guid":{"rendered":"http:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1842"},"modified":"2017-01-13T18:15:10","modified_gmt":"2017-01-13T16:15:10","slug":"leo-trotzki-die-schule-der-revolutionaeren-strategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/maulwuerfe.ch\/?p=1842","title":{"rendered":"Leo Trotzki: Die Schule der revolution\u00e4ren Strategie"},"content":{"rendered":"<p>Bericht vom 3. Kominternkongress auf einer Partei-Mitgliederversammlung in Moskau (1921). Mit Schule der revolution\u00e4ren Strategie hat Trotzki hier den 3. Weltkongress der III. Internationale im Sinne, der vom 22. Juni bis zum 12. Juli 1921 in Moskau stattfand.<!--more--> Er stand vor allem im Zeichen der gescheiterten M\u00e4rz-Aktion in Deutschland, aber auch des raschen Anwachsens der Kommunistischen Internationale und war von der Teilnehmerzahl her der erfolgreichste Kongress. Sein Motto lautete &#8222;Zu den Massen&#8220;. Siehe zum Kongress: John Riddel: To the Masses. Proceedings of the Third Congress of the Communist International, 1921.<\/p>\n<p>[Nach Die Neue Etappe. Die Weltlage und unsere Aufgaben. Verlag der Kommunistischen Internationale, Auslieferungsstelle f\u00fcr Deutschland: Carl Hoym Nachf. Louis Cahnbley, Hamburg 1921, S. 49-98]<\/p>\n<p><strong><em>Die materiellen Voraussetzungen der Revolution.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die marxistische Theorie hat zuerst die innere Bedingtheit und Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit der historischen Entwicklung festgestellt. In Bezug auf die Revolution hat die Marxsche Theorie durch die Feder von Marx selbst (in der <a href=\"http:\/\/www.mlwerke.de\/me\/me13\/me13_007.htm\"><strong>Vorrede zu seiner \u201eKritik der politischen \u00d6konomie&#8220;<\/strong><\/a>) ungef\u00e4hr folgenden Satz aufgestellt: keine Gesellschaftsordnung tritt ab, so lange sie nicht ihre Produktivkr\u00e4fte zu dem Maximum, das unter der betreffenden Gesellschaftsordnung zul\u00e4ssig ist, erreicht hat; und keine neue Gesellschaftsordnung tritt auf den Plan, wenn in der alten Gesellschaftsordnung f\u00fcr sie die notwendigen wirtschaftlichen Voraussetzungen nicht im Keime vorhanden sind. Diese f\u00fcr die revolution\u00e4re Politik grundlegende Wahrheit beh\u00e4lt absolut unbestritten auch jetzt f\u00fcr uns ihre ganze f\u00fchrende Bedeutung. Doch der Marxismus ist mehr als einmal mechanisch, gradlinig und daher irrt\u00fcmlich aufgefasst worden. Auch aus dem angef\u00fchrten Satze lassen sich irrige Schl\u00fcsse ziehen. Marx meint, dass eine Gesellschaftsordnung dann von der B\u00fchne abtreten muss, wenn die Produktivkr\u00e4fte \u2013 die Technik, die Beherrschung der Natur durch den Menschen \u2013 sich in ihrem Rahmen nicht weiter entwickeln k\u00f6nnen. Vom marxistischen Standpunkt ist die historische Gesellschaft als solche die Organisation des kollektiven, vielf\u00e4ltigen Menschen zum Ziel der Steigerung seiner Macht \u00fcber die Natur. Dieses Ziel wird den Menschen nat\u00fcrlich nicht durch irgend jemanden von au\u00dfen gesteckt, sondern sie selbst k\u00e4mpfen in ihrer Entwicklung daf\u00fcr, indem sie sich den objektiven Verh\u00e4ltnissen des Milieus anpassen und ihre Herrschaft \u00fcber die elementaren Kr\u00e4fte der Natur immer mehr und mehr vergr\u00f6\u00dfern. Der Satz, dass f\u00fcr die Revolution \u2013 f\u00fcr die soziale, tiefere Revolution, nicht f\u00fcr die oberfl\u00e4chlichen politischen, wenn auch blutigen Umw\u00e4lzungen, \u2013 f\u00fcr die soziale Revolution, durch die eine Wirtschaftsordnung durch eine andere wirtschaftliche Ordnung ersetzt wird, die Bedingungen erst in dem Moment geschaffen werden, da die alte soziale Ordnung keinen Raum mehr bietet f\u00fcr die Entfaltung der Produktivkr\u00e4fte, \u2013 dieser Satz bedeutet keineswegs, dass die alte Gesellschaftsordnung von selbst in dem Moment unvermeidlich zusammenbricht, wo sie im wirtschaftlichen Sinne reaktion\u00e4r wird, d. h. von dem Augenblick an, wo sie die Entwicklung der technischen Macht des Menschen zu hemmen anf\u00e4ngt. Keineswegs, denn bilden auch die Produktivkr\u00e4fte die grundlegende bewegende Kraft der historischen Entwicklung, so vollzieht sich jedoch diese Entwicklung nicht au\u00dferhalb der Menschen, sondern durch sie. Freilich, die Produktivkr\u00e4fte \u2013 die Macht des sozialen Menschen \u00fcber die Natur, \u2013 bilden sich unabh\u00e4ngig vom Willen jedes einzelnen Menschen und blo\u00df in geringer Abh\u00e4ngigkeit vom Gesamtwillen der Menschen, die jetzt leben, denn die Technik stellt ein angeh\u00e4uftes Kapital dar, das wir von der Vergangenheit \u00fcbernehmen und das uns vorw\u00e4rts st\u00f6\u00dft oder unter gewissen Umst\u00e4nden auch hemmt, \u2013 aber wenn es den Produktivkr\u00e4ften der Technik allzu eng wird im alten Rahmen, sagen wir, der Sklavenhaltergesellschaft, der feudalen oder b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, und wenn zur Weiterentwicklung der menschlichen Macht eine Ver\u00e4nderung der Gesellschaftsformen notwendig geworden ist, dann vollzieht sich das nicht von selbst, wie der Sonnenauf- und -untergang, sondern muss sich durch die Menschen, durch den Kampf der zu Klassen vereinten Menschen vollziehen. Die Gesellschaftsklasse, die in der alten Gesellschaft dominiert und reaktion\u00e4r geworden ist, muss von einer neuen Gesellschaftsklasse abgel\u00f6st werden, die \u00fcber das Programm einer neuen Gesellschaftsordnung verf\u00fcgt, die den Bed\u00fcrfnissen der Entwicklung der Produktivkr\u00e4fte entspricht und die Bereitschaft zeigt, dieses Programm zu verwirklichen. Aber es ist keineswegs immer so, dass, sobald die gegebene Gesellschaftsordnung sich \u00fcberlebt hat, d. h. reaktion\u00e4r geworden ist, eine neue Klasse auftaucht, die bewusst, organisiert und stark genug w\u00e4re, um die alten Herren des Lebens zu st\u00fcrzen und den neuen gesellschaftlichen Beziehungen den Weg zu bahnen. Das ist keineswegs immer der Fall. Im Gegenteil, in dar Geschichte geschah es mehr als einmal, dass die alte Gesellschaft sich ersch\u00f6pft hatte, z. B. die auf Sklaverei begr\u00fcndete Gesellschaft des alten Rom und fr\u00fcher noch die antiken Zivilisationen Asiens, wo das Sklavenfundament der Entfaltung der Produktivkr\u00e4fte den Weg versperrte; \u2013 aber in dieser Gesellschaft, die sich \u00fcberlebt hatte, gab es keine neue Klasse, die stark genug gewesen w\u00e4re, um die Sklavenhalter zu st\u00fcrzen und ein neues, feudales Regime einzuf\u00fchren, denn die Feudalordnung war, verglichen mit der Sklaverei, bereits ein Schritt vorw\u00e4rts. Es stellte sich in der Sklavenhaltergesellschaft nicht immer im n\u00f6tigen Momente die neue Klasse, die Bourgeoisie, ein, um die Sklavenhalter zu st\u00fcrzen und der historischen Entwicklung freie Bahn zu schaffen. In der Geschichte geschah es wiederholt, dass eine bestimmte Gesellschaft, eine Nation, ein Volk, ein Volksstamm, einige St\u00e4mme und Nationen, die in gleichartigen historischen Verh\u00e4ltnissen lebten, auf die Unm\u00f6glichkeit einer Weiterentwicklung auf der gegebenen wirtschaftlichen, sklavischen oder feudalen Basis stie\u00dfen; da es aber keine neue Klasse gab, die imstande gewesen w\u00e4re, ihnen einen neuen Weg zu weisen; so zerfielen sie; die betreffende Zivilisation, der betreffende Staat, die betreffende Gesellschaft zersetzte sich. Auf diese Weise bewegte sich die menschliche Gesellschaft nicht immer von unten nach oben, in aufsteigender Linie. Nein, es gab lange Perioden der Stagnation, R\u00fcckf\u00e4lle in die Barbarei kamen vor. Gesellschaften stiegen empor, erreichten ein gewisses Niveau, aber konnten sich auf dieser H\u00f6he nicht halten \u2026 Die Menschheit verharrt nicht auf einem Fleck, ihr Gleichgewicht ist infolge des Klassen- und Rassenkampfes labil; wenn die Aufw\u00e4rtsentwicklung unm\u00f6glich wird, st\u00fcrzt die Gesellschaft abw\u00e4rts; wenn keine Klasse vorhanden ist, die imstande w\u00e4re, sie h\u00f6her zu treiben, f\u00e4llt sie auseinander und \u00f6ffnet T\u00fcr und Tor der Barbarei.<\/p>\n<p>Um sich diese au\u00dferordentlich komplizierte Frage klar vorzustellen, gen\u00fcgen die abstrakten Betrachtungen, die ich hier entwickle, nicht. Unsere jungen Genossen, die von diesen Fragen noch wenig ber\u00fchrt worden sind, m\u00fcssen historische Werke lesen, um das tats\u00e4chliche Material aus der Geschichte der verschiedenen L\u00e4nder und V\u00f6lker und insbesondere und ganz speziell aus der Wirtschaftsgeschichte zu beherrschen. Nur dann kann man sich die innere Mechanik der Gesellschaft konkreter und deutlicher vorstellen. Diese Mechanik muss man vollkommen verstehen, damit man den Marxismus auf die Taktik, d. h. auf die Praxis des Klassenkampfes richtig anwenden kann.<\/p>\n<p><strong><em>Fragen revolution\u00e4rer Taktik.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Manche Genossen stellen sich die Sache allzu einfach vor, soweit vom Siege des Proletariats, die Rede ist. Wir haben jetzt in Europa, ja im Weltausma\u00df eine Situation, da wir vom marxistischen Standpunkt mit absoluter Bestimmtheit sagen k\u00f6nnen, dass die b\u00fcrgerliche Ordnung sich restlos ersch\u00f6pft hat. Die Produktivkr\u00e4fte k\u00f6nnen sich im Rahmen der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft nicht weiter entwickeln. Im Gegenteil, das, was wir im letzten Jahrzehnt wahrnehmen, ist ein Zerfall, eine Zersetzung der wirtschaftlichen Grundlagen der kapitalistischen Menschheit und eine mechanische Zerst\u00f6rung der angeh\u00e4uften G\u00fcter. Wir leben jetzt unter den Bedingungen einer entsetzlichen, in der Weltgeschichte noch nie dagewesenen Krise, die nicht eine einfache, programm\u00e4\u00dfige, \u201enormale&#8220;, im kapitalistischen Entwicklungsprozess der Produktivkr\u00e4fte unvermeidliche Krise darstellt, sondern den Zerfall und die Zersetzung der Produktivkr\u00e4fte der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft bedeutet. Da k\u00f6nnen Schwankungen nach oben und unten eintreten und werden auch eintreten. Aber im Gro\u00dfen und Ganzen geht die Kurve der \u00f6konomischen Entwicklung (wie ich bereits an anderer Stelle ausgef\u00fchrt habe) durch alle Schwankungen hindurch, nicht aufw\u00e4rts, sondern abw\u00e4rts. Doch bedeutet das denn, dass der Untergang der Bourgeoisie automatisch und mechanisch besiegelt ist? Mitnichten. Die Bourgeoisie ist eine lebendige Klasse, die auf einer bestimmten wirtschaftlichen Produktionslage aufgewachsen ist. Diese Klasse ist nicht das passive Produkt der \u00f6konomischen Entwicklung, sondern eine lebendige, wirkende, aktive historische Kraft. Diese Klasse hat sich \u00fcberlebt, d. h. sie wurde zum schrecklichsten Hemmschuh der historischen Entwicklung. Aber dies bedeutet keineswegs, dass diese Klasse dem historischen Selbstmord zuneige, dass sie bereit sei, zu sagen: \u201eDa die wissenschaftliche Theorie der historischen Entwicklung mich als reaktion\u00e4r erkannt hat, so trete ich von der Weltb\u00fchne ab&#8220;. Davon kann nat\u00fcrlich nicht die Rede sein. Andererseits gen\u00fcgt es wiederum keineswegs, dass die Kommunistische Partei erkenne, die b\u00fcrgerliche Klasse sei verurteilt und m\u00fcsse beseitigt werden, damit der Sieg des Proletariats dadurch schon gesichert sei. O nein, die Bourgeoisie muss noch besiegt und gest\u00fcrzt werden.<\/p>\n<p>W\u00e4re im Rahmen der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft eine Weiterentwicklung der Produktivkr\u00e4fte denkbar, so w\u00e4re die Revolution \u00fcberhaupt unm\u00f6glich. Da aber eine Weiterentwicklung der Produktivkr\u00e4fte im Rahmen der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft undenkbar ist, so ist die Grundbedingung f\u00fcr die Revolution vorhanden. Aber die Revolution an sich bedeutet den lebendigen Klassenkampf. Selbst wenn die Bourgeoisie in einen v\u00f6lligen Gegensatz zu den Bed\u00fcrfnissen der historischen Entwicklung geraten ist, bleibt sie immer noch die m\u00e4chtigste Klasse. Noch mehr, man kann sagen, dass die Bourgeoisie in politischer Hinsicht erst in dem Moment ihre h\u00f6chste Macht, die gr\u00f6\u00dfte Konzentration an Kr\u00e4ften und Mitteln, an politischen und milit\u00e4rischen Mitteln, an Betrug, Vergewaltigung und Provokation, d. h. die h\u00f6chste Bl\u00fcte ihrer Klassenstrategie erreicht, wo ihr der soziale Untergang am unmittelbarsten droht. Der Krieg und seine furchtbaren Folgen entstanden ja gerade deshalb, weil die Produktivkr\u00e4fte sich im Rahmen der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft nicht weiter entwickeln konnten \u2013 der Krieg und die Folgen des Krieges, sage ich, offenbarten der Bourgeoisie die drohende Gefahr des Unterganges. Das hat ihren Selbsterhaltungstrieb als Klasse aufs h\u00f6chste gesch\u00e4rft. Je gr\u00f6\u00dfer die Gefahr ist, desto mehr verfeinert die Klasse wie die Einzelperson ihre Lebenskr\u00e4fte zum Kampfe um die Selbsterhaltung. Wir d\u00fcrfen ferner nicht vergessen, dass die Bourgeoisie sich in Lebensgefahr sah, nachdem sie eine gewaltige politische Erfahrung erworben hatte. Die Bourgeoisie schuf und zerst\u00f6rte allerhand Regierungsformen. Sie entwickelte sich unter dem reinen Absolutismus, unter der konstitutionellen Monarchie, unter der parlamentarischen Monarchie, unter der demokratischen Republik, unter der bonapartistischen Diktatur, im Staate, der mit der katholischen Kirche verbunden war, im Staate, der von der Reformation abhing, im kirchenfreien Staate, wo die Kirche verfolgt wurde, usw. usw.; diese ganze mannigfaltige und reiche Erfahrung, die der regierenden Kaste der Bourgeoisie in Fleisch und Blut \u00fcbergegangen ist, ist jetzt von ihr mobilisiert worden, um sich um jeden Preis am Ruder zu erhalten. Und sie handelt mit umso mehr Erfindungsgabe, Raffinement und R\u00fccksichtslosigkeit, je klarer ihre F\u00fchrer die drohende Gefahr erkennen.<\/p>\n<p>Vom oberfl\u00e4chlichen Standpunkt aus gesehen, k\u00f6nnte man hier einen gewissen Widerspruch entdecken; wir haben die Bourgeoisie vom Gericht des Marxismus, d. h. vom Gericht der wissenschaftlichen Erkenntnis des historischen Prozesses, als \u00fcberlebt anerkennen sehen, aber zugleich zeigt sie eine gewaltige Vitalit\u00e4t. In Wirklichkeit ist da kein Widerspruch enthalten. Es ist eben das, was man im Marxismus Dialektik nennt. Ihr Wesen besteht darin, dass die verschiedenen Seiten des historischen Prozesses: die Wirtschaft, die Politik, der Staat, das Anwachsen der Arbeiterklasse sich nicht gleichzeitig als parallele F\u00e4den entwickeln. Die Arbeiterklasse entwickelt sich nicht parallel, Punkt f\u00fcr Punkt, in dem Grade, wie die Produktivkr\u00e4fte anwachsen, und die Bourgeoisie verdorrt und verk\u00fcmmert nicht parallel damit, wie das Proletariat w\u00e4chst und erstarkt. Nein, die Geschichte geht anders. Die Produktivkr\u00e4fte entwickeln sich sprungweise, st\u00fcrmen mitunter voran, bleiben manchmal zur\u00fcck. Die Bourgeoisie entwickelte sich ihrerseits sto\u00dfweise; ebenso die Arbeiterklasse. In der Periode, da die Produktivkr\u00e4fte des Kapitalismus in eine Sackgasse geraten sind und nicht weiter k\u00f6nnen, sehen wir, wie die Bourgeoisie die Armee, die Polizei, die Wissenschaft, die Schule, die Kirche, das Parlament, die Presse, die wei\u00dfen Garden in ihrer Hand sammelt, fest die Z\u00fcgel spannt und in Gedanken zu der Arbeiterklasse sagt: \u201eJawohl, meine Lage ist gef\u00e4hrlich, ich sehe, dass vor meinen F\u00fc\u00dfen sich ein Abgrund auftut. Doch wir wollen noch abwarten, wer in diesen Abgrund zuerst st\u00fcrzen wird. Vielleicht wird es mir vor meinem Untergange, wenn dies mir schon beschert ist, noch gelingen, dich, die Arbeiterklasse, in den Abgrund zu schleudern.&#8220; Was w\u00fcrde das bedeuten? Den Untergang der europ\u00e4ischen Zivilisation \u00fcberhaupt. W\u00fcrde die Bourgeoisie, die historisch zum Untergang verurteilt ist, gen\u00fcgend Kraft, Energie und Macht in sich finden, um die Arbeiterklasse in dem furchtbaren Treffen, das heranger\u00fcckt ist, zu besiegen, so w\u00fcrde es bedeuten, dass Europa zu einer wirtschaftlichen und kulturellen Zersetzung verurteilt ist, wie es in der Vergangenheit mit vielen L\u00e4ndern, Nationen und Zivilisationen der Fall war. Mit anderen Worten, die Geschichte hat es so weit gebracht, dass zur Rettung Europas und der ganzen Welt die proletarische Revolution absolut notwendig geworden ist. Die Geschichte hat die Grundvoraussetzung zu dem Erfolg dieser Revolution gegeben, in dem Sinne, dass die Wirtschaft ihre Produktivkr\u00e4fte auf b\u00fcrgerlicher Basis nicht weiter entwickeln kann. Aber damit \u00fcbernimmt nicht die Geschichte f\u00fcr die Arbeiterklasse, f\u00fcr die Politiker der Arbeiterklasse, f\u00fcr die Kommunisten die L\u00f6sung der ganzen Aufgabe. Nein, es ist, als w\u00fcrde sie zu der Arbeiteravantgarde (stellen wir uns f\u00fcr einen Augenblick die Geschichte als au\u00dfenstehende Person vor), als w\u00fcrde sie zu der Arbeiterklasse sagen: \u201eDu musst wissen, wenn du die Bourgeoisie nicht wirfst, gehst du unter den Tr\u00fcmmern der Zivilisation zugrunde. Nun versuche einmal, mach deine Sache!&#8220; So stehen jetzt die Dinge.<\/p>\n<p>Wir sehen, wie in Europa nach dem Kriege die Arbeiterklasse halb elementar, halb bewusst versucht, die ihr von der Geschichte gestellte Aufgabe zu l\u00f6sen. Die praktische Schlussfolgerung, zu der alle denkenden Elemente der Arbeiterklasse in Europa und der ganzen Welt in diesen drei Jahren nach Beendigung des Weltkrieges kommen mussten, lautet: die Bourgeoisie, selbst von der Geschichte zum Tode verurteilt, ist nicht so leicht und einfach zu besiegen, wie es den Anschein hatte.<\/p>\n<p>Die Periode, in der sich Europa und die ganze Welt befindet, ist einerseits eine Zeit des Verfalls der Produktivkr\u00e4fte der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, aber andererseits die Zeit der h\u00f6chsten Bl\u00fcte der konterrevolution\u00e4ren Strategie der Bourgeoisie. Das muss man klar und deutlich erkennen. Noch niemals hatte die konterrevolution\u00e4re Strategie d. h. die Kunst des kombinierten Kampfes gegen das Proletariat mit allen Methoden, angefangen mit der s\u00fc\u00dfesten Professoren- oder Pfaffenpredigt bis zur Erschie\u00dfung der Streikenden mit Maschinengewehren, eine solche H\u00f6he erreicht, wie jetzt.<\/p>\n<p>Der fr\u00fchere amerikanische Staatssekret\u00e4r Lansing erz\u00e4hlt in seinem Buch \u00fcber den Versailler Frieden, dass Lloyd George keine Geographie kann, nichts von Wirtschaft versteht usw. usw. Wir wollen es ihm gerne glauben. Dass dieser selbe Lloyd George aber alle Methoden der Irref\u00fchrung und der Vergewaltigung der Werkt\u00e4tigen, von den raffiniertesten und subtilsten bis zu den blutr\u00fcnstigsten, in seinem Kopfe gesammelt hat, dass er alle Erfahrungen, die in dieser Hinsicht die englische Geschichte lieferte, sich angeeignet und all das weiter entwickelt und in der Erfahrung der letzten unruhigen Jahre verfeinert hat, \u2013 unterliegt f\u00fcr uns keinem Zweifel. Lloyd George ist in seiner Art ein ausgezeichneter Stratege der Bourgeoisie, die historisch vom Untergang bedroht ist. Und wir m\u00fcssen sagen, ohne dass wir damit die Gegenwart und umso weniger die Zukunft der noch sehr jungen englischen Kommunistischen Partei schm\u00e4lerten, \u2013 wir m\u00fcssen sagen, dass das englische Proletariat einstweilen solche Strategen nicht hat. In Frankreich haben der Pr\u00e4sident der Republik, Millerand, der einstmals der Partei der Arbeiterklasse angeh\u00f6rte, und das Haupt der Regierung, Briand, der einmal unter den Arbeitern die Idee des Generalstreiks propagierte, sie haben die ganze reiche Erfahrung der franz\u00f6sischen Bourgeoisie mitsamt der Erfahrung, die sie im Lager des Proletariats gesch\u00f6pft hatten, in den Dienst der Bourgeoisie gestellt als ihre qualifizierten konterrevolution\u00e4ren Strategen. In Italien und in Deutschland sehen wir, mit welcher Sorgfalt die Bourgeoisie aus ihrer Mitte einzelne Personen oder Gruppen aussondert, in denen sich die ganze Erfahrung des Klassenkampfes der Bourgeoisie um ihre Entfaltung, Bereicherung, Festigung und Selbstverwaltung konzentriert.<\/p>\n<p><strong><em>Die Schule der revolution\u00e4ren Strategie.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Aufgabe der Arbeiterklasse, der europ\u00e4ischen sowie der internationalen, besteht darin, der restlos durchdachten Strategie der konterrevolution\u00e4ren Bourgeoisie eine ebenso restlos durchdachte Strategie des Proletariats entgegenzustellen. Dazu muss man vor allem klar erfassen, dass es nicht gelingen wird, die Bourgeoisie automatisch, mechanisch zu st\u00fcrzen, nur deshalb, weil sie von der Geschichte zum Tode verurteilt ist. Auf dem komplizierten Gebiet des politischen Kampfes stehen auf der einen Seite die Bourgeoisie mit allen ihren Hilfskr\u00e4ften und Mitteln und auf der andern die Arbeiterklasse mit ihren verschiedenen Schichten, Richtungen, Entwicklungsstufen, mit ihrer Kommunistischen Partei, die mit den anderen Parteien und Organisationen um den Einfluss auf die Arbeitermassen ringt. Die Kommunistische Partei, die faktisch sich immer mehr an die Spitze der Arbeitermassen Europas stellt, muss im Kampfe man\u00f6vrieren, bald vorr\u00fccken, bald sich zur\u00fcckziehen, ihren Einfluss befestigen, neue Positionen erobern, so lange bis ein g\u00fcnstiger Moment kommt, um die Bourgeoisie zu st\u00fcrzen. Wie gesagt: dies ist eine komplizierte strategische Aufgabe, und der letzte Kongress hat diese Aufgabe in ihrer ganzen Gr\u00f6\u00dfe aufgeworfen. Von diesem Gesichtspunkte aus darf man sagen, dass der dritte Kongress der Kommunistischen Internationale die hohe Schule der revolution\u00e4ren Strategie war.<\/p>\n<p>Der erste Kongress fand zu der Zeit statt, als nach dem Kriege der Kommunismus als europ\u00e4ische Bewegung erst im Entstehen begriffen war, und als man mit einem gewissen Rechte annehmen und hoffen durfte, dass der halb elementare Ansturm der Arbeiterklasse die Bourgeoisie \u00fcberrennen w\u00fcrde, die noch nicht Zeit hatte, eine neue Orientierung und neue St\u00fctzpunkte nach dem Kriege zu finden. Diese Stimmung und diese Erwartung wurden durch den damaligen objektiven Stand der Dinge in gewissem Grade gerechtfertigt. Die Bourgeoisie war durch die Folgen ihrer eigenen Kriegspolitik, die ihrerseits ihr von der objektiven Lage aufgezwungen wurde, schrecklich eingesch\u00fcchtert. Ich sprach bereits davon in meinen Ausf\u00fchrungen zur Weltlage und will mich nicht wiederholen. Unzweifelhaft ist jedenfalls, dass wir alle um die Zeit des ersten Kongresses (1919) \u2013 die einen mehr, die anderen weniger \u2013 darauf rechneten, dass der elementare Ansturm der Arbeiter- und zum Teil auch Bauernmassen in der allern\u00e4chsten Zukunft die Bourgeoisie st\u00fcrzen w\u00fcrde. Und der Ansturm war wirklich gewaltig. Die Zahl der Opfer war sehr gro\u00df. Aber die Bourgeoisie hat diesem ersten Ansturm standgehalten und sich gerade deshalb in ihrer Selbstsicherheit als Klasse gefestigt.<\/p>\n<p>Der zweite Kongress im Jahre 1920 trat an einem Wendepunkt zusammen: schon f\u00fchlte man, dass durch einen einzigen Anlauf, in wenigen Wochen oder Monaten die Bourgeoisie nicht zu st\u00fcrzen ist, dass dazu eine ernstere politische und organisatorische Vorbereitung notwendig ist. Aber zu gleicher Zeit war die Situation sehr akut. Die Rote Armee marschierte, wie erinnerlich, auf Warschau, und man konnte damit rechnen, dass in Anbetracht der revolution\u00e4ren Lage in Deutschland, Italien und den anderen L\u00e4ndern der milit\u00e4rische Sto\u00df, der nat\u00fcrlich keine selbst\u00e4ndige Bedeutung haben kann, als Erg\u00e4nzungskraft im Kampf der europ\u00e4ischen Kr\u00e4fte die Lawine der Revolution von ihrem momentanen toten Punkte verr\u00fccken w\u00fcrde. Dies geschah nicht. Wir wurden zur\u00fcckgeschlagen.<\/p>\n<p>Nach dem zweiten Kongress der Kommunistischen Internationale stellte sich immer mehr und mehr die Notwendigkeit eine komplizierteren Strategie der revolution\u00e4ren Arbeiterklasse heraus. Wir sehen, wie die Arbeitermasse, die bereits eine solide Erfahrung nach dem Kriege erworben hat, selbst in dieser Richtung dr\u00e4ngt, und das Ergebnis davon ist vor allem die Tatsache, dass die kommunistischen Parteien \u00fcberall wachsen. In der ersten Periode st\u00fcrzten sich in Deutschland Millionen von Arbeitern im Sturm auf die alte Gesellschaft, fast ohne den Spartakusbund zu beachten. Was hatte das zu bedeuten? Die Arbeitermasse glaubte nach dem Kriege, sie brauche jetzt nur zu fordern, vorzudringen, zuzuschlagen, \u2013 und vieles oder gar alles w\u00fcrde anders werden. Deshalb glaubten die Millionen Arbeiter, dass man keine Zeit verlieren solle mit dem Aufbau einer Kommunistischen Partei. Im letzten Jahr verwandelten sich indes die Kommunistischen Parteien Deutschlands und Frankreichs, der zwei wichtigsten L\u00e4nder des europ\u00e4ischen Kontinents, aus Zirkeln in Organisationen, die viele Tausende von Arbeitern umfassen. In Deutschland ca. 400.000, in Frankreich 120-130.000, eine f\u00fcr die franz\u00f6sischen Verh\u00e4ltnisse sehr hohe Ziffer. Dieser Umstand zeigt, wie sehr die Arbeitermasse in dieser Periode erfasst hat, dass ein Sieg ohne eine besondere Organisation, wo die Arbeiterklasse ihre Erfahrungen \u00fcberpr\u00fcft und aus ihnen Schlussfolgerungen zieht, \u2013 kurzum, dass ohne eine zentralisierte Parteileitung ein Sieg unm\u00f6glich ist. Darin besteht die gewaltige Errungenschaft der verflossenen Periode: in der Schaffung von kommunistischen Massenparteien, zu denen noch die Tschechoslowakische Partei mit ihren 350.000 Mitgliedern zu z\u00e4hlen ist. (Nach der Vereinigung mit der deutschen kommunistischen Organisation der Tschechoslowakei wird die Partei 400.000 Mitglieder haben, bei einer Gesamtbev\u00f6lkerung von 12 Millionen!)<\/p>\n<p>Es w\u00e4re jedoch falsch zu erwarten, dass diese jungen kommunistischen Parteien, die erst entstanden sind, sich schon die Kunst der revolution\u00e4ren Strategie zu eigen gemacht haben. O nein! Davon zeugt die taktische Erfahrung des letzten Jahres allzu klar. Und der dritte Kongress hatte diese Frage kategorisch zu beantworten.<\/p>\n<p>Der letzte Kongress hatte, wenn man in allgemeinen Z\u00fcgen sprechen will, zwei Aufgaben vor sich. Die eine bestand und besteht darin, die Arbeiterklasse und darunter auch unsere eigenen kommunistischen Reihen von jenen Elementen zu s\u00e4ubern, die den Kampf <strong><em>nicht wollen, <\/em><\/strong>die den Kampf f\u00fcrchten, und ihre Unlust zu k\u00e4mpfen, ihre innere Neigung zum Paktieren mit der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft, bem\u00e4nteln mit diesen oder jenen Theorien. Die S\u00e4uberung der Arbeiterbewegung im Ganzen und umso mehr der kommunistischen Reihen von den reformistischen, zentristischen und halb zentristischen Elementen und Tendenzen hat einen doppelten Charakter: wenn es sich um bewusste Zentristen, vollendete Opportunisten und Halbopportunisten handelt, so ist ein direkter Ausschluss aus den Reihen der Kommunistischen Partei und der Arbeiterbewegung am Platze; insofern es sich aber um unbestimmte, halb zentristische Stimmungen handelt, ist eine feste, leitende Einwirkung auf diese Elemente und ihre Heranziehung zum revolution\u00e4ren Kampfe geboten. Die erste Aufgabe der Kommunistischen Internationale ist die S\u00e4uberung der Partei der Arbeiterklasse von den Elementen, die den Kampf nicht wollen und dadurch den Kampf des Proletariats l\u00e4hmen. Aber es gibt eine zweite Aufgabe, die nicht weniger wichtig ist: <strong><em>die Kunst des Kampfes erlernen, <\/em><\/strong>die Kunst, die der Arbeiterklasse oder ihrer Kommunistischen Partei keineswegs als Gabe vom Himmel herunterf\u00e4llt. Die Kunst der Taktik und Strategie, die Kunst des revolution\u00e4ren Kampfes kann man nur aus Erfahrung, durch Kritik und Selbstkritik lernen. Wir sprachen zu den jungen Kommunisten auf dem 3. Kongress: \u201eGenossen! Wir wollen nicht nur heroischen Kampf \u2013 wir wollen vor allem den <strong><em>Sieg!<\/em><\/strong>&#8220; Wir sahen in den letzten Jahren nicht wenige heroische K\u00e4mpfe in Europa, insbesondere in Deutschland. Wir sahen in Italien den gro\u00dfen revolution\u00e4ren Kampf, den B\u00fcrgerkrieg mit allen seinen unvermeidlichen Opfern. Gewiss, nicht jeder Kampf f\u00fchrt zum Siege. Niederlagen sind unvermeidlich. Aber diese Niederlagen d\u00fcrfen nicht durch die Schuld der Partei eintreten. Indes sahen wir viele Erscheinungen und Kampfmethoden, die zum Siege nicht f\u00fchren und nicht f\u00fchren k\u00f6nnen, denn sie sind durch und durch von revolution\u00e4rer Ungeduld, nicht aber von einer politischen Idee diktiert. Dadurch wurde der Kampf der Ideen auf dem 3. Kongress der Internationale bestimmt. Ich muss jedoch die Einschr\u00e4nkung machen, dass dieser Kampf keineswegs einen erbitterten, \u201efraktionellen&#8220; Charakter getragen nat. Im Gegenteil, auf dem Kongress herrschte eine tief kameradschaftliche, ernsthafte, sachliche Atmosph\u00e4re und der Ideenkampf trug den Charakter eines streng prinzipiellen aber zugleich sachlichen Meinungsaustausches.<\/p>\n<p>Der Kongress war ein gro\u00dfer revolution\u00e4r-politischer Rat der Arbeiterklasse und hier, in diesem Sowjet, haben wir, die Vertreter der verschiedenen L\u00e4nder, aus der Erfahrung dieser L\u00e4nder einerseits unsere Thesen \u00fcber die Notwendigkeit der S\u00e4uberung der Arbeiterklasse von den Elementen, die kampfunlustig und -unf\u00e4hig sind, praktisch gepr\u00fcft, von neuem best\u00e4tigt und pr\u00e4zisiert, andererseits stellten wir kategorisch die Frage auf, dass der revolution\u00e4re Kampf um die Macht seine Gesetze, seine Methoden, seine Taktik und seine Strategie hat, \u2013 und wer diese Kunst nicht beherrscht, dem wird der Sieg nicht beschieden werden.<\/p>\n<p><strong><em>Die zentristischen Tendenzen im italienischen Sozialismus.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Notwendigkeit des Kampfes mit den zentristischen oder halb zentristischen Elementen zeigte sich am deutlichsten an der Frage der Italienischen Sozialistischen Partei. Die Geschichte dieser Frage ist bekannt. Die Italienische Sozialistische Partei hatte noch vor dem imperialistischen Kriege einen bedeutenden inneren Kampf und eine Spaltung durchgemacht. Dadurch wurde sie von den schlimmsten Chauvinisten ges\u00e4ubert. Au\u00dferdem war Italien in den Krieg neun Monate sp\u00e4ter als die anderen L\u00e4nder getreten. Das erleichterte der Italienischen Sozialistischen Partei ihre Antikriegspolitik. Die Partei verfiel nicht in Patriotismus, sondern behielt ihre kritische Position gegen\u00fcber dem Kriege und der Regierung bei. Dadurch wurde sie in die antimilitaristische Konferenz von Zimmerwald gesto\u00dfen, obwohl ihr Internationalismus ziemlich formloser Natur war. Des Weiteren trieb die Vorhut der italienischen Arbeiterpartei die leitenden Parteikreise noch weiter nach links, und die Partei geriet in die Dritte Internationale \u2013 zusammen mit Turati, der in seinen Artikeln und Reden nachzuweisen versuchte, dass die Dritte Internationale nichts andres sei als eine diplomatische Waffe in den H\u00e4nden der Sowjetmacht, die unter dem Deckmantel des Internationalismus f\u00fcr die \u201enationalen&#8220; Interessen des russischen Volkes k\u00e4mpfe. Ist es denn nicht ungeheuerlich, solche Betrachtungen von Seiten eines \u2013 mit Verlaub zu sagen \u2013 \u201eGenossen&#8220; aus der Dritten Internationale zu vernehmen? Das Unnat\u00fcrliche am Eintritt der Italienischen Sozialistischen Partei in ihrer alten Gestalt in die Kommunistische Internationale zeigte sich am krassesten in der Massenaktion im September vorigen Jahres. Man muss sagen, dass die Partei in dieser Bewegung die Arbeiterklasse <strong><em>verraten <\/em><\/strong>hat. Wollte man fragen, wie und warum die Partei im Herbst vorigen Jahres den R\u00fcckzug angetreten und kapituliert hat, w\u00e4hrend des Massenstreiks, w\u00e4hrend die Arbeiter die Fabriken, G\u00fcter usw. besetzten; wollte man fragen, was an diesem Verrat gr\u00f6\u00dfer war: b\u00f6swilliger Reformismus, Unentschlossenheit, politischer Leichtsinn oder etwas anderes, \u2013 so w\u00e4re schwer darauf zu antworten. Die Italienische Sozialistische Partei stand nach dem Kriege unter dem Einflusse der Kommunistischen Internationale, indem sie ihrem linken Fl\u00fcgel die M\u00f6glichkeit gab, lauter hervorzutreten als der rechte Fl\u00fcgel \u2013 ganz entsprechend der Stimmung der Arbeitermassen \u2013, aber der organisatorische Apparat lag haupts\u00e4chlich in den H\u00e4nden des Zentrums und des rechten Fl\u00fcgels. Die Agitation wurde gef\u00fchrt im Namen der Diktatur des Proletariats, der Macht der Sowjets, f\u00fcr den Hammer und die Sichel, f\u00fcr Sowjetrussland usw. Die italienische Arbeiterklasse nahm das alles ernst und betrat den Weg offenen revolution\u00e4ren Kampfes. Im September vorigen Jahres kam es zur Besetzung von Fabriken, Bergwerken, Latifundien usw. Aber gerade in dem Augenblick, wo die Partei alle politischen und organisatorischen, alle praktischen Folgerungen aus ihrer Agitation ziehen sollte, schreckte sie vor der Verantwortung zur\u00fcck, entbl\u00f6\u00dfte das Proletariat, \u2013 und die Arbeitermassen wurden den faschistischen Banden ausgeliefert. Die Arbeiterklasse hatte gehofft, dass die Partei, von der sie in den Kampf gerufen wurde, den Erfolg ihres Ansturms befestigen w\u00fcrde. Und man konnte diesen Erfolg befestigen, die Hoffnung darauf war vollkommen begr\u00fcndet, denn die b\u00fcrgerliche Regierung war damals demoralisiert und paralysiert, sie konnte sich weder auf die Armee, noch auf den Polizeiapparat verlassen. Wie gesagt, die Arbeiterklasse glaubte nat\u00fcrlich, dass die Partei, die an ihrer Spitze stand, den begonnenen Kampf bis zu Ende f\u00fchren w\u00fcrde. Aber im entscheidendsten Moment zog sich die Partei im Gegenteil zur\u00fcck, enthauptete und entkr\u00e4ftete die Arbeiterklasse. Damals wurde es endg\u00fcltig und vollkommen klar, dass es in den Reihen der Kommunistischen Internationale f\u00fcr derartige Politiker keinen Platz geben darf. Die Exekutive der Internationale handelte vollkommen richtig, als sie nach der bald darauf stattgefundenen Spaltung in der italienischen Partei erkl\u00e4rte, der linke kommunistische Fl\u00fcgel allein geh\u00f6re zur Kommunistischen Internationale. Dadurch wurde die Partei Serratis, d. h. der f\u00fchrende Teil der alten Italienischen Sozialistischen Partei au\u00dferhalb der Kommunistischen Internationale gestellt. Leider, \u2013 das l\u00e4sst sich durch die besonderen, ung\u00fcnstigen Verh\u00e4ltnisse, aber vielleicht auch durch Fehler unsererseits erkl\u00e4ren, \u2013 leider bekam die Kommunistische Partei Italiens im Moment ihrer Entstehung weniger als 50.000 Mitglieder, w\u00e4hrend die Partei Serratis ca. 100.000 Mitglieder behielt, davon 14.000 ausgesprochene Reformisten, die eine Fraktion bildeten (sie hatten ihre Konferenz in Reggio Emilio). Gewiss sind die 100.000 Arbeiter der Sozialistischen Partei keineswegs unsere Gegner. Wenn es bis jetzt uns nicht gelungen ist, sie ganz in unsere Reihen zu ziehen, so geschah es nicht durch unsere Schuld. Die Richtigkeit dieses Gedankens wird dadurch best\u00e4tigt, dass die aus der Internationale ausgeschlossene Sozialistische Partei Italiens zu unserem Kongress drei Vertreter geschickt hat. Was bedeutet das? Die f\u00fchrenden Kreise haben sich durch ihre Politik au\u00dferhalb der Internationale gestellt, aber die Arbeitermasse zwingt sie immer wieder, an die Tore der Internationale zu pochen. Die sozialistischen Arbeiter haben dadurch gezeigt, dass sie revolution\u00e4r gestimmt sind und mit uns sein m\u00f6chten. Aber sie hatten M\u00e4nner geschickt, die durch ihr Verhalten zeigten, dass sie die Gedankeng\u00e4nge und Methoden des Kommunismus sich nicht angeeignet hatten. Damit haben die italienischen Arbeiter, die der Serrati-Partei angeh\u00f6ren, gezeigt, dass sie zwar der Stimmung nach in der Majorit\u00e4t revolution\u00e4r sind, aber die n\u00f6tige politische Klarheit nicht erlangt haben. Auf unserem Kongress war der alte Lazzari. Er ist pers\u00f6nlich eine h\u00f6chst sympathische Gestalt, ein durchaus ehrlicher alter K\u00e4mpfer, ein Mann ohne Tadel, aber keineswegs ein Kommunist. Er steht ganz im Bann demokratischer, humanit\u00e4rer und pazifistischer Anschauungen. Er \u00e4u\u00dferte auf dem Kongress: \u201eIhr \u00fcbersch\u00e4tzt Turatis Bedeutung. Ihr \u00fcbersch\u00e4tzt die Bedeutung unserer Reformisten \u00fcberhaupt. Ihr fordert von uns, dass wir sie ausschlie\u00dfen. Aber wie k\u00f6nnen wir sie ausschlie\u00dfen, wenn sie der Parteidisziplin gehorchen? H\u00e4tten sie uns&#8220;, sagte Lazzari, \u201eirgend einen <strong><em>Fall <\/em><\/strong>offener Auflehnung gegen die Partei geliefert, w\u00e4ren sie gegen unseren Beschluss in die Regierung eingetreten, w\u00fcrden sie gegen unsere Bestimmung das Kriegsbudget bewilligen, dann h\u00e4tten wir sie ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen. Aber anders nicht.&#8220; Wir zitierten ihm Turatis Artikel, die sich ganz gegen das ABC des revolution\u00e4ren Sozialismus richten. Lazzari meinte, diese Artikel erg\u00e4ben keine <strong><em>Tatsachen<\/em><\/strong>, ihre Partei h\u00e4tte ja das Recht der freien Meinung usw. usw. Darauf antworteten wir ihm wiederum: \u201eGestatten Sie, wenn Sie zum Ausschluss Turatis brauchen, dass er eine \u201eTatsache&#8220; vollziehe, d. h. von Giolitti ein Portefeuille erhalte, so ist es unzweifelhaft, dass Turati, der ein <strong><em>kluger <\/em><\/strong>Politiker ist, niemals einen solchen Schritt machen wird. Denn Turati ist keineswegs ein gemeiner Karrieremacher, der nach dem Ministersessel strebt. Turati ist ein erprobter Opportunist, ein unvers\u00f6hnlicher Feind der Revolution, aber in seiner Art ein ideeller Politiker. Er will, koste es was wolle, die b\u00fcrgerlich-demokratische \u201eZivilisation&#8220; retten und dazu die revolution\u00e4re Str\u00f6mung in der Arbeiterklasse \u00fcberwinden. Wenn Giolitti ihm ein Portefeuille anbietet, \u2013 und dies geschah wahrscheinlich an passender Stelle mehr als einmal, \u2013 so antwortet ihm Turati ungef\u00e4hr: \u201eW\u00fcrde ich das Portefeuille nehmen, so w\u00e4re es jene \u201eTatsache&#8220;, von der Lazzari spricht. Sobald ich das Portefeuille nehmen w\u00fcrde, h\u00e4tte man mich bei dieser \u201eTatsache&#8220; erwischt und aus der Partei ausgeschlossen. Und sobald ich aus der Partei hinausgeworfen bin, kannst Du, Vetter Giolitti, mich auch nicht mehr brauchen, denn Du brauchst mich nur so lange, wie ich mit einer gro\u00dfen Arbeiterpartei verbunden bin; nach meinem Hinauswurf aus der Partei w\u00fcrdest Du mich auch aus dem Ministerium hinauswerfen. Deshalb werde ich das Portefeuille nicht nehmen, werde Lazzari die \u201eTatsache&#8220; nicht liefern und werde der tats\u00e4chliche F\u00fchrer der Sozialistischen Partei bleiben.&#8220; Das ist ungef\u00e4hr Turatis Argumentation. Und er hat recht, er ist viel weitblickender, als der Idealist und Pazifist Lazzari. \u201eIhr \u00fcbersch\u00e4tzt die Gruppe Turati&#8220;, sprach Lazzari, \u201edas ist eine kleine Gruppe, wie man franz\u00f6sisch sagt, eine quantit\u00e9 negligeable.&#8220; Darauf erwiderten wir ihm: \u201eAber wissen Sie, w\u00e4hrend Sie hier, vor dem Forum der Moskauer Internationale mit der Forderung auftreten, dass wir Euch aufnehmen, fragt Giolitti telefonisch an: \u201eWei\u00dft Du, Freundchen, dass Lazzari nach Moskau gereist ist und dort vielleicht im Namen Deiner Partei den russischen Bolschewiki irgendwelche gef\u00e4hrliche Versprechungen machen wird?&#8220; Wissen Sie, was Turati darauf antwortet? Er antwortet gewiss: \u201eSei unbesorgt, Freund Giolitti, das ist eine quantit\u00e9 negligeable.&#8220; Und er hat unvergleichlich viel mehr Recht, als Lazzari.&#8220;<\/p>\n<p>Das war unser Dialog mit den schwankenden Vertretern eines gro\u00dfen Teiles der italienischen Arbeiter. Es wurde schlie\u00dflich beschlossen, den italienischen Sozialisten ein Ultimatum zu stellen: In drei Monaten einen Parteitag einzuberufen, auf diesem Parteitag alle Reformisten auszuschlie\u00dfen (die sich selbst als solche bezeichneten dadurch, dass sie sich zur Konferenz in Reggio Emilia einfanden) und sich auf Grund der Beschl\u00fcsse des 3. Kongresses mit den Kommunisten zu vereinigen. Was die unmittelbaren praktischen Folgen dieses Beschlusses sein werden, kann man nicht genau sagen. Ob alle Serratianer zu uns kommen werden? Ich bezweifle es. Aber das ist auch nicht erforderlich. Darunter gibt es solche, die wir nicht brauchen k\u00f6nnen Aber der Schritt, den der Kongress getan hat, war richtig. Er ist dazu angetan, die Arbeiter zur\u00fcckzugewinnen, dadurch, dass unter den schwankenden F\u00fchrern eine Spaltung eintritt.<\/p>\n<p><strong><em>Der italienische Kommunismus \u2013 seine Schwierigkeiten, seine Aufgaben.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Unter den Delegierten der Italienischen Kommunistischen Partei, ebenso unter den Vertretern der Jugend, fanden sich jedoch h\u00f6chst erbitterte Kritiker dieses Schrittes. Am meisten waren es die italienischen Kommunisten und vor allem die links Orientierten, die den Kongress kritisierten, dass er den Serratianern, Opportunisten und Zentristen \u201eT\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet\u201c habe. Dieser Ausdruck: \u201eIhr habt die Tore der Kommunistischen Internationale ge\u00f6ffnet!&#8220; wiederholte sich Dutzende von Malen.<\/p>\n<p>Wir sprachen: \u201eGenossen! Ihr habt einstweilen etwa 50.000 Arbeiter, die Serratianer aber ungef\u00e4hr 100.000: man kann sich doch mit diesem Resultat nicht abfinden.&#8220; Sie bestritten ein wenig die Zahlen und wiesen darauf hin, dass Massenaustritte aus der Sozialistischen Partei stattgefunden haben, was ja durchaus m\u00f6glich ist, \u2013 aber ihr Hauptargument war: \u201eDie ganze Masse der Italienischen Sozialistischen Partei, nicht nur ihre F\u00fchrer, ist reformistisch, opportunistisch.&#8220; Wir fragten: \u201eWieso, warum und wozu haben sie hierher nach Moskau Lazzari, Maffi und Riboldi geschickt?&#8220; Die jungen italienischen Kommunisten gaben mir darauf eine h\u00f6chst unbestimmte Antwort: \u201eJa, die italienische Arbeiterklasse als <strong><em>Ganzes <\/em><\/strong>inkliniere ja nach Moskau und treibe die opportunistische Serrati-Partei dahin. Das ist eine offenkundige Konstruktion. Wenn die Sache so w\u00e4re, dass die italienische Arbeiterklasse als Ganzes nach Moskau strebe, so w\u00e4re ihr die T\u00fcr nach Moskau ge\u00f6ffnet \u2013 man hat ja die Italienische Kommunistische Partei, die der Internationale angeh\u00f6rt. Warum w\u00e4hlt die italienische Arbeiterpartei einen solchen Umweg nach Moskau und treibt die Serrati-Partei dahin, anstatt einfach in die Kommunistische Partei Italiens einzutreten? Es ist evident, dass alle diese Argumente der linken Kommunisten unzutreffend waren und der ungen\u00fcgenden Erfassung unserer Grundaufgabe entsprangen, n\u00e4mlich der Notwendigkeit, die Avantgarde der Arbeiterklasse und vor allem jene keineswegs schlechteren Arbeiter zu gewinnen, die in der Sozialistischen Partei Italiens verblieben. Namentlich diese Arbeiter hatten Lazzari nach Moskau gef\u00fchrt. Der Fehler der \u201eLinken&#8220; entspringt einer besonderen revolution\u00e4ren Ungeduld, die die wichtigsten Vorarbeiten zu sehen hindert und immerfort der Sache schadet. Manche \u201eLinken&#8220; glauben, wenn die unmittelbare Aufgabe darin besteht, die Bourgeoisie zu st\u00fcrzen, \u2013 wozu dann sich auf dem Wege aufhalten, Verhandlungen mit den Serratianern f\u00fchren, den Arbeitern, die hinter Serrati stehen, die T\u00fcre \u00f6ffnen usw. usw.? Indes ist das jetzt die Hauptaufgabe. Und das ist keineswegs eine einfache Aufgabe. Dazu braucht man sowohl Verhandlungen wie Kampf und Beschwichtigungen und neue Vereinigungen und wahrscheinlich neue Spaltungen. Aber einige ungeduldige Genossen m\u00f6chten dieser Aufgabe und folglich auch den sozialistischen Arbeitern einfach den R\u00fccken kehren. Wer f\u00fcr die III. Internationale sei, der m\u00f6chte direkt in unsere Kommunistische Partei eintreten. Das ist anscheinend eine sehr einfache L\u00f6sung der Frage, aber eigentlich ist es eine Umgehung der Frage, denn die Frage besteht gerade darin, <strong><em>wie, mit welchen Methoden <\/em><\/strong>die sozialistischen Arbeiter f\u00fcr die Kommunistische Partei gewonnen werden sollen. Diese Aufgabe wird nicht gel\u00f6st durch das automatische \u201eT\u00fcrschlie\u00dfen&#8220; der Internationale. Die italienischen Arbeiter wissen doch, dass die Sozialistische Partei auch in der Kommunistischen Internationale gewesen ist. Ihre F\u00fchrer hielten revolution\u00e4re Reden, riefen zum Kampfe auf, zur Sowjetmacht, und brachten es im Septemberstreik zur Besetzung der Fabriken. Dann kapitulierten sie, ohne den Kampf aufzunehmen, w\u00e4hrend die Arbeiter k\u00e4mpften. Heute ist die Avantgarde des italienischen Proletariats dabei, diese Tatsache in ihrem Bewusstsein zu verarbeiten. Die Arbeiter sehen, dass aus der Sozialistischen Partei sich eine kommunistische Minorit\u00e4t ausgesondert hat, die sich mit genau solchen oder fast genau solchen Reden an sie wendet, mit welchen sich gestern an sie die Serrati-Partei wandte. Die Arbeiter sagen sich: \u201eMan muss abwarten, wir wollen sehen, was das bedeutet, man muss es zuerst pr\u00fcfen&#8220; \u2026 Mit anderen Worten, sie fordern, vielleicht nicht ganz bewusst und klar formuliert, aber eigentlich sehr beharrlich, dass die neue, die Kommunistische Partei sich durch <strong><em>Taten <\/em><\/strong>einf\u00fchrt, dass ihre F\u00fchrer in der Praxis beweisen, dass sie aus einem anderen Holz geschnitzt sind, als die F\u00fchrer der alten Partei, dass sie unzertrennlich mit den Massen verkn\u00fcpft sind in ihrem Kampfe, so schwer auch die Bedingungen dieses Kampfes sein m\u00f6gen. Es gilt, durch Tat und Wort, durch Wort und Tat das Vertrauen der Tausende von sozialistischen Arbeitern zu erobern, die sich einstweilen noch auf dem Scheidewege befinden, die aber zu uns sto\u00dfen m\u00f6chten. Wollte man ihnen einfach den R\u00fccken kehren, angeblich im Namen eines sofortigen Sturzes der Bourgeoisie, so w\u00fcrde man damit der Revolution einen nicht geringen Schaden zuf\u00fcgen, w\u00e4hrend gerade in Italien die Verh\u00e4ltnisse f\u00fcr eine siegreiche Revolution des Proletariats schon f\u00fcr die n\u00e4chste Zukunft sehr g\u00fcnstig sind.<\/p>\n<p>Man stelle sich einen Augenblick lang, nur beispielshalber, vor, dass die italienischen Kommunisten, sagen wir, im Mai dieses Jahres, die italienische Arbeiterklasse zu einem neuen Generalstreik und Aufstand aufgerufen h\u00e4tten. Wenn sie gesagt h\u00e4tten: \u201eDa die Sozialistische Partei, aus der Ihr ausgetreten seid, im September Bankrott gemacht hat, so m\u00fcssen wir Kommunisten jetzt um jeden Preis diesen Fleck abwaschen und die Arbeiterklasse unverz\u00fcglich in den entscheidenden Kampf f\u00fchren.&#8220; Oberfl\u00e4chlich betrachtet k\u00f6nnte man glauben, dass dies gerade die Pflicht der Kommunisten w\u00e4re. In Wirklichkeit aber ist dem nicht so. Die elementare revolution\u00e4re Strategie besagt, dass ein solcher Appell unter den gegebenen Verh\u00e4ltnissen ein Wahnsinn und ein Verbrechen w\u00e4re, denn die Arbeiterklasse, die sich im September unter F\u00fchrung der Sozialistischen Partei bitter geschnitten hat, w\u00fcrde nicht glauben, dass man diese Erfahrung im Mai mit Erfolg wiederholen k\u00f6nne unter Leitung der Kommunistischen Partei, die sie noch nicht geh\u00f6rig kennen zu lernen Zeit hatte. Die Hauptschuld der Sozialistischen Partei bestand darin, dass sie zur Revolution \u201eaufrief&#8220;, ohne daraus die n\u00f6tigen Konsequenzen zu ziehen, d. h. ohne in Wirklichkeit sich auf die Revolution vorzubereiten, ohne den fortgeschrittenen Arbeitern die Fragen klar gemacht zu haben, die mit der Eroberung der Macht verkn\u00fcpft sind, ohne ihre Reihen von denjenigen zu s\u00e4ubern, die die Eroberung der Macht ablehnen, ohne zuverl\u00e4ssige K\u00e4mpferkader auszuw\u00e4hlen und zu erziehen, ohne Sto\u00dfzellen zu schaffen, die imstande w\u00e4ren, im n\u00f6tigen Moment die Waffen zu gebrauchen und zu ergreifen \u2026 <strong><em>Kurzum, die Sozialistische Partei rief zur Revolution auf, aber bereitete sich auf sie nicht vor. <\/em><\/strong>H\u00e4tten die italienischen Kommunisten sofort zur Revolution aufgerufen, so h\u00e4tten sie den Fehler der Sozialisten wiederholt, nur unter unvergleichlich schwierigeren Verh\u00e4ltnissen. Die Aufgabe unserer italienischen Bruderpartei ist, die Revolution <strong><em>vorzubereiten, <\/em><\/strong>d. h. vor allem, die Majorit\u00e4t der Arbeiterklasse zu gewinnen und ihre Avantgarde richtig zu organisieren. Derjenige, der den ungeduldigen Teil der italienischen Kommunisten zur\u00fcckgehalten h\u00e4tte und gesagt h\u00e4tte: \u201eBevor Ihr zum Aufstand aufruft, gewinnt die sozialistischen Arbeiter, s\u00e4ubert die Gewerkschaften, stellt dort an Stelle der Opportunisten die Kommunisten auf die verantwortlichen Posten, erobert die Massen&#8220;, \u2013 wer so gesprochen h\u00e4tte, der h\u00e4tte anscheinend die Kommunisten r\u00fcckw\u00e4rts gesto\u00dfen, in Wirklichkeit aber h\u00e4tte er dadurch den wahren Weg zum Sieg der Revolution gewiesen.<\/p>\n<p><strong><em>Bef\u00fcrchtungen und Vermutungen der extremen \u201eLinken&#8220;<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Alles Gesagte ist vom Standpunkt ernsthafter revolution\u00e4rer Erfahrung eine Binsenwahrheit. Aber einige \u201elinke&#8220; Elemente des Kongresses sahen in dieser Taktik eine Verschiebung \u201enach rechts&#8220;, und manchen jungen, revolution\u00e4ren Genossen ohne Erfahrung, aber voller Energie, Kampf- und Opferbereitschaft standen buchst\u00e4blich die Haare zu Berge, als sie von Seiten der russischen Genossen die ersten kritischen und warnenden Reden vernahmen. Von diesen jungen Revolution\u00e4ren sollen manche, wie erz\u00e4hlt wurde, die Sowjeterde gek\u00fcsst haben, als sie die Grenze \u00fcberschritten hatten. Und obwohl wir immer noch allzu schlecht unsere Erde bearbeiten, als dass sie dieser K\u00fcsse w\u00fcrdig w\u00e4re, begreifen wir den revolution\u00e4ren Enthusiasmus unserer jungen ausl\u00e4ndischen Freunde wohl. Sie glauben sich in ihrer Seele sch\u00e4men zu m\u00fcssen, dass sie sich so versp\u00e4teten und bisher ihre Revolution nicht gemacht haben. Mit diesen Gef\u00fchlen betreten sie den Saal des Nikolaus-Palastes, und nun? \u2013 dort treten russische Kommunisten auf, die nicht nur einen sofortigen Appell zum Aufstand nicht fordern, sondern im Gegenteil auf jedwede Art vor jedem Abenteuer warnen und darauf beharren, dass man die sozialistischen Arbeiter heranziehe und die Majorit\u00e4t der Werkt\u00e4tigen erobere und sorgf\u00e4ltig vorbereite.<\/p>\n<p>Manche extrem Linke schlossen sogar, dass die Sache da einen Haken habe. Die halb feindlichen Elemente, wie z. B. die Delegierten der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands (diese Gruppe geh\u00f6rt der Internationale mit beratender Stimme an) begannen in dem Sinne zu argumentieren, dass die russische Sowjetrepublik vor kurzem in der Tat auf eine Revolution in Europa gehofft hatte und darauf ihre Politik aufbaute, aber nun sei ihr die Geduld ausgegangen, sie habe begonnen Handelsvertr\u00e4ge abzuschlie\u00dfen und habe durch ihr Volkskommissariat f\u00fcr Au\u00dfenhandel einen schwungvollen Welthandel entfaltet. Der Handel aber ist ein ernstes Ding und verlangt ruhige und friedliche Beziehungen. Es ist l\u00e4ngst bekannt, dass revolution\u00e4re Ersch\u00fctterungen dem Handel schaden, so seien wir vom Standpunkt des Kommissariats des Genossen Krassin daran interessiert, die Revolution m\u00f6glichst hinauszuschieben und zu vertagen. Die Hypothese unserer Opposition von Gnaden des Volkskommissariats f\u00fcr Au\u00dfenhandel gegen revolution\u00e4re Ersch\u00fctterungen ist um so kurioser, da erst im M\u00e4rz dieses Jahres, als in Deutschland sich die tragischen K\u00e4mpfe abspielten, von denen ich gleich reden will, K\u00e4mpfe, die mit einer schweren Niederlage eines Teiles der deutschen Arbeiterklasse endeten, \u2013 die deutschen b\u00fcrgerlichen und sozialdemokratischen Bl\u00e4tter und hinter ihnen die Presse der ganzen Welt zeterten, dass der M\u00e4rzaufstand hervorgerufen worden sei auf Befehl von Moskau, dass die Sowjetregierung, die damals schwere Tage (Bauernunruhen, Kronstadt usw.) durchmachte, zu ihrer Rettung den Befehl erteilt h\u00e4tte, in jedem Lande, unabh\u00e4ngig von der Situation, einen Aufstand ins Werk zu setzen. Nichts D\u00fcmmeres konnte ausgedacht werden! Aber kaum waren unsere Genossen-Delegierten aus Rom, Berlin und Paris nach Moskau gelangt, da war eine neue Theorie entstanden, diesmal aber auf dem anderen, extrem linken Fl\u00fcgel, die Theorie, dass wir nicht nur Aufst\u00e4nde sofort und unabh\u00e4ngig von der Situation nicht inszenieren, sondern im Gegenteil am gl\u00e4nzenden Verlauf unseres Handels interessiert seien und die Revolution hinausschieben m\u00f6chten. Welche von diesen beiden entgegengesetzten Dummheiten die d\u00fcmmere ist, ist kaum zu sagen. Wenn wir an den M\u00e4rzfehlern Schuld haben, insofern man hier von Schuld \u00fcberhaupt reden kann, so doch nur in dem Sinne, dass die Internationale als Ganzes und darunter auch unsere Partei die Erziehungsaufgabe auf dem Gebiet der revolution\u00e4ren Strategie bisher nicht gen\u00fcgend erf\u00fcllt und daher die M\u00f6glichkeit von falschen Aktionen und Methoden nicht ausgeschaltet hat. Es w\u00e4re ja \u00fcberhaupt eine Naivit\u00e4t, von einer vollkommenen Ausschaltung der Fehler zu tr\u00e4umen.<\/p>\n<p><strong><em>Die M\u00e4rz-Ereignisse in Deutschland.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Frage der M\u00e4rz-Ereignisse nahm auf dem Kongress im gewissen Sinne den Mittelpunkt ein, und zwar nicht zuf\u00e4llig: von allen kommunistischen Parteien ist die deutsche eine der st\u00e4rksten und theoretisch reifsten, und in der Revolutionsreihenfolge \u2013 wenn man sich so ausdr\u00fccken darf \u2013 steht Deutschland jedenfalls an erster Stelle \u2026 Die inneren Verh\u00e4ltnisse Deutschlands als einem besiegten Lande sind f\u00fcr die Revolution am g\u00fcnstigsten. Die numerische St\u00e4rke und die \u00f6konomische Bedeutung des deutschen Proletariats sind durchaus dazu angetan, dieser Revolution den Erfolg zu sichern. Es ist nur nat\u00fcrlich, dass die Methoden des Kampfes der deutschen Kommunistischen Partei von internationaler Bedeutung sind. Auf Deutschlands Boden spielten sich seit 1918 die gr\u00f6\u00dften Ereignisse des revolution\u00e4ren Kampfes ab, und hier kann man Plus und Minus an lebendiger Erfahrung pr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Worin bestanden die M\u00e4rz-Ereignisse? Die Proletarier Mitteldeutschlands, die Arbeiter des Bergwerkreviers, stellten bis vor kurzem noch, auch noch w\u00e4hrend des Krieges, einen der r\u00fcckst\u00e4ndigsten Teile der deutschen Arbeiterklasse dar: sie folgten in ihrer Majorit\u00e4t nicht den Sozialdemokraten, sondern den b\u00fcrgerlichen, patriotischen und kirchlichen Cliquen, waren kaisertreu usw. Ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen waren ausnehmend schwer. Gegen\u00fcber den Arbeitern Berlins nahmen sie eine Stellung ein, wie z. B. unsere r\u00fcckst\u00e4ndigen Ural-Arbeiter gegen\u00fcber den Arbeitern Petrograds. In revolution\u00e4ren Zeiten kommt es mitunter vor, dass der unterdr\u00fcckteste und r\u00fcckst\u00e4ndigste Teil der Arbeiterklasse, zum ersten Mal aufger\u00fcttelt durch den Donner der Ereignisse, mit der gr\u00f6\u00dften Energie in den Kampf geht und die Bereitschaft zeigt, sich unter allen Umst\u00e4nden zu schlagen und dabei nicht immer der Situation und der M\u00f6glichkeit des Sieges, d. h. den Forderungen der revolution\u00e4ren Strategie Rechnung tr\u00e4gt. W\u00e4hrend z. B. die Berliner oder die s\u00e4chsischen Arbeiter nach den Erfahrungen der Jahre 1919-20 viel vorsichtiger geworden sind \u2013 was ja seine positiven und negativen Seiten hat, \u2013 fahren die mitteldeutschen Arbeiter auf der Linie st\u00fcrmischer Aktionen, Streiks und Demonstrationen fort, entfernen ihre Werkmeister auf Karren, halten w\u00e4hrend der Arbeitszeit Versammlungen ab usw. Nat\u00fcrlich ist das mit den geheiligten Gesetzen der Ebert-Republik unvereinbar. Was Wunder, dass diese konservative Polizeirepublik in Gestalt ihres Polizeiagenten, des Sozialdemokraten H\u00f6rsing, beschlossen hatte, eine gewisse \u201eReinigung&#8220; vorzunehmen, d. h. die revolution\u00e4rsten Elemente fortzujagen, diese und jene Kommunisten zu verhaften u. a. m.<\/p>\n<p>Die Zentrale der deutschen Kommunistischen Partei hatte sich gerade um jene Zeit (Mitte M\u00e4rz) stark mit dem Gedanken befasst, dass eine aktivere revolution\u00e4re Politik zu verfolgen sei. Die deutsche Partei war kurz vordem entstanden aus dem alten Spartakusbund und der Majorit\u00e4t der Unabh\u00e4ngigen und hatte damit die Frage der Massenaktionen praktisch angeschnitten. Der Gedanke, dass es notwendig sei, eine aktivere Politik einzuschlagen, war unbedingt richtig. Doch welchen Ausdruck fand er in der Tat? Im Moment des Erlasses des Polizeisozialdemokraten H\u00f6rsing, der von den Arbeitern das verlangte, was bei uns wiederholt und vergebens die Kerenski-Regierung verlangte, n\u00e4mlich dass w\u00e4hrend der Arbeitszeit keine Versammlungen abgehalten werden, dass man das Eigentum der Fabriken als Heiligtum behandele usw., \u2013 in dem Moment erl\u00e4sst die Zentrale der Kommunistischen Partei den Appell zum Generalstreik zur Unterst\u00fctzung der mitteldeutschen Arbeiter. Der Generalstreik ist eine Sache, zu der sich die Arbeiterklasse nicht so leicht auf den ersten Ruf der Partei entschlie\u00dft, insbesondere wenn sie eine Reihe von Niederlagen hinter sich hat und um so mehr in einem Lande, wo neben der Kommunistischen Partei zwei sozialdemokratische Massenparteien bestehen, und wo der Gewerkschaftsapparat gegen sie ist. Wenn wir jedoch das Zentralorgan der Kommunistischen Partei \u201eDie Rote Fahne&#8220; in dieser ganzen Zeit von Tag zu Tag verfolgen, sehen wir, dass der Appell zum Generalstreik vollkommen unvorbereitet war. In Deutschland hat es im Verlauf der Revolution gen\u00fcgend Aderlasse gegeben, und die Polizeiattacke auf Mitteldeutschland konnte an sich nicht sofort die ganze deutsche Arbeiterklasse auf die Beine bringen. Einer ernsthaften Massenaktion h\u00e4tte offenbar eine weitgehende, und energische Agitation mit bestimmten Parolen vorangehen m\u00fcssen, die auf einen Punkt hinarbeitete, und die Agitation h\u00e4tte nur dann zu einem entschlosseneren Aktionsappell f\u00fchren k\u00f6nnen, wenn sie den Beweis erbracht h\u00e4tte, dass die Masse bereits lebendig erfasst und bereit ist, den Weg revolution\u00e4rer Aktionen vorw\u00e4rts zu gehen. Das ist das ABC der revolution\u00e4ren Strategie, aber gerade dieses ABC wurde w\u00e4hrend der M\u00e4rzaktionen vollkommen \u00fcbertreten. Kaum waren die Polizeitruppen in den mitteldeutschen Betrieben und Bergwerken angelangt, als dort in der Tat der Generalstreik erfolgte. Ich sagte bereits, dass in Mitteldeutschland die Bereitschaft zum sofortigen Kampfe vorhanden war, der Appell der Zentrale wurde sofort aufgenommen. Ganz anders im \u00fcbrigen Lande. Weder die innere noch die \u00e4u\u00dfere Lage Deutschlands bedingte einen solchen j\u00e4hen \u00dcbergang zur Aktivit\u00e4t. Die Masse hatte den Appell einfach nicht <strong><em>verstanden.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Unterdessen haben einige einflu\u00dfreiche Theoretiker der Kommunistischen Partei Deutschlands, anstatt den Fehler des Appells anzuerkennen, zu dessen Erkl\u00e4rung eine Theorie aufgestellt, wonach wir in revolution\u00e4ren Zeiten ausschlie\u00dflich eine Politik der Offensive, d. h. eine Politik des revolution\u00e4ren Angriffes verfolgen m\u00fcssen. Die M\u00e4rzaktion wird also der Masse als Offensive pr\u00e4sentiert. Man beurteile nun die Situation im Ganzen. Der Angriff ist in Wirklichkeit vom Sozialdemokraten H\u00f6rsing unternommen. Das muss ausgenutzt werden, um s\u00e4mtliche Arbeiter in der Verteidigung, im Schutz, in der Abwehr, \u2013 sei es zuerst auch nur in bescheidener Abwehr, zu vereinigen. Wenn der Boden g\u00fcnstig ist, findet die Agitation einen g\u00fcnstigen Widerhall, \u2013 man kann in den Generalstreik treten. Entfalten sich die Ereignisse weiter, so erheben sich die Massen, der Zusammenhang der Arbeiter w\u00e4chst, die Stimmung hebt sich, im Lager der Gegner herrscht Unentschlossenheit oder Zwiesp\u00e4ltigkeit, \u2013 dann kann die Parole der Offensive ausgegeben werden. Erweist sich jedoch der Boden als ung\u00fcnstig und die Bedingungen und Stimmungen der Massen entsprechen entscheidenderen Parolen nicht, dann muss ein m\u00f6glichst geordneter R\u00fcckzug angetreten werden, und unser Gewinn ist der, dass wir die Arbeiterklasse abgetastet haben, ihren inneren Zusammenhang gest\u00e4rkt und, \u2013 was die Hauptsache ist, \u2013 die Autorit\u00e4t der Partei als deren weise F\u00fchrerin in jeder Situation erh\u00f6ht haben. Was tut aber das f\u00fchrende Zentrum der deutschen Partei? Es klammert sich gewisserma\u00dfen an die erste beste Gelegenheit, und bevor diese Gelegenheit den Arbeitern zum Bewusstsein kommt und von ihnen angeeignet wird, wirft die Zentrale die Losung des Generalstreiks aus. Und bevor es der Partei gelungen ist, die Arbeiter in Berlin, Dresden, M\u00fcnchen zur Unterst\u00fctzung der mitteldeutschen Arbeiter aufzur\u00fctteln, \u2013 und das kann in wenigen Tagen geschehen, wenn man, ohne sich zu \u00fcberst\u00fcrzen, die Masse planm\u00e4\u00dfig und fest vorw\u00e4rts f\u00fchrt, \u2013 bevor die Partei diese Arbeit geleistet hat, wird verk\u00fcndet, unsere Aktion sei eine Offensive <em>\u2026<\/em><\/p>\n<p>Das hei\u00dft nun schon, die ganze Sache verpatzen und von vornherein die Bewegung l\u00e4hmen. Evident, dass die Offensive in diesem Stadium ganz und gar vom Feinde ausging. Man h\u00e4tte das moralische Element der <strong><em>Verteidigung <\/em><\/strong>ausnutzen, man h\u00e4tte das Proletariat des ganzen Landes aufrufen sollen, den Arbeitern Mitteldeutschlands zu Hilfe zu eilen. Die Form der Unterst\u00fctzung konnte in der ersten Zeit verschieden sein, bevor die Partei imstande gewesen w\u00e4re, eine verallgemeinernde Aktionslosung aufzustellen. Die Aufgabe der Agitation bestand darin, die Massen aufzur\u00fctteln, ihre Aufmerksamkeit auf die mitteldeutschen Ereignisse zu konzentrieren, politisch den Widerstand der Arbeiterb\u00fcrokratie zu brechen und dadurch einen wirklichen Generalstreik zu sichern, als eventuelle Basis einer weiteren Entwicklung des revolution\u00e4ren Kampfes. Aber was sah man anstatt dessen? Die revolution\u00e4re und aktive Minorit\u00e4t des Proletariats sah sich in der Aktion der Majorit\u00e4t gegen\u00fcbergestellt, bevor diese Majorit\u00e4t Zeit gehabt hatte, sich \u00fcber den Sinn der Ereignisse klar zu werden. Als die Partei auf die Passivit\u00e4t und das Zaudern der Arbeiterklasse stie\u00df, machten die ungeduldigen Elemente hie und da den Versuch, nicht durch Agitation, sondern durch mechanische Ma\u00dfnahmen die Majorit\u00e4t der Arbeiter auf die Stra\u00dfe zu treiben. Gewiss, wenn die Majorit\u00e4t der Arbeiter f\u00fcr den Streik ist, kann sie immer die Minorit\u00e4t zwingen, indem sie die Betriebe gewaltsam stilllegt und den Generalstreik zur Wirklichkeit macht. Das war wiederholt der Fall und wird stets der Fall sein, und nur Schwachk\u00f6pfe k\u00f6nnen etwas dagegen einwenden. Wenn aber die \u00fcberwiegende Majorit\u00e4t der Arbeiterklasse sich \u00fcber die Bewegung keine Rechenschaft gibt, mit ihr nicht sympathisiert oder an ihren Erfolg nicht glaubt, die Minorit\u00e4t aber vorw\u00e4rts st\u00fcrmt und mit mechanischen Mitteln die Arbeiter in den Streik zu treiben sucht, \u2013 dann kann diese ungeduldige Minorit\u00e4t in Gestalt der Partei mit der Arbeiterklasse in feindliche Kollision geraten und sich den Kopf einrennen.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn1\" name=\"_ednref1\">[i]<\/a><\/p>\n<p><strong><em>Die Strategie der deutschen Konterrevolution und die abenteuerlichen Elemente von links.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Betrachten wir unter diesem Gesichtswinkel die ganze Geschichte der deutschen Revolution. Im November 1918 findet der Sturz der Monarchie statt, und die Revolution des Proletariats tritt auf die Tagesordnung. Im Januar 1919 spielen sich die blutigen revolution\u00e4ren K\u00e4mpfe der proletarischen Vorhut gegen das b\u00fcrgerlich-demokratische Regime ab; diese K\u00e4mpfe wiederholen sich im M\u00e4rz 1919. Die Bourgeoisie orientiert sich rasch und arbeitet ihre Strategie aus: sie zerschmettert das Proletariat teilweise. Dabei gehen die besten F\u00fchrer der Arbeiterklasse zu Grunde, Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Im M\u00e4rz 1920, nach dem konterrevolution\u00e4ren Kapp-Putsch, der vom Generalstreik hinweggefegt worden ist, findet eine neue Teilaktion, der bewaffnete Kampf der Bergarbeiter des Ruhrgebietes, statt. Die Bewegung endet mit einer neuen Niederlage und neuen unz\u00e4hligen Opfern. Endlich, im M\u00e4rz 1921, ein neuer B\u00fcrgerkrieg, wieder eine Teilaktion, und eine neue Niederlage.<\/p>\n<p>Als im Januar und M\u00e4rz 1919 die deutschen Arbeiter sich teilweise erhoben, geschlagen wurden und ihre besten F\u00fchrer verloren, sagten wir eingedenk unserer eigenen Erfahrungen: das sind die Julitage der deutschen kommunistischen Partei. Man erinnere sich an die Julitage Petrograds im Jahre 1917 \u2026 Petrograd war dem Lande voran geeilt, st\u00fcrmte vorw\u00e4rts, die Provinz lie\u00df es an Unterst\u00fctzung fehlen, und in Kerenskis Armee fanden sich noch r\u00fcckst\u00e4ndige Regimenter genug, um die Bewegung zu brechen. Aber in Petrograd selbst war die \u00fcberwiegende Majorit\u00e4t des Proletariats bereits mit uns. Die Julitage in Petrograd wurden zur Voraussetzung des Oktober. Freilich, auch wir haben im Juli gewisse Torheiten begangen. Doch wir erhoben sie nicht zum System. Die Januar- und M\u00e4rzk\u00e4mpfe 1919 betrachteten wir als den deutschen \u201eJuli&#8220;. Aber darauf folgte in Deutschland nicht der \u201eOktober&#8220;, sondern der M\u00e4rz 1920 \u2013 eine neue Niederlage, ganz abgesehen von den kleineren Teilniederlagen und von der systematischen Vernichtung der besten lokalen F\u00fchrer der deutschen Arbeiterbewegung. Als wir, sage ich, die M\u00e4rzbewegung 1920 und dann die M\u00e4rzbewegung 1921 verfolgten, konnten wir nicht umhin, zu sagen: nein, Deutschland hat allzu viele Julitage, \u2013 wir wollen den Oktober.<\/p>\n<p>Ja, der deutsche Oktober, der Sieg der deutschen Arbeiterklasse, muss vorbereitet werden. Und hier erheben sich vor uns die Fragen der revolution\u00e4ren Strategie in ihrer ganzen Gr\u00f6\u00dfe. Es ist klipp und klar, dass die deutsche Bourgeoisie, d. h. ihr f\u00fchrender Kl\u00fcngel, die konterrevolution\u00e4re Strategie restlos entfaltet hat; sie provoziert einzelne Teile der Arbeiterklasse zu Aktionen, sie isoliert sie auf den einzelnen Gebieten, sie lauert ihnen mit geladenem Revolver auf und zielt stets nach dem Kopf, nach den besten Vertretern der Arbeiterklasse. Auf der Stra\u00dfe oder im Polizeigewahrsam, im offenen Kampf oder bei angeblichen Fluchtversuchen, durch die H\u00e4nde des Kriegsgerichtes oder die einer illegalen Bande, gehen Hunderte und Tausende von Kommunisten zu Grunde, die die besten Erfahrungen des Proletariats verk\u00f6rpern. Das ist eine streng berechnete Strategie, die kalten Blutes durchgef\u00fchrt wird und die sich auf die ganze Erfahrung der herrschenden Klasse st\u00fctzt.<\/p>\n<p>Und nun, unter diesen Verh\u00e4ltnissen, da die deutsche Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit instinktiv f\u00fchlt, dass man mit blo\u00dfen H\u00e4nden einem solchen Feinde nicht beikommen kann, dass hier nicht nur Enthusiasmus erforderlich ist, sondern auch k\u00fchle Berechnung, ein klarer Standpunkt und eine ernsthafte Vorbereitung und sie all das von ihrer Partei erwartet, \u2013 da wird ihr von oben dargeboten: unsere Pflicht ist, nur eine Offensivstrategie zu f\u00fchren, d. h. in allen F\u00e4llen anzugreifen, denn wir sind ja in die revolution\u00e4re Periode getreten. Das ist ungef\u00e4hr dasselbe, als wenn der Armeef\u00fchrer sagen wollte: da wir in den Krieg getreten sind, so ist es unsere Pflicht, \u00fcberall stets anzugreifen. Ein solcher F\u00fchrer w\u00fcrde unvermeidlich geschlagen werden, selbst bei einer \u00dcberlegenheit seiner Kr\u00e4fte \u2026 Noch mehr, es finden sich Theoretiker, wie der deutsche Kommunist Maslow, die hinsichtlich der M\u00e4rzereignisse sich in geradezu ungeheuerliche Dinge hineinreden: \u201eUnsere Gegner&#8220;, sagt Maslow, \u201erechnen unserer M\u00e4rzaktion das zur Schuld an, was wir als unser Verdienst betrachten, n\u00e4mlich dass die Partei in den Kampf getreten ist, ohne sich zu fragen, ob die Arbeiterklasse ihr folgen wird oder nicht.&#8220; Das ist ein fast w\u00f6rtliches Zitat. Vom Standpunkt des subjektiven Revolutionismus oder der linken Sozialrevolution\u00e4re ist dies ausgezeichnet. Aber vom Standpunkt des Marxismus ungeheuerlich!<\/p>\n<p><strong><em>Die abenteuerlichen Tendenzen und die \u2026 vierte Internationale.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u201eUnsere revolution\u00e4re Pflicht erfordert von uns eine Offensive gegen die Deutschen&#8220;, proklamierten die linken Sozialrevolution\u00e4re im Juli 1918. Wir werden geschlagen werden? Aber unsere Pflicht ist, vorw\u00e4rts zu marschieren. Die Arbeitermasse will nicht? Nun, man kann eine Bombe auf Mirbach werfen, um den russischen Arbeitern den Kampf aufzuzwingen, in dem sie unvermeidlich untergehen m\u00fcssen. Derartige Stimmungen sind sehr stark in der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands vertreten. Das ist eine kleine Gruppe <strong><em>proletarischer Links-Sozialrevolution\u00e4re. <\/em><\/strong>Unsere linken Sozialrevolution\u00e4re haben, oder richtiger hatten haupts\u00e4chlich ihre Wurzeln in der Intelligenz und im Bauerntum; darin besteht ihr sozialer Unterschied, aber die politischen Methoden sind dieselben: ein hysterischer Revolutionismus, die Bereitschaft, in jedem beliebigen Moment die extremsten Methoden und Mittel anzuwenden, ohne die Masse und die allgemeine Situation zu ber\u00fccksichtigen, Ungeduld statt Berechnung, eine Berauschung durch revolution\u00e4re Phrasen, \u2013 all das charakterisiert die KAPD zur Gen\u00fcge. Auf dem Kongress sagte einer der Redner im Namen der Partei ungef\u00e4hr folgendes: \u201eWas wollen Sie? Die Arbeiterklasse Deutschlands ist durchdrungen (er sagte sogar: \u201everseucht&#8220;) von Philisterhaftigkeit, Spie\u00dfb\u00fcrgertum, kleinb\u00fcrgerlichem Geist, \u2013 was wollen Sie mit ihr anfangen? Ohne wirtschaftliche Sabotage kriegt man sie nicht auf die Stra\u00dfe&#8220; \u2026 Und als man ihn fragte, was das bedeute, erkl\u00e4rte er: sobald die Arbeiter anfangen, besser zu leben, beruhigen sie sich und wollen die Revolution nicht; w\u00fcrde man aber mechanisch den Gang der Produktion st\u00f6ren, die Fabriken, Eisenbahnen usw. sprengen, so w\u00fcrde es die Lage der Arbeiterklasse verschlechtern und sie infolgedessen revolutionsf\u00e4higer machen. Man vergesse nicht, dass dies der Vertreter einer \u201eArbeiterpartei&#8220; sagt. Das ist ja absoluter Skeptizismus! \u2026 Es geht darauf hinaus, dass, wenn man dieselbe Schlussfolgerung f\u00fcr die Dorfbev\u00f6lkerung ziehen wollte, die fortgeschrittenen Bauern Deutschlands die D\u00f6rfer anstecken und im ganzen Lande den roten Hahn aufs Dach setzen sollten, um so die Landbev\u00f6lkerung zu revolutionieren. Man muss unwillk\u00fcrlich daran denken, dass in der allerersten Periode der revolution\u00e4ren Bewegung in Russland, in den 60er Jahren, als die revolution\u00e4ren Intellektuellen v\u00f6llig machtlos waren, sich in der Aktion zu zeigen, in Zirkel gepresst waren und best\u00e4ndig auf die Passivit\u00e4t der Bauernmassen stie\u00dfen, \u2013 dass namentlich damals gewisse Gruppen (die sogenannten <strong><em>Netschajewzi) <\/em><\/strong>auf den Gedanken verfielen, Brandstiftungen w\u00e4ren ein wirklicher Faktor der russischen politischen Entwicklung \u2026 Es ist ja klar, dass eine solche Sabotage, die sich im Grunde genommen gegen die Majorit\u00e4t der Arbeiterklasse richtet, ein antirevolution\u00e4res Mittel ist, das die \u201eArbeiterpartei&#8220; mit der Arbeiterklasse in Kollision bringt, eine Arbeiterpartei, deren Mitgliederzahl sich schwer bestimmen l\u00e4sst, aber jedenfalls h\u00f6chstens 30-40.000 betr\u00e4gt, w\u00e4hrend die VKPD. bekanntlich ca. 400.000 Mitglieder hat.<\/p>\n<p>Der Kongress behandelte die Frage der KAPD kategorisch und stellte dieser Organisation die Forderung, in den n\u00e4chsten drei Monaten einen Parteitag einzuberufen und sieh mit der VKPD zu verschmelzen oder endg\u00fcltig sich au\u00dferhalb der Kommunistischen Internationale zu stellen. Vieles spricht daf\u00fcr, dass die KAPD in Gestalt ihrer jetzigen anarchistisch-abenteuerlichen Spitzen sich dem Beschluss der Internationale nicht f\u00fcgen wird und, nachdem sie sich au\u00dferhalb der Internationale sehen wird, wahrscheinlich den Versuch unternehmen wird, gemeinsam mit anderen \u201eextrem linken&#8220; Elementen eine vierte Internationale zu gr\u00fcnden. In dieselbe Trompete hat auf dem Kongress auch unsere Genossin Kollontai ein bisschen geblasen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass unsere Partei einstweilen den Grundstock der Kommunistischen Internationale bildet. Indessen hat Genossin Kollontai die Lage in unserer Partei so dargestellt, als m\u00fcssten die Arbeitermassen fr\u00fcher oder sp\u00e4ter mit der Genossin Kollontai an der Spitze, die \u201edritte Revolution&#8220; machen, um ein \u201ewirkliches&#8220; Sowjetregime einzuf\u00fchren. Warum jedoch die dritte und nicht die vierte? Die dritte Revolution fand ja im Namen des \u201ewirklichen&#8220; Sowjetregimes im Februar in Kronstadt statt. \u2026 Es gibt auch noch \u201eErzlinke&#8220; in Holland. Vielleicht auch in den anderen L\u00e4ndern. Ich wei\u00df nicht, ob alle mitgez\u00e4hlt sind. Aber jedenfalls ist ihre Zahl nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig gro\u00df, und die 4. Internationale, \u2013 wenn eine solche entstehen sollte, \u2013 w\u00fcrde von der Gefahr der allzu gro\u00dfen Zahl am wenigsten bedroht sein. Nat\u00fcrlich w\u00e4re es schade, auch eine kleine Gruppe zu verlieren, denn darunter gibt es unzweifelhaft gute Arbeiterk\u00e4mpfer. Wenn aber diese sektiererische Spaltung eintreten sollte, werden wir in der n\u00e4chsten Zeit nicht nur zur rechten Hand eine Internationale Nr. 2\u00bd haben, sondern auch von links eine Internationale Nr. 4, wo Subjektivismus, Hysterie, Abenteuerlust und revolution\u00e4re Phrase in vollendeter Gestalt vertreten sein werden. Wir haben so einen \u201elinken&#8220; Popanz erhalten, an dem wir die Arbeiterklasse Strategie lehren werden. Jedes Ding hat also zwei Seiten: eine positive und eine negative.<\/p>\n<p><strong><em>Die linken Fehler und die russische Erfahrung.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Aber auch innerhalb der&#8216; VKPD gab es antimarxistische Tendenzen, die sich im M\u00e4rz und nach dem M\u00e4rz deutlich zeigten. Ich zitierte bereits die merkw\u00fcrdigen Betrachtungen Maslows Doch Maslow steht nicht vereinzelt da. In Wien erscheint eine Zeitschrift, \u201eKommunismus&#8220;, ein Organ der Kommunistischen Internationale in deutscher Sprache. Im Juni-Heft dieser Zeitschrift, in einem Artikel, der sich mit der Lage in der Internationale befasst, kann man ungef\u00e4hr folgendes lesen: \u201eDas Hauptmerkmal unserer jetzigen Revolutionsperiode ist, dass wir auch Teilaktionen, darunter auch Wirtschaftsk\u00e4mpfe, d. h. Streiks, mit Mitteln des Endkampfes, d. h. mit der Waffe in der Hand ausfechten m\u00fcssen.&#8220; Das ist eine auf den Kopf gestellte Strategie! \u2026 W\u00e4hrend die Bourgeoisie uns zu blutigen <strong><em>Teil<\/em><\/strong>k\u00e4mpfen provoziert, m\u00f6chten einige unserer Strategen diese K\u00e4mpfe zur Regel erheben. Ist das nicht ungeheuerlich? Die objektive Lage ist in Europa tief revolution\u00e4r. Die Arbeiterklasse f\u00fchlt es und dr\u00e4ngt w\u00e4hrend der ganzen Nachkriegsperiode vorw\u00e4rts in den Kampf mit der Bourgeoisie. Aber den Sieg hat sie nirgends, au\u00dfer in Russland, erlangt. Dann fing sie an einzusehen, dass sie es mit einer schwierigen Aufgabe zu tun hat und begann, sich einen Apparat zum Siege, die kommunistische Partei, auszubauen. In dieser Richtung hat sie im letzten Jahre in Europa Siebenmeilenschritte vorw\u00e4rts getan. Gerade jetzt entstehen wirkliche kommunistische Massenparteien in Deutschland, in Frankreich, in der Tschechoslowakei, in Jugoslawien, in Bulgarien \u2026 Ein ungeheures Wachstum! Worin besteht die n\u00e4chste Aufgabe? Darin, dass diese Parteien in k\u00fcrzester Frist die Majorit\u00e4t der Industriearbeiter und einen betr\u00e4chtlichen Teil der Landarbeiter und sogar die armen Bauern erobern, wie wir sie vor dem Oktober erobert haben, \u2013 sonst h\u00e4tten wir ja keinen Oktober gehabt. Anstatt dessen behaupten gewisse traurige Strategen, da die Periode jetzt revolution\u00e4r sei, so h\u00e4tten wir die Pflicht, bei jeder Gelegenheit den Kampf, wenn auch nur den Teilkampf, mit den Methoden des bewaffneten Aufstandes zu f\u00fchren. Die Bourgeoisie kann sich nichts Besseres w\u00fcnschen! Zu der Zeit, da die kommunistische Partei mit vortrefflicher Schnelligkeit anw\u00e4chst und ihre Fittiche immer mehr und mehr \u00fcber die Arbeiterklasse ausbreitet, provoziert die Bourgeoisie den ungeduldigen und kampfbereiten Teil der Arbeiter zu voreiligem Kampfe, ohne Unterst\u00fctzung der Grundmasse der Arbeiter, damit im teilweise geschlagenen Proletariat der Glaube und die F\u00e4higkeit des Siegens untergraben werde. Unter diesen Umst\u00e4nden ist die Theorie der best\u00e4ndigen Offensive und der Teilk\u00e4mpfe mit Mitteln des bewaffneten Aufstandes Wasser auf die M\u00fchle der Konterrevolution. Das ist der Grund, warum auf dem 3. Kongress die russische Partei, unterst\u00fctzt von ihren reifsten Elementen, zu den Genossen des linken Fl\u00fcgels mit fester Stimme sprach: \u201eIhr seid ausgezeichnete Revolution\u00e4re, und Ihr werdet f\u00fcr die Sache des Kommunismus Euch zu schlagen und unterzugehen wissen, aber dies gen\u00fcgt uns nicht. Es gen\u00fcgt nicht, sich zu schlagen, man muss siegen.&#8220; Und dazu muss man die Kunst der revolution\u00e4ren Strategie beherrschen.<\/p>\n<p>Eine der Hauptursachen der Untersch\u00e4tzung der Schwierigkeiten des revolution\u00e4ren Kampfes und Sieges in Europa war der Verlauf der proletarischen Revolution in Russland und teilweise in Ungarn. Wir hatten in Russland eine historisch versp\u00e4tete, politisch schwache Bourgeoisie, in gro\u00dfer Abh\u00e4ngigkeit vom europ\u00e4ischen Kapital und politisch nur schwach im russischen Volke wurzelnd. Andererseits hatten wir eine revolution\u00e4re Partei mit einer gro\u00dfen Vergangenheit unterirdischer Arbeit, mit einer starken Erziehung und Ausdauer im Kampfe, eine Partei, die die ganze Erfahrung des europ\u00e4ischen und internationalen revolution\u00e4ren Kampfes bewusst ausnutzte. Die Lage des russischen Bauerntums \u2013 in Bezug auf die Bourgeoisie und in Bezug auf das Proletariat, \u2013 der Charakter und die Verfassung der russischen Armee nach dem milit\u00e4rischen Zusammenbruch des Zarismus, \u2013 all das machte die Oktober-Revolution unvermeidlich und erleichterte den revolution\u00e4ren Sieg au\u00dferordentlich (obwohl dieser Sieg weiteren Schwierigkeiten nicht enthob, sondern, im Gegenteil, sie im gigantischen Ausma\u00df bereitete). Infolge der relativen Leichtigkeit der Oktoberrevolution stellte sich der Sieg des russischen Proletariats den Augen der leitenden Kreise der europ\u00e4ischen Arbeiter nicht gen\u00fcgend als politisch-strategische Aufgabe dar und wurde in dieser Hinsicht von ihnen nicht gen\u00fcgend erfasst.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Erfahrung in der Machtergreifung durch das Proletariat wurde in kleinerem Ma\u00dfe, aber n\u00e4her an Europa \u2013 in Ungarn \u2013 gesammelt. Dort ergaben sich solche Verh\u00e4ltnisse, dass die Macht fast ohne revolution\u00e4ren Kampf den Kommunisten zufiel. Dadurch allein reduzierten sich die Fragen der revolution\u00e4ren Strategie w\u00e4hrend <strong><em>des Kampfes um die Macht <\/em><\/strong>auf ein Minimum.<\/p>\n<p>Aus den Erfahrungen Russlands und Ungarns erkannten nicht nur die Arbeitermassen, sondern auch die kommunistischen Parteien der anderen L\u00e4nder vor allem die Unvermeidlichkeit des Sieges des Proletariats und dann gingen sie unmittelbar zur Erfassung der Schwierigkeiten \u00fcber, die sich aus dem Sieg der Arbeiterklasse ergeben. Was aber die <strong><em>Strategie des revolution\u00e4ren Kampfes <\/em><\/strong>im Namen der Machtergreifung betrifft, so stellte sie sich ihn allzu einfach und gewisserma\u00dfen selbstverst\u00e4ndlich vor. Es ist kein Zufall, dass einige hervorragende ungarische Genossen mit gro\u00dfen Verdiensten vor der Internationale die Tendenz aufweisen, die Fragen der Taktik des Proletariats in der revolution\u00e4ren Epoche au\u00dferordentlich zu vereinfachen und diese Taktik durch eine Offensivparole zu ersetzen.<\/p>\n<p>Der 3. Kongress sagte zu den Kommunisten aller L\u00e4nder: der Gang der russischen Revolution ist ein sehr wichtiges historisches <strong><em>Beispiel, <\/em><\/strong>aber keineswegs eine politische <strong><em>Regel<\/em><\/strong>. Und ferner: nur ein <strong><em>Verr\u00e4ter <\/em><\/strong>kann die Notwendigkeit der revolution\u00e4ren Offensive leugnen, aber nur ein <strong><em>Dummkopf <\/em><\/strong>kann die ganze revolution\u00e4re Strategie auf die Offensive zur\u00fcckf\u00fchren.<\/p>\n<p><strong><em>Die positiven und negativen Seiten der Franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich der Politik der Franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei hatten wir weniger st\u00fcrmische Debatten, als in der der deutschen Politik, wenigstens auf dem Kongress selber; aber in der Sitzung der Exekutive entspannen sich bei uns einmal bei der Diskussion der Fragen der franz\u00f6sischen Arbeiterbewegung ziemlich erregte Debatten. Die Franz\u00f6sische Kommunistische Partei ist ohne die \u00e4u\u00dferen und inneren Ersch\u00fctterungen der deutschen Partei entstanden. Infolgedessen sind in ihr die zentristischen Stimmungen und die alten Methoden des parlamentarischen Sozialismus unzweifelhaft noch sehr stark. Das franz\u00f6sische Proletariat kannte in der j\u00fcngsten Vergangenheit keinen revolution\u00e4ren Kampf, der seine alten revolution\u00e4ren Traditionen neu belebt h\u00e4tte. Die franz\u00f6sische Bourgeoisie ist aus dem Kriege siegreich hervorgegangen; das verlieh ihr die M\u00f6glichkeit, bis zur letzten Zeit auf Kosten der Auspl\u00fcnderung Deutschlands dem privilegierten Teil der Arbeiterklasse Almosen zuzuwerfen. Der revolution\u00e4re Klassenkampf ist jetzt in Frankreich erst im Entstehen begriffen. Vor Beginn der ersten ernsthaften K\u00e4mpfe hatte die Franz\u00f6sische Kommunistische Partei die M\u00f6glichkeit, sich die revolution\u00e4re Erfahrung Russlands und Deutschlands zunutze zu machen und anzueignen. Es gen\u00fcgt daran zu erinnern, dass in Deutschland der B\u00fcrgerkrieg bereits in vollem Gange war, als die Kommunisten erst ein kleines H\u00e4uflein Spartakisten darstellten, w\u00e4hrend dagegen in Frankreich es nach dem Kriege noch keinen offenen revolution\u00e4ren Kampf gab, und die Kommunistische Partei schon 120.000 Arbeiter in ihren Reihen vereinigt. Ber\u00fccksichtigt man die revolution\u00e4ren Syndikalisten Frankreichs, die die Partei \u201enicht anerkennen&#8220;, obwohl sie den Kampf um die Diktatur des Proletariats unterst\u00fctzen, ber\u00fccksichtigt man, dass in Frankreich die Organisation niemals so stark war, wie in Deutschland, so wird es einleuchten, dass diese 120.000 organisierten Kommunisten f\u00fcr Frankreich nicht weniger aber vielleicht sogar mehr bedeuten, als die 400.000 f\u00fcr Deutschland. Dies geht am deutlichsten daraus hervor, dass in Deutschland rechts von diesen 400.000 die Parteien der Unabh\u00e4ngigen und der Sozialdemokraten stehen, die zusammengenommen mehr Mitglieder und Anh\u00e4nger aufweisen, als die Kommunisten, w\u00e4hrend in Frankreich rechts von den Kommunisten nur die geringf\u00fcgige Gruppe der abgesplitterten Anh\u00e4nger von Longuet und Renaudel steht. Auch in der Gewerkschaftsbewegung Frankreichs ist das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis f\u00fcr den linken Fl\u00fcgel g\u00fcnstiger. Daf\u00fcr aber ist das Verh\u00e4ltnis der Klassenkr\u00e4fte in Deutschland unzweifelhaft g\u00fcnstiger f\u00fcr eine siegreiche Revolution. Mit anderen Worten: in Frankreich st\u00fctzt sich die Bourgeoisie noch in bedeutendem Grade auf ihren eigenen Apparat \u2013 Armee, Polizei usw.; in Deutschland st\u00fctzt sie sich vorwiegend auf die Sozialdemokratie und die Gewerkschaftsb\u00fcrokratie.<\/p>\n<p>Die Franz\u00f6sische Kommunistische Partei hat die absolute und ungeteilte M\u00f6glichkeit, die F\u00fchrung der Arbeiterbewegung zu \u00fcbernehmen, bevor entscheidende Ereignisse eingetreten sein werden. Dazu m\u00fcsste aber der franz\u00f6sische Kommunismus endg\u00fcltig seine alte Schale der politischen Konventionen und Halbheiten abstreifen, die in Frankreich kompakter war als irgendwo. Die franz\u00f6sische Partei braucht ein entschlosseneres Anpacken der Ereignisse, einen energischeren und unpers\u00f6nlicheren Charakter und Ton der Agitation, eine sch\u00e4rfere Stellungnahme zu allen m\u00f6glichen Erscheinungen der demokratisch-parlamentarischen Ideologie des intellektuellen Individualismus und des advokatischen Strebertums. Bei der Besprechung der Politik der franz\u00f6sischen Partei wurde in der Exekutive der Kommunistischen Internationale darauf hingewiesen, dass die Partei diese und jene Fehler beging, dass die kommunistischen Abgeordneten im Parlament mitunter sich allzu sehr mit ihren b\u00fcrgerlichen Feinden \u201eunterhalten&#8220;, anstatt sich \u00fcber ihre K\u00f6pfe hinweg an die Massen zu wenden; dass die Parteizeitungen eine viel klarere und sch\u00e4rfere Sprache f\u00fchren sollten, damit die unterdr\u00fcckten und niedergehaltenen franz\u00f6sischen Arbeiter hier einen Widerhall ihrer Leiden, Forderungen und Hoffnungen f\u00fchlen. W\u00e4hrend dieser Debatten trat ein junger franz\u00f6sischer Genosse auf und verschob in einer leidenschaftlichen Rede, die die Zustimmung eines Teiles der Versammlung ausl\u00f6ste, die Kritik der Parteipolitik auf eine ganz andere Ebene. \u201eAls die franz\u00f6sische Regierung zu Beginn dieses Jahres das Ruhrgebiet besetzen wollte&#8220;, sagte dieser Vertreter der Jugend, \u201eund die Neunzehnj\u00e4hrigen mobilisiert wurden, da rief die Partei nicht zum Widerstande auf und zeigte dadurch ihre v\u00f6llige Unzul\u00e4nglichkeit.&#8220; Was f\u00fcr einen Widerstand? fragten wir. \u201eDie Partei appellierte nicht an die Neunzehnj\u00e4hrigen, sich dem Mobilmachungsbefehl zu widersetzen.&#8220; Was verstehen Sie unter Widersetzen? fragten wir. Hei\u00dft es, sich nicht freiwillig melden und warten, bis ein Gendarm oder ein Polizist in die Wohnung kommt? Oder bedeutet es, einen aktiven Widerstand mit der Waffe in der Hand gegen den Gendarmen und den Polizisten? Dieser junge Genosse, der auf uns alle einen ausgezeichneten Eindruck machte, rief sogleich: \u201eGewiss, bis zu Ende gehen, mit der Waffe in der Hand Widerstand leisten \u2026&#8220; Da erst zeigte sich, wie unklar und verworren die Vorstellungen \u00fcber revolution\u00e4re Taktik noch im Bewusstsein gewisser Elemente sind. Wir fingen dann mit unserem jungen Opponenten an zu diskutieren: Bei Euch in Frankreich stehen jetzt unter der Trikolore der imperialistischen Armee einige Jahresklassen. Eure Regierung glaubt, sie m\u00fcsste noch eine Klasse, die Neunzehnj\u00e4hrigen, einberufen. Diese Klasse z\u00e4hlt im Lande, sagen wir 200.000 J\u00fcnglinge, darunter sind, angenommen, 3-5 Tausend Kommunisten. Sie sind zersplittert, unorganisiert, der eine auf dem Lande, der andere in der Stadt. Wir wollen einen Moment lang zugeben, dass die Partei sie in der Tat aufruft, bewaffneten Widerstand zu leisten. Wie viel Agenten der Bourgeoisie dabei erschlagen werden w\u00fcrden, kann ich nicht sagen, aber sicher ist, dass alle Kommunisten der Jahresklasse der Neunzehnj\u00e4hrigen ohne Ausnahme ausgehoben und vernichtet worden w\u00e4ren. Warum ruft Ihr die Jahresklassen, die in der Armee sind, nicht, zum Aufstand auf? Sie haben ja Waffen und sind vereinigt. Darum, weil Ihr offenbar einseht, dass die Armee nicht gegen die Konterrevolution losgehen wird, so lange die Arbeiterklasse in ihrer Majorit\u00e4t nicht die Bereitschaft zeigt, den Kampf um die Macht aufzunehmen, mit anderen Worten, so lange die proletarische Revolution nicht begonnen hat. Wieso verlangt Ihr, dass die Revolution nicht von der ganzen Arbeiterklasse, sondern allein von der Jahresklasse 19 gemacht werde? H\u00e4tte die kommunistische Partei einen solchen Befehl erlassen \u2013 wir wollen es f\u00fcr einen Augenblick zugeben \u2013 so w\u00e4re es ein gefundenes Fressen f\u00fcr Millerand, f\u00fcr Briand, f\u00fcr Barthou, f\u00fcr alle Kandidaten der Unterdr\u00fcckung der proletarischen Revolution. Denn es ist vollkommen klar, dass sobald der st\u00fcrmische Teil der Jugend vernichtet und der r\u00fcckst\u00e4ndigere eingesch\u00fcchtert worden w\u00e4re, die Partei isoliert, und ihr Einfluss f\u00fcr Jahre hindurch untergraben worden w\u00e4re. Mit solchen Methoden, d. h. durch die ungeduldige Anwendung der sch\u00e4rfsten Formen des revolution\u00e4ren Kampfes kann man blo\u00df negative Resultate erzielen unter Verh\u00e4ltnissen, die f\u00fcr das entscheidende Treffen nicht reif sind, und es sogar zu einer revolution\u00e4ren Fr\u00fchgeburt anstatt einer kr\u00e4ftigen revolution\u00e4ren Entbindung bringen.<\/p>\n<p>Ein klassisches Beispiel eines vollkommen unvorbereiteten Appells zur Massenaktion bietet der Versuch des Generalstreiks im Mai 1920. Bekanntlich wurde die Idee dieses Streiks in verr\u00e4terischer Weise von den Syndikalisten-Reformisten stark \u201eunterst\u00fctzt&#8220;. Ihr Bestreben ging dahin, die Bewegung nicht aus der Hand zu verlieren und sie bei der ersten besten Gelegenheit umso leichter preiszugeben. Sie hatten Erfolg darin. Aber in ihrem verr\u00e4terischen Unterfangen sind diese Leute nur ihrer Natur treu geblieben. Nichts anderes war von ihnen auch zu erwarten. Unterdessen hatte die andere Seite, die revolution\u00e4ren Syndikalisten und Kommunisten, die Bewegung gar nicht vorbereitet. Die Initiative ging vom Eisenbahnerverband aus, von dem damals die Linken zuerst Besitz ergriffen hatten, mit Monmousseau an der Spitze. Bevor sie Zeit hatten, sich einigerma\u00dfen zu befestigen und die n\u00f6tigen Positionen zu sichern, bevor sie Zeit hatten, sich einigerma\u00dfen umzusehen, beeilten sie sich, die Massen zur entscheidenden Aktion aufzurufen, mit verworrenen und unbestimmten Parolen bei verr\u00e4terischer \u201eUnterst\u00fctzung&#8220; von rechts. Das war eine in jeder Hinsicht unvorbereitete Aktion. Die Resultate sind allbekannt; lediglich eine kleine Minorit\u00e4t machte mit, die Opportunisten w\u00fcrgten die weitere Entwicklung des Streikes ab, die Gegenrevolution n\u00fctzte die zum Vorschein gekommene Schw\u00e4che der Linken durch die Bank aus und befestigte ihre Positionen au\u00dferordentlich.<\/p>\n<p>Derartige leichtsinnige Improvisationen sind in der Bewegung unzul\u00e4ssig. Man muss die Situation viel besser beurteilen k\u00f6nnen, man muss die Bewegung beharrlich, energisch, mit allen Gebieten koordiniert vorbereiten, damit man sie nachdem, sobald das Signal gegeben ist, fest und entschlossen durchf\u00fchren kann. Aber dazu braucht man eine kommunistische Partei, die die Erfahrungen des Proletariats auf allen Kampfgebieten vereinigt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich befreit uns allein das Vorhandensein der Partei nicht von Fehlern. Aber der Mangel der Partei als leitender Avantgarde macht Fehler unvermeidlich und verwandelt den ganzen Kampf in eine Reihe von Improvisationen, Experimenten und Abenteuern.<\/p>\n<p><strong><em>Kommunismus und Syndikalismus in Frankreich.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das Verh\u00e4ltnis der Kommunistischen Partei zur Arbeiterklasse ist, wie gesagt, in Frankreich g\u00fcnstiger als in Deutschland. Doch der politische Einfluss der Partei auf die Arbeiterklasse, der dank der Linksorientierung der Partei au\u00dferordentlich gewachsen ist, hat in Frankreich nicht genug Form gewonnen, insbesondere in organisatorischer Hinsicht. Das ist am klarsten an der Frage der Gewerkschaften zu erkennen.<\/p>\n<p>In Frankreich bilden die syndicats (Gewerkschaftsverb\u00e4nde) weniger eine Organisation der Millionenmassen als in Deutschland und den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern. Aber auch in Frankreich<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn2\" name=\"_ednref2\">[ii]<\/a> hat die numerische St\u00e4rke der Gewerkschaften in den letzten Jahren au\u00dferordentlich zugenommen. Das Verh\u00e4ltnis der Partei zur Klasse dr\u00fcckt sich vor allem im Verh\u00e4ltnis der Partei zu den Gewerkschaften aus. Schon allein daraus, aus dieser einfachen Formulierung der Frage, geht hervor, wie unrichtig, unrevolution\u00e4r und gef\u00e4hrlich die Theorie der sogenannten Neutralit\u00e4t, der v\u00f6lligen \u201eUnabh\u00e4ngigkeit&#8220; der Gewerkschaften von der Partei usw. ist. Sind die Gewerkschaften ihrer Tendenz nach eine Organisation der ganzen Arbeiterklasse, \u2013 wie kann dann die Arbeiterklasse gegen\u00fcber der Partei neutral oder \u201eunabh\u00e4ngig&#8220; sein? Das w\u00fcrde ja ihre Neutralit\u00e4t, d. h. ihre v\u00f6llige Gleichg\u00fcltigkeit gegen\u00fcber der Revolution selbst bedeuten. Unterdessen vermissen wir bis jetzt in der ganzen franz\u00f6sischen Arbeiterbewegung in dieser Grundfrage die n\u00f6tige Klarheit, und vor allem fehlt diese Klarheit in der Partei selbst.<\/p>\n<p>Die Theorie der vollkommenen und unbedingten Arbeitsteilung zwischen Partei und Gewerkschaften sowie der absoluten gegenseitigen Nichteinmischung ist in diesem extremen Ausdruck ein Produkt namentlich der franz\u00f6sischen politischen Entwicklung. Die Grundlage dieser Theorie ist der reinste Opportunismus. So lange wie die gewerkschaftlich organisierte Arbeiteraristokratie Tarifvertr\u00e4ge abschlie\u00dft und die sozialistische Partei im Parlament Reformen verficht, sind Arbeitsteilung und gegenseitige Nichteinmischung noch einigerma\u00dfen m\u00f6glich. Doch sobald die wirklich proletarische Masse in den Kampf hineingezogen wird und die Bewegung einen wirklich revolution\u00e4ren Charakter annimmt, artet das Prinzip der Nichteinmischung in reaktion\u00e4re Scholastik aus. Die Arbeiterklasse kann nur dann siegen, wenn an ihrer Spitze eine Organisation steht, die die lebendige historische Erfahrung, theoretisch verallgemeinert, und praktisch ihren ganzen Kampf lenkend, verk\u00f6rpert. Dem Sinne ihrer historischen Aufgabe nach kann die Partei nur die bewusstere und aktivere Minorit\u00e4t der Arbeiterklasse umfassen. Die Gewerkschaften streben nicht, die Arbeiterklasse in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Wer zugibt, dass das Proletariat einer geistigen und politischen Leitung ihrer zur Kommunistischen Partei zusammengeschlossenen Avantgarde bedarf, der erkennt damit an, dass die Partei auch innerhalb der Gewerkschaften, d. h. der Massenorganisationen der Arbeiterklasse zur f\u00fchrenden Macht werden muss. In der franz\u00f6sischen Partei gibt es jedoch Genossen, die diese elementare Wahrheit nicht erfasst haben, und die, wie z. B. Verdier, einen unvers\u00f6hnlichen Kampf um die ,,Unantastbarkeit&#8220; der Gewerkschaften gegen\u00fcber den Parteieinfl\u00fcssen f\u00fchren. Evident, dass solche Genossen aus purem Missverst\u00e4ndnis in die Partei eingetreten sind, denn ein Kommunist, der die Aufgabe und die Verpflichtung der Kommunistischen Partei gegen\u00fcber den Gewerkschaften leugnet, ist kein Kommunist.<\/p>\n<p>Es versteht sich von selbst, dass dies nicht eine organisatorische oder \u00e4u\u00dferliche Unterwerfung der Gewerkschaften unter die Partei bedeutet. In organisatorischer Hinsicht sind die Gewerkschaften unabh\u00e4ngig. Innerhalb der Gewerkschaften hat die Partei den Einfluss, den sie sich durch ihre Arbeit, ihre geistige Einwirkung und ihre Autorit\u00e4t erobert. Aber damit sagen wir, dass die Partei verpflichtet ist, eine m\u00f6glichste Steigerung ihres Einflusses in den Gewerkschaften anzustreben, sie muss sich mit allen Fragen befassen, die sich aus der Gewerkschaftsbewegung ergeben, muss sie klar beantworten und ihre Auffassungen durch die Kommunisten, die in den Gewerkschaften arbeiten, propagieren, ohne die organisatorische Autonomie der letzteren zu durchbrechen.<\/p>\n<p>Bekanntlich hatte in Frankreich innerhalb der Gewerkschaften der sogenannte revolution\u00e4re Syndikalismus einen gro\u00dfen Einfluss Obwohl der revolution\u00e4re Syndikalismus die Partei leugnete, so war er eigentlich nichts anderes, als eine antiparlamentarische Partei der Arbeiterklasse. Die syndikalistische Partei f\u00fchrte stets einen energischen Kampf um ihren Einfluss auf die Gewerkschaften und leugnete die Neutralit\u00e4t oder Unabh\u00e4ngigkeit der Gewerkschaften in Bezug auf Theorie und Praxis der syndikalistischen Partei. Sieht man von den theoretischen Fehlern und Extremen des franz\u00f6sischen Syndikalismus ab und nimmt man seinen revolution\u00e4ren Sinn, so unterliegt es keinem Zweifel, dass dieser Sinn seine volle Entfaltung gerade im Kommunismus gefunden hat.<\/p>\n<p>Den Kern des revolution\u00e4ren Syndikalismus in Frankreich bildete die Gruppe \u201eLa vie ouvri\u00e8re&#8220;. Ich hatte im Kriege Gelegenheit, diese Gruppe n\u00e4her kennen zu lernen. Im Mittelpunkt standen Monatte und Rosmer, rechts schlossen sich Merrheim und Dumoulin an. Die zwei Letzteren wurden sp\u00e4ter zu Renegaten. Rosmer vollzog den nat\u00fcrlichen \u00dcbergang vom revolution\u00e4ren Syndikalismus zum Kommunismus. Monatte nimmt bis jetzt eine unbestimmte Position ein, nach dem 3. Kongress der Internationale und dem Kongress der Roten Gewerkschaften machte Monatte einen Schritt, der mir ernsthafte Bef\u00fcrchtungen einfl\u00f6\u00dft. Gemeinsam mit dem Sekret\u00e4r des Eisenbahnerverbandes, Monmousseau, ver\u00f6ffentlichte Monatte einen Protest gegen die Resolution der Kommunistischen Internationale zur Gewerkschaftsfrage und lehnte den Anschluss an die Rote Gewerkschaftsinternationale ab. Es muss gesagt werden, dass selbst der Text des Protestes von Monatte und Monmousseau das beste Argument gegen ihre geteilte Stellungnahme bildet. Monatte erkl\u00e4rt seinen Austritt aus der Amsterdamer Gewerkschaftsinternationale wegen ihrer Zusammengeh\u00f6rigkeit mit der II. Internationale. Ganz richtig. Aber die Tatsache, dass die \u00fcberwiegende Majorit\u00e4t der Gewerkschaften entweder mit der II, oder III. Internationale zusammengeht, bildet den besten Beweis daf\u00fcr, dass es neutrale, apolitische Gewerkschaften \u00fcberhaupt und gar in revolution\u00e4ren Zeiten nicht gibt und nicht geben kann. Wer sich von Amsterdam losl\u00f6st und sich Moskau nicht anschlie\u00dft, der riskiert, eine Gewerkschaftsinternationale 2\u00bd zu bilden.<\/p>\n<p>Ich hoffe bestimmt, dass dieses traurige Missverst\u00e4ndnis sich beheben wird und dass Monatte den Platz einnehmen wird, der ihm seiner ganzen Vergangenheit nach zukommt, n\u00e4mlich in der Franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei und in der Moskauer Internationale.<\/p>\n<p>Vollkommen begreiflich und richtig ist die vorsichtige und sanfte Behandlung, die die revolution\u00e4ren Syndikalisten von der Franz\u00f6sischen Kommunistischen Partei erfahren, die eine Ann\u00e4herung an sie sucht. Aber absolut unbegreiflich ist die Nachsicht, mit der die Partei die Quertreiberei gegen die Politik der Kommunistischen Internationale von Seiten ihrer eigenen Mitglieder, wie Verdier, duldet. Monatte repr\u00e4sentiert die Tradition des revolution\u00e4ren Syndikalismus, Verdier repr\u00e4sentiert aber nur den Wirrwarr.<\/p>\n<p>Aber h\u00f6her als diese pers\u00f6nlichen und Gruppen-Interessen steht die Frage nach dem f\u00fchrenden Einfluss der Partei auf die Gewerkschaften. Ohne ihre Autonomie anzutasten, die ganz und gar von den Bed\u00fcrfnissen der laufenden praktischen Arbeit diktiert wird, muss die Partei jedoch auf diesem wichtigsten Gebiete allen Streitigkeiten und Schwankungen ein Ende machen und der franz\u00f6sischen Arbeiterklasse in der Praxis zeigen, dass sie eine revolution\u00e4re Partei besitzt, die auf allen Gebieten des Klassenkampfes f\u00fchrend ist. In dieser Hinsicht werden die Beschl\u00fcsse des 3. Kongresses, so vor\u00fcbergehende Verwirrungen und Konflikte sie in den n\u00e4chsten Monaten auch hervorrufen m\u00f6gen, auf den weiteren Gang der franz\u00f6sischen Arbeiterbewegung einen gewaltigen und h\u00f6chst fruchtbaren Einfluss aus\u00fcben. Nur auf Grund dieser Resolutionen wird das richtige Wechselverh\u00e4ltnis zwischen der Partei und der Arbeiterklasse eintreten, und ohne dasselbe gibt es keine siegreiche Revolution des Proletariats und kann es nicht geben.<\/p>\n<p><strong><em>Nicht Wendung nach rechts, sondern ernsthafte Vorbereitung zur Machtergreifung.<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Ich will von den kommunistischen Parteien der anderen L\u00e4nder nicht reden, denn ich wollte nur die Grundlinien der Politik der Kommunistischen Internationale dartun, wie sie sich auf dem letzten Kongress entwickelt und herausgebildet haben.<\/p>\n<p>Deshalb habe ich jene Parteien gekennzeichnet, die das meiste Material zur Ausarbeitung der taktischen Linie der Internationale in der n\u00e4chsten Zeit beigetragen haben.<\/p>\n<p>Es er\u00fcbrigt sich zu sagen, dass der Kongress nicht vorgeschlagen hat, den Kampf mit den Zentristen und Halbzentristen \u201eeinzustellen&#8220;, wie manche linke Genossen grundlos bef\u00fcrchteten. Der ganze Kampf der Kommunistischen Internationale gegen das kapitalistische Regime richtet sich vor allem gegen seine reformistisch-opportunistischen Sch\u00fctzengr\u00e4ben. Diese m\u00fcssen vor allem genommen werden. Andererseits kann man den Kampf gegen die Internationale II und II\u00bd nicht f\u00fchren, bevor man nicht die eigenen kommunistischen Reihen von zentristischen Tendenzen und Stimmungen gereinigt hat. Das ist absolut unzweifelhaft.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn3\" name=\"_ednref3\">[iii]<\/a><\/p>\n<p>Aber diesen Kampf nach rechts, der zu unserem grunds\u00e4tzlichen Kampfe mit der b\u00fcrgerlichen Gesellschaft durchaus geh\u00f6rt, k\u00f6nnen wir nur dann erfolgreich f\u00fchren, wenn wir in k\u00fcrzester Zeit die linken Verirrungen \u00fcberwinden, die sich aus der Unerfahrenheit und Ungeduld ergeben und mitunter die Form gef\u00e4hrlicher Abenteuer annehmen. In dieser Richtung hat der 3. Kongress eine gro\u00dfe Erziehungsarbeit geleistet, die ihn, wie gesagt, zur Hochschule, zur Akademie der revolution\u00e4ren Strategie gemacht hat.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich unserer Resolutionen reden Martow, Bauer und die anderen Stubenstrategen des Kleinb\u00fcrgertums von einem Zerfall des Kommunismus, einem Zusammenbruch der III. Internationale u. a. m. Dieses Gerede verdient theoretisch nur Verachtung. Der Kommunismus ist nicht und war nicht ein dogmatisches Kalenderprogramm der Revolution. Der Kommunismus ist die lebendige, aktive, wachsende, man\u00f6vrierende Armee des Proletariats, die im Prozess ihrer Arbeit sich der ver\u00e4nderlichen Bedingungen des Kampfes bewusst wird, ihre eigene <em>Waffe<\/em> \u00fcberpr\u00fcft, sie von Neuem sch\u00e4rft, falls sie stumpf geworden ist, und alle ihre Handlungen den Bed\u00fcrfnissen der Vorbereitung zum revolution\u00e4ren Sturz der b\u00fcrgerlichen Ordnung anpasst<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass wir uns auf dem 3. Kongress so eingehend und ausf\u00fchrlich, so konkret mit Fragen der Taktik befasst haben, ist an und f\u00fcr sich ein gewaltiger Schritt vorw\u00e4rts: sie zeugt davon, dass die III. Internationale das Stadium der geistigen und organisatorischen Selbstbestimmung verlassen und sich als lebendige und leitende Massenorganisation den Fragen der unmittelbaren revolution\u00e4ren Aktion zugewandt hat. Wenn einer der j\u00fcngeren und weniger erfahrenen Genossen aus meinen Ausf\u00fchrungen eine pessimistische Schlussfolgerung ziehen wollte in dem Sinne, dass die Lage der Internationale ung\u00fcnstig sei, und dass bei Vorhandensein so irriger Auffassungen und Methoden in den kommunistischen Parteien selbst die Bourgeoisie kaum zu besiegen sei, \u2013 h\u00e4tte er einen grundfalschen Schluss gezogen. Zu einer Zeit der scharfen Ver\u00e4nderungen der Weltpolitik, in einer Zeit der tiefen sozialen Ersch\u00fctterungen, mit einem Wort, in der revolution\u00e4ren Zeit, in der wir leben, vollzieht sich die Erziehung der revolution\u00e4ren Parteien au\u00dferordentlich rasch, besonders bei einem gegenseitigen Austausch an Erfahrungen, bei gegenseitiger Kontrolle und einer gemeinsamen zentralisierten Leitung, deren Ausdruck ja unsere Internationale bildet. Wir d\u00fcrfen nicht vergessen, dass die st\u00e4rksten kommunistischen Parteien in Europa erst \u2013 buchst\u00e4blich! \u2013 Monate alt sind. In unserer Zeit z\u00e4hlt ein Monat f\u00fcr ein Jahr, und mancher Monat f\u00fcr ein Jahrzehnt.<\/p>\n<p>Obwohl ich auf dem Kongress dem sogenannten \u201erechten&#8220; Fl\u00fcgel angeh\u00f6rte und mich an der Kritik der pseudorevolution\u00e4ren Linksrichtung beteiligte, die ich Ihnen in der Gef\u00e4hrlichkeit f\u00fcr die wirkliche Entwicklung der proletarischen Revolution zu zeigen suchte, so habe ich den Kongress in einer viel optimistischeren Stimmung verlassen, als ich zu ihm hingegangen war. Die Eindr\u00fccke, die ich aus dem Meinungsaustausch mit den Delegationen unserer Bruderparteien Europas und der ganzen Welt gewonnen habe, kann ich so zusammenfassen: im verflossenen Jahr hat die Kommunistische Internationale einen gewaltigen Schritt vorw\u00e4rts getan, sowohl in ideeller, als auch organisatorischer Beziehung. Der Kongress hat das Signal zum allgemeinen Angriff nicht gegeben und konnte es auch nicht geben. Er formulierte die Aufgabe der kommunistischen Parteien als Aufgabe der <strong><em>Vorbereitung <\/em><\/strong>zum Angriff, und vor allem als Aufgabe der ideellen Eroberung der Majorit\u00e4t der Werkt\u00e4tigen in Stadt und Land. Das bedeutet keineswegs, dass die Revolution auf unbestimmt lange Zeit \u201ehinausgeschoben&#8220; wird. Nichts derartiges: wir beschleunigen die Revolution und, vor allem, wir sichern ihren Sieg dadurch, dass wir uns tief gehend, allseitig und sorgf\u00e4ltig auf sie vorbereiten.<\/p>\n<p>Selbstverst\u00e4ndlich kann man in keinem Sinne die revolution\u00e4re Politik der Arbeiterklasse und die Kriegsarbeit der Roten Armee auf einen Generalnenner bringen, das wissen wir wohl, \u2013 und es erscheint mir besonders \u201eriskant&#8220;, selbst zu Vergleichen aus diesem Gebiete zu greifen, in Anbetracht der fast traditionellen Gefahr, einer \u201emilit\u00e4rischen&#8220; Geistesrichtung verd\u00e4chtigt zu werden (die deutschen Cunows und die russischen Martows haben ja l\u00e4ngst schon festgestellt, dass ich bestrebt bin, die Politik und \u00d6konomik der Arbeiterklasse durch einen \u201eBefehl&#8220; zu ersetzen, der durch einen milit\u00e4rischen \u201eApparat&#8220; weitergegeben wird), \u2013 dennoch will ich, mit dieser Vorrede als R\u00fcckendeckung, riskieren, einen gewissen milit\u00e4rischen Vergleich zu gebrauchen, der, wie ich glaube, f\u00fcr die Beleuchtung der revolution\u00e4ren Politik des Proletariats sowie der T\u00e4tigkeit der Roten Armee nicht unangebracht ist.<\/p>\n<p>Als wir uns an einer unserer unz\u00e4hligen Fronten zu entscheidenden Operationen vorbereiten mussten, schickten wir dahin vor allem frische, von der Kommunistischen Partei mobilisierte Regimenter, Munitionsvorr\u00e4te usw. usw. Ohne gen\u00fcgend materielle Mittel konnte nat\u00fcrlich von einem entscheidenden Kampfe gegen Koltschak, Denikin oder Wrangel nicht die Rede sein.<\/p>\n<p>Aber nun sind die materiellen Vorbedingungen f\u00fcr entscheidende Aktionen mehr oder weniger da. Wir kommen an die Front und erfahren, dass das Frontkommando einen allgemeinen Angriff \u2013 sagen wir f\u00fcr den 5. Mai \u2013 beschlossen habe, der, sagen wir, in drei Tagen sein wird. In der Sitzung des Revolution\u00e4r-Milit\u00e4rischen Frontsowjets, im Stabe, in der politischen Sektion erfahren wir, dass auf unserer Seite ein gewisses \u00dcbergewicht in der Zahl von Gewehren, S\u00e4beln und Kanonen vorhanden ist, dass der Gegner uns im Flugwesen \u00fcberlegen, dass aber im gro\u00dfen und ganzen die \u00dcberlegenheit auf unserer Seite ist. Die Soldaten sind mehr oder weniger bekleidet und ausger\u00fcstet, die Kommunikation ist gesichert. In dieser Hinsicht ist alles recht gut bestellt. \u201eUnd wie stand es mit der Agitation vor dem Angriff? Wie lange wurde sie gef\u00fchrt? In welchen Formen, unter welchen Parolen? Wie viel Kommunisten wurden f\u00fcr die Agitation hinaus geschickt? Zeigt uns Eure Flugbl\u00e4tter, Proklamationen, die Artikel Eurer Frontzeitungen, Eure Plakate und Karikaturen. Ist jedem Soldaten Eurer Armee an Eurer Front bekannt, wer Wrangel ist, mit wem er in Verbindung steht, wer ihn deckt und woher er Artillerie und Flugzeuge hat?&#8220; \u2013 Darauf bekommen wir eine ungen\u00fcgend bestimmte Antwort. Eine Agitation wurde nat\u00fcrlich gef\u00fchrt. \u00dcber Wrangel wurden selbstverst\u00e4ndlich Aufkl\u00e4rungen erteilt. Aber einige Regimenter sind erst gestern oder vorgestern aus dem Zentrum oder von anderen Fronten angelangt, und \u00fcber ihre politische Gesinnung und Stimmung liegen noch keine genauen Informationen vor. \u201eWie hat man die von der Partei mobilisierten paar Tausend Kommunisten auf die Divisionen und Regimenter verteilt? Hat man bei der Verteilung der kommunistischen Elemente dem Charakter und der Zusammensetzung jedes einzelnen Truppenteils Rechnung getragen? Sind die Kommunisten selbst gen\u00fcgend bearbeitet worden? Hat man jeder Gruppe erkl\u00e4rt, welchem Teile sie zugewiesen werden wird, was die Eigent\u00fcmlichkeiten dieses Teiles sind und welche speziellen Bedingungen der politischen Arbeit dort vorherrschen? Und schlie\u00dflich, ist das Vorhandensein einer kommunistischen Zelle, die selbst bereit w\u00e4re, sich bis zu Ende zu schlagen und die anderen vorw\u00e4rts zu treiben, in jeder Kompanie gesichert?&#8220;<\/p>\n<p>Es stellt sich heraus, dass diese Arbeit blo\u00df in allgemeinen Z\u00fcgen, ohne die n\u00f6tige Ber\u00fccksichtigung der konkreten Bedingungen und der speziellen Eigenschaften der politischen Agitation in der Armee \u00fcberhaupt und in jedem Regiment speziell, verrichtet worden ist. Die Agitation hatte nicht den konzentrierten, intensiven Charakter, der einer unmittelbaren Vorbereitung zum Kampfe entspr\u00e4che. Das macht sich sowohl an den Zeitungsartikeln, wie an den Aufrufen bemerkbar \u2026 Endlich, ist das Kommando- und Kommissariatspersonal \u00fcberpr\u00fcft worden? In den letzten K\u00e4mpfen sind viele Kommissare gefallen und wurden zun\u00e4chst durch zuf\u00e4llige Elemente ersetzt. Wurde das Personal der Kommissariate geh\u00f6rig aufgef\u00fcllt? Wie verh\u00e4lt es sich mit den F\u00fchrern? Genie\u00dfen wir gen\u00fcgend Vertrauen? Wo die F\u00fchrer ungen\u00fcgend gepr\u00fcft worden sind, \u2013 hat man da durchaus zuverl\u00e4ssige und energische Kommissare? Gibt es nicht unter den F\u00fchrern, unter den fr\u00fcheren Zarenoffizieren Personen, deren Familien sich in dem von Wrangel besetzten Gebiete oder im Auslande aufhalten? Es ist nur nat\u00fcrlich, wenn diese F\u00fchrer gefangen genommen werden wollen, und das kann f\u00fcr den Ausgang einzelner Operationen fatale Folgen haben. Hat man sich das Kommando-Personal unter diesem Gesichtswinkel angesehen? Ist es erneuert, befestigt worden? Nicht? \u2013 Zur\u00fcck! Den Angriff absagen! In materieller Hinsicht ist der Moment vorteilhaft, wir haben ein \u00dcbergewicht an Kr\u00e4ften, der Gegner hat seine Kraft noch nicht konzentrieren k\u00f6nnen. Dies ist unzweifelhaft. Aber die moralische Vorbereitung ist von ebenso gro\u00dfer Bedeutung, wie die materielle. Indes ist die moralische Vorbereitung oberfl\u00e4chlich und salopp durchgef\u00fchrt worden. Unter diesen Umst\u00e4nden ist es besser, dem Gegner einen Teil des Territoriums abzutreten, sich soundso viele Kilometer zur\u00fcckzuziehen, Zeit zu gewinnen, den Angriff auf zwei, drei Wochen hinauszuschieben und die politische und organisatorische Vorarbeit zu Ende zu f\u00fchren. Dann ist der Erfolg garantiert&#8220; \u2026<\/p>\n<p>Wer in unserer Armee gedient hat, der wei\u00df, dass ich dieses Beispiel nicht ausgedacht habe. Strategische R\u00fcckz\u00fcge nur deshalb, weil die Armee in moralisch-politischer Hinsicht auf entscheidende K\u00e4mpfe nicht vorbereitet war, kamen bei uns wiederholt vor. Indessen ist die Armee eine Zwangsorganisation. Jeder, der geschickt wird, muss in den Kampf gehen. Gegen die Zuwiderhandelnden werden harte Ma\u00dfnahmen angewandt, sonst kann eine Armee nicht bestehen. Aber die wichtigste bewegende Kraft der revolution\u00e4ren Armee ist das politische Bewusstsein, der revolution\u00e4re Enthusiasmus, der Sinn der Majorit\u00e4t der Armee f\u00fcr die ihr bevorstehende Aufgabe und die Bereitwilligkeit, diese Aufgabe zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Wie viel mehr hat all das auf die entscheidenden revolution\u00e4ren K\u00e4mpfe der Arbeiterklasse Bezug! Hier kann von einem Zwang zur Revolution nicht die Rede sein. Hier fehlt der Apparat der Zwangsma\u00dfnahmen. Der Erfolg kann nur auf der Bereitwilligkeit der Majorit\u00e4t der Werkt\u00e4tigen basieren, am Kampfe direkt oder indirekt teilzunehmen, und seinen gl\u00fccklichen Ausgang zu f\u00f6rdern.<a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_edn4\" name=\"_ednref4\">[iv]<\/a> Der 3. Kongress hatte einen Charakter, als ob die Kommunistische Internationale in Gestalt ihrer leitenden Vertreter an die Front der internationalen Arbeiterbewegung gekommen w\u00e4ren, die sich zu entscheidenden K\u00e4mpfen um die Macht vorbereitet. Der Kongress fragte: \u201eGenossen, Kommunisten, deutsche, italienische, franz\u00f6sische und andere! Besitzt Ihr die Majorit\u00e4t der Arbeiterklasse Europas? Was habt Ihr getan, damit jeder Arbeiter wei\u00df, in wessen Namen der Kampf gef\u00fchrt wird? Habt Ihr dies den werkt\u00e4tigen Massen bis zu den r\u00fcckst\u00e4ndigsten mit einfachen, klaren und verst\u00e4ndlichen Worten klar gemacht? Was habt Ihr unternommen, um zu pr\u00fcfen, dass diese R\u00fcckst\u00e4ndigen Euch verstanden haben? Zeigt Eure Zeitungen, Eure Brosch\u00fcren, Eure Flugbl\u00e4tter. Nein, Genossen, das gen\u00fcgt nicht. Das ist noch nicht die Sprache, die den wirklichen Zusammenhang mit der millionenk\u00f6pfigen Masse der Werkt\u00e4tigen zeugt \u2026 Was habt Ihr zu einer richtigen Verteilung der kommunistischen Kr\u00e4fte in den Gewerkschaften unternommen? Habt Ihr in allen wichtigen Organisationen der Arbeiterklasse zuverl\u00e4ssige Zellen? Was habt Ihr getan zur \u00dcberpr\u00fcfung des \u201eKommando-Personals&#8220; in den Gewerkschaften, zur tats\u00e4chlichen S\u00e4uberung der Arbeiterorganisationen von zweifelhaften, unzuverl\u00e4ssigen oder gar offen verr\u00e4terischen F\u00fchrern? Habt Ihr im Feindeslager gute Kundschafter? \u2026 Nein, Genossen, Eure Ausbildung gen\u00fcgt nicht, in gewisser Hinsicht habt Ihr noch nicht einmal die Aufgaben der Vorbereitung richtig erfasst \u2026&#8220;<\/p>\n<p>Bedeutet dies denn, dass der entscheidende Kampf auf Jahrzehnte oder auch nur auf viele Jahre hinausgeschoben wird? Nichts derartiges! Einen Angriff im Kriege kann man manchmal in zwei, drei Wochen oder noch weniger Zeit vorbereiten. Zerstreute Divisionen, mit schwankender Stimmung, mit einem unstabilen Kommando- und Kommissar-Apparat k\u00f6nnen bei gen\u00fcgend intensiver Vorarbeit in zehn bis f\u00fcnfzehn Tagen in eine m\u00e4chtige Armee umgewandelt werden, die im Bewusstsein und Willen fest zusammengekittet ist. Es ist unvergleichlich schwieriger, die proletarischen Massen zum entscheidenden Kampf zusammenzuschlie\u00dfen. Aber diese Arbeit wird durch unsere ganze Epoche au\u00dferordentlich erleichtert, \u2013 unter der Bedingung, dass wir nicht nach rechts ablenken und nach links stolpern werden. Ob die Vorarbeit blo\u00df einige Monate oder gar ein Jahr oder zwei und noch mehr erfordern wird, dar\u00fcber sich den Kopf zu zerbrechen, w\u00e4re unklug. Das h\u00e4ngt von vielen Bedingungen ab. Aber unzweifelhaft ist, dass in der jetzigen Situation eine der Hauptbedingungen f\u00fcr den Anbruch der Revolution und ihre siegreiche Vollendung unsere Vorarbeit zu ihr ist. An die Massen! \u2013 ruft die Kommunistische Internationale allen ihren Parteien zu. Erfasst sie tiefer und weiter! Kn\u00fcpft zwischen Euch und ihnen ein unl\u00f6sbares Band! Verteilt die Kommunisten auf die verantwortlichsten und gef\u00e4hrlichsten Posten in der ganzen Masse der Arbeiterklasse! M\u00f6gen sie das Vertrauen der Massen gewinnen. M\u00f6ge die Masse zusammen mit ihnen aus ihren Reihen die opportunistischen F\u00fchrer entfernen, die schwankenden F\u00fchrer und die streberischen F\u00fchrer. N\u00fctzt jeden Augenblick f\u00fcr die Vorbereitung zur Revolution aus. Die Zeit arbeitet f\u00fcr uns. F\u00fcrchtet nicht, dass die Revolution Euch zwischen den Fingern zerrinnen wird. Organisiert Euch, befestigt Euch, \u2013 und dann wird die Stunde schlagen, die zur Stunde der wirklich entscheidenden Offensive werden wird, und dann wird die Partei nicht nur \u201eVorw\u00e4rts!\u201c kommandieren, sondern auch den Angriff f\u00fchren bis zum siegreichen Ende!<\/p>\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/sites.google.com\/site\/sozialistischeklassiker2punkt0\/trotzki\/1921\/leo-trotzki-die-schule-der-revolutionaeren-strategie\">Sozialistische Klassiker&#8230;<\/a> vom 11. Januar 2017<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref1\" name=\"_edn1\">[i]<\/a> Der fr\u00fchere Vorsitzende der Zentrale der VKPD., Paul Levi, ist mit einer Kritik der Taktik der Partei in den M\u00e4rztagen hervorgetreten. Aber er verlieh seiner Kritik einen v\u00f6llig unzul\u00e4ssigen, desorganisatorischen Charakter und brachte der Sache nicht Nutzen, sondern Schaden. Der innere Kampf f\u00fchrte zum Ausschluss Levis aus der Partei und zur Best\u00e4tigung des Ausschlusses durch den Kongress der Internationale.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref2\" name=\"_edn2\">[ii]<\/a> Im Original steht irrt\u00fcmlich \u201eDeutschland\u201c, im <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/archive\/trotsky\/1924\/ffyci-2\/01b.htm\"><strong>englischen Text<\/strong><\/a> steht \u201eFrance\u201c. [Anm. Herausgeber]<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref3\" name=\"_edn3\">[iii]<\/a> Aus den Artikeln des Genossen Curt Geyer \u00fcber den 3. Kongress, die ich w\u00e4hrend der Drucklegung dieser Schrift erhalte, ersehe ich, dass dieser Vertreter der Opposition nicht nur zum Zentrismus hinab rutscht, sondern sich selbst dessen bewusst ist. Er geht davon aus, dass der 3. Kongress eine neue historische Perspektive er\u00f6ffnet und dadurch seine Taktik in eine geringere Abh\u00e4ngigkeit von der Erwartung der Revolution in der n\u00e4chsten Zeit gebracht hat. Daraus zieht Geyer den Schluss, dass die taktischen Meinungsverschiedenheiten zwischen der III. Internationale und den Zentristen \u2026an Sch\u00e4rfe verlieren. Eine solche Schlussfolgerung ist geradezu ungeheuerlich! Die III. Internationale ist eine Kampfesorganisation, die durch alle ver\u00e4nderten Verh\u00e4ltnisse hindurch zum revolution\u00e4ren Ziele fortschreitet. Die 2\u00bd Internationale will die Revolution nicht. Sie ist aufgebaut auf die entsprechende Auswahl von F\u00fchrern und Halbf\u00fchrern, Gruppierungen und Tendenzen, Gedankeng\u00e4ngen und Methoden.<\/p>\n<p>Zur selben Zeit, wo Curt Geyer eine Milderung der Meinungsverschiedenheiten zwischen den Kommunisten und Unabh\u00e4ngigen konstatiert, konstatieren die Unabh\u00e4ngigen \u2013 mit viel mehr Recht \u2013 eine Milderung der Meinungsverschiedenheiten zwischen ihnen und den Sozialdemokraten. W\u00fcrde man daraus alle Konsequenzen ziehen, so w\u00fcrde man dadurch zum Programm der Wiederherstellung der alten Sozialdemokratie gelangen, wie sie bis zum August 1914 bestand, mit allen sich daraus ergebenen Folgen. Lehnen wir auch das dogmatische Sicheinrichten auf die Revolution in den n\u00e4chsten Wochen oder Monaten ab, \u2013 aus dem praktisch die putschistischen Tendenzen entspringen, \u2013 so bleiben wir noch in unserem Kampfe mit dem Putschismus unserer Grundaufgabe treu: der Schaffung einer revolution\u00e4ren, aktiven, intransigenten Kommunistischen Partei, die allen reformistischen und zentristischen Gruppierungen im Proletariat entgegenarbeitet. Curt Geyer schiebt die Revolution dogmatisch in unbestimmte Ferne hinaus und zieht daraus Schl\u00fcsse im Sinne einer Ann\u00e4herung an die Zentristen. Man hat allen Grund zu bef\u00fcrchten, dass diese \u201ePerspektive\u201c Geyer und seine Gesinnungsgenossen viel weiter f\u00fchren wird, als sie jetzt selber glauben.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/maulwuerfe.ch\/wp-admin\/post-new.php#_ednref4\" name=\"_edn4\">[iv]<\/a> Ein Spa\u00dfvogel \u201eerwiderte&#8220; mir auf dem Kongress in dem Sinne, dass man die Arbeiterklasse nicht wie eine Armee kommandieren k\u00f6nne. Eben! Aber ich bewies, dass man nicht einmal die Rote Armee so kommandieren kann, wie manche Politiker die Arbeiterklasse zu kommandieren suchten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht vom 3. Kominternkongress auf einer Partei-Mitgliederversammlung in Moskau (1921). Mit Schule der revolution\u00e4ren Strategie hat Trotzki hier den 3. Weltkongress der III. Internationale im Sinne, der vom 22. Juni bis zum 12. 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